Mona war weg – ein Schreibanlass

Momentan komme ich dazu, ein paar liegen gebliebene Blogprojekte aufzubereiten. Eines, das hier schon lange schlummert, ist dieses Beispiel aus meiner zweiten Klasse, das sich aber auch übertragen lässt auf höhere Klassenstufen:

Unser Klassentier Mona ist damals aus dem Herbsturlaub mit mir auf Norderney leider nicht zurück in die Monsterklasse gekommen. Für die Kinder gab es die Legende, dass sie Lust auf mehr Urlaub und Abenteuer hatte und deshalb erst später wieder zur Klasse käme*.
Usedom 2018 (226)Eigentlich ist das arme Ding aber wohl auf der Fähre zurück verloren gegangen und war nicht mehr aufzufinden… Zum Glück konnte ich dank des großzügigen Herstellers irgendwann Mona wieder präsentieren (da es ein Werbeprodukt war, hätte ich sie nur im Hunderterpack nachbestellen können!) und schwupps – geboren war ein toller Rede- und Schreibanlass!

Mona hat MIR nämlich leider nicht erzählt, wo sie so lange geblieben war und was sie erlebt hat. Da ich mir aber sicher war, dass sie den Kindern mehr verraten würde, durften alle Kinder Mona mal ein Weilchen nehmen und sie „aushorchen“. Dann wurde Monas Geschichte aufgemalt und dann auch aufgeschrieben.
Alle Vortexte sammelte ich ein und gab sie korrigiert zurück. Teils sollten die Kinder noch ein bisschen was ergänzen, damit die Geschichte stimmig wurde – dann schrieb jede/r seinen Text auf.

Alle Texte und Bilder sammelte ich dann zu einem Buch zusammen. Da ich die gute alte Plastik-Spiralbindung langsam nicht mehr sehen konnte, habe ich mir mal einige Präsentationsmappen im Aldi angeschafft (ihr kennt inzwischen ja meinen lippischen Geiz, der mich gern bei den reduzierten Sachen zuschlagen lässt). Die bestehen quasi nur aus Klarsichthüllen und in deren Cover kann man auch ein Blatt Papier einstecken. Bild und Text können so immer nebeneinander stehen, wenn man die Hüllen beidseitig bestückt.

Zwei Varianten sind mir noch durch den Kopf gegangen:
a) Kombination mit Greenscreen
Wenn man ein freigestelltes Foto des Klassentiers hat (s. dieser Blogbeitrag hier), können die Kinder es in verschiedenste Hintergründe einfügen und dann dazu erzählen oder schreiben.
b) Distanzlernen
Auch in der aktuellen Situation mit Unterricht aus der Ferne können Klassentiere sehr hilfreich sein – sind sie doch für viele, gerade jüngere Schüler*innen eine echte Identifikationsfigur. Wenn ihr also Klassentiere habt, sendet doch mal ein Foto herum (vielleicht auch ein bearbeitetes) und lasst die Kinder dazu schreiben. Vielleicht gibt es ja sogar noch Klassentierfotos von gemeinsamen Klassenaktionen. Ich habe unsere Mona da auch immer dabei und sie schlecht sich oft auf Bilder, die ich dann später nutzen kann.

Herzliche Grüße
Katha

* Später in Klasse 3 bekamen wir dann sogar noch Post von einem netten Monster, das Mona auf ihrer Tour an der Nordsee kennengelernt hatte – unser Einstieg in die Einheit „Briefe schreiben„.

Rezension: „Mio war da“

Mio war da (1)Titel: „Mio war da“
Verlag: Klett Kinderbuch (hier klicken)
Autorin: Tanja Székessy
Illustrationen: Tanja Székessy
ISBN: 978-3-95470-220-6

Zum Inhalt:
Mio ist das Klassentier der Klasse 1d und seines Zeichens Pinguin. Die Klasse und ihre erwachsenen Begleiter mag er sehr gern und so freut der kleine Pinguin sich sehr, als ein großes Abenteuer für ihn beginnt:
Er darf alle Kinder der 1d zuhause besuchen und sogar dort übernachten!
Auf je einer Doppelseite sieht und liest/hört man nun von den ganz verschiedenen Familiensituationen der Schülerinnen und Schüler aus Mios Klasse. Aus allen Kulturkreisen und sozialen Schichten kommen diese und von voller Action bis zu Vergessenwerden erlebt Mio so Einiges:

Meine Meinung:
Schon das Konzept des Buches hatte mich gepackt, bevor ich es in der Hand hielt: ein „neutraler“ Beobachter, der verschiedene Familiensituationen vorstellt, müsste einen wunderbaren Gesprächsanlass rund um Familie bieten…
Mio hat diese Hoffnung absolut erfüllt und ich hätte mich am liebsten direkt mit ihm in die Schule begeben (leider habe ich keine Klasse). Die Zeichnungen und Beschreibungen sind eindringlich, aber niemals wertend und laden so zum Betrachten und Vertiefen ein. Fast automatisch kommen Fragen auf nach der Fürsorgepflicht von Eltern, nach den Rechten der Kinder oder ganz banal zur Zusammensetzung von Familien. Jedes Kind, mit dem man diese Familien betrachtet, dürfte sich in einer der Situationen wiederfinden und berührt werden. In guten Gesprächen erkennen Kinder so vielleicht, dass ihre Probleme nicht nur ihre sind, sondern auch andere sie teilen oder dass es nicht ganz in Ordnung ist, wie es bei ihnen zuhause läuft. Vielleicht merken sie auch, dass nicht jedes Kind es daheim so gut hat wie sie selbst, was das Verständnis für das Handeln und Empfinden Anderer stärkt (Stichwort „Empathie“). Ganz sicher aber erweitert jedes Kind mit Mio und der 1d seinen Horizont!
Mio war da (2)

Leseempfehlung:
Für alle mit Kindern im Vor- und Grundschulalter, für ErzieherInnen mit Vorschulkindern und Grundschullehrkräfte kann ich Mio nur wärmstens empfehlen. Aufgrund seiner Tiefe bietet sich das Buch m. E. eher als Vorlesebuch an, kann aber auch lesenden Kindern Freude bereiten. Im Austausch beim Vorlesen sehe ich aber das oben schon angedeutete größere Potential.
Anschlussthemen für die schulische Behandlung sind z. B.:
– SU-Thema „Ich und die anderen“
– Schreib- und Malanlass: „Meine Familie“
– Gesprächsanlass: „Was kann alles Familie sein?“
– Thema „Kinderrechte“ – wofür müssen Erwachsene sorgen?
– Thema „Freundschaft“ – wie man andere versteht und mit ihnen spielt etc.
– das eigene Klassentier mit zu den Kindern geben und dazu erzählen, malen, schreiben (so etwas ergibt mit der Zeit ein wunderbares Klassenerinnerungsbuch!)

Vielen Dank an den Verlag Klett-Kinderbuch für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha