Rezension: „Nuno Nasenbär“

Titel: „Nuno Nasenbär – Wenn nur nicht diese Nase wär‘!“
Verlag: Verlag (hier klicken)
Autor:innen: Ingolf Lück mit Hannah Schenk
Illustrationen: Friederike Ablang
ISBN: 978-3-948877-95-8

Zum Inhalt:
Nuno Nasenbär lebt im Dschungel. Eigentlich hat er kein Problem mit seiner langen Nase – bis er eines Morgens so unglücklich darüber stolpert, dass er sein Baumhaus abreißt. Auf der Suche nach einem neuen Schlafplatz besucht er seine Freunde und Freundinnen. Bei allen Besuchen geschieht durch die lange Nase ein kleines Unglück, weshalb Nuno meint, dass er – und vor allem seine Nase – seine Freunde nur stört. „Wenn nur nicht diese Nase wär!“
Die Freunde erleben das aber gänzlich anders und erinnern sich mehr an die guten Dinge, die durch die Nase geschehen, die Nuno aber gar nicht mitbekommen hat. Am Ende zeigt sich, wofür Freunde eigentlich gut und wichtig sind.
Randnotiz: Auf jeder Seite gibt es ein Sprichwort über Nasen oder das Riechen zu entdecken.

Meine Meinung:
Als ich die Rezensionsanfrage für das Buch eines Bielefelder Comedystars bei einem Bielefelder Verlag bekam, schlug mein lokalpatriotisches Herz ganz hoch. Ingolf Lück hat mit der „Wochenshow“ meine Jugend geprägt und ich sehe ihn heute immer noch gern. CalmeMara wiederum ist regional und sehr nachhaltig tätig, was ich ebenfalls sehr schätze. Zudem mag ich die Haptik ihrer vegan zertifizierten Bücher sehr.
Nun aber zum Buch selbst:
Ein Schelm, wer beim Thema der potenziell störenden großen Nase nicht einen Bezug zum Autor selbst herstellt… Nuno jedoch erlebt, dass seine Nase zu ihm gehört, manchmal nervt, aber im Großen und Ganzen recht nützlich ist. Solch eine Nachricht können Kinder gar nicht oft genug hören: Du bist gut, so wie du bist! Deine Nase ist zu groß, deine Füße zu klein? Egal! Du gehörst dazu und deine Freund:innen haben dich lieb. Wunderbar!
Die Illustrationen sind teils seitenfüllend, teils comichaft, was das Buch zu einem besonderen Leseerlebnis macht. Das Vorlesen allerdings wird durch die Sprechblasen durchaus erschwert. Die Zeichnungen von Friederike Ablang sind fröhlich und farbenfroh und bieten viel Detailreichtum. Es gibt also eine Menge zu entdecken, was im Dschungel so los ist – und was Nuno manchmal übersieht.

Leseempfehlung:
Das Buch ist vom Verlag für Kinder ab 3 Jahren empfohlen – das passt schon so, wenn ich auch das Problem mit dem Vorlesen (s.o.) habe. Die Message kommt meines Erachtens auch bei Grundschulkindern noch gut an, wobei die Größeren sich wohl von den Illustrationen nicht mehr so ansgeprochen fühlen dürften. Im Rahmen einer Vorlesezeit, eines Projekts über Gefühle oder Stunden zur Förderung der Sozialkompetenz kann Nunos Geschichte die Bücherauswahl auf jeden Fall bereichern!

Vielen Dank an den CalmeMara-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Neue Lernmythen aufgedeckt“

Titel: „Neue Lernmythen aufgedeckt“
Verlag: Haufe (hier klicken)
Autorin: Yvonne Konstanze Behnke
ISBN: 978-3-648-19973-2

Zum Inhalt:
Wie schon im ersten Band, den ich in dieser Rezension vorgestellt habe, nimmt die Autorin 15 Mythen rund ums Lernen unter die Lupe. Sie stellt in jedem Kapitel den Mythos vor, beleuchtet die Hintergründe der Entstehung und Verbreitung und untersucht ihn dann. Dazu arbeitet sie einerseits den wahren Kern heraus und stellt andereseits klar, warum der Mythos keine allgemeine Gültigkeit hat. Dazu zieht sie viele Studien heran und bietet in jedem Kapitel ein ausführliches Literaturverzeichnis.


Meine Meinung:
Mir gefällt zuallererst einmal die sachliche, niemals zynische oder vorwurfsvolle Art der Erklärungen.
Die ausgewählten Mythen hatten für mich mal mehr, mal weniger Relevanz, was aber bei meinem doch von der Business-Zielgruppe abweichenden Berufsfeld zu erwarten ist. Vor allem die ersten Kapitel und einige der sog. Caochingmythen waren für mich relevant, da ich ähnliche Aussagen und Modelle immer wieder höre und treffe. In allen Kapiteln jedoch konnte ich Forderungen bzw. Denkanstöße finden, die sich direkt oder angepasst auf die (Grund-)Schule übertragen lassen und die ich deshalb in meiner Funktion als Ausbilderin für Lehrkräfte gut gebrauchen kann.
Am Ende des Buches gibt es, wie schon in Band 1, auch eine Positivliste mit Faktoren für gelingendes Lernen – nicht dass es nachher heißt, es würde nur kritisert.

Vor allem die ersten Kapitel haben mich sehr dazu angeregt, mir intensive Notizen zu machen und die Inhalte mit meinem Vorwissen zu vernetzen. Das übrigens wird immer wieder genannt als Faktor für gelungenes Lernen… Da ich immer noch schlecht darin bin, mir Namen, Studien und Modelle zu merken, mache ich mir immer wieder Notizen dazu, bis sie irgendwann „sitzen“. Meinen LAA gegenüber möchte ich ja nicht doof dastehen 🙈.
Bei mir finden Notizen immer in Goodnotes statt, da ich hier nach dem Schreiben noch verschieben, ausrichten, highlighten etc. kann. Solche Zusammenfassungen habe ich inzwischen zu vielen Büchern und Texten auf meinem Tablet. Durch die Suchfunktion, die auch meine Handschrift durchsuchen kann, finde ich so oft schnell einen Fakt oder eine Formulierung, an die ich mich nur dunkel erinnere. Das ist ziemlich praktisch!

Leseempfehlung:
Alle Menschen, die sich professionell mit Bildung beschäftigen (und vor allem solche, die anderen beibringen, wie Lernen gelingt), sind mit diesem Buch und seinem Vorgänger gut versorgt.

Vielen Dank an den Verlag Haufe für das Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Du nervst!, schimpft die Maus“

Titel: „’Du nervst!‘, schimpft die Maus“
Verlag: NordSüd (hier klicken)
Autor: Marcus Pfister
ISBN: 978-3-314-10774-0

Zum Inhalt:
IMMER steht der große Elefant der kleinen Maus im Weg. IMMER sitzt er so, dass sie nichts sehen kann. IMMER beachten alle nur den Elefanten und nicht die Maus. Immer wieder ist die Maus heute genervt vom Elefanten, und lässt ihn hören: „Du nervst!“ Zum Glück bleibt der Elefant gelassen, bietet Unterstützung an und zeigt Wege auf, wie die Maus zu ihrem Recht kommen kann. Irgendwann wird es aber selbst dem gelassenen Dickhäuter zu viel und er konfrontiert die Maus mit seiner Wahrnehmung ihres Verhaltens.

Meine Meinung:
Der Titel verrät eigentlich schon einen Großteil der Geschichte. Dennoch überraschen zuerst die vielfältigen Anlässe, die die kleine Maus nerven und die gelassene Reaktion des Elefanten. Auch positiv überraschend ist die simple, aber doch hocheffektive Intervention des Elefanten, als ihm die schlechte Laune der Maus dann doch Überhand nimmt. Diese Stelle mag ich besonders, weil der Satz „Wenn ich nicht sicher wüsste, dass du mich magst, würde ich denken, dass du mich nicht magst“ so unfassbar kraftvoll ist. Es ist ein Satz, den man sich eigentlich auf einen Zettel für die Hosentasche schreiben sollte, um ihn immer herauszuholen, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt. Maus und Elefant bieten dem und der Lesenden also tolle Identifikationsfiguren für ein gelungenes Konfliktmanagement, wenn man es so sagen mag. Ich freue mich, dass mein Regal mit „pädagogisch wertvollen Bilderbüchern“ Zuwachs bekommen hat!
Die Illustrationen finde ich spannend. Der Elefant ist immer „über-Seiten-groß“ und nie ganz zu sehen. Die Hintergründe sind größtenteils einfarbig gehalten und zeigen die kritischen Situationen nur angedeutet (ein Flussufer, ein Sonnenschirm). Die Farben sind hell und kräftig und unterstreichen den eigentlich positiven Charakter der Story.

