Rezension: „Du nervst!, schimpft die Maus“

Titel: „’Du nervst!‘, schimpft die Maus“
Verlag: NordSüd (hier klicken)
Autor: Marcus Pfister
ISBN: 978-3-314-10774-0

Zum Inhalt:
IMMER steht der große Elefant der kleinen Maus im Weg. IMMER sitzt er so, dass sie nichts sehen kann. IMMER beachten alle nur den Elefanten und nicht die Maus. Immer wieder ist die Maus heute genervt vom Elefanten, und lässt ihn hören: „Du nervst!“ Zum Glück bleibt der Elefant gelassen, bietet Unterstützung an und zeigt Wege auf, wie die Maus zu ihrem Recht kommen kann. Irgendwann wird es aber selbst dem gelassenen Dickhäuter zu viel und er konfrontiert die Maus mit seiner Wahrnehmung ihres Verhaltens.

Meine Meinung:
Der Titel verrät eigentlich schon einen Großteil der Geschichte. Dennoch überraschen zuerst die vielfältigen Anlässe, die die kleine Maus nerven und die gelassene Reaktion des Elefanten. Auch positiv überraschend ist die simple, aber doch hocheffektive Intervention des Elefanten, als ihm die schlechte Laune der Maus dann doch Überhand nimmt. Diese Stelle mag ich besonders, weil der Satz „Wenn ich nicht sicher wüsste, dass du mich magst, würde ich denken, dass du mich nicht magst“ so unfassbar kraftvoll ist. Es ist ein Satz, den man sich eigentlich auf einen Zettel für die Hosentasche schreiben sollte, um ihn immer herauszuholen, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt. Maus und Elefant bieten dem und der Lesenden also tolle Identifikationsfiguren für ein gelungenes Konfliktmanagement, wenn man es so sagen mag. Ich freue mich, dass mein Regal mit „pädagogisch wertvollen Bilderbüchern“ Zuwachs bekommen hat!
Die Illustrationen finde ich spannend. Der Elefant ist immer „über-Seiten-groß“ und nie ganz zu sehen. Die Hintergründe sind größtenteils einfarbig gehalten und zeigen die kritischen Situationen nur angedeutet (ein Flussufer, ein Sonnenschirm). Die Farben sind hell und kräftig und unterstreichen den eigentlich positiven Charakter der Story.

Leseempfehlung:
„Du nervst!“ ist ein kraftvolles Bilderbuch, das Groß und Klein erfreuen kann. Für privates Vorlesen finde ich es (laut Verlag ab 4) genauso wertvoll wie für die pädagogische Arbeit mit Kindern. Gerade in der Schuleingangsphase sehe ich die Geschichte im Regal für Klassenstunden, wenn es um Gemeinschaft, Gefühle und Sozialverhalten geht. Das Mitsprechen oder Nachspielen des mäuslichen Geschimpfes dürfte die Kinder unterhalten und sogleich sensibilisieren für die Schärfe dieser Worte. Und die Diplomatie des Elefanten kann ein toller Ansatz sein, um gemeinsam Formulierungen zu sammeln, wie man einerseits jemanden ansprechen kann, wenn man sich verletzt fühlt und andererseits auch das scharfe „Du nervst“ in sozial verträgliche, respektvolle Worte zu verwandeln.

Vielen Dank an den NordSüd-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

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