Rezension: „Nächste Woche, gleiche Zeit?“

Titel: „Nächste Woche, gleiche Zeit?“
Verlag: NordSüd (hier klicken)
Autorin: Marlene Droop
Illustrationen: Marlene Droop
ISBN: 978-3-314-10751-1

Zum Inhalt:
Giraffe, Krokodil, Schaf und Schildkröte machen einen Ausflug im Bulli von Schildkröte. Sie haben sich vorgenommen, die Sterne zu beobachten. Dafür müssen sie allerdings weit vor die Stadt fahren, da man in der Stadt einfach keine Sterne sehen kann. Das Wetter und weitere Gegebenheiten machen ihnen jedoch einen Strich durch die Rechnung. Ohne großes Drama verabreden die vier dann einen neuen Anlauf in der nächsten Woche.
Die durchgängig vollflächig illustrierten Seiten Windenergie einfach und in gedeckten Farben gehalten. Details gibt es nur bei den Tieren im Bulli und in den anderen zu sehenden Fahrzeugen – die Häuser und Straßen der Stadt oder auch die Landschaft unterwegs bleiben schlicht (der Verlag beschreibt dies als „kantig“).

Meine Meinung:
Was für eine herzerwärmende, ruhige und gelassene Geschichte hat Marlene Droop da erfunden! Die tierischen Freunde machen völlig entspannt und unaufgeregt einen Ausflug, der leider nicht zum erwünschten Erfolg führt. Am Ende stellen sie fest, dass die Sonne bereits aufgeht und fahren wieder heim – spannendere Höhepunkte gibt es nicht. In dieser Ruhe liegt für mich aber kein Nachteil, sondern die ganz spezielle Kraft der Geschichte. In den Bildern gibt es verschiedene fortlaufende Geschichten zu entdecken – so kann man zum Beispiel mitzählen, wie viele Gläser 🍒 Kirschmarmelade Schildkröte während der Fahrt weglöffelt. Durch die Schlichtheit der Illustrationen allgemein wird der Blick gerade auf diese Kleinigkeiten gelenkt.
Meinem „Kleinen“ und mir hat das Lesen viel Spaß gemacht.

Leseempfehlung:
Allen Tierfreund:innen, allen Eltern und Pädagog:innen kann ich „Nächste Woche, gleiche Zeit?“ wärmstens empfehlen. Es ist ein schönes Beispiel dafür, wie das Leben manchmal Pläne durchkreuzt und dass das nicht immer tragisch ist. Die Freunde bieten ein wunderbares Vorbild dafür, wie man mit Enttäuschungen umgehen und das Gute in vermeintlich Negativem sehen kann.

Vielen Dank an den Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Der beste Garten der Welt“

Titel: „Der beste Garten der Welt“
Verlag: Südpol (hier klicken)
Autorin: Alice Courtley
Illustrationen: Alice Courtley
Übersetzung: Lina Robertz
ISBN: 978-3-96594-371-1

Zum Inhalt:
Eichhörnchen Steve zieht aus dem Stadtpark in den Wald, um dort wie ein wildes Eichhörnchen zu leben. Sein Plan: den besten Garten der ganzen Welt anzulegen und darin mit Freunden Zeit zu verbringen.
Die Waldtiere helfen ihrem neuen Mitbewohner auch fleißig dabei, diesen Plan in die Tat umzusetzen und es entshet der beste Garten mitten im Wald – da sind sich die Tiere einig (wenn sie auch nur diesen Garten kennen). ABER: die Waldtiere haben deutlich andere Vorstellungen davon, wie man diesen Ort nutzen kann, als Steve. Das führt dazu, dass Steve in seinem Garten so ziemlich alles verbietet, was den anderen Spaß macht (siehe rechtes Bild). Dummerweise besucht ihn nun allerding niemand mehr. Also muss ein neuer Plan her!

Meine Meinung:
Steve ist energiegeladen, sympathisch, voller Lebensfreude und Lust am Gärtnern – und ein wenig naiv. Das macht ihn unheimlich liebenswert. Genauso wie die Waldbewohner:innen, die als etwas unerfahren, aber nie doof dargestellt werden. Beide Seiten stellen fest, dass ein „perfekter Garten“ für sie sehr verschiedene Bedeutung hat, weil sie die (gezähmte) Natur ganz unterschiedlich nutzen möchten. Diese verschiedenen Vorstellungen sind ihnen jedoch zuerst gar nicht bewusst – ein schönes Bild dafür, wie viele Missverständnisse entstehen bzw. wie leicht man manchmal jemanden vor den Kopf stößt.
Erfreulicherweise zieht Steve die richtigen Schlüsse daraus, dass er in seinem Verbote-Garten allein bleibt und findet wieder mit den Waldtieren zusammen. Er verändert seine Sichtweise und erkennt die Bedürfnisse der Anderen. Diesen Wandel, dieses Eingestehenkönnen, mag ich besonders an Steve und der Geschichte. Das Eichhörnchen bietet somit eine tolle Projektionsfläche für eigene Gefühle und das eigene Verhalten im Umgang mit anderen Personen. Die plakative Handlung ermöglicht es Kindern hervorragend, sich in Steve und die Waldtiere hineinzuversetzen und ihre Perspektive verstehen zu lernen. Dass hier Tiere handeln, erleichtert diesen Prozess zusätzlich, da sie genügend Distanz bieten, um nicht perönlich betroffen zu sein.
Ein ganz starkes Bilderbuch!

Leseempfehlung:
„Der beste Garten der Welt“ ist eines der Bilderbücher, die ich uneingeschränkt allen Eltern, Erziehr:innen und Lehrkräften empfehlen kann! Bis weit ins Grundschulalter hinein trägt diese Geschichte meiner Meinung nach. Beim (Vor-)Lesen ist Steves Story erstmal amüsant, lustig, nett. Schnell bieten sich jedoch Gesprächsanlässe über das Verhalten der Tiere: Findest du das in Ordnung? Wie würdest du an dieser Stelle handeln? Was könnte Steve anders machen? Wie könnten die Tiere Freunde sein? – All diese Fragen ermöglichen es, über Perspektiven zu sprechen, über das Miteinander und darüber, dass Reden wirklich hilfreich ist, bevor man traurig, wütend oder einsam wird. Und das alles ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder didaktisierte Storyline! 😉

Vielen Dank an den Südpol-Verlag für das druckfrische und so liebevoll verpackte Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Läuft bei uns!“

Titel: „Läuft bei uns! Ein pädagogisch-psychologischer Wegweiser für ein neues Miteinander in der Schule“
Verlag: Vandenhoeck und Ruprecht (hier klicken)
Autoren: Sven Donner, Lars Bednorz
ISBN: 978-3-525-46303-1

Zum Inhalt:
Diplom-Psychologe Sven Donner und Gymnasialzweigleiter Dr. Lars Bednorz beleuchten das Thema „Miteinander in der Schule“ aus zwei sich ergänzenden Perspektiven, nämlich der Lehrkraft und des Therapeuten. Beide haben also mit Schüler:innen und Eltern zu tun, wenn auch auf andere Art und Weise. Ihr Buch basiert auf der Annahme, dass „schulische Strukturen Gestaltungsräume darstellen“ (S. 12, Hervorhebung d. d. Autoren) – eine Sichtweise, die im oft sehr starr und geregelt wahrgenommenen Schulsystem nicht selbstverständlich ist.
In elf Kapiteln widmen sich die beiden Autoren verschiedenen aspekten schulischer Zusammenarbeit zwischen Lernenden, deren Eltern und Lehrkräften – diese reichen von Elternsprechtagen über Konflikte, Mobbing und Hilfsangbote bis hin zur Digitalisierung. In jedem Kapitel gibt es eine psychologische sowie eine praktische Einordnung, gefolgt von konkreten Handlungsanlässen, den sog. Kommunikations- und Interaktionsimpulsen.

Meine Meinung:
Der Titel verspricht viel, das Buch kann dieses Versprechen aber in meinen Augen nicht vollumfänglich einlösen. Bei einem „Wegweiser“ hätte ich mir noch klarere Optionen gewünscht, wie genau Schule systemisch und vielleicht systematisch anders aufgestellt werden kann. Vielleicht liegt dieses Gefühl meinerseits aber auch daran, dass ich a) aus einer anderen Schulform komme und b) das Thema Haltung mich schon lange beschäftigt und ich deshalb wenig Neues aus dem Buch ziehen konnte.
Haltung, das ist jedoch das positive Stichwort. Die Haltung der Autoren wird sehr klar: sie wollen vom Übereinander- zum Miteinandersprechen kommen und dem durch Zwang gekennzeichnete System Schule zu mehr Augenhöhe verhelfen. In all ihren Ausführungen und Beispielen geht es schlussendlich darum, wie man alle Beteiligten anhören und Einfluss nehmen lassen kann. Es geht darum, gegenseitige Vorurteile ab- und Netzwerke aufzubauen. Es geht darum, das Wohlbefinden dem Funktionieren voranzustellen – und da gehe ich absolut mit. Und nein, es geht mir genauso wie den Autoren nicht darum, jegliche Hindernisse aus dem Weg zu räumen! Nur soll es eben mehr Anerkennung dafür geben, dass Schule ein Lebensraum für Kinder und Jugendliche ist, die sich dort nicht immer wohlfühlen können und/oder Unterstützungsbedarf verschiedenster Arten mitbringen.
Ein kleiner Bonus: Besonders gefreut habe ich mich über die klare Abgrenzung von Ärgern zu Mobbing (S. 96), da heutzutage fast schon reflexhaft „Mobbing!“ gerufen wird, wenn Kinder andere Kinder beleidgen, nerven o.ä.!

Leseempfehlung:
Alle, die sich mit Schulentwicklung interessieren und dabei auch die psychologische Perspektive interessiert, finden hier soliden Lesestoff, der Anregungen zur Kommunikation bietet. Konkrete Spiele und Aktivitäten, vor allem für Lernende ab der Sek. 1 kann man direkt mit in den Alltag nehmen.

Vielen Dank an den Verlag Vandenhoeck und Ruprecht für das Rezensionsexemplar!

Katha

Doppel-Rezension: „Der Schmetterling 🦋“ und „Die Honigbiene 🐝“

Titel: „Der Schmetterling“ und „Die Honigbiene“
Verlag: NordSüd (hier klicken)
Autorin: Kirsten Hall
Illustrationen: Isabelle Arsenault
Übersetzung: Anna Schaub
ISBN: 🦋 978-3-314-10741-2 bzw. 🐝 978-3-314-10474-9

Zum Inhalt:
Jedes dieser Bilderbücher porträtiert ein Tier genauer. Bei der 🐝 lernen wir als Lesende den Lebensraum und die Ernährung genauer kennen sowie zum Beispiel die Kommunikation durch Tanz. Die Lebensweise im Bienenstock findet dabei ebenso Berücksichtigung wie die Aktivitäten der Bienen auf der Blumenwiese. Dieses Buch erschien bereits 2019 (war mir aber noch nicht begegnet).
Den 🦋 begleiten wir über einen ganzen Lebenszyklus vom Ei bis zur Eiablage als erwachsenes Tier. Dabei gibt es in beiden Geschichten sehr sachliche Seiten genauso wie sehr künstlerisch-poetische Szenen.
Beide Bücher sind in einem gedeckten pastelligen Farbschema gehalten und haben jeweils eine neonartige Akzentfarbe (hellorange bzw.hellgrün), die sich in den Illustrationen in kleineren Details, größeren Flächen und auch als Akzentlack auf dem Cover wiederfindet.
Die Geschichten der Tiere werden größtenteils gereimt erzählt und bedienen sich teils auch einer sehr lautmalerischen Sprache. Am Ende ist noch jeweils eine erklärende Seite eingefügt, die die Bedeutung der Bienen und Schmetterlinge erklärt und Möglichkeiten zum Schutz dieser Lebewesen aufzeigt.

Meine Meinung:
Zuerst zur Optik: die beiden Bücher sprechen mich unheimlich an und sind durch ihre Farbpalette, von der ihr auf den Fotos einen Eindruck bekommt, angenehm unaufgeregt. Vor allem in Zeiten sehr farbiger KI-Bilder allernorten ist Isabelle Arsenaults naturnaher und doch manchmal abstrakter Stil wirklich auffällig. Die Akzentfarben widersprechen der Farbpalette einerseits, passen aber andererseits hervorragend dazu – seltsam, aber für mich wahr.
Inhaltlich gefallen mir die Bücher als Mutter und Lehrerin sehr, da sie sachliche Themen nicht als Sachtext aufbereiten, aber auch nicht verniedlichen oder belanglos machen. Die Zusammenhänge beim Schmetterling habe ich bewusst allerdings erst verstanden, als ich die erklärenden letzten Seiten las, da mir diese eher spezifisch amerikanischen Zugweisen nicht so bewusst waren. Die Anspielungen im Bienenbuch waren meinem Verständnis deutlich näher.
Zuletzt zum Text: Poesie zu übersetzen ist in meinen Augen noch schwieriger als Prosa. Dennoch finde ich, dass Anna Schaub ein guter sprachlicher Mix gelungen ist, der Reime nicht um der Reime willen forciert und auch reimlose Stellen zulässt.

Leseempfehlung:
Allen Eltern, Insektenfreund:innen und Neugierigen kann ich dieses Duo ans Herz legen. Als Vorlesestoff sind sie für Kindergarten- und Grundschulkinder wirklich gut geeignet und lassen im Gespräch gemeinsam Bekanntes und Neues entdecken.
Als Sachunterrichts- und Deutschlehrerin freut es mich, hier Literatur gefunden zu haben, die einen spielerischen, poetischen Umgang mit Sprache mit sachlichen Inhalten verknüpft. Eine Abgrenzung von Sachtexten zu Erzähltexten wird hier wirklich spannend und kann Kinder zeigen, dass Sachwissen auch anders als in erklärenden Infotexten vermittelt werden kann.

Vielen Dank an den Verlag NordSüd für die beiden tollen Rezensionsexemplare!

Katha

Rezension: „Das kann KI“

Titel: „Das kann KI – Die einfache Anleitung“
Verlag: Stiftung Warentest (hier klicken)
Autor: Andreas Erle
ISBN: 978-3-7471-1033-1

Zum Inhalt:
KI ist spätestens seit der Einführung von ChatGPT (OpenAI) in aller Munde. Zwischen Heilsbringer:in und dem Verteufeln der möglichen Folgen liest und hört man viel. Das vorliegende Buch bemüht sich, dem Thema generativer KI neutral zu nähern und verschiedene Perspektiven aufzuzeigen. Dazu werden zuerst verschiedene Tools und Integrationen vorgestellt und es gibt Tipps zum Prompten. Den größten Teil nehmen dann Anwendungsbeispiele ein, bevor es abschließend um das Für und Wider geht:

Meine Meinung:
Ich gehöre ja gern zu den „Early Adopters“, wenn es um neue Technologien geht, und habe natürlich diverse eigene Versuche mit generativer KI unternommen bzw. mir von Kolleg:innen zeigen lassen. Auch aufgrund der rasanten Entwicklung der Tools habe ich hierbei aber weniger denn je das Gefühl, so etwas wie Ahnung oder gar Kompetenzen erworben zu haben. Dementsprechend kannte ich viele der vorgestellten Tools, oft aber eben auch nur dem Namen nach. Die Anwendungsideen und vor allem die Unterschiede zwischen den Anbietern und Plattformen fand ich aber sehr erhellend und ich wurde inspiriert, mein Ausprobieren noch einmal deutlich in die Breite zu ziehen. Vor allem die direkt in meinen Geräten integrierten Anwendungen möchte ich noch gezielter testen und gegeneinander abwägen. Vielleicht erreiche ich so noch einen komfortableren Workflow als mit meinem bisherigen Vorgehen, das doch oft ChatGPT als Ausgangspunkt hat.

Leseempfehlung:
Natürlich kann ein Buch über KI aus 2025 keine dauerhafte Gültigkeit behalten und ist in Teilen vermutlich jetzt schon nicht mehr aktuell – aber das geht eben in gedruckter Form bei den tagesaktuellen Veränderungen nicht. Dennoch empfehle ich „Das kann KI“ allen Menschen, die gern digital arbeiten, aber aus einem gedruckten Buch oft etwas sortierter Gedanken mitnehmen können als aus Erklärvideos, Blogs und Sozialen Netzwerken. Lest mal rein und lasst euch inspirieren!

Vielen Dank an den Verlag der Stiftung Warentest für das Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Raus aus der Ohnmacht“

Titel: „Raus aus der Ohnmacht. Das Konzept Neue Autorität für die schulische Praxis“
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht (hier klicken)
Autor:innen: Haim Omer, Regina Haller
ISBN: 978-3-525-45913-3

Zum Inhalt:
Haim Omer ist ein bekannter israelischer Professor für Psychologie und Autor zu Erziehungsfragen. Regina Haller ist eine Schweizer Schulleiterin. Beide zusammen beziehen das von Omer geprägte Konzept der Neuen Autorität auf die Schule. Sie erklären zuerst die Grundelemente des Konzepts wie Präsenz und Beharrlichkeit, Vernetzung und Öffentlichkeit und beziehen diese direkt auf die Arbeit von Pädagog:innen im schulischen Kontext. Anhand von Beispielen aus verschiedenen Schulformen und Ländern belegen Sie, wie zum Beispiel eine erhöhte Präsenz von in Schule Tätigen sowohl zur Prävention von Fehlverhalten dient als auch bei Störungen helfen kann. Es finden sich sehr konkrete Schilderungen methodischer Vorgehensweisen, vor allem aber Erläuterungen zur Haltung der Neuen Autorität. Ein Kapitel widmet sich konkret der Rolle von Schulleitungen, die Neue Autorität an ihrer Schule etablieren wollen.

Meine Meinung:
Bereits das Vorwort des Buches machte mir beim Lesen klar, dass ich defintiv ein „Fangirl“ der Neuen Autorität (NA) bin und meine Einstellung zu den in Erziehungskonzepten oft geünschten Strafkatalogen hier gut aufgehoben ist. An vielen Stellen musste ich beim Lesen nicken und eine Menge an Ausrufezeichen, Smileys und Herzen zieren die Seitenränder in meinem Rezensionsexemplar. Dem Autor:innengespann gelingt es gut, in das Konzept einzuführen und von Beginn an klarzumachen, dass es keinen reinen Methodenkoffer darstellt, sondern eine Haltung. Sie betonen wiederholt, dass ich sowohl als einzelne Lehrkraft im Sinne der Neuen Autorität arbeiten kann als auch ein ganzes Kollegium sich in diese Richtung orientieren kann. Das ist entlastend für diejenigen Lehrkräfte, die der NA gegenüber aufgeschlossen sind, aber im Kollegium keinen Rückhalt haben (soll es ja geben🙄).
Mein erster Kontakt mit der NA war als recht junge Lehrerin Rudi Rhodes Buch „Stop, die Regel gilt!„. Die aktuelle Lektüre vertieft meine damals entwickelte Haltung und bestätigt mich darin, meine LAA in genau diese Richtung zu begleiten.

Leseempfehlung:
Du bist unzufrieden mit gehäuften Störungen in der Schule? Du hättest gern einen neuen Zugang dazu? Du hast keine Lust auf Ampelsysteme oder Maßnahmenkataloge? Dann bist du vielleicht reif für die Neue Autorität! Lies dieses Buch! Es wird etwas mit dir machen.

Vielen Dank an den Verlag V&R für das Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Ein Pokal für den Schakal“

 

Titel: „Ein Pokal für den Schakal“
Verlag: NordSüd (hier klicken)
Autorin: Jule Wellerdiek
Illustrationen: Jule Wellerdiek
ISBN: 978-3-314-10749-8

Zum Inhalt:
Es steht eine große Preisverleihung für die beste Frisur an und der Schakal geht fest davon aus, dass er – wer auch sonst? – diesen Preis gewinnen wird. Aber es kommt anders und die Gans wird für ihre Haarpracht ausgezeichnet. Der Schakal grämt sich sehr ob dieser Entscheidung und findet sie nicht fair. Kurzerhand ruft er eine eigene Preisverleihung ins Leben und lädt alle Tiere auf den Marktplatz ein. Dann endlich erhält er einen Pokal – für den besten Schakal!
Die anderen Tiere feiern den Schakal, ziehen aber in den nächsten Tagen nach, bis irgendwann alle einen Pokal oder eine Medaille gewonnen haben. Wieder muss sich der Schakal etwas ausdenken. Und das tut er auch. Was? Das verrate ich hier natürlich nicht!

Meine Meinung:
Eine erfrischende Geschichte mit tollen Illustrationen – Jule Wellerdiek* hat wieder gezeigt, was sie kann! Die Illustrationen entführen in eine heimelig wirkende Stadt, in der die verschiedensten Tiere ofensichtlich glücklich und fröhlich zusammen leben. Vor allem aber wird deutlich, dass jedes Tier etwas anderes gut kann oder eine besondere Eigenschaft besitzt – eine schöne Parallele zur Vielfalt in der menschlichen Gesellschaft. Was die Tiere aber von der Menschheit (zumindest der im Jahre 2026) unterscheidet ist ihr Zusammenhalt: sie feiern jeden Sieger, jede Beste und jeden Preis, den ein anderes Tier als sie selbst gewinnt. Nur der Schakal ist unzufrieden, gierig und ein bisschen gemein und verschlagen. Dabei ist er allerdings trotzdem irgendwie sympathisch, wozu die Bilder maßgeblich mit beitragen.

Leseempfehlung:
„Ein Pokal für den Schakal“ gehört wieder einmal zu den Bilderbüchern, die ich ohne Einschränkungen allen empfehlen möchte, sowohl privat als auch im beruflichen Kontext. Der Verlag empfiehlt die Geschichte ab 4 Jahren, wobei an den farbenfrohen Bildern auch schon jüngere Kinder Freude haben dürften. Kinder im Grundschulalter werden den Schakal auch mögen, da die Illustrationen nicht zu kindlich sind. Vor allem können die Kinder eurer und meiner „Zielgruppe“ viel mit dem Gefühl des Schakals anfangen, etwas Besonderes zu sein, vielleicht sogar in irgendetwas der oder die Beste. Dazu bietet das Buch geeignete 💬 Gesprächsanlässe (Wie geht es dem Schakal? Warum will er unbedingt einen Pokal gewinnen?…) oder auch Schreibanlässe (Wofür kann welches Tier einen Preis gewinnen? Was kann ich / können die Kinder in unserer Klasse besonders gut?…). Im Kunstunterricht könnten zudem Medaillen oder Pokale gezeichnet oder aus Pappmaschee gestaltet werden. Wie so oft sind die Zugänge zum Buch vielfältig!

Vielen Dank an den NordSüd-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

* Von ihr habe ich bereits „Holgers Haus“ im Regal stehen und die Bücher vom Geräuschehändler. Besonders freue ich mich als Ostwestfälin darüber, da sie „hier wech“ kommt.

Rezension: „Obacht!“

 

Titel: „Obacht!“
Verlag: NordSüd (hier klicken)
Autor:innen: Kerstin Hau
Illustrationen: Stella Dreis
ISBN: 978-3-314-10734-4

Zum Inhalt:
Auf der Straße vor der Stadt liegt ein großes Tier. Oh je! Die Bewohner:innen der Stadt haben verschiedene Vorstellungen davon, was jetzt zu tun ist: das Tier unter einer Decke verbergen, eine Brücke darüber oder eine Straße drumherum bauen, … Nur das kleine Mienchen möchte von Anfang an mit dem Tier reden. Als alle Versuche fehlschlagen, tut es das dann auch. Was dann passiert, … verrate ich jetzt noch nicht! 

Meine Meinung:
Ich bin ein bisschen verliebt in dieses Buch, muss ich gestehen. Die besondere Farbgestaltung (größtenteils schwarz-weiß-orange) sprach mich schon vom Cover in der Verlagsvorschau her direkt an. Sie hat etwas sehr Besonderes und Reduziertes, das den Blick auf die feinen Details lenkt.
Inhaltlich ist „Obacht!“ ein herrliches Spiegelbild für Aktionismus und Ohnmacht gegenüber neuen unerwarteten Situationen. Die Stadtbewohner:innen finden alle möglichen Wege, das Tier unsichtbar zu machen oder zu umgehen, obwohl es (repräsentiert durch das Mienchen) einen viel sinnvolleren Weg gibt.
Erfreulich finde ich die Tatsache, dass es pädagogisches Begleitmaterial zum Buch zum Download gibt. Auch ein Bilderbuchkino bietet der Verlag zum Download an, so dass ich die zauberhaften Bilder auch problemlos an einer digitalen Tafel o.ä. zeigen kann.

Leseempfehlung:
Heute darf ich euch mal wieder ein Bilderbuch für alle Regale von Familien, Kitas und Grundschulen empfehlen. Kinder aller Altersklassen finden eine geeignete Message in der Geschichte.
Da ihr ja gern Ideen für die Schule sucht: „Obacht“ ist ein toller Ausgangspunkt fürs Nachdenken darüber, wie man Probleme lösen kann. Es spiegelt in den Figuren sowohl Verbohrtheit als auch Neugier bzw. Mut wieder und bietet in der Figur des Mienchens eine tolle Identifikationsfigur.

Ideen für den Einsatz in der Schule kommen mir bei solch schönen Bilderbüchern schnell. Ich notiere hier mal ein paar in Stichworten, die alle drei Varianten zum Antizipieren des Geschichtenfortgangs darstellen:
🎨Kunst/✏️Deutsch: malen/schreiben, was wohl unter der Decke versteckt sein könnte
✏️Tipps für die Stadtbewohner:innen notieren (oder 💬erzählen), wie man den Zugang zur Stadt wieder frei bekommt
✏️in Sprechblasen schreiben (oder 💬 szenisch spielen), was das Mienchen dem Tier sagen könnte
Viele weitere gute Anregungen, u.a. zum Thema „fremd sein, sich kennenlernen“ findet ihr direkt im pädagogischen Begleitmaterial zum Buch, das der Verlag anbietet.

Eigentlich sollten unter den Schlagworten „openmindedness“ oder „think outside the box“ auch viele Erwachsene diese Geschichte lesen und verstehen!

Vielen Dank an den Nordsüd-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Lesen. Schreiben. Ein Plädoyer für ein besseres Miteinander.“

Titel: „Lesen. Schreiben. Ein Plädoyer für ein besseres Miteinander.“
Verlag: Duden (hier klicken)
Autor: Bob Blume
ISBN: 978-3-411-75005-4

Zum Inhalt:
Bob Blume beschreibt seine persönlichen Erfahrungen mit und Haltungen zum Lesen und Schreiben, die weit über reine Kultur- und Kommunikationstechniken hinausgehen. Er erklärt, wie er selbst Gelesenes durchs Schreiben verarbeitet und zeigt konkrete Beispiele aus der Schule (Deutsch, Gymnasium) auf, die das ebenso anleiten sollen.
Das titelgebende Plädoyer für ein besseres Miteinander ergibt sich aus der Beobachtung, dass Lesekompetenz ganz wesentlich mit dem Verstehen komplexer (politischer, gesellschaftlicher) Vorgänge einhergeht und Menschen, die nicht gut lesen können, leichter Opfer von Verschwörungstheorien, Hass und Hetze werden.

Meine Meinung:
Mir hat das kleine Büchlein richtig gut gefallen, obwohl ich zuerst etwas skeptisch war. Bob Blume begegnet mir seit Jahren immer wieder online und ich konnte beobachten, wie er vom Lehrer immer mehr zum Bildungsinfluencer wurde, was auch manchmal eine gewisse Polemisierung mit sich brachte. Hier aber trifft er den Nagel absolut auf den Kopf und spricht mir wirklich aus dem Herzen. Wir müssen es schaffen, dass Lesen (und gern auch Schreiben) Mittelpunkt aller Bildung wird und die Gesellschaft von morgen darauf vorbereiten, sich kompetent mit allem auseinandersetzen zu können, das ihnen auf die Bildschirme flattert. Seit 2020 lässt sich international, aber auch national beobachten, wozu fehlende Lesefähigkeiten führen können. Mir gefällt, dass Blume dies deutlich beschreibt, ohne Vorwürfe zu erheben.

Leseempfehlung:
Dieses Buch kann ich wirklich rundum empfehlen, unabhängig davon, ob du die Gedanken mit in die Schule nimmst oder privat verarbeitest! Wenn du hier gern mitliest, wirst du vermutlich während des Lesens dieses Buches ziemlich viel nicken. 🙂

Vielen Dank an den Duden-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Validieren“

 

Titel: „Validieren. Wie echtes Erkennen und Anerkennen Beziehungen transformiert und uns neu verbindet.“
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht (hier klicken)
Autorin: Katharina Henz
ISBN: 978-3-525-45927-0

Zum Inhalt:
Die Soziologin und Psychotherapeutin Katharina Henz beschreibt das Validieren als Haltung, nicht nur als reines Kommunikationsmodell. Denn es geht darum, Menschen im Dialog ihre eigene Wahrheit zuzugestehen – ganz unabhängig davon, ob ich diese teilen oder verstehen kann. Es geht beim Validieren darum, dem Gegenüber (oder auch sich selbst) zu „erlauben“ seine Wahrnehmung anzuerkennen. Nötig und wichtig ist dies laut der Autorin zum Aufbau von Beziehungen, für den das gegenseitige Wahrnehmen eine Grundlage darstellt. 

Lenz erklärt zuerst grundlegend, wie man validiert und warum oft (teils versehentlich) nicht validiert wird. Dann zeigt sie Möglichkeiten des Validierens in verschiedenen systemischen und konkreten Zusammenhängen auf: in der Familie, in Arbeits- oder Bildungskontext oder bei Menschen mit ADHS.

Meine Meinung:
Bereits auf den ersten Seiten habe ich viel genickt und konnte nahtlos an Vieles anknüpfen, das ich während meiner Coachingausbildung lernen durfte. Mir gefällt diese Haltung sehr gut, die Katharina Henz beschreibt und mit der ich meine Kommunikation verändern kann. Viele über das ganze Buch verteilte Beispielsätze schreibe ich mir heraus, um sie zu meinen zu machen und so den Menschen in meinem Umfeld noch klarer zu signalisieren, dass ich sie wahrnehme und akzeptiere. Sie ergänzen den Zugang der sog. zirkulären Fragen, der im Coaching so wichtig ist. Aktuell nähere ich mich dem Thema der (professionellen) Beziehung von verschiedenen Seiten und werde Auszüge aus diesem Buch in meine Seminararbeit einfließen lassen. Außerdem habe ich quasi einen Neujahrsvorsatz gefunden: mehr und bewusster validieren, beruflich wie privat.

Leseempfehlung:
Eine absolute Leseempfehlung geht raus an alle, die „mit Menschen arbeiten“! Die Tipps von Katharina Henz sind so konkret, dass man keine fachliche Vorbildung benötigt, um von ihnen zu profitieren. Allen, die in der Bildung arbeiten, kann die Haltung des Validierens meiner Einschätzung nach sehr helfen, dass konflikthafte Situationen mit Kindern, aber auch schwierige Elterngespräche weniger belastend werden.

Vielen Dank an den Verlag Vandenhoeck & Ruprecht für das Rezensionsexemplar!

Katha