Titel: „Die fabelhafte Geschichte von Herrn Leopold, der schweben konnte“ Verlag: NordSüd (hier klicken) Autor:innen und Illustrationen: Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger ISBN: 978-3-314-10778-8
Zum Inhalt: Herr Leopold konnte schweben, seit er klein war. Niemand wusste, wieso. Und weil das für viele ein Problem war, beschwerten die Menschen den kleinen Herrn Leopold so lange, bis er endlich am Boden blieb. Herrlich normal also, könnte man meinen. Im hohen Alter trifft der „geerdete“ Herr Leopold unerwartet die kleine Mathilda, die ebenfalls schweben kann. Er erinnert sich an seine luftige Kindheit und versucht, selbst auch wieder die Füße vom Boden zu bekommen. Ob er es schafft?
Meine Meinung: Ein schwebeleicht daherkommendes Bilderbuch mit ziemlich viel Gewicht in seiner Message! „Ich hatte nur vergessen, wie es sich anfühlt, unbeschwert zu sein“, stellt Herr Leopold fest. Und hier liegt die Kraft dieser Geschichte auf dem Silbertablett: Wir leben als Kinder (hoffentlich) unbeschwert in den Tag hinein und lernen beim Aufwachsen immer mehr, den Ansprüchen gerecht zu werden, die an uns gestellt werden. Wir werden quasi „beschwert“, wie es Herr Leopold ganz wörtlich auch erlebt hat: viele Dinge wurden auf ihm abgeladen, sinnbildlich für die vielen Verantwortlichkeiten, die das Erwachsenwerden mit sich bringt. Es gibt ein Bild, auf dem Herr Leopold nach und nach älkter wird und dabei immer weniger Gepäck mit sich herum trägt – auch hier wiederholt sich das Sinnbild des Beladenseins sehr schön. Das Schweben ist also Unbeschwertheit, für mich auch Fantasie und die Freiheit, die eigenen Bedürfnisse wichtig zu nehmen. Bezeichnend ist, dass letztendlich die Gedanken wirksam werden, keine Aktionen oder techniken. Deshalb gibt mir Herrn Leopolds Geschichte viel Mut und Hoffnung, dass ich das Schweben vielleicht auch noch lerne… Die Illustrationen finde ich genauso zauberhaft, wie die Arbeit des Duos Gugger/Röthlisberger mir schon beim „Wortschatz“ gefiel. Eine herrlich leichte Art mit sanften Farben, gehighlighted mit neonpinken Akzenten, die sich vom Cover quer durch das Buch ziehen. Die verbalen Metaphern und die Bilder gehen Hand in Hand.
Leseempfehlung: Meine Empfehlung richtet sich zuerst an alle Fans von Bilderbüchern „mit Message“, also tiefgründigeren Geschichten, die zum Nach- und Weiterdenken anregen. Sie geht zudem an Erwachsene, die viel funktionieren und wenig schweben – ihr könnt euch an Herrn Leopold und Mathilda ein Beispiel nehmen! Zuletzt immer der Gedanke, ob und wie das Buch in den Kontext Grundschule passt: Mit einer Klasse, die man gut kennt, bietet die Geschichte einen tollen Ausgangspunkt um darüber zu sprechen, was einen beschwert und wo man sich leicht fühlt – also ganz viel Selbstreflexion, die zu verbesserter Selbstregulation führen kann. Zudem kann ich als Lehrkraft aus solchen Gesprächen auch lernen, was meinen Schüler:innen gut tut, womit ich sie stützen kann und womit erleichtern.
Vielen Dank an den NordSüd-Verlag für das wundervolle druckfrische Rezensionsexemplar! Katha
…wünsche ich allen, die das Schuljahr bereits abgeschlossen haben! Allen anderen: Ihr habt es bald geschafft!
In NRW ist heute der erste offizielle Ferientag und angemessenerweise habe ich deshalb Zeit, meine Gedanken ein bisschen zu sortieren. Ein Kind ist schon im Urlaub, ein Kind schläft ausführlich aus, das Wetter lädt nicht zum Rausgehen ein – beste Bedingungen zum Schreiben.
Zu Beginn des abgelaufenen Schuljahres wurde ich ja an eine andere Grundschule versetzt, war dort aber erst mit 0, dann mit 2 Wochenstunden aktiv. So ganz angekommen bin ich dort also naturgemäß noch nicht, aber durch etwas höhere Anwesenheit in den letzten Wochen sowie die Teilnahme am Kollegiumsjahresabschluss wächst langsam das Zugehörigkeitsgefühl. Immer noch erwische ich mich häufig bei Formulierungen wie „bei uns“, wenn ich von Gepflogenheiten an meiner alten Schule spreche – 16 Jahre wischt man eben nicht einfach so weg. Insgesamt freue ich mich aber immer noch sehr, den Wechsel angestrebt zu haben.
