Rezension: „Holgers Haus“

Titel: „Holgers Haus“
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Verlag: Knesebeck (hier klicken)
Autorin: Jule Wellerdiek
Illustrationen: Jule Wellerdiek
ISBN: 978-3-95728-618-5

Zum Inhalt:
Holger (ein Fuchs) und Stein (ein Stein) wohnen gemeinsam in einem kleinen Häuschen. Die beiden Freunde machen alles gemeinsam: tanzen, spielen, essen, Glühbirnen wechseln …
Eines Tages passiert es aber, dass Stein beim Versuch, die Küche zu streichen, ein riesiges Chaos verursacht und Holger deshalb nicht in Ruhe seine sieben Lieblingsbücher lesen kann. Im Streit fasst er den Entschluss, das Haus auf den Fahrradanhänger zu laden und wegzufahren, um allein und in Ruhe leben zu können. Gedacht – getan.
Holger kann nun also endlich ohne Störungen alles tun, was er tun möchte. Bald merkt er aber, dass ihn das nicht glücklicher macht. Sicher könnt ihr euch denken, wie es dann weitergeht.

Meine Meinung:
Mit „Holgers Haus“ halte ich ein sehr charmantes Bilderbuch in der Hand, das das Thema Freundschaft sehr sensibel aufgreift. Wer hatte nicht schon das Gefühl, dass man ohne Freund oder Freundin, ohne Partner*in oder gar ohne die Kinder mehr Ruhe hätte und glücklicher wäre. Fuchs Holger probiert stellvertretend für uns alle aus, wie es sich denn allein lebt – und kommt nicht weit. Als die erste Aufregung verpufft, merkt er schnell, dass diese Person, die ihn gerade noch mit ihren Eigenheiten in den Wahnsinn treiben konnte, ihm doch viel bedeutet.
Ich mag Holger für diese Erkenntnis und ich mag auch Stein, der trotz seiner Steinigkeit sehr freundlich daher kommt. Jule Wellerdiekt hat die Figuren und die Geschichte mit einem ganz eigenen Malstil zum Leben erweckt und schenkt uns viele Kleinigkeiten, die es zu entdecken gilt. Sehr gut gefällt es mir auch, wie die Buchdeckelinnenseiten als Bildergalerie der Freunde gestaltet sind – so bekommt man einen ganz eigenen Eindruck vom Leben der zwei.

Leseempfehlung:
Zum Vorlesen empfiehlt der Verlag das Buch ab 3 Jahren – da gehe ich gerne mit und halte die Kindergartenzeit und auch noch die ersten Grundschuljahre für eine passende Altersgruppe.
Auch für die Schule kann ich mir „Holgers Haus“ gut vorstellen. Das Buch bietet einen tollen Gesprächsanlass darüber, was man an seinen Freund*innen schätzt, was einen vielleicht auch stört und warum Freundschaft dennoch wichtig ist.

Vielen Dank an den Knesebeck-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

Anregung: vorgelesener Adventskalender

Immer mal wieder versuche ich ja, euch vom #TwitterLehrerzimmer zu überzeugen. Heute Versuch 124 oder so. Auf Twitter kann nämlich Tolles passieren: jemand hat die Idee, aus einem Adventskalenderbuch mit 24 Kapiteln digital verfügbar einen anzuhörenden Adventskalender für seine Klasse zu machen. Andere Menschen steuern ihre Ideen bei und es entsteht der Plan, dass nun deutschlandweit 24 Personen die 24 Kapitel einlesen und jede*r davon dann den gesamten Kalender nutzen darf.

Schwupps wird eine ppt vorbereitet und in einem Cloudordner für alle zugänglich gemacht. Schwupps lesen die ersten ihre Kapitel ein, andere bestellen erstmal das Buch*, erste Folien sind schon gestaltet. Wenn jemand nicht so gestalterisch begabt ist oder keine Zeit für die Folie hat, springen andere ein. Innerhalb von weniger als zwei Wochen ist das Ganze Ding fertig.

Wieder kommen verschiedenste Ideen zusammen, wie denn nun das Teilen technisch umgesetzt wird. Vor allem durch verschiedene oder fehlende Plattformen gibt es hier Manches zu beachten – aber es klärt sich.

Ich darf nun also Teil dieses Projekts sein und habe Tag 20 in die Sprachaufnahme-App meines Tablets eingelesen. Außerdem hat jede*r die ppt-Folie zu seinem Tag gestaltet (in diesem Buch geht es um Weihnachten in verschiedenen Ländern, so dass jedes Bild ein Land zeigt). Für Italien habe ich Canva genutzt und mein Bild so gestaltet:

Aus rechtlichen Gründen kann ich natürlich nicht den gesamten Kalender mit euch teilen, aber ich möchte euch anregen: so ein Projekt kann man auch mit einem Kollegium umsetzen und füreinander, die eigene Klasse oder die Schulgemeinschaft nutzen! Tut euch zusammen, probiert euch aus, teilt dieses Erlebnis miteinander!

Viel Spaß beim Ausprobieren und (mit oder ohne Adventskalender) einen guten Start in die Adventszeit!

Eure Katha

* Wir haben „Unglaubliche Weihnachten“ von Renus Berbig gelesen, dtv Verlag. Die Bestellzahlen dürften ziemlich hoch gegangen sein… 🙂
Grundsätzlich ist das aber einfach auch ein tolles Buch zum Vorlesen im privaten oder schulischen Bereich!

Rezension: „Die Lama-Gang“

Titel: „Die Lama-Gang. Mit Herz & Spucke“
Verlag: Planet! / Thienemann-Esslinger (hier klicken)
Autorin: Heike Eva Schmidt
Illustrator: Nikolai Renger
ISBN: 978-3-522-50702-8

Zum Inhalt:
Petersilie, Einstein und Vokuhila sind Lamas und leben auf dem Hof von Familie Sonnenschein. Normalerweise unternehmen sie mit Mutter Lisa Wanderungen, die man buchen kann und fühlen sich rundum wohl. Aber dann wird bei Sonnenscheins eingebrochen und weil Vater Knut (selbst Polizist) nicht so recht ermitteln will, stürzen sich sowohl die Töchter Finja und Lilly als auch die drei Vierbeiner in Ermittlungen. Dummerweise müssen sie getrennt ermitteln, da die Lamas zwar die Menschen verstehen, die Menschen aber nicht die Lamas! Vokuhila könnte sogar eine Täterbeschreibung liefern, wenn ihn denn irgendwer verstünde…

Die Lama-Gang schafft es aber tatsächlich, den Einbrecher und Dieb ausfindig zu machen und der Polizei zu übergeben. Wie das gelingt und welche Fehlschläge die drei vorher einstecken müssen, das muss jede*r selbst lesen.

Das Buch ist schwarz-weiß illustriert und zählt etwa 3 Illustrationen pro Kapitel. Nicolai Renger, der auch „Rille“ gezeichnet hat, haucht den drei Lamas und ihren Hausmenschen Leben ein.

Am Ende gibt es noch das Rezept für die bei den Lamas und den Sonnenscheins so beliebten Knabber-Müsli-Stangen.

Meine Meinung:

Nachdem ich schon ein von N. Renger illustriertes Buch rezensieren durfte (s.o.) und seinen Stil sehr mochte, hat mich auch das Cover der Lama-Gang direkt sehr angsprochen. Etwas schade ist es, dass die Illustrationen im Buch eher wenige sind und auch „nur“ schwarz-weiß (aber das ist Meckern auf hohem Niveau). Defintiv schafft Renger es auch bei den drei Lamas, den Charakter einzufangen und die Gangmitglieder in lustigen Situationen darzustellen.

Die Geschichte an sich ist kindgerecht und bietet eine interessante Perspektive. Ermittelnde Tiere sind inzwischen ja keine Seltenheit mehr, aber immer wieder spannende Identifikationsfiguren für Kinder. Die drei Helden dieser Geschichte sind mal tollpatschig, mal nassforsch, mal altklug und mal rührend. Auch die ebenfalls ermittelnde Kinderbande rund um die Sonnenschein-Schwestern muss mit Rückschlägen kämpfen und vermittelt Zuhörern/Lesern dabei, dass auch das völlig ok ist.
Sprachlich finde ich das Buch allerdings recht anspruchsvoll. Die langen Kapitel könnten teils straffere Dialoge enthalten oder kürzere Erklärungen bzw. Beschreibungen. Beim abendlichen Vorlesen habe ich viele Kapitel aus Zeitgründen halbiert. Darunter leidet dann ein wenig das Mitfiebern bei den Ermittlungen. Der Freude über den Erfolg tut das zum Glück aber keinen Abbruch.

Leseempfehlung:
Für Zuhörer*innen ab 6 ist die Lama-Gang gut geeignet. Man muss allerding ein bisschen zeit mitbringen, um mit den Lamas zu ermitteln, so dass Leser*innen eher ab 8-10 Jahren zu finden sein dürften. In einer Schulbibliothek kann ich mir das Buch ebenso gut vorstellen wie im Bücherregel einer kleinen Leseratte.

Vielen Dank an den Verlag Thienemann-Esslinger bzw. PlanetB! für das Rezensionsexemplar und vor allem für das so liebevoll gepackte Bloggerpaket! Es war lecker und gemütlich und hat für viel Freude gesorgt!

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Die Freude springt aufs Trampolin“

Titel: „Die Freude springt aufs Trampolin. Unsere Gefühle für Kinder erklärt“
Verlag: Knesebeck (hier klicken)
Autorin: Tina Oziewicz
Illustratorin: Aleksandra Zajac
ISBN: 978-3-95728-525-6

Zum Inhalt:
Die Welt der Gefühle ist für Kinder manchmal etwas unübersichtlich. Außer „gut“ und „schlecht“ und manchmal noch „hungrig“ kommt bei der Frage „Wie fühlst du dich?“ oft nicht viel heraus. Okay, wütend/sauer und traurig gehören einigermaßen zum Standardrepertoire.
Tina Oziewicz hat die Palette deutlich weiter gespannt und nimmt eine sehr große Auswahl an Gefühlen mit je einer Doppelseite in ihr Buch auf. Zu jedem Gefühl gibt es einen Satz und eine Illustration, die die Eigenschaft des Gefühls mit einer Handlung oder einem Ort verknüpfen. Zwei Beispiele:

Meine Meinung:
Mich, meine Jungs, meine im Kindergarten arbeitende Schäwgerin und meine Nichten hat das Buch beim ersten Durchblättern total begeistert. Die Bilder und Kurztexte haben alle vier Kinder sofort zu Mutmaßungen und Erklärungen angeregt und wir haben alle ganz gemütlich zusammen gesessen und uns ins Buch vertieft.
Die Aussagen zu jedem Gefühl finde ich sehr „auf den Punkt“, und zwar so, dass sie zwar ein wenig auf die Meta-Ebene gehen, aber dennoch für die Kinder absolut greifbar sind. Die Illustrationen von Aleksandra Zajac ergänzen den Text nicht nur – sie gehören untrennbar zusammen und sind wirklich zauberhaft. Es bleibt zu hoffen, dass wir ihre Illustrationen noch in vielen weiteren Büchern sehen werden.

Leseempfehlung:
Für alle, die privat oder beruflich mit Kindern zu tun haben, ist „Die Freude springt aufs Trampolin“ eine Quelle von Gesprächsanlässen. Immer wieder können die Bilder hinzugezogen werden, wenn für das Kind gerade Neid, Heimweh o.a. aktuell sind. Der Hinweis, dass dieses Gefühl auch andere Teilen und wie es denen in solch einer Situation geht, entlastet Kinder unheimlich, denke ich.
Wer in der Grundschule als Klassenleitung aktiv ist, kann sich dieses Buch gut ans Pult stellen und im Bedarfsfall hervorholen. Von mir heute wirklich mal wieder eine uneingeschränkte Empfehlung!

Vielen Dank an den Knesebeck-Verlag für das Rezensionsexemplar! Ihr seid ein echter Lieblingsverlag geworden!

Beste Grüße,
Katha

Geschichten hören (auch auf Distanz)

Heute früh startete jemand im Twitterlehrerzimmer eine Frage zu Hörgeschichten zur Sprachförderung:

Schnell (wie dort oft!) fanden sich erste Ideen und Empfehlungen. Mir ging dann durch den Kopf, dass diese tolle „Sammlung“ nicht nur auf dieser Plattform bleiben, sondern weiter geteilt werden sollte. Deshalb heute hier in Kurzform die Vorschläge aus dem Twitter-Thread, ergänzt durch weitere Seiten aus meinem Erfahrungsschatz:

  1. Ohrka: „Hier auf Ohrka.de könnt ihr alle Hörspiele, Geschichten und Märchen zu privaten und zu schulischen Zwecken kostenlos anhören und herunterladen!“ Eine von uns auch schon privat genutzte Plattform mit vielen Geschichten, teils von prominenten Vorlesern aufgenommen.
  2. Amira Lesen: ein Leseprogramm für Grundschüler (gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in den Jahren 2011 bis 2015; zudem gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Jahr 2016). Hier kann man in virtuellen Büchern bättern und kann beim Vorlesen die Geschichten auch mitlesen.
  3. Podcasts beim Ohrenbär: Beim Ohrenbär sitze ich schnell wieder als Achtjährige auf dem Küchensofa vorm Radio… – heute findet sich hier online eines der guten öffentlich-rechtlichen Angebote für Hörmedien.
  4. Ebenso öffentlich-rechtlich ist der Kinder-Radio-Kanal Kiraka. Immer findet man hier tolle Geschichten, die auch regelmäßig erweitert oder ausgetauscht werden.
  5. Ein ähnliches Angebot gibt es beim SWR zum Streamen und als Download.
  6. Und auch die Maus beim WDR bietet Hörgeschichten an. Diese drei Angebote überschneiden sich teilweise.
  7. Die Lesefüchse sind eine private Initiative aus München. Hier wird allerdings mit Bild, also im Videoformat vorgelesen.
  8. Kostenlose Märchen-Hörbücher findet man bei Erziehung online. Die habe ich selbst schon als tolle Erweiterung für jede Märchen-Einheit im Deutschunterricht genutzt.
  9. Nicht zu vergessen ist die Aktion Einfach vorlesen der Stiftung Lesen. Der entscheidende „Nachteil“ an dieser tollen Geschichtensammlung ist jedoch, dass man noch jemanden braucht, der vorliest. Dieser Tipp ist also „außer Konkurrenz“ hier mit dabei.
  10. Martin Ebbertz hat mir geschrieben, dass ein paar seiner Geschichten auch online zu hören (oder zu lesen) sind.

Wer noch Ergänzungen hat – immer gern her damit!

Frühlingshafte Grüße
Katha

Rezension: „Ach, du dicker Weihnachtsmann“

Titel: „Ach, du dicker Weihnachtsmann“
Verlag: Ullmann (hier klicken)
Autorin: Ursel Scheffler
Illustrationen: Jutta Timm
ISBN: 978-3-74152536-0

Zum Inhalt:
Nach dem Weihnachtsfest hat der Weihnachtsmann sich erstmal eine Pause verdient. Nach einem laaangen Schläfchen und dem Auffüllen der Vorräte muss er jedoch aus der Presse erfahren, dass man ihn abschaffen möchte – er sein körperlich kein gutes Vorbild, verführe zu Süßigkeitenkonsum und schenke nutzloses Zeug. Man kann den Schock des alten Herrn nachvollziehen. So beschließt er, ein moderner, frischer Weihnachtsmann zu werden. Er rasiert sich und speckt eine ganze Menge ab. Außerdem bereitete er eine ganze Menge gesunder, praktischer und nützlicher Geschenke vor fürs nächste Weihnachtsfest.
Das allerdings passt den vorher so kritischen Reportern auch wieder nicht, wie er feststellen muss.

Meine Meinung:
Die Geschichte des Weihnachtsmanns wird von Ursel Scheffler liebevoll und mit vielen Details erzählt. Kleine Zuhörer und -schauer finden in den Illustrationen eine Menge Feinheiten auch aus der eigenen Lebenswelt wieder. Man kann dem Weihnachtsmann beim Umkrempeln seiner Gewohnheiten übers Jahr zuschauen und mitfiebern, ob er sein Ziel wohl erreicht.
Inhaltlich finde ich es sehr wichtig, dass das Abnehmen und Umstellen auf gesunde, nützliche Geschenke nicht unaufgelöst stehenbleibt, da das eine arg falsche Botschaft an die Kinder senden würde. Dass der Weihnachtsmann sich schlanker wohler und fitter fühlt, ist keine schlechte Mitteilung; aber dass er auf Druck von außen Veränderungen anstrebt – naja… Ein wenig wird das aufgelockert dadurch, dass ja die selben Menschen, denen er letztes Jahr zu dick und zu träge war, nun einen runden, stattlichen Santa sehen wollen statt des neuen Typs.
Ob der Weihnachtsmann nach diesem aufrüttelnden Erlebnis seine Geschenkepläne nochmal ändert, wird nur angedeutet, aber nicht ganz klar.

Die Illustrationen führten dazu, dass die Geschichte bei meinen Testern zuhause sehr gut ankam. Der Weihnachtsmann ist sehr sympathisch gezeichnet und es gibt auf den Bildern viel zu entdecken, das man auch zuhause oder in der Umgebung findet. Die meisten Bilder sind ganzseitig und wirklich ansprechend. Jutta Timm setzt eher auf pastellige Töne und trägt so dem friedlichen, ruhigen Aspekt der Weihnachstzeit gekonnt Rechnung.

Leseempfehlung:
Ein schönes Vorlesebuch in der Adventszeit für Kindergarten- und jüngere Grundschulkinder. In der Schule bin ich seit ein paar Jahren dazu übergegangen, mehrere kleine Geschichten statt einer Fortsetzungsgeschichte vorzuesen im Rahmen unseres Adventskalenders (da die meisten davon ja auf 24 Vorlesetage angesetzt sind, die man in der Schule nie hat). In diesem Rahmen kann ich mir „Ach, du dicker Weihnachtsmann“ auch gut für ein bis zwei Tage vorstellen. Zudem ergibt sich ein schöner Gesprächsanlass über die Freude am Schenken, die in der Adventszeit ja auch viele Kinder beschäftigt.

Vielen Dank an Ullmann Medien für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Rille“

Titel: „Rille – die Dschungelfreunde sind los!“
Verlag: esslinger (hier klicken)
Autor: Fee Krämer
Illustrationen: Nikolai Renger
ISBN: 978-3-480-23570-4

Zum Inhalt:
Rille ist ein Gorilla und soll eigentlich von Leipzig nach Brasilien in einen neuen Zoo umziehen. Aber sein Flugzeug stürzt ab und seine Transportkiste wird hinausgeschleudert.

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Im ersten Kapitel weiß der junge Gorilla gar nicht, wo er ist und was passierte, als er von verschiedenen Dschungeltieren gefunden und schlussendlich aus seiner Kiste befreit wird. Dies ist der Anfang einer besonderen Freundschaft unter ganz verschiedenen Tieren, die ab jetzt eine Menge gemeimsan erleben und voneinander profitieren. Die beiden Wichtigsten sind Papagei Pepe und Tante Tatu, die alte Gürteltierdame, bei denen er Unterschlupf findet. Zusammen verscheuchen sie Geister, retten den Dschungel vor den Menschen und lernen immer wieder Neues voneinander. Hier sieht man die Karte von seiner neuen Umgebung (auf beiden Innedeckeln zu finden).

Meine Meinung:
„Rille“ ist ein zauberhaftes Buch, das kraftvolle Geschichten rund ums Thema Freundschaft enthält. Prinzipiell sind die Kapitel unabhängig voneinander verständlich, wenn man den Anfang kennt – so können auch Lieblingskapitel einzeln gelesen werden.

Dass Freundschaft toll und wichtig ist, das kann man in vielen Büchern lesen. Dass sie aber auch traurige, verwirrte oder wütende Momente haben kann, das macht Fee Krämer hier sehr liebevoll klar. So kommt beim Leser oder Zuhörer die beruhigende Nachricht an, dass man auch mal sauer auf Freunde sein kann oder sie nicht versteht oder sie doof findet. Und das finde ich persönlich eine sehr wertvolle Borschaft, die Kinder stärkt statt ihnen zu suggerieren, dass immer alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, wenn man Freunde erst einmal hat.
Im Dschungel leben hier außerdem ziemlich unterschiedliche Tiere mit ziemlich unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammen – auch hier „echtes Leben“ pur.

Nikolai Renger hat Rille und seinen Freunden Charakter gegeben und sie in eine lebendige Landschaft gesetzt. Die Bilder sind frabenfroh, ohne aufdringlich zu wirken, sehr klar und durchaus realistisch. Rilles Mimik und die der anderen Tiere sind extrem gut gelungen und verstärken die oben beschriebenen Effekte zur Gefühlswelt noch mehr.

Leseempfehlung:

Der Verlag empfiehlt das Buch ab fünf Jahren. Da kann ich mich anschließen, wenn ich von meinem Fünfjährigen hier ausgehen, der das Buch sehr mag. Rille hat uns einige Tage beim abendlichen Vorlesen begleitet und ist dann direkt auf die Liste der „lesen-wir-nochmal“-Bücher gesetzt worden.
Für die Schule kann ich mir „Rille“ auch sehr gut vorstellen. Als Vorlesebuch auf jeden Fall, aber auch als Ausgangspunkt weiterführender Mal-, Sprech- oder Schreibanlässe im Sinne eines handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts. Dschungelbilder malen im Kunstunterricht oder Tiersteckbriefe verfassen im Sachunterricht fallen mir auch noch ein.

Vielen Dank an den Verlag Thienemann-Esslinger für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

Adventskalender Teil VIII

Heute also Teil VIII: Adventszeit ist Vorlesezeit

Bilderbuchkinos beim Verlag Thienemann-Esslinger

Ich wünsche euch allen eine wundervolle Adventszeit mit vielen schönen kleinen Momenten zum Genießen. Auch in dieser anstrengenden, beängstigenden und kräftezehrenden Zeit möge es für euch genügend Lichtblicke geben!

Katha

Rezension: „Darwins große Reise“

2020-04-02 12.58.24

Titel: „Darwins große Reise – Die Entdeckung der Natur“
Verlag: Midas Kinderbuch (hier klicken)
Autor: Jake Williams
Illustrationen: Jake Williams
ISBN: 978-03876-151-8

 

Zum Inhalt:
Charles Darwins große Reise auf der HMS Beagle, die sein Lebenswerk prägte, wird in diesem Buch detailliert begleitet. Abschnittsweise wird die Reiseroute vorgestellt und immer anhand von Karten (s. Foto unten links) belegt. Kleine Anekdoten und Erlebnisse werden erzählt und sowohl Darwins Sicht auf die Dinge als auch die Umstände der Zeit und Orte berücksichtigt. Darwins eigentlich für zwei Jahre gedachte, aber fünf Jahre dauernde Reise um die Welt brachte im Hinblick auf die heute selbstverständliche Evolutionstheorie viele beeindruckende Erkenntnisse, deren Kernaussagen in diesem Buch komprimiert werden, wobei die Tiere gegenüber den Pflanzen im Fokus stehen.
Das Buch ist im Stile eines Bilderbuchs angelegt, aber mit 96 Seiten deutlich dicker. Die seitenfüllenden Bilder (s.u. rechts) werden durch kurze Erzählungen unterstützt oder andersherum: die kurzen Texte werden durch seitenfüllende Bilder im Verständnis unterstützt…

Meine Meinung & Leseempfehlung:
Dieses Bilderbuch ist mal ein ganz anderes als sonst: Die Illustrationen stammen aus dem PC, was jetzt nicht abwertend sein soll – sie sind sehr klar, nicht verniedlicht und durch ihre Größe wirklich aussagekräftig. Klarer Daumen hoch von mir und dem Co-Tester (8,75 Jahre alt).
Die Texte sind in kleine Portionen eingeteilt und dadurch auch für Lesemuffel zu bewältigen. Größen z. B. werden immer schön durch Vergleiche verdeutlicht („so groß wie zwei Busse hintereinander“) und die Besonderheiten von Darwins Zeit werden auch für jüngere Leser gut erklärt. Das Hineinversetzen in die damaligen Reise- und Forschungsbedingungen wird durch die Erzählung kleiner Anekdoten sehr gut möglich. Und wir lernen, dass viele heute selbstverständliche Erkenntnisse erst mühsam erarbeitet werden mussten bzw. dass man es der genauen Beobachtungsgabe Darwins zu verdanken hat, dass Informationen erst in diese wichtigen Zusammenhänge gebracht wurden.

Für interessierte Grundschulkinder und natürlich alle älteren Leseratten kann ich Darwins Reise empfehlen. Ich habe ja nun so einen Sachbuchfan hier wohnen, der als liebste Gutenachtgeschichte bereits den Atlas Obscura hat – für den ist Darwin grad der nächste Held. Mein Kindergartenkind hörte zwar gespannt zu und bewunderte die Tierbilder – von den wissenschaftlichen Aspekten der Entdeckungen konnte er aber noch nichts mitnehmen.
Grundsätzlich kann ich mir das Buch gut vorstellen für Tierfreunde, denn eine Menge ganz besondere Tiere kommen ja in dem Buch vor. Wer Lust hat, den Entdeckungen hinter der weltbekannten Evolutionstheorie selbst nochmal auf den Grund zu gehen und nicht immer nur über Finken zu lesen, ist hier genau richtig.

Vielen Dank an den Midas-Kinderbuch-Verlag für das Rezensionsexemplar! Es wird wohl auf längere Zeit im Bücherregal des Möppels stehen bleiben…

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Wer besser spinnt, gewinnt“ mit Verlosung

2020-04-02 12.56.35Titel: „Wer besser spinnt, gewinnt.
Verblüffende Rekorde im Tierreich“

Verlag: Knesebeck (hier klicken)
Autor: Iris Schürmann-Mock
Illustrationen: Mareike Engelke

ISBN: 978-3-95728-327-6

Zum Inhalt:
Rekorde des Tierreichs sind ja kein für Kinder ganz neues Thema – diese Verpackung aber ist es auf jeden Fall: die Rekordhalter*innen werden in lyrischen Kleinformen vorgestellt! Die Autorin reimt ihre Texte in kurzen und längeren Gedichten. Sie nutzt dabei aber auch besondere Gedichtformen wie hier am Beispiel des Pfaus zu sehen. Inhaltlich geht es um lauter „Kleinigkeiten“, die Kinder interessieren: die längste Zunge, das kleinste Vogelei oder die meisten Beine – wer die wohl hat?

Meine Meinung:
Rekorde sind ja für alle Kinder ein sehr faszinierendes Phänomen – wer ist der/die/das Schnellst, Größte, Höchste … Tierrekorde, so habe ich es bislang immer wieder wahrgenommen, faszinieren dabei besonders. Vielleicht liegt das daran, dass die Tiere, anders als Menschen, keine Konkurrenzsituation für die Kinder herstellen und sie sich ganz auf die natürliche Faszination der Tiere einlassen können.
Natürlich kann dieses Buch nicht als Nachschlagewerk dienen, wenn die Kinder gerade mal wieder spontan wissen wollen, wie ein Möwenei aussieht, oder ob Elefanten ein Auto tragen könnten… Aber wer die Lust am Nachfragen, Erforschen und Sichwundern wecken oder stärken möchte, der ist mit diesem Buch gut bedient. Meine Jungs (5 und 8 Jahre alt) haben beide diese tierischen Rekorde bestaunt – jeder auf seine Weise: der Große hat versucht, sein bisheriges Wissen zu vernetzen und das Gehörte weiterzudenken; der Kleine weniger Große staunte offen und musste seine im Kopf gespeicherten Weltbilder noch ein bisschen auf den Prüfstand stellen.
Was ich bislang an allen Büchern von Knesebeck sehr mochte, ist die Gestaltung. Das große, teils quadratische Format und die besonderen Farben harmonieren für mich sehr gut miteinander. Die Illustratoren haben eine ganz eigene Farbpalette mit ehr gedeckten und doch sehr kräftigen Farben. In diesem Buch wird der positive Eindruck noch ergänzt durch die tollen Tierzeichnungen von Mareike Engelke – sehr realistisch und doch kunstvoll nimmt sie uns mit in die Lebensräume ihrer Protagonisten.

Leseempfehlung:
Ab 4 Jahren wird das Buch vom Verlag empfohlen. Für Neugierige ist es sicher lange sehr interessant, da die Bilder mit den Gedichten zusammen sehr herausfordernd wirken, sich z. B. im Internet weiter über das Tier zu informieren. Da Tiere und Rekorde ja nun definitiv für Kinder anziehende Themen sind, dürften viele Freude daran haben.
Ob es sich für einen Einsatz in der Schule eignet, versuche ich ja hier auch immer zu überlegen. Dieses Mal gibt es ein klares Jein… Als etwas anderes Vorlesebuch kann ich mir „Wer besser spinnt, gewinnt“ vorstellen oder als Ausgangspunkt zum Reimen eigener Tiergedicht oder vielleicht als Begleiter bei einer Sachunterrichtsreihe über Tiere.

Vielen Dank an den Knesebeck-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Da momentan zur Zeit geschlossener Schulen & Kitas und von Kontaktverboten jeder ein bisschen frischen Lesestoff gebrauchen kann, möchte ich mal wieder eine Verlosung wagen. Dazu sollt ihr mal wieder dichten. Alle Infos und die Vorgehensweise habe ich dieses Mal in ein Etherpad gesteckt, das ihr hier findet: https://zumpad.zum.de/Tierrekorde_Buchverlosung
Dieses Mal kann man also nicht mit einem Kommentar gewinnen, sondern nur dort. (Kommentieren dürft ihr natürlich trotzdem auch!)

Beste Grüße,
Katha