Grrrrrr – Grammatik in der Grundschule

Der erste Durchgang meines Fachseminars Deutsch am ZfsL nötigt es mir ab, dass ich mich in die anstehenden Themen nochmal intensiv einlese und meine gesammelten Materialien sichte, kritisch hinterfrage und bewerte. Dieses Mal war „Grammatik“ dran. [„Dieses Mal“ schreib ich im Spätsommer, als ich den Beitrag begann. Nun ist schon wieder Frühjahr und so langsam ist er fertig zur Veröffentlichung. Manchmal bleibt hier echt was liegen…]
Und da ich nun gerade eh ein paar Dinge beisammen und gedanklich sortiert habe, schreibe ich sie hier für alle Interessierten einfach auch nieder. Es folgt also ein kleiner Abriss zu den wichtigsten grammatischen Inhalten der ersten vier Lernjahre inklusive einiger Links und ein bisschen Material zum Thema.

Klasse 1: Thema Artikel
Während man im Anfangsunterricht ja sehr auf den Schriftspracherwerb fixiert ist, lassen sich kleine Portionen Grammatik leicht einstreuen. Ein Aspekt ist das Zuordnen von Artikeln, das besonders Kindern mit anderen Muttersprachen schwer fallen kann, da diese teils andere oder keine Artikel enthalten.
Hier habe ich schonmal eine Übung beschrieben, mit der die Kleinen in die drei Markierungsfarben für Artikel eingeführt werden und deren Ergebnis dann so aussehen kann:
Bild1

Klasse 1: Thema Pluralbildung
Auch Einzahl und Mehrzahl kann man spielerisch immer wieder üben – je mehr Plurale die Kinder kennen, umso besser können sie später mit den Rechtschreibstrategien arbeiten (denn bei Verlängern/Weiterschwingen und beim Ableiten kommt es ja auch oft auf den Plural an). Hier ein Spielvorschlag:
Alle stellen sich hinter ihren Stuhl. Ich sage ein Nomen in der Einzahl und ein Kind sagt die passende Mehrzahl dazu. Dann überlegt sich selbiges Kind ein Einzahl-Nomen und nimmt das nächste Kind dran. Wer damit fertig ist, darf sich setzen. Das letzte Kind nimmt mich für die Mehrzahl dran, da ich die letzte bin, die noch steht.

Für die 2. Klasse kann man z. B. das Schwarzer Peter EZ MZ zu Einzahl und Mehrzahl (mit den Bildern von Frau Locke) einsetzen oder entsprechendes Steckleistenmaterial der ABC-Katze.

Klasse 2: Thema Nomen
In der 2. Klasse stehen die Wortarten ganz oben auf der Grammatik-To-do-Liste. Meist geht es mit den Nomen los. Mein Vorschlag, auch wenn er gar nicht neu ist: Nehmt Klebezettel oder Klebeband und beschriftet alles in euren Klasseraum, was man beschriften kann. Am besten kommen dann noch die Artikel dazu und schon habt ihr für die nächsten Wochen einen tollen Wortspeicher für Nomen.
Wortspeicher sind gerade für Nomen auch bei thematischen Einheiten sehr gut umzusetzen; hier ein Beispiel aus der Piraten-Einheit, die ich früher mal aufgeschrieben habe:
IMG_0960

Mit Nomen kann man, wegen ihrer leichten Verknüpfung mit Bildern, auch immer wieder schöne Spiele spielen wie dieses Bingo aus unserer Tiere-Einheit:
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Um Nomen verständlicher zu machen, geht es immer auch darum, Nomen zu kategorisieren. Zuerst oft in Menschen, Tiere, Dinge, Pflanzen etc., später auch in abstrakte und konkrete Nomen oder in verschiedene abstrakte Kategorien. Hierbei schulen die Kinder auch die überfachliche Kompetenz, Gemeinsamkeiten zu erkennen und Dinge zu ordnen.

Klasse 2: Thema Verben
Wie oben schon erwähnt, sind Nomen ja so schön leicht mit Bildern zu illustrieren, dass sie m. E. nach ziemlich viel Raum im Unterricht einnehmen. Bei Verben ist das anders, obwohl gerade hier auch oft ein sehr beschränkter Wortschatz bei Kindern zu beobachten ist. Sie machen dies und tun das und legen hier…
Unter anderem deswegen finde ich es wichtig, besonders auch auf Tätigkeitsworte mal den Fokus zu legen. Hier habe ich schonmal eine Einheit mit Verben rund um den Körper für die 1. Klasse ausgeführt – analog lassen sich auch Ideen für andere Wortfelder ausarbeiten.
Verben-Pantomime ist immer wieder ein Renner (also Verb ziehen, wortlos vorspielen, andere SuS raten lassen). Dafür kann ein gemeinsamer Wortschatz geschaffen werden. Wer keine passenden  Bilder für einen Verben-Wortspeicher findet, der kann die Handlungen ja mit den Kindern nachstellen und Fotos machen – die werden dann der Wortspeicher.

Auf grammatischer Ebene geht es bei den Verben in der 2. Klasse vor allem um das Konjugieren – mindestens die er-Form und die wir-Form bzw. Grundform lernen die Kinder zu bilden. Besonders ans Herz legen möchte ich euch dafür das tolle Tafelmaterial von Frau Locke. Hier wird das Wortstammprinzip wunderbar deutlich, das zu kennen es sich beim Thema Verben ja lohnt. Sehr schön erkennt man, dass rechtschriftliche Besonderheiten sich vom Wortstamm in die Verbformen durchziehen.

Klasse 2: Thema Adjektive
Die Adjektive sind meiner Beobachtung nach für die Kinder die am schwierigsten zu greifende Wortart. Oft vermischen sich ihre Vorstellungen von Verben und Adjektiven und die Hilfsfrage „wie etwas ist“ führt auch nicht immer zu Klarheit.
Ich steige gerne mit dem Bilderbuch „Ich wär so gern ein wildes Schaf“ in das Thema Adjektive ein, in dem die Tiere gern mal so ganz anders wären als sie es sind. Über das Kontrastieren der Eigenschaften brav-wild oder stachelig-kuschelig kommen wir schnell darauf, dass hier Adjektive im Spiel sind. Dann beschreiben wir uns gegenseitig mit möglichst vielen Adjektiven und (analog zum Buch) uns selbst mit einer Eigenschaft, die wir gern hätten. Hier ist Vorsicht geboten, damit es nicht heißt „Ich will Fußball spielen können“ sondern „Ich wäre gern sportlich“. Entsprechende Satzanfänge kann man ggf. vorgeben.

Für meine Förderkinder habe ich u.a. eine Übung angeboten, bei der Dinge (Bilder) mit vorgegebenen Adjektiven beschrieben werden sollten. Das Legematerial findest du hier zum Erweitern und Anpassen: Adj. zuordnen Fördermaterial.

Das mit meinen Klassen schönste an den Adjektiven war immer das Angeben. Mit Hilfe der Komparative kann man ja so richtig schön angeben. Oft haben wir dann zusammen (mündlich) angegeben nach dem Motto „Alex ist hübsch, Tina ist hübscher, aber ICH bin am hübschesten!“ oder „Hannes‘ Hund ist schnell, Tims Katze ist schneller, aber mein Leopard ist am schnellsten!“. In manchen Lerngruppen sollte man vor solch einer Übung aber wohl besser betonen, dass es hier nicht um die Wahrheit gehen muss…

Klasse 2: Thema Wortarten unterscheiden
Wenn dann alle drei Wortarten eingeführt sind, sollten Übungen folgen, die das Unterscheiden im Blick haben. Klassisch können Wörter in Tabellen geschrieben werden (ist sicher auch in eurem Arbeitsheft drin…), handelnd können sie sortiert werden (wie oben bei der Artikel-Übung) etc.
Für meine fitteren Kinder habe ich in der 2. Klasse dann im Wochenplan eine  Variante von Stadt-Land-Fluss angeboten. Sie konnten sich einen Buchstaben erdrehen (ich habe aus den urpsrünglichen Spielen aus dem Aldi die Drehscheiben mit dem ABC – sehr cool) oder abzählen und dann dazu ein Nomen, ein Verb und ein Adjektiv suchen. Anspruchsvoll… Hier die Vorlage: Stadt-Land-Fluss mit Nomen.
Wer das Ritual „Satz des Tages“ nutzt, kann hier wunderbar auch jedes Mal die vorkommenden Wortarten bestimmen lassen. So schleift sich diese Unterscheidung nach und nach hoffentlich ein.

Klasse 3/4: Thema Zeitformen des Verbs
Bei den Klassen 3 und 4 habe ich keine weitere Unterscheidung vorgenommen, da die Themen ja spiralcurricular immer wieder aufgenommen und erweitert werden. Beginnen wir bei den Zeiten mit Präteritum, so kommen später analog Perfekt und Futur hinzu. Die Satzglieder Subjekt und Prädikat werden im Laufe der Zeit durch weitere ergänzt.
Die oben schon erwähnte Frau Locke hat zu ihrem Tafelmaterial inzwischen auch Varianten für die Zeitformen veröffentlicht (Danke dafür!), das ihr auf ihrem Blog findet. Wichtig ist auch hier wieder, die Verwandtschaft der Wörter zu betonen und somit die richtige Schreibung zu erklären.
Dummerweise verändern sich ja aber bei den sog. starken Verben die Wortstämme häufig, so dass das Wortstammprinzip hier nicht mehr immer greift. Wählt also euer Wortmaterial mit Bedacht und schaut auch euer Übungsmaterial mal durch, ob die Begriffe und die Zeitformen allen bekannt sein können.

Übungsformen sind neben dem sehr formellen Füllen von Tabellen das „Übersetzen“ von Texten in eine andere Zeitformen (gern im Zusammenspiel mit historischen Themen). Außerdem gehört es hier ganz klar dazu, dass Texte in einer vorgegebenen Zeitform selbst verfasst werden. Erlebniserzählungen und Berichte bieten sich für das Präteritum an (evtl. im Hinblick auf eine Klassenabschlusszeitung in der 4), Zukunftswünsche und -pläne für das Futur. Das Perfekt gilt es eher im Hinblick auf Satzglieder zu thematisieren, das es 1. ja den Kontrast von gesprochener und geschriebener Sprache symbolisiert und 2. die Verbklammer bzw. das geteilte Prädikat hervorruft.

Klasse 3/4: Thema Satzglieder
Rund um die Satzglieder verweise ich auf frühere Einträge im Blog:
Ein schnelles Schreibspiel
Satzglieder würfeln und andere Schreibspiele
Satzglieder erkennen
Mit Blick auf das Ziel, die Arbeit mit digitalen Medien auf alle Fächer zu verteilen, kommt hier noch die Idee, Satzgliederarbeit mal in ein Textverarbeitungsprogramm zu verlagern. Anstelle des Umstellens von Satzgliedern auf Papierzetteln oder durch Aufschreiben, kann man ja auch mal so vorgehen:
In einem vorgegebenen Satz die Satzglieder markieren, Satz kopieren und einfügen, Satzglieder umstellen. Diese Dateivorlage könnt ihr gern nutzen: Satzglieder-Übung am PC und wenn ihr mögt mein Erklärvideo dazu: https://youtu.be/G-ixJHf_vIQ*.

Alle Klassen: Grammatik mit Gedichten und Wortspielen
Das Stichwort „generatives Schreiben“ umfasst den Ansatz, mit Hilfe von Gedichten und anderen Paralleltexten Sprachbetrachtung zu betreiben. Lest euch bei Interesse mal ein…
Hier findet ihr ein schönes Beispiel dafür: DEMEK – Deutsch lernen in mehrsprachigen Klassen von der Bezirksregierung Köln. Das Beispiel auf S. 15 mit dem Gedicht „Der Frosch ist krank“ finde ich sehr empfehlenswert.
Vorschläge, die ich im Seminar eingesetzt habe, bekommt ihr hier noch dazu: Grammatik mit Wortspielen und Grammatik mit Gedichten.

Klasse 3/4: Schlusswort
Grundsätzlich müssen grammatische Themen immer ein gewisses Maß an formellem Übern enthalten – aber bitte nicht nur dieses! Nutzt Themen und Inhalte, um mit der Sprache zu jonglieren.
Nehmt zum Beispiel für eine Umstellübung mehrere Sätze zum gleichen (zur Zeit aktuellen) Thema. Spielt (mündliche) Spiele. Nutzt Gedichte, die ihr umschreiben lasst und übt so implizit die richtigen Nomen- oder Verbformen. Redet darüber, warum sich Wörter verändern, welche Wörter mit anderen verwandt sind und wie man diese Verwandtschaft nutzen kann.
Wenn es sich anbietet, vergleicht mal zwischen den Sprachen. Pluralbildung im Deutschen (Hilfe!!!) mit dem meist einfachen Plural-s in eurem Englischunterricht. Oder Artikel im Türkischen, Russischen, …

Ich weiß selbst, dass das alles ziemlich viel ist. Aber oft, das seht ihr oben, sind es eher kleine Übungen, die man immer mal wieder in den Unterricht einstreuen kann und die Grammatik beinhalten, ohne dass groß Grammatik dransteht!

Beste Grüße
Katha

*Das Video habe ich mit oCam aufgezeichnet und als „nicht gelistet“ in meinem YouTube-Account hochgeladen – so kommt nur heran, wer den genauen Link hat. Man kann so ein Video auch in ein Word-Dokument einbinden und dann quasi direkt dort sehen und pausieren, während man arbeitet.

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