Titel: „Der beste Garten der Welt“ Verlag: Südpol (hier klicken) Autorin: Alice Courtley Illustrationen: Alice Courtley Übersetzung: Lina Robertz ISBN: 978-3-96594-371-1
Zum Inhalt: Eichhörnchen Steve zieht aus dem Stadtpark in den Wald, um dort wie ein wildes Eichhörnchen zu leben. Sein Plan: den besten Garten der ganzen Welt anzulegen und darin mit Freunden Zeit zu verbringen. Die Waldtiere helfen ihrem neuen Mitbewohner auch fleißig dabei, diesen Plan in die Tat umzusetzen und es entshet der beste Garten mitten im Wald – da sind sich die Tiere einig (wenn sie auch nur diesen Garten kennen). ABER: die Waldtiere haben deutlich andere Vorstellungen davon, wie man diesen Ort nutzen kann, als Steve. Das führt dazu, dass Steve in seinem Garten so ziemlich alles verbietet, was den anderen Spaß macht (siehe rechtes Bild). Dummerweise besucht ihn nun allerding niemand mehr. Also muss ein neuer Plan her!
Meine Meinung: Steve ist energiegeladen, sympathisch, voller Lebensfreude und Lust am Gärtnern – und ein wenig naiv. Das macht ihn unheimlich liebenswert. Genauso wie die Waldbewohner:innen, die als etwas unerfahren, aber nie doof dargestellt werden. Beide Seiten stellen fest, dass ein „perfekter Garten“ für sie sehr verschiedene Bedeutung hat, weil sie die (gezähmte) Natur ganz unterschiedlich nutzen möchten. Diese verschiedenen Vorstellungen sind ihnen jedoch zuerst gar nicht bewusst – ein schönes Bild dafür, wie viele Missverständnisse entstehen bzw. wie leicht man manchmal jemanden vor den Kopf stößt. Erfreulicherweise zieht Steve die richtigen Schlüsse daraus, dass er in seinem Verbote-Garten allein bleibt und findet wieder mit den Waldtieren zusammen. Er verändert seine Sichtweise und erkennt die Bedürfnisse der Anderen. Diesen Wandel, dieses Eingestehenkönnen, mag ich besonders an Steve und der Geschichte. Das Eichhörnchen bietet somit eine tolle Projektionsfläche für eigene Gefühle und das eigene Verhalten im Umgang mit anderen Personen. Die plakative Handlung ermöglicht es Kindern hervorragend, sich in Steve und die Waldtiere hineinzuversetzen und ihre Perspektive verstehen zu lernen. Dass hier Tiere handeln, erleichtert diesen Prozess zusätzlich, da sie genügend Distanz bieten, um nicht perönlich betroffen zu sein. Ein ganz starkes Bilderbuch!
Leseempfehlung: „Der beste Garten der Welt“ ist eines der Bilderbücher, die ich uneingeschränkt allen Eltern, Erziehr:innen und Lehrkräften empfehlen kann! Bis weit ins Grundschulalter hinein trägt diese Geschichte meiner Meinung nach. Beim (Vor-)Lesen ist Steves Story erstmal amüsant, lustig, nett. Schnell bieten sich jedoch Gesprächsanlässe über das Verhalten der Tiere: Findest du das in Ordnung? Wie würdest du an dieser Stelle handeln? Was könnte Steve anders machen? Wie könnten die Tiere Freunde sein? – All diese Fragen ermöglichen es, über Perspektiven zu sprechen, über das Miteinander und darüber, dass Reden wirklich hilfreich ist, bevor man traurig, wütend oder einsam wird. Und das alles ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder didaktisierte Storyline! 😉
Vielen Dank an den Südpol-Verlag für das druckfrische und so liebevoll verpackte Rezensionsexemplar!
Titel: „Läuft bei uns! Ein pädagogisch-psychologischer Wegweiser für ein neues Miteinander in der Schule“ Verlag: Vandenhoeck und Ruprecht (hier klicken) Autoren: Sven Donner, Lars Bednorz ISBN: 978-3-525-46303-1
Zum Inhalt: Diplom-Psychologe Sven Donner und Gymnasialzweigleiter Dr. Lars Bednorz beleuchten das Thema „Miteinander in der Schule“ aus zwei sich ergänzenden Perspektiven, nämlich der Lehrkraft und des Therapeuten. Beide haben also mit Schüler:innen und Eltern zu tun, wenn auch auf andere Art und Weise. Ihr Buch basiert auf der Annahme, dass „schulische Strukturen Gestaltungsräume darstellen“ (S. 12, Hervorhebung d. d. Autoren) – eine Sichtweise, die im oft sehr starr und geregelt wahrgenommenen Schulsystem nicht selbstverständlich ist. In elf Kapiteln widmen sich die beiden Autoren verschiedenen aspekten schulischer Zusammenarbeit zwischen Lernenden, deren Eltern und Lehrkräften – diese reichen von Elternsprechtagen über Konflikte, Mobbing und Hilfsangbote bis hin zur Digitalisierung. In jedem Kapitel gibt es eine psychologische sowie eine praktische Einordnung, gefolgt von konkreten Handlungsanlässen, den sog. Kommunikations- und Interaktionsimpulsen.
Meine Meinung: Der Titel verspricht viel, das Buch kann dieses Versprechen aber in meinen Augen nicht vollumfänglich einlösen. Bei einem „Wegweiser“ hätte ich mir noch klarere Optionen gewünscht, wie genau Schule systemisch und vielleicht systematisch anders aufgestellt werden kann. Vielleicht liegt dieses Gefühl meinerseits aber auch daran, dass ich a) aus einer anderen Schulform komme und b) das Thema Haltung mich schon lange beschäftigt und ich deshalb wenig Neues aus dem Buch ziehen konnte. Haltung, das ist jedoch das positive Stichwort. Die Haltung der Autoren wird sehr klar: sie wollen vom Übereinander- zum Miteinandersprechen kommen und dem durch Zwang gekennzeichnete System Schule zu mehr Augenhöhe verhelfen. In all ihren Ausführungen und Beispielen geht es schlussendlich darum, wie man alle Beteiligten anhören und Einfluss nehmen lassen kann. Es geht darum, gegenseitige Vorurteile ab- und Netzwerke aufzubauen. Es geht darum, das Wohlbefinden dem Funktionieren voranzustellen – und da gehe ich absolut mit. Und nein, es geht mir genauso wie den Autoren nicht darum, jegliche Hindernisse aus dem Weg zu räumen! Nur soll es eben mehr Anerkennung dafür geben, dass Schule ein Lebensraum für Kinder und Jugendliche ist, die sich dort nicht immer wohlfühlen können und/oder Unterstützungsbedarf verschiedenster Arten mitbringen. Ein kleiner Bonus: Besonders gefreut habe ich mich über die klare Abgrenzung von Ärgern zu Mobbing (S. 96), da heutzutage fast schon reflexhaft „Mobbing!“ gerufen wird, wenn Kinder andere Kinder beleidgen, nerven o.ä.!
Leseempfehlung: Alle, die sich mit Schulentwicklung interessieren und dabei auch die psychologische Perspektive interessiert, finden hier soliden Lesestoff, der Anregungen zur Kommunikation bietet. Konkrete Spiele und Aktivitäten, vor allem für Lernende ab der Sek. 1 kann man direkt mit in den Alltag nehmen.
Vielen Dank an den Verlag Vandenhoeck und Ruprecht für das Rezensionsexemplar!
Titel: „Der Schmetterling“ und „Die Honigbiene“ Verlag: NordSüd (hier klicken) Autorin: Kirsten Hall Illustrationen: Isabelle Arsenault Übersetzung: Anna Schaub ISBN: 🦋 978-3-314-10741-2 bzw. 🐝 978-3-314-10474-9
Zum Inhalt: Jedes dieser Bilderbücher porträtiert ein Tier genauer. Bei der 🐝 lernen wir als Lesende den Lebensraum und die Ernährung genauer kennen sowie zum Beispiel die Kommunikation durch Tanz. Die Lebensweise im Bienenstock findet dabei ebenso Berücksichtigung wie die Aktivitäten der Bienen auf der Blumenwiese. Dieses Buch erschien bereits 2019 (war mir aber noch nicht begegnet). Den 🦋 begleiten wir über einen ganzen Lebenszyklus vom Ei bis zur Eiablage als erwachsenes Tier. Dabei gibt es in beiden Geschichten sehr sachliche Seiten genauso wie sehr künstlerisch-poetische Szenen. Beide Bücher sind in einem gedeckten pastelligen Farbschema gehalten und haben jeweils eine neonartige Akzentfarbe (hellorange bzw.hellgrün), die sich in den Illustrationen in kleineren Details, größeren Flächen und auch als Akzentlack auf dem Cover wiederfindet. Die Geschichten der Tiere werden größtenteils gereimt erzählt und bedienen sich teils auch einer sehr lautmalerischen Sprache. Am Ende ist noch jeweils eine erklärende Seite eingefügt, die die Bedeutung der Bienen und Schmetterlinge erklärt und Möglichkeiten zum Schutz dieser Lebewesen aufzeigt.
Meine Meinung: Zuerst zur Optik: die beiden Bücher sprechen mich unheimlich an und sind durch ihre Farbpalette, von der ihr auf den Fotos einen Eindruck bekommt, angenehm unaufgeregt. Vor allem in Zeiten sehr farbiger KI-Bilder allernorten ist Isabelle Arsenaults naturnaher und doch manchmal abstrakter Stil wirklich auffällig. Die Akzentfarben widersprechen der Farbpalette einerseits, passen aber andererseits hervorragend dazu – seltsam, aber für mich wahr. Inhaltlich gefallen mir die Bücher als Mutter und Lehrerin sehr, da sie sachliche Themen nicht als Sachtext aufbereiten, aber auch nicht verniedlichen oder belanglos machen. Die Zusammenhänge beim Schmetterling habe ich bewusst allerdings erst verstanden, als ich die erklärenden letzten Seiten las, da mir diese eher spezifisch amerikanischen Zugweisen nicht so bewusst waren. Die Anspielungen im Bienenbuch waren meinem Verständnis deutlich näher. Zuletzt zum Text: Poesie zu übersetzen ist in meinen Augen noch schwieriger als Prosa. Dennoch finde ich, dass Anna Schaub ein guter sprachlicher Mix gelungen ist, der Reime nicht um der Reime willen forciert und auch reimlose Stellen zulässt.
Leseempfehlung: Allen Eltern, Insektenfreund:innen und Neugierigen kann ich dieses Duo ans Herz legen. Als Vorlesestoff sind sie für Kindergarten- und Grundschulkinder wirklich gut geeignet und lassen im Gespräch gemeinsam Bekanntes und Neues entdecken. Als Sachunterrichts- und Deutschlehrerin freut es mich, hier Literatur gefunden zu haben, die einen spielerischen, poetischen Umgang mit Sprache mit sachlichen Inhalten verknüpft. Eine Abgrenzung von Sachtexten zu Erzähltexten wird hier wirklich spannend und kann Kinder zeigen, dass Sachwissen auch anders als in erklärenden Infotexten vermittelt werden kann.
Vielen Dank an den Verlag NordSüd für die beiden tollen Rezensionsexemplare!
Für eine Unterrichtsreihe zum Erzählen brauchte ich zuletzt ein Rahmenthema. Einmal hatte ich solch eine Reihe bereits rund um die Weihnachtswichtel Jule und Jasper gestrickt – das passt aber im Frühjahr eher schlecht. Also habe ich mir eine Liste geschrieben mit möglichen andere Themen, die einen geeigneten Rahmen zum Erzählen von Geschichten bieten. Auch im Austausch mit einem KI-LLM kam ich jedoch zu keinem wirklich zufriedenstellenden Ergebnis, da allen Themen die Identifikationsfiguren oder eine gewisse Konkretheit fehlten.
Schlussendlich landete ich deshalb doch wieder bei der Idee, ein Bilderbuch als Rahmen zu nutzen. Dafür spricht, dass hier eine Figur oder Figuren eingeführt werden, die Ausgangspunkt für eigene Erzählungen der Kinder sein können. Außerdem gibt es viele Bilderbücher, die episodisch aufgebaut sind und dadurch einen sehr konkreten Rahmen bieten, in dem Erzählungen angelegt werden können.
zur Unterstützung ziehe ich im Seminar an dieser Stelle gern Claus Claussen heran, der in seinem Buch „Erzählwerkstatt“ sinngemäß formuliert, dass Schüler:innen immer dann am wenigsten gern erzählen, wenn alle Kinder nacheinander das gleiche erzählen oder der Ausgang der Geschichte von vornherein klar ist.
Hinweis: Wenn ich hier vom Erzählen schreibe, denke ich schwerpunktmäßig an mündliches Erzählen, weil Mündlichkeit eine große Bedeutung hat und Erzählkompetenzen übedingt gefördert gehören. Im Sinne eines erweiterten Textbegriffs kann man die Ideen unten aber auch in schriftlichen Erzählungen nutzen.
Einige episodische Bilderbücher möchte ich euch nun also kurz vorstellen:
„Flunkerfisch“ (Julia Donaldson, Axel Scheffler; Beltz Verlagsgruppe) Der kleine Flunkerfisch Flori träumt gern, kommt deshalb immer wieder zu spät zur Schule und erfindet fantasievolle Geschichten zu seiner Verspätung. Flori bietet eine liebenswerte Identifikations- und Hauptfigur für eigene Erzählungen der Kinder. Diese können aufgrund der Vorlage sehr fantasievoll sein, müssen dabei aber die Plausibilitätsprüfung des Kontextes der Unterwasserwelt bestehen. Wer mag, kann die Schulsituation als Erzählrahmen festlegen, so dass jede Geschichte wie im Buch damit beginnt, dass Flori zu spät kommt und flunkert und damit enden, dass Peter Petersfisch die Geschichte gefällt.
„Ich knack die Nuss“ (Paolo Friz, Atlantis Verlag) Gorillino möchte eine Kokosnuss öffnen, was ziemlich schwierig ist. Viele Tiere wollen ihm helfen und geben Tipps, aber Gorillino will es selbst schaffen. Die Geschichte bietet sehr klar wiederkehrende Sprachstrukturen und bietet sich bereits bei jungen Kindern für ein Erzählvorhaben an. Die Geschichte wird jeweils eher kurz, da es „nur“ um die Begegnung mit einem neuen Tier und dessen Tipp sowie Gorillinos Reaktion geht. Ein perfektes Übungsszenario also, dessen Kohärenz sich leicht reflektieren lässt.
„Olchi-Opas krötigste Abenteuer“ (Erhard Dietl, Oetinger Verlag) Die Olchis sind ein müllliebender Haufen lustiger Wesen, die ziemlich stark und sehr außergewöhnlich sind. Viele Kinder kennen sie aus Erhard Dietls Büchern oder der Verfilmung. Olchi-Opa und die zuhörenden Olchikinder bieten witzige Identifikationsfiguren, in die die Kinder sich leicht hineinversetzen können. In diesem Buch erzählt Olchi-Opa sehr fantastische Geschichten über verrückte Jobs, die er vor x-hundert Jahren inne hatte. Hier können sich erfahrenere Erzähler:innen fantasievoll austoben, weil Plausibilität quasi nicht gefordert wird. Reflektiert werden kann deshalb am Ende über gute Formulierungen und Ideen.
„Der Geräuschehändler (bekommt Post)“ (Kathrin Rohmann, Jule Wellerdiek; Verlag Knesebeck) Die beiden Bücher vom Geräuschehändler bestehen aus voneinander eher unabhängigen Kapiteln, die den Laden des Geräuschehändlers als Verknüpfung haben. Die Erzählideen können deshalb sehr offen sein – die Kinder erfinden frei, wer den Laden besucht und Geräusche benötigt. Kriterien für die Erzählungen sind dabei z. B. das Einhalten eines roten Fadens, also inhaltliche Kohärenz, oder auch die sprachliche Ausgestaltung der Geschichte.
„Die Heimkehr der Farben“ (Drew Daywalt, Oliver Jeffers; NordSüd-Verlag) Duncans Farbstifte haben sich einzeln aufgemacht, die Welt zu erkunden. Sie alle schreiben Duncan eine Postkarte von ihrer Reise. Als Rahmen zum Erzählen ergibt sich hiermit die spannende Perspektive der Farbstifte, die nach Hause zurückkehren wollen. Da sie an beliebigen Orten sein können, haben die Kinder eine große Auswahl an Handlungssträngen. Allerdings geht es hier defintiv um realistische, nachvollziehbare Geschichten, was einen hohen Anspruch an die Kinder darstellt und deshalb auch ein Schwerpunkt der Reflexion sein kann.
„Die zauberhafte Wortverlosung“ (Jutta Degenhardt, Lars Baus; Verlag mixtvision) Helene und ihre Oma bieten gesammelte Wörter als Lose an, die ganz unterschiedliche Menschen ziehen. Sie träumen sich dann in eine kurze Szene zu dem Wort, die im Buch bildlich dargestellt und „anerzählt“ wird. Da die Impulswörter sehr verschieden sind und ggf. von der eigenen Klasse selbst gesammelt werden können, bietet sich ein sehr lockerer Rahmen zum Erzählen. Inhaltlich gibt es somit wenige Vorgaben, so dass hier ein sprachlicher Fokus vorstellbar ist.
„Rille – die Dschungelfreunde sind los“ (Fee Krämer, Verlag Thienemann-Esslinger) Der Gorilla Rille soll eigentlich in einen anderen Zoo umgesiedelt werden, landet aber aus Versehen im Dschungel. Dort finder er schnell Freunde, mit denen er in jedem Kapitel des Vorlesebuches ein neues kleines Abenteuer erlebt. Die Tiere bieten den Kindern Identifikationsfiguren, die sie in ihre Geschichten aufnehmen können. Das kann ebenso sicherheit geben wie der thematische Rahmen des Dschungels. Erzählungen können sich in diesem Rahmen recht freu entfalten, müssen aber plausibel sein. Hierzu kann gut Feedback gegeben werden.
Eine Idee, die für alle Erzählungen gilt: Kriterien sind wichtig (vor allem bitte mit inhaltlichem Schwerpunkt, nicht nur rein formal!), ABER es ist für die Entwicklung der Erzählkompetenz auch hervorragend, Erzählgeheimnisse zu sammeln, also Formulierung und Idee, die eine Geschichte besonders gut, spannend, witzig, verständlich, … machen. Die Idee ist ein frecher Diebstahl der Schreibgeheimnisse von Beate Leßmann, funktioniert aber (s.o.: Erweiterter Textbegriff) genauso gut beim mündlichen Erzählen. Neben dem kriteriengeleiteten Feedback, das Kinder sich gegenseitig geben, sollen sie parallel auch auf Erzählgeheimnisse achten, die dann immer wieder gesammelt und aufgehängt werden. Bestenfalls inspirieren sie andere Kinder, diese oder ähnliche Formulierungen oder Kniffe in ihre Erzählungen einzubauen.
Wenn du weitere geeignete Bücher kennst, schreib gern hier oder bei Insta einen Kommentar. Dann kann ich den Beitrag hier noch ergänzen.
Titel: „Das kann KI – Die einfache Anleitung“ Verlag: Stiftung Warentest (hier klicken) Autor: Andreas Erle ISBN: 978-3-7471-1033-1
Zum Inhalt: KI ist spätestens seit der Einführung von ChatGPT (OpenAI) in aller Munde. Zwischen Heilsbringer:in und dem Verteufeln der möglichen Folgen liest und hört man viel. Das vorliegende Buch bemüht sich, dem Thema generativer KI neutral zu nähern und verschiedene Perspektiven aufzuzeigen. Dazu werden zuerst verschiedene Tools und Integrationen vorgestellt und es gibt Tipps zum Prompten. Den größten Teil nehmen dann Anwendungsbeispiele ein, bevor es abschließend um das Für und Wider geht:
Meine Meinung: Ich gehöre ja gern zu den „Early Adopters“, wenn es um neue Technologien geht, und habe natürlich diverse eigene Versuche mit generativer KI unternommen bzw. mir von Kolleg:innen zeigen lassen. Auch aufgrund der rasanten Entwicklung der Tools habe ich hierbei aber weniger denn je das Gefühl, so etwas wie Ahnung oder gar Kompetenzen erworben zu haben. Dementsprechend kannte ich viele der vorgestellten Tools, oft aber eben auch nur dem Namen nach. Die Anwendungsideen und vor allem die Unterschiede zwischen den Anbietern und Plattformen fand ich aber sehr erhellend und ich wurde inspiriert, mein Ausprobieren noch einmal deutlich in die Breite zu ziehen. Vor allem die direkt in meinen Geräten integrierten Anwendungen möchte ich noch gezielter testen und gegeneinander abwägen. Vielleicht erreiche ich so noch einen komfortableren Workflow als mit meinem bisherigen Vorgehen, das doch oft ChatGPT als Ausgangspunkt hat.
Leseempfehlung: Natürlich kann ein Buch über KI aus 2025 keine dauerhafte Gültigkeit behalten und ist in Teilen vermutlich jetzt schon nicht mehr aktuell – aber das geht eben in gedruckter Form bei den tagesaktuellen Veränderungen nicht. Dennoch empfehle ich „Das kann KI“ allen Menschen, die gern digital arbeiten, aber aus einem gedruckten Buch oft etwas sortierter Gedanken mitnehmen können als aus Erklärvideos, Blogs und Sozialen Netzwerken. Lest mal rein und lasst euch inspirieren!
Vielen Dank an den Verlag der Stiftung Warentest für das Rezensionsexemplar!
Titel: „Raus aus der Ohnmacht. Das Konzept Neue Autorität für die schulische Praxis“ Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht (hier klicken) Autor:innen: Haim Omer, Regina Haller ISBN: 978-3-525-45913-3
Zum Inhalt: Haim Omer ist ein bekannter israelischer Professor für Psychologie und Autor zu Erziehungsfragen. Regina Haller ist eine Schweizer Schulleiterin. Beide zusammen beziehen das von Omer geprägte Konzept der Neuen Autorität auf die Schule. Sie erklären zuerst die Grundelemente des Konzepts wie Präsenz und Beharrlichkeit, Vernetzung und Öffentlichkeit und beziehen diese direkt auf die Arbeit von Pädagog:innen im schulischen Kontext. Anhand von Beispielen aus verschiedenen Schulformen und Ländern belegen Sie, wie zum Beispiel eine erhöhte Präsenz von in Schule Tätigen sowohl zur Prävention von Fehlverhalten dient als auch bei Störungen helfen kann. Es finden sich sehr konkrete Schilderungen methodischer Vorgehensweisen, vor allem aber Erläuterungen zur Haltung der Neuen Autorität. Ein Kapitel widmet sich konkret der Rolle von Schulleitungen, die Neue Autorität an ihrer Schule etablieren wollen.
Meine Meinung: Bereits das Vorwort des Buches machte mir beim Lesen klar, dass ich defintiv ein „Fangirl“ der Neuen Autorität (NA) bin und meine Einstellung zu den in Erziehungskonzepten oft geünschten Strafkatalogen hier gut aufgehoben ist. An vielen Stellen musste ich beim Lesen nicken und eine Menge an Ausrufezeichen, Smileys und Herzen zieren die Seitenränder in meinem Rezensionsexemplar. Dem Autor:innengespann gelingt es gut, in das Konzept einzuführen und von Beginn an klarzumachen, dass es keinen reinen Methodenkoffer darstellt, sondern eine Haltung. Sie betonen wiederholt, dass ich sowohl als einzelne Lehrkraft im Sinne der Neuen Autorität arbeiten kann als auch ein ganzes Kollegium sich in diese Richtung orientieren kann. Das ist entlastend für diejenigen Lehrkräfte, die der NA gegenüber aufgeschlossen sind, aber im Kollegium keinen Rückhalt haben (soll es ja geben🙄). Mein erster Kontakt mit der NA war als recht junge Lehrerin Rudi Rhodes Buch „Stop, die Regel gilt!„. Die aktuelle Lektüre vertieft meine damals entwickelte Haltung und bestätigt mich darin, meine LAA in genau diese Richtung zu begleiten.
Leseempfehlung: Du bist unzufrieden mit gehäuften Störungen in der Schule? Du hättest gern einen neuen Zugang dazu? Du hast keine Lust auf Ampelsysteme oder Maßnahmenkataloge? Dann bist du vielleicht reif für die Neue Autorität! Lies dieses Buch! Es wird etwas mit dir machen.
Vielen Dank an den Verlag V&R für das Rezensionsexemplar!
Titel: „Ein Pokal für den Schakal“ Verlag: NordSüd (hier klicken) Autorin: Jule Wellerdiek Illustrationen: Jule Wellerdiek ISBN: 978-3-314-10749-8
Zum Inhalt: Es steht eine große Preisverleihung für die beste Frisur an und der Schakal geht fest davon aus, dass er – wer auch sonst? – diesen Preis gewinnen wird. Aber es kommt anders und die Gans wird für ihre Haarpracht ausgezeichnet. Der Schakal grämt sich sehr ob dieser Entscheidung und findet sie nicht fair. Kurzerhand ruft er eine eigene Preisverleihung ins Leben und lädt alle Tiere auf den Marktplatz ein. Dann endlich erhält er einen Pokal – für den besten Schakal! Die anderen Tiere feiern den Schakal, ziehen aber in den nächsten Tagen nach, bis irgendwann alle einen Pokal oder eine Medaille gewonnen haben. Wieder muss sich der Schakal etwas ausdenken. Und das tut er auch. Was? Das verrate ich hier natürlich nicht!
Meine Meinung: Eine erfrischende Geschichte mit tollen Illustrationen – Jule Wellerdiek* hat wieder gezeigt, was sie kann! Die Illustrationen entführen in eine heimelig wirkende Stadt, in der die verschiedensten Tiere ofensichtlich glücklich und fröhlich zusammen leben. Vor allem aber wird deutlich, dass jedes Tier etwas anderes gut kann oder eine besondere Eigenschaft besitzt – eine schöne Parallele zur Vielfalt in der menschlichen Gesellschaft. Was die Tiere aber von der Menschheit (zumindest der im Jahre 2026) unterscheidet ist ihr Zusammenhalt: sie feiern jeden Sieger, jede Beste und jeden Preis, den ein anderes Tier als sie selbst gewinnt. Nur der Schakal ist unzufrieden, gierig und ein bisschen gemein und verschlagen. Dabei ist er allerdings trotzdem irgendwie sympathisch, wozu die Bilder maßgeblich mit beitragen.
Leseempfehlung: „Ein Pokal für den Schakal“ gehört wieder einmal zu den Bilderbüchern, die ich ohne Einschränkungen allen empfehlen möchte, sowohl privat als auch im beruflichen Kontext. Der Verlag empfiehlt die Geschichte ab 4 Jahren, wobei an den farbenfrohen Bildern auch schon jüngere Kinder Freude haben dürften. Kinder im Grundschulalter werden den Schakal auch mögen, da die Illustrationen nicht zu kindlich sind. Vor allem können die Kinder eurer und meiner „Zielgruppe“ viel mit dem Gefühl des Schakals anfangen, etwas Besonderes zu sein, vielleicht sogar in irgendetwas der oder die Beste. Dazu bietet das Buch geeignete 💬 Gesprächsanlässe (Wie geht es dem Schakal? Warum will er unbedingt einen Pokal gewinnen?…) oder auch Schreibanlässe (Wofür kann welches Tier einen Preis gewinnen? Was kann ich / können die Kinder in unserer Klasse besonders gut?…). Im Kunstunterricht könnten zudem Medaillen oder Pokale gezeichnet oder aus Pappmaschee gestaltet werden. Wie so oft sind die Zugänge zum Buch vielfältig!
Vielen Dank an den NordSüd-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!
Katha
* Von ihr habe ich bereits „Holgers Haus“ im Regal stehen und die Bücher vom Geräuschehändler. Besonders freue ich mich als Ostwestfälin darüber, da sie „hier wech“ kommt.
Zum Inhalt: Auf der Straße vor der Stadt liegt ein großes Tier. Oh je! Die Bewohner:innen der Stadt haben verschiedene Vorstellungen davon, was jetzt zu tun ist: das Tier unter einer Decke verbergen, eine Brücke darüber oder eine Straße drumherum bauen, … Nur das kleine Mienchen möchte von Anfang an mit dem Tier reden. Als alle Versuche fehlschlagen, tut es das dann auch. Was dann passiert, … verrate ich jetzt noch nicht!
Meine Meinung: Ich bin ein bisschen verliebt in dieses Buch, muss ich gestehen. Die besondere Farbgestaltung (größtenteils schwarz-weiß-orange) sprach mich schon vom Cover in der Verlagsvorschau her direkt an. Sie hat etwas sehr Besonderes und Reduziertes, das den Blick auf die feinen Details lenkt. Inhaltlich ist „Obacht!“ ein herrliches Spiegelbild für Aktionismus und Ohnmacht gegenüber neuen unerwarteten Situationen. Die Stadtbewohner:innen finden alle möglichen Wege, das Tier unsichtbar zu machen oder zu umgehen, obwohl es (repräsentiert durch das Mienchen) einen viel sinnvolleren Weg gibt. Erfreulich finde ich die Tatsache, dass es pädagogisches Begleitmaterial zum Buch zum Download gibt. Auch ein Bilderbuchkino bietet der Verlag zum Download an, so dass ich die zauberhaften Bilder auch problemlos an einer digitalen Tafel o.ä. zeigen kann.
Leseempfehlung: Heute darf ich euch mal wieder ein Bilderbuch für alle Regale von Familien, Kitas und Grundschulen empfehlen. Kinder aller Altersklassen finden eine geeignete Message in der Geschichte. Da ihr ja gern Ideen für die Schule sucht: „Obacht“ ist ein toller Ausgangspunkt fürs Nachdenken darüber, wie man Probleme lösen kann. Es spiegelt in den Figuren sowohl Verbohrtheit als auch Neugier bzw. Mut wieder und bietet in der Figur des Mienchens eine tolle Identifikationsfigur.
Ideen für den Einsatz in der Schule kommen mir bei solch schönen Bilderbüchern schnell. Ich notiere hier mal ein paar in Stichworten, die alle drei Varianten zum Antizipieren des Geschichtenfortgangs darstellen: 🎨Kunst/✏️Deutsch: malen/schreiben, was wohl unter der Decke versteckt sein könnte ✏️Tipps für die Stadtbewohner:innen notieren (oder 💬erzählen), wie man den Zugang zur Stadt wieder frei bekommt ✏️in Sprechblasen schreiben (oder 💬 szenisch spielen), was das Mienchen dem Tier sagen könnte Viele weitere gute Anregungen, u.a. zum Thema „fremd sein, sich kennenlernen“ findet ihr direkt im pädagogischen Begleitmaterial zum Buch, das der Verlag anbietet.
Eigentlich sollten unter den Schlagworten „openmindedness“ oder „think outside the box“ auch viele Erwachsene diese Geschichte lesen und verstehen!
Vielen Dank an den Nordsüd-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Wenn du diesen Satz noch nie zu einem Kind gesagt hast, brauchst du hier eigentlich nicht weiter zu lesen. Wenn dir dieser Satz aber doch schonmal rausgerutscht ist und dir das nicht gefällt, dann bleib gern hier. In letzter Zeit habe ich mich mit verschiedenen Themen beschäftigt bzw. bin über ganz unterschiedliche Veröffentlichungen gestolpert, die irgendwie immer wieder bei Haltung und Sprache ankommen. Heute möchte ich deshalb hier ein paar Fäden aufnehmen und verknüpfen, die letztendlich zu der Frage führen, wie ich als Lehrkraft meine Sprache reflektiert einsetzen kann. Überall habe ich Links eingebaut, die euch zu jedem Thema weiterführende Lesemöglichkeiten anbieten.
Faden 1: „Growth Mindset“ Der von der Psychologin Carol Dweck geprägte Begriff Growth Mindset beschreibt eine Haltung, die die eigene Entwicklung fokussiert und den Menschen als immer im Wachstum befindlich versteht. Im deutschsprachigen Raum und auf Schule bezogen hat Carolin von St. Ange (Instagram: @learnlearningwithcaroline) viel zur Förderung eines Growth Mindsets veröffentlicht. Die Aussage „Ich kann es NOCH nicht“ ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Sie zeigt außerdem, dass Sprache einen Unterschied macht, der manchmal ganz klein ist. Im Netz findet man in der Denkrichtung des Growth Mindset häufig sog. Affirmationen, also Mottosätze oder Mantren, die Lernende sich vorsagen oder auch gesagt bekommen sollen. Hier muss man jedoch meines Erachtens gut aufpassen, dass diese Affirmationen keine hohlen Phrasen bleiben, sondern sich auch in der sonstigen pädagogischen Arbeit wiederfinden.
Faden 2: „Neue Autorität“ Schon lange beschäftige ich mich immer wieder mit dem Konzept der Neuen Autorität nach Haim Omer, Psychologe und Autor*. Diese veränderte Sichtweise auf Autorität hat mich als Junglehrerin sehr bewegt und der Blick darauf, wie ich meine Autorität, die ich „qua Amt“ habe, ohne Machtausübung einsetze. Hier war da Buch „Stopp – die Regel gilt“ von Rudi Rhode und Mona Sabine Meis ein echter Gamechanger für mich. (Das empfehle ich auch meinen LAA immer wieder gern.) Mitgenommen habe ich vor allem, SuS gegenüber meinen Standpunkt fest zu vertreten und dabei dennoch weder in die Rechtfertigungsfalle zu tappen noch mein Gegenüber klein zu machen. Ein gern genutztes Beispiel für diese Herangehensweise ist die Methode „Kaputte Schallplatte“: Statt verschiedene Gründe aufzuzählen, warum ein Kind etwas tun (oder lassen) soll, beharre ich freundlich aber bestimmt darauf, dass es das tut (oder lässt). Kein Raum für Diskussionen. Mein Lieblingsansatz im Sinne der neuen Autorität ist es, einem störenden Kind zu signalisieren „Ich bin da, auch wenn du schwierig bist“ bzw. „du bist in Ordnung, aber dein Verhalten geht so nicht“. Auch aus der NA leitet sich die Strategie des Vertagens ab. Sie besagt, dass Konflikte nicht in der Situation geklärt werden sondern zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die Zugänglichkeit erhöht ist. Raphael Kirsch erklärt das in dieser Podcastfolge sehr gut. Merksatz hierfür ist „Schmiede das Eisen, solange es kalt ist.“
Faden 3: „Meine Haltung, meine Werte“ Der Beginn des Vorbereitungsdienstes ist in unserem ZfsL im Kernseminar die Zeit, in der wir grundlegend am Themenkomplex Haltung, Werte, Autorität arbeiten. Zuletzt habe ich noch die Themen Mindset (s.o.) und Resilienz eingeflochten. Ein Bewusstsein darüber, welche Werte mir beruflich wichtig sind, führt zu reflektierterem Handeln und Sprechen. Werte wie Freundlichkeit, Offenheit oder Demokratie führen, wenn man sie bewusst lebt, automatisch zu einer darauf ausgerichteten Kommunikation mit Kindern und Kolleg:innen. Apropos Werte: Authentizität wird von vielen Lehrenden als wichtiger Wert genannt. Das führt uns zu…
Faden 4: „Ich-Botschaften“ (inkl. GfK) Wir alle haben in der Schule oder im Studium verschiedene Kommunikationsmodelle von den Schulz von Thunschen Vier Ohren bis zu Watzlawicks „Man kann nicht nicht kommunizieren“ kennengelernt. Immer wieder landet man bei diesen Modellen bei Ich-Botschaften zum Vermeiden kommunikativer Störungen. Wer klare Wünsche und Bedürfnisse kommuniziert, wird eher anerkannt und erreicht sein Ziel häufiger. Ein besonders geregeltes (humanistisches) Kommunikationsmodell ist in diesem Rahmen die sog. Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg, Schüler von Carl Rogers. GfK kann „sowohl bei der Alltags-Kommunikation als auch bei friedlichen Konfliktlösungen im persönlichen, beruflichen oder politischen Bereich hilfreich sein“ (Quelle: siehe Link). In der Grundschule taucht sie verbildlicht als Wolfs- und Giraffensprache immer wieder auf.
Faden 5: Reframing Eine Technik, die ich schon lange kenne, aber deren Namen ich erst während meiner Coachingausbildung gelernt habe, ist das Reframing, wörtlich: einen neuen Rahmen herstellen, etwas neu rahmen. Hier geht es darum, nicht nur die erste Wahrnehmung einer Situation oder einer Person zu nutzen, sondern verschiedene Perspektiven darauf einzunehmen. Ich hinterfrage aktiv oder angeleitet, welche Hintergründe es wohl zu einem bestimmten Verhalten gibt und kann dadurch oft besser verstehen, warum eine Person so handelt wie sie es tut. Der Leitspruch „Bevor ein Kind Probleme macht, hat es welche“ begleitet mich bereits sehr lange, da ich irgendwie recht feine Antennen für mögliche Ursachen und Hintergründe habe. Viele Studierende und LAA, die ich einen „Lieblingsstörer“ reframen** lasse, berichten danach von einem deutlich verbesserten Verhältnis zu diesem Kind und eben einer veränderten Sicht auf Störungen. In meiner Sprache spiegelt sich Reframing vor allem dadurch wider, dass ich als Lehrkraft weniger feststelle und mehr hinterfrage, was los ist – auch, wenn ich mir eigentlich sicher bin, die Situation durchschaut zu haben.
Alle Fäden führen dazu, über Sprache von Lehrkräften nachzudenken. Mit meinen LAA habe ich deshalb nach den ersten Kernseminarzeiten Ankersätze gesammelt. Das sind Sätze, die ich sammeln und speichern kann, um sie im Alltag, vor allem aber in stressigen Situationen parat zu haben. Somit geht es eindeutig auch um eine Professionalisierung des eigenen Handelns. Inspiriert zu diesem Vorgehen hat mich u.a. ein Fund von Michael Elberth aka Doodleteacher und Saskia Niechzial aka liniertkariert, die gemeinsam SOS-Sätze veröffentlicht haben. Uns allen im Kernseminar ist beim Sammeln aufgefallen, wie gut wir viele Sätze fanden, dass wir aber in einer kritischen oder stressigen Situation nicht darauf gekommen wären. Deshalb eben die Sammlung! Und hier sind unsere Sätze:
Ich habe dich gesehen. Ich komme gleich zu dir, um mit dir zu sprechen.
Wir klären das nach der Stunde / gleich / in der Pause / … in Ruhe.
Geh bitte schonmal an Ort X. Ich komme zu dir, sobald ich hier die Aufgabe erklärt habe.
Ich sehe, dass du gerade wütend / traurig / … bist. Lass uns später mit einem klaren Kopf darüber sprechen, was gerade los war.
Ich muss erstmal überlegen, wie wir das lösen können. Dann sprechen wir noch einmal darüber.
„Ich habe es gesehen – ich dulde es nicht – ich komme darauf zurück!“ (Haim Omer / Regina Haller: Raus aus der Ohnmacht. Das Konzept Neue Autorität für die schulische Praxis, S. 27)
Ich habe dich gehört. aber ich rede gerade mit XY. Danach bin ich für dich da.
Ich finde es gerade zu laut hier. Ich kann mich so nicht konzentrieren. Und manchen Kindern geht es bestimmt ähnlich.
Entschuldigt, dass ich da so geschimpft habe. Ich war überrascht und habe nicht gut reagiert.
überhaupt: sich entschuldigen, Fehler eingestehen
Es ist ok, dass du grad wütend / traurig / … bist. Was brauchst du gerade, damit es besser wird?
Wie kann ich dich bei xy unterstützen?
Du bist hier immer Willkommen.
Dein Verhalten stört (uns beim Lernen). Statt „Du störst“!
Ich habe das Gefühl, du bist gerade sehr aufgewühlt. Wenn du dich bereit fühlst, bin ich für dich da.
Tipp: Kommunikation durch das Klassentier, das Klassentier als Helfer, Tröster, Beruhiger einsetzen
Manchmal überrollen uns unsere Gefühle, aber ich bin da für dich.
Ich glaube daran, dass du das schaffst!
Versuch das mal, du schaffst das schon!
Lass uns zusammen den ersten Schritt machen, dann schaffst du den Rest auch.
Darauf kannst du richtig stolz sein.
Das lernen wir noch gemeinsam.
generell: Fortschritte sichtbar machen, immer wieder thematisieren
Diese Sätze sind Beispiele, zeigen aber hoffentlich gut die Haltung, die dahinter steckt: Weniger lospoltern, weniger bewerten („We listen, but we don’t judge!„), mehr zuhören und Hilfe anbieten.
Danke fürs Lesen bis hierhin! Ich würde mich sehr über deine Ergänzung freuen – hier oder bei Instagram oder per Mail. Katha
** Auf dieser Seite findet ihr auch weitere tolle Visualisierungen von Kristin Wiens, die verschiedenste Stressoren nennen, welche Kinder beeinflussen können. Du findest sie bei den Example stressors.
Titel: „Lesen. Schreiben. Ein Plädoyer für ein besseres Miteinander.“ Verlag: Duden (hier klicken) Autor: Bob Blume ISBN: 978-3-411-75005-4
Zum Inhalt: Bob Blume beschreibt seine persönlichen Erfahrungen mit und Haltungen zum Lesen und Schreiben, die weit über reine Kultur- und Kommunikationstechniken hinausgehen. Er erklärt, wie er selbst Gelesenes durchs Schreiben verarbeitet und zeigt konkrete Beispiele aus der Schule (Deutsch, Gymnasium) auf, die das ebenso anleiten sollen. Das titelgebende Plädoyer für ein besseres Miteinander ergibt sich aus der Beobachtung, dass Lesekompetenz ganz wesentlich mit dem Verstehen komplexer (politischer, gesellschaftlicher) Vorgänge einhergeht und Menschen, die nicht gut lesen können, leichter Opfer von Verschwörungstheorien, Hass und Hetze werden.
Meine Meinung: Mir hat das kleine Büchlein richtig gut gefallen, obwohl ich zuerst etwas skeptisch war. Bob Blume begegnet mir seit Jahren immer wieder online und ich konnte beobachten, wie er vom Lehrer immer mehr zum Bildungsinfluencer wurde, was auch manchmal eine gewisse Polemisierung mit sich brachte. Hier aber trifft er den Nagel absolut auf den Kopf und spricht mir wirklich aus dem Herzen. Wir müssen es schaffen, dass Lesen (und gern auch Schreiben) Mittelpunkt aller Bildung wird und die Gesellschaft von morgen darauf vorbereiten, sich kompetent mit allem auseinandersetzen zu können, das ihnen auf die Bildschirme flattert. Seit 2020 lässt sich international, aber auch national beobachten, wozu fehlende Lesefähigkeiten führen können. Mir gefällt, dass Blume dies deutlich beschreibt, ohne Vorwürfe zu erheben.
Leseempfehlung: Dieses Buch kann ich wirklich rundum empfehlen, unabhängig davon, ob du die Gedanken mit in die Schule nimmst oder privat verarbeitest! Wenn du hier gern mitliest, wirst du vermutlich während des Lesens dieses Buches ziemlich viel nicken. 🙂
Vielen Dank an den Duden-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!