Titel: „Konflikt der Generationen. Von den Boomern bis zur Generation Z“ Verlag: YES (hier klicken) Autor: Rüdiger Maas ISBN: 978-3-96905-333-1
Zum Inhalt: Nach der Klärung des uneinheitlich ausgelegten Generationenbegriffs stellt der Autor anhand von fiktionalen Charakteren die Besonderheiten der Generationen der letzten rund 100 Jahre vor: Beginnend bei Erna als Stellvertreterin der Kriegsgeneration über Christian und Markus aus der Generation X bis zu Ben und Mia aus der Generation Beta, deren Geburt noch bevorsteht. Dabei stellt er typische, gar stereotype Aussagen und Verhaltensweisen zusammen, beleuchtet aber auch, unter welchen Voraussetzungen diese Menschen jeweils aufwuchsen. Gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie z. B. die Frage nach der Gleichberechtigung. Ergänzt werden die Ausführungen hier und da mit Schaubildern aus Umfragen des Instituts für Generationenforschung des Autors. Zuletzt wagt Rüdiger Maas einen utopischen (oder dystopischen?) Ausblick auf die nächste Generation und ihr Aufwachsen.
So definiert das Institut zur Generationenforschung die Generationen.
Meine Meinung: Wer von sich behaupten kann, Stereotypen nicht zu verfallen und Menschen neutral gegenübertreten zu können, dem oder der kann ich nur gratulieren. An mir selbst beobachte ich immer wieder, wie ich in Schubladendenken verfalle und z.B. dem Narrativ der „alten weißen Männer“ innerlich nickend zustimme. In diesem Sinne fand ich „Konflikt der Generationen“ wirklich erhellend, weil ich Einblicke in meine Eltern- und Großelterngeneration bekam, die ich so bislang nicht hatte. Viele Ansichten Älterer finde ich schwer nachvollziehbar, was Maas zu meinem Glück als normal einstuft – aber durch seine prägnanten Beschreibungen der Beispielpersonen sind mir manche Positionen verständlicher geworden. Auch der Blick auf die nachfolgenden Generationen, die ich gerade einerseits zuhause habe als auch als Fachleiterin ausbilde, wurde nochmal sehr geschärft. So hoffe ich, in Zukunft etwas weniger vorurteilsbeladen an meine Umwelt heranzugehen. Und ich habe schon einige Argumente gesammelt für Gespräche mit Menschen in Familie, Verein oder beruflicher Umgebung, die „die Jugend von heute“ leicht verteufelt. 😏
Leseempfehlung: Uneingeschränkt! Jede:r kann davon profitieren, den eigenen Geist ein wenig zu öffnen! Für alle in Schule tätigen ganz speziell finde ich das Buch allerdings auch hilfreich, vor allem diejenigen, die keine eigenen Kinder im Schulalter haben: ihr bekommt wirklich neue Sichtweisen und müsst euch vielleicht manchmal nicht mehr so aufregen, sondern eher wissend schmunzeln. Es hilft sicher, den Umgang mit Schüler:innen, jüngeren oder älteren Kolleg:innen oder Menschen in Ausbildung professioneller zu gestalten.
Vielen Dank an den YES-Verlag für das Rezensionsexemplar! Katha
Heute gibt es hier, passend zum aktuellen Fachseminar, eine Anregung zur Förderung des mündlichen Sprachgebrauchs (Fachebene), kooperativer Lernformen (methodische Ebene) und der Medienkompetenz. Ich stelle euch meine Ideen für eine Unterrichtsreihe vor, so wie ich sie mit einer eigenen Klasse umsetzen würde.
Grundidee: Die beiden Wichtel Jule und Jasper haben dieses Jahr keine große Lust auf das übliche Weihnachtsgeschäft. Statt dem Weihnachtsmann zu helfen, büxen sie aus und wollen Abenteuer erleben. Das nutzen wir als Erzählanlass: In PA erzählen alle Kinder ein eigenes Wichtelabenteuer, die die Klasse dann wie ein Adventskalender durch die Vorweihnachtszeit begleiten.
Mit ideogram.com habe ich dieses Bild der beiden Wichtel generiert.
Was vorher bekannt sein muss Ich plane hier für eine fiktive 3./4. Klasse und habe dabei die Voraussetzungen meiner letzten Klassen als Maßstab gewählt. Methodisch und fachlich setze ich deshalb so Manches voraus: – der Aufbau von Geschichten ist bekannt, Ideen wie der rote Faden oder ein Spannungsbogen müssen nicht erst neu erarbeitet werden – die Sozialform PA mit wechselnden Partner:innen ist geübt – der Umgang mit Audioaufnahmen in der Sprachmemo-App ist bekannt – das Überarbeiten wird neu erlernt
1. Wortschatzarbeit Egal, ob man einen Schreibanlass oder etwas Mündliches plant: bei einem gemeinsamen Oberthema wie hier ist es unheimlich wertvoll, gemeinsam einen Wortschatz aufzubauen, zu dem alle etwas beitragen und von dem die meisten Kinder profitieren können. (Hier habe ich das am Beispiel „Winter-Gedichte“ schonmal genauer gezeigt.) Da wir Geschichten erzählen werden, in denen die beiden Wichtel Jule und Jasper Aufregendes erleben, dies aber alles in der Vorweihnachtszeit geschieht, lohnt es sich, Sammlungen von passenden Nomen, Verben und Adjektiven anzulegen. Auch Satzanfänge könnten gesammelt oder wiederholt werden. Gern arbeite ich zum Aktivieren des Vorwissens mit einem „wachsenden Cluster“ – und das geht so: 🖊 Jedes Kind schreibt mit Bleistift alle Wörter zum Thema auf, die ihm einfallen*. 🖊 Ohne Stift treffen sich zwei Kinder und tauschen sich über ihre Begriffe aus. 🖊 Zurück am Platz nimmt jedes Kind einen andersfarbigen Stift zur hand und schreibt vom Partner neu bekommene Wörter auf. 🔁 Dies kann beliebig oft wiederholt werden.
Entweder kann danach mit allen zusammen eine Wortsammlung auf Plakaten angelegt werden oder die Lehrkraft sammelt alle Cluster ein und verarbeitet die gesammelten Wörter zu Wortschatz-Aushängen. Schön ist es, wenn im Laufe der Reihe immer wieder auftauchende Wörter ergänzt werden.
2. Erzählung planen Im Klassengespräch oder im Kreis werden von der Lehrkraft die Aufgabenstellung und das Ziel der Reihe vorgestellt. Erste Ideen für Orte, Figuren und Handlungen können, je nach Lerngruppe, auch hier gesammelt werden. Zuerst füllt dann jedes Kind einzeln einen Erzählplan aus und notiert dabei mögliche Orte, Figuren und Handlungsstränge (linkes Bild). Die zuvor angelegte Wortsammlung kann hier bereits ihren unterstützenden Charakter entfalten. Im Sinne des kooperativen Lernens geht es danach in PA mit dem Austausch über die Ideen beider Partner:innen weiter, in dessen Rahmen Ideen abgewogen, augewählt und in einen „Team-Erzählplan“ (rechtes Bild) zusammengeführt werden.
3. Erzählung üben Mit ihrem Plan üben die Kinder zu zweit, ihre Geschichte zu erzählen. Vorab sollte ihnen klar sein, dass die ersten Versuche eben nur Versuche sind und eine Geschichte erst mit Übung interessant wird. Auch Kriterien für das Erzählen einer guten Geschichte müssen vor oder nach der ersten Übungsphase gemeinsam erarbeitet oder mindestens transparent gemacht werden. Sobald ein Team sich sicher ist, dass die eigene Geschichte „fertig“ ist, geht es in eine erste Feedbackrunde.
4. Feedback Im Sinne des Lerntempoduetts finden sich an der Haltestelle zwei Partnerteams zusammen. Sie erzählen sich gegenseitig ihre Wichtelgeschichten. Mit Hilfe der Kriterien geben die Kinder sich Feedback dazu. Wer mag, kann mit einem Kriterienbogen arbeiten, auf dem die Kinder ihr Feedback festhalten können. Besonderen Wert möchte ich dabei auf das Erhören von „Erzählgeheimnissen“** legen, für die extra Kärtchen bereitgestellt werden. Die beiden erzählenden Kinder sollen sich Anregungen in ihrem Erzählplan notieren, um sie einbauen zu können. Auf diesen Aspekt würde ich Wert legen, um die Idee des Überarbeitens greifbarer zu machen. Wie man Übungs- und Reflexionsphasen abwechseln kann, habe ich in dieser ähnlichen Einheit hier schonmal aus dem Fach Englisch vorgestellt.
5. Erzählung aufnehmen Das Feedback sollte neben Tipps für die Erzählenden auch unbedingt gute Formulierungen und Ausdrücke in den Fokus nehmen. Dazu würde ich die Idee der Erzählgeheimnisse** nutzen und die Kinder ihre Zettel aus den Feedbackrunden in die Klassenrunde mitbringen lassen. Wichtig ist es hierbei, die Formulierungen in einen Kontext zu setzen und Beispielsätze mit ihnen zu bilden. Sie lassen sich am Ende gut sammeln und mit den Wortspeichern aushängen, um sie allen zugänglich zu machen. Nach einem Austausch der ganzen Klasse über die gefundenen Erzählgeheimnisse soll jede PA die eigene Erzählung überarbeiten. Anders als bei einem Text, in den man hineinkritzeln und den man ins Reine schreiben kann, ist das Verändern einer mündlichen Erzählung schwierig: man kann zwar an jeder Stelle der Aufnahme „darübersprechen“, dabei überspielt man aber meist auch den Rest der Geschichte. Auch das Schneiden dürfte in der Klasse kaum leistbar sein. Deshalb läuft die endgültige Überarbeitung vermutlich auf eine (wiederholte) Neuaufnahme hinaus.
6. Veröffentlichung Wenn dann alle Erzählungen fertig sind, werden sie umbenannt. Ob sie dann an die Lehrkraft gesandt werden oder in ein LMS oder auf eine digitale Pinnwand hochgeladen werden, hängt von den eigenen Vorlieben ab. Mein Weg wäre ein TaskCards-Pinnwand, weil ich sie weihnachtlich gestalten könnte. Im Dezember kann sie dann jeden Tag gezeigt und eine Geschichte angehört werden.
Bonusidee „KI“: Wer Lust und noch ne Kunstdoppelstunde Zeit hat, könnte mit den Kindern auch noch eine bildgenerierende KI nutzen (z. B. die von fobizz, weil ohne Anmeldung), um passend zur eigenen Geschichte ein Bild zu generieren. Das wiederum würde dann die Pinnwand noch interessanter machen.
Jule und Jasper im Dschungel (Ideogram)Jule und Jasper lernen surfen (Ideogram)
Wie immer gilt: nehmt euch aus dieser Idee mit, was ihr brauchen könnt – variiert und mixt alles und schreibt mir gern, was ihr draus gemacht habt! Katha
*Natürlich muss das Clustern bekannt sein oder erklärt werden.
** Angelehnt an die „Schreibgeheimnisse“, die Beate Lessmann hier vorstellt.
Titel: „Einfach so!“ – Hör-Lese-Buch Verlag: Finken (hier klicken) Bestellnummer beim Verlag: 3071, 3072 und weitere
Ich durfte mir mit einer LAA, die DaZ als Ausbildungsfach hat, das Hör-Lese-Buch für den 2. Jahrgang aufwärts von Finken ansehen. Das ganze Lehrwerk ist als Ergänzungsmaterial für den Regelunterricht angelegt. Es eignet sich insbesondere als Differenzierungsmaterial mit dem Fokus auf der Förderung der Sprachkompetenz von spracharmen Kindern oder DaZ-Schüler:innen. Zielgruppe sind alle SuS, die bisher noch nicht die ausreichenden Sprachkenntnisse erworben haben, um den Regelunterricht problemlos zu folgen und mitarbeiten zu können.
Die Rahmenthemen orientieren sich an klassischen Sachunterrichtsthemen der Jahrgangsstufe 2 (Körper, Ernährung, Familie und Freunde, Umgebung, Tiere und Wetter). Durchgehend wird der jeweilige Lerninhalt auf drei Spracherwerbstufen angeboten. Dabei ist die Progression so angelegt, dass der Wechsel in die nächsthöhere Spracherwerbstufe problemlos möglich ist. Als weitere Unterstützung kann man sich mit dem BOOKii-Hörstift z. B. die richtige Aussprache der Texte anhören und so den eigenen Wortschatz aufbauen oder erweitern.
Die Postermotive im Hör-Lese-Buch bieten eine Fülle an Wortschatz und Strukturen. Kleine Geschichten rund um die Leitfiguren Tea, Malek und Hund Lili laden die Kinder dazu ein, in deren fiktive Welt einzutauchen. Viele Gespräche der Leitfiguren lassen sich in Partnerarbeit nutzen. Die Kinder haben auf jeder Doppelseite die Möglichkeit, das sprachlich Gelernte aktiv anzuwenden, indem sie kleine Arbeitsaufträge ausführen: Fragen beantworten, von sich erzählen, Mitschüler*innen interviewen, wie hier zum Beispiel:
Die Markierung der Texte mit kleinen Farbstreifen an ausgewählten Stellen erleichtert ein gemeinsames Lernen und Lesen in Partnerarbeit. Zudem gibt es Wortkästen (mit schwierigen Wörtern und Wortphänomenen) und Merkkästen (mit einfachen und grammatikalischen Strukturen).
Selbstgesteuertes, eigenaktives Lernen wird u.a. dadurch unterstützt, dass die Kinder sich mithilfe des Hörstifts Sätze und Gespräche aus dem Hör-Lese-Buch anhören und eigene Wortbeiträge selbst aufnehmen können (Fragen beantworten, von sich erzählen, Mitschüler:innen interviewen).
Für eine durchgehende DaZ-Förderung würden wir uns noch die Verwendung der farbigen Punkte vor den Artikeln wünschen, die in immer mehr Materialien für die Grundschule Einzug halten und das Erlernen des korrekten Genus erleichtern. Gerade das ist für viele DaZ-Kinder schwierig – vor allem, wenn es in ihrer Muttersprache keine Unterschiede beim Genus von Nomen gibt.
Vielen Dank an den Finken-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Zum Inhalt: In drei Bereichen gehen die Autorinnen zuerst auf die begriffliche Klärung des Disziplinbegriffs und seine historische Entwicklung ein, dann auf die Verbindungen zu Themenfeldern wie Resilienz, Gesundheit, Autorität etc. und zuletzt darauf, was Kinder (und Erwachsene) eigentlich benötigen, um diszipliniert zu agieren. Disziplin wird zuerst einmal vom negativ konnotierten Begriff der „Zucht und Ordnung“ abgegrenzt und soll (siehe Foto) als positive Eigenschaft berachtet werden. Dafür finden die Autorinnen vielfältige Belege und Erklärungen, wie Disziplin mit Selbstregulierung, einem positiven Selbstbild und z. B. Leistungsbereitschaft zusammenhängt. Unheimlich viele pädagogische, psychologische und sozialwissenschaftliche Konzepte werden mit dem Thema Disziplin in Verbindung gebracht und dadurch ein sehr vielfältiges Bild des Leitthemas hergestellt. Neben wissenschaftlichen Belegen und Forschungsergebnissen werden subjektive Eindrücke herangezogen, die in der Gesellschaft vielfach sicher ein zustimmendes Nicken erhalten würden.
Ergänzt werden die Ausführungen durch viele Reflexionsfragen, die eine porfessionelle Arbeit mit dem Buch unterstützen.
Meine Meinung: Das zuerst eher schmal wirkende Buch (rund 180 Seiten) hat es in sich. Schnell konnte ich nur noch mit einem Stift in der Hand weiterlesen und bald ging ich zum Notieren meiner Gedanken zu einem Miro-Board über, in dem jetzt mehr oder minder übersichtlich die vielen Vernetzungen gesammelt sind:
Wer sich meine Notizen genauer ansehen möchte, kann das hier direkt in Miro tun.
Da ich Anfragen zu meinen Notizen bekommen habe: Hier könnt ihr euch das Ganze in lesbar, zoombar, … ansehen: Miro-Board „Disziplin“
Leseempfehlung: Wer mal wieder Lust hat, die eigenen Haltungen zu überprüfen, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Als Elternteil kann man viele Anregungen direkt herauslesen, vor allem im letzten Abschnitt. Für Lehrkräfte gibt auch einige direkt an einen selbst adressierte Tipps; hier darf man aber auch gern zwischen den Zeilen lesen und kann viel mitnehmen.
Vielen Dank an den Verlag V&R für das Rezensionsexemplar!
Kurz vor den Herbstferien kam mein neuer Rucksack hier an, der Cabaïa Adventurer. So kurz, dass er zuerst ausführlich im Urlaub getestet wurde. Auf dem Hin- und Rückweg musste er meine zu lesenden bzw. gelesenen Bücher fassen, meine Kamera plus Objektiv und alles Andere, was eben so mitmuss (Malsachen für die Kinder, Schreibkram, Halstücher…). Anders als bei meinen bisherigen Rucksäcken konnte ich hier in das große Fach ja alles einfach hineinstapeln. Genauso gut passte dank der großzügigen Öffnung mein komplettes Schwimmzeug für den Thermenbesuch hinein. Da ich bislang immer nur unterteilte Rucksäcke gekauft hatte, waren diese eben auch nur für die Arbeit wirklich zu gebrauchen – das ist beim Adventurer erfreulich anders. Unerwartet kam für mich ein erhöhtes Sicherheitsgefühl: die Öffnung ist mit Metall verstärkt und die Ledergriffe können zusätzlich mit einem Verschluss verbunden werden, wodurch niemand einfach in den Rucksack hineingreifen kann. Es gibt sogar ein kleines Geheimfach fürs Handy o.ä. am Rücken (das ich perönlich jetzt nicht unbedingt bräuchte). Meine Kamera begleitete mich dieses Jahr also im Adventurer, der sich dennoch nicht schwer auf dem Rücken anfühlte oder zum großen Schwitzen führte. Auch die Schultergurte blieben wirklich angenehm tragbar.
Nach den Herbstferien kam dann der Adventurer-Alltagstest. Nachdem ich meinen alten Rucksack vermessen hatte, fiel meine Wahl auf den großen Adventurer von Cabaïa, damit auch wirklich mein ganzer Kram hinein passt. Die ersten Arbeitstage (Besprechungen, Unterrichtsbesuche, Seminartag) zeigten, dass das genau die richtige Wahl war, wenn es mir auch die Cord-Stoffe der beiden kleineren Adventurer-Größen angetan hatten*.
So sieht es bei mir an einem normalen Seminartag meist aus – einmal aus- und einmal eingepackt:
Erfreulich ist: Alles passt rein! Tablet und Laptop ganz hinten am Rücken, davor Order und Mappen, mein Technik-Täschchen (im rechten Foto unsichtbar ganz unten liegend), Flasche und Brotdose, Federmappe und sonstiger Kleinkram. Es gibt im Innenraum noch mehrere Fächer gegen das Durcheinanderpurzeln und um das Wichtigste griffbereit zu haben sowie einen Karabiner für den Schlüssel. 👍🏻 Im Fronttäschchen sind immer Taschentücher, Handcreme, Teebeutel und Kopfschmerztabletten griffbereit. [Es wäre sogar noch Platz gewesen für Bücher oder was man sonst noch so mitschlürt als Lehrende, aber mit dieser „Beladung“ ist dann vom Gewicht her Schluss für mich.] Nächster positiver Befund: der Adventurer kippt nicht um, wenn man ihn neben sich stellt – nix ist ätzender, als ständig die eigene Tasche vom Boden klauben zu müssen… Extra fürs Foto habe ich mal die mitgelieferte wechselbare Vordertasche angebracht, was mit drei Druckknöpfen fix erledigt ist. Genauso flott habe ich dann aber wieder zurück zur blauen Tasche gewechselt, die mir einfach besser gefällt momentan und auch schon individualisiert wurde (#potterhead).
Ihr habt es gemerkt: heute gabs mal keine Bücherwerbung, sondern was „Handfestes“. Ich hoffe, ihr seht es mir nach. 😊 Falls ich euch aber begeistern konnte, kriegt ihr sogar noch einen Rabattcoupon (PRIMA10) dazu, mit dem ihr bis zum 07.01.2025 ganze 10% sparen könnt. Hier findet ihr alle Infos: Instagram-Account – Homepage von Cabaia.
Herzlichst, Katha
* Der grobe Cord sieht schon cool aus, ist aber (bislang?) nur für die kleinen und mittelgroßen Adventurer verfügbar. Ich habe mich für die vegane Textil-/Leder-Variante entschieden, die wirklich robust, widerstandsfähig und wasserabweisend ist. Die lebenslange Garantie dafür gibt Cabaia sicher nicht umsonst…
Guter Unterricht, egal in welchem Fach, findet in wechselnden Sozialformen statt. Einzelarbeit (EA), Frontalunterricht und/oder Direkte Instruktion haben dabei ihre Berechtigung, dürfen aber nicht die alleinige Unterrichtsform sein. Viele (alle?) Lehrkräfte setzen auch kooperative Sozialformen in ihrem Unterricht ein. Nicht immer sind dabei jedoch wirklich kooperative Lernformen (kL) im Einsatz, denn deren Definition geht weiter. Heute nehme ich euch deshalb ein bisschen mit in unser aktuelles Seminarthema.
Norm und Kathy Green haben in Deutschland das Thema „Kooperatives Lernen“ bekannt gemacht. Ihre Publikationen sind ebenso lesenswert wie z.B. diese beiden Bücher, die Schritte zum kooperativen Lernen aufzeigen und konkret für die Grundschule geeignete Methoden vorstellen. Ein paar Links habe ich ganz unten auch noch für euch gesammelt.
Was man bedenken muss: Partnerarbeit (PA) oder Gruppenarbeit (GA) sind nicht automatisch kooperative Lernformen, sondern grundätzlich erst einmal Sozialformen und somit auf der Ebene der Sichtstrukturen* anzusiedeln. kL gehen weiter und basieren auf fünf Merkmalen: 1. Positive Abhängigkeit – jedes Kind muss einen Beitrag leisten, damit die Gruppe erfolgreich sein kann; dafür kann es auch verschiedene Rollen geben. 2. Unterstützende Interaktion – in Form einer klaren Aufgabe als Grundlage, Unterstützung durch die Lehrkraft und unter den Schüler:innen. 3. Individuelle Verantwortlichkeit und Verantwortlichkeit für die Gruppe – Schüler:innen lehren quasi Schüler:innen, die Lehrkraft beobachtet sie dabei; nur möglich in kleinen Gruppen. 4. Angemessene Kommunikation / Soziales Miteinander – damit die Schüler:innen gut miteinander arbeiten und kommunizieren können, müssen sie koopeartiv arbeiten und dies immer wieder üben; Stichwort: positive Fehlerkultur. 5. Bewerten in Gruppen / Reflexion des Arbeitsprozesses – dies geschieht durch Reflexion innerhalb der Gruppe sowie durch Feedback der Lehrkraft.
Dazu kommen zwei Prinzipien: Erstens die sog. Sichere Lernumgebung. Es leuchtet ein, dass Kinder sich nur in eine Abhängigkeit von ihrer Gruppe begeben können und sich intensiv engagieren, wenn sie keine Bloßstellungen, Repressalien oder sonstiges befürchten müssen. Auch die Zusammenarbeit mit allen anderen Kindern, die der Einsatz von kL zwangsläufig mit sich bringt, setzt eine gute Beziehung unter den Kindern und zur Lehrkraft voraus. Hier sind wir dann auf der Beziehungsebene – da wird erkennbar, warum wir bei kL auch von Tiefenstrukturen* sprechen. Zweitens das methodische Grundprinzip think-pair-share, neudeutsch und kinderfreundlicher auch ich-du-wir-Prinzip genannt. Es besagt ganz einfach, dass zuerst selbst und allein nachgedacht wird (ICH), um die eigenen Gedanken zu sortieren und genügend Zeit zum Eindenken zu haben. Erst danach, wenn beide/alle Kinder mindestens eine Idee oder Lösung gefunden haben, geht es in den Austausch (DU), z. B. im Lerntempoduett in Form einer Haltestelle. Zuletzt wird dann präsentiert, sortiert, gemeinsam geschlussfolgert und reflektiert (WIR). Entfällt die erste Phase, sind langsamer denkende Kinder schon früh im Lernprozess abgehängt und können nicht von der kL profitieren.
Meine Zusammenfassung der Prinzipien und einiger für mich in der GS sinnvoll nutzbarer kL sieht so aus:
Die unten in der Grafik gesammelten Methoden sind unterschiedlich komplex und reichen von der Partnerfindung (Verabredungskalender) über Ideensammlung (Placemat, Mindmapping) bis hin zu Präsentation und Dokumentation (Gallery Walk, Graphic Organizer). Alle habe ich mehr oder minder intensiv mit Grundschulkindern ausprobiert und manche sind in den Alltag übergegangen (Haltestelle, Rollenkarten, dig. Pinnwand, Murmelphasen). Wie immer bei der Einführung neuen Methoden gilt: – Schau, welche Methode zum geplanten Ziel passt! – Neue Methoden an weniger wichtigem Inhalt ausprobieren, wichtige Inhalte mitbekannten Methoden erarbeiten! – Gib nicht auf! Es wird garantiert Rückschläge geben, die aber meist tolle Lernchancen beinhalten!
Mit diesen Empfehlungen schließe ich meinen heutigen Versuch eines Überblicks und kann nur jede:n von euch ermutigen, sich wieder (mehr) an kooperative Lernformen heranzuwagen. Die Kinder können das, wenn man sie gut hinleitet und dran bleibt! Katha
* Zu Sicht- und Tiefenstrukturen empfehle ich gern dieses Video von Michael Mittag.