Leseempfehlung:
„Du nervst!“ ist ein kraftvolles Bilderbuch, das Groß und Klein erfreuen kann. Für privates Vorlesen finde ich es (laut Verlag ab 4) genauso wertvoll wie für die pädagogische Arbeit mit Kindern. Gerade in der Schuleingangsphase sehe ich die Geschichte im Regal für Klassenstunden, wenn es um Gemeinschaft, Gefühle und Sozialverhalten geht. Das Mitsprechen oder Nachspielen des mäuslichen Geschimpfes dürfte die Kinder unterhalten und sogleich sensibilisieren für die Schärfe dieser Worte. Und die Diplomatie des Elefanten kann ein toller Ansatz sein, um gemeinsam Formulierungen zu sammeln, wie man einerseits jemanden ansprechen kann, wenn man sich verletzt fühlt und andererseits auch das scharfe „Du nervst“ in sozial verträgliche, respektvolle Worte zu verwandeln.

Vielen Dank an den NordSüd-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Ach! Noch wach?!“

Titel: „Ach! Noch wach?!“
Verlag: Verlag (hier klicken)
Autor: Lorenz Pauli
Illustrationen: Kathrin Schärer
ISBN: 978-3-314-10781-8

Zum Inhalt:
Zehn kleine Murmeltiere sollen schlafen gehen, weil es draußen dunkel ist und die nacht beginnt. Ein kleines Murmeltier jedoch möchte die Dunkelheit selbst sehen und büxt deshalb aus. Draußen ist es angemessen beeindruckt und hat seinen Geschwistern viel Neues zu erzählen. Auf dem Rückweg in den Bau erwischt das kleine Murmeltier jedoch den falschen Eingang und kuschelt sich plötzlich an einen kleinen Fuchs, der als einziger aus der Geschwisterrunde nicht hinausgehen und herumtollen möchte. Die beiden Jungtiere tauschen sich in der Höhle über ihre unterschiedlichen Haltungen zum Schlafen aus, ihre Mütter regeln oberirdisch gleichzeitig alle Nötige, damit am Ende jeder wieder dort ist, wo er hingehört.

Meine Meinung:
Eine simple, aber ganz liebevolle Geschichte über zwei Tierkinder, die die Dinge ganz anders sehen als sie sie sehen sollten: Ein Murmeltierchen, das nachts nicht schlafen mag und ein Füchslein, das nachts lieber schlafen als spielen will. Die beiden treffen aufeinander und erzählen sich von ihren Einstellungen. Und dann geschieht etwas Tolles, das man sich gern zum Vorbild nehmen darf: Statt sich gegenseitig von der Richtigkeit ihrer eigenen Haltung überzeugen zu wollen, akzeptieren sie einfach die des anderen und probieren dessen Idee sogar selbst aus. Etwas, das man sich in Zeiten überhitzter und ideologischer Debatten überall in unserem Umfeld kaum noch vorstellen kann. Wer großzügig mit seiner Interpretation ist, könnte sogar noch Verständigung zwischen verschiedenen Völkern, Gruppen, … in der Geschichte finden.
Die durchgehend ganzseitigen Illustrationen sind in dunklen, nächtlichen Farben gehalten und nehmen mich somit hervorragend mit in die Stimmung der Nacht. Wenige Details wie Pflanzen lenken von den Protagonist:innen und der handlung ab. Die Tiere sind realistisch gezeichnet und menscheln doch ein wenig – also in dem Sinne, dass man ihren Charakter erkennen kann.

Leseempfehlung:
… geht raus an alle Menschen mit Kindern, die gemeinsam über Verständnis, Offenheit und Zuhören nachdenken wollen. Vielleicht wäre einigen nationalen und internationalen Politiker:innen die Lektüre dieses Bilderbuchs auch empfohlen – ob sie dann verstehen, wie es gehen kann?
Zum Einsatz in der Schule: Beim ersten Lesen dachte ich ungefähr „ist ja eher ein Einschlafbuch für Kleinere“ (was es ja vordergründig auch ist und sein darf – Empfehlung des Verlags ab 4 Jahren). Dennoch denke ich, dass die Geschichte zwischen dem kleinen Fuchs und dem kleinen Murmeltier Potenzial hat, mit jüngeren Grundschulkindern im Rahmen ethischer/sozialer Arbeit ins Gespräch zu kommen und darüber zu sprechen, wie man damit umgehen kann, wenn jemand anderer Meinung ist als man selbst.

Vielen Dank an den NordSüd-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Die fabelhafte Geschichte von Herrn Leopold, der schweben konnte“

Titel: „Die fabelhafte Geschichte von Herrn Leopold, der schweben konnte“
Verlag: NordSüd (hier klicken)
Autor:innen und Illustrationen: Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger
ISBN: 978-3-314-10778-8

Zum Inhalt:
Herr Leopold konnte schweben, seit er klein war. Niemand wusste, wieso. Und weil das für viele ein Problem war, beschwerten die Menschen den kleinen Herrn Leopold so lange, bis er endlich am Boden blieb. Herrlich normal also, könnte man meinen.
Im hohen Alter trifft der „geerdete“ Herr Leopold unerwartet die kleine Mathilda, die ebenfalls schweben kann. Er erinnert sich an seine luftige Kindheit und versucht, selbst auch wieder die Füße vom Boden zu bekommen. Ob er es schafft?

Meine Meinung:
Ein schwebeleicht daherkommendes Bilderbuch mit ziemlich viel Gewicht in seiner Message! „Ich hatte nur vergessen, wie es sich anfühlt, unbeschwert zu sein“, stellt Herr Leopold fest. Und hier liegt die Kraft dieser Geschichte auf dem Silbertablett: Wir leben als Kinder (hoffentlich) unbeschwert in den Tag hinein und lernen beim Aufwachsen immer mehr, den Ansprüchen gerecht zu werden, die an uns gestellt werden. Wir werden quasi „beschwert“, wie es Herr Leopold ganz wörtlich auch erlebt hat: viele Dinge wurden auf ihm abgeladen, sinnbildlich für die vielen Verantwortlichkeiten, die das Erwachsenwerden mit sich bringt. Es gibt ein Bild, auf dem Herr Leopold nach und nach älter wird und dabei immer weniger Gepäck mit sich herum trägt – auch hier wiederholt sich das Sinnbild des Beladenseins sehr schön. Das Schweben ist also Unbeschwertheit, für mich auch Fantasie und die Freiheit, die eigenen Bedürfnisse wichtig zu nehmen. Bezeichnend ist, dass letztendlich die Gedanken wirksam werden, keine Aktionen oder Techniken. Deshalb gibt mir Herrn Leopolds Geschichte viel Mut und Hoffnung, dass ich das Schweben vielleicht auch noch lerne…
Die Illustrationen finde ich genauso zauberhaft, wie die Arbeit des Duos Gugger/Röthlisberger mir schon beim „Wortschatz“ gefiel. Eine herrlich leichte Art mit sanften Farben, gehighlighted mit neonpinken Akzenten, die sich vom Cover quer durch das Buch ziehen. Die verbalen Metaphern und die Bilder gehen Hand in Hand.

Leseempfehlung:
Meine Empfehlung richtet sich zuerst an alle Fans von Bilderbüchern „mit Message“, also tiefgründigeren Geschichten, die zum Nach- und Weiterdenken anregen. Sie geht zudem an Erwachsene, die viel funktionieren und wenig schweben – ihr könnt euch an Herrn Leopold und Mathilda ein Beispiel nehmen!
Zuletzt immer der Gedanke, ob und wie das Buch in den Kontext Grundschule passt: Mit einer Klasse, die man gut kennt, bietet die Geschichte einen tollen Ausgangspunkt um darüber zu sprechen, was einen beschwert und wo man sich leicht fühlt – also ganz viel Selbstreflexion, die zu verbesserter Selbstregulation führen kann. Zudem kann ich als Lehrkraft aus solchen Gesprächen auch lernen, was meinen Schüler:innen gut tut, womit ich sie stützen kann und womit erleichtern.

Vielen Dank an den NordSüd-Verlag für das wundervolle druckfrische Rezensionsexemplar!
Katha

Rezension: „Drei Wasserschweine tauchen ab“

Titel: „Drei Wasserschweine tauchen ab“
Verlag: dtv (hier klicken)
Autor: Matthäus Bär
Illustrationen: Anika Voigt
ISBN: 978-3-423-76623-4

😎 Die drei Wasserschweine sind wieder im Blog! In meiner Rezension zu Band 1, einer Verlosung und einer Ideensammlung zum Einsatz in einem sachunterrichtlichen Projekt waren sie ja schon zu Gast.

Zum Inhalt:
Im dritten Band der Reihe erleben die drei Wasserschweine Emmy, Raul und Tristan ein neues spannendes Abenteuer. Zum ersten Mal schlittern sie jedoch nicht einfach so hinein, sondern werden von der Faultiermutter Fiona gebeten, ihren verloren gegangenen Sohn zu finden. Eine weitere Premiere für die Capybaras ist, dass sie die schützenden Mauern ihres Zoos verlassen und tatsächlich in der Wildnis landen. Natürlich treffen wie wieder auf Tiere bzw. Tierarten, die sie bislang nicht kannten und finden dabei neue Freund:innen. Nach den Zootieren in Band 1 und 2 sind es dieses Mal Schwäne, ein Biber und eine Hündin.

Meine Meinung:
Fortsetzungen sind ja manchmal so eine Sache… sie können echt lahm werden, wenn’s schlecht läuft. Zum Glück hat Matthäus Bär offensichtlich genügend wunderbare Ideen für seine Capybara-Bande, so dass der dritte Band wie seine Vorgänger wirklich spannend, interessant und ganz eigen ist. 👍🏻
Die drei Haupt- und und die Nebenfiguren sind liebenswert und charakterlich ganz unterschiedlich, was Kindern vielfältige Möglichkeiten gibt, sich in der Geschichte wiederzufinden. Es geht um Mut und Angst, um Streit und Versöhnung, um Geheimnisse und Hoffnungen – also viele für Kinder sehr relevante Themen.
Anika Voigt hat der Geschichte wieder auf ihre zauberhafte Art Leben eingehaucht. Ihre klaren, farbenfrohen Illustrationen gehören einfach dazu! Nach zwei Doppelseiten mit Text kann man sich in der Regel auf eine voll illustrierte freuen, auf der es viel zu sehen gibt. Die Stimmung der einzelnen Capybaras lässt sich dabei immer hervorragend erkennen.

Leseempfehlung:
Sicher gibt es schon einige Capybaras-Fans, die bereits auf Band 3 gewartet haben – so ging es meinem Junior und mir zumindest letztes Jahr mit dem zweiten Band. Wer die drei abenteuerlustigen Wasserschweine noch nicht kennt, dem sei sowohl dieses Buch ans Herz gelegt als auch die beiden Vorgänger (die Reihenfolge spielt glücklicherweise keine Rolle). Selbst zu lesen ist die Geschichte ab zehn oder auch für etwas jüngere Leseratten. Zum Vorlesen ist sie auch für jüngere Kinder im Vorschulalter geeignet, anspruchsvoll genug aber auch für die ganze Grundschulzeit. Jedes Kapitel passt ganz gut in eine Frühstückspause…

Vielen Dank an den dtv-Verlag für das Rezensionsexemplar! Junior und ich haben uns sehr gefreut!

Katha

Rezension: „20 x Kunstwerke für 90 Minuten“ (Klasse 3/4)

Titel: „20x Kunstwerke für 90 Minuten, Klasse 3/4
Verlag: Verlag an der Ruhr (hier klicken)
Autorinnen: Simone Schick, Laura Rodrigues Nöhles
ISBN: 978-3-83466910-0

Zum Inhalt:
Wie schon beim Vorgänger bietet das Buch zuerst Anleitungen zur Kunstbetrachtung und für eine Kunst-Konferenz. Auf je ca. fünf Seiten werden dann 20 Kunstwerke und Skulpturen vorgestellt inkl. einer ausführlichen Anleitung zur Erarbeitung und künstlerischen Umsetzung in der 3./4. Klasse. Im Sinne der Sprachförderung enthält jedes Kapitel Begriffe für ein „Kunstwörterbuch“.
Die Auswahl der Werke reicht zeitlich von Leonardo da Vinci bis James Rizzi und beinhaltet Künstler:innen aus vielen Teilen der Welt. Männer und Frauen sind laut Vorwort bewusst gleichmäßig repräsentiert. Die Auswahl der empfohlenen Materialien orientierte sich für die Autorinnen an deren Nachhaltigkeit.

Meine Meinung:
Der Folgeband des hier vorgestellten Werkes für die Klassenstufe 1/2 hat mich mit seinem Cover direkt begeistert. „Die große Welle“ mochte ich nicht erst seit meiner Japanisch-AG in der Mittelstufe gern. Neben diesem Werk oder zum Beispiel dem Gute-Laune-Haus nach James Rizzi fand ich es sehr inspirierend, auch einige mir bislang unbekannte Künstler:innen / Werke / Kunststile kennenzulernen. Mir gefällt es besonders, wie ernst die Themen und die Kinder hier genommen werden und wie vielfältig Kunstunterricht mir zu sein verspricht.
Da sich am sehr klaren und zielstrebigen Stil der Kapitel nichts geändert hat, fühle ich als fachfremde Kunstlehrerin mich auch hier wieder gut an die Hand genommen und hätte direkt mehrere Projekte fürs neue Schuljahr eingeplant, wenn ich denn mal wieder eine Kunstklasse hätte.

Leseempfehlung:
Aus den o.g. Gründen wiederhole ich meine Leseempfehlung vom ersten Band: Ich kann diese Ideensammlung von Herzen allen Lehrkräften empfehlen, die eine dritte oder vierte Klasse in Kunst (fachfremd) unterrichten dürfen, wollen oder müssen. Lest euch rein, lasst euch inspirieren! Ihr braucht keine Kopiervorlagen! 😉

Vielen Dank an die Autorin Laura und den Verlag an der Ruhr für das Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „999 Froschgeschwister ziehen um“

Titel: „999 Froschgeschwister ziehen um“
Verlag: Verlag (hier klicken)
Autor: Ken Kimura
Illustrationen: Yasunari Murakami
ISBN: 978-3-314-10017-8

Zum Inhalt:
In einen kleinen Teich legen Mama und Papa Frosch 999 Froscheier ab. Daraus werden bald erst 999 Kaulquappen, dann 999 kleine Fröschlein. Irgendwann wird deshalb aber leider der Teich zu klein. Also beschließen die Froscheltern, mit der ganzen großen Sippe umzuziehen.
Dummerweise wird so vielen kleinen Hüpfern der Weg irgendwann lang („Wie weit noch?“) und zudem lauern auch noch an jeder Ecke Gefahren für wandernde Frösche. So kommt es, wie es kommen muss und ein Falke schnappt sich Papa Frosch. Oh je!
Aber Mama Frosch und auch die 999 Froschkinder lassen sich ihren Papa nicht einfach so nehmen, so dass der Falke ziemlich schwer zu tragen bekommt…

Meine Meinung:
Aufmerksam geworden bin ich auf dieses Bilderbuch durch den Titel, der mich als Grundschullehrerin direkt an die Zahlenraumerweiterung in Mathematik Anfang der 3. Klasse denken ließ. Was ich nicht erahnte, war der zauberhafte Humor, der die Geschichte auszeichnet! Die grafisch sehr reduziert erzählte Geschichte, die fast ausschließlich in grün und weiß erzählt wird, ist von Beginn an heiter und teilweise wirklich witzig. Die Froschkinder schleppen zum Beispiel eine schlange an, just als Frosch-Papa zur Disziplinierung vor Schlangen warnt. Wie sehr ich da als Mutter doch an die elternüblichen Gefahrdrohungen erinnert wurde, die oft völlig widersinnig sind.
Erzählt wird in dieser humorvollen Weise eine wertvolle Geschichte über Zusammenhalt und die Macht, die dieser selbst kleinen Wesen geben kann. Eine Message, die wir heute dringend(er denn je) brauche: Bildet banden, dann kann euch keiner was! Kinder müssen immer wieder hören, so ist meine Meinung, dass man sich dem vermeintlich Größeren nicht kampflos ergeben muss und dass man zusammen mehr erreicht. Die 1001 Frösche bieten hierfür eine wunderbare Projektionsfläche, zumal sie auch noch absolut liebenswert gezeichnet sind. Gerade das sehr ruhige Setting mit seiner Schlichtheit bietet einen klaren Gegenpol zu vollen, grellen und bunten Bildern und Filmen, die Kinder sonst häufig konsumieren… Mein K2 (11) wurde von den Illustrationen direkt herausgefordert, die Anzahl 999 🐸 erstmal nachzuzählen. Ergebnisse werden aber nicht verraten.

Leseempfehlung:
Empfehlung 1 (privat): Alle Bilderbuchliebhaber:innen sind mit den 999 Froschgeschwistern hervorragend beraten. Ein liebenswertes Buch mit tollen Charakteren und der Idee von (familiärem) Zusammenhalt.
Empfehlung 2 (Schule): Nicht umsonst taucht „999 Froschgeschwister ziehen um“ aktuell in vielen Instas auf: Es ist endlich mal wieder ein Bilderbuch, von dem ausgehend ich ein mathematisches Thema anfassen kann. Nach der zweiten Klasse sollen Kinder sich den Zahlenraum bis 1000 erarbeiten und dafür eine Größenvorstellung erlangen. Das vorliegende Bilderbuch kann dazu einen Storytelling-Rahmen anbieten und zum Beispiel das Bündeln anregen, wenn es darum geht, die kleinen Frösche auf dem Weg sicher zu zählen oder zu transportieren.

Vielen Dank an den Nordsüd-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Vielleicht setze ich mich damit demnächst mal zu den Fröschen an den Teich in Nachbars Garten in der Hoffnung, sie zu inspirieren.

Katha

Rezension: „Keine Panik – Wir stellen die Schule auf den Kopf“

Titel: „Keine Panik – Wir stellen die Schule auf den Kopf“
Verlag: Südpol (hier klicken)
Autor:innen: Ilona Einwohlt
Illustrationen: Alexandra Junge
ISBN: 978-3-96594-374-2

Zum Inhalt:
Mika, Ibo, Lilly und Milan besuchen eine ganz normale Grundschule – also eine mit defekten Toiletten, kaputten Fenstern und personeller Unterbesetzung. Verstärkt werden die Probleme durch einen unmotivierten Hausmeister und einen sehr langsamen Schulleiter.
Als jedoch eine Vertretungshausmeisterin an der Schule anfängt, kommen positive Veränderungen ins Rollen. Die Kinder merken durch Frau Panic, dass sie Dinge selbst in die Hand nehmen und für ihre Wünsche einstehen können. Es entwickelt sich eine Dynamik, in deren Folge Pläneschmieden und Demonstrationen ins Spiel kommen. Es bewegt sich was an der Schule und auch bei den Erwachsenen, als es um den Erhalt des Schulgartens als Lernort geht.
Das Buch beinhaltet Illustrationen auf jeder Doppelseite und bietet einen eher lockeren Schriftstil: Viele Begriffe sind im Comistil hervorgehoben, farbig und groß, wofür der Verlag den Begriff Comicroman nutzt.

Meine Meinung:
Inhaltlich gefällt mir an der Geschichte gut, dass sie an einem so nachvollziehbaren, realistischen Ort spielt, in dem sicher viele Kinder Facetten ihrer eigenen Schule wiederfinden. Zudem sind die Protagonist:innen ganz normale Kinder, die eine Perspektivübernahme ermöglichen. Sie durchlaufen eine starke Entwicklung von einer altersgemäßen Naivität zu mehr gemeinsamer Selbst- und Mitbestimmung. Sie lernen demokratische Mittel kennen und einerseits Bestärkung durch Erwachsene sowie andererseits auch, dass man Erwachsene überzeugen kann. Neben dem Thema der baulichen schulischen Probleme werden Themen wie Feminismus und Fremdenfeindlichkeit angerissen, so dass man als Leser:in die Wahl hat, hier tiefer einzusteigen oder eben nicht.
Die Illustrationen sind klar und farbenfroh, sehr lebendig und kindgerecht realistisch. Durch den Comicstil und den insgesamt lockeren Schriftsatz ist das Buch durchaus leicht lesbar.

Leseempfehlung:
Zum ersten Mal seit Langem kann ich mal wieder ein Buch als Ganzschrift für die dritte oder vierte Klasse empfehlen. Die Lesbarkeit und der Lebensweltbezug dürften bei den Kinder zu viel Lesefreude führen. Natürlich ist „Keine Panik“ auch gut als Selbst- oder Vorlesebuch geeignet – meiner Einschätzung nach ab etwa 8 Jahren.
Demokratielernen ohne erhobenen Zeigefinger – so wünsche ich mir Bücher für Kinder! Die Geschichte von Mika und ihren Freund:innen bietet tolle Gesprächsanlässe für mehr Mitbestimmung an der eigenen Schule.

Vielen Dank an den Südpol-Verlag für das so liebevoll verpackte Rezensionsexemplar! Da war schon das Auspacken ein Highlight!

Katha

Rezension: „Wie Schmetterlinge leben“

Titel: „Wie Schmetterlinge leben – Amanda erzählt“
Verlag: Topp (hier klicken)
Autorin: Štepánka Sekaninová
Illustratorin: Linh Dao
Überetzung: Verena Thiard-Laforet
ISBN: 978-3-7358-5442-1

Zum Inhalt:
Weil Tschechien 2026 Gastland der Frankfurter Buchmesse ist, gibt es momentan mehrere Titel tschechischer Autor:innen im deutschen Buchhandel. „Wie Schmetterlinge leben“ ist einer davon.
Amanda beginnt ihre Erzählung als Raupe mit einer großen Geschwisterschar, die nichts als Brennnesselblätter im Kopf hat. Als Leser:in begleiten wir sie bei Häutungen und ihrer Verpuppung bis hin zu ihrer Metamorphose in ein Tagpfauenauge. Dabei stellt sie aus ihrer Perspektive verschiedene Fressfeinde und Wiesentiere ebenso vor wie Schutzmechanismen und den Körperbau von Schmetterlingen. Die Geschichte endet, als Amanda sich gepaart und selbst Eier abgelegt hat.

Meine Meinung:
Manche Geschichten aus Tierperspektive sind ein bisschen verniedlicht oder unrealistisch – das ist bei Amandas Erzählung definitiv nicht der Fall. Sehr sachlich (trotz Erzählton) geht es um den Lebenszyklus von Tagpfauenaugen, in dem auch das Gefressenwerden nicht ausgeblendet wird. Eine gelungene Mischung aus Sach- und Erzähltext!
Lesende werden an vielen Stellen direkt angesprochen oder mit Hilfe von Sprechblasen wird der Blick auf Details gelenkt. Beides führt m. E. dazu, dass man fast in einen Dialog mit der Protagonistin tritt. Durch diese Nähe dürfte der Aufruf am Ende, nett zu Schmetterlingen zu sein, sich bei Kindern hängen bleiben.
Die Illustrationen gefallen mir sehr gut. Sie haben eine tolle Mischung aus Realismus und Abstraktion, die die teils komplexen Sachverhalte (wie Tarnung oder Verpuppung) greifbar macht. Die Farben sind durchweg gedeckt gehalten, wodurch die farbig leuchtenden Insekten(teile) besonders gut zur Geltung kommen. Ein bisschen fühlte ich mich beim Blättern auf eine Blumenwiese versetzt.

Leseempfehlung:
Allen neugierigen kleinen und großen Menschen mag ich dieses Buch ans Herz legen. Der Verlag empfiehlt es ab sechs Jahren und somit direkt für unsere Zielgruppe in der Grundschule. Vor allem dortige Lehrkräfte und Erzieher:innen in den älteren Kindergartenjahren können mit Amandas Hilfe bei den Kindern Sensibilität für die Natur und ihre Wesen herstellen.
Im Sachunterricht finde ich dieses Bilderbuch sogar noch geeigneter als das zuletzt hier vorgestellte – oder man nutzt beide ergänzend 🙂 Nahtlos passen hier die in vielen Schulen vorhandenen Modelle zum Lebenszyklus des Schmetterlings und auch zu einer Schmetterlingszucht hätte Amanda Hilfreiches beizutragen.

Vielen Dank an den Topp-Verlag für das bezaubernde Rezensionsexemplar!

Katha