Rezension: „Executive Presence – mehr als der erste Eindruck“

Titel: „Executive Presence – mehr als der erste Eindruck“
Verlag: haufe (hier klicken)
Autor:innen: Christian Maaß
ISBN: 978-3-648-19046-3

Zum Inhalt:
Christian Maaß schult Menschen in Managementpositionen zur sog. „Executive Presence“ sowie dem entsprechenden Mindset und Strategien (zwei weitere Bände). Im vorliegenden Buch stellt er die wichtigsten Aspekte der erstgenannten Führungsqualität vor: das Auftreten (der erste Eindruck), die Kommunikation, die eigene Wirkung und Feedback. Alles Aspekte werden anhand von Fallbeispielen berühmter Manager:innen vertieft und konkretisiert. Ergänzt werden die Kapitel jeweils durch Selbstchecks und ganz praktische Verhaltentipps.

Meine Meinung:
„Warum ein Buch für Manager?“, fragst du dich vielleicht gerade. Warum? Weil man an vielen Stellen den Begriff Manager durch das Wort Lehrkraft sowie den Begriff Kunden durch Lerndende ersetzen kann und damit plötzlich viele gute Hinweise für die eigene Professionalität bekommt. Zugegeben, zum Beispiel beim Kapitel „Wirksamkeit“, wo es um finanziellen Erfolg des Unternehmens geht, fällt der Bezug etwas schwerer – aber bei Auftreten, Kommunikation und dem dringenden Rat, sich verschiedene Arten von Feedback einzuholen, sind Lehrkräfte quasi 1:1 angesprochen.

Was ich aus dem Buch mitnehme ist die Bestätigung, dass gute Führung (gutes Lehrersein) nicht gottgegeben oder Veranlagung ist, sondern dass Taktik, Strategien und Selbstreflexion dahinter stecken. Eine Nachricht, die ich sowieso gern meinen LAA mitgebe. Hinweise nehme ich auch darauf mit, dass der eigene Umgang mit Stereotypen maßgeblich unsere Kommunikation beeinflusst und wie ich dem professionell entgegensteuern kann. Die dritte Botschaft, die ich direkt mit in meine Seminare nehmen werde, ist die Empfehlung, sich mental auf Situationen vorzubereiten. Maaß vergleicht dies mit dem Placebo-Effekt: Allein dadurch, dass ich im Kopf eine Situation durchgespielt und verschiedene Handlungsoptionen gesammelt habe, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ich diese im realen Leben erfolgreich meistere.

Leseempfehlung:
Wer offen ist für einen etwas anderen Blickwinkel auf die Professionalität von Lehrkräften (a.k.a. Führungspersonen), dem kann ich diesen Ausflug in die Wirtschaft empfehlen. Schön zu sehen, dass es doch eigentlich in vielen Berufen sehr ähnliche Grundlagen und Bedingungen gibt.

Vielen Dank an den Verlag haufe für das Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Upgrade: Kollaboratives Lernen“

IMG_6816Titel: „Upgrade: Kollaboratives Lernen. Sehen – Fördern – Bewerten“
Verlag: Klett Kallmeyer (hier klicken)
Autor: Björn Nölte
Illustrationen: Anja Legrand
ISBN: 978-3-7727-1656-0

Zum Inhalt:
Kollaboration ist eine der 4 sog. 21st-century-skills, also eine der vier Fähigkeiten, die Lerner*innen zukünftig am dringendsten benötigen werden: Kollaboration, Kooperation, Kreativität und Kritisches Denken. Dass diese Kompetenzen in einer Kultur der Digitalität eine große Rolle spielen, dürfte klar sein.
IMG_6817So hat Björn Nölte mit dem vorliegenden Buch auch keinen weiteren Ratgeber verfasst, warum kollaborative Lernformen sinnvoll sind oder wie sie schrittweise aufgebaut werden können, sondern vor allem vor den veränderten Anforderungen an Schule und Lehrer*innenausbildung verschiedene Schlaglichter auf die Beudeutung und Umsetzung von Kollaboration geworfen. Von Definition und Abgrenzung geht es sehr praktisch durch mögliche koll. Szenarien im Unterricht, Diagnose und Bewertung sowie die Bedeutung von Beziehung für Kollaboration. Aber auch den Blick über den Tellerrand des Unterrichts gibt es: Kollaboration bezogen auf Kollegien / Vernetzung sowie koll. Zugänge in der Ausbildung.
Die Texte werden immer wieder aufgelockert durch Illustrationen einerseits, durch Kurzportraits, Kurzlinks bzw. QR-Codes andererseits.

Meine Meinung:
Auf Twitter folge ich Björn Nölte schon länger (an dieser Stelle wieder einmal eine Einladung ins #Twitterlehrerzimmer!) und auch dem Institut für zeitgemäße Prüfungskultur, in dem er aktiv mitwirkt – zuletzt durfte ich u.a. seinen Ideen bei der molol in Hannover im September lauschen. Ich wusste also grundlegend, was auf mich zukommt und dass die vorgestellten Ideen Hand und Fuß haben. Das hat sich absolut bestätigt! Über manche Kapitel konnte ich demnach eher leicht hinweglesen, weil ich im Thema bin oder die Beispiele von Twitter kannte. Andere Kapitel aber (vor allem das zu Beziehungen) haben mich sehr bewegt und mal wieder mehrere lose Fäden in meinem Hirn miteinander verknüpfen können, um meine Haltungen und Vorstellungen auszuschärfen.
Björn und die Autor*innen einzelner Kapitel machen deutlich, dass die Haltung der Lehrkraft die alles entscheidende Grundlage dafür ist, wie sich Unterricht entwickelt, wie sich Schule entwickelt. Sie stellen das weite Feld der Möglichkeiten dar, aber zeigen auch realistische Grenzen auf.
Viele Aspekte aus diesem Buch sind in einer Kultur der Digitalität gedacht, aber ebenso ist es für die gedankliche Basis gleich, ob ein Mensch eher analog oder digital arbeitet – wenn auch digitale Tools Kollaboration auf neuen Ebenen ermöglichen und extrem vereinfachen. Wieder einmal wird deutlich, dass es bei (digitaler) Unterrichtsentwicklung nicht um Unterrichtsrezepte geht und dass vorgestellte Beispiele eine Anregung aber keine Formel sein können.
Ich gehe inspiriert in die kommende Seminararbeit und fühle mich bestärkt in der Haltung, die ich auch meinen LAA vermitteln möchte: einen selbstreflexiven, offenen Blick auf die Möglichkeiten zu haben, was in Schule alles möglich ist. Danke dafür!

Leseempfehlung:
Die praktischen Beispiele stammen aufgrund des Schwerpunkt des Autoren, aus den Sekundarstufen. Dennoch möchte ich ausdrücklich alle interesssierten Lehrkräfte anregen, sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen: einerseits sind die Grundlagenkapitel (Diagnose, Bewertung, Beziehung, Elternarbeit) schulformübergreifend gültig, zum Anderen lassen sich auch die anspruchsvollen Beispiele für Unterrichtsszenarien teilweise gut herunterbrechen für die Primarstufe. Wer sich also vom Wert kollaborativen Arbeitens überzeugen lassen möchte, der möge dieses „Upgrade“ lesen!

Vielen Dank an Björn (und stellvertretend natürlich an den Verlag) für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha