Rezension: „Fips will keine Schildkröte mehr sein“

Fips (1)Titel: „Fips will keine Schildkröte mehr sein“
Verlag: KaleaBook (hier klicken)
Autorin: Simone Gruber
Illustrationen: Jacqueline Kauer
ISBN: 978-3-906234-09-0

 

Zum Inhalt:
Fips ist eine Schildkröte und findet es langsam ziemlich langweilig: immer nur in der Sonne liegen und dann auch noch den schweren Panzer mitschleppen…
Zum Glück trifft Fips aber den munteren Hasen, der einem Tausch nicht abgeneigt ist. So tauschen die beiden Fell gegen Panzer und erleben nun, wie es in der Haut des jeweils anderen so ist. Schnell merkt Fips, dass das Hasensein als „Fellkröte“ sehr gefährlich ist und tauscht noch einmal, später dann noch mit einem dritten Tier. Jedes Mal aber merkt die kleine Schildkröte, dass alle mit ihren Problemchen zu kämpfen haben – leichte Beute zu sein bzw. gejagt zu werden ist auf die Dauer echt anstrengend.

Letztendlich finden die vier Tiere der Geschichte aber eine Lösung, mit der sie alle zufrieden sind.

Im Buch findet man am Ende einen Anzieh-Fips, also eine stabile Pappseite mit einer Ausschneideschildkröte und diversen Outfits, die diese in alter Anziehpuppenmanier passen. Weitere Vorlagen gibt es online zum Download, so dass auch Geschwisterkinder oder alle Kinder einer Gruppe/Klasse eine eigene Puppe haben können.
Fips (2)

Meine Meinung:
Die Geschichte von Fips beginnt mit einem Thema, das vielen Kindern sehr nah ist: Aspekte des eigenen Lebens oder der eigenen Persönlichkeit stören mich und ich bin unzufrieden oder sogar traurig. Ich wünsche mir, jemand anderes zu sein, mehr zu dürfen/können, anders auszusehen etc.
Die meisten Menschen, auch und vor allem Kinder, können mit Fips mitfühlen und die kleine Schildkröte auf ihrem Weg begleiten. Fips kann etwas, dass wir nicht können: er schlüpft in eine andere Haut. Er merkt aber auch, dass das Gras drüben vielleicht doch nicht immer grüner ist. Hier wird viel Wertearbeit betrieben, ohne den mahnenden Zeigefinger zu heben. Das macht das Buch für mich sehr liebenswert und zu einem unverzichtbaren Bestandteil unseres Familienbücherregals. Ein Lebensmotto kann man, wenn man will, mitnehmen:
Fips (4)

Was mir und meinen Kindern (4, 8) neben der lustig erzählten Geschichte sehr gut gefallen hat, sind die Illustrationen von Fips und den anderen Tieren und die Hintergründe, die einige kleine Überraschungen zum Entdecken anbieten. Toll finde ich es auch, dass je nach Situation mit der Schriftgröße, -art und -farbe gearbeitet wird. Die Aussagen der Tiere sind in einer für sie passenden Farbe gedruckt, Lautmalereien werden so hervorgehoben.

Aus der fachlichen Ecke der Deutschdidaktikerin möchte ich noch hervorheben, dass „Fips will keine Schildkröte mehr sein“ sehr repetitiv aufgebaut ist. Jede Begegnung läuft nach dem gleichen sprachlichen Muster ab, so dass die Zuhörer schnell auch schon Teile mitsprechen können. Im Sinne des sprachsensiblen Unterrichts sind Bilderbücher mit solchen aus dem Fremdsprachenunterricht bekannten „repititive structures“ meine Favoriten.

Leseempfehlung:
Als Vorlesebuch ist Fips‘ Geschichte ab etwa drei Jahren geeignet; die Anziehpuppe unterstützt hier handelnd das Verständnis der Geschichte. Tiefergehende Gespräche über die eigene Persönlichkeit, Wünsche und Nöte kann man ausgehend von diesem Bilderbuch sicher bis ins Jugendalter noch führen – die Zielgruppe liegt aber m.E. bei Vor- und Grundschulkindern.

In der Grundschule kann ich mir Fips deshalb auch hervorragend vorstellen: In Ethik oder Religion, in Klassenstunden etc. wäre das Gespräch über die eigenen Fähigkeiten, was man gern mal wäre/könnte und warum man doch gern man selbst ist, gut mit der gelangweilten kleinen Shcildkröte anzustoßen.
Im Fach Deutsch fände ich es einen ganz tollen Schreibanlass, Fips noch ein anderes Tier treffen zu lassen, so dass sich ein neuer Name für die Schildkröte, Fellkröte, … ergibt und welche Nöte Fips dann wohl erleben könnte. Ein ganzes Klassen-Geschichten-Buch kann so entstehen, an dessen Ende dann wieder die Lösung des Problems aus dem Buch stehen würde.

Vielen Dank an den schweizerischen Kalea-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Drachenpost“

2019-08-20 20.00.55.jpgTitel: „Drachenpost“
Verlag: Thienemann-Esslinger (hier klicken)
Autorin: Emma Yarlett
Übersetzung: Ebi Naumann
Illustrationen: Emma Yarlett
ISBN: 978-3-522-45896-2

Zum Inhalt:
Alex findet einen jungen Drachen in seinem Keller und freut sich sehr – denn solch ein Haustier hat er sich immer schon gewünscht. Also schreibt Alex Briefe mit der Bitte um Hilfe. Die Tipps von der Feuerwehr, dem Fleischer oder der Tierschutzgemeinschaft bringen Alex gut voran, aber der Alltag mit einem wachsenden Drachen im Haus ist nicht einfach. So bekommt Alex auch Post von den Anwältinnen seiner Nachbarin…

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Meine Meinung:
Meine Mittester (4 und 8) und ich waren vom Auspacken an begeistert von diesem niegelnagelneuen Kinderbuch: das quadratische Format und der Luftpostrand erinnern ein bisschen an die beliebten Felix-Bücher und der Drache leuchtet fast, so knallig orange ist er. Es freut mich ja immer, wenn schon der Einband besonders gestaltet ist bei einem Buch.
Die Geschichte beschränkt sich auf wenige Sätze pro Doppelseite, wird aber komplett von den zauberhaften Bildern getragen. Das Highlight sind aber natürlich die 5 Briefe, die in sehr individuellen Umschlägen stecken. Da sie von ganz verschiedenen Absendern stammen, hat jeder eine ganz eigene Optik, ein eigenes Format und einen eigenen „Tonfall“. Die Gutenachtgeschichte für die nächsten Abende wurde soeben gewählt!

Leseempfehlung:
Zum Vorlesen ist Drachenpost ab dem Kindergartenalter geeignet – Kinder ab 2 kommen mit der Geschichte gut zurecht, ab etwa 3 wohl auch mit den Briefen. Größere Zuhörer oder Selberleser erkennen in den Absendern der Briefe sicher auch schon die netten Wortspiele (wie A. Larm von der Feuerwehr oder die Nachbarin Anne B. Schwer).

Für den Einsatz in der Schule finde ich das Buch begleitend zu einer Einheit zum Verfassen von Briefen sehr gut vorstellen. Durch die Kürze des Buches kann man es dazu auch mehrfach vorlesen und man bekommt die oben erwähnten verschiedenen Brieftypen, aus denen sich beispielhaft die Merkmale eines (formellen oder freundschaftlichen) Briefes ableiten lassen.

Vielen Dank an den Thienemann-Esslinger-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Helmuts Herz“

2019-06-05 11.45.14Titel: „Helmuts Herz“
Verlag: HeartMut (hier klicken)
Autorin: Nadine Eiringhaus
ISBN: 978-3-981-937-70-1

Zum Inhalt:
Helmut ist ein Roboter. Roboter kennen keine Gefühle, das weiß ja nun jedes Kind.
Helmut jedoch wird plötzlich mit verschiedenen Gefühlsäußerungen konfrontiert, als er auf seinem Weg einige Lebewesen trifft. Was er zuerst gar nicht greifen kann, das lernt er nun kennen. Und da Helmut neugierig ist, probiert er diese neuen Gefühle auch dirket mal selbst aus. Helmuts Herz kommt dabei ganz schön „in Wallung“, wie wir im Lippischen sagen – das Ganze ist für einen unbedarften kleinen Roboter schon ganz schön viel zu verstehen.
So wie Helmut ergeht es sicher auch vielen Kindern: sie nehmen Gefühlsäußerungen an Anderen wahr, können sie aber noch nicht immer sicher zuordnen. Und auch wenn man zuerst an Kindergartenkinder denkt, so habe ich diese Erfahrung auch noch bis weit in die Grundschule gemacht: Gefühle benennen einerseits, Gefühle erkennen und ausdrücken andererseits sind zwei ganz verschiedene Paar Schuh.
Die Geschichte rund um Helmut ist sehr puristisch gehalten, da die jeweils kennen gelernten Emotionen auf jeder Doppelseite im Vordergrund stehen. Denkanstöße (s. rechtes Foto) sind auch immer wieder mit dabei, um sich selbst mit in die Gefühlswelt hineinzunehmen.

Wer möchte, kann im Shop der Autorin auch noch ein Gefühlsbarometer erwerben, auf dem verschiedenste Gefühle durch Tiere abgebildet sind, so dass man sich und seinen momentanen Gefühlszustand mit Klammern zuordnen kann.

Meine Meinung:
Mir gefällt das Buch wirklich gut – sowohl inhaltlich als auch optisch bzw. haptisch. Die Gefühle stehen klar im Mittelpunkt und sind somit ein toller Gesprächsanlass. Kleine Gesprächsanlässe sind integriert und Spielideen lassen sich dirket ableiten (Gefühle-Pantomime, Gefühle-Memory etc.). Ich mag auch den Untertitel „Gefühle brauchen Mut“ – er impliziert, dass die Sache mit den Emotionen nicht eben immer einfach ist und dass es Mut erfordert, seine Gefühle auch zeigen zu können.
Das Buch selbst ist liebevoll illustriert, ohne „zu niedlich“ zu wirken. Außerdem wird es „mit ökologischen Farben auf Recyclingpappe gedruckt und in Deutschland hergestellt“, verspricht die Autorin.

Leseempfehlung:
Für alle, die Kinder haben oder mit Kindern arbeiten! Helmut dürfte Kinder bis in die dritte Klasse hinein ansprechen und schon für etwa Dreijährige gut verständlich sein.
Ich bin schon gespannt auf das zweite Buch aus der Reihe, Helmut und die Rakete.

Vielen Dank an den HeartMut-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

Buchtipp / Erzählen

Heute habe ich mal einen Buchtipp, den ihr privat (wenn ihr eure eigenen Möppels habt) und schulisch nutzen könnt – und er passt prima ins „Jubiläumsjahr“, in dem Michael Ende seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte:

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Der Möppel sowie das Möppelchen sind riesige Fans von Jim Knopf und seinen Geschichten; wir haben das „alte“ Buch, die Puppenkiste-DVD, die Neuverfilmungs-DVD und diverse CDs in den Regalen stehen. Bei all unseren letzten Büchereibesuchen sind deshalb immer wieder Bilderbücher aus der oben zu sehenden Reihe in den Körben der Jungs gelandet. Und dieses Buch nun sogar auf dem Gabentisch des Möppelchens an seinem vierten Geburtstag.
Eigentlich bin ich ja immer etwas skeptisch, wenn so ein großes Werk wie das von Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer von anderen Autoren aufgegriffen und weiter geführt wird. Aber in diesem Fall (obiges Buch und andere aus der Reihe) geht es mir anders. Der Hauptgrund liegt in der tollen Idee, die darin steckt und die ich euch an drei Seiten aus dem Buch zeigen möchte:

1. die Startseite (Umschlaginnenseite vorn):
2019-02-16 20.19.32
Hier kann man in Form von Fotos nochmal kurz die Basisgeschichte von Jim Knopf und die Hauptfiguren aus Lummerland Revue passieren lassen, sie benennen, charakterisieren etc.

2. die Geschichte:
2019-02-16 20.19.26
Auf vielen Seiten findet man Fotos mit einer Situation oder Gegenstand, die/der auf der Seite bedeutsam ist – hier z.B. die Karte der Pyramide.

3. der Abschluss (Umschlaginnenseite hinten):
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Hier kann nach dem Vorlesen der Geschichte nochmal erzählt werden, was passiert ist. Die wichtigsten Stellen der sind also nochmal kurz zusammen gefasst und bieten ein Gerüst bzw. einen Erzählplan an, der die Abfolge der Geschehnisse unterstützt.

Mein Möppelchen hat das Buch von seiner Patentante zum Geburtstag bekommen und seitdem gehört es zu seinen Favoriten für die Gutenachtgeschichte. Und naja, da ich gerade viel am Thema „mündlicher Sprachgebrauch“ arbeite, ist mir die Gestaltungsweise dieses Titels als so wunderbar geeignet erschienen, auch mit Schülern genutzt zu werden. Vielleicht leiht Möppelchen es mir ja mal aus…

Viele Grüße
Katha

Nibbels

Des Möppels liebstes Buch in den Ferien war „Nibbels“. Er hatte es sich in der hiesigen Stadtbibliothek ausgeliehen (die mir noch sympathischer war, als sie noch Stadtbücherei hieß…) und direkt vor Ort musste ich es schon vorlesen.

Nibbels knabbert gern an allem, am liebsten aber an Büchern. So knabbert er sich in verschiedene Märchenbücher hinein, deren Handlung er dadurch ziemlich verändert. Die Märchenbücher sind dann auch wirklich ins große Buch hinein „gebaut“ und man verlässt mit Nibbels die eigentliche Geschichte immer wieder. Dieses Konzept ist mir neu und hat uns Dreien eine Menge Spaß bereitet.

In den folgenden Tagen wiederholte sich das Vorlesen im Bett, auf dem Sofa und sogar beim Frisör, während wir auf das Möppelchen warteten… „Am liebsten würde ich das Buch behalten!“ war Möppels Fazit daraus. Da das nicht geht und ihm 15€ zum Selberkaufen dann doch zu viel waren, beschlossen wir, uns selbst Nibbels-Bücher zu basteln, die wir dann ja immer behalten können.

Hier also „Nibbels – Original und originell“:
2018-12-28 17.46.25

Da Möppelchen Nibbels ebenfalls toll findet, setzten wir uns als zu dritt an den Küchentisch, holten Papier, Malunterlagen, Stifte und nach und nach noch buntes Papier, Filz und sonstwas dazu und legten los:
Der Große (Zweitklässler)  malte und schrieb sein Buch komplett alleine und orientierte sich dabei doch recht eng am Original:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der Kleine fantasierte die Geschicht ein bisschen weiter und überlegte sich somit ein neues Nibbels Abenteuer (in dem übrigens alle Nibbels original vom knapp Vierjährigen gezeichnet wurden!):

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Witzigerweise lebt der kleine Mann so in seiner Geschichte, dass er sie fast wortwörtlich „vorlesen“ kann. Dabei zeigt er auch immer auf die jeweiligen Textteile – zuckersüß!

Damit der heutige Eintrag dann nicht nur unter „Muttitratsch“ läuft: Warum nicht auch mal (wieder) sowas in der Schule umsetzen? Es gibt soooooo viele schöne Bilderbücher, die man nacherzählen, umerzählen oder weitererzählen kann!

Beste Neujahrsgrüße,
Katha

Volltreffer!

Heute war der Möppel der von einer Mitschülerin auserwählte Adventskalenderöffner. Und sein Gutschein passte wie die Faust aufs Auge:

Prompt war „Lukas rettet den Weihnachtsengel“ ausgewählt und ich bekam eine Zusammenfassung dieses zuletzt vor rund elf Monaten gelesenen zauberhaften Buches (hier im Blog auch schonmal vorgestellt).

Viel Spaß morgen der Kollegin und den Kindern!!!

Katha

Rezension: Agathe zählt die Sterne

Titel: Agathe zählt die Sterne2017-08-12 21.48.55
Autorin: Catherine Rayner
Verlag: Knesebeck (hier klicken)
ISBN: 978-3-86873-798-1

Zum Inhalt: Giraffe Agathe zählt sooo gern – doch sie findet kaum etwas, das man in Ruhe zählen kann. Ihre Freunde sind ihr auch keine große Hilfe und müssen das Zählen erstmal üben. Aber dann findet sich doch noch etwas, das Agathe in Ruhe zählen kann…

Meine Meinung: Dieses Bilderbuch ist schön einfach und vom Inhalt her auch schon für kleine Kinder nachvollziehbar. Die Illustrationen finde ich zauberhaft – sie sind ein wunderschüner aquarelliger Kontrast zu den vielen digitalen Zeichnungen, die mich heute umgeben. Agathe selbst finde ich sehr sympathisch und auch ihre Freunde werden sehr freundlich dargestellt. Dass man das Zählen erstmal übern muss und es nicht automatisch kann, wird sehr nett erklärt und Agathes Freunde begehen typische „Erstzählerfehler“ und verwenden gern mal große Zahlen (so ähnlich höre ich es momentan gern mal von meinem Großen).
Ein großes Thema bei uns waren aber auch die wilden Tiere und wo die wohl alle gemeinsam leben. Die Playmobil-Arche wurde direkt mal geplündert und alle im Buch vorkommenden Tiere zusammen gesucht. Und gezählt. 🙂

Leseempfehlung: Ein klassisches Vorlesebuch für eher kleinere Kinder. Meine Jungs (2, 6) mochten es beide gern hören. Vielleicht ist es ja auch als Einstieg in den Mathematikunterricht einer ersten Klasse mal eine Alternative. Aber ein Buch darf ja auch mal „nur“ ein Bilderbuch sein, das man einfach gerne mag…

Vielen Dank an den Knesebeck-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha