Rezension: „Grimm und Möhrchen und die Weihnachtