Animationsfilm-AG

Im abgelaufenen Schulhalbjahr kam ich wie die Jungfrau zum Kinde plötzlich zu einer ungeplanten AG-Stunde, die ich frei füllen durfte. Nachdem ich schon einige Monate zuhause eine Dokumentenkamera von HUE inklusive passender Animationssoftware liegen hatte, bot sich die passende Gelegenheit, das System endlich mal auszuprobieren. Bislang war das daran gescheitert, dass man mit einer normal großen Klasse ja kaum gemeinsam an einer Kamera bzw. einem PC arbeiten kann, ohne endlosen Leerlauf oder Wartezeiten bei den Kindern zu produzieren.

Nun also 6 Kinder aus zwei vierten Klassen als Versuchskaninchen. Und eine Lehrerin, die sich am heimischen PC mit der Software zum Animieren vertraut gemacht hatte. Und da lag schon der erste Fehler: an meinem Notebook lief die Kamera ganz easy im plug-and-play-Modus. In der Schule lief, nachdem endlich über den IT-Service die Installation geklappt hatte, das ganze System nur stockend. Wir haben in der gesamten Stadt ein von der Stadt als Schulträger bestehendes sehr geschlossenes System, bei dem Installationen von gekaufter (bzw. in diesem Fall zum Testen zur Verfügung gestellter) Software nur über den IT-Service möglich ist und dummerweise nicht immer alles so läuft wie auf dem privaten PC. So gingen erstmal zwei AG-Stunden drauf, bis die Technik so richtig mitspielte. Die nutzten wir dann statt zum Kennenlernen der Software zur…

I. Vorbereitung
Als Einstieg in das „Animationsfilmen“ schaute ich mit den Kindern die Doku der Sendung mit der Maus über das Entstehen von „Shaun das Schaf“: ARD Mediathek. Sie fühlten sich zwar schon ein bisschen zu cool für Shaun, fanden den Prozess des Filmens aber schon sehr spannend.
Im Anschluss überlegten wir, wie wir Figuren schaffen oder nutzen könnten und landeten fix bei Lego oder Playmobil.
Nun folgten endlich ein paar „Fingerübungen“ mit der Kamera und der Software auf einem Schulnotebook sowie einigen Legofiguren. Immer zwei Kinder stellten mit den Figuren eine kurze Szene dar und nahmen die Bilder dazu auf. Schnell zeigte sich, dass die HUE Animationssoftware wirklich intuitiv zu bedienen ist und die Kinder direkt selbst die Verantwortung fürs Gestalten, Aufnehmen und auch Löschen der Bilder übernahmen.

II. Planung
Als die Kinder ungefähr überschauen konnten, wie lange man für eine Szene braucht, giben wir an die Planung eines kleinen Films. Ich gab eine Tabelle an die Kids, in die sie Inhalt, Kulisse, Requisiten und Figuren eintrugen. Nach einigem Hin und Her legten wir fest, dass alle Entwürfe zum Tragen kommen sollten und entschieden uns für eine Aneinanderreihung von Traumsequenzen, in denen zwei Hauptfiguren (Junge und Mädchen) in verschiedene Kulissen springen und dort etwas erleben. Namen wurden gefunden und die Playmobilfiguren ausgewählt; das Mitbringen von möglichen Requisiten besprochen.

III. Kulissen
Aus Tonkarton, mittig gefaltet, wurden die Kulissen für die einzelnen Szenen gestaltet:

Im Nachhinein betrachtet haben wir uns hier deutlich zu viel Zeit gelassen und etwa drei AG-Stunden verbraten. Es hätte noch einfacher sein dürfen und nicht mehr als eine Stunde… Je einfacher der Hintergrund ist, umso weniger Probleme kann er durch Verruckeln verursachen!

IV Filmen
Je AG-Stunde mussten wir eine Szene abfilmen, haben wir festgestellt. Einmal mussten wir wegen meiner Verspätung nach einem Klassenausflug eine Szene abbrechen und haben es partout in der Folgewoche nicht geschafft, die Kulisse und Kamera wieder richtig auszurichten. Da hieß es nochmal filmen oder Sprung im Bild in Kauf nehmen – beides blöde Optionen…
Wir stellten die Kulissen gegen Kisten und klebten sowohl Kulisse als auch Kamera jede Woche am Tisch fest, damit es hier beim Filmen keine Verschiebungen gibt. Außerdem sollte man auf gleichbleibendes Licht achten – bei uns standen manchmal Kinder zwischen Tisch und Fenster und manchmal nicht, was zu sehr falckernden Eindrücken führte.
Wie schon erwähnt, lief das Filmen an sich echt unproblematisch. Die Kinder haben es gut hinbekommen, dass Figurensteller (also die zwei für die Szene verantwortlichen Kinder) und die Kamerakinder klare Absprachen fanden, wann die Finger aus dem Bild mussten und wann sie wieder rein durften. Wir haben meist mehrere Fotos in Folge gemacht, um die Szene zu verlängern.
IMG_0120
1. Figuren stellen (Klebeknete hilft hier sehr!) und die Kamera am Notebook „auslösen“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IMG_01242. in der Software sieht man links das letzte aufgenommene Bild und rechts das selbe, das mit dem aktuell durch die Kamera zusehenden Bild überlagert wird. So kann man direkt sehen, wie weit man die Fuguren bewegt hat und ob alles stimmig ist.

 

 

Man sollte unbedingt beim Weiterarbeiten immer in der gespeicherten Datei ansetzen, da sich das spätere Zusammenfügen mehrerer Filme im HUE Animation schwierig bis unmöglich gestaltete. Vielleicht war ich auch nur zu blöd, aber es klappte einfach nicht.

V Figuren
In fast allen Szenen spielten neben unseren Hauptfiguren Tom und Tina nur Playmobilfiguren mit, da so die Größenverhältnisse am besten passten. Im Unterwasserlabor war es dann Lego, da eben dies bei einem Schüler vorhanden war. Da es ja aber Traumsequenzen waren, fanden wir das nicht so schlimm – die Figuren dort waren ja eh sehr fantasievoll.
Außerdem kamen einige Spielzeugautos meiner Söhne zum Einsatz, eine Schaumstoffpuzzle-Freiheitsstatue, einige Plastiktiere und diverses Themen-Lego.

Fazit
#edufuckupnight – so hat Florian Emrich vor Kurzem zum Bloggen auch von Misserfolgen aufgerufen. Unter genau diesen Hashtag würde ich meinen AG-Versuch auch stellen. Technische Probleme und eine viel zu große Planung führten dazu, dass wir mit unserem Film nicht so richtig fertig wurden und ihn am Ende auch  nicht zusammenhängend schauen konnten. Es war sicher keine komplette Pleite, da sie Kinder einige Fachbegriffe zum Filmen gelernt haben und prinzipiell jetzt wissen, wie man einen Animationsfilm herstellt. Außerdem übten wir das Finden von Kompromissen und eine gewissen Frustrationstoleranz gegenüber nicht funktionierender Technik. Das eigentliche Ziel aber, am Ende einen Film gemeinsam anzusehen und ihn den ganzen vierten Klassen vorzuführen, habe ich nicht erreicht, was mich sehr ärgert.
So bleibt nur der Plan, beim hoffentlich irgendwann im Stundenkontingent nochmal möglichen zweiten Anlauf noch konsequenter auf dieses Ziel hinzuarbeiten.

https://huehd.com/wp-content/uploads/2015/01/HUE_ANIMATION_BOOK_GREEN.pngAm Ende muss ich aber definitiv noch ein Dankeschön an HUE dafür loswerden, dass mir die Kamera und Software zur Verfügung gestellt wurden. Es war eines der ersten Produkte, das ich als Bloggerin testen durfte und ich nehme es wohl hin, „Opfer“ von sog. Influencern geworden zu sein. Der Einblick in Medien, die ich sonst über den Schuletat sicher nicht versuchsweise hätte anschaffen können, rechtfertigt das für mich genügend.

Beste Grüße,
Katha

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