Bilderbücher im Unterricht – Teil 5 der Bilderbuchwoche

Diese Woche soll hier im Blog Bilderbuchwoche sein. Nach vier fachbezogenen oder überfachlichen Anregungen in den letzten Tagen schließe ich diese Aktion heute ab.

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Möglichkeit 5: Bilderbücher künstlerisch verarbeiten (Fach Deutsch, Fach Kunst)

Es ist schon angeklungen, dass ich ein Fan des sog. Handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts bin. In diesem Sinne gehört es auch zur Auseinandersetzung mit Geschichten, wenn Kinder zu ihnen malen. Je nach Alter und Fähigkeit kann dies sowohl ein Nachmalen bzw. Dazumalen sein als auch ein bildliches Weitererzählen.

Dazumalen: In Büchern wie „Wenn der wilde Wombat kommt“ oder „Der schaurige Schusch“ wird ein Wesen beschrieben, aber noch nicht gezeigt. Auch in anderen Büchern kann das Aussehen einer Figur zu Beginn geheim gehalten werden, wenn diese gut beschrieben wird. Die Fantasie der Kinder wird angeregt, wenn man mit ihnen über die beschriebenen Merkmale ins Gespräch kommt und sie dann ihre eigene Interpretation davon malen dürfen.

Weitermalen: Besonders die Kinder, die noch nicht der Schriftsprache mächtig sind, können ihre Ideen für eine mögliche Geschichtenfortsetzung in einem Bild festhalten. Wenn man es dann schafft, die dazu gehörenden Geschichten aufzufangen*, kann man ein tolles Klassenbilderbuch herstellen, das erfahrungsgemäß in den folgenden Jahren gern durchgeblättert wird. Wenn Fortsetzungen komplexer sind, kann in einem Minifaltbuch oder auf kleinen Zetteln an einem Roten Faden auch eine Geschichte in mehreren Bildern von den Kindern festgehalten werden. Positiver Nebeneffekt ist dabei, dass die Kinder meist gern und freiwillig zu ihren Bildern erzählen – ein Hoch auf die Sprachförderung! Nachmalen: Wie im Beispiel „Nibbels“ beschrieben, lassen sich besondere Bilder(geschichten) oder spezielle Maltechniken auch gut im Kunstunterricht aufgreifen und imitieren. Es gibt ja spannende Bilderbücher mit Collagetchnik, Aquarellbildern oder ähnlichen Besonderheiten. Diese zu analysieren und erfolgreich zu imitieren stärkt die Wahrnehmung von Kunst in Büchern bei den Kindern.

Bilderbuch-Beispiele:

Nibbels (hier vorgestellt)

Zuhause kann überall sein (hier vorgestellt)

Zuletzt gebe ich euch noch ein paar Lieblingslinks rund um Bilderbücher mit:

📖 Bilderbuchkinos bieten mehrere Verlage an – also eine pdf mit den Bilderbuchbildern ganz ohne Text, die man dann über ein Präsentationsmedium teilen kann: Oetinger Verlag, Thienemann-Esslinger und einige andere, die hier im Blog Jugendbibliothek21 schon versammelt wurden.

📖 Bücher lesen und vorgelesen bekommen bei Amira Lesen

📖 Büchertipps für verschiedene Altersstufen

📖 Wie schon an Tag 1 muss die Stiftung Lesen mit dem jährlichen Vorlesetag noch erwähnt werden – eine toller Anlass für tolle Bilderbücher!

📖 Die kleinsten und beliebtesten Bilderbücher überhaupt will ich nicht vergessen: Pixibücher von Carlsen! (Hier schonmal erwähnt.)

Herzliche Grüße
Katha

* Ich kann die Geschichte beim Erzählen des Kindes mitschreiben oder aber mit einer Sprachmemo-App aufzeichnen (lassen).

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Bilderbücher im Unterricht – Teil 4 der Bilderbuchwoche

Diese Woche soll hier im Blog Bilderbuchwoche sein. Wie versprochen geht es heute weiter mit einem weiteren Weg, Bilderbücher in der Grundschule einzusetzen.

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Möglichkeit 4: Wortschatzarbeit (Fach Deutsch, Fach Englisch, DAZ)

Manchmal findet man Schätzchen, die besonders geeignet sind, ein sprachliches Phänomen oder ein Wortfeld zu erarbeiten. Die Englischlehrkräfte unter euch nutzen sicher regelmäßig picture books, um ihre Einheiten aufzupeppen. Besonders geeignet zur sprachlichen Förderung sind Geschichten mit repititive structures (ich kenne keinen passenden deutschen Begriff dafür) – hier können die Kinder sich Sätze, Sprüche oder Ausdrücke durch die Wiederholung besonders gut aneignen. Ein sehr bekanntes Beispiel für ein Buch mit solchen Strukturen ist sicher „Die kleine Raupe Nimmersatt“ von Eric Carle, wo die Kinder wiederkehrende Phrasen schnell mitsprechen. Ein Lieblingsbuch meines Kleinen, in dem er die sich wiederholenden Sätze auch immer erwartet und mitspricht, ist übrigens „Olchi-Opas krötigste Abenteuer„. Häufig eignen sich solche Bilderbücher ebenfalls zur nachahmenden Textproduktion / dem Verfassen von Paralleltexten wie neuen „Kapiteln“.

Wenn dann z.B. in einer Geschichte ein Satzfragment mit verschiedenen grammatischen Formen gefüllt wird (z.B. Akkusativen, Singular und Plural, Zeitformen), dann arbeiten wir schnell auch nach dem sog. DEMEK-Prinzip (hier schonmal erwähnt), wo Grammatik durch Textproduktion implizit gelernt wird. Ein Beispiel: sprachlich macht es einen Unterschied, ob die Raupe einen Apfel oder eine Orange isst.

Ganz anders interessant für den Aufbau und Ausbau des Wortschatzes sind textlose Bilderbücher und Wimmelbilderbücher. Diese laden zum Entdecken und Fabulieren ein und haben einen hohen Aufforderungscharakter für verständliche und genaue Formulierungen. Immer sollte implizite oder explizite Wortschatz- bzw. Wortfeldarbeit mit den Kindern stattfinden, da sich zwar viele Begriffe aus dem Zusammenhang erklären, aber oft noch einer intensiveren Festigung bedürfen. Ich staune immer wieder, welche scheinbar selbstverständlichen Wörter viele Kinder nicht kennen… Wortspeicher mit Text und Bild können hier gemeinsam erstellt werden; mit Hilfe eines Tablets kann man diese auch schnell zum Sprechen bringen (BookCretaor-Seite, QR-Codes…).

Aber nicht vergessen: Bilderbücher sollen Spaß machen! Also lieber nicht zu stark „sezieren“!

Bilderbuch-Beispiele:

Ich wär so gern ein wildes Schaf (hier erwähnt)

Die Torte ist weg (hier zu finden)

(Mein aktueller Favorit) Tief im Ozean (hier zu finden)

Wer weitere schöne Bilderbücher zur Sprachförderung kennt, darf gern einen Kommentar dalassen!

Herzliche Grüße
Katha

Bilderbücher im Unterricht – Teil 3 der Bilderbuchwoche

Diese Woche soll hier im Blog Bilderbuchwoche sein. Wie versprochen geht es heute weiter mit einem weiteren Weg, Bilderbücher in der Grundschule einzusetzen.

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Möglichkeit 3: Ausgangspunkt für Sachthemen (Fach SU, Fach Mathe)

Es gibt tolle Bücher, an die man sachkundliche oder mathematische Themen anschließen kann. Oftmals erleichtern sie Kindern den Zugang zu einem eher nüchternen Thema oder unterstützen das Verständnis durch gute Visualisierungen. Grundsätzlich geeignet sind hier Sachbilderbücher wie z.B. die „Wieso? Weshalb? Warum?“-Reihe, die einige Kinder auch von Zuhause kennen. Auch einige der eher für Kleinkinder gedachten Pappbilderbücher (teils mit Klappen darin) sind im Unterricht einsetzbar, da sie oft gute, klare Beschriftungen verwenden und so den Bereich der Fachwortschatzarbeit unterstützen. Gerade solche Sachbilderbücher können gut in selbstständigen Arbeitsphasen zur Recherche eingesetzt werden. Ein Beispiel: Viertklässler sollen die Teile einer Burg beschriften. Ich stelle verschiedene Sachbilderbücher zur Verfügung, in denen sie die passenden Begriffe finden können – am besten nutzen die Kinder dabei mehrere Bücher.

Es gibt aber auch „normale“ Bilderbücher, die sachliche Themen zum Inhalt haben und in eine Geschichte verpacken. Bekannte Beispiele sind Bücher wie „Linnea und die größte Bohne der Welt“ oder „Kasimir tischlert“. Sie können zum Einstieg in eine neue Einheit genutzt werden oder als Abschluss. Ersteres kann die Neugier der Kinder wecken und eine Anknüpfung an das Vorwissen erleichtern. Zweiteres bietet die Gelegenheit, Erlerntes in der Geschichte wiederzuerkennen und so zu vertiefen. Manchmal lohnt es auch, einen Vergleich der im Unterricht erarbeiteten Fakten mit der literarischen Darstellung anzustellen. In manchen Fällen kann ein Bilderbuch auch eine MINT-Unterrichtsreihe begleiten, wie es z.B. „Paulas Reisen“ beim Erarbeiten der ebenen Formen tun kann.

Bilderbuch-Beispiele:

Denk dir 100 Menschen (hier zu finden)

Agathe zählt die Sterne (hier vorgestellt)

Wer besser spinnt, gewinnt (hier vorgestellt)

Wer weitere schöne Bilderbücher zu Sachthemen kennt, darf gern einen Kommentar dalassen!

Herzliche Grüße
Katha

Bilderbücher im Unterricht – Teil 2 der Bilderbuchwoche

Diese Woche soll hier im Blog Bilderbuchwoche sein. Wie versprochen geht es heute weiter mit einem weiteren Weg, Bilderbücher in der Grundschule einzusetzen.

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Möglichkeit 2: Erzähl- oder Schreibanlass (Fach Deutsch)

Über das alltägliche Gespräch zum vorgelesenen Bilderbuch hinaus gehen solche Unterrichtssituationen, in denen das Buch an bestimmten Stellen unterbrochen und mit den Inhalten vertiefend gearbeitet wird. Da werden Dialoge für die Protagonisten geschrieben, Briefe verfasst, Figuren beschrieben und Geschichten nach- oder weitererzählt. Hier sind wir dann didaktisch betrachtet beim sog. „Handlungs- und produktionsprientierten Literaturunterricht“, den maßgeblich Kaspar Spinner geprägt hat, der sich aber auch bei Claus Claussen und anderen Fachleuten abbildet. Grundsätzlich geht es darum, dass die Kinder sich intensiver mit dem Inhalt auseinander setzen, wenn sie ihn nicht nur rezipieren sondern aktiv verarbeiten.

Die Lehrkraft bereitet im Buch passende Stoppstellen vor, an denen das Vorlesen unterbrochen wird. Genau genommen gehört dazu auch das Betrachten und Besprechen des Covers vor dem Lesen (Leseerwartungen? Assoziationen?) dazu. Geeignete Stellen sind oft die Stellen, in denen sich ein Problem oder eine Wendung andeutet – hier können dann Kinder z.B. Lösungsvorschläge für die Figuren des Buchs formulieren, mögliche Dialoge entwickeln etc. Auch das klassische „Wie geht es jetzt wohl weiter? Was passiert der Figur / den Figuren?“ ist mit gemeint. Wichtig ist, dass grundsätzlich eine Offenheit für jeden plausiblen Vorschlag herrscht, was ich mir als Lehrkraft immer wieder sagen muss, den Kindern aber meist leicht fällt.

Spannend sind die immer häufiger zu findenden textlosen Bilderbücher, die das Schreiben/Erzählen mit ihren Bildern geradezu herausfordern. Hier kann nach- oder weitererzählt werden oder bei Büchern mit Wimmelbildcharakter können bestimmte Figuren gewählt und deren Geschichte erzählt werden.

Eine sehr gute Möglichkeit, an diese Erzähl- oder Schreibprozesse anzuschließen sind Schreibkonferenzen, Autorenrunden bzw. allgemein gesprochen Feedback. Die Arbeit mit Audioaufnahmen bietet beim Erzählen die große Chance, dass alle Erzählungen gewürdigt und angehört werden können und dass die Kinder üben können, bis ihre Erzählung ihnen gefällt.

Bilderbuch-Beispiele:

> Drachenpost (hier vorgestellt) – Briefe schreiben

> Die Torte ist weg (hier zu finden) – die Wege der Tiere erzählen

Wer weitere schöne Bilderbücher mit tollen Schreib- und Erzählanlässen kennt, darf gern einen Kommentar dalassen!

Herzliche Grüße
Katha

Bilderbücher im Unterricht – Teil 1 der Bilderbuchwoche

Häufig stelle ich hier im Blog Bilderbücher vor, die ich rezensieren darf. In Unterrichtsbesuchen sehe ich immer wieder tolle Bilderbücher. Auf dem Weg vom ZfsL zum Parkplatz komme ich am Kinderbuchfenster meiner Lieblingsbuchhandlung vorbei. All dies führt dazu, dass sich der Bereich mit Bilderbüchern in meinem Regal irgendwie immer weiter ausdehnt.

Zum Glück habe ich für den Kauf neuer Bücher zwei gute Ausreden: meine Jungs bekommen jedes neue Buch vorgelesen und danach gibt es ja immer schöne Möglichkeiten, die Geschichten im Unterricht einzusetzen.

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Diese Woche soll hier im Blog Bilderbuchwoche sein. Heute geht es los mit …

Möglichkeit 1: einfach vorlesen (Einsatzbereich: Klassenlehrer*in)

Kinder hören gern Geschichten und die Bilder unterstützen sowohl das Verständnis des Inhalts als auch die Motivation, selbst zum Buch zu greifen. In Bilderbüchern finden die Kinder Figuren, mit denen sie sich identifizieren können, von denen sie Problemlösekompetenz lernen können, sich verstanden fühlen. Sie lernen vielfältige Bilderwelten kennen, da Illustrator*innen unterschiedliche Stile verwenden und sprachliche Vielfalt durch wechselnde Autor*innen.

Nur durch die Konfrontation mit verschiedenen Inhalten und Themen können die Kinder zu einer Urteils- und Auswahlfähigkeit gelangen, die wir ihnen wünschen, um passende Lektüre für sich auszuwählen. Nicht zu vergessen ist der Fakt, dass Kinder in Bilderbüchern auf Lebensbilder, Haltungen, Familienmodelle etc. treffen, die sie von zuhause her nicht kennen bzw. die ihnen zuhause bewusst vorenthalten werden.

Außerdem macht das Zuhören auch einfach mal Spaß, was nicht zu vernachlässigen ist vor lauter didaktischen Überlegungen! Wertvoll sind deshalb Rituale wie das Vorlesen zum Wochenabschluss oder in einer anderen festgelegten Stunde. Es lohnt sich, sich die Zeit zu nehmen: Kinder und Lehrkraft profitieren auf der Beziehungsebene davon und haben einen festen Moment, auf den sich alle jede Woche freuen können. Bestenfalls bringen vielleicht irgendwann dann auch die Kinder eigene (Bilder-)Bücher mit?

Eine Vorlesezeit lebt immer von der Vorleserin bzw. vom Vorleser. Manchen scheint es in die Wiege gelegt worden zu sein, dass man ihnen gern zuhört. Aber auch „Nichttalente“ können das Vorlesen trainieren. Zuhause immer wieder üben, sich Vorlesezeichen ins Buch schreiben und mit Stimme und Betonung arbeiten. Viele gute Tipps hat das KuMi Baden-Württemberg hier zusammengestellt.

Bilderbuch-Beispiele:

> Holgers Haus (hier vorgestellt)

> Mio war da (hier vorgestellt)

Wer weitere schöne Vorlese-Bilderbücher kennt, darf gern einen Kommentar dalassen!

Herzliche Grüße
Katha

P.S.: Wenn es um Bücher geht, darf natürlich ein Link zur Stiftung Lesen nicht fehlen! Hier fassen die Profis nochmal 10 Gründe fürs Vorlesen zusammen.

Rezension: „Holgers Haus“

Titel: „Holgers Haus“
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Verlag: Knesebeck (hier klicken)
Autorin: Jule Wellerdiek
Illustrationen: Jule Wellerdiek
ISBN: 978-3-95728-618-5

Zum Inhalt:
Holger (ein Fuchs) und Stein (ein Stein) wohnen gemeinsam in einem kleinen Häuschen. Die beiden Freunde machen alles gemeinsam: tanzen, spielen, essen, Glühbirnen wechseln …
Eines Tages passiert es aber, dass Stein beim Versuch, die Küche zu streichen, ein riesiges Chaos verursacht und Holger deshalb nicht in Ruhe seine sieben Lieblingsbücher lesen kann. Im Streit fasst er den Entschluss, das Haus auf den Fahrradanhänger zu laden und wegzufahren, um allein und in Ruhe leben zu können. Gedacht – getan.
Holger kann nun also endlich ohne Störungen alles tun, was er tun möchte. Bald merkt er aber, dass ihn das nicht glücklicher macht. Sicher könnt ihr euch denken, wie es dann weitergeht.

Meine Meinung:
Mit „Holgers Haus“ halte ich ein sehr charmantes Bilderbuch in der Hand, das das Thema Freundschaft sehr sensibel aufgreift. Wer hatte nicht schon das Gefühl, dass man ohne Freund oder Freundin, ohne Partner*in oder gar ohne die Kinder mehr Ruhe hätte und glücklicher wäre. Fuchs Holger probiert stellvertretend für uns alle aus, wie es sich denn allein lebt – und kommt nicht weit. Als die erste Aufregung verpufft, merkt er schnell, dass diese Person, die ihn gerade noch mit ihren Eigenheiten in den Wahnsinn treiben konnte, ihm doch viel bedeutet.
Ich mag Holger für diese Erkenntnis und ich mag auch Stein, der trotz seiner Steinigkeit sehr freundlich daher kommt. Jule Wellerdiekt hat die Figuren und die Geschichte mit einem ganz eigenen Malstil zum Leben erweckt und schenkt uns viele Kleinigkeiten, die es zu entdecken gilt. Sehr gut gefällt es mir auch, wie die Buchdeckelinnenseiten als Bildergalerie der Freunde gestaltet sind – so bekommt man einen ganz eigenen Eindruck vom Leben der zwei.

Leseempfehlung:
Zum Vorlesen empfiehlt der Verlag das Buch ab 3 Jahren – da gehe ich gerne mit und halte die Kindergartenzeit und auch noch die ersten Grundschuljahre für eine passende Altersgruppe.
Auch für die Schule kann ich mir „Holgers Haus“ gut vorstellen. Das Buch bietet einen tollen Gesprächsanlass darüber, was man an seinen Freund*innen schätzt, was einen vielleicht auch stört und warum Freundschaft dennoch wichtig ist.

Vielen Dank an den Knesebeck-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Die Freude springt aufs Trampolin“

Titel: „Die Freude springt aufs Trampolin. Unsere Gefühle für Kinder erklärt“
Verlag: Knesebeck (hier klicken)
Autorin: Tina Oziewicz
Illustratorin: Aleksandra Zajac
ISBN: 978-3-95728-525-6

Zum Inhalt:
Die Welt der Gefühle ist für Kinder manchmal etwas unübersichtlich. Außer „gut“ und „schlecht“ und manchmal noch „hungrig“ kommt bei der Frage „Wie fühlst du dich?“ oft nicht viel heraus. Okay, wütend/sauer und traurig gehören einigermaßen zum Standardrepertoire.
Tina Oziewicz hat die Palette deutlich weiter gespannt und nimmt eine sehr große Auswahl an Gefühlen mit je einer Doppelseite in ihr Buch auf. Zu jedem Gefühl gibt es einen Satz und eine Illustration, die die Eigenschaft des Gefühls mit einer Handlung oder einem Ort verknüpfen. Zwei Beispiele:

Meine Meinung:
Mich, meine Jungs, meine im Kindergarten arbeitende Schäwgerin und meine Nichten hat das Buch beim ersten Durchblättern total begeistert. Die Bilder und Kurztexte haben alle vier Kinder sofort zu Mutmaßungen und Erklärungen angeregt und wir haben alle ganz gemütlich zusammen gesessen und uns ins Buch vertieft.
Die Aussagen zu jedem Gefühl finde ich sehr „auf den Punkt“, und zwar so, dass sie zwar ein wenig auf die Meta-Ebene gehen, aber dennoch für die Kinder absolut greifbar sind. Die Illustrationen von Aleksandra Zajac ergänzen den Text nicht nur – sie gehören untrennbar zusammen und sind wirklich zauberhaft. Es bleibt zu hoffen, dass wir ihre Illustrationen noch in vielen weiteren Büchern sehen werden.

Leseempfehlung:
Für alle, die privat oder beruflich mit Kindern zu tun haben, ist „Die Freude springt aufs Trampolin“ eine Quelle von Gesprächsanlässen. Immer wieder können die Bilder hinzugezogen werden, wenn für das Kind gerade Neid, Heimweh o.a. aktuell sind. Der Hinweis, dass dieses Gefühl auch andere Teilen und wie es denen in solch einer Situation geht, entlastet Kinder unheimlich, denke ich.
Wer in der Grundschule als Klassenleitung aktiv ist, kann sich dieses Buch gut ans Pult stellen und im Bedarfsfall hervorholen. Von mir heute wirklich mal wieder eine uneingeschränkte Empfehlung!

Vielen Dank an den Knesebeck-Verlag für das Rezensionsexemplar! Ihr seid ein echter Lieblingsverlag geworden!

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Ach, du dicker Weihnachtsmann“

Titel: „Ach, du dicker Weihnachtsmann“
Verlag: Ullmann (hier klicken)
Autorin: Ursel Scheffler
Illustrationen: Jutta Timm
ISBN: 978-3-74152536-0

Zum Inhalt:
Nach dem Weihnachtsfest hat der Weihnachtsmann sich erstmal eine Pause verdient. Nach einem laaangen Schläfchen und dem Auffüllen der Vorräte muss er jedoch aus der Presse erfahren, dass man ihn abschaffen möchte – er sein körperlich kein gutes Vorbild, verführe zu Süßigkeitenkonsum und schenke nutzloses Zeug. Man kann den Schock des alten Herrn nachvollziehen. So beschließt er, ein moderner, frischer Weihnachtsmann zu werden. Er rasiert sich und speckt eine ganze Menge ab. Außerdem bereitete er eine ganze Menge gesunder, praktischer und nützlicher Geschenke vor fürs nächste Weihnachtsfest.
Das allerdings passt den vorher so kritischen Reportern auch wieder nicht, wie er feststellen muss.

Meine Meinung:
Die Geschichte des Weihnachtsmanns wird von Ursel Scheffler liebevoll und mit vielen Details erzählt. Kleine Zuhörer und -schauer finden in den Illustrationen eine Menge Feinheiten auch aus der eigenen Lebenswelt wieder. Man kann dem Weihnachtsmann beim Umkrempeln seiner Gewohnheiten übers Jahr zuschauen und mitfiebern, ob er sein Ziel wohl erreicht.
Inhaltlich finde ich es sehr wichtig, dass das Abnehmen und Umstellen auf gesunde, nützliche Geschenke nicht unaufgelöst stehenbleibt, da das eine arg falsche Botschaft an die Kinder senden würde. Dass der Weihnachtsmann sich schlanker wohler und fitter fühlt, ist keine schlechte Mitteilung; aber dass er auf Druck von außen Veränderungen anstrebt – naja… Ein wenig wird das aufgelockert dadurch, dass ja die selben Menschen, denen er letztes Jahr zu dick und zu träge war, nun einen runden, stattlichen Santa sehen wollen statt des neuen Typs.
Ob der Weihnachtsmann nach diesem aufrüttelnden Erlebnis seine Geschenkepläne nochmal ändert, wird nur angedeutet, aber nicht ganz klar.

Die Illustrationen führten dazu, dass die Geschichte bei meinen Testern zuhause sehr gut ankam. Der Weihnachtsmann ist sehr sympathisch gezeichnet und es gibt auf den Bildern viel zu entdecken, das man auch zuhause oder in der Umgebung findet. Die meisten Bilder sind ganzseitig und wirklich ansprechend. Jutta Timm setzt eher auf pastellige Töne und trägt so dem friedlichen, ruhigen Aspekt der Weihnachstzeit gekonnt Rechnung.

Leseempfehlung:
Ein schönes Vorlesebuch in der Adventszeit für Kindergarten- und jüngere Grundschulkinder. In der Schule bin ich seit ein paar Jahren dazu übergegangen, mehrere kleine Geschichten statt einer Fortsetzungsgeschichte vorzuesen im Rahmen unseres Adventskalenders (da die meisten davon ja auf 24 Vorlesetage angesetzt sind, die man in der Schule nie hat). In diesem Rahmen kann ich mir „Ach, du dicker Weihnachtsmann“ auch gut für ein bis zwei Tage vorstellen. Zudem ergibt sich ein schöner Gesprächsanlass über die Freude am Schenken, die in der Adventszeit ja auch viele Kinder beschäftigt.

Vielen Dank an Ullmann Medien für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Wer besser spinnt, gewinnt“ mit Verlosung

2020-04-02 12.56.35Titel: „Wer besser spinnt, gewinnt.
Verblüffende Rekorde im Tierreich“

Verlag: Knesebeck (hier klicken)
Autor: Iris Schürmann-Mock
Illustrationen: Mareike Engelke

ISBN: 978-3-95728-327-6

Zum Inhalt:
Rekorde des Tierreichs sind ja kein für Kinder ganz neues Thema – diese Verpackung aber ist es auf jeden Fall: die Rekordhalter*innen werden in lyrischen Kleinformen vorgestellt! Die Autorin reimt ihre Texte in kurzen und längeren Gedichten. Sie nutzt dabei aber auch besondere Gedichtformen wie hier am Beispiel des Pfaus zu sehen. Inhaltlich geht es um lauter „Kleinigkeiten“, die Kinder interessieren: die längste Zunge, das kleinste Vogelei oder die meisten Beine – wer die wohl hat?

Meine Meinung:
Rekorde sind ja für alle Kinder ein sehr faszinierendes Phänomen – wer ist der/die/das Schnellst, Größte, Höchste … Tierrekorde, so habe ich es bislang immer wieder wahrgenommen, faszinieren dabei besonders. Vielleicht liegt das daran, dass die Tiere, anders als Menschen, keine Konkurrenzsituation für die Kinder herstellen und sie sich ganz auf die natürliche Faszination der Tiere einlassen können.
Natürlich kann dieses Buch nicht als Nachschlagewerk dienen, wenn die Kinder gerade mal wieder spontan wissen wollen, wie ein Möwenei aussieht, oder ob Elefanten ein Auto tragen könnten… Aber wer die Lust am Nachfragen, Erforschen und Sichwundern wecken oder stärken möchte, der ist mit diesem Buch gut bedient. Meine Jungs (5 und 8 Jahre alt) haben beide diese tierischen Rekorde bestaunt – jeder auf seine Weise: der Große hat versucht, sein bisheriges Wissen zu vernetzen und das Gehörte weiterzudenken; der Kleine weniger Große staunte offen und musste seine im Kopf gespeicherten Weltbilder noch ein bisschen auf den Prüfstand stellen.
Was ich bislang an allen Büchern von Knesebeck sehr mochte, ist die Gestaltung. Das große, teils quadratische Format und die besonderen Farben harmonieren für mich sehr gut miteinander. Die Illustratoren haben eine ganz eigene Farbpalette mit ehr gedeckten und doch sehr kräftigen Farben. In diesem Buch wird der positive Eindruck noch ergänzt durch die tollen Tierzeichnungen von Mareike Engelke – sehr realistisch und doch kunstvoll nimmt sie uns mit in die Lebensräume ihrer Protagonisten.

Leseempfehlung:
Ab 4 Jahren wird das Buch vom Verlag empfohlen. Für Neugierige ist es sicher lange sehr interessant, da die Bilder mit den Gedichten zusammen sehr herausfordernd wirken, sich z. B. im Internet weiter über das Tier zu informieren. Da Tiere und Rekorde ja nun definitiv für Kinder anziehende Themen sind, dürften viele Freude daran haben.
Ob es sich für einen Einsatz in der Schule eignet, versuche ich ja hier auch immer zu überlegen. Dieses Mal gibt es ein klares Jein… Als etwas anderes Vorlesebuch kann ich mir „Wer besser spinnt, gewinnt“ vorstellen oder als Ausgangspunkt zum Reimen eigener Tiergedicht oder vielleicht als Begleiter bei einer Sachunterrichtsreihe über Tiere.

Vielen Dank an den Knesebeck-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Da momentan zur Zeit geschlossener Schulen & Kitas und von Kontaktverboten jeder ein bisschen frischen Lesestoff gebrauchen kann, möchte ich mal wieder eine Verlosung wagen. Dazu sollt ihr mal wieder dichten. Alle Infos und die Vorgehensweise habe ich dieses Mal in ein Etherpad gesteckt, das ihr hier findet: https://zumpad.zum.de/Tierrekorde_Buchverlosung
Dieses Mal kann man also nicht mit einem Kommentar gewinnen, sondern nur dort. (Kommentieren dürft ihr natürlich trotzdem auch!)

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Fips will keine Schildkröte mehr sein“

Fips (1)Titel: „Fips will keine Schildkröte mehr sein“
Verlag: KaleaBook (hier klicken)
Autorin: Simone Gruber
Illustrationen: Jacqueline Kauer
ISBN: 978-3-906234-09-0

 

Zum Inhalt:
Fips ist eine Schildkröte und findet es langsam ziemlich langweilig: immer nur in der Sonne liegen und dann auch noch den schweren Panzer mitschleppen…
Zum Glück trifft Fips aber den munteren Hasen, der einem Tausch nicht abgeneigt ist. So tauschen die beiden Fell gegen Panzer und erleben nun, wie es in der Haut des jeweils anderen so ist. Schnell merkt Fips, dass das Hasensein als „Fellkröte“ sehr gefährlich ist und tauscht noch einmal, später dann noch mit einem dritten Tier. Jedes Mal aber merkt die kleine Schildkröte, dass alle mit ihren Problemchen zu kämpfen haben – leichte Beute zu sein bzw. gejagt zu werden ist auf die Dauer echt anstrengend.

Letztendlich finden die vier Tiere der Geschichte aber eine Lösung, mit der sie alle zufrieden sind.

Im Buch findet man am Ende einen Anzieh-Fips, also eine stabile Pappseite mit einer Ausschneideschildkröte und diversen Outfits, die diese in alter Anziehpuppenmanier passen. Weitere Vorlagen gibt es online zum Download, so dass auch Geschwisterkinder oder alle Kinder einer Gruppe/Klasse eine eigene Puppe haben können.
Fips (2)

Meine Meinung:
Die Geschichte von Fips beginnt mit einem Thema, das vielen Kindern sehr nah ist: Aspekte des eigenen Lebens oder der eigenen Persönlichkeit stören mich und ich bin unzufrieden oder sogar traurig. Ich wünsche mir, jemand anderes zu sein, mehr zu dürfen/können, anders auszusehen etc.
Die meisten Menschen, auch und vor allem Kinder, können mit Fips mitfühlen und die kleine Schildkröte auf ihrem Weg begleiten. Fips kann etwas, dass wir nicht können: er schlüpft in eine andere Haut. Er merkt aber auch, dass das Gras drüben vielleicht doch nicht immer grüner ist. Hier wird viel Wertearbeit betrieben, ohne den mahnenden Zeigefinger zu heben. Das macht das Buch für mich sehr liebenswert und zu einem unverzichtbaren Bestandteil unseres Familienbücherregals. Ein Lebensmotto kann man, wenn man will, mitnehmen:
Fips (4)

Was mir und meinen Kindern (4, 8) neben der lustig erzählten Geschichte sehr gut gefallen hat, sind die Illustrationen von Fips und den anderen Tieren und die Hintergründe, die einige kleine Überraschungen zum Entdecken anbieten. Toll finde ich es auch, dass je nach Situation mit der Schriftgröße, -art und -farbe gearbeitet wird. Die Aussagen der Tiere sind in einer für sie passenden Farbe gedruckt, Lautmalereien werden so hervorgehoben.

Aus der fachlichen Ecke der Deutschdidaktikerin möchte ich noch hervorheben, dass „Fips will keine Schildkröte mehr sein“ sehr repetitiv aufgebaut ist. Jede Begegnung läuft nach dem gleichen sprachlichen Muster ab, so dass die Zuhörer schnell auch schon Teile mitsprechen können. Im Sinne des sprachsensiblen Unterrichts sind Bilderbücher mit solchen aus dem Fremdsprachenunterricht bekannten „repititive structures“ meine Favoriten.

Leseempfehlung:
Als Vorlesebuch ist Fips‘ Geschichte ab etwa drei Jahren geeignet; die Anziehpuppe unterstützt hier handelnd das Verständnis der Geschichte. Tiefergehende Gespräche über die eigene Persönlichkeit, Wünsche und Nöte kann man ausgehend von diesem Bilderbuch sicher bis ins Jugendalter noch führen – die Zielgruppe liegt aber m.E. bei Vor- und Grundschulkindern.

In der Grundschule kann ich mir Fips deshalb auch hervorragend vorstellen: In Ethik oder Religion, in Klassenstunden etc. wäre das Gespräch über die eigenen Fähigkeiten, was man gern mal wäre/könnte und warum man doch gern man selbst ist, gut mit der gelangweilten kleinen Shcildkröte anzustoßen.
Im Fach Deutsch fände ich es einen ganz tollen Schreibanlass, Fips noch ein anderes Tier treffen zu lassen, so dass sich ein neuer Name für die Schildkröte, Fellkröte, … ergibt und welche Nöte Fips dann wohl erleben könnte. Ein ganzes Klassen-Geschichten-Buch kann so entstehen, an dessen Ende dann wieder die Lösung des Problems aus dem Buch stehen würde.

Vielen Dank an den schweizerischen Kalea-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha