Titel: „Läuft bei uns! Ein pädagogisch-psychologischer Wegweiser für ein neues Miteinander in der Schule“
Verlag: Vandenhoeck und Ruprecht (hier klicken)
Autoren: Sven Donner, Lars Bednorz
ISBN: 978-3-525-46303-1
Zum Inhalt:
Diplom-Psychologe Sven Donner und Gymnasialzweigleiter Dr. Lars Bednorz beleuchten das Thema „Miteinander in der Schule“ aus zwei sich ergänzenden Perspektiven, nämlich der Lehrkraft und des Therapeuten. Beide haben also mit Schüler:innen und Eltern zu tun, wenn auch auf andere Art und Weise. Ihr Buch basiert auf der Annahme, dass „schulische Strukturen Gestaltungsräume darstellen“ (S. 12, Hervorhebung d. d. Autoren) – eine Sichtweise, die im oft sehr starr und geregelt wahrgenommenen Schulsystem nicht selbstverständlich ist.
In elf Kapiteln widmen sich die beiden Autoren verschiedenen aspekten schulischer Zusammenarbeit zwischen Lernenden, deren Eltern und Lehrkräften – diese reichen von Elternsprechtagen über Konflikte, Mobbing und Hilfsangbote bis hin zur Digitalisierung. In jedem Kapitel gibt es eine psychologische sowie eine praktische Einordnung, gefolgt von konkreten Handlungsanlässen, den sog. Kommunikations- und Interaktionsimpulsen.


Meine Meinung:
Der Titel verspricht viel, das Buch kann dieses Versprechen aber in meinen Augen nicht vollumfänglich einlösen. Bei einem „Wegweiser“ hätte ich mir noch klarere Optionen gewünscht, wie genau Schule systemisch und vielleicht systematisch anders aufgestellt werden kann. Vielleicht liegt dieses Gefühl meinerseits aber auch daran, dass ich a) aus einer anderen Schulform komme und b) das Thema Haltung mich schon lange beschäftigt und ich deshalb wenig Neues aus dem Buch ziehen konnte.
Haltung, das ist jedoch das positive Stichwort. Die Haltung der Autoren wird sehr klar: sie wollen vom Übereinander- zum Miteinandersprechen kommen und dem durch Zwang gekennzeichnete System Schule zu mehr Augenhöhe verhelfen. In all ihren Ausführungen und Beispielen geht es schlussendlich darum, wie man alle Beteiligten anhören und Einfluss nehmen lassen kann. Es geht darum, gegenseitige Vorurteile ab- und Netzwerke aufzubauen. Es geht darum, das Wohlbefinden dem Funktionieren voranzustellen – und da gehe ich absolut mit. Und nein, es geht mir genauso wie den Autoren nicht darum, jegliche Hindernisse aus dem Weg zu räumen! Nur soll es eben mehr Anerkennung dafür geben, dass Schule ein Lebensraum für Kinder und Jugendliche ist, die sich dort nicht immer wohlfühlen können und/oder Unterstützungsbedarf verschiedenster Arten mitbringen.
Ein kleiner Bonus: Besonders gefreut habe ich mich über die klare Abgrenzung von Ärgern zu Mobbing (S. 96), da heutzutage fast schon reflexhaft „Mobbing!“ gerufen wird, wenn Kinder andere Kinder beleidgen, nerven o.ä.!
Leseempfehlung:
Alle, die sich mit Schulentwicklung interessieren und dabei auch die psychologische Perspektive interessiert, finden hier soliden Lesestoff, der Anregungen zur Kommunikation bietet. Konkrete Spiele und Aktivitäten, vor allem für Lernende ab der Sek. 1 kann man direkt mit in den Alltag nehmen.
Vielen Dank an den Verlag Vandenhoeck und Ruprecht für das Rezensionsexemplar!
Katha