Wow, zehn Jahre! Eine ganze Dekade Prima(r)Blog. Aus ersten hilflosen Beiträgen mit fragwürdigem Gehalt und Unsicherheitem beim Urheberrecht ist was geworden, auf das ich wirklich stolz bin. Außerdem bin ich häufig sehr froh darum, Ideen von überall her verfügbar zu haben, wenn ich mal auf die Schnelle etwas zeigen oder teilen möchte. Und manches habe ich im Blog schon schneller wieder gefunden als auf meiner Festplatte…
Falls du zu den langjährigen Leser:innen gehörst: Danke! Und falls du hier heute zufällig und neu bist: Willkommen! Vielleicht schaust du dich um und lässt dich inspirieren, vielleicht lässt du mal ein Like oder sogar einen Kommentar da.
Zum Inhalt: Im theoretischeren Teil I (s. Foto) geht es grundsätzlich um Gefühle, Emotionen, Psychologie – ein gute Auffrischung für mich, deren Studium nun schon vor fast zwei Dekaden begann… Hier wird auch die Drei-Schritte-Methode vorgestellt: Innehalten – Validieren/Labeln – Mitgefühl. Diese wird in den folgenden Kapiteln des Teil II immer wieder auf die konkreten Gefühlszustände bezogen und angepasst. Die Kapitel beschäftigen sich mit dem Umgang mit Wut, Frustration, Eifersucht, Angst, Mutlosigkeit und Traurigkeit. Jede Emotion wird in verschiedenen Facetten erklärt und anhand von Beispielen verdeutlicht. Handlungsempfehlungen runden jedes Kapitel ab. Diese sind an Familien gerichtet, aber auch einfach in den pädagogischen Kontext zu übertragen.
Meine Meinung: Dieses Rezensionsangebot wollte ich als Mutter sofort annehmen, war mir aber nicht sicher, ob es auch für euch Lesende dieses Blogs interessant sein könnte. Die ersten Kapitel haben mich schnell eines Besseren belehrt. Natalie Hissen gelingt es m.E. sehr gut, die für Kinder problematischen Gefühlslagen und Situationen ernstzunehmen, ohne ihnen (wie es heutzutage im Sinne einer falsch verstandenen bedürfnisorientierten Erziehung oft geschieht) alles andere unterzuordnen. Auch wenn der Titel die Kinder in den Mittelpunkt rückt, so geht es hier immer auch um das ganze soziale System, in dem die Kinder leben – vorrangig die Familie, natürlich aber auch die Schule. An vielen Stellen habe ich meine Jungs in Beispielen oder Schilderungen wieder erkannt und mein eigenes Verhalten im Umgang mit ihnen durchaus kritisch reflektiert. Darüber hinaus aber bekomme ich umsetzbare Tipps, wie ich es besser machen kann bzw. aus welcher Perspektive ich die Situation noch betrachten könnte. Das ist wirklich handfest und hilfreich! Unheimlich wertvoll finde ich es als Mutter und Pädagogin, dass ich mich selbst nicht ausblenden muss, um das problematische Gefühl des Kindes in den Blick zu nehmen – die Autorin bezieht das Innehalten und die Selbstfürsorge (als Selbstmitgefühl) ganz zentral mit in ihre Drei-Schritte-Methode ein. Klasse!
Leseempfehlung: Ganz klar richtet sich die erste Leseempfehlung an alle Eltern: ihr bekommt tolle Impulse für neue Sichtweisen, für Selbstmitgefühl und konkrete Anregungen dafür, wie ihr in bestimmten Situationen mit eurem Kind umgehen könnt. Genauso finde ich aber viele Kapitel auch für (angehende) Lehrkräfte und Erziehr:innen wirklich wichtig: Gerade im oft stressigen Kita- oder Unterrichtsalltag, in dem ich oft schnell und auf Vieles reagieren muss, braucht man als Profi eine gute Routine. Vor allem die Drei-Schritte-Methode kann ich bewusst einüben, um sie im Bedarfsfall parat zu haben und einfach anwenden zu können. Ich werde mein Buch sicher noch im Familien- und Freundeskreis verleihen, da jeder daraus wertvolle Blickwinkel mitnehmen kann!
Vielen Dank an den Verlag V&R für das Rezensionsexemplar!
Mein Beitrag zur #EduBlogparade (angeregt u.a. von Susanne Posselt) und passend zum Weltlehrkräftetag am 05. Oktober greift heute ganz subjektiv o.g. Frage auf.
Lehrkräfte haben vormittags recht und nachmittags frei, verdienen 5000€ netto, unterrichten 30 Jahre lang, was sie einmal vorbereitet haben und hassen Kinder (und Eltern). Viele Klischees sind über unseren Beruf im Umlauf, den jeder ja mal als Schulkind erleben oder erleiden musste und deshalb natürlich gut kennt. Selbst in seriöseren Medienberichten liest man 2024 nicht unbedingt die positiven Seiten des Lehrkraftseins: immer mehr und immer heterogene Schüler:innen in den Klassen, immer weniger wirklich ausgebildete Erwachsene unterrichten sie. Immer mehr Aufgaben werden der Schule zugeschrieben, teils, weil sie im Elternhaus nicht (mehr) übernommen werden. Warum sollte nun also noch irgendjemand beschließen, eine Karriere als Lehrkraft anzugehen?
Kurz gesagt: Weil Lehrer:in der coolste Beruf der Welt ist!
Etwas ausführlicher und natürlich total subjektiv und nicht validiert kommt hier eine unsortierte Liste meiner guten Gründe:
Jeder Tag ist anders. Es wird nicht langweilig! Die Kinder reagieren jedes Mal anders und bringen so viel Abwechselung in den Alltag. Von Tag zu Tag, manchmal von Stunde zu Stunde erlebst du Liebe, Streit, Freude, Stress, Freundschaft, Ärger, Witze, Wut, Versöhnung, Erfolg, und noch viel mehr.
Setze deine Individualität ein: du prägst deine Klassen, du kannst dich in der Schule mit deinem Talent einbringen. Lies die Bücher mit den Kindern, die auch dir gefallen und geh im Sachunterricht auf Themen, in denen du dich wohl fühlst – das macht viel mit deinem Unterricht und solche Freiheiten bieten die Lehrpläne und Vorgaben!
Du bleibst beweglich. Körperlich allein schon dadurch, dass du (zumindest an der GS) nur selten zum Hinsetzen kommst. Und geistig, weil du einfach immer wissen musst, was bei Zehnjährigen grad so abgeht und wie zeitgemäß dein Unterricht eigentlich ist. Dabei bleibst du definitiv jung!
FLEXIBILITÄT. Du erarbeitest dir Skills, die du sowohl beruflich wie privat nutzen kannst, weil du immer wieder mit wenig Zeit und wenigen bis keinen Mitteln was Cooles hinkriegen musst.
Die Kinder wachsen zu sehen ist unfassbar toll. Viertklässler zu verabschieden, die man als I-Dötzchen kennengelernt hat, treibt selbst mir immer wieder Tränen in die Augen. Die anstrengendsten ersten ein bis zwei Jahre werden etwas verdrängt, wenn man dann ab Klasse 2/3 die Früchte erntet, also die Kinder plötzlich methodisch sicher werden, Rituale beherrschen und immer selbstständiger werden.
Offene Augen und ein geweiteter Horizont: ich war mit meinen Klassen an Orten, die ich sicher sonst nicht besucht hätte (Stadtarchiv, Maleratelier, Theateraufführungen, …) und die mich immer wieder beeindruckt und bereichert haben.
Unterrichten macht (meistens) Spaß. Es ist immer wieder toll zu sehen, wenn meine mühsam erdachten Aufgaben angenommen werden, Begeisterung bei den Kinder auslösen oder Aha-Momente möglich machen. Gemeinsam über Witze lachen, sich mit den Kids zum Affen machen, süß-naive Fragen ohne Lachflash beantworten, „du bist die beste Lehrerin“ hören – diese Momente hebe ich im Herzen auf und sie tragen mich auch durch schlechtere Tage.
Ganz nüchtern betrachtet: die finanzielle Sicherheit und die Betreuung eigener Kinder in Ferienzeiten sind nicht außer Acht zu lassen und haben uns während der partiellen Schulschließungen als Familie echt gerettet. Ein Auto oder gar ein Haus zu finanzieren sind als Teil des ÖD eben schon deutlich einfacher. Und ja, ich kann nicht mal eben so ein paar Tage weg – dafür kenne ich aber meine freien Tage für die nächsten Jahre im Voraus.
Ich liebe meinen Beruf, wollte ihn schon früh und würde ihn jederzeit wieder ergreifen. Nun bin ich ja schon ein paar Jährchen im Seminarbetrieb und liebe auch das, vielleicht sogar noch etwas mehr. Aber auch nur, weil ich selbst mit wenig eigenem Unterricht fast täglich in Grundschulklassen sein darf und tollen Kindern beim Lernen und tollen LAA beim Lehren, Wachsen, Lernen zusehen darf.
Natürlich darf man den Beruf und seine Anforderungen nicht romantisieren, deshalb hier ein paar Kriterien, die eher nicht für eine Karriere als Lehrkraft sprechen:
Du wirst nicht gern angesprochen (im Minutentakt).
Du magst Menschen, speziell Kinder, nicht sonderlich.
Du brauchst regelmäßige Arbeitszeiten.
Du lässt dir nicht gern Vorschriften machen, strebst nach Autonomie.
Du möchtest nach Dienstschlussnichts mit der Arbeit zu tun haben (und mit Menschen von der Arbeit).
Du magst Digitales absolut nicht.
Du fühlst dich von Neuerungen leicht überfordert.
Du möchtest flexibel Urlaub nehmen können, z. B. für ein langes Wochenende mit Freunden.
Du möchtest „Karriere machen“. Das ist ziemlich eingeschränkt, solange du im „operativen Geschäft“, also dem Unterricht, bleiben willst.
Ihr habt bestimmt noch andere, gute Gründe, Lehrkraft geworden zu sein und/oder zu bleiben. ich würde mich gerade hier mal wieder über Kommentare freuen!
Wer kennt es nicht: seit mehreren Stunden arbeitet man mit der Klasse am gleichen Thema, aber am nächsten Tag oder gar nach einem Wochenende fällt es schwer, alle wieder gedanklich dorthin zurück zu holen. Im Fachseminar geht es uns gerade so, da wir an eine Sitzung aus dem Juni einen Anschluss finden müssen. In der Schule sind Abstände zum Glück ja deutlich kürzer, aber dennoch stellt das Anknüpfen an zuvor Erarbeitetes viele (angehende) Lehrkräfte und auch Schüler:innen vor Herausforderungen.
Heute sammle ich deshalb hier ein paar Gedanken zum Thema „kognitive Aktivierung“ generell und ganz konkret zu der Frage, wie man an Vorstunden anknüpfen kann, wenn man mit einem Bilderbuch arbeitet. Sicher lassen sich diese Überlegungen auch auf viele andere Unterrichtsszenarien übertragen.
Vorab eine kurze Reflexionsfrage: Was ist der Unterschied zwischen den Fragen „Was haben wir gestern gemacht?“ und „Was haben wir gestern gelernt?“ ?
Wie bzw. womit könnten die Kinder darauf antworten?
* kurze Nachdenkzeit *
Ok, weiter!
Die Frage „Was haben wir GEMACHT?“ führt häufig dazu, dass die Kinder auf der Handlungsebene wiederholen, was in der Vorstunde getan wurde: wir haben ein Arbeitsblatt bearbeitet, du hast was vorgelesen, wir sollten so was schreiben – das sind typische Antworten von Kindern auf diese Frage. Eine Inhaltliche, emotionale oder lernprozessorientierte Anbindung erfolgt dadurch i. d. R. nicht. Anders ist das bei Fragen, die auf das zuvor Gelernte, auf Herausgefundenes oder auf besonders wichtige/spannende/interesante/überraschende… Inhalte der Vorstunde zielen. Hier werden die Kinder wirklich zum Nachdenken aktiviert. Bestenfalls gibt es unterstützend dazu Notizen, Aushänge oder Visualisierungen des Lernzuwachses der Vorstunde. Das kann ein Merksatz ebenso sein wie eine Stichwortsammlung oder ein Bild.
Im Seminar haben wir mit dem Klassiker „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“ von Martin Baltscheit (Verlag Beltz) gearbeitet, um exemplarisch die Idee eines ganzheitlichen, integrativen Deutschunterrichts zu verstehen. Nun wollen wir am selben Beispiel den Fokus auf die kognitive Aktivierung legen, eine der drei Tiefenstrukturen von Unterricht. Vor allem wollen wir dem Mythos entgegenwirken, dass eine bloße Beteiligung der Kinder bereits eine kognitive Akitiverung darstellt. In der Vorbereitung bin ich auf eine Seite des IQES gestoßen, die dieses Thema sehr gut greifbar macht und die an sich nicht beobachtbare Tiefenstruktur durch Indikatoren beobachtbar macht. Dort wird k. A. definiert als „vertiefte Beschäftigung mit einem Lerngegenstand, die aus Neugier und echtem Interesse entspringt.“ Hier wird z. B. schon deutlich, dass der Einsatz eines Helferkindes, das vorbereitete Fragen und/oder vorbereitete Stundenthemen etc. vorliest, diesem Anspruch nicht genügt.
Um nun in einer imaginären Folgestunde wieder „zurück zu unserem Bilderbuch“ zu kommen, haben wir verschiedene Aktivitäten vorbereitet, die unsere LAA ausprobieren und reflektieren dürfen (s. Datei unten). Dabei stellt man auch fest, dass unterschiedliche Ansätze für unterschiedliche Stundenschwerpunkte mehr oder eben weniger geeignet sind. Wer mit Kinder das Nach- oder Weitererzählen angeht, ist mit einem Stundeneinstieg mit rotem Faden gut beraten. Wenn der Schwerpunkt das Verfassen von Briefen der Tiere an den Löwen geht, wäre ein roter Faden wenig hilfreich, umso mehr aber das Zuordnen von Tieren und Aussagen oder der Perspektivwechsel. Das Spiel mit Stabpuppen kann dialogisches Sprechen (oder Schreiben) gut vorbereiten, genauso wie es auch das Einnehmen einer anderen Perspektive spielerisch unterstützt. Die weiteren Ideen kannst du dir hier ansehen, für dein aktuelles Unterrichtsvorhaben anpassen oder übernehmen:
Alle gesammelten Ideen sind praxiserprobt und führen definitiv zu einer deutlich höheren Aktivierung der Lernenden als die Frage „Was haben wir gemacht?“. Sie holen, auf das Bilderbuch bezogen, die Kinder wieder emotional in die Geschichte hinein, füllen durch den Austausch in der Klasse Erinnerungslücken Einzelner und haben das Potenzial zur vertieften Auseinandersetzung mit den Charakteren oder der Handlung. Manche haben auch einen Hauch von handlungs- und produktionsorientiertem Literaturunterricht. Außerdem werden sie im Sinne von Horst Bartnitzkys Bedeutsamkeit der Inhalte, Situationsbezug und Sozialbezug wichtige Grundbedingungen guten Sprachunterrichts erfüllt. Nicht zuletzt stärken die hier vorgestellten Einstiege die Freude am Umgang mit Literatur durch auch emotionalere Zugänge.
Wenn du noch eine weitere bewährte Idee hast, schreib sie mir gern per Mail (s. Impressum), via Twitter oder Bluesky (@MowitzKa)! Katha