Im ZfsL haben wir seit dem letzten Sommer einen Jahrgang verabschiedet und somit darf ich seit November ein neues Fachseminar und ein Kernseminar betreuen. Es ist wahnsinnig spannend, diese jungen Menschen kennenzulernen, sie bei ihren ersten Unterrichtsschritten zu begleiten, sie wachsen zu sehen. Viel Offenheit erlebe ich, viel Neugier und Lust daran, sich auszuprobieren. Natürlich läuft auch bei angehenden Lehrkräften nicht immer alles reibungslos. Aber zum Glück arbeite ich in einem tollen Seminar, in dem es immer um positive Lösungen geht.
Zudem durfte ich in den letzten Monaten an verschiedenen Stellen als Referentin oder Coach auftreten, was mir ja immer viel Spaß macht. Drei Tagungen und verschiedene kleinere Formate haben dieses Schuljahr geprägt: die mobile.schule-Tagung in Hannover im September, die Expert:innentagung Lehrkräftebildung in Soest im Februar und das OER-Camp bei uns im Haus im Mai. Unfassbar viele Eindrücke, Anregungen und tolle Kontakte durfte ich dort sammeln. Besonders gefreut hat es mich aber, meine Lieblingskollegin ein wenig in diesen Kosmos hineingezogen zu haben 🙂! Im Winter lief zudem noch das letzte größere Schreibprojekt (Kopiervorlagen und Handreichungen zum Jojo-Lesebuch 4). Mir ist dabei klar geworden, dass ich beim nächsten Update hier nicht mehr dabei sein werde. Irgendwie passt das, was ich da abgebe, nicht mehr so gut zu meiner Haltung Unterricht gegenüber…
Fast hätte ich vergessen, dass ja im Juni auch noch die Bildungsmagie gestartet ist 🙈. Lange haben Maria und ich daran herumgegrübelt und nun gibt es sie. Bald dann auch mit Fortbildungen online – ein bisschen Stolz darf doch da sein, oder?
Wenn ich nicht beruflich unterwegs war, habe ich dieses Schuljahr viel Zeit zum (beruflichen) Lesen genutzt. Einige Bücher habe ich euch im Rahmen von Rezensionen vorgestellt, andere (noch) nicht. Im Spagat zwischen fachlicher Fundierung meiner Arbeit im kombinierten Fachseminar Deutsch-Mathematik und der überfachlichen Ausbildung im Kernseminar ist die bandbreite groß: Fachliteratur zum Lesen- und Schreibenlernen, Mediendidaktische Gedanken für beide Fächer, Bücher über Neue Autorität, ADHS und Autismus sowie einige private, nicht direkt schulbezogene Sachbücher. Als reine Freizeitleserin, die ich lange war, hätte ich nie gedacht, dass mich Sach- und Fachbücher mal so packen würden. Dass ich dafür Zeit habe, ich definitv ein Luxus meiner jetzigen Tätigkeit – denn bei 28 Stunden mit Klassenleitung bleibt ehrlicherweise zum Lesen wenig Zeit.
Jetzt freue ich mich darauf, alles Liegengebliebene in Ruhe wegzuschaffen, die Steuer zu erledigen, Renovierungen zu schaffen und natürlich auf den Urlaub. Euch wünsche ich Zeit zum Abschalten, Ausruhen, Lesen, Spielen, Faulsein und Auftanken! Der Schuljahresstart kommt ja leider meist schneller als gedacht.
😎 Die drei Wasserschweine sind wieder im Blog! In meiner Rezension zu Band 1, einer Verlosung und einer Ideensammlung zum Einsatz in einem sachunterrichtlichen Projekt waren sie ja schon zu Gast.
Zum Inhalt: Im dritten Band der Reihe erleben die drei Wasserschweine Emmy, Raul und Tristan ein neues spannendes Abenteuer. Zum ersten Mal schlittern sie jedoch nicht einfach so hinein, sondern werden von der Faultiermutter Fiona gebeten, ihren verloren gegangenen Sohn zu finden. Eine weitere Premiere für die Capybaras ist, dass sie die schützenden Mauern ihres Zoos verlassen und tatsächlich in der Wildnis landen. Natürlich treffen wie wieder auf Tiere bzw. Tierarten, die sie bislang nicht kannten und finden dabei neue Freund:innen. Nach den Zootieren in Band 1 und 2 sind es dieses Mal Schwäne, ein Biber und eine Hündin.
Meine Meinung: Fortsetzungen sind ja manchmal so eine Sache… sie können echt lahm werden, wenn’s schlecht läuft. Zum Glück hat Matthäus Bär offensichtlich genügend wunderbare Ideen für seine Capybara-Bande, so dass der dritte Band wie seine Vorgänger wirklich spannend, interessant und ganz eigen ist. 👍🏻 Die drei Haupt- und und die Nebenfiguren sind liebenswert und charakterlich ganz unterschiedlich, was Kindern vielfältige Möglichkeiten gibt, sich in der Geschichte wiederzufinden. Es geht um Mut und Angst, um Streit und Versöhnung, um Geheimnisse und Hoffnungen – also viele für Kinder sehr relevante Themen. Anika Voigt hat der Geschichte wieder auf ihre zauberhafte Art Leben eingehaucht. Ihre klaren, farbenfrohen Illustrationen gehören einfach dazu! Nach zwei Doppelseiten mit Text kann man sich in der Regel auf eine voll illustrierte freuen, auf der es viel zu sehen gibt. Die Stimmung der einzelnen Capybaras lässt sich dabei immer hervorragend erkennen.
Leseempfehlung: Sicher gibt es schon einige Capybaras-Fans, die bereits auf Band 3 gewartet haben – so ging es meinem Junior und mir zumindest letztes Jahr mit dem zweiten Band. Wer die drei abenteuerlustigen Wasserschweine noch nicht kennt, dem sei sowohl dieses Buch ans Herz gelegt als auch die beiden Vorgänger (die Reihenfolge spielt glücklicherweise keine Rolle). Selbst zu lesen ist die Geschichte ab zehn oder auch für etwas jüngere Leseratten. Zum Vorlesen ist sie auch für jüngere Kinder im Vorschulalter geeignet, anspruchsvoll genug aber auch für die ganze Grundschulzeit. Jedes Kapitel passt ganz gut in eine Frühstückspause…
Vielen Dank an den dtv-Verlag für das Rezensionsexemplar! Junior und ich haben uns sehr gefreut!
Immer wieder lande ich im Gespräch mit angehenden Lehrkräften bei dem Wunsch, dem Vorschlag oder der Forderung, den Sprechanteil der lehrenden Person zu verringern. Manchmal reflektieren Praxissemesterstudierende (PSS), Lehramtsanwärter:innen (LAA) bzw. Lehrkräfte in Ausbildung im Seiteneinstieg (LiA) selbst, dass sie z. B. in Hinführungsphasen deutlich mehr sprechen als die SuS. Nicht selten raten auch Mentor:innen ihren Schützlingen dazu, einen geringeren Redeanteil anzustreben. Im Extremfall beobachte ich selbst während eines 15minütigen Einstiegs nur 3-4 Redebeiträge von SuS auf Wort- oder Satzebene. Da ich gerade in den letzten Beratungsgesprächen immer wieder mit diesem Thema konfrontiert wurde, möchte ich heute einige Gedanken dazu niederschreiben.
Geringerer Redeanteil um jeden Preis?
Nein! Wenn ich hier über den Redeanteil der Lehrkraft schreibe, dann immer unter folgender Prämisse: Als Lehrkraft erkläre und sage ich so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig. So viel Erklärung einer Aufgabe, wie die Kinder sie zu deren Umsetzung benötigen. So viel sprachlicher Input und korrigierende Wiederholung, wie es der Sprachstand der Kinder erfordert. So viel inhaltlichen Input, wie die Kinder ihn zum Weiterarbeiten brauchen. So wenig eigener Text, dass die Kinder folgen können und nicht abschalten. So wenig Thematisieren von Bekanntem wie möglich.
Es geht also nicht um eine Reduzierung des eigenen Sprechumfangs um der Reduzierung willen. Es sollte für jede Lehrkraft, ob angehend oder ausgebildet, immer um eine reflektierte Entwicklung ihrer Lehrer:innensprache gehen, die mehr unterrichtliche Klarheit zum Ziel hat und zu einem angemesseneren Verhältnis von Kinder- und Lehrkraftaktivität führt.
Geringerer Redeanteil durch Reduzieren des Input-Umfangs
Problemstelle 1, die häufig zu der Beobachtung eines „zu hohen Redeanteils“ führt ist, kurz und etwas böse gesagt, Schwafelei. Häufig meinen wir Lehrkräfte es besonders gut mit den Kindern und formulieren einen Arbeitsauftrag mehr als einmal, gern auch in variierender Wortwahl. Dahinter steckt vermutlich die Annahme, dass wir durch mehrfache Erklärung mehr Kinder erreichen. Tatsächlich zeigt sich aber oft, dass die meisten Kinder auch ohne wiederholte Erklärung auskommen und diejenigen Kinder, die beim ersten Mal nicht ganz Ohr waren, auch Wiederholungen nicht mitbekommen. Vor allem im Unterricht der Grundschule unterstützen wir zudem Arbeitsaufträge fast immer durch Visualisierungen (Fahrplan, Stundentransparenz etc.) und Probehandlung. Dieser Dreischritt bietet in der Regel die Transparenz, die die Kinder zum Starten in eine Arbeitsphase brauchen.
Ergänzend möchte ich dafür senibilisieren, genau zu hinterfragen, welche Regeln, Kriterien o.ä. man wirklich mit den Kindern wiederholen muss. Gerade in Besuchssituationen erlebe ich es oft, dass jegliche Bauregeln, Partnerarbeitsregeln, Tabletregeln oder auch Methodenabläufe Schritt für Schritt wiederholt werden, obwohl diese den Kindern vertraut sind. Hier gilt es, Vertrauen in den eigenen Unterricht zu haben und in die Kinder – sie wissen oft ziemlich genau, wie was laufen (sollte).
Wer noch unsicher beim Formulieren prägnanter Arbeitsaufträge oder Impulse ist, neigt dazu, spontan und dadurch oft ausschweifend zu erklären. Das ist für Berufsanfänger:innen ziermlich normal! Aber es ist auch etwas, das man üben kann. Es kann helfen, sich vorab konkrete Fragen und Formulierungen zu überlegen und sich diese ggf. auch aufzuschreiben. Im Unterricht nutzt man dann den vorbereiteten Text und weicht möglichst nicht davon ab. Konkrete Tipps hierzu sind in diesem Videopodcast von Nicolas Sieger und Marco Ringel zu finden.
„Und Luise und Hamza? Die kriegen doch nie was mit!“ – Natürlich gibt es einzelne Kinder, die von einer ausführlicheren oder wiederholten Aufgabenstellung profitieren könnten. Diese Kinder kennt man als Lehrkraft meist sehr genau und kann sie deshalb im Rahmen eines dezentralen Starts in die Arbeitsphase noch in einem Beraterkreis behalten oder individuell beim Verständnis der Aufgabe untertsützen.
Geringerer Redeanteil durch Abgabe an die Kinder
Kognitive Aktivierung ist aktuell eines der Zauberworte in der Lehrkräfteausbildung – und das nicht umsonst. Es geht darum, Kinder zum Mit-, Nach- und Weiterdenken anzuregen, das Thema für sie bedeutsam zu machen und sie so für den Unterricht zu motivieren. Hierbei ist es wichtig, reine Aktivität von Aktivierung zu unterscheiden: Wenn die Kinder z. B. mit Hilfe eines Moderationsfächers den Stundeneinstieg ritualisiert übernehmen, kann es passieren, dass sie dabei nur vorbereitete Formulierungen der Lehrkraft vorlesen (ausgehängte Reihentitel, Stundenthemen oder Ziele). Um die Lernenden wirklich kognitiv zu aktivieren, muss diese Herangehensweise sprachlich kompetent von der Lehrkraft angeleitet und unterstützt werden. Zudem müssen die Kinder dazu angeleitet werden, sich aufeinander zu beziehen und nicht nur Frage-Antwort-Frage mit der Lehrkraft zu spielen. Zuerst benötigen sie dazu unser Sprachvorbild in Form von Formulierungen wie „Wie Lilli schon gesagt hat…“ oder „Ich möchte etwas ergänzen“ oder „Ich sehe das anders als Maxi.“ Auch spielerische Übungen und Rituale wie der Klassenrat helfen beim Auf- und Ausbau dieser Gesprächskultur. Nur dann schaffen wir es, von einer hier links skizzierten lehrkraftzentrierten Gesprächsführung zu der rechts angedeuteten kognitiv deutlich aktivierenderen Variante zu kommen.
Hier ein konkretes Beispiel, das ich so oder so ähnlich nicht selten in der Praxis beobachtet habe:
Damit die Kinder wie in der rechten Skizze miteinander kommunizieren können, benötigen Sie Übung und ggf. nonverbale Zeichen der Lehrkraft wie ermutigende Zunicken, einen fragenden Gesichtsausdruck oder Gesten, die zum Weiterführen der Meldekette anregen. Als Lehrer:in muss ich, um die Kinder hierhin zu begleiten, auch und unbedingt Pausen aushalten können. Eine Form der Pause kann es auch sein, die Kinder zu einem Impuls zuerst eine Minute miteinander murmeln zu lassen, bevor ich in ein gemeinsames Unterrichtsgespräch eintrete.
Stichwort Scaffolding: Unterstützend können immer wieder sprachliche Hilfen wirken, also mündlich oder schriftlich zur Verfügung gestellten Formulierungshilfen wie Satzanfänge oder auch Wortspeicher. Wie u.a. von Josef Leisen gut dargestellt, dienen diese Scaffolds dazu, Lernhürden abzubauen und können mit wachsendem Lernerfolg zurückgefahren oder angepasst werden.
Im Rahmen des Schreibens bin ich auf diese spannende Kartei zum sprachsensiblen Unterrichten gestoßen, die (angehende) Lehrkräfte mit sehr konkreten Tipps und Beispielen unterstützen kann. Vielleicht kannst du sie ja ebenfalls gebrauchen.
Symbolbild, KI-generiert (ach?)
Danke fürs Lesen bis hierhin! Vielleicht bewegt dich das Thema genauso wie mich und so viele andere (angehende) Lehrkräfte? Wie immer freue ich mich dann über deine Gedanken als Kommentar oder per Mail!
Titel: „20x Kunstwerke für 90 Minuten, Klasse 3/4“ Verlag: Verlag an der Ruhr (hier klicken) Autorinnen: Simone Schick, Laura Rodrigues Nöhles ISBN: 978-3-83466910-0
Zum Inhalt: Wie schon beim Vorgänger bietet das Buch zuerst Anleitungen zur Kunstbetrachtung und für eine Kunst-Konferenz. Auf je ca. fünf Seiten werden dann 20 Kunstwerke und Skulpturen vorgestellt inkl. einer ausführlichen Anleitung zur Erarbeitung und künstlerischen Umsetzung in der 3./4. Klasse. Im Sinne der Sprachförderung enthält jedes Kapitel Begriffe für ein „Kunstwörterbuch“. Die Auswahl der Werke reicht zeitlich von Leonardo da Vinci bis James Rizzi und beinhaltet Künstler:innen aus vielen Teilen der Welt. Männer und Frauen sind laut Vorwort bewusst gleichmäßig repräsentiert. Die Auswahl der empfohlenen Materialien orientierte sich für die Autorinnen an deren Nachhaltigkeit.
Meine Meinung: Der Folgeband des hier vorgestellten Werkes für die Klassenstufe 1/2 hat mich mit seinem Cover direkt begeistert. „Die große Welle“ mochte ich nicht erst seit meiner Japanisch-AG in der Mittelstufe gern. Neben diesem Werk oder zum Beispiel dem Gute-Laune-Haus nach James Rizzi fand ich es sehr inspirierend, auch einige mir bislang unbekannte Künstler:innen / Werke / Kunststile kennenzulernen. Mir gefällt es besonders, wie ernst die Themen und die Kinder hier genommen werden und wie vielfältig Kunstunterricht mir zu sein verspricht. Da sich am sehr klaren und zielstrebigen Stil der Kapitel nichts geändert hat, fühle ich als fachfremde Kunstlehrerin mich auch hier wieder gut an die Hand genommen und hätte direkt mehrere Projekte fürs neue Schuljahr eingeplant, wenn ich denn mal wieder eine Kunstklasse hätte.
Leseempfehlung: Aus den o.g. Gründen wiederhole ich meine Leseempfehlung vom ersten Band: Ich kann diese Ideensammlung von Herzen allen Lehrkräften empfehlen, die eine dritte oder vierte Klasse in Kunst (fachfremd) unterrichten dürfen, wollen oder müssen. Lest euch rein, lasst euch inspirieren! Ihr braucht keine Kopiervorlagen! 😉
Vielen Dank an die Autorin Laura und den Verlag an der Ruhr für das Rezensionsexemplar!
Heute ist ein besonderer Tag für mich, denn heute (15.06.26) geht ein ganz besonderes Herzensprojekt an den Start: Zusammen mit der zauberhaften Maria Kruse (online solo bei Köpfchenkunde) eröffnen wir euch die Welt der Bildungsmagie– Podcast, Inspirationen und Fortbildungen rund ums Themenfeld Digitalität – aber ganz speziell für die Grundschule!
Die Idee dazu kam uns auf einem unserer raren persönlichen Treffen 2025, also entweder auf der didacta, der Buchmesse oder einer mobile.schule-Tagung. Wir wollten digital interessierten Lehrkräften etwas anbieten, das sich einfach mal nur auf die Grundschule fokussiert und nicht die Primarstufe immer nur mitdenkt (denn das erleben wir leider bei allen Veranstaltungen und Podcasts mit digitalem Schwerpunkt noch ziemlich oft).
Bildungsmagie soll vorerst drei Säulen bieten: 1. kurze Podcasts mit einer Prise Magie, 2. begleitend dazu Onepager zum Einsatz verschiedener Szenarien und Tools sowie 3. Online-Workshops* für Anfänger:innen und Fortgeschrittene rund um digitales Arbeiten in der GS
Unser Spektrum beginnt bei Tool-Schulungen zum Beispiel für BookCreator oder TaskCards und endet bei Haltungsfragen wie der Diskussion darüber, in welcher Art und Weise Digitales allgemein und KI beispielhaft in der Grundschule ihren Platz finden sollte.
Kleiner Teaser: Unsere ersten Podcast-Themen werden ab heute wöchentlich online gehen: Mit BookCreator ein Schmetterlingsprojekt in Klasse 1 begleiten, die Arbeit mit Audioaufnahmen in der GS, eine besondere (fast schon magische) Lernaufgabe in Deutsch in Klasse 4 sowie eine Klassenpinnwand für den Kontakt mit Eltern. Für danach gibt es grade schon viele Ideen in der Pipeline – wir nehmen aber auch gern eure Anregungen und Themenwünsche auf!
Wieso Bildungsmagie?
… die Bildung: Wir sind beide seit mehr als 20 Jahren in der Schule und haben verschiedenste Positionen ein- und Aufgaben angenommen. So bringen wir neben der reinen Unterrichtstätigkeit auch die Schulleitungsperspektive und die Sichtweise der Lehrkräfteausbildung mit. Fortbildungen, Webinare und Workshops bieten wir auch nicht erst seit gestern an. Ihr dürft euch also auf eine große Bandbreite an Expertise freuen und immer gern auch selbst Themen vorschlagen.
… die Magie: Außerhalb unserer Leidenschaft für (digitale) Schulentwicklung sind wir beide absolute Potterheads und tief verwurzelt in der magischen Welt. Nicht umsonst heißt die Bildungsmagie Bildungsmagie. Unser Logo und Design sind ebenso magisch inspiriert. So ungefähr stellen wir uns die Herkunft unserer magischen Feder vor:
Ich freue mich, wenn ihr euch mal auf unserer Seite besucht, in den Podcast reinhört und natürlich wie immer gern Likes oder Kommentare da lasst! Ihr findet uns online hier:
Ich freue mich wahnsinnig auf dieses Projekt und hoffe, einige von euch treuen Leser:innen dadurch auch mal persönlich in einem Webinar* kennenzulernen.
Zum Inhalt: In einen kleinen Teich legen Mama und Papa Frosch 999 Froscheier ab. Daraus werden bald erst 999 Kaulquappen, dann 999 kleine Fröschlein. Irgendwann wird deshalb aber leider der Teich zu klein. Also beschließen die Froscheltern, mit der ganzen großen Sippe umzuziehen. Dummerweise wird so vielen kleinen Hüpfern der Weg irgendwann lang („Wie weit noch?“) und zudem lauern auch noch an jeder Ecke Gefahren für wandernde Frösche. So kommt es, wie es kommen muss und ein Falke schnappt sich Papa Frosch. Oh je! Aber Mama Frosch und auch die 999 Froschkinder lassen sich ihren Papa nicht einfach so nehmen, so dass der Falke ziemlich schwer zu tragen bekommt…
Meine Meinung: Aufmerksam geworden bin ich auf dieses Bilderbuch durch den Titel, der mich als Grundschullehrerin direkt an die Zahlenraumerweiterung in Mathematik Anfang der 3. Klasse denken ließ. Was ich nicht erahnte, war der zauberhafte Humor, der die Geschichte auszeichnet! Die grafisch sehr reduziert erzählte Geschichte, die fast ausschließlich in grün und weiß erzählt wird, ist von Beginn an heiter und teilweise wirklich witzig. Die Froschkinder schleppen zum Beispiel eine schlange an, just als Frosch-Papa zur Disziplinierung vor Schlangen warnt. Wie sehr ich da als Mutter doch an die elternüblichen Gefahrdrohungen erinnert wurde, die oft völlig widersinnig sind. Erzählt wird in dieser humorvollen Weise eine wertvolle Geschichte über Zusammenhalt und die Macht, die dieser selbst kleinen Wesen geben kann. Eine Message, die wir heute dringend(er denn je) brauche: Bildet banden, dann kann euch keiner was! Kinder müssen immer wieder hören, so ist meine Meinung, dass man sich dem vermeintlich Größeren nicht kampflos ergeben muss und dass man zusammen mehr erreicht. Die 1001 Frösche bieten hierfür eine wunderbare Projektionsfläche, zumal sie auch noch absolut liebenswert gezeichnet sind. Gerade das sehr ruhige Setting mit seiner Schlichtheit bietet einen klaren Gegenpol zu vollen, grellen und bunten Bildern und Filmen, die Kinder sonst häufig konsumieren… Mein K2 (11) wurde von den Illustrationen direkt herausgefordert, die Anzahl 999 🐸 erstmal nachzuzählen. Ergebnisse werden aber nicht verraten.
Leseempfehlung: Empfehlung 1 (privat): Alle Bilderbuchliebhaber:innen sind mit den 999 Froschgeschwistern hervorragend beraten. Ein liebenswertes Buch mit tollen Charakteren und der Idee von (familiärem) Zusammenhalt. Empfehlung 2 (Schule): Nicht umsonst taucht „999 Froschgeschwister ziehen um“ aktuell in vielen Instas auf: Es ist endlich mal wieder ein Bilderbuch, von dem ausgehend ich ein mathematisches Thema anfassen kann. Nach der zweiten Klasse sollen Kinder sich den Zahlenraum bis 1000 erarbeiten und dafür eine Größenvorstellung erlangen. Das vorliegende Bilderbuch kann dazu einen Storytelling-Rahmen anbieten und zum Beispiel das Bündeln anregen, wenn es darum geht, die kleinen Frösche auf dem Weg sicher zu zählen oder zu transportieren.
Vielen Dank an den Nordsüd-Verlag für das Rezensionsexemplar! Vielleicht setze ich mich damit demnächst mal zu den Fröschen an den Teich in Nachbars Garten in der Hoffnung, sie zu inspirieren.
Online finden sich (momentan?) massenweise Lese-Reaktionsspiele nach dem Muster „Ich habe – du hast“. Sie sind von der Lehrkraft mit einer einfachen Vorlage leicht hergestellt und angepasst, schnell den Schüler:innen erklärt und dann in vielen Varianten spielbar. ABER: Sie sind auch unfassbar dröge! (Meine Meinung und auch die einziger Kolleginnen, mit denen ich mich unterhalte.) Immer nur die Wortebene, immer nur kurz mal zuhören, ob mein Begriff oder meine Zahl genannt wird. Der Anspruch ist sehr gering und höchstens im ersten Schuljahr oder Förderbereich vorstellbar.
Fachlich möchte ich vor allem kritisieren, dass die Kinder nicht an das Lesen, Verstehen und Formulieren ganzer Sätze herangeführt werden, wenn ich diese sehr aktivierende Spielmöglichkeit so reduziere. Das jedoch ist ja Kern unserer Aufgabe: Wortschatz aufbauen, Satzmuster anbieten und das korrekte Bilden ganzer Sätze ermöglichen. Dazu können Lesespiele auch beitragen – wenn Sie denn diese sprachliche Ebene auch anbieten und nicht bei „Ich habe einen Frosch. Wer hat ein Schaf?“ hängen bleiben.
Was Lesespiele aber auch bieten: sie können Spaß machen! Ja, wirklich: Spaß beim Lesen, Spaß beim Spielen, ein fröhliches, lustiges gemeinsames Erlebnis. Alle Klassen, die ich bisher leiten durfte und auch einige meiner Fachklassen liebten Lesespiele und oft genug haben wir als gemeinsames Produkt sogar selbst welche erfunden – sie auf dem oberen Foto oben rechts.
Witzigerweise beinhaltete einer meiner ersten Beiträge hier im Blog (genauer gesagt mein erstes geteiltes Material) zwei Lesespiele zum Thema Märchen. So sahen / sehen die aus:
Man sieht direkt den deutlich größeren Textumfang, der klar auf der Satzebene angesiedelt ist. Das rechte Spiel ist etwas simpler angelegt, weil es wiederkehrende Satzanfänge (Ich suche…, Ich bin…) nutzt. Das linke Spiel ist schon deutlich komplexer und quasi eine Niveaustufe höher angelegt. Das ist nämlich auch so schön an Lesespielen: Ich kann sie im Anspruch wirklich gut an meine Lerngruppe anpassen.
Lesespiele in den Fächern und zum Spaß
An meinem Pult hatte ich immer diverse Lesespiele parat. Ein paar Beispiele möchte ich hier verlinken: – Sachunterricht – Ritter (Zaubereinmaleins) – Sachunterricht – Afrika (Zaubereinmaleins) – Englisch – How much is it? (Primarblog) – Spaß: Winter/Weihnachten (Grundschultante) – Spaß: Das Komplimente-Lesespiel (Zaubereinmaleins) – Spaß: Mompitze (Primarblog) Leider stammen viele Downloads noch aus der Zeit vor Eduki und sind nicht mehr verfügbar. Wenn ihr noch gute Links habt, schreibt mich gern an und ich ergänze sie.
Erfreulicherweise lassen sich mit einer einfachen Wordvorlage (oder was auch immer dein favorisiertes Tool ist) Spiele zu jedem erdenklichen Thema erstellen. Statt der reinen Wortebene sollte man dabei jedoch ganze Sätze und Umschreibungen oder Beschreibungen nutzen. Ein Beispiel: Im Sachunterricht sollen die Bundesländer Thema eines Lesespiels sein. Auf den Karten steht dann nicht „Ich habe NRW. Wer hat Niedersachsen?“ sondern so etwas wie „Ich suche das einzige Bundesland, das an Nordsee und Ostsee grenzt.“ oder „Welches ist das bevölkerungsreichste Bundesland?“.
Lesespiele in der Lehrkräfteausbildung und Fortbildung
Irgendwann habe ich mal eine kollegiale Fortbildung mit einem Lesespiel eröffnet (hier nachzulesen), da vor allem bei Erwachsenen auf diesem Wege eine etwas andere Einführung möglich ist. Hierbei zeigte sich, dass selbst studierte Menschen erstmal die Struktur und Regeln solch eines Lesespiels verstehen müssen, um auch nur das zu sagen oder zu lesen, das sie sagen oder lesen sollen 🙈.
Auch im Fachseminar konnte ich inzwischen Lesespiele unterbringen, die dann die selbe Funktion hatten. In die FS-Sitzung zum mündlichen Erzählen starteten wir mit einem solchen Spiel, bei dem die LAA sich quasi selbst gemeinsam den Einstieg und thematischen Rahmen erlasen.
Zwei letzte Gedanke noch: Häufig passt die Kartenanzahl des Spiels nicht zur Größe der Klasse. Erfahrungsgemäß gibt es aber immer Kinder, die gern mehrere Karten spielen. Sollten mal zu wenige Karten vorhanden sein, spielen Kinder zu zweit oder einzelne pausieren freiwillig. Anders als bei manch modernem Material lohnt es sich, Lesespiele zu laminieren, da man sie immer wieder spielen kann. Jedes Mal hat jedes Kind ja einen neuen Part. Manche meiner lustigen Spiele waren so beliebt, dass die Kinder sie sich gezielt wünschten und auf Wunschrollen hofften 😁.
Ich wünsche euch viel Spaß mit den gefunden oder euren selbst erstellten Spielen. Wenn du hier gern eins hinzufügen möchtest, schick es mir gern!
Titel: „Keine Panik – Wir stellen die Schule auf den Kopf“ Verlag: Südpol (hier klicken) Autor:innen: Ilona Einwohlt Illustrationen: Alexandra Junge ISBN: 978-3-96594-374-2
Zum Inhalt: Mika, Ibo, Lilly und Milan besuchen eine ganz normale Grundschule – also eine mit defekten Toiletten, kaputten Fenstern und personeller Unterbesetzung. Verstärkt werden die Probleme durch einen unmotivierten Hausmeister und einen sehr langsamen Schulleiter. Als jedoch eine Vertretungshausmeisterin an der Schule anfängt, kommen positive Veränderungen ins Rollen. Die Kinder merken durch Frau Panic, dass sie Dinge selbst in die Hand nehmen und für ihre Wünsche einstehen können. Es entwickelt sich eine Dynamik, in deren Folge Pläneschmieden und Demonstrationen ins Spiel kommen. Es bewegt sich was an der Schule und auch bei den Erwachsenen, als es um den Erhalt des Schulgartens als Lernort geht. Das Buch beinhaltet Illustrationen auf jeder Doppelseite und bietet einen eher lockeren Schriftstil: Viele Begriffe sind im Comistil hervorgehoben, farbig und groß, wofür der Verlag den Begriff Comicroman nutzt.
Meine Meinung: Inhaltlich gefällt mir an der Geschichte gut, dass sie an einem so nachvollziehbaren, realistischen Ort spielt, in dem sicher viele Kinder Facetten ihrer eigenen Schule wiederfinden. Zudem sind die Protagonist:innen ganz normale Kinder, die eine Perspektivübernahme ermöglichen. Sie durchlaufen eine starke Entwicklung von einer altersgemäßen Naivität zu mehr gemeinsamer Selbst- und Mitbestimmung. Sie lernen demokratische Mittel kennen und einerseits Bestärkung durch Erwachsene sowie andererseits auch, dass man Erwachsene überzeugen kann. Neben dem Thema der baulichen schulischen Probleme werden Themen wie Feminismus und Fremdenfeindlichkeit angerissen, so dass man als Leser:in die Wahl hat, hier tiefer einzusteigen oder eben nicht. Die Illustrationen sind klar und farbenfroh, sehr lebendig und kindgerecht realistisch. Durch den Comicstil und den insgesamt lockeren Schriftsatz ist das Buch durchaus leicht lesbar.
Leseempfehlung: Zum ersten Mal seit Langem kann ich mal wieder ein Buch als Ganzschrift für die dritte oder vierte Klasse empfehlen. Die Lesbarkeit und der Lebensweltbezug dürften bei den Kinder zu viel Lesefreude führen. Natürlich ist „Keine Panik“ auch gut als Selbst- oder Vorlesebuch geeignet – meiner Einschätzung nach ab etwa 8 Jahren. Demokratielernen ohne erhobenen Zeigefinger – so wünsche ich mir Bücher für Kinder! Die Geschichte von Mika und ihren Freund:innen bietet tolle Gesprächsanlässe für mehr Mitbestimmung an der eigenen Schule.
Vielen Dank an den Südpol-Verlag für das so liebevoll verpackte Rezensionsexemplar! Da war schon das Auspacken ein Highlight!
Zum Inhalt: Weil Tschechien 2026 Gastland der Frankfurter Buchmesse ist, gibt es momentan mehrere Titel tschechischer Autor:innen im deutschen Buchhandel. „Wie Schmetterlinge leben“ ist einer davon. Amanda beginnt ihre Erzählung als Raupe mit einer großen Geschwisterschar, die nichts als Brennnesselblätter im Kopf hat. Als Leser:in begleiten wir sie bei Häutungen und ihrer Verpuppung bis hin zu ihrer Metamorphose in ein Tagpfauenauge. Dabei stellt sie aus ihrer Perspektive verschiedene Fressfeinde und Wiesentiere ebenso vor wie Schutzmechanismen und den Körperbau von Schmetterlingen. Die Geschichte endet, als Amanda sich gepaart und selbst Eier abgelegt hat.
Meine Meinung: Manche Geschichten aus Tierperspektive sind ein bisschen verniedlicht oder unrealistisch – das ist bei Amandas Erzählung definitiv nicht der Fall. Sehr sachlich (trotz Erzählton) geht es um den Lebenszyklus von Tagpfauenaugen, in dem auch das Gefressenwerden nicht ausgeblendet wird. Eine gelungene Mischung aus Sach- und Erzähltext! Lesende werden an vielen Stellen direkt angesprochen oder mit Hilfe von Sprechblasen wird der Blick auf Details gelenkt. Beides führt m. E. dazu, dass man fast in einen Dialog mit der Protagonistin tritt. Durch diese Nähe dürfte der Aufruf am Ende, nett zu Schmetterlingen zu sein, sich bei Kindern hängen bleiben. Die Illustrationen gefallen mir sehr gut. Sie haben eine tolle Mischung aus Realismus und Abstraktion, die die teils komplexen Sachverhalte (wie Tarnung oder Verpuppung) greifbar macht. Die Farben sind durchweg gedeckt gehalten, wodurch die farbig leuchtenden Insekten(teile) besonders gut zur Geltung kommen. Ein bisschen fühlte ich mich beim Blättern auf eine Blumenwiese versetzt.
Leseempfehlung: Allen neugierigen kleinen und großen Menschen mag ich dieses Buch ans Herz legen. Der Verlag empfiehlt es ab sechs Jahren und somit direkt für unsere Zielgruppe in der Grundschule. Vor allem dortige Lehrkräfte und Erzieher:innen in den älteren Kindergartenjahren können mit Amandas Hilfe bei den Kindern Sensibilität für die Natur und ihre Wesen herstellen. Im Sachunterricht finde ich dieses Bilderbuch sogar noch geeigneter als das zuletzt hier vorgestellte – oder man nutzt beide ergänzend 🙂 Nahtlos passen hier die in vielen Schulen vorhandenen Modelle zum Lebenszyklus des Schmetterlings und auch zu einer Schmetterlingszucht hätte Amanda Hilfreiches beizutragen.
Vielen Dank an den Topp-Verlag für das bezaubernde Rezensionsexemplar!