Rezension: „Der Schatz des Selbstwerts“

Selbstwert (1)Der Schatz des Selbstwerts“
Verlag: Beltz (hier klicken)
Autorin: Ulrike Döpfner
ISBN: 978-3-407-86713-1

Zum Inhalt:
Selbstwert, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen – viele Begriffe purzeln selbst bei ausgebildeten Pädagog*innen leicht durcheinander. Ulrike Döpfner, selbst Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche, beginnt ihr aktuelles Buch mit einer Klärung dieser wichtigen Begrifflichkeiten und ihrer Zusammenhänge. Sie stellt in den Kapiteln mit Schwerpunkten wie Lob, Schule, Medien oder Konflikte sehr deutlich heraus, wie wichtig ein gesunder Selbstwert für Heranwachsene ist und welche Rolle Eltern für dessen Förderung spielen. Weit entfernt von einer Überhöhung der kindlichen Bedürfnisse zeigt die Autorin sehr konkret anhand von Beispielen auf, welche Unterstützung Eltern ihren Kindern wie geben können, um zu resilienten und selbstbewussten Erwachsenen heranwachsen zu können.

Selbstwert (2)

Meine Meinung:
Als mir dieses Buch angeboten wurde, habe ich erst gezögert, ob ich mich damit beschäftigen wollte, da es vom Titel her doch sein könnte, dass ich einen weiteren „gut gemeinten“ Erziehungsratgeber erwische. Die ersten Seiten haben mich dann aber sehr schnell gefesselt und ich überlegte kurz, den Textmarker und die Klebezettel herauszuholen. Vorerst habe ich mich dagegen entschieden, obwohl mir jede Menge Zitate und Merkstellen begegneten, die ich gern weiter nutzen möchte. Eine zweite Lesung folgt sicher nochmal, dann eher nicht auf dem Sofa bzw. der Hollywoodschaukel, sondern am Schreibtisch.
Man merkt Ulrike Döpfner an, dass sie sowohl aus ihrer eigenen Familie als auch aus ihrer Arbeit einen wirklich differenzierten Blick auf Kinder, Eltern, Familie als System entwickelt hat. Einen großen Anteil davon teilt sie in diesem Buch mit uns. Ich nehme, obwohl meine Jungs ja schon „fast groß“ sind, viele neue oder wiederentdeckte oder modifizierte Verhaltensweisen mit, die ich verstärkt in die Kommunikation mit meinen eigenen Kindern einbringen möchte. Aber auch für die Arbeit mit Kindern und selbst meine Tätigkeit als Seminarausbilderin stecken hier viele Sichtweisen drin, die nun wieder in mir wachgerüttelt wurden. Danke, Frau Döpfner!

Leseempfehlung:
Jede*r, die/der mit Kindern lebt oder arbeitet, bekommt in diesem Buch teils den Spiegel vorgehalten, teils den Blick geöffnet und teils die Bestätigung, doch nicht alles falsch zu machen. Absolute Leseempfehlung und sicher auch ein gutes Geschenk an Erstlingseltern.

Vielen Dank an den Beltz-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Fips will keine Schildkröte mehr sein“

Fips (1)Titel: „Fips will keine Schildkröte mehr sein“
Verlag: KaleaBook (hier klicken)
Autorin: Simone Gruber
Illustrationen: Jacqueline Kauer
ISBN: 978-3-906234-09-0

 

Zum Inhalt:
Fips ist eine Schildkröte und findet es langsam ziemlich langweilig: immer nur in der Sonne liegen und dann auch noch den schweren Panzer mitschleppen…
Zum Glück trifft Fips aber den munteren Hasen, der einem Tausch nicht abgeneigt ist. So tauschen die beiden Fell gegen Panzer und erleben nun, wie es in der Haut des jeweils anderen so ist. Schnell merkt Fips, dass das Hasensein als „Fellkröte“ sehr gefährlich ist und tauscht noch einmal, später dann noch mit einem dritten Tier. Jedes Mal aber merkt die kleine Schildkröte, dass alle mit ihren Problemchen zu kämpfen haben – leichte Beute zu sein bzw. gejagt zu werden ist auf die Dauer echt anstrengend.

Letztendlich finden die vier Tiere der Geschichte aber eine Lösung, mit der sie alle zufrieden sind.

Im Buch findet man am Ende einen Anzieh-Fips, also eine stabile Pappseite mit einer Ausschneideschildkröte und diversen Outfits, die diese in alter Anziehpuppenmanier passen. Weitere Vorlagen gibt es online zum Download, so dass auch Geschwisterkinder oder alle Kinder einer Gruppe/Klasse eine eigene Puppe haben können.
Fips (2)

Meine Meinung:
Die Geschichte von Fips beginnt mit einem Thema, das vielen Kindern sehr nah ist: Aspekte des eigenen Lebens oder der eigenen Persönlichkeit stören mich und ich bin unzufrieden oder sogar traurig. Ich wünsche mir, jemand anderes zu sein, mehr zu dürfen/können, anders auszusehen etc.
Die meisten Menschen, auch und vor allem Kinder, können mit Fips mitfühlen und die kleine Schildkröte auf ihrem Weg begleiten. Fips kann etwas, dass wir nicht können: er schlüpft in eine andere Haut. Er merkt aber auch, dass das Gras drüben vielleicht doch nicht immer grüner ist. Hier wird viel Wertearbeit betrieben, ohne den mahnenden Zeigefinger zu heben. Das macht das Buch für mich sehr liebenswert und zu einem unverzichtbaren Bestandteil unseres Familienbücherregals. Ein Lebensmotto kann man, wenn man will, mitnehmen:
Fips (4)

Was mir und meinen Kindern (4, 8) neben der lustig erzählten Geschichte sehr gut gefallen hat, sind die Illustrationen von Fips und den anderen Tieren und die Hintergründe, die einige kleine Überraschungen zum Entdecken anbieten. Toll finde ich es auch, dass je nach Situation mit der Schriftgröße, -art und -farbe gearbeitet wird. Die Aussagen der Tiere sind in einer für sie passenden Farbe gedruckt, Lautmalereien werden so hervorgehoben.

Aus der fachlichen Ecke der Deutschdidaktikerin möchte ich noch hervorheben, dass „Fips will keine Schildkröte mehr sein“ sehr repetitiv aufgebaut ist. Jede Begegnung läuft nach dem gleichen sprachlichen Muster ab, so dass die Zuhörer schnell auch schon Teile mitsprechen können. Im Sinne des sprachsensiblen Unterrichts sind Bilderbücher mit solchen aus dem Fremdsprachenunterricht bekannten „repititive structures“ meine Favoriten.

Leseempfehlung:
Als Vorlesebuch ist Fips‘ Geschichte ab etwa drei Jahren geeignet; die Anziehpuppe unterstützt hier handelnd das Verständnis der Geschichte. Tiefergehende Gespräche über die eigene Persönlichkeit, Wünsche und Nöte kann man ausgehend von diesem Bilderbuch sicher bis ins Jugendalter noch führen – die Zielgruppe liegt aber m.E. bei Vor- und Grundschulkindern.

In der Grundschule kann ich mir Fips deshalb auch hervorragend vorstellen: In Ethik oder Religion, in Klassenstunden etc. wäre das Gespräch über die eigenen Fähigkeiten, was man gern mal wäre/könnte und warum man doch gern man selbst ist, gut mit der gelangweilten kleinen Shcildkröte anzustoßen.
Im Fach Deutsch fände ich es einen ganz tollen Schreibanlass, Fips noch ein anderes Tier treffen zu lassen, so dass sich ein neuer Name für die Schildkröte, Fellkröte, … ergibt und welche Nöte Fips dann wohl erleben könnte. Ein ganzes Klassen-Geschichten-Buch kann so entstehen, an dessen Ende dann wieder die Lösung des Problems aus dem Buch stehen würde.

Vielen Dank an den schweizerischen Kalea-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha