Digital mit Literatur arbeiten: Zootier-Recherche

Vor einer Weile habe ich euch die beiden Bücher „Drei Wasserschweine brennen durch“ und „Drei Wasserschweine wollen‘s wissen“ von Mathäus Bär empfohlen, die beim heutigen Hervorholen direkt wieder Begeisterung beim Junior ausgelöst haben. Heute ergänze ich dazu eine Idee für ein digitales fächerübergreifendes Unterrichtsvorhaben Deutsch/Sachunterricht. Habt ihr Lust? Dann los!

Wie man das Buch oder auch die Bücher an die Kinder bringen kann, hängt von den eigenen Vorlieben und finanziellen Bestellmöglichkeiten ab: Klassenlektüre für alle, Vorlesebuch oder auch Vorlesen mit Erzählanteilen, um etwas zu beschleunigen. Prinzipiell kann ich mir zwei Herangehensweisen vorstellen: Entweder zuerst das Buch kennenlernen und dann die Tiere erarbeiten oder die Tiere erarbeiten lassen und dann an den passenden Stellen der Geschichte stellt jede Gruppe ihr Tier vor. Optimal wäre es auf jeden Fall, wenn die Kinder sich im imaginären Zoo unserer drei Capybaras ein wenig auskennen, was mit Hilfe der Zookarte jeweils hinten im Buch einfach ist. Die verschiedenen Tiere, die die drei Freunde treffen, summieren sich auf sieben Arten im ersten Buch (plus einige, die aber nur kurz erwähnt werden) sowie weitere sechs im zweiten Band. Eine Auswahl kann man also beliebig treffen.

Durch den sehr unterschiedlichen Bekanntheitsgrad der Tierarten hat man direkt ein Mittel zur Differenzierung an der Hand: über Elefanten und Flamingos lassen sich deutlich leichter und mehr kindgerechte Informationen finden als über Waldrappe und den Urson. Natürlich kann ich als Lehrkraft auch über die Quellen differenzieren. Vielleicht gibt es Kinder/Gruppen, für die ich tatsächlich vereinfachte Texte vorbereite (KI kann auch Texte vereinfachen 😉) oder sogar zum Anhören anbiete.

Was recherchieren?
Bestenfalls entwickelt man mit der Klasse ein paar Zwischenüberschriften wie Aussehen, Ernährung, Lebensraum, Gefährdung o.ä. Diese können in der Pinnwand für die Kinder auch vorgegeben werden, indem ich den SuS direkt Kacheln anbiete.
Geklärt werden muss je nach Rechereche-Erfahrung der Klasse, dass man nicht die Quelltexte abschreibt, sondern die dort gefundenen Informationen auswählt und in eigene Stichworte oder Sätze umformuliert. Hier geht es also schwerpunktmäßig um schriftliche Kompetenzen (Deutsch, Texte verfassen).

Wo recherchieren?
Die meisten Tiere lassen sich auf klexikon.de recherchieren – das ist quasi Wikipedia für Kinder. Der Vorteil ist, dass dort nur von ausgewählten Personen speziell für Kinder verfasste Texte veröffentlicht werden, was gleichzeitig der Nachteil in Form kleiner Bandbreite ist. Nach dem Aus der Blinden Kuh bleibt aber fragfinn.de als gute Kindersuchmaschine erhalten, wo die Kinder zumindest auf kuratierte Webseiten geleitet werden. In unserem Fall sind das teils Zooseiten, teils Kinderinfoseiten wie das SWR Kindernetz. Diese Suchseiten können den Kindern als Adresse oder QR-Code zugänglich gemacht werden. Somit geht es hier um sachunterrichtliche Kompetenzen.

Wie kommen wir an Bilder?
Medienkompetenz bedeutet in diesem Fall vor allem auch, nicht einfach Screenshots aus der Google-Bildersuche zu machen (bei meinen SuS bislang der beliebteste Vorschlag), sondern den Kindern legale Wege zu zeigen, wie sie an Bilder für Pärsentationen kommen. In diesem Beitrag habe ich die Suche und das Speichern mit Pixabay schon einmal erklärt – genauso kann man hier auch vorgehen. Einmal gemeinsam durchgeführt, danach als Schritt-für Schritt-Anleitung oder Screencast in der Klasse als Hilfsmittel verfügbar – so reicht es meiner Erfahrung nach aus.

Wo sammeln?
Für mich ist dieses Thema mal wieder ein klarer Fall für TaskCards. Ich als Lehrkraft lege ein Pinnwand an, auf der alle Tierarten vertreten sind und je eine Spalte bekommen. So könnte eine Pinnwand aussehen (in diesem Fall mit Links zu Informationen):

Während des gesamten Arbeitsprozesses, der sich über mehrere Stunden zieht, kann ich den Fortschritt aller Gruppen einsehen und sie ggf. unterstützen.

Dann definiere ich verschiedene Zugriffsrechte, so dass jede Gruppe nur ihre eigene Spalte sieht und darin auch schreiben kann. Erst ganz am Ende des Arbeitsprozesses bekommen alle Kinder Leserechte für die gesamte Pinnwand und können sich so über alle Tiere informieren. (Auch das Anlegen dieser Berechtigungen habe ich im o.g. Blogbeitrag erklärt.) Auf dem Foto seht ihr, wie ich die Karten für die Gruppen gestalte, mit denen jede Gruppe unabhängig vom zuletzt genutzten Gerät wieder zu ihrer Pinnwand kommt.

Wer lieber anders arbeiten mag, kann natürlich auch eine Präsentationssoftware wie BookCreator oder Keynote bzw. Powerpoint nutzen. Da müsste ich dann als Lehrkraft am Ende die Ergebnisse der Gruppen zusammenfügen für ein gemeinsames Produkt. So oder so werden Kompetenzen im Bereich Produzieren und Präsentieren gefördert.

Auch wenn man solch ein Projekt auch allein im Sachunterricht durchführen kann, so sehe ich doch in der Verknüpfung mit den Capybara-Büchern einen echten Mehrwert: die Recherche zu den Tieren ergibt Sinn und vertieft das Verständnis der Geschichte. Und die Abenteuer der drei Wasserschweine sind auch einfach lustig, was das Lernen in meinen Augen immer besser macht.
Ich hoffe, ihr könnt mit dieser Idee etwas anfangen, sie nutzen, übertragen, remixen, … schreibt gern mal hier einen Kommentar oder eine Mail, wenn ihr eigene Erfahrungen gemacht habt.

Katha

Herzlichen Glückwunsch, Jule!

Vielen Dank für eure sehr süßen Cabybara-Bilder, die zum Gewinnspiel bei mir eingetroffen sind. Das Los hat entschieden* und ist auf Jule gefallen, die über den brandneuen Instagram-Kanal des Primarblogs teilgenommen hat.

Allen, die heute leider Pech hatten, sende ich einen dank für die Bilder und wünsche euch viel Glück beim nächsten Mal!

Katha

* Ich habe extra eine App genutzt, um völlig unvoreingenommen zu sein. Sie heißt Zufallsgenerator.

Rezension: „Nur noch kurz ein kleiner Furz“

Titel: „Nur noch kurz ein kleiner Furz“
Verlag: Loewe (hier klicken)
Autor: Jonny Leighton
Illustrationen: Mike Byrne
ISBN: 978-3-7432-2145-1

Zum Inhalt:
Die kleine Springmaus muss pupsen, was ihr ziemlich unangenehm ist, Der große Elefant jedoch kann sie beruhigen: Pupse sind nicht peinlich, sondern völlig natürlich. Jedes Tier (jeder Mensch, jedes Fabelwesen) muss pupsen und „Pupse müssen raus“, erklärt er. Und damit die Springmaus das auch glaubt, beginnt eine Reise durch die Tierwelt und ihr Pupse, Fürze und Winde. Nur einer, der pupst natürlich NIE…

Meine Meinung:
Eine sehr witzige Geschichte, die in sympathischen Reimen ein oft schambehaftetes Thema locker angeht. Wer kennt es nicht: ein fieser Geruch weht durch den Raum, aber niemand will verantwortlich sein… vor allem in der Schule ein großer Spaß für viele Kinder, aber auch eine große Portion Scham für andere.
Die farbenfrohen, lebendigen Illustrationen zeigen sehr anschaulich die Flatulenzen und bieten immer auch noch etwas mehr zum Entdecken an. Alle furzenden Tiere haben Spaß, was bestimmt das Thema für sensible Kinder gut annehmbar macht. Mir und den Kindern gefiel das Gesamtpaket des Bilderbuches sehr!

Leseempfehlung:
Für alle Kinder, Eltern, Kindgebliebenen und Mitkindernarbeitenden empfehle ich dieses Bilderbuch wärmstens. Es macht Spaß, es reimt sich (liebe ich ja immer) und es schaut schön aus. Vor allem in der Altersklasse ab Kindergarten bis etwa acht Jahre kann ich mir die Erlebnisse der kleinen Springmaus auch schön als Gesprächs- oder Malanlass vorstellen. Evtl. kann das Buch eine nette Ergänzung für das klassische Sachunterrichtsthema Mein Körper / Verdauung in Klasse 3 oder 4 sein, wenn die Kinder nicht schon zu vorpubertär sind.

Vielen Dank an den Loewe-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Konrad – Koala mit Karacho“

Titel: „Konrad – Koala mit Karacho“
Verlag: dtv junior (hier klicken)
Autorin: Smilla Blau
Illustrationen: Katja Gehrmann
ISBN: 978-3-423-76554-1

Zum Inhalt:
Der achtjährige Juri und seine kleine Schwester Luzie werden völlig zu Unrecht von ihrer Mutter verdächtigt, die Eukalyptus-Zahnpasta geleert und das Bad verwüstet zu haben. Dabei war das, wie sich schnell herausstellt, ein Koala, der über ein Fenster in die Wohnung gekommen war. Gern würden die beiden Konrad, wie sie ihn taufen, behalten, aber im Miethaus sind keine Tiere über Katzengröße erlaubt. Also versuchen sie, Konrad vor ihren Eltern geheim zu halten – und das wird gar nicht so einfach… vor allem, weil Konrad gern und laut quiek-quäkt!
Alle Hausbewohner:innen vom Kindes- bis ins Rentenalter spielen irgendwie ihre Rolle in dieser verzwickten, von Heimlichtuereien gespickten Geschichte.

Meine Meinung:
Meinem Sohn und mir hat Konrads Geschichte sehr gut gefallen. Sie fing sehr ruhig an, nahm dann aber amüsant Fahrt auf. Die naiv-kindliche Perspektive von Juri und Kindergartenkind Luzie ist für Kinder noch nachvollziehbarer als für mich vernunftgesteuerte Erwachsene, weshalb mein Sohn öfter gelacht hat als ich. Was ich mag ist die Selbstständigkeit der Kinder, die ganz allein Probleme lösen oder sich auch mal Helfer:innen in der Hausgemeinschaft suchen. Schön für die Zielgruppe ist es auch, dass die Kinder Erfolg haben und wirklich etwas bewegen. Die beiden bieten eine schöne Projektionsfläche für Zuhörer:innen und Leser:innen, die Mut zeigen und Ideenreichtum.
Die Kapitel haben eine gute Länge zum Vorlesen und teilen das Buch in passende Sinnabschnitte. Es gibt pro Kapitel mehrere, teils halbseitige, teils ergänzende Illustrationen, die in fröhlichen Farben gehalten sind und zum Schmunzeln anregen. Uns haben sie gut gefallen.

Leseempfehlung:
Für Kinder ab fünf Jahren wird das Buch vom Verlag her empfohlen. Für Kinder im Grundschulalter ist es meiner Meinung nach auch gut geeignet. Entweder als einfach nur unterhaltsame Lektüre, oder für ein Vorlesegespräch bzw. mit Zuhöraufträgen (Was fressen Koalas? Wem gehört die Katze? Wer wohnt unten im Haus? etc.) Auch lassen sich gute Erzähl- oder Schreibanlässe anbinden: die Kinder können Tipps sammeln, wie man einen Koala verstecken kann, oder die Einladungskarte gestalten und schreiben, die Juri benötigt. Spannend wäre auch so etwas wie eine Figurenkonstellation aufzustellen, da die Hausbewohner:innen gut beschrieben werden. So oder so, kann man mit dem Geheimnis um Konrad viel Freude im Unterricht haben.

Vielen Dank an dtv junior für das Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Der Dinosaurier von nebenan“

Titel: „Der Dinosaurier von nebenan“
Verlag: Knesebeck (hier klicken)
Autor: David Litchfield
Illustrationen: David Litchfield
ISBN: 978-3-95728-938-4

Zum Inhalt:
Liz ist sich sicher, dass ihr Nachbar, der allseits beliebte Tortenbäcker Herr Wilson, eigentlich ein Dinosaurier ist. Weder ihre Mutter, noch ihre Lehrerin oder eine echte Forscherin wollen ihr die allerdings glauben. Aber Liz bleibt dran und kommt hinter Herrn Wilsons Geheimnis. Leider tut dies auch die Forscherin und Herr Wilson ist in Gefahr! Zum Glück vollziehen dann aber doch einige Erwachsene einen Sinneswandel, über den ich mehr hier nicht verraten will.
David Litchfield ist Autor und Illustrator zugleich, so dass seine Bilder und Texte perfekt harmonieren. Die größtenteils ganzseitigen Illustrationen sind farbenfroh und realistisch, mehrlagig bzw. collage-artig (schwer    zu beschreiben für Nichtkünstlerinnen wie mich) und von Details geprägt.

 

Meine Meinung:
Zuerst einmal möchte ich heute schreiben, wie besonders ich David Litchfields Illustrationen finde. Sie funkeln irgendwie und laden zum verweilenden Betrachten ein. In der traurigeren Phase des Buches funkelt allerdings nichts, so dass die Bilder den Inhalt absolut stützen. Ein bisschen fies ist es aber schon, dass Herrn Wilsons Torten auf den Cover-Innenseiten sooo lecker aussehen!
Was mir an Liz‘ Geschichte gefällt ist die tolle Projektionsmöglichkeit für Kinder. Liz hat etwas beobachtet und ihre Schlüsse daraus gezogen und wird von allen Erwachsenen nicht ernst genommen. Sie sieht Wunder, die Erwachsenen sehen nichts (oder Profit bzw. Profilierungsmöglichkeiten). Umso schöner ist es doch, dass wir am Ende mit Liz zusammen glaubhaft werden und bei den Großen ein Umdenken stattfindet.

Leseempfehlung:
Ab vier Jahren ist das Buch definitiv gut zu begreifen, wie es der Verlag vorschlägt. Spannend ist es aber locker auch noch bis ins Grundschulalter hinein, meine ich. Ich kann es mir genauso gut als Vorlesegeschichte beim Schlafengehen vorstellen wie als Ausgangspunkt für ein paar Stunden fächerübergreifenden Unterrichts: weitererzählen ab der Tunnelszene (s. Foto) oder dem Entdecken von Herrn Wilsons wahrer Identität, Briefe schreiben von Liz an verschiedene Adressaten zu ihrer Vermutung, einen eigenen bekleideten Dino malen oder eine eigene Torte gestalten (Collage?), Forscheraufträge über Dinosaurier und Lesetexte dazu, … Vieles ist möglich mit Liz und Herrn Wilson.

Vielen Dank an den Knesebeck-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!
Katha

Rezension: „Das Krawallkehlchen“

Titel: „Das Krawallkehlchen“
Verlag: Fischer Sauerländer (hier klicken)
Autorin: Madlen Ottenschläger
Illustrationen: Ramona Wultschner
ISBN: 978-3-7373-7346-3

Zum Inhalt:
Der kleine Vogeljunge Mika ist als Krawallkehlchen bekannt, weil er ziemlich laut wird, wenn er wütend ist. Also, zuerst wird er immer gelber, dann laut. Und laut wird es auch, wenn Mika traurig ist, oder ängstlich. Mikas große Gefühle (neben Wut, Traurigkeit und Angst kommen auch Stolz, Freude und Vorfreude vor) äußern sich zudem in seinem Bauch oder auch im Ganzen Körper. Krawall gibt es übrigens auch bei guten Gefühlen!
Zusammen mit Mika erleben wir eingebettet in die Geschichte vom Ausflug einen Tag lang verschiedenste Gefühle und lernen teilweise dazu auch Strategien kennen, die Mika und den anderen um ihn herum helfen, wenn die Emotion zu groß wird.

Die Illustrationen sind seitenfüllend und farbenfroh, ergänzen den Handlungsstrang direkt und bieten viele Kleinigkeiten zum Entdecken. Sie nehmen viele alltägliche Gegenstände und Umgebungen aus der Lebenswelt der Kinder auf, wie man an diesem Bild aus der Rotkehlchenhöhle ganz gut sehen kann.

Meine Meinung:
Ich mag gern mit dem kleinen Krawallkehlchen mitfühlen, auch wenn ich als vernünftige Erwachsene eher selten zum lauten Herausschreien meines Gemütszustandes neige. Mika bietet Kindern eine tolle Projektionsfläche für ihr Empfinden, weil die Anlässe oder Auslöser seiner Gefühle so direkt aus der Erlebniswelt der Kinder stammen: Ärger mit Eltern, Angst vor dem Hund, Hilfsbereitschaft, alles richtig machen wollen… Erfreulicherweise darf Mika in der Geschichte all dies fühlen, ohne dass ein Gefühl schlecht gemacht wird oder unterdrückt werden sollte. Er wird ernst genommen, was wir unseren Kindern unbedingt auch immer anbieten sollten (mehr dazu gibt’s hier). Schön finde ich es auch, dass Strategien wie Bewegung oder gegenseitge Unterstützung zum Einsatz kommen, was durchaus als Idee für Kinder geeignet ist.
Die Illustrationen gefallen mir sehr gut: klar, farbenfroh, ohne grell zu wirken, großformatig und gerade noch „nicht zu niedlich“. Die Szenen bieten viel zu sehen, z. B. verschiedene Insekten in lustigen Situationen, was das Vorlesen noch schöner macht, weil man über diese Kleinigkeiten schön gemeinsam lachen kann.

Leseempfehlung:
Ab vier Jahren wird das Krawallkehlchen vom Verlag empfohlen und eignet sich meiner Meinung nach sehr gut auch für die erste bis etwa dritte Klasse der Grundschule (vielleicht macht man dann beim Vorlesen aus dem Kitaausflug einen Schulausflug). Das Thema Gefühle wird hier sehr breit gefächert umgesetzt, weshalb das Buch auf jeden Fall auf meine Liste zu Bilderbüchern über Emotionen kommt!
Eltern sei das Krawallkehlchen auch wärmstens ans Herz gelegt, da es meines Erachtens gut dazu anregen kann, über den familiären Umgang mit „Krawall“ nachzudenken und bestenfalls reflektierte Lösungen zu finden. Im schulischen Einsatz stelle ich es mir gewinnbringend vor, die verschiedenen Gefühle zu benennen und mögliche Situationen zuzuordnen, wie es exemplarisch auf dem Gefühlsrad am Ende geschieht. Auch körperliche Marker und Strategien zum Coping lassen sich gut besprechen. So könnten kleine Krawallkehlchen in der Klasse Auswege finden und die anderen Kinder verstehen Kinder wie Mika vielleicht besser.

Vielen Dank an den Verlag Fischer Sauerländer für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Das kleine Faultier und die Hängematte“

Titel: „Das kleine Faultier und die Hängematte“
Verlag: Knesebeck (hier klicken)
Autorin: Armelle Modéré
Illustratorin: Amélie Videlo
ISBN: 978-3-95728-955-1

Zum Inhalt:
Faultier Rudi möchte eigentlich nichts anderes mehr tun, als sich gemütlich mit einem Zitronenwasser und einem Buch in seine Hängematte zu legen und den Abend zu genießen. Aber die Hängematte ist schon besetzt! So eine Frechheit! Rudi fordert die Froschdamen auf, seine Hängematte zu verlassen. Leider ist aber, als er mit seinem Getränk zurückkomt, die Ruhegelegenheit alles andere als frei – nein, es kommen immer mehr und mehr Tiere dazu, die es sich darin bequem machen.
Im Verlauf der Geschichte geht nicht nur die Hängematte kaputt, sondern wird Rudi auch noch vom Großen Schnapp gefangen – oh je! Ohne zuviel zu verraten, kann ich zumindest sagen, dass Rudi Hilfe bekommt.

Meine Meinung:
Eine niedliche Geschichte mit einem sympathischen Faultier! Mit Rudi können große und kleine Leser:innen mitfühlen, wenn er eigentlich nur seine Ruhe haben möchte, alle anderen aber eher in Partylaune sind. Schön finde ich die Message, dass man für seine Bedürfnisse einstehen darf und sollte und dafür manchmal deutlich kommunizieren muss. Wie oft entstehen im echten Leben blöde Situationen, weil Menschen nicht erkennen, was wir uns wünschen würden oder wir Bedürfnisse anderer falsch gedeutet haben. Ein wenig verwässert dieser Gedanke, weil Rudi am Ende seine Hängematte doch teilt – das lässt sich aber auf den Verlauf der Story zurückführen.

Die Illustrationen sind durchgehen ganzseitig oder fast ganzseitig und in eher gedeckten Farben gehalten. Das passt meiner Meinung nach unheimlich gut zu der Verortung der Geschichte im abendlichen Dschungel. Die Bilder spielen mit Helligkeit und Schatten, und Farbkleckse heben Details hervor. Die Tupftechnik der Hintergründe macht die Seiten fast schon zu Wimmel- oder Suchbildern – eine schöne Herausforderung fürs Auge.

Leseempfehlung:
Der Empfehlung „ab 4“ kann ich mich absolut anschließen und empfehle das Buch allen Eltern und Pädagog:innen mit Kindern im Kindergarten- und frühen Grundschulalter.
Für die Schule, wo man ja immer nach lustigen, schönen und anregenden Geschichten sucht, kann ich mir das kleine Faultier absolut vorstellen. Es bieten sich tolle Gesprächsanlässe zu meins/deins*, dem Teilen oder Zusammenhalt unter Freunden an. Eine Hängematten-Collage mit vielen Tieren und vielleicht etwas Stoff kann ich mir als Anschlussaktivität auch vorstellen.

Vielen Dank an den Verlag Knesebeck für das Rezensionsexemplar! Ein Verlag, der für zauberhafte Bilderbücher steht!

Katha

Rezension: „Mukiza“

IMG_3607Titel: „Mukiza. Die wahre Geschichte eines Berggorillas“
Verlag: CalmeMara (hier klicken)
Autor: Hannes Jaenicke
Illustrationen: Julius Brümmer
ISBN: 978-3-948877-60-6

 

Zum Inhalt:
Mukizaist einer von nur noch etwa 1000 Berggorillas in Uganda. Wir begleiten ihn als Leser:innen von seiner Geburt bis ins Erwachsenenalter und sehen ihn laufen lernen, spielen, in Gefahr geraten und selbst eine Familie gründen. Dabei beruhen alle Darstellungen im Buch auf echten Geschehnissen aus dem Leben des echten Mukiza, der 1999 im Bwindi-Nationapark in Uganda auf die Welt kam. Die Forscherin Dr. Martha Robbins beobachtet ihn seitdem und gab seine Geschichte an Hannes Jaenicke weiter. Der ist seit Langem als Menschenrechts-, Tier- und Umweltschützer bekannt und hat auch schon eine TV-Dokumentation über Gorillas veröffentlicht.
Am Ende des Buches gibt es noch Informationen zum und Fotos vom echten Mukiza und neben dem Autor auch Hinweise zur Expertin, die das Gorilla-Wissen ins Projekt einbrachte.

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Meine Meinung:
Mukizas Geschichte ist spannend, ohne aufregend oder gefährlich zu werden – ein bisschen wie eine Tierdoku im Fernsehen. Der Lebenszyklus der Berggorillas inklusive der durchaus gewalttätigen Machtübernahme eines Silberrückens werden neutral, nicht wertend dargestellt. Parallelen zum menschlichen Aufwachsen lassen sich für Kinder durchaus herstellen, aber eben auch die Abgrenzung davon. Als an einer Stelle Menschen in Spiel kommen, die sich „immer wieder in der Nähe der Gorillagruppe“ aufhalten, befürchtete ich kurz traumatische Erlebnisse mit Wilderern, die aber erfreulicherweise ausblieben. So bleibt das Buch informativ und regt dazu an, sich weiter mit dem Leben und dem Schutz der Berggorillas auseinander zu setzen.
Die kurzen Texte finde ich einprägsam und wirklich auf den Punkt. Die ganzseitigen Illustrationen von Julius Brümmer gefallen mir durch ihre Klarheit und Sensibilität ausgesprochen gut. Sie wirken unheimlich realistisch und sind trotz der fast ausschließlich vorkommenden Schwarz- und Grüntöne niemals langweilig.

IMG_3609Beim Lesen der zusätzlichen Informationen habe ich mich noch darüber gefreut, dass der Verlag zum Einen „bei mir aus der Gegend“ kommt und zum Anderen dieses Buch wirklich nachhaltig angelegt ist – vom Material über den Druck bis zu einer Spendenaktion pro verkauftem Buch.

Leseempfehlung:
„Mukiza“ ist ein zauberhaftes Vorlesebuch für alle Kinder mindestens von Kindergarten bis Grundschule, durchaus aber auch darüber hinaus. Es bietet einen guten Ausgangsspunkt für ein bisschen Recherche über Berggorillas im Speziellen oder auch Artenschutz im Allgemeinen und die Gelegenheit, eine schöne Dokumentation aus der Mediathek zu suchen.
Im schulischen Kontext gibt es ebenfalls hervorragende Anknüpfungsgelegenheiten, vor allem im Sachunterricht. Die Themenkomplexe Tiere, Umweltschutz/BNE oder eine Projektwoche rund um Afrika können die Geschichte als Ausgangspunkt nutzen. Berggorillas bieten ein spannendes Thema, an dem sich Internetrecherche und digitale Präsentationen üben lassen. Aber auch im Deutschunterricht kann ich mir Mukiza gut vorstellen, wenn die Kinder mit Hilfe der zeitlich klar strukturierten Lebensgeschichte das Nacherzählen üben und davon ausgehend vielleicht sogar selbst eigene Geschichten entwickeln.

Vielen Dank an den CalmeMara-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Die abenteuerliche Expedition des Professor Papillon“

IMG_2509Titel: „Die abenteuerliche Expedition des Professor Papillon“
Verlag: Knesebeck (hier klicken)
Autorin: Vanessa Simon-Catelin
Illustrationen: François Soutif 
ISBN: 978-3-95728-865-3

Zum Inhalt:
Professor Papillon lebt mit seinem sprechenden Papagei und hat sein Leben der Suche nach dem mysteriösen Schmetterling „Levana myseriosa“ gewidmet. Da er aber zuhause nicht weiterkommt, geht er auf eine große Expedition, die ihn durch abenteuerliche Landschaften führt. Jede Landschaft wird auf einer Doppelseite als Wimmelbild dargestellt, auf dem sich eine Menge Pflanzen und Tiere entdecken lassen.
Leider erfolglos kehren der Professor und sein Vogel zurück, als etwas Mysteriöses geschieht: direkt im heimischen Garten… – verrate ich nicht!
Auf den letzten Seiten gibt es noch Informationen zum Schmetterling selbst sowie zu der Frage, was ein Naturforscher so tut.

Meine Meinung:
Zuerst fällt auf, dass das Buch riesig ist (etwa A3-Größe), was ihm schon einmal einen interessanten ersten Eindruck gibt. Dann lernen wir den Professor in seinem Forscher-Zuhause kennen – und ich beneide ihn um seine Bücherregale! Ein für mich wirklich zauberhafter Kniff ist, dass die Seiten mit der Expedition von einem stilisierten Hefteinband umgeben sind, so als ob wir ab hier ein Forschertagebuch läsen. Wir dürfen mit dem Professor mitfiebern und seine Enttäuschung erleben (so ein wichtiges Gefühl!), aber auch über die Lebewesen staunen, die es zu entdecken gilt.
Überhaupt sprechen die Bilder eine tolle Sprache: sie sind realistisch, klar, mit leuchtenden, aber nicht überfrachteten Farben. Viele Details sind zu entdecken, so dass man wirklich viel Zeit auf jeder Doppelseite verbringen kann. Mir gefällt es auch, dass der Professor ausgestorben geglaubte Spezies wie den Dodo trifft, ohne dass ihn das interessiert, weil er ja seinem Ziel (dem Levana) hinterhersucht.

Leseempfehlung:
Der Verlag empfiehlt das Buch ab 5 Jahren und ich erweitere dies gern ganz konkret um „Grundschulkinder“. Die Geschichte bietet viele Gesprächsanlässe, Raum zum Fabulieren, aber auch für ganz sachliche Beschreibungen. Es lässt sich im Sachunterricht schön begleitend zu einer geografischen Unterrichtseinheit zur Erde einsetzen oder im Deutschunterricht zum mündlichen oder schriftlichen Erzählen einer Fortsetzung / eines weiteren Lebensraums.
Auch fürs private Vorlesen und Anschauen kann ich die Geschichte von Professor Papillon sehr empfehlen – sie macht einfach Spaß und weckt den Forschergeist.

Vielen Dank an den Knesebeck-Verlag für das Rezensionsexemplar! Ich kann nur noch einmal betonen, dass ich hier inzwischen einen absoluten Lieblings-Verlag für Bilderbücher habe!

Beste Grüße,
Katha

https://www.knesebeck-verlag.de/die_abenteuerliche_expedition_des_professors_papillon/t-1/1297

Rezension: „Drei Wasserschweine brennen durch“

IMG_2507Titel: „Drei Wasserschweine brennen durch“
Verlag: dtv (hier klicken)
Autor: Matthäus Bär
Illustrationen: Anika Voigt
ISBN: 978-3-423-44435-4

Zum Inhalt:
Emmy, Raul und Tristan sind Wasserschweine und leben mit ihrer Herde auf einer Wiese in einem Zoogehege. Wasserschweine (Capybara) sind eher ruhige, gemächliche Tiere, die mit fressen und baden zufrieden sind. Nicht so unsere drei Freunde: sie entkommen mit einem Trick aus ihrem Gehege und beginnen, die Welt hinter dem Zaun, das Mehr, zu erkunden. Dabei lernen sie verschiedenste Tiere kennen, erfahren etwas über Geburtstage, gehen Tauschhandelsgeschäfte ein, nehmen (unfreiwillig) an einer Party teil und geraten sogar in ernsthafte Gefahr. Aber da diese Capybara keine gewöhnlichen sind, geht am Ende doch alles gut aus.

Meine Meinung:
Matthäus Bär ist ein tolles, lebhaftes Vorlesebuch gelungen, finden mein Neunjähriger und ich. Vom ersten Kapitel an hat uns die Geschichte in ihren Bann gezogen und jeden Abend vor dem Vorlesen haben wir uns genau darauf gefreut.
Tiere als Protagonisten bieten Kindern Identifikationsmöglichkeiten – und die finden sie hier u.a. in den drei charakterlich unterschiedlichen Wasserschweinen. Alle drei entwickeln sich im Laufe der Geschichte charakterlich weiter, ohne dass jemals irgendeine Eigenschaft als negativ oder unveränderbar dargestellt wird.
Was mir auch gut gefällt, ist die anspruchsvolle Ebene der Perspektive: aus ihrer bisher sehr begrenzten Sicht nennen und verstehen die Capybara Dinge oft anders und diese Art des Ausdrucks muss man als Kind erstmal verstehen. Das ist ziemlich amüsant, meint zumindest mein kleiner Sprachkünstler.
Die Illustrationen von Anika Voigt ergänzen den guten Eindruck der Geschichte: sie sind klar, schnörkellos und insgesamt ruhig. Die Farben leuchten und nehmen Betachter:innen noch intensiver mit in die jeweilige Stimmung hinein.

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Leseempfehlung:
Neben allen Eltern von Kindern bis etwa 10 Jahren kann ich dieses Buch zum Vorlesen auch wärmstens allen Grundschullehrkräften ans Herz legen. Es ist witzig, ohne albern zu werden und zeigt, dass vermeintlich Schwache sich durchsetzen können. Es ist abenteuerlich und überraschend und hat natürlich ein Happy End. Zudem bietet sich durch den in den Buchdeckelinnenseiten Zooplan ein toller Schreibanlass: Welche Abenteuer erleben unsere drei Cabybara wohl noch?

Da Wasserschweine online ziemlich gehyped werden, kann man auch gut über diese Tiere recherechieren (oder ihnen einfach mal fünf Minuten beim Baden am Starnd zusehen). Vielleicht steht ja auch ein Zoobesuch an, bei dem man die im Buch vorkommenden Tiere ansehen kann?

Vielen Dank an dtv für das Rezensionsexemplar! Wir werden das bestimmt bald nochmal lesen.

Beste Grüße,
Katha