Titel: „Die Kunst des perfekten Scheiterns – 52 todsichere Wege zum Misserfolg“ Verlag: Yes (hier klicken) Autor: Christian Rieck ISBN: 978-3-96905-313-3
Zum Inhalt: In 52 überschaubaren Kapitel stellt Christian Rieck Wege vor, um Ideen, Projekte und Vorhaben möglichst effektvoll scheitern zu lassen. Natürlich (laut Vorwort) geht es ihm eigentlich darum, durch die satirische Überspitzung zum Nachdenken über Erfolgsmöglichkeiten nachzudenken – schreibt er… Es werden verschiedene Methoden der Kommunikation, Präsentation und Ideenentwicklung thematisiert, die möglichst misserfolgversprechend sind. Viele davon werden an konkreten Beispielen näher ausgeführt, die die Lesenden durchaus an aus den Medien bekannte Konzerne und Personen erinnern. Aber natürlich nur solche, die wirklich richtig krachend, laut und möglichst öffentlich gescheitert sind, denn mit dem Scheitern im Kleinen gibt sich Rieck als überzeugter „Failist“ gar nicht erst ab.
Meine Meinung: Nachdem ich bereits die „Anleitung zur Selbstüberlistung“ von Christian Rieck lesen durfte, wusste ich vorab, dass der Schreibstil mir sehr entgegen kommt. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die ironische Zugangsweise mich so irritieren würde, muss ich aber gestehen. Insgesamt nehme ich, vor allem in Kombination mit dem o.g. Buch und anderen Ratgebern, die ich zuletzt gelesen habe, nochmal eine Stärkung mit, welchen Weg ich weiter verfolgen möchte und was ich lieber lasse.
Leseempfehlung: Für alle, die gern beim Lesen etwas schmunzeln und Freunde des „Gegenteiltags“ kann ich diese 52 Wege zum perfekten Scheitern wärmstens empfehlen. Und allen Rieck-Fans sowieso!
Vielen Dank an den YES-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Liebe treue Leserinnen und Leser! Wie schön, dass ihr auch nach so langer Zeit hier seid, mitlest, ab und an kommetiert und euch meldet! Und das, obwohl die Taktung neuer Beiträge manchmal durchaus zu wünschen übrig lässt… Danke!
Ich sitze gerade am Küchentisch und nutze die faule Zeit des Feiertages zur Weiterarbeit an einem Verlagsprojekt, das krankheitsbedingt etwas im Rückstand ist. Eigentlich kein schlechter Zustand so. Fürs neue Jahr wünsche ich mir, dass es so bleibt: dass ich neben meinem Beruf als Lehrerin und Ausbilderin immer noch die Lust auf zusätzliche Projekte habe und die Kraft und Ideen, diese auch umzusetzen. Ich wünsche mir außerdem, dass ganz viel „auf Arbeit“ so bleibt wie 2024: tolles Teamwork, das gemeinsame Weiterentwickeln von Lehre und Beratung, kurz vieles, was ich vor einem Jahr unter mein Motto „Ankommen“ gefasst hatte. Unabhängig von den vielen Krisen und Bedrohungen in der Welt um uns herum fand ich 2024 ziemlich gelungen: 😇 es ging uns als Familie gut, * 🦸🏻♀️ tolle Frauen waren um mich herum (ja, vor allem ihr drei: #Ponyhof, #Cornelius, #Halbwisserin) 🧳 wir haben privat viel gesehen und erlebt, und auch beruflich war ich unterwegs, 📖 ich habe mich irgendwie zur Sachbuchleserin entwickelt und unheimlich spannende Bücher gelesen, 📱 neue Technik sorgt für noch mehr Zufriedenheit beim digitalen Arbeiten, 👩🏻🏫 ich durfte tolle Lehrkräfte ins Berufsleben entlassen und habe Kolleginnen gewonnen, 💼 und überhaupt bin ich beruflich rundum zufrieden!
Da mir die Idee mit dem Motto gut gefällt, möchte ich auch für 2025 eines festlegen, das mich leiten und begleiten soll: „Weitergehen!“ Es fasst gut zusammen, dass ich aktuell keine Richtungsänderung benötige, sondern viele Wege, auf denen ich momentan wandle, weiter beschreiten möchte. Ein paar Wegweiser werde ich mir dafür selbst zimmern, andere lasse ich von anderen Stellen errichten und mich auch mal leiten. Passt doch gut, oder?
Euch wünsche ich natürlich auch ein erfolgreiches und insgesamt gut zu nennendes neues Jahr! Mögen sich Wünsche erfüllen, sowohl beruflich als auch privat und mögen euch vor allem immer Menschen beiseite stehen, die Wege mit euch gehen! Das ist meiner Meinung nach das Wichtigste: es niemals allein schaffen zu müssen!
Katha
* Besonders gefreut habe ich mich, dass mein Großer (der hier mal „der Möppel“ war) meinte, 2024 sei einfach ein tolles Jahr gewesen. Schön, dass er sich als Teenienicht von der mediel verbereiteten schlechten Stimmung anstecken ließ und sein Jahr ganz positiv resümiert. Das heißt ja auch, dass er sehen kann, wie gut es ihm und uns eigentlich geht.
Titel: „Bastian oder Wie man aus einer Ente eine Rakete baut“ (2024) Verlag: dtv (hier klicken) Autor: Nils Kretschmer Illustrationen: Svenja Kretschmer ISBN: 978-3-423-76524-4
Zum Inhalt: Zwei Geschichten laufen in diesem Buch parallel nebeneinander her: einerseits die Geschichte des zehnjährigen Bastian, der mit seinem verwitweten Vater allein lebt und den Weltraum liebt. Andererseits die Geschichte über Buzz, den Weltraumschüler, der mit einer selbst gebauten Rakete ins All fliegt. Klassisch schwarz-auf-weiß lesen wir von Bastian, der nicht spricht, seit seine Mutter starb, aber ständig in sein schwarzes Skizzenbuch zeichnet und schreibt. Er bekommt zum Geburtstag einen Traum erfüllt, als er ein Observatorium besuchen darf. Weiß-auf-schwarz lesen wir parallel immer wieder Abschnitte des Abenteuers, das Buzz im All erlebt und das leichte Überschneidungen zur „echten“ Geschichte erahnen lässt. Illustrationen gibt es ausschließlich in dem von Bastian gestalteten Teil des Buches. Diese sind durch den schwarzen Hintergrund sehr leuchtend, sehr detailreich und teilweise etwas verrückt anmutend (wie auch Buzz‘ Story insgesamt).
Meine Meinung: Ein wirklich ungewöhnliches Buch, dass Nils und Svenja Kretschmer da als Debüt herausgebracht haben! Ich hab ein wenig gebraucht, mich auf den Wechsel der Erzählstränge einzulassen, der ja dankenswerterweise typografisch so gut erkennbar ist. Recht schnell wird allerdings klar, wer da schreibt und dass die verrückte Geschichte ein Weg für den scheinbar unter selektivem Mutismus leidenden Bastian ist, sich auszudrücken. Gut gefällt mir, wie die Beziehung zwischen Bastian und seinem Vater sich langsam verändert, weil plötzlich eine andere Person „ins Spiel kommt“ und er sich auf das besondere Interesse seines Sohns am Weltall einlassen kann. Nicht zuletzt gefallen mir die Illustrationen, die Svenja Kretschmer Bastian entwerfen lässt: sie sind fantasievoll, strahlend und einfach wirklich gut gezeichnet! Mein Fazit: anspruchsvoll, aber sehr liebenswert!
Leseempfehlung: Da die beiden Erzählstränge schon etwas komplexer sind und vor allem die Weltall-Geschichte auch verstanden werden muss, ist die Empfehlung „ab 9“ des Verlags nicht unrealistisch – man sollte aber schon Lesserfahrung mitbringen. Auch als Vorlesebuch für Kinder ab der 3. Klasse kann ich mir „Bastian“ gut vorstellen – auch hier aber eher für Kinder bzw. in Klassen, die auch zwischen den Zeilen verstehen können und literarisch vorgebildet sind. Begleitend zu einer Sachunterrichtsreihe über das Weltall kann ich mir das Buch, vielleicht auszugsweise, gut vorstellen. Ebenso interessant kann es als Inspiration für das Erfinden eigener verrückter Geschichten in einem größeren Schreibprojekt dienen, so dass sich die Kinder an Bastian ein Beispiel nehmen können.
Vielen Dank an den dtv-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!
Zum Inhalt: Helene und ihre Großmutter besuchen eine Kirmes, wo sie Lose kaufen. Helene gewinnt einen Flummi, ihre Oma zieht eine „Niete“. Statt enttäuscht zu sein, nimmt sie das Wort aber für ihre Wörtersammlung mit, die sie Helene zeigt. Die beiden beschließen, diese Wörter an Passanten zu verlosen. Jede Person, die einen Zettel zieht, reist gedanklich in die eigenen Assoziationen zu dem Begriff, was kurz beschrieben und auch durch die Illustration dargestellt wird. Die Illustrationen sind durchgehend seitenfüllend, in leuchtenden Farben und einem eher „altmodischen“ Stil gehalten. Sie wirken lebendig und zeigen sehr deutlich die Emotionen des jeweiligen Moments.
Meine Meinung: Eine zauberhafte, kreative und zum Nachdenken anregende Geschichte über ein Mädchen und seine Großmutter! Ich mag besonders den assoziativen Umgang mit einzelnen Wörtern, der mir als Wörterfreundin immer schon viel Freude bereitet hat. Das Erinnern anhand einzelner Begriffe gefällt mir genauso gut wie das Fabulieren, das von einem einzelnen Wort ausgelöst werden kann – die Autorin lässt größtenteils offen, was bei wem passiert (Wunschdenken oder Erinnerung). Immer aber wird klar, dass all diese Gedanken, Szenen, Erlebnisse oder Träume von einem einzigen Begriff ausgelöst wurden. Die Illustrationen gefallen mir vor allem aufgrund ihrer Klarheit und Farbgestaltung sehr. Sie wirken lebendig und dennoch ruhig zugleich und schaffen es, die in wenigen Sätzen angerissenen Erlebnisse wirklich spürbar zu machen.
Leseempfehlung: Als Vorlesebuch wird das Buch vom Verlag ab 4 Jahren empfohlen, also ab dem Alter, in dem Spielen mit Sprache für Kinder möglich wird. Allen Eltern mit Kitakindern sowie Erzieher:innen kann ich die Geschichte absolut ans Herz legen, fast noch mehr aber euch Grundschullehrkräften! Die Wortverlosung bietet einen tollen Anlass, sich ganz unstrukturiert, kreativ und frei mit den eigenen Assoziationen auseinanderzusetzen und bietet dafür in den einzelnen Szenen gute Anregungen. Anders als klassische Geschichten-Planungs-Hilfen wie Wortfelder oder Cluster (die ja auch ihre Berechtigung haben, aber vielleicht später) können z. B. die Wörter am Ende des Buches als Fabulieranlass genutzt werden. Sie eignet sich hervorragend als Vorstufe für das Erzählen zu Bildern oder Reizwortgeschichten, die vielerorts zum Einsatz kommen, aber oft wenig assoziative Resonanz bei den Kindern hervorrufen (meine Wahrnehmung). Die Wortverlosung „erlaubt“ den Kindern quasi, sich wirklich individuell Gedanken zu machen und zeigt, dass Assoziationen von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein können (müssen?). Probiert es doch mal aus und lasst euch überraschen, wohin dieser Weg führen kann…
Vielen Dank an mixtvision für das ganz aktuelle Rezensionsexemplar!
Titel: „Grimm und Möhrchen und die Weihnachtswette – 24 Geschichten, Lieder und Ideen zum Advent“ Verlag: dtv (hier klicken) Autorin: Stephanie Schneider Illustrationen: Stefanie Scharnberg ISBN: 978-3-423-76493-3
Zum Inhalt: Buchhändler Grimm und sein Zesel Möhrchen durfte ich euch schon einmal vorstellen. Dieses Mal begleiten wir die beiden Freunde durch die Adventszeit. In der gewohnt verspielten, etwas eigentümlichen Art wollen sie sich an keinem der 24 Tage langweilen, was auch gelingt. Jedes Kapitel beginnt mit einem Bild des Weihnachtsbaums, an dem täglich ein neues Schmuckstück angehängt wird (siehe Fotos). So kann man einerseits zurückblicken auf bisherige Geschichten, andererseits immer zu Beginn überlegen, wofür das Neue wohl stehen könnte. Von Vorlesen über Backen, Kuscheln, Budenbauen und Geheimspaziergänge sind dann viele verschiedene Aktionen und Lieder in die Geschichten um das liebenswerte Paar verpackt, in denen auch alte Bekannte wie die „Freiwillige Feline“ nicht fehlen. Ergänzt wird das Buch multimedial durch QR-Codes, über die man sich die Lieder auch anhören kann.
Meine Meinung: Da ich das Zeselchen und den gutmütigen Grimm bereits beim ersten Lesen sehr ins Herz geschlossen hatte, habe ich mich über dieses Rezensionsangebot besonders gefreut. Die ehemalige Grundschullehrerin Stephanie Schneider hat meiner Meinung nach wieder überzeugend geliefert: die Figuren sind noch genauso leibenswert schrullig und haben einen Hang zu Wortneuschöpfungen und -umdeutungen, wie ich es mag. Die 24 „Geschichten, Lieder und Ideen zum Advent“ sind dementsprechend wirklich mal etwas Anderes als in ähnlich angelegten Sammlungen, die es ja zu kaufen gibt. Einen Geheimspaziergang durchs Dorf zu unternehmen oder einen Bilderanfang weiterzumalen, Sterne zu zählen oder gestreifte Plätzchen zu backen – das alles kam hier auch bei den größeren Kindern ganz wunderbar an. Außerdem ist fast alles spontan anzugehen, ohne großartige Vorbereitung. Besonders erfreulich finde ich zudem, dass es immer wieder um Freundschaft, Nächstenliebe, das nichtmaterielle Geben, kleine Freuden und liebe Worte geht – also ganz viel um das Herz von Weihnachten!
Leseempfehlung: Der Verlag empfiehlt das Buch ab fünf Jahren – ich ergänze mal ein „bis 99“. In wohl jeder Familie dürfte dieser mittlerweile vierte Band der Reihe gut ankommen. Ebenso gut wie in Kitagruppen passt die Geschichte aber meiner Meinung auch in eine erste oder zweite Klasse als literarischer Adventskalender. Es gibt viel zu entdecken und auf die Ohren und vielerorts lassen sich schöne Spielideen ableiten. Besonders schön stelle ich es mir auch vor, die Tannenbaumseiten groß zu projizieren und mit den Kindern das neuste Ornament zu suchen und zu erraten, worum es geht (Sprachförderung, ick hör dir trapsen!). Sorry, dass meine Empfehlung für 2024 schon zu spät kommt, aber der nächste Advent kommt bestimmt!
ich wünsche euch zuerst einmal schöne Ferien! Ich bin sicher, ihr habt sie euch mehr als verdient! Genießt ein paar frohe, ruhige, abwechselungsreiche, mäßig stressige und herzerwärmende Festtage mit den Menschen, die euch wichtig sind und kommt gut und gesund ins neue Jahr!
Dieses Jahr habe ich leider einen krankheitsbedingten Frühstart in die Ferien hingelegt und muss deshalb erstmal noch ein wenig in Ferienlaune kommen… Aber hier liegen ein paar schöne Bücher bereit, die bestimmt dabei helfen und Langweile kommt mit Schulkindern in den Ferien ja eher selten auf.
Ein paar Rezensionen werde ich wohl noch abarbeiten, dann aber vermutlich erst im neuen Jahr größere Beiträge schaffen. Ein paar spannende Impulse u.a. von Ferdi Stebner, Caroline von St. Ange, meinen tollen Kolleginnen und aus meinem eigenen Hinterstübchen warten noch darauf, in Worte gekleidet zu werden.
Titel: „Konflikt der Generationen. Von den Boomern bis zur Generation Z“ Verlag: YES (hier klicken) Autor: Rüdiger Maas ISBN: 978-3-96905-333-1
Zum Inhalt: Nach der Klärung des uneinheitlich ausgelegten Generationenbegriffs stellt der Autor anhand von fiktionalen Charakteren die Besonderheiten der Generationen der letzten rund 100 Jahre vor: Beginnend bei Erna als Stellvertreterin der Kriegsgeneration über Christian und Markus aus der Generation X bis zu Ben und Mia aus der Generation Beta, deren Geburt noch bevorsteht. Dabei stellt er typische, gar stereotype Aussagen und Verhaltensweisen zusammen, beleuchtet aber auch, unter welchen Voraussetzungen diese Menschen jeweils aufwuchsen. Gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie z. B. die Frage nach der Gleichberechtigung. Ergänzt werden die Ausführungen hier und da mit Schaubildern aus Umfragen des Instituts für Generationenforschung des Autors. Zuletzt wagt Rüdiger Maas einen utopischen (oder dystopischen?) Ausblick auf die nächste Generation und ihr Aufwachsen.
So definiert das Institut zur Generationenforschung die Generationen.
Meine Meinung: Wer von sich behaupten kann, Stereotypen nicht zu verfallen und Menschen neutral gegenübertreten zu können, dem oder der kann ich nur gratulieren. An mir selbst beobachte ich immer wieder, wie ich in Schubladendenken verfalle und z.B. dem Narrativ der „alten weißen Männer“ innerlich nickend zustimme. In diesem Sinne fand ich „Konflikt der Generationen“ wirklich erhellend, weil ich Einblicke in meine Eltern- und Großelterngeneration bekam, die ich so bislang nicht hatte. Viele Ansichten Älterer finde ich schwer nachvollziehbar, was Maas zu meinem Glück als normal einstuft – aber durch seine prägnanten Beschreibungen der Beispielpersonen sind mir manche Positionen verständlicher geworden. Auch der Blick auf die nachfolgenden Generationen, die ich gerade einerseits zuhause habe als auch als Fachleiterin ausbilde, wurde nochmal sehr geschärft. So hoffe ich, in Zukunft etwas weniger vorurteilsbeladen an meine Umwelt heranzugehen. Und ich habe schon einige Argumente gesammelt für Gespräche mit Menschen in Familie, Verein oder beruflicher Umgebung, die „die Jugend von heute“ leicht verteufelt. 😏
Leseempfehlung: Uneingeschränkt! Jede:r kann davon profitieren, den eigenen Geist ein wenig zu öffnen! Für alle in Schule tätigen ganz speziell finde ich das Buch allerdings auch hilfreich, vor allem diejenigen, die keine eigenen Kinder im Schulalter haben: ihr bekommt wirklich neue Sichtweisen und müsst euch vielleicht manchmal nicht mehr so aufregen, sondern eher wissend schmunzeln. Es hilft sicher, den Umgang mit Schüler:innen, jüngeren oder älteren Kolleg:innen oder Menschen in Ausbildung professioneller zu gestalten.
Vielen Dank an den YES-Verlag für das Rezensionsexemplar! Katha
Heute gibt es hier, passend zum aktuellen Fachseminar, eine Anregung zur Förderung des mündlichen Sprachgebrauchs (Fachebene), kooperativer Lernformen (methodische Ebene) und der Medienkompetenz. Ich stelle euch meine Ideen für eine Unterrichtsreihe vor, so wie ich sie mit einer eigenen Klasse umsetzen würde.
Grundidee: Die beiden Wichtel Jule und Jasper haben dieses Jahr keine große Lust auf das übliche Weihnachtsgeschäft. Statt dem Weihnachtsmann zu helfen, büxen sie aus und wollen Abenteuer erleben. Das nutzen wir als Erzählanlass: In PA erzählen alle Kinder ein eigenes Wichtelabenteuer, die die Klasse dann wie ein Adventskalender durch die Vorweihnachtszeit begleiten.
Mit ideogram.com habe ich dieses Bild der beiden Wichtel generiert.
