Rezension: „Drei Wasserschweine tauchen ab“

Titel: „Drei Wasserschweine tauchen ab“
Verlag: dtv (hier klicken)
Autor: Matthäus Bär
Illustrationen: Anika Voigt
ISBN: 978-3-423-76623-4

😎 Die drei Wasserschweine sind wieder im Blog! In meiner Rezension zu Band 1, einer Verlosung und einer Ideensammlung zum Einsatz in einem sachunterrichtlichen Projekt waren sie ja schon zu Gast.

Zum Inhalt:
Im dritten Band der Reihe erleben die drei Wasserschweine Emmy, Raul und Tristan ein neues spannendes Abenteuer. Zum ersten Mal schlittern sie jedoch nicht einfach so hinein, sondern werden von der Faultiermutter Fiona gebeten, ihren verloren gegangenen Sohn zu finden. Eine weitere Premiere für die Capybaras ist, dass sie die schützenden Mauern ihres Zoos verlassen und tatsächlich in der Wildnis landen. Natürlich treffen wie wieder auf Tiere bzw. Tierarten, die sie bislang nicht kannten und finden dabei neue Freund:innen. Nach den Zootieren in Band 1 und 2 sind es dieses Mal Schwäne, ein Biber und eine Hündin.

Meine Meinung:
Fortsetzungen sind ja manchmal so eine Sache… sie können echt lahm werden, wenn’s schlecht läuft. Zum Glück hat Matthäus Bär offensichtlich genügend wunderbare Ideen für seine Capybara-Bande, so dass der dritte Band wie seine Vorgänger wirklich spannend, interessant und ganz eigen ist. 👍🏻
Die drei Haupt- und und die Nebenfiguren sind liebenswert und charakterlich ganz unterschiedlich, was Kindern vielfältige Möglichkeiten gibt, sich in der Geschichte wiederzufinden. Es geht um Mut und Angst, um Streit und Versöhnung, um Geheimnisse und Hoffnungen – also viele für Kinder sehr relevante Themen.
Anika Voigt hat der Geschichte wieder auf ihre zauberhafte Art Leben eingehaucht. Ihre klaren, farbenfrohen Illustrationen gehören einfach dazu! Nach zwei Doppelseiten mit Text kann man sich in der Regel auf eine voll illustrierte freuen, auf der es viel zu sehen gibt. Die Stimmung der einzelnen Capybaras lässt sich dabei immer hervorragend erkennen.

Leseempfehlung:
Sicher gibt es schon einige Capybaras-Fans, die bereits auf Band 3 gewartet haben – so ging es meinem Junior und mir zumindest letztes Jahr mit dem zweiten Band. Wer die drei abenteuerlustigen Wasserschweine noch nicht kennt, dem sei sowohl dieses Buch ans Herz gelegt als auch die beiden Vorgänger (die Reihenfolge spielt glücklicherweise keine Rolle). Selbst zu lesen ist die Geschichte ab zehn oder auch für etwas jüngere Leseratten. Zum Vorlesen ist sie auch für jüngere Kinder im Vorschulalter geeignet, anspruchsvoll genug aber auch für die ganze Grundschulzeit. Jedes Kapitel passt ganz gut in eine Frühstückspause…

Vielen Dank an den dtv-Verlag für das Rezensionsexemplar! Junior und ich haben uns sehr gefreut!

