Rezension: „Nuno Nasenbär“

Titel: „Nuno Nasenbär – Wenn nur nicht diese Nase wär‘!“
Verlag: Verlag (hier klicken)
Autor:innen: Ingolf Lück mit Hannah Schenk
Illustrationen: Friederike Ablang
ISBN: 978-3-948877-95-8

Zum Inhalt:
Nuno Nasenbär lebt im Dschungel. Eigentlich hat er kein Problem mit seiner langen Nase – bis er eines Morgens so unglücklich darüber stolpert, dass er sein Baumhaus abreißt. Auf der Suche nach einem neuen Schlafplatz besucht er seine Freunde und Freundinnen. Bei allen Besuchen geschieht durch die lange Nase ein kleines Unglück, weshalb Nuno meint, dass er – und vor allem seine Nase – seine Freunde nur stört. „Wenn nur nicht diese Nase wär!“
Die Freunde erleben das aber gänzlich anders und erinnern sich mehr an die guten Dinge, die durch die Nase geschehen, die Nuno aber gar nicht mitbekommen hat. Am Ende zeigt sich, wofür Freunde eigentlich gut und wichtig sind.
Randnotiz: Auf jeder Seite gibt es ein Sprichwort über Nasen oder das Riechen zu entdecken.

Meine Meinung:
Als ich die Rezensionsanfrage für das Buch eines Bielefelder Comedystars bei einem Bielefelder Verlag bekam, schlug mein lokalpatriotisches Herz ganz hoch. Ingolf Lück hat mit der „Wochenshow“ meine Jugend geprägt und ich sehe ihn heute immer noch gern. CalmeMara wiederum ist regional und sehr nachhaltig tätig, was ich ebenfalls sehr schätze. Zudem mag ich die Haptik ihrer vegan zertifizierten Bücher sehr.
Nun aber zum Buch selbst:
Ein Schelm, wer beim Thema der potenziell störenden großen Nase nicht einen Bezug zum Autor selbst herstellt… Nuno jedoch erlebt, dass seine Nase zu ihm gehört, manchmal nervt, aber im Großen und Ganzen recht nützlich ist. Solch eine Nachricht können Kinder gar nicht oft genug hören: Du bist gut, so wie du bist! Deine Nase ist zu groß, deine Füße zu klein? Egal! Du gehörst dazu und deine Freund:innen haben dich lieb. Wunderbar!
Die Illustrationen sind teils seitenfüllend, teils comichaft, was das Buch zu einem besonderen Leseerlebnis macht. Das Vorlesen allerdings wird durch die Sprechblasen durchaus erschwert. Die Zeichnungen von Friederike Ablang sind fröhlich und farbenfroh und bieten viel Detailreichtum. Es gibt also eine Menge zu entdecken, was im Dschungel so los ist – und was Nuno manchmal übersieht.

Leseempfehlung:
Das Buch ist vom Verlag für Kinder ab 3 Jahren empfohlen – das passt schon so, wenn ich auch das Problem mit dem Vorlesen (s.o.) habe. Die Message kommt meines Erachtens auch bei Grundschulkindern noch gut an, wobei die Größeren sich wohl von den Illustrationen nicht mehr so ansgeprochen fühlen dürften. Im Rahmen einer Vorlesezeit, eines Projekts über Gefühle oder Stunden zur Förderung der Sozialkompetenz kann Nunos Geschichte die Bücherauswahl auf jeden Fall bereichern!

Vielen Dank an den CalmeMara-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Du nervst!, schimpft die Maus“

Titel: „’Du nervst!‘, schimpft die Maus“
Verlag: NordSüd (hier klicken)
Autor: Marcus Pfister
ISBN: 978-3-314-10774-0

Zum Inhalt:
IMMER steht der große Elefant der kleinen Maus im Weg. IMMER sitzt er so, dass sie nichts sehen kann. IMMER beachten alle nur den Elefanten und nicht die Maus. Immer wieder ist die Maus heute genervt vom Elefanten, und lässt ihn hören: „Du nervst!“ Zum Glück bleibt der Elefant gelassen, bietet Unterstützung an und zeigt Wege auf, wie die Maus zu ihrem Recht kommen kann. Irgendwann wird es aber selbst dem gelassenen Dickhäuter zu viel und er konfrontiert die Maus mit seiner Wahrnehmung ihres Verhaltens.

Meine Meinung:
Der Titel verrät eigentlich schon einen Großteil der Geschichte. Dennoch überraschen zuerst die vielfältigen Anlässe, die die kleine Maus nerven und die gelassene Reaktion des Elefanten. Auch positiv überraschend ist die simple, aber doch hocheffektive Intervention des Elefanten, als ihm die schlechte Laune der Maus dann doch Überhand nimmt. Diese Stelle mag ich besonders, weil der Satz „Wenn ich nicht sicher wüsste, dass du mich magst, würde ich denken, dass du mich nicht magst“ so unfassbar kraftvoll ist. Es ist ein Satz, den man sich eigentlich auf einen Zettel für die Hosentasche schreiben sollte, um ihn immer herauszuholen, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt. Maus und Elefant bieten dem und der Lesenden also tolle Identifikationsfiguren für ein gelungenes Konfliktmanagement, wenn man es so sagen mag. Ich freue mich, dass mein Regal mit „pädagogisch wertvollen Bilderbüchern“ Zuwachs bekommen hat!
Die Illustrationen finde ich spannend. Der Elefant ist immer „über-Seiten-groß“ und nie ganz zu sehen. Die Hintergründe sind größtenteils einfarbig gehalten und zeigen die kritischen Situationen nur angedeutet (ein Flussufer, ein Sonnenschirm). Die Farben sind hell und kräftig und unterstreichen den eigentlich positiven Charakter der Story.

Leseempfehlung:
„Du nervst!“ ist ein kraftvolles Bilderbuch, das Groß und Klein erfreuen kann. Für privates Vorlesen finde ich es (laut Verlag ab 4) genauso wertvoll wie für die pädagogische Arbeit mit Kindern. Gerade in der Schuleingangsphase sehe ich die Geschichte im Regal für Klassenstunden, wenn es um Gemeinschaft, Gefühle und Sozialverhalten geht. Das Mitsprechen oder Nachspielen des mäuslichen Geschimpfes dürfte die Kinder unterhalten und sogleich sensibilisieren für die Schärfe dieser Worte. Und die Diplomatie des Elefanten kann ein toller Ansatz sein, um gemeinsam Formulierungen zu sammeln, wie man einerseits jemanden ansprechen kann, wenn man sich verletzt fühlt und andererseits auch das scharfe „Du nervst“ in sozial verträgliche, respektvolle Worte zu verwandeln.

Vielen Dank an den NordSüd-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Ach! Noch wach?!“

Titel: „Ach! Noch wach?!“
Verlag: Verlag (hier klicken)
Autor: Lorenz Pauli
Illustrationen: Kathrin Schärer
ISBN: 978-3-314-10781-8

Zum Inhalt:
Zehn kleine Murmeltiere sollen schlafen gehen, weil es draußen dunkel ist und die nacht beginnt. Ein kleines Murmeltier jedoch möchte die Dunkelheit selbst sehen und büxt deshalb aus. Draußen ist es angemessen beeindruckt und hat seinen Geschwistern viel Neues zu erzählen. Auf dem Rückweg in den Bau erwischt das kleine Murmeltier jedoch den falschen Eingang und kuschelt sich plötzlich an einen kleinen Fuchs, der als einziger aus der Geschwisterrunde nicht hinausgehen und herumtollen möchte. Die beiden Jungtiere tauschen sich in der Höhle über ihre unterschiedlichen Haltungen zum Schlafen aus, ihre Mütter regeln oberirdisch gleichzeitig alle Nötige, damit am Ende jeder wieder dort ist, wo er hingehört.

Meine Meinung:
Eine simple, aber ganz liebevolle Geschichte über zwei Tierkinder, die die Dinge ganz anders sehen als sie sie sehen sollten: Ein Murmeltierchen, das nachts nicht schlafen mag und ein Füchslein, das nachts lieber schlafen als spielen will. Die beiden treffen aufeinander und erzählen sich von ihren Einstellungen. Und dann geschieht etwas Tolles, das man sich gern zum Vorbild nehmen darf: Statt sich gegenseitig von der Richtigkeit ihrer eigenen Haltung überzeugen zu wollen, akzeptieren sie einfach die des anderen und probieren dessen Idee sogar selbst aus. Etwas, das man sich in Zeiten überhitzter und ideologischer Debatten überall in unserem Umfeld kaum noch vorstellen kann. Wer großzügig mit seiner Interpretation ist, könnte sogar noch Verständigung zwischen verschiedenen Völkern, Gruppen, … in der Geschichte finden.
Die durchgehend ganzseitigen Illustrationen sind in dunklen, nächtlichen Farben gehalten und nehmen mich somit hervorragend mit in die Stimmung der Nacht. Wenige Details wie Pflanzen lenken von den Protagonist:innen und der handlung ab. Die Tiere sind realistisch gezeichnet und menscheln doch ein wenig – also in dem Sinne, dass man ihren Charakter erkennen kann.

Leseempfehlung:
… geht raus an alle Menschen mit Kindern, die gemeinsam über Verständnis, Offenheit und Zuhören nachdenken wollen. Vielleicht wäre einigen nationalen und internationalen Politiker:innen die Lektüre dieses Bilderbuchs auch empfohlen – ob sie dann verstehen, wie es gehen kann?
Zum Einsatz in der Schule: Beim ersten Lesen dachte ich ungefähr „ist ja eher ein Einschlafbuch für Kleinere“ (was es ja vordergründig auch ist und sein darf – Empfehlung des Verlags ab 4 Jahren). Dennoch denke ich, dass die Geschichte zwischen dem kleinen Fuchs und dem kleinen Murmeltier Potenzial hat, mit jüngeren Grundschulkindern im Rahmen ethischer/sozialer Arbeit ins Gespräch zu kommen und darüber zu sprechen, wie man damit umgehen kann, wenn jemand anderer Meinung ist als man selbst.

Vielen Dank an den NordSüd-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Drei Wasserschweine tauchen ab“

Titel: „Drei Wasserschweine tauchen ab“
Verlag: dtv (hier klicken)
Autor: Matthäus Bär
Illustrationen: Anika Voigt
ISBN: 978-3-423-76623-4

😎 Die drei Wasserschweine sind wieder im Blog! In meiner Rezension zu Band 1, einer Verlosung und einer Ideensammlung zum Einsatz in einem sachunterrichtlichen Projekt waren sie ja schon zu Gast.

Zum Inhalt:
Im dritten Band der Reihe erleben die drei Wasserschweine Emmy, Raul und Tristan ein neues spannendes Abenteuer. Zum ersten Mal schlittern sie jedoch nicht einfach so hinein, sondern werden von der Faultiermutter Fiona gebeten, ihren verloren gegangenen Sohn zu finden. Eine weitere Premiere für die Capybaras ist, dass sie die schützenden Mauern ihres Zoos verlassen und tatsächlich in der Wildnis landen. Natürlich treffen wie wieder auf Tiere bzw. Tierarten, die sie bislang nicht kannten und finden dabei neue Freund:innen. Nach den Zootieren in Band 1 und 2 sind es dieses Mal Schwäne, ein Biber und eine Hündin.

Meine Meinung:
Fortsetzungen sind ja manchmal so eine Sache… sie können echt lahm werden, wenn’s schlecht läuft. Zum Glück hat Matthäus Bär offensichtlich genügend wunderbare Ideen für seine Capybara-Bande, so dass der dritte Band wie seine Vorgänger wirklich spannend, interessant und ganz eigen ist. 👍🏻
Die drei Haupt- und und die Nebenfiguren sind liebenswert und charakterlich ganz unterschiedlich, was Kindern vielfältige Möglichkeiten gibt, sich in der Geschichte wiederzufinden. Es geht um Mut und Angst, um Streit und Versöhnung, um Geheimnisse und Hoffnungen – also viele für Kinder sehr relevante Themen.
Anika Voigt hat der Geschichte wieder auf ihre zauberhafte Art Leben eingehaucht. Ihre klaren, farbenfrohen Illustrationen gehören einfach dazu! Nach zwei Doppelseiten mit Text kann man sich in der Regel auf eine voll illustrierte freuen, auf der es viel zu sehen gibt. Die Stimmung der einzelnen Capybaras lässt sich dabei immer hervorragend erkennen.

Leseempfehlung:
Sicher gibt es schon einige Capybaras-Fans, die bereits auf Band 3 gewartet haben – so ging es meinem Junior und mir zumindest letztes Jahr mit dem zweiten Band. Wer die drei abenteuerlustigen Wasserschweine noch nicht kennt, dem sei sowohl dieses Buch ans Herz gelegt als auch die beiden Vorgänger (die Reihenfolge spielt glücklicherweise keine Rolle). Selbst zu lesen ist die Geschichte ab zehn oder auch für etwas jüngere Leseratten. Zum Vorlesen ist sie auch für jüngere Kinder im Vorschulalter geeignet, anspruchsvoll genug aber auch für die ganze Grundschulzeit. Jedes Kapitel passt ganz gut in eine Frühstückspause…

Vielen Dank an den dtv-Verlag für das Rezensionsexemplar! Junior und ich haben uns sehr gefreut!

Katha

Rezension: „999 Froschgeschwister ziehen um“

Titel: „999 Froschgeschwister ziehen um“
Verlag: Verlag (hier klicken)
Autor: Ken Kimura
Illustrationen: Yasunari Murakami
ISBN: 978-3-314-10017-8

Zum Inhalt:
In einen kleinen Teich legen Mama und Papa Frosch 999 Froscheier ab. Daraus werden bald erst 999 Kaulquappen, dann 999 kleine Fröschlein. Irgendwann wird deshalb aber leider der Teich zu klein. Also beschließen die Froscheltern, mit der ganzen großen Sippe umzuziehen.
Dummerweise wird so vielen kleinen Hüpfern der Weg irgendwann lang („Wie weit noch?“) und zudem lauern auch noch an jeder Ecke Gefahren für wandernde Frösche. So kommt es, wie es kommen muss und ein Falke schnappt sich Papa Frosch. Oh je!
Aber Mama Frosch und auch die 999 Froschkinder lassen sich ihren Papa nicht einfach so nehmen, so dass der Falke ziemlich schwer zu tragen bekommt…

Meine Meinung:
Aufmerksam geworden bin ich auf dieses Bilderbuch durch den Titel, der mich als Grundschullehrerin direkt an die Zahlenraumerweiterung in Mathematik Anfang der 3. Klasse denken ließ. Was ich nicht erahnte, war der zauberhafte Humor, der die Geschichte auszeichnet! Die grafisch sehr reduziert erzählte Geschichte, die fast ausschließlich in grün und weiß erzählt wird, ist von Beginn an heiter und teilweise wirklich witzig. Die Froschkinder schleppen zum Beispiel eine schlange an, just als Frosch-Papa zur Disziplinierung vor Schlangen warnt. Wie sehr ich da als Mutter doch an die elternüblichen Gefahrdrohungen erinnert wurde, die oft völlig widersinnig sind.
Erzählt wird in dieser humorvollen Weise eine wertvolle Geschichte über Zusammenhalt und die Macht, die dieser selbst kleinen Wesen geben kann. Eine Message, die wir heute dringend(er denn je) brauche: Bildet banden, dann kann euch keiner was! Kinder müssen immer wieder hören, so ist meine Meinung, dass man sich dem vermeintlich Größeren nicht kampflos ergeben muss und dass man zusammen mehr erreicht. Die 1001 Frösche bieten hierfür eine wunderbare Projektionsfläche, zumal sie auch noch absolut liebenswert gezeichnet sind. Gerade das sehr ruhige Setting mit seiner Schlichtheit bietet einen klaren Gegenpol zu vollen, grellen und bunten Bildern und Filmen, die Kinder sonst häufig konsumieren… Mein K2 (11) wurde von den Illustrationen direkt herausgefordert, die Anzahl 999 🐸 erstmal nachzuzählen. Ergebnisse werden aber nicht verraten.

Leseempfehlung:
Empfehlung 1 (privat): Alle Bilderbuchliebhaber:innen sind mit den 999 Froschgeschwistern hervorragend beraten. Ein liebenswertes Buch mit tollen Charakteren und der Idee von (familiärem) Zusammenhalt.
Empfehlung 2 (Schule): Nicht umsonst taucht „999 Froschgeschwister ziehen um“ aktuell in vielen Instas auf: Es ist endlich mal wieder ein Bilderbuch, von dem ausgehend ich ein mathematisches Thema anfassen kann. Nach der zweiten Klasse sollen Kinder sich den Zahlenraum bis 1000 erarbeiten und dafür eine Größenvorstellung erlangen. Das vorliegende Bilderbuch kann dazu einen Storytelling-Rahmen anbieten und zum Beispiel das Bündeln anregen, wenn es darum geht, die kleinen Frösche auf dem Weg sicher zu zählen oder zu transportieren.

Vielen Dank an den Nordsüd-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Vielleicht setze ich mich damit demnächst mal zu den Fröschen an den Teich in Nachbars Garten in der Hoffnung, sie zu inspirieren.

Katha

Rezension: „Wie Schmetterlinge leben“

Titel: „Wie Schmetterlinge leben – Amanda erzählt“
Verlag: Topp (hier klicken)
Autorin: Štepánka Sekaninová
Illustratorin: Linh Dao
Überetzung: Verena Thiard-Laforet
ISBN: 978-3-7358-5442-1

Zum Inhalt:
Weil Tschechien 2026 Gastland der Frankfurter Buchmesse ist, gibt es momentan mehrere Titel tschechischer Autor:innen im deutschen Buchhandel. „Wie Schmetterlinge leben“ ist einer davon.
Amanda beginnt ihre Erzählung als Raupe mit einer großen Geschwisterschar, die nichts als Brennnesselblätter im Kopf hat. Als Leser:in begleiten wir sie bei Häutungen und ihrer Verpuppung bis hin zu ihrer Metamorphose in ein Tagpfauenauge. Dabei stellt sie aus ihrer Perspektive verschiedene Fressfeinde und Wiesentiere ebenso vor wie Schutzmechanismen und den Körperbau von Schmetterlingen. Die Geschichte endet, als Amanda sich gepaart und selbst Eier abgelegt hat.

Meine Meinung:
Manche Geschichten aus Tierperspektive sind ein bisschen verniedlicht oder unrealistisch – das ist bei Amandas Erzählung definitiv nicht der Fall. Sehr sachlich (trotz Erzählton) geht es um den Lebenszyklus von Tagpfauenaugen, in dem auch das Gefressenwerden nicht ausgeblendet wird. Eine gelungene Mischung aus Sach- und Erzähltext!
Lesende werden an vielen Stellen direkt angesprochen oder mit Hilfe von Sprechblasen wird der Blick auf Details gelenkt. Beides führt m. E. dazu, dass man fast in einen Dialog mit der Protagonistin tritt. Durch diese Nähe dürfte der Aufruf am Ende, nett zu Schmetterlingen zu sein, sich bei Kindern hängen bleiben.
Die Illustrationen gefallen mir sehr gut. Sie haben eine tolle Mischung aus Realismus und Abstraktion, die die teils komplexen Sachverhalte (wie Tarnung oder Verpuppung) greifbar macht. Die Farben sind durchweg gedeckt gehalten, wodurch die farbig leuchtenden Insekten(teile) besonders gut zur Geltung kommen. Ein bisschen fühlte ich mich beim Blättern auf eine Blumenwiese versetzt.

Leseempfehlung:
Allen neugierigen kleinen und großen Menschen mag ich dieses Buch ans Herz legen. Der Verlag empfiehlt es ab sechs Jahren und somit direkt für unsere Zielgruppe in der Grundschule. Vor allem dortige Lehrkräfte und Erzieher:innen in den älteren Kindergartenjahren können mit Amandas Hilfe bei den Kindern Sensibilität für die Natur und ihre Wesen herstellen.
Im Sachunterricht finde ich dieses Bilderbuch sogar noch geeigneter als das zuletzt hier vorgestellte – oder man nutzt beide ergänzend 🙂 Nahtlos passen hier die in vielen Schulen vorhandenen Modelle zum Lebenszyklus des Schmetterlings und auch zu einer Schmetterlingszucht hätte Amanda Hilfreiches beizutragen.

Vielen Dank an den Topp-Verlag für das bezaubernde Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Nächste Woche, gleiche Zeit?“

Titel: „Nächste Woche, gleiche Zeit?“
Verlag: NordSüd (hier klicken)
Autorin: Marlene Droop
Illustrationen: Marlene Droop
ISBN: 978-3-314-10751-1

Zum Inhalt:
Giraffe, Krokodil, Schaf und Schildkröte machen einen Ausflug im Bulli von Schildkröte. Sie haben sich vorgenommen, die Sterne zu beobachten. Dafür müssen sie allerdings weit vor die Stadt fahren, da man in der Stadt einfach keine Sterne sehen kann. Das Wetter und weitere Gegebenheiten machen ihnen jedoch einen Strich durch die Rechnung. Ohne großes Drama verabreden die vier dann einen neuen Anlauf in der nächsten Woche.
Die durchgängig vollflächig illustrierten Seiten Windenergie einfach und in gedeckten Farben gehalten. Details gibt es nur bei den Tieren im Bulli und in den anderen zu sehenden Fahrzeugen – die Häuser und Straßen der Stadt oder auch die Landschaft unterwegs bleiben schlicht (der Verlag beschreibt dies als „kantig“).

Meine Meinung:
Was für eine herzerwärmende, ruhige und gelassene Geschichte hat Marlene Droop da erfunden! Die tierischen Freunde machen völlig entspannt und unaufgeregt einen Ausflug, der leider nicht zum erwünschten Erfolg führt. Am Ende stellen sie fest, dass die Sonne bereits aufgeht und fahren wieder heim – spannendere Höhepunkte gibt es nicht. In dieser Ruhe liegt für mich aber kein Nachteil, sondern die ganz spezielle Kraft der Geschichte. In den Bildern gibt es verschiedene fortlaufende Geschichten zu entdecken – so kann man zum Beispiel mitzählen, wie viele Gläser 🍒 Kirschmarmelade Schildkröte während der Fahrt weglöffelt. Durch die Schlichtheit der Illustrationen allgemein wird der Blick gerade auf diese Kleinigkeiten gelenkt.
Meinem „Kleinen“ und mir hat das Lesen viel Spaß gemacht.

Leseempfehlung:
Allen Tierfreund:innen, allen Eltern und Pädagog:innen kann ich „Nächste Woche, gleiche Zeit?“ wärmstens empfehlen. Es ist ein schönes Beispiel dafür, wie das Leben manchmal Pläne durchkreuzt und dass das nicht immer tragisch ist. Die Freunde bieten ein wunderbares Vorbild dafür, wie man mit Enttäuschungen umgehen und das Gute in vermeintlich Negativem sehen kann.

Vielen Dank an den Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Der beste Garten der Welt“

Titel: „Der beste Garten der Welt“
Verlag: Südpol (hier klicken)
Autorin: Alice Courtley
Illustrationen: Alice Courtley
Übersetzung: Lina Robertz
ISBN: 978-3-96594-371-1

Zum Inhalt:
Eichhörnchen Steve zieht aus dem Stadtpark in den Wald, um dort wie ein wildes Eichhörnchen zu leben. Sein Plan: den besten Garten der ganzen Welt anzulegen und darin mit Freunden Zeit zu verbringen.
Die Waldtiere helfen ihrem neuen Mitbewohner auch fleißig dabei, diesen Plan in die Tat umzusetzen und es entshet der beste Garten mitten im Wald – da sind sich die Tiere einig (wenn sie auch nur diesen Garten kennen). ABER: die Waldtiere haben deutlich andere Vorstellungen davon, wie man diesen Ort nutzen kann, als Steve. Das führt dazu, dass Steve in seinem Garten so ziemlich alles verbietet, was den anderen Spaß macht (siehe rechtes Bild). Dummerweise besucht ihn nun allerding niemand mehr. Also muss ein neuer Plan her!

Meine Meinung:
Steve ist energiegeladen, sympathisch, voller Lebensfreude und Lust am Gärtnern – und ein wenig naiv. Das macht ihn unheimlich liebenswert. Genauso wie die Waldbewohner:innen, die als etwas unerfahren, aber nie doof dargestellt werden. Beide Seiten stellen fest, dass ein „perfekter Garten“ für sie sehr verschiedene Bedeutung hat, weil sie die (gezähmte) Natur ganz unterschiedlich nutzen möchten. Diese verschiedenen Vorstellungen sind ihnen jedoch zuerst gar nicht bewusst – ein schönes Bild dafür, wie viele Missverständnisse entstehen bzw. wie leicht man manchmal jemanden vor den Kopf stößt.
Erfreulicherweise zieht Steve die richtigen Schlüsse daraus, dass er in seinem Verbote-Garten allein bleibt und findet wieder mit den Waldtieren zusammen. Er verändert seine Sichtweise und erkennt die Bedürfnisse der Anderen. Diesen Wandel, dieses Eingestehenkönnen, mag ich besonders an Steve und der Geschichte. Das Eichhörnchen bietet somit eine tolle Projektionsfläche für eigene Gefühle und das eigene Verhalten im Umgang mit anderen Personen. Die plakative Handlung ermöglicht es Kindern hervorragend, sich in Steve und die Waldtiere hineinzuversetzen und ihre Perspektive verstehen zu lernen. Dass hier Tiere handeln, erleichtert diesen Prozess zusätzlich, da sie genügend Distanz bieten, um nicht perönlich betroffen zu sein.
Ein ganz starkes Bilderbuch!

Leseempfehlung:
„Der beste Garten der Welt“ ist eines der Bilderbücher, die ich uneingeschränkt allen Eltern, Erziehr:innen und Lehrkräften empfehlen kann! Bis weit ins Grundschulalter hinein trägt diese Geschichte meiner Meinung nach. Beim (Vor-)Lesen ist Steves Story erstmal amüsant, lustig, nett. Schnell bieten sich jedoch Gesprächsanlässe über das Verhalten der Tiere: Findest du das in Ordnung? Wie würdest du an dieser Stelle handeln? Was könnte Steve anders machen? Wie könnten die Tiere Freunde sein? – All diese Fragen ermöglichen es, über Perspektiven zu sprechen, über das Miteinander und darüber, dass Reden wirklich hilfreich ist, bevor man traurig, wütend oder einsam wird. Und das alles ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder didaktisierte Storyline! 😉

Vielen Dank an den Südpol-Verlag für das druckfrische und so liebevoll verpackte Rezensionsexemplar!

Katha

Doppel-Rezension: „Der Schmetterling 🦋“ und „Die Honigbiene 🐝“

Titel: „Der Schmetterling“ und „Die Honigbiene“
Verlag: NordSüd (hier klicken)
Autorin: Kirsten Hall
Illustrationen: Isabelle Arsenault
Übersetzung: Anna Schaub
ISBN: 🦋 978-3-314-10741-2 bzw. 🐝 978-3-314-10474-9

Zum Inhalt:
Jedes dieser Bilderbücher porträtiert ein Tier genauer. Bei der 🐝 lernen wir als Lesende den Lebensraum und die Ernährung genauer kennen sowie zum Beispiel die Kommunikation durch Tanz. Die Lebensweise im Bienenstock findet dabei ebenso Berücksichtigung wie die Aktivitäten der Bienen auf der Blumenwiese. Dieses Buch erschien bereits 2019 (war mir aber noch nicht begegnet).
Den 🦋 begleiten wir über einen ganzen Lebenszyklus vom Ei bis zur Eiablage als erwachsenes Tier. Dabei gibt es in beiden Geschichten sehr sachliche Seiten genauso wie sehr künstlerisch-poetische Szenen.
Beide Bücher sind in einem gedeckten pastelligen Farbschema gehalten und haben jeweils eine neonartige Akzentfarbe (hellorange bzw.hellgrün), die sich in den Illustrationen in kleineren Details, größeren Flächen und auch als Akzentlack auf dem Cover wiederfindet.
Die Geschichten der Tiere werden größtenteils gereimt erzählt und bedienen sich teils auch einer sehr lautmalerischen Sprache. Am Ende ist noch jeweils eine erklärende Seite eingefügt, die die Bedeutung der Bienen und Schmetterlinge erklärt und Möglichkeiten zum Schutz dieser Lebewesen aufzeigt.

Meine Meinung:
Zuerst zur Optik: die beiden Bücher sprechen mich unheimlich an und sind durch ihre Farbpalette, von der ihr auf den Fotos einen Eindruck bekommt, angenehm unaufgeregt. Vor allem in Zeiten sehr farbiger KI-Bilder allernorten ist Isabelle Arsenaults naturnaher und doch manchmal abstrakter Stil wirklich auffällig. Die Akzentfarben widersprechen der Farbpalette einerseits, passen aber andererseits hervorragend dazu – seltsam, aber für mich wahr.
Inhaltlich gefallen mir die Bücher als Mutter und Lehrerin sehr, da sie sachliche Themen nicht als Sachtext aufbereiten, aber auch nicht verniedlichen oder belanglos machen. Die Zusammenhänge beim Schmetterling habe ich bewusst allerdings erst verstanden, als ich die erklärenden letzten Seiten las, da mir diese eher spezifisch amerikanischen Zugweisen nicht so bewusst waren. Die Anspielungen im Bienenbuch waren meinem Verständnis deutlich näher.
Zuletzt zum Text: Poesie zu übersetzen ist in meinen Augen noch schwieriger als Prosa. Dennoch finde ich, dass Anna Schaub ein guter sprachlicher Mix gelungen ist, der Reime nicht um der Reime willen forciert und auch reimlose Stellen zulässt.

Leseempfehlung:
Allen Eltern, Insektenfreund:innen und Neugierigen kann ich dieses Duo ans Herz legen. Als Vorlesestoff sind sie für Kindergarten- und Grundschulkinder wirklich gut geeignet und lassen im Gespräch gemeinsam Bekanntes und Neues entdecken.
Als Sachunterrichts- und Deutschlehrerin freut es mich, hier Literatur gefunden zu haben, die einen spielerischen, poetischen Umgang mit Sprache mit sachlichen Inhalten verknüpft. Eine Abgrenzung von Sachtexten zu Erzähltexten wird hier wirklich spannend und kann Kinder zeigen, dass Sachwissen auch anders als in erklärenden Infotexten vermittelt werden kann.

Vielen Dank an den Verlag NordSüd für die beiden tollen Rezensionsexemplare!

Katha

Rezension: „Ein Pokal für den Schakal“

 

Titel: „Ein Pokal für den Schakal“
Verlag: NordSüd (hier klicken)
Autorin: Jule Wellerdiek
Illustrationen: Jule Wellerdiek
ISBN: 978-3-314-10749-8

Zum Inhalt:
Es steht eine große Preisverleihung für die beste Frisur an und der Schakal geht fest davon aus, dass er – wer auch sonst? – diesen Preis gewinnen wird. Aber es kommt anders und die Gans wird für ihre Haarpracht ausgezeichnet. Der Schakal grämt sich sehr ob dieser Entscheidung und findet sie nicht fair. Kurzerhand ruft er eine eigene Preisverleihung ins Leben und lädt alle Tiere auf den Marktplatz ein. Dann endlich erhält er einen Pokal – für den besten Schakal!
Die anderen Tiere feiern den Schakal, ziehen aber in den nächsten Tagen nach, bis irgendwann alle einen Pokal oder eine Medaille gewonnen haben. Wieder muss sich der Schakal etwas ausdenken. Und das tut er auch. Was? Das verrate ich hier natürlich nicht!

Meine Meinung:
Eine erfrischende Geschichte mit tollen Illustrationen – Jule Wellerdiek* hat wieder gezeigt, was sie kann! Die Illustrationen entführen in eine heimelig wirkende Stadt, in der die verschiedensten Tiere ofensichtlich glücklich und fröhlich zusammen leben. Vor allem aber wird deutlich, dass jedes Tier etwas anderes gut kann oder eine besondere Eigenschaft besitzt – eine schöne Parallele zur Vielfalt in der menschlichen Gesellschaft. Was die Tiere aber von der Menschheit (zumindest der im Jahre 2026) unterscheidet ist ihr Zusammenhalt: sie feiern jeden Sieger, jede Beste und jeden Preis, den ein anderes Tier als sie selbst gewinnt. Nur der Schakal ist unzufrieden, gierig und ein bisschen gemein und verschlagen. Dabei ist er allerdings trotzdem irgendwie sympathisch, wozu die Bilder maßgeblich mit beitragen.

Leseempfehlung:
„Ein Pokal für den Schakal“ gehört wieder einmal zu den Bilderbüchern, die ich ohne Einschränkungen allen empfehlen möchte, sowohl privat als auch im beruflichen Kontext. Der Verlag empfiehlt die Geschichte ab 4 Jahren, wobei an den farbenfrohen Bildern auch schon jüngere Kinder Freude haben dürften. Kinder im Grundschulalter werden den Schakal auch mögen, da die Illustrationen nicht zu kindlich sind. Vor allem können die Kinder eurer und meiner „Zielgruppe“ viel mit dem Gefühl des Schakals anfangen, etwas Besonderes zu sein, vielleicht sogar in irgendetwas der oder die Beste. Dazu bietet das Buch geeignete 💬 Gesprächsanlässe (Wie geht es dem Schakal? Warum will er unbedingt einen Pokal gewinnen?…) oder auch Schreibanlässe (Wofür kann welches Tier einen Preis gewinnen? Was kann ich / können die Kinder in unserer Klasse besonders gut?…). Im Kunstunterricht könnten zudem Medaillen oder Pokale gezeichnet oder aus Pappmaschee gestaltet werden. Wie so oft sind die Zugänge zum Buch vielfältig!

Vielen Dank an den NordSüd-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

* Von ihr habe ich bereits „Holgers Haus“ im Regal stehen und die Bücher vom Geräuschehändler. Besonders freue ich mich als Ostwestfälin darüber, da sie „hier wech“ kommt.