Die mittelalterliche Burg – Prolog

Vorhin habe ich das Pferd etwas von hinten aufgezäumt: Die Beschreibung meiner Burgenbaubeginnstunde habe ich schon gebloggt, bevor ich die Hinführung beschreiben habe… Deshalb hier nun die 2 Stunden davor im Schnelldurchlauf:

1. Welche Teile / Gebäude / Einrichtungen hatte eine durchschnittliche Burg?
Die Kinder arbeiteten in den sieben Gruppen, die sich fürs Bauen schon gebildet hatten, an einem AB mit der Abbildung einer Burg, die beschriftet werden sollte. Findet ihr in jeder gängigen Ritter-Werkstatt oder im Netz (Bildersuche „burg“ hilft weiter). Dazu habe ich alle meine Ritterbücher mit Post-its auf den passenden Seiten versehen und den Gruppen verteilt. Der Klassiker „Schlag nach im Sachunterricht“ hat auch eine schöne Seite dazu und in manchem Deutsch-Lehrwerk finden sich auch passende Infos. Nun wurde in drei Phasen mit wechselnden Büchern gearbeitet, um möglichst viele Teile der Burg zu erkennen und zu benennen.


Bei jedem Klingeln meines Klangstabs wurden die Bücher getauscht. Da sie alle auf sehr unterschiedlichen Niveaus liegen und zum Teil abweichende Begrifflichkeiten verwenden, haben wir also Differenzierung und Wortschatzarbeit gleich mit erledigt…

2. Wofür gibt es all dieses?
Nach dem vergleichenden Beschriften der Burgabbildung via OHP-Folie (so richtig ganz klassisch mit Folienstift und so!) haben wir dann mal sortiert, welchen ganz konkreten Zwecken die Gebäude etc. dienen. Auf drei Plakaten habe ich die Erklärungen der Kinder sortiert und am Ende suchten wir gemeinsam Überschriften für die Themen: „Schutz & Sicherheit“, „Versorgung“ und „Vorteile / Privilegien“ kamen dabei heraus.
Hier hat sich nochmal bewiesen, dass es für die Kinder gut war, am Anfang der Einheit den Film über das Leben der Bauern im Mittelalter gesehen zu haben – so konnten sie vor allem die Privilegiertheit der höheren Stände gut herausarbeiten und den Luxus bzw. die Sicherheit fester Mauern erkennen. Auch das regelmäßige und bessere Essen war für sie eher zu verstehen.

So, Pferd umgedreht. Jetzt kam die erste Burgenbaustunde, in der zuerst die Urkunden eingereicht und dann die Genehmigungen erteilt wurden. Sobald der Schreiber der Gräfin von seiner Pfeilverletzung genesen ist, wird er die Genehmigungsurkunden auch schriftlich ausstellen und durch die Gräfin übergeben lassen 🙂

Ka,
… deren frühere Fachleiterin SU diese Stunde irgendwie schonmal gesehen hat, nur mit anderen Kindern…

Die mittelalterliche Burg

Die Gräfin von und zu… hat inzwischen allen sieben Gruppen den Bau ihrer beantragten Burg genehmigt. Zur Bedingung hatte sie gemacht, dass die Gruppen eine Urkunde vorlegen, die ihren adligen Familiennamen und ihr Wappen enthält. Dieser Aufforderung konnten letztendlich alle bei der zweiten Audienz der Gräfin [die wieder allen viel Spaß gemacht hat] nachkommen:

Die Familien „vom Wald“, „vom Königsstein“, „von und zu Lippe“, „von und zu Bavaria“ und die anderen haben inzwischen begonnen, aus ihren daheim gesammelten Baumaterialien ihre Burgen zu errichten. Kartonverpackungen und Tesafilm lassen in Union schon erste Grundzüge erkennen. Wieder einmal bezeichnend ist es, wie geplant und vorbereitet manche Gruppen an solch ein Projekt herangehen: sie überlegen gleich beim Sammeln schon, welche Kartons sie brauchen können und bringen zum Beispiel Schaschlikspieße für ein Fallgitter mit. Andere stehen nach einer Woche Ankündigung mit einem Cornflakes-Karton vor mir und wundern sich, was sie daraus machen sollen. Wieder andere schmeißen jegliche Planung über Bord und arbeiten sich in einen Rausch. Auch interessant, dass für einzelne Kinder ein Team wirklich nur „toll, ein anderer macht’s“ bedeutet…
Hier mal erste Eindrücke:

Ich bin mal gespannt, wie’s weiter geht. Die nächste Audienz der Gräfin wird nächste Woche wohl wieder anreisen und den Baufortschritt begutachten.

Ritterliche Grüße,
Ka