Lesespiele – Lesen mit Freude

Online finden sich (momentan?) massenweise Lese-Reaktionsspiele nach dem Muster „Ich habe – du hast“. Sie sind von der Lehrkraft mit einer einfachen Vorlage leicht hergestellt und angepasst, schnell den Schüler:innen erklärt und dann in vielen Varianten spielbar. ABER: Sie sind auch unfassbar dröge! (Meine Meinung und auch die einziger Kolleginnen, mit denen ich mich unterhalte.) Immer nur die Wortebene, immer nur kurz mal zuhören, ob mein Begriff oder meine Zahl genannt wird. Der Anspruch ist sehr gering und höchstens im ersten Schuljahr oder Förderbereich vorstellbar.

Fachlich möchte ich vor allem kritisieren, dass die Kinder nicht an das Lesen, Verstehen und Formulieren ganzer Sätze herangeführt werden, wenn ich diese sehr aktivierende Spielmöglichkeit so reduziere. Das jedoch ist ja Kern unserer Aufgabe: Wortschatz aufbauen, Satzmuster anbieten und das korrekte Bilden ganzer Sätze ermöglichen. Dazu können Lesespiele auch beitragen – wenn Sie denn diese sprachliche Ebene auch anbieten und nicht bei „Ich habe einen Frosch. Wer hat ein Schaf?“ hängen bleiben.

Was Lesespiele aber auch bieten: sie können Spaß machen! Ja, wirklich: Spaß beim Lesen, Spaß beim Spielen, ein fröhliches, lustiges gemeinsames Erlebnis. Alle Klassen, die ich bisher leiten durfte und auch einige meiner Fachklassen liebten Lesespiele und oft genug haben wir als gemeinsames Produkt sogar selbst welche erfunden – sie auf dem oberen Foto oben rechts.

Witzigerweise beinhaltete einer meiner ersten Beiträge hier im Blog (genauer gesagt mein erstes geteiltes Material) zwei Lesespiele zum Thema Märchen. So sahen / sehen die aus:

Man sieht direkt den deutlich größeren Textumfang, der klar auf der Satzebene angesiedelt ist. Das rechte Spiel ist etwas simpler angelegt, weil es wiederkehrende Satzanfänge (Ich suche…, Ich bin…) nutzt. Das linke Spiel ist schon deutlich komplexer und quasi eine Niveaustufe höher angelegt. Das ist nämlich auch so schön an Lesespielen: Ich kann sie im Anspruch wirklich gut an meine Lerngruppe anpassen.

Lesespiele in den Fächern und zum Spaß

An meinem Pult hatte ich immer diverse Lesespiele parat. Ein paar Beispiele möchte ich hier verlinken:
– Sachunterricht – Ritter (Zaubereinmaleins)
– Sachunterricht – Afrika (Zaubereinmaleins)
– Englisch – How much is it? (Primarblog)
– Spaß: Winter/Weihnachten (Grundschultante)
– Spaß: Das Komplimente-Lesespiel (Zaubereinmaleins)
– Spaß: Mompitze (Primarblog)
Leider stammen viele Downloads noch aus der Zeit vor Eduki und sind nicht mehr verfügbar. Wenn ihr noch gute Links habt, schreibt mich gern an und ich ergänze sie.

Erfreulicherweise lassen sich mit einer einfachen Wordvorlage (oder was auch immer dein favorisiertes Tool ist) Spiele zu jedem erdenklichen Thema erstellen. Statt der reinen Wortebene sollte man dabei jedoch ganze Sätze und Umschreibungen oder Beschreibungen nutzen. Ein Beispiel: Im Sachunterricht sollen die Bundesländer Thema eines Lesespiels sein. Auf den Karten steht dann nicht „Ich habe NRW. Wer hat Niedersachsen?“ sondern so etwas wie „Ich suche das einzige Bundesland, das an Nordsee und Ostsee grenzt.“ oder „Welches ist das bevölkerungsreichste Bundesland?“.

Lesespiele in der Lehrkräfteausbildung und Fortbildung

Irgendwann habe ich mal eine kollegiale Fortbildung mit einem Lesespiel eröffnet (hier nachzulesen), da vor allem bei Erwachsenen auf diesem Wege eine etwas andere Einführung möglich ist. Hierbei zeigte sich, dass selbst studierte Menschen erstmal die Struktur und Regeln solch eines Lesespiels verstehen müssen, um auch nur das zu sagen oder zu lesen, das sie sagen oder lesen sollen 🙈.

Auch im Fachseminar konnte ich inzwischen Lesespiele unterbringen, die dann die selbe Funktion hatten. In die FS-Sitzung zum mündlichen Erzählen starteten wir mit einem solchen Spiel, bei dem die LAA sich quasi selbst gemeinsam den Einstieg und thematischen Rahmen erlasen.

Zwei letzte Gedanke noch:
Häufig passt die Kartenanzahl des Spiels nicht zur Größe der Klasse. Erfahrungsgemäß gibt es aber immer Kinder, die gern mehrere Karten spielen. Sollten mal zu wenige Karten vorhanden sein, spielen Kinder zu zweit oder einzelne pausieren freiwillig.
Anders als bei manch modernem Material lohnt es sich, Lesespiele zu laminieren, da man sie immer wieder spielen kann. Jedes Mal hat jedes Kind ja einen neuen Part. Manche meiner lustigen Spiele waren so beliebt, dass die Kinder sie sich gezielt wünschten und auf Wunschrollen hofften 😁.

Ich wünsche euch viel Spaß mit den gefunden oder euren selbst erstellten Spielen. Wenn du hier gern eins hinzufügen möchtest, schick es mir gern!

Katha

Rezension: „Hoch hinaus mit Leni“

Titel: „Hoch hinaus mit Leni“
Verlag: Hogrefe (hier klicken)
Autor:innen: Sara Aeschlimann, Adrian Wullschleger
Illustrationen: Sara Aeschlimann
ISBN: 978-3-456-86380-1

Zum Inhalt:
Dieses Buch ist kein reines Bilderbuch, sondern besteht aus drei Teilen: Der erste Teil (also das Bilderbuch) erzählt die Geschichte von Leni, einem Pinguin mit viel zu großen Flügeln. Leni kann deshalb nicht so gut laufen und schwimmen wie die anderen Pinguine, fühlt sich unbegrenzt und traurig. Dann aber trifft sie den Albatros, der ebenfalls sehr große Flügel hat und Leni dazu ermutigt, diese zum Fliegen zu nutzen. Also übt Leni fleißig und schafft das Besondere. 

Der zweite und dritte Teil des Buches sind für Eltern und Pädagog:innen gedacht und beinhalten Übungen für Kinder rund um das Thema Diversität sowie Hintergründe für begleitende Erwachsene. Der Kinderteil erklärt schrittweise am Beispiel von Lenis Pinguinkolonie, was Diversität ist und lädt dazu ein, sich selbst und die eigene Umgebung zu reflektieren. Der Erwachsenenteil sammelt Impulse, wie man bewusster und reflektierter mit Diversität umgehen und diverse Kindergruppen begleiten kann.

Meine Meinung:
Lenis Geschichte ist anrührend und durch die symbolische Ebene der Tierwelt für Kinder gut greifbar – nicht umsonst wird das Motiv des Tieres, das anders ist, immer wieder aufgegriffen (am prominentesten sicher in „Findet Nemo“). Mir persönlich ist der fliegende Pinguin bzw. sind die später dargestellten Pinguine mit Rollstuhl, Blindenstock oder großen Ohren dann doch etwas zu plakativ – ich bin ja aber auch kein Kind mehr. Die Haltung hinter der Geschichte ist auf jeden Fall positiv und die Message des Buches wichtig. 
Die Begleitmaterialien sind professionell aufbereitet und geben eine sinnvolle Schrittigkeit vor. Vom Konkreten zum Abstrakten, von mir zu den Menschen um mich herum, das sind für Kinder nachvollziehbare Denkwege. Um das Buch mehrmals nutzen zu können ist es aus meiner Pädagoginnensicht sehr schön, dass die Materialien für die Kinder separat zum Download angeboten werden (über einen Code im Buch).

