Rezension: „Validieren“

 

Titel: „Validieren. Wie echtes Erkennen und Anerkennen Beziehungen transformiert und uns neu verbindet.“
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht (hier klicken)
Autorin: Katharina Henz
ISBN: 978-3-525-45927-0

Zum Inhalt:
Die Soziologin und Psychotherapeutin Katharina Henz beschreibt das Validieren als Haltung, nicht nur als reines Kommunikationsmodell. Denn es geht darum, Menschen im Dialog ihre eigene Wahrheit zuzugestehen – ganz unabhängig davon, ob ich diese teilen oder verstehen kann. Es geht beim Validieren darum, dem Gegenüber (oder auch sich selbst) zu „erlauben“ seine Wahrnehmung anzuerkennen. Nötig und wichtig ist dies laut der Autorin zum Aufbau von Beziehungen, für den das gegenseitige Wahrnehmen eine Grundlage darstellt. 

Lenz erklärt zuerst grundlegend, wie man validiert und warum oft (teils versehentlich) nicht validiert wird. Dann zeigt sie Möglichkeiten des Validierens in verschiedenen systemischen und konkreten Zusammenhängen auf: in der Familie, in Arbeits- oder Bildungskontext oder bei Menschen mit ADHS.

Meine Meinung:
Bereits auf den ersten Seiten habe ich viel genickt und konnte nahtlos an Vieles anknüpfen, das ich während meiner Coachingausbildung lernen durfte. Mir gefällt diese Haltung sehr gut, die Katharina Henz beschreibt und mit der ich meine Kommunikation verändern kann. Viele über das ganze Buch verteilte Beispielsätze schreibe ich mir heraus, um sie zu meinen zu machen und so den Menschen in meinem Umfeld noch klarer zu signalisieren, dass ich sie wahrnehme und akzeptiere. Sie ergänzen den Zugang der sog. zirkulären Fragen, der im Coaching so wichtig ist. Aktuell nähere ich mich dem Thema der (professionellen) Beziehung von verschiedenen Seiten und werde Auszüge aus diesem Buch in meine Seminararbeit einfließen lassen. Außerdem habe ich quasi einen Neujahrsvorsatz gefunden: mehr und bewusster validieren, beruflich wie privat.

Leseempfehlung:
Eine absolute Leseempfehlung geht raus an alle, die „mit Menschen arbeiten“! Die Tipps von Katharina Henz sind so konkret, dass man keine fachliche Vorbildung benötigt, um von ihnen zu profitieren. Allen, die in der Bildung arbeiten, kann die Haltung des Validierens meiner Einschätzung nach sehr helfen, dass konflikthafte Situationen mit Kindern, aber auch schwierige Elterngespräche weniger belastend werden.

Vielen Dank an den Verlag Vandenhoeck & Ruprecht für das Rezensionsexemplar!

Katha

„Gefühle-Wochen“ im Blog – Warum Emotionen und Lernen zusammen gehören

In letzter Zeit habe ich mehrere Rezensionen veröffentlicht, die sich von verschiedenen Richtungen kommend dem großen Komplex der menschlichen Emotionen, spezieller der Gefühlswelt von Kindern bzw. Lernenden nähern. Dadurch und durch u.a. die kontinuierliche Arbeit von Menschen wie Caroline von St. Ange (@learnlearningwithcaroline, deren Buch ich euch sehr ans Herz legen möchte) oder Saskia Niechzial (@liniertkariert) habe ich mich im letzten halben Jahr auch mehr mit dieser Facette des Lernens auseinander gesetzt und möchte, wie ich es im Sinne des „working out loud“ mal wieder laut denken und ein paar meine Gedanken und Schlussfolgerungen hier teilen.

Auf diese meine Fachbuch-Rezensionen beziehe ich mich:
📖 Damit mein Kind sich besser fühlt
📖 Ich bin super, so wie ich bin
📖 Der Sumpfmumpf und die Hoffnung
📖 Selbstregulation für 3- bis 6-jährige
Zudem spielen auch einige Bilderbücher in diese Richtung, wie zum Beispiel diese:
📖 Das Krawallkehlchen
📖 Der Kopfübär
📖 Helmuts Herz
📖 Die Freude springt aufs Trampolin

Besonders intensiv wird die Verbindung von Lernen und Emotionen in diesem Film erklärt, den eine Kollegin mir für die Arbeit im Kernseminar empfohlen hat. (Achtung, bei Youtube ist er in drei Teile zerlegt!)
Hier wird sehr deutlich, dass Lernen überhaupt nur stattfinden kann, wenn Kinder emotional in einem stabilen, sicheren Zustand sind. Onlinetauglich kurz gefasst steckt das auch in diesem Satz, der mir sehr in den Ohren klingelt: „Schüler, die zu Hause geliebt werden, kommen in die Schule, um zu lernen. Schüler, die es nicht sind, kommen in die Schule, um geliebt zu werden.“ (zugeordnet wird er Nicholas A. Ferroni)

Für unsere Arbeit in der Grundschule bedeutet das zweierlei: a) eine veränderte Denkweise (Haltung, Mindset) im Bezug auf Störungen, herausforderndes Verhalten oder wie man es nennen mag und b) einen absoluten Fokus auf Beziehung.
a) Ein Kind, das Probleme macht, hat welche. Simpel, aber wahr. Es ist also an uns Lehrkräften, genau diese Probleme zu erkennen und bestenfalls daran anzusetzen. Wenn wir diese immer übergehen und vom Kind erwarten, dass es „funktionert“ in der Schule, können wir kaum eine Verbesserung erwarten. Entweder stört das Kind einfach weiter, weil sein Problem weiter besteht, oder es zieht sich zurück, weil es auch von der Lehrkraft nicht gesehen wird bzw. keine Unterstützung erhält. Und ja, ich weiß: wir haben viel zu schaffen, es ist nicht nur das eine Kind in der Klasse, die nächste Arbeit steht an… klar! Mir ist bewusst, dass man diesem Anspruch als Einzelkämpfer:in nur schwer gerecht werden kann und wir eigentlich qualifizierte Doppelbesetzungen benötigen. Mir geht es an dieser Stelle aber vor allem um unser Mindset als Lehrkraft. Veränderst du deinen Blick auf ein Kind, veränderst du auch deinen Umgang mit ihm oder ihr. Und das kann schon viel verändern.
b) Lerne „deine“ Kinder kennen! Bestimmt hast du auch schon die Erfahrung gemacht, dass sich eine Klasse bei der Klassenlehrkraft besser benimmt als im Fachunterricht, wo jemand mit nur wenigen Wochenstunden unterrichtet. Das macht genau diesen Unterschied in der Tiefe der Beziehung zwischen Kindern und Lehrkraft deutlich. Es lohnt sich aber auch als Fachlehrkraft, mit den Kindern über das Fach hinaus ins Gespräch zu kommen, sie kennenzulernen, mal ein Spiel zu machen statt stur den Stoff durchzuziehen. Du musst dabei nicht alles so machen wie die Klassenlehrkraft sondern darfst und sollst sogar du bleiben – aber zeige Interesse an der Gruppe und mach dich über ihre Besonderheiten und Bedürfnisse schlau. Bestenfalls gibt es zum Beginn eines Schuljahres eine Klassenkonferenz (also ein Gespräch aller dort lehrenden Personen), die dir das ein oder andere Fettnäpfchen ersparen kann.

Beschäftigt dich das Thema auch? Hast du ähnliche oder ganz andere Erfahrungen gemacht? Schreib es gern hier als Kommentar oder bei Instagram.

Katha