Titel: „’Du nervst!‘, schimpft die Maus“ Verlag: NordSüd (hier klicken) Autor: Marcus Pfister ISBN: 978-3-314-10774-0
Zum Inhalt: IMMER steht der große Elefant der kleinen Maus im Weg. IMMER sitzt er so, dass sie nichts sehen kann. IMMER beachten alle nur den Elefanten und nicht die Maus. Immer wieder ist die Maus heute genervt vom Elefanten, und lässt ihn hören: „Du nervst!“ Zum Glück bleibt der Elefant gelassen, bietet Unterstützung an und zeigt Wege auf, wie die Maus zu ihrem Recht kommen kann. Irgendwann wird es aber selbst dem gelassenen Dickhäuter zu viel und er konfrontiert die Maus mit seiner Wahrnehmung ihres Verhaltens.
Meine Meinung: Der Titel verrät eigentlich schon einen Großteil der Geschichte. Dennoch überraschen zuerst die vielfältigen Anlässe, die die kleine Maus nerven und die gelassene Reaktion des Elefanten. Auch positiv überraschend ist die simple, aber doch hocheffektive Intervention des Elefanten, als ihm die schlechte Laune der Maus dann doch Überhand nimmt. Diese Stelle mag ich besonders, weil der Satz „Wenn ich nicht sicher wüsste, dass du mich magst, würde ich denken, dass du mich nicht magst“ so unfassbar kraftvoll ist. Es ist ein Satz, den man sich eigentlich auf einen Zettel für die Hosentasche schreiben sollte, um ihn immer herauszuholen, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt. Maus und Elefant bieten dem und der Lesenden also tolle Identifikationsfiguren für ein gelungenes Konfliktmanagement, wenn man es so sagen mag. Ich freue mich, dass mein Regal mit „pädagogisch wertvollen Bilderbüchern“ Zuwachs bekommen hat! Die Illustrationen finde ich spannend. Der Elefant ist immer „über-Seiten-groß“ und nie ganz zu sehen. Die Hintergründe sind größtenteils einfarbig gehalten und zeigen die kritischen Situationen nur angedeutet (ein Flussufer, ein Sonnenschirm). Die Farben sind hell und kräftig und unterstreichen den eigentlich positiven Charakter der Story.
Leseempfehlung: „Du nervst!“ ist ein kraftvolles Bilderbuch, das Groß und Klein erfreuen kann. Für privates Vorlesen finde ich es (laut Verlag ab 4) genauso wertvoll wie für die pädagogische Arbeit mit Kindern. Gerade in der Schuleingangsphase sehe ich die Geschichte im Regal für Klassenstunden, wenn es um Gemeinschaft, Gefühle und Sozialverhalten geht. Das Mitsprechen oder Nachspielen des mäuslichen Geschimpfes dürfte die Kinder unterhalten und sogleich sensibilisieren für die Schärfe dieser Worte. Und die Diplomatie des Elefanten kann ein toller Ansatz sein, um gemeinsam Formulierungen zu sammeln, wie man einerseits jemanden ansprechen kann, wenn man sich verletzt fühlt und andererseits auch das scharfe „Du nervst“ in sozial verträgliche, respektvolle Worte zu verwandeln.
Vielen Dank an den NordSüd-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!
Titel: „Ach! Noch wach?!“ Verlag: Verlag (hier klicken) Autor: Lorenz Pauli Illustrationen: Kathrin Schärer ISBN: 978-3-314-10781-8
Zum Inhalt: Zehn kleine Murmeltiere sollen schlafen gehen, weil es draußen dunkel ist und die nacht beginnt. Ein kleines Murmeltier jedoch möchte die Dunkelheit selbst sehen und büxt deshalb aus. Draußen ist es angemessen beeindruckt und hat seinen Geschwistern viel Neues zu erzählen. Auf dem Rückweg in den Bau erwischt das kleine Murmeltier jedoch den falschen Eingang und kuschelt sich plötzlich an einen kleinen Fuchs, der als einziger aus der Geschwisterrunde nicht hinausgehen und herumtollen möchte. Die beiden Jungtiere tauschen sich in der Höhle über ihre unterschiedlichen Haltungen zum Schlafen aus, ihre Mütter regeln oberirdisch gleichzeitig alle Nötige, damit am Ende jeder wieder dort ist, wo er hingehört.
Meine Meinung: Eine simple, aber ganz liebevolle Geschichte über zwei Tierkinder, die die Dinge ganz anders sehen als sie sie sehen sollten: Ein Murmeltierchen, das nachts nicht schlafen mag und ein Füchslein, das nachts lieber schlafen als spielen will. Die beiden treffen aufeinander und erzählen sich von ihren Einstellungen. Und dann geschieht etwas Tolles, das man sich gern zum Vorbild nehmen darf: Statt sich gegenseitig von der Richtigkeit ihrer eigenen Haltung überzeugen zu wollen, akzeptieren sie einfach die des anderen und probieren dessen Idee sogar selbst aus. Etwas, das man sich in Zeiten überhitzter und ideologischer Debatten überall in unserem Umfeld kaum noch vorstellen kann. Wer großzügig mit seiner Interpretation ist, könnte sogar noch Verständigung zwischen verschiedenen Völkern, Gruppen, … in der Geschichte finden. Die durchgehend ganzseitigen Illustrationen sind in dunklen, nächtlichen Farben gehalten und nehmen mich somit hervorragend mit in die Stimmung der Nacht. Wenige Details wie Pflanzen lenken von den Protagonist:innen und der handlung ab. Die Tiere sind realistisch gezeichnet und menscheln doch ein wenig – also in dem Sinne, dass man ihren Charakter erkennen kann.
Leseempfehlung: … geht raus an alle Menschen mit Kindern, die gemeinsam über Verständnis, Offenheit und Zuhören nachdenken wollen. Vielleicht wäre einigen nationalen und internationalen Politiker:innen die Lektüre dieses Bilderbuchs auch empfohlen – ob sie dann verstehen, wie es gehen kann? Zum Einsatz in der Schule: Beim ersten Lesen dachte ich ungefähr „ist ja eher ein Einschlafbuch für Kleinere“ (was es ja vordergründig auch ist und sein darf – Empfehlung des Verlags ab 4 Jahren). Dennoch denke ich, dass die Geschichte zwischen dem kleinen Fuchs und dem kleinen Murmeltier Potenzial hat, mit jüngeren Grundschulkindern im Rahmen ethischer/sozialer Arbeit ins Gespräch zu kommen und darüber zu sprechen, wie man damit umgehen kann, wenn jemand anderer Meinung ist als man selbst.
Vielen Dank an den NordSüd-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!
Titel: „Die fabelhafte Geschichte von Herrn Leopold, der schweben konnte“ Verlag: NordSüd (hier klicken) Autor:innen und Illustrationen: Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger ISBN: 978-3-314-10778-8
Zum Inhalt: Herr Leopold konnte schweben, seit er klein war. Niemand wusste, wieso. Und weil das für viele ein Problem war, beschwerten die Menschen den kleinen Herrn Leopold so lange, bis er endlich am Boden blieb. Herrlich normal also, könnte man meinen. Im hohen Alter trifft der „geerdete“ Herr Leopold unerwartet die kleine Mathilda, die ebenfalls schweben kann. Er erinnert sich an seine luftige Kindheit und versucht, selbst auch wieder die Füße vom Boden zu bekommen. Ob er es schafft?
Meine Meinung: Ein schwebeleicht daherkommendes Bilderbuch mit ziemlich viel Gewicht in seiner Message! „Ich hatte nur vergessen, wie es sich anfühlt, unbeschwert zu sein“, stellt Herr Leopold fest. Und hier liegt die Kraft dieser Geschichte auf dem Silbertablett: Wir leben als Kinder (hoffentlich) unbeschwert in den Tag hinein und lernen beim Aufwachsen immer mehr, den Ansprüchen gerecht zu werden, die an uns gestellt werden. Wir werden quasi „beschwert“, wie es Herr Leopold ganz wörtlich auch erlebt hat: viele Dinge wurden auf ihm abgeladen, sinnbildlich für die vielen Verantwortlichkeiten, die das Erwachsenwerden mit sich bringt. Es gibt ein Bild, auf dem Herr Leopold nach und nach älter wird und dabei immer weniger Gepäck mit sich herum trägt – auch hier wiederholt sich das Sinnbild des Beladenseins sehr schön. Das Schweben ist also Unbeschwertheit, für mich auch Fantasie und die Freiheit, die eigenen Bedürfnisse wichtig zu nehmen. Bezeichnend ist, dass letztendlich die Gedanken wirksam werden, keine Aktionen oder Techniken. Deshalb gibt mir Herrn Leopolds Geschichte viel Mut und Hoffnung, dass ich das Schweben vielleicht auch noch lerne… Die Illustrationen finde ich genauso zauberhaft, wie die Arbeit des Duos Gugger/Röthlisberger mir schon beim „Wortschatz“ gefiel. Eine herrlich leichte Art mit sanften Farben, gehighlighted mit neonpinken Akzenten, die sich vom Cover quer durch das Buch ziehen. Die verbalen Metaphern und die Bilder gehen Hand in Hand.
Leseempfehlung: Meine Empfehlung richtet sich zuerst an alle Fans von Bilderbüchern „mit Message“, also tiefgründigeren Geschichten, die zum Nach- und Weiterdenken anregen. Sie geht zudem an Erwachsene, die viel funktionieren und wenig schweben – ihr könnt euch an Herrn Leopold und Mathilda ein Beispiel nehmen! Zuletzt immer der Gedanke, ob und wie das Buch in den Kontext Grundschule passt: Mit einer Klasse, die man gut kennt, bietet die Geschichte einen tollen Ausgangspunkt um darüber zu sprechen, was einen beschwert und wo man sich leicht fühlt – also ganz viel Selbstreflexion, die zu verbesserter Selbstregulation führen kann. Zudem kann ich als Lehrkraft aus solchen Gesprächen auch lernen, was meinen Schüler:innen gut tut, womit ich sie stützen kann und womit erleichtern.
Vielen Dank an den NordSüd-Verlag für das wundervolle druckfrische Rezensionsexemplar! Katha
Titel: „Alle nennen mich Nein-Sam!“ Verlag: dtv (hier klicken) Autor: Drew Daywalt Illustrationen: Mike Lowery Überstzung: Alexandra Rak ISBN: 978-3-423-76585-5
Zum Inhalt: Der Titel lässt es erahnen: Mops Sam hört so oft „NEIN!“, dass er schon glaubt, sein Name sei „Nein-Sam!“. Außerdem ist unser Protagonist der festen Überzeugung, er sei ein Mensch und lebe bei einer Familie von Nacktaffen. Wir lernen schnell, dass Sam eine ganz eigene, aus unserer Sicht sehr weltfremde Sicht auf seine Umwelt hat. Er wundert sich zum Beispiel, warum sein Herrchen Justin ihn jeden Morgen in den Garten holt und schimpft, wenn Sam zurück im Wohnzimmer sein Geschäft auf seinem „Kackteppich“ verrichtet. Oder warum niemand außer ihm den „Geisterwolf“ in der Scheibe der Wohnzimmertür sieht, den er vehement verbellt. Justins Freundin Phoebe unterstellt er gar, eine böse Zauberin zu sein. Sam bekommt allerdings auch Dinge mit, die den Menschen entgehen und wird so unfreiwillig und unabsichtlich zum Helden.
Meine Meinung: Bücher aus Haustiersicht gibt es ja immer wieder. Ich erinnere mich zum Beispiel aus Kindheitstagen sehr gut an „Mein 24. Dezember“ 🐶. Sams Tagebuch ist aber definitiv eine Perle dieses Genres. Beim Lesen möchte man ständig lächelnd mit dem Kopf schütteln und dem Mops die Welt erklären. Er ist unheimlich liebenswert chaotisch und sorgt nur für so viel Durcheinander, weil er Justin und seine ganze Familie beschützen will. Sams Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung, als immer deutlicher wird, dass zwei Männer, die er als Freunde einstuft, andere, ganz eigene Pläne haben. Sam wird entführt und weiterentführt und die Geschichte nimmt in der zweiten Hälfte so richtig Fahrt auf. Und: Sam entwickelt sich weiter. Er überdenkt erste Einschätzungen und ändert seine Einstellung zu manchen Personen und Dingen. Solche Wandlungen mag ich an literarischen Figuren sehr, weil sie Kindern beim Lesen oder Zuhören zeigen, dass genau das ok ist: Ich darf meine Haltung ändern, ich darf aus Abneigung Zuneigung entwickeln oder andersherum. Die Kapitel sind meist recht kurz und durch viele Illustrationen aufgelockert, manche davon im Comicstil mit Sprechblasen. Es sind humorvolle Strichzeichnungen mit blauen Akzenten, die oft Sams Tagebucheinträge konterkarieren.
Leseempfehlung: Für alle Kinder ab acht ist „Alle nennen mich Nein-Sam“ zum Selberlesen geeignet, als Vorlesebuch finde ich es schon im Vorschulalter absolut geeignet. Viele Eltern wird die Geschichte erfreuen, weil sie auch anspricht, wie schwierig es sein kann, ein Haustier zu adoptieren. Kinder werden Sam lieben, denke ich, da er so eine lustige Sicht auf die Welt hat. Und Kinder können sich meiner Erfahrung nach sehr über solche Fehleinschätzungen amüsieren und lieben es, sie zu korrigieren. Als Vorlesebuch für die Schule kann ich „Nein-Sam“ auch unbedingt empfehlen. Die Geschichte ist lustig, die Sprache einfach und gut verständlich. Es gibt viele nette kleine Gesprächsanlässe ausgehend von Sams Fehleinschätzungen und vielleicht die Anregung, selbst mal ähnliche verrückte Tagebücher aus Tiersicht zu verfassen.
Vielen Dank an den dtv-Verlag für das tierisch lustige Rezensionsexemplar!
Titel: „Ich bin super, so wie ich bin. Das Mitmachbuch zur Stärkung des Selbstbewusstseins“ Verlag: Yes (hier klicken) Autorin: Poppy O’Neill ISBN: 978-3-96905-174-0
Zum Inhalt: Im Format eines Mitmachkurses bzw. Ausfüllbuches geht es in diesem Buch um verschiedene Facetten des Selbstbewusstseins. Schritt für Schritt führt die Autorin vom „sich selbst kennenlernen“ über Gefühle und ihre Auslöser zu Stärken und Schwächen sowie den Umgang damit, wenn man etwas unangenehm findet. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Thema Selbstwahrnehmung, die immer wieder als Grundlage genutzt wird. Jedes Kapitel besteht aus mehreren Denkanstößen und zugehörigen Aufgaben, die das Kind allein oder mit Begleitung ausfüllen kann. Das Monster Bop begleitet durch das Buch und dient oft als Beispielgeber. (Beispiele s.u. – irgendwie will WordPress heute keine Bilder an der richtigen Stelle einfügen…)
Meine Meinung: Wir alle kennen vermutlich mindestens ein Kind, dem wir ein schwach ausgeprägtes Selbstbewusstsein attestieren möchten – egal ob als Eltern, im Freundeskreis oder im beruflichen Kontext. Für genau diese Kinder kann das Buch von Poppy O‘Neill eine spannende Reise zu sich selbst und den eigenen Stärken sein, die bestenfalls von einer engen Bezugsperson begleitet wird. aus diesem Grund kann man das Buch auch nicht 1:1 im Unterricht einsetzen. ABER: wer es genau liest und seine Antennen auf Empfang stellt, kann eine ganze Menge an Anregungen und konkreten Übungen für die Arbeit mit einer ganzen Klasse mitnehmen. Die grundsätzliche Haltung, den eigenen Gefühlen offen zu begegnen und den Kindern immer wieder einen expliziten Umgang damit zu ermöglichen, hilft sicher allen Kindern.
Leseempfehlung: Vor allem richtet sich das Buch natürlich an Kinder mit einem wenig ausgeprägten Selbstbewusstsein und deren Eltern (realistisch betrachtet also ihr Erwachsenen…). Als Lehrerin finde ich es aber auch eine sehr erhellende Lektüre, die neue Blickwinkel aufzeigt oder Bekanntes nochmal aus den Tiefen der Erinnerung hochholt. Sicher schaut auch ihr als Lehrkraft oder Erzieher:in danach nochmal anders auf eure lieben, stillen, schüchternen, zurückhaltenden, unscheinbaren, immer den Kürzeren ziehenden oder oft am Rand stehenden Kinder und habt geeignetere Impulse für sie parat.
Vielen Dank an Yes publishing bzw. die Münchner Verlagsgruppe für das Rezensionsexemplar!
Titel: „Der Sumpfmumpf und die Hoffnung“ Verlag: Eigenverlag (hier klicken) Autorin: Alexandra Wagner Illustrationen: Thomas Handl ISBN: 978-3-98942331-2
Zum Inhalt: Das Mädchen Amelie ist krank und kann deshalb nicht mit ihren Freunden die Kirmes besuchen. Traurig, einsam und ängstlich schläft sie ein und findet sich in einem sumpfigen Gelände wieder. Dort allerdings ruft eine ihrer Püppchen namens Hoffnung um Hilfe – sie wird vom immer größer werdenden Sumpfmump gefangen gehalten! Bevor Amelie deswegen verzweifeln kann, rät ihr zweites Püppchen (Fantasie) ihr, dass sie mit seiner Hilfe den Sumpfmumpf besiegen und Hoffnung befreien kann. Ob Amelie das gelingt, verrate ich hier natürlich nicht! Genausowenig kann ich natürlich spoilern, welche Rolle Amelies Freunde noch spielen werden. 😉 Es gibt auf der Homepage der Autorin auch kostenloses Unterrichtsmaterial zum Buch, das den Zugang zur eigenen Emotionalität und der metaphorischen Sprache des Buches erleichtern kann.
Meine Meinung:
Die Geschichte vom Sumpfmumpf ist eine Geschichte von der Angst. Der Angst davor, allein zurückzubleiben oder auch der Angst vor Gefahr. Diese wird direkt mit der Hoffnung verknüpft: wird eine kleiner, wächst die andere. Somit verleihen die Figuren sehr abstrakten Gefühlen Greifbarkeit und machen diese verständlicher. Ergänzt wird dies durch die sehr vielfältigen Gesichtsausdrücke von Amelie, die Thomas Handl im Verlauf der Geschichte visualisiert. So können Kinder ihre starken positiven, verändernden Emotionen wie Hoffnung und Fantasie besser kennenlernen. Ein wenig erinnert diese Herangehensweise an die „Alles steht Kopf“-Filme. Auf jeden Fall können Kinder daraus viele positive Handlungsoptionen mitnehmen. Die Personen-Illustrationen sind zeichnerisch nicht so ganz mein Fall, aber mir gefallen die ganzseitigen Hintergründe und das Farbenspiel zwischen Licht und Düsternis stärkt die Geschichte sehr.
Leseempfehlung: Eltern von Kindergarten- und Schulanfängerkindern sowie Erzieher:innen und Lehrkräfte können den Sumpfmumpf gut nutzen, um sprachlich das Thema Gefühle anzugehen und Selbstwahrnehmung bzw. -regulation zu üben. Dazu können die oben genannten ind abgebildeten Materialien der Autorin direkt verwendet werden.
Vielen Dank an Alexandra Wagner für das Rezensionsexemplar und die Unterrichtsmaterialien! Und viel Erfolg weiterhin für Ihre Arbeit!
Ich bin definitiv zu viel online. Aaaaber online stoße ich eben immer wieder auch auf tolle Ideen, die ich nutzen, klauen oder anpassen kann. So gerade diese Woche geschehen:
Das war mal wieder so eine Idee, die ich direkt auch für die Seminararbeit vor mir sah und so dauerte es nicht lange, bis ich mir ChatGPT vorknöpfte und im Ping-Pong-Prinzip Fragen entwickelte. Eine Auswahl der Impulse habe ich dann (weil ich es eben nicht so schlicht mag) mit Canva weiter verarbeitet, so dass ich demnächst eine weitere kleine Schachtel mit Impulskarten in meinem Schrank haben werde. Anders als der Kollege werde ich vielleicht nicht jeder Gruppe eine eigene Frage zuteilen sondern mal den gleichen Impuls für alle verwenden, mal vielleicht Impulse zur Auswahl anbieten – mal sehen! Meine LAA starten langsam aber sicher in die Prüfungsvorbereitung und da nehme ich jede Aktivität, die sie ins Nachdenken und Argumentieren, also auch ins Reflektieren bringt!
Wenn du mit diesen Impulsen arbeiten magst, nimm sie dir gern so wie sie sind: pdf-Datei
Wenn du sie für die Schule anpassen magst, kannst du auch das tun: Canva-Vorlage
Zum Inhalt: Der kleine Vogeljunge Mika ist als Krawallkehlchen bekannt, weil er ziemlich laut wird, wenn er wütend ist. Also, zuerst wird er immer gelber, dann laut. Und laut wird es auch, wenn Mika traurig ist, oder ängstlich. Mikas große Gefühle (neben Wut, Traurigkeit und Angst kommen auch Stolz, Freude und Vorfreude vor) äußern sich zudem in seinem Bauch oder auch im Ganzen Körper. Krawall gibt es übrigens auch bei guten Gefühlen! Zusammen mit Mika erleben wir eingebettet in die Geschichte vom Ausflug einen Tag lang verschiedenste Gefühle und lernen teilweise dazu auch Strategien kennen, die Mika und den anderen um ihn herum helfen, wenn die Emotion zu groß wird.
Die Illustrationen sind seitenfüllend und farbenfroh, ergänzen den Handlungsstrang direkt und bieten viele Kleinigkeiten zum Entdecken. Sie nehmen viele alltägliche Gegenstände und Umgebungen aus der Lebenswelt der Kinder auf, wie man an diesem Bild aus der Rotkehlchenhöhle ganz gut sehen kann.
Meine Meinung: Ich mag gern mit dem kleinen Krawallkehlchen mitfühlen, auch wenn ich als vernünftige Erwachsene eher selten zum lauten Herausschreien meines Gemütszustandes neige. Mika bietet Kindern eine tolle Projektionsfläche für ihr Empfinden, weil die Anlässe oder Auslöser seiner Gefühle so direkt aus der Erlebniswelt der Kinder stammen: Ärger mit Eltern, Angst vor dem Hund, Hilfsbereitschaft, alles richtig machen wollen… Erfreulicherweise darf Mika in der Geschichte all dies fühlen, ohne dass ein Gefühl schlecht gemacht wird oder unterdrückt werden sollte. Er wird ernst genommen, was wir unseren Kindern unbedingt auch immer anbieten sollten (mehr dazu gibt’s hier). Schön finde ich es auch, dass Strategien wie Bewegung oder gegenseitge Unterstützung zum Einsatz kommen, was durchaus als Idee für Kinder geeignet ist. Die Illustrationen gefallen mir sehr gut: klar, farbenfroh, ohne grell zu wirken, großformatig und gerade noch „nicht zu niedlich“. Die Szenen bieten viel zu sehen, z. B. verschiedene Insekten in lustigen Situationen, was das Vorlesen noch schöner macht, weil man über diese Kleinigkeiten schön gemeinsam lachen kann.
Leseempfehlung: Ab vier Jahren wird das Krawallkehlchen vom Verlag empfohlen und eignet sich meiner Meinung nach sehr gut auch für die erste bis etwa dritte Klasse der Grundschule (vielleicht macht man dann beim Vorlesen aus dem Kitaausflug einen Schulausflug). Das Thema Gefühle wird hier sehr breit gefächert umgesetzt, weshalb das Buch auf jeden Fall auf meine Liste zu Bilderbüchern über Emotionen kommt! Eltern sei das Krawallkehlchen auch wärmstens ans Herz gelegt, da es meines Erachtens gut dazu anregen kann, über den familiären Umgang mit „Krawall“ nachzudenken und bestenfalls reflektierte Lösungen zu finden. Im schulischen Einsatz stelle ich es mir gewinnbringend vor, die verschiedenen Gefühle zu benennen und mögliche Situationen zuzuordnen, wie es exemplarisch auf dem Gefühlsrad am Ende geschieht. Auch körperliche Marker und Strategien zum Coping lassen sich gut besprechen. So könnten kleine Krawallkehlchen in der Klasse Auswege finden und die anderen Kinder verstehen Kinder wie Mika vielleicht besser.
Vielen Dank an den Verlag Fischer Sauerländer für das druckfrische Rezensionsexemplar!
In den letzten Monaten sind mir mehrere ganz besondere Bilderbücher über den Weg gelaufen*: Bilderbücher ganz ohne Erzähl- oder Sprechtext, sondern nur voller Bilder. Diese Bücher lassen naturgemäß viel Freiraum für Fantasie und Sprache.
Drei Beispiele möchte ich euch vorstellen: „Die Torte ist weg“ von The Tjong-Khing, „Der Junge und der Elefant“ von Freya Blackwood und „Tief im Ozean“ von John Hare. Drei ganz verschiedene Geschichten, die aber doch ähnliche Zugänge für einen sprachfördernden Unterricht bieten können.
1) „Die Torte ist weg“ von The Tjong-Khing Ein Wimmelbuch: verschiedene Tierfamilien bzw. einzelne Tiere bewegen sich in einer Art Rennen durch das Buch und sind auf jeder Doppelseite wieder in verschiedene Interaktionen verwickelt. Ausgangspunkt ist der Diebstahl eine frisch gebackenen Torte bei Familie Hund. 👍🏻 Hier entstehen verschiedene Erzählungen und Geschichten, je nachdem, welchem Tier man folgt. Handlungsstränge verbinden sich manchmal, lösen sich aber auch wieder auf, bis am Ende alle gemeinsam feiern können. 👎🏼 Man muss aufpassen, dass sich die Erzählungen nicht zu sehr nach „und dann…“ anhören, was leicht passieren kann. Entweder heißt es also, Satzanfänge zu sammeln oder viel Zeit für das Entwickeln eines Erzählplans zu investieren, um dem vorzubeugen.
2) „Der Junge und der Elefant“ von Freya Blackwood Diese ganz besondere Freundschaftsgeschichte handelt von einem Jungen, der einen ganz besonderen Baum zum Freund hat und diesen vor dem Abholzen rettet. Die Handlung spielt eher im alltäglichen Lebensraum der Kinder: Wohnung, Straße, Schule, Wald – das hat Vorteile bzgl. des Wortschatzes. 👍🏻 Auch sprachärmere Kinder können hier viel auf den Bildern benennen und beschreiben. Anders als beim Tortenbuch lässt dieses mehr Spielraum für Interpretationen und Spekulationen und auch die Möglichkeit des Weitererzählens nach dem Ende des Buches.
3) „Tief im Ozean“ von John Hare Mein aktueller Liebling ist diese zauberhafte Geschichte aus den Tiefen des Meeres: eine Lehrkraft besucht mit einer Klasse Schulkinder die Tiefsee – allesamt in Tauchanzügen. Ein Kind hat eine Kamera dabei und verliert beim Fotografieren den Asnchluss an die Klasse (könnte ich sein…). Als dann die Klassemit dem Tauchboot wieder aufbricht, bleibt das Kind allein zurück und trifft noch verschiedene Tiefseebewohner inkl. Meereungeheuer. Mit diesem zusammen findet es eine versunkene Stadt, zerstört sie versehentlich und baut sie auch wieder auf. 👎🏼 Zum Erzählen dieser Geschichte ist deutlich mehr Wortschatzarbeit / Scaffolding nötig als bei den beiden anderen Büchern. Es bietet sich zusammen mit dem Sachunterricht fast schon eine thematische Unterrichtseinheit an. 👍🏻 Die Fantasie und Fabulierfähigkeit der Kinder werden hier absolut gefordert und gefördert. Es geht dabei los, dass die Hauptfigur durch den Taucheranzug überhaupt nicht definiert wird und so jedes Kind selbst festlegt, wer sein Held oder seine Heldin ist. Zudem gibt es verschiedene Stellen im Buch, an denen die Geschichte unterbrochen und von den Kindern eine Fortsetzung antizipiert werden kann. Durch die klare Einfachheit der Bilder können die Kinder hierzu auch gut selbst Zeichnungen anfertigen.
Zusammengefasst gibt es für textfreie Bilderbücher viele Ideen, aus denen man passend zum Buch und zur Lerngruppe wählen kann: – zu den vorhandenen Bildern erzählen (ggf. Fotos machen, damit jedes Kind die Bilder z.B. auf einem Tablet nutzen kann) – Aufzeichnen der Erzählungen mit der Sprachmemo-Funktion am Tablet o.a. – eigene Bilder malen und dazu erzählen (Fortsetzung, alternatives Ende, Antizipieren ab Abbruchstelle im Buch) – selbiges ist alles auch als Schreibanlass denkbar – Bilderrätsel (ein Kind beschreibt eine Stelle auf der Seite, eines errät diese)
Zur Vorbereitung hilft es den Kindern, sich Notizen in schriftlicher oder bildlicher Form zu machen. Der gute alte „Rote Faden“ kann hier gut genutzt werden, da er den Kindern eine gute Orientierung während des Erzählens bietet. Dazu können aufwändig Kärtchen an rote Wolle getackert/geklebt/gebunden werden oder man nutzt ein größeres Blatt mit Text-/Bildfeldern und lässt die Kinder den roten Faden einfach hineinzeichnen. Bei älteren Kindern können auch Erzählpläne zum Einsatz kommen, die dann etwas vorstrukturierter sind – mehr Orientierung, aber auch mehr Planung. Wie immer gilt der Gedanke des Spiralcurriculums: einfach anfangen, später anspruchsvoller wieder drangehen.
Zuletzt möchte ich noch einmal eine Lanze für das „Primat der Mündlichkeit“ brechen: Es ist wichtig, dass mündliches Erzählen nicht nur als Vorübung zum schriftlichen Erzählen eingesetzt wird! Wenn die Kinder immer „befürchten“ müssen, dass sie das Erzählte später noch aufschreiben müssen, hemmen wir sie unnötig. Lasst die Kinder erzählen, belasst es beim Mündlichen. Experimentiert mal mit Aufnahmen und erlebt, wie auch Kinder sich hören und verbessern möchten!
Abschlusstipp: auch und gerade beim mündlichen Erzählen kann man nach Beate Leßmann „Schreibgeheimnisse“ sammeln – dann muss man sie nur anders benennen 😉 Kinder können so zum Einen am Vorbild (Mitschüler*in / Lehrkraft) lernen und ihren Wortschatz erweitern und lernen zum Anderen, dass sie stolz auf ihre Ideen sein können und nicht in ein „der hat bei mir abgeschaut!“ verfallen müssen. Erste Ansätze von sharing is caring könnten erkennbar sein.
Nun viel Spaß mit euren liebsten Bilderbüchern mit oder ohne Text. Wenn ihr noch ein cooles textfreies kennt, das ich hier aufnehmen sollte, schreibt gern einen Kommentar!
Eure Katha
* Nun ja, ich sehe einfach zu oft tolle Bücher in UB und Prüfungen, die dann irgendwie irgendwann auch in meinem Regal stehen…
Zum Inhalt: Wir begleiten in diesem Buch die Flucht eines namenlosen Kindes (Jungen?) vor Krieg und Zerstörung. Aus seiner Sicht heraus wird der Weg zu verschlossenen Grenzen und dann im Boot über das Meer gezeigt. Viele Seiten lang zeigt das Kind uns das Leben im Auffanglager, von denen es seit dem Krieg, der auf den Arabischen Frühling folgte, so viele an den europäischen Grenzen gibt. Wir bekommen Erlebnisse, Wünsche und Träume erzählt in der naiven Art eines noch recht jungen Menschen, dessen Vater ihn nicht mit der „erwachsenen Wahrheit“ konfrontiert.
Die Illustrationen sind in gedeckten Farben gehalten und unterstreichen so das schwere Thema gut. Sie sind teilweise doppelseitig textfrei angelegt und vor allem dadurch sehr bewegend.
Es gibt ein Nachwort der Autorin, die die Geschichte ein wenig einordnet und mit dem durch die Medien gegangenen am Strand tot angespülten Jungen verbindet, den wir sicher alle entsetzt wahrgenommen haben.
Meine Meinung: Beim ersten Lesen war ich den Tränen nahe, muss ich zugeben. Das Wissen, dass ich als Erwachsene von Flucht und dem Umgang mit Flüchtlingen auf der kognitiven Ebene habe, hat sich hier sehr emotional angeknüpft und viele, viele Bilder waren in meinem Kopf unterwegs.
Der Autorin und der Illustratorin ist meiner Meinung nach das Kunststück gelungen, sehr wertungsfrei, nicht didaktisiert oder mit erhobenem Zeigefinger auf das Leiden flüchtender Menschen, vor allem flüchtender Kinder aufmerksam zu machen. Das Buch führt denen, die es „besser haben“ und nie eine Flucht erleben mussten, deutlich vor Augen, was das eigentlich bedeutet und wie unmenschlich die Unterbringung Geflüchteter oft ist. Für Menschen mit Fluchtgeschichte streckt es wohl eine Hand aus und signalisiert, dass sie gehört und verstanden werden.
Leseempfehlung: Für alle!
Im privaten Bereich können wir nicht oft genug mit unseren Kindern darüber sprechen, wie gut es uns geht und was andere hinter sich haben bzw. erleben. Durch die eindringliche Bebilderung können Vor- und Grundschulkinder die Geschichte des Kindes gut nachvollziehen. Und durch die niemals vorhandene Anklage im Buch kann auch jede*r selbst entscheiden, wie tief er oder sie mit dem eigenen Kind gehen möchte.
Für die Grundschule möchte ich „Die Schlange der Träume“ ausdrücklich empfehlen – vor allem momentan, wo wieder viele geflohene Kinder in die Klassen kommen. Ein wirklich guter Anlass darüber nachzudenken, wie mit ihnen umzuegehn ist, welche Unterstützung sie benötigen und dass „die Flüchtlinge“ nicht mal eben so nach Deutschland kommen, weil sie hier vielleicht 3 Mark fuffzich mehr verdienen als daheim.
Vielen Dank an den Knesebeck-Verlag für das Rezensionsexemplar! Danke auch, dass hier nach „Zuhause kann überall sein“ das Thema Flucht/Migration aus der Sicht der Kinder erneut so grandios aufgegriffen wurde! (wer nochmal nachlesen mag, hier habe ich darüber schon geschrieben: https://primar.blog/2017/04/24/rezension-zuhause-kann-ueberall-sein)