Katha

Büchertisch „Migration und Flucht“

2015 gab es die große Flüchtlingswelle aus Syrien, seit 2022 kommen viele Familien mit schulpflichtigen Kindern aus der Ukraine nach Deutschland, um hier sicher leben zu können. Die erste Situation habe ich als Lehrerin miterlebt und erinnere mich auch noch an mehrere Kinder und Familien aus dieser Zeit. Die zweite Welle von kein bis wenig deutschsprechenden Kindern erlebe ich fast ausschließlich als Seminarausbilderin mit, also quasi „second hand“. Den größten Unterschied sehe ich in den technischen Möglichkeiten der Übersetzungstools, manche davon mit KI im Herzen: viele meiner LAA nutzen sie, um eine Basiskommunikation mit den Kindern aufzubauen oder auch um Arbeitsaufträge und Material in der Muttersprache der Geflüchteten zu übersetzen. Das ging so 2015 für mich noch nicht so gut und ich erinnere mich an viele, teils lustige Gespräche mit Händen und Füßen, die ich sowohl mit einer jungen Syrerin in meiner Klasse als auch mit ihrer Familie führte. Was mir beim ganzen Thema Krieg, Flucht und Migration oft zu kurz kommt ist die Tatsache, dass diese Kinder nicht einfach nach Deutschland gezogen sind, sondern dass es gewichtige Gründe für die Flucht der Familien gab und nicht selten traumatische Erfahrungen gemacht wurden. Immer, wenn auf dem nahe gelegenen Truppenübungsplatz geschossen wird, geht mir dieser Gedanke durch den Kopf. Wir hier in Frieden Aufgewachsene, also auch die Majorität unserer Schüler:innen, kann sich gar nicht vorstellen, was so ein Kind alles erlebt haben kann.

Aus diesem Grund möchte ich euch heute einige Bücher vorstellen, die mir als Lehrkraft rund um das Themenfeld „Migration und Flucht“ als sehr geeignete Lektüre zur individuellen Weiterbildung einerseits und andererseits für den Einsatz im Unterricht erscheinen.

Teil 1: Bücher, um sich selbst einzulesen und zu sensibiliseren
Das Integrationsexperiment“ von Anant Agarwala war das erste Buch, das ich aus diesem Themenfeld gelesen habe. Es zeigt gut, wie schwierig es für Zugewanderte ist, die geforderte Integration auch zu erreichen. Die aktuellen Diskussionen um z. B. die Streichung von Mitteln für Sprachkurse passen dazu gut.
Zuletzt habe cich zwei Bücher von Aladin El-Mafaalani gelesen: „Das Integrationsparadox“ & „Kinder – Minderheiten ohne Schutz„. Besonders das zweite Buch fand ich schon harten Tobak für einen so positiv denkenden Menschen wie mich. Aber die Erklärungen zu superdiversen Kindheiten, also dem extrem unterschiedlichen Aufwachsen vermeintlich homogener Gruppen wie „Kinder mit Migrationshintegrrund“, regen sehr zum Nachdenken und genaueren Hinsehen im Alltag an.

Teil 2: Bilderbücher für den Einsatz im Unterricht
Meine Erfahrung zeigt mir, dass gerade „schwierige“ Themen mit Kindern immer gut ausgehend von einem fiktiven Stoff im Kinder- bzw. Bilderbuch angegangen werden können. Auch beim Thema Flucht stellt man natürlich nicht ein frisch zur Klasse gestoßenes Kind in den Mittelpunkt und erklärt, was es wohl durchgemacht hat. Typische Flucht- bzw. Migrationsgeschichten ermöglichen den Kindern das Einfühlen statt bloßen Bemitleidens, das verstehen von Hintergründen. Diese drei Bücher aus meinem Regal kann ich auch dafür ans Herz legen:
Zuhause kann überall sein“ hat mich sehr beeindruckt. Die tolle Sprache der Farben und die Symbolik zum Erlernen einer neuen Sprache sind unheimlich gut dargstellt. Jedes Kind dürfte sich in die Hauptfigur hineinversetzen, die im neuen Land zuerst nichts Vertrautes finden kann.
In der Schlange der Träume“ erzählt eindrücklich davon, wie anstrengend, beängstigend und gefährlich die Flucht aus einer Kriegsregion ist. Beide Bücher lassen sich also hervorragend kombinieren.
Zuletzt habe ich noch „Yaras Sternenhimmel“ gelesen, das einen späteren Zeitpunkt in den Blick nimmt: die Sprache gelernt haben, integriert sein und dennoch eine andere Heimat zu fühlen. Auch dieser Aspekt kann von den Kindern gut nachvollzogen werden.

Ich hoffe, ich konnte dir ein paar Anregungen mitgeben. Die wichtigste ist und bleibt aber für mich, immer den Menschen im „Flüchtlingskind“ zu sehen und das System mit seinen Ansprüchen auch mal zurechtzubiegen.

Katha