Was vorher bekannt sein muss Ich plane hier für eine fiktive 3./4. Klasse und habe dabei die Voraussetzungen meiner letzten Klassen als Maßstab gewählt. Methodisch und fachlich setze ich deshalb so Manches voraus: – der Aufbau von Geschichten ist bekannt, Ideen wie der rote Faden oder ein Spannungsbogen müssen nicht erst neu erarbeitet werden – die Sozialform PA mit wechselnden Partner:innen ist geübt – der Umgang mit Audioaufnahmen in der Sprachmemo-App ist bekannt – das Überarbeiten wird neu erlernt
1. Wortschatzarbeit Egal, ob man einen Schreibanlass oder etwas Mündliches plant: bei einem gemeinsamen Oberthema wie hier ist es unheimlich wertvoll, gemeinsam einen Wortschatz aufzubauen, zu dem alle etwas beitragen und von dem die meisten Kinder profitieren können. (Hier habe ich das am Beispiel „Winter-Gedichte“ schonmal genauer gezeigt.) Da wir Geschichten erzählen werden, in denen die beiden Wichtel Jule und Jasper Aufregendes erleben, dies aber alles in der Vorweihnachtszeit geschieht, lohnt es sich, Sammlungen von passenden Nomen, Verben und Adjektiven anzulegen. Auch Satzanfänge könnten gesammelt oder wiederholt werden. Gern arbeite ich zum Aktivieren des Vorwissens mit einem „wachsenden Cluster“ – und das geht so: 🖊 Jedes Kind schreibt mit Bleistift alle Wörter zum Thema auf, die ihm einfallen*. 🖊 Ohne Stift treffen sich zwei Kinder und tauschen sich über ihre Begriffe aus. 🖊 Zurück am Platz nimmt jedes Kind einen andersfarbigen Stift zur hand und schreibt vom Partner neu bekommene Wörter auf. 🔁 Dies kann beliebig oft wiederholt werden.
Entweder kann danach mit allen zusammen eine Wortsammlung auf Plakaten angelegt werden oder die Lehrkraft sammelt alle Cluster ein und verarbeitet die gesammelten Wörter zu Wortschatz-Aushängen. Schön ist es, wenn im Laufe der Reihe immer wieder auftauchende Wörter ergänzt werden.
2. Erzählung planen Im Klassengespräch oder im Kreis werden von der Lehrkraft die Aufgabenstellung und das Ziel der Reihe vorgestellt. Erste Ideen für Orte, Figuren und Handlungen können, je nach Lerngruppe, auch hier gesammelt werden. Zuerst füllt dann jedes Kind einzeln einen Erzählplan aus und notiert dabei mögliche Orte, Figuren und Handlungsstränge (linkes Bild). Die zuvor angelegte Wortsammlung kann hier bereits ihren unterstützenden Charakter entfalten. Im Sinne des kooperativen Lernens geht es danach in PA mit dem Austausch über die Ideen beider Partner:innen weiter, in dessen Rahmen Ideen abgewogen, augewählt und in einen „Team-Erzählplan“ (rechtes Bild) zusammengeführt werden.
3. Erzählung üben Mit ihrem Plan üben die Kinder zu zweit, ihre Geschichte zu erzählen. Vorab sollte ihnen klar sein, dass die ersten Versuche eben nur Versuche sind und eine Geschichte erst mit Übung interessant wird. Auch Kriterien für das Erzählen einer guten Geschichte müssen vor oder nach der ersten Übungsphase gemeinsam erarbeitet oder mindestens transparent gemacht werden. Sobald ein Team sich sicher ist, dass die eigene Geschichte „fertig“ ist, geht es in eine erste Feedbackrunde.
4. Feedback Im Sinne des Lerntempoduetts finden sich an der Haltestelle zwei Partnerteams zusammen. Sie erzählen sich gegenseitig ihre Wichtelgeschichten. Mit Hilfe der Kriterien geben die Kinder sich Feedback dazu. Wer mag, kann mit einem Kriterienbogen arbeiten, auf dem die Kinder ihr Feedback festhalten können. Besonderen Wert möchte ich dabei auf das Erhören von „Erzählgeheimnissen“** legen, für die extra Kärtchen bereitgestellt werden. Die beiden erzählenden Kinder sollen sich Anregungen in ihrem Erzählplan notieren, um sie einbauen zu können. Auf diesen Aspekt würde ich Wert legen, um die Idee des Überarbeitens greifbarer zu machen. Wie man Übungs- und Reflexionsphasen abwechseln kann, habe ich in dieser ähnlichen Einheit hier schonmal aus dem Fach Englisch vorgestellt.
5. Erzählung aufnehmen Das Feedback sollte neben Tipps für die Erzählenden auch unbedingt gute Formulierungen und Ausdrücke in den Fokus nehmen. Dazu würde ich die Idee der Erzählgeheimnisse** nutzen und die Kinder ihre Zettel aus den Feedbackrunden in die Klassenrunde mitbringen lassen. Wichtig ist es hierbei, die Formulierungen in einen Kontext zu setzen und Beispielsätze mit ihnen zu bilden. Sie lassen sich am Ende gut sammeln und mit den Wortspeichern aushängen, um sie allen zugänglich zu machen. Nach einem Austausch der ganzen Klasse über die gefundenen Erzählgeheimnisse soll jede PA die eigene Erzählung überarbeiten. Anders als bei einem Text, in den man hineinkritzeln und den man ins Reine schreiben kann, ist das Verändern einer mündlichen Erzählung schwierig: man kann zwar an jeder Stelle der Aufnahme „darübersprechen“, dabei überspielt man aber meist auch den Rest der Geschichte. Auch das Schneiden dürfte in der Klasse kaum leistbar sein. Deshalb läuft die endgültige Überarbeitung vermutlich auf eine (wiederholte) Neuaufnahme hinaus.
6. Veröffentlichung Wenn dann alle Erzählungen fertig sind, werden sie umbenannt. Ob sie dann an die Lehrkraft gesandt werden oder in ein LMS oder auf eine digitale Pinnwand hochgeladen werden, hängt von den eigenen Vorlieben ab. Mein Weg wäre ein TaskCards-Pinnwand, weil ich sie weihnachtlich gestalten könnte. Im Dezember kann sie dann jeden Tag gezeigt und eine Geschichte angehört werden.
Bonusidee „KI“: Wer Lust und noch ne Kunstdoppelstunde Zeit hat, könnte mit den Kindern auch noch eine bildgenerierende KI nutzen (z. B. die von fobizz, weil ohne Anmeldung), um passend zur eigenen Geschichte ein Bild zu generieren. Das wiederum würde dann die Pinnwand noch interessanter machen.
Jule und Jasper im Dschungel (Ideogram)Jule und Jasper lernen surfen (Ideogram)
Wie immer gilt: nehmt euch aus dieser Idee mit, was ihr brauchen könnt – variiert und mixt alles und schreibt mir gern, was ihr draus gemacht habt! Katha
*Natürlich muss das Clustern bekannt sein oder erklärt werden.
** Angelehnt an die „Schreibgeheimnisse“, die Beate Lessmann hier vorstellt.
Titel: „Einfach so!“ – Hör-Lese-Buch Verlag: Finken (hier klicken) Bestellnummer beim Verlag: 3071, 3072 und weitere
Ich durfte mir mit einer LAA, die DaZ als Ausbildungsfach hat, das Hör-Lese-Buch für den 2. Jahrgang aufwärts von Finken ansehen. Das ganze Lehrwerk ist als Ergänzungsmaterial für den Regelunterricht angelegt. Es eignet sich insbesondere als Differenzierungsmaterial mit dem Fokus auf der Förderung der Sprachkompetenz von spracharmen Kindern oder DaZ-Schüler:innen. Zielgruppe sind alle SuS, die bisher noch nicht die ausreichenden Sprachkenntnisse erworben haben, um den Regelunterricht problemlos zu folgen und mitarbeiten zu können.
Die Rahmenthemen orientieren sich an klassischen Sachunterrichtsthemen der Jahrgangsstufe 2 (Körper, Ernährung, Familie und Freunde, Umgebung, Tiere und Wetter). Durchgehend wird der jeweilige Lerninhalt auf drei Spracherwerbstufen angeboten. Dabei ist die Progression so angelegt, dass der Wechsel in die nächsthöhere Spracherwerbstufe problemlos möglich ist. Als weitere Unterstützung kann man sich mit dem BOOKii-Hörstift z. B. die richtige Aussprache der Texte anhören und so den eigenen Wortschatz aufbauen oder erweitern.
Die Postermotive im Hör-Lese-Buch bieten eine Fülle an Wortschatz und Strukturen. Kleine Geschichten rund um die Leitfiguren Tea, Malek und Hund Lili laden die Kinder dazu ein, in deren fiktive Welt einzutauchen. Viele Gespräche der Leitfiguren lassen sich in Partnerarbeit nutzen. Die Kinder haben auf jeder Doppelseite die Möglichkeit, das sprachlich Gelernte aktiv anzuwenden, indem sie kleine Arbeitsaufträge ausführen: Fragen beantworten, von sich erzählen, Mitschüler*innen interviewen, wie hier zum Beispiel:
Die Markierung der Texte mit kleinen Farbstreifen an ausgewählten Stellen erleichtert ein gemeinsames Lernen und Lesen in Partnerarbeit. Zudem gibt es Wortkästen (mit schwierigen Wörtern und Wortphänomenen) und Merkkästen (mit einfachen und grammatikalischen Strukturen).
Selbstgesteuertes, eigenaktives Lernen wird u.a. dadurch unterstützt, dass die Kinder sich mithilfe des Hörstifts Sätze und Gespräche aus dem Hör-Lese-Buch anhören und eigene Wortbeiträge selbst aufnehmen können (Fragen beantworten, von sich erzählen, Mitschüler:innen interviewen).
Für eine durchgehende DaZ-Förderung würden wir uns noch die Verwendung der farbigen Punkte vor den Artikeln wünschen, die in immer mehr Materialien für die Grundschule Einzug halten und das Erlernen des korrekten Genus erleichtern. Gerade das ist für viele DaZ-Kinder schwierig – vor allem, wenn es in ihrer Muttersprache keine Unterschiede beim Genus von Nomen gibt.
Vielen Dank an den Finken-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Zum Inhalt: In drei Bereichen gehen die Autorinnen zuerst auf die begriffliche Klärung des Disziplinbegriffs und seine historische Entwicklung ein, dann auf die Verbindungen zu Themenfeldern wie Resilienz, Gesundheit, Autorität etc. und zuletzt darauf, was Kinder (und Erwachsene) eigentlich benötigen, um diszipliniert zu agieren. Disziplin wird zuerst einmal vom negativ konnotierten Begriff der „Zucht und Ordnung“ abgegrenzt und soll (siehe Foto) als positive Eigenschaft berachtet werden. Dafür finden die Autorinnen vielfältige Belege und Erklärungen, wie Disziplin mit Selbstregulierung, einem positiven Selbstbild und z. B. Leistungsbereitschaft zusammenhängt. Unheimlich viele pädagogische, psychologische und sozialwissenschaftliche Konzepte werden mit dem Thema Disziplin in Verbindung gebracht und dadurch ein sehr vielfältiges Bild des Leitthemas hergestellt. Neben wissenschaftlichen Belegen und Forschungsergebnissen werden subjektive Eindrücke herangezogen, die in der Gesellschaft vielfach sicher ein zustimmendes Nicken erhalten würden.
Ergänzt werden die Ausführungen durch viele Reflexionsfragen, die eine porfessionelle Arbeit mit dem Buch unterstützen.
Meine Meinung: Das zuerst eher schmal wirkende Buch (rund 180 Seiten) hat es in sich. Schnell konnte ich nur noch mit einem Stift in der Hand weiterlesen und bald ging ich zum Notieren meiner Gedanken zu einem Miro-Board über, in dem jetzt mehr oder minder übersichtlich die vielen Vernetzungen gesammelt sind:
Wer sich meine Notizen genauer ansehen möchte, kann das hier direkt in Miro tun.
Da ich Anfragen zu meinen Notizen bekommen habe: Hier könnt ihr euch das Ganze in lesbar, zoombar, … ansehen: Miro-Board „Disziplin“
Leseempfehlung: Wer mal wieder Lust hat, die eigenen Haltungen zu überprüfen, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Als Elternteil kann man viele Anregungen direkt herauslesen, vor allem im letzten Abschnitt. Für Lehrkräfte gibt auch einige direkt an einen selbst adressierte Tipps; hier darf man aber auch gern zwischen den Zeilen lesen und kann viel mitnehmen.
Vielen Dank an den Verlag V&R für das Rezensionsexemplar!