Titel: „Der beste Garten der Welt“
Verlag: Südpol (hier klicken)
Autorin: Alice Courtley
Illustrationen: Alice Courtley
Übersetzung: Lina Robertz
ISBN: 978-3-96594-371-1
Zum Inhalt:
Eichhörnchen Steve zieht aus dem Stadtpark in den Wald, um dort wie ein wildes Eichhörnchen zu leben. Sein Plan: den besten Garten der ganzen Welt anzulegen und darin mit Freunden Zeit zu verbringen.
Die Waldtiere helfen ihrem neuen Mitbewohner auch fleißig dabei, diesen Plan in die Tat umzusetzen und es entshet der beste Garten mitten im Wald – da sind sich die Tiere einig (wenn sie auch nur diesen Garten kennen). ABER: die Waldtiere haben deutlich andere Vorstellungen davon, wie man diesen Ort nutzen kann, als Steve. Das führt dazu, dass Steve in seinem Garten so ziemlich alles verbietet, was den anderen Spaß macht (siehe rechtes Bild). Dummerweise besucht ihn nun allerding niemand mehr. Also muss ein neuer Plan her!


Meine Meinung:
Steve ist energiegeladen, sympathisch, voller Lebensfreude und Lust am Gärtnern – und ein wenig naiv. Das macht ihn unheimlich liebenswert. Genauso wie die Waldbewohner:innen, die als etwas unerfahren, aber nie doof dargestellt werden. Beide Seiten stellen fest, dass ein „perfekter Garten“ für sie sehr verschiedene Bedeutung hat, weil sie die (gezähmte) Natur ganz unterschiedlich nutzen möchten. Diese verschiedenen Vorstellungen sind ihnen jedoch zuerst gar nicht bewusst – ein schönes Bild dafür, wie viele Missverständnisse entstehen bzw. wie leicht man manchmal jemanden vor den Kopf stößt.
Erfreulicherweise zieht Steve die richtigen Schlüsse daraus, dass er in seinem Verbote-Garten allein bleibt und findet wieder mit den Waldtieren zusammen. Er verändert seine Sichtweise und erkennt die Bedürfnisse der Anderen. Diesen Wandel, dieses Eingestehenkönnen, mag ich besonders an Steve und der Geschichte. Das Eichhörnchen bietet somit eine tolle Projektionsfläche für eigene Gefühle und das eigene Verhalten im Umgang mit anderen Personen. Die plakative Handlung ermöglicht es Kindern hervorragend, sich in Steve und die Waldtiere hineinzuversetzen und ihre Perspektive verstehen zu lernen. Dass hier Tiere handeln, erleichtert diesen Prozess zusätzlich, da sie genügend Distanz bieten, um nicht perönlich betroffen zu sein.
Ein ganz starkes Bilderbuch!
Leseempfehlung:
„Der beste Garten der Welt“ ist eines der Bilderbücher, die ich uneingeschränkt allen Eltern, Erziehr:innen und Lehrkräften empfehlen kann! Bis weit ins Grundschulalter hinein trägt diese Geschichte meiner Meinung nach. Beim (Vor-)Lesen ist Steves Story erstmal amüsant, lustig, nett. Schnell bieten sich jedoch Gesprächsanlässe über das Verhalten der Tiere: Findest du das in Ordnung? Wie würdest du an dieser Stelle handeln? Was könnte Steve anders machen? Wie könnten die Tiere Freunde sein? – All diese Fragen ermöglichen es, über Perspektiven zu sprechen, über das Miteinander und darüber, dass Reden wirklich hilfreich ist, bevor man traurig, wütend oder einsam wird. Und das alles ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder didaktisierte Storyline! 😉
Vielen Dank an den Südpol-Verlag für das druckfrische und so liebevoll verpackte Rezensionsexemplar!
Katha
