Titel: „Ach! Noch wach?!“
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Autor: Lorenz Pauli
Illustrationen: Kathrin Schärer
ISBN: 978-3-314-10781-8
Zum Inhalt:
Zehn kleine Murmeltiere sollen schlafen gehen, weil es draußen dunkel ist und die nacht beginnt. Ein kleines Murmeltier jedoch möchte die Dunkelheit selbst sehen und büxt deshalb aus. Draußen ist es angemessen beeindruckt und hat seinen Geschwistern viel Neues zu erzählen. Auf dem Rückweg in den Bau erwischt das kleine Murmeltier jedoch den falschen Eingang und kuschelt sich plötzlich an einen kleinen Fuchs, der als einziger aus der Geschwisterrunde nicht hinausgehen und herumtollen möchte. Die beiden Jungtiere tauschen sich in der Höhle über ihre unterschiedlichen Haltungen zum Schlafen aus, ihre Mütter regeln oberirdisch gleichzeitig alle Nötige, damit am Ende jeder wieder dort ist, wo er hingehört.


Meine Meinung:
Eine simple, aber ganz liebevolle Geschichte über zwei Tierkinder, die die Dinge ganz anders sehen als sie sie sehen sollten: Ein Murmeltierchen, das nachts nicht schlafen mag und ein Füchslein, das nachts lieber schlafen als spielen will. Die beiden treffen aufeinander und erzählen sich von ihren Einstellungen. Und dann geschieht etwas Tolles, das man sich gern zum Vorbild nehmen darf: Statt sich gegenseitig von der Richtigkeit ihrer eigenen Haltung überzeugen zu wollen, akzeptieren sie einfach die des anderen und probieren dessen Idee sogar selbst aus. Etwas, das man sich in Zeiten überhitzter und ideologischer Debatten überall in unserem Umfeld kaum noch vorstellen kann. Wer großzügig mit seiner Interpretation ist, könnte sogar noch Verständigung zwischen verschiedenen Völkern, Gruppen, … in der Geschichte finden.
Die durchgehend ganzseitigen Illustrationen sind in dunklen, nächtlichen Farben gehalten und nehmen mich somit hervorragend mit in die Stimmung der Nacht. Wenige Details wie Pflanzen lenken von den Protagonist:innen und der handlung ab. Die Tiere sind realistisch gezeichnet und menscheln doch ein wenig – also in dem Sinne, dass man ihren Charakter erkennen kann.
Leseempfehlung:
… geht raus an alle Menschen mit Kindern, die gemeinsam über Verständnis, Offenheit und Zuhören nachdenken wollen. Vielleicht wäre einigen nationalen und internationalen Politiker:innen die Lektüre dieses Bilderbuchs auch empfohlen – ob sie dann verstehen, wie es gehen kann?
Zum Einsatz in der Schule: Beim ersten Lesen dachte ich ungefähr „ist ja eher ein Einschlafbuch für Kleinere“ (was es ja vordergründig auch ist und sein darf – Empfehlung des Verlags ab 4 Jahren). Dennoch denke ich, dass die Geschichte zwischen dem kleinen Fuchs und dem kleinen Murmeltier Potenzial hat, mit jüngeren Grundschulkindern im Rahmen ethischer/sozialer Arbeit ins Gespräch zu kommen und darüber zu sprechen, wie man damit umgehen kann, wenn jemand anderer Meinung ist als man selbst.
Vielen Dank an den NordSüd-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!
Katha