Leseempfehlung:
Lenis Geschichte ist gut für Kinder im Kindergartenalter und in den ersten Schuljahren geeignet. Die Materialien in Teil 2 und 3 machen es Lehrkräften leicht, das komplexe Thema von Diversität und Inklusion anzugehen und verständliche Formulierungen zu verwenden.
Das Buch kann ein sehr guter Ausgangspunkt dafür sein, ein Klassenprojekt durchzuführen, in dem alle Kinder ihre Stärken und Schwächen reflektieren und darüber ins Gespräch kommen. Dadurch kann das Lernklima unheimlich gestärkt werden, weil nochmal klar wird, dass niemand besser oder schlechter ist als andere.

Vielen Dank an den Verlag Hogrefe für das Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Weitsprung mit Schwein“

IMG_0790Titel: „Weitsprung mit Schwein“
Verlag: dtv (hier klicken) https://www.dtv.de/buch/weitsprung-mit-schwein-76498
Autorin: Henrike Wilson
Illustrationen: Henrike Wilson
ISBN: 978-3-423-76498-8

Zum Inhalt:
An der Schule der Tiere findet heute die große Sportmeisterschaft statt.  Die Ente ist nicht schnell genug für den Sprint und wird ausgelacht. Bald jedoch merken die anderen Tiere in anderen Disziplinen, dass sie auch nicht überall stark genug sind und stecken Niederlagen ein: Das Schwein ist zu plump für Weitsprung, das Eichhörnchen kann keinen Medizinball stoßen, der Bär schwimmt arg langsam…
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Die Lehrerin Frau Pfeiffer ermahnt ihre Schützlinge immer wieder dazu, nicht zu lachen. Ob ihre Worte Wurzeln schlagen, lest ihr spätestens nach der letzten Disziplin bei der Medaillenvergabe.

Meine Meinung:
„Weitsprung mit Schwein“ nimmt ein für Kinder (und Erwachsene) allgegenwärtiges Thema auf: Heterogenität, also dass eben jede:r anders ist und dass jede:r andere Stärken und Schwächen hat. Die Situation des Schulsportwettkampfes dürfte vor allem Schulkinder ziemlich ansprechen, da sie besonders in der Schule die Erfarhung von Erfolg und Scheitern machen.

Gut gefällt es mir auch, dass es anfangs in der Geschichte die typischen Reaktionen gibt, die Kinder von sich und anderen kennen: wer etwas nicht kann, wird belächelt, vielleicht sogar ausgelacht. Erst durch eigenes Scheitern merken die Tiere in der Geschichte, dass gegenseitige Unterstützung und das Mitfreuen über Erolge allen viel mehr Freude bringen.

Die Zeichnungen sind farbenfroh und klar, sie bringen die Emotionen der Tiere unheimlich gut zur Geltung. gemeinsam mit den kurzen, pointierten Texten ergibt sich eine Story, der die Kinder gut folgen können und die wirklich sehr zur Identifikation und Perspektivübernahme anregt.

Leseempfehlung:
Eltern mit Kindern unter 8, Fachkräfte in der Kita und Lehrkräfte der Schuleingangsphase dürften mit diesem Buch einen weiteren tollen Vorlese-, Erzähl- und Gesprächsanlass haben, um mit den eigenen oder anvertrauten Kindern über Heterogenität zu sprechen. Durch den klaren schulischen Bezug könnte das Buch sicher auch ältere Klassen dabei unterstützen, über ihre eigenen Strärken und Schwächen sowie den (gemeinschaftlichen) Umgang damit nachzudenken.

Vielen Dank an den dtv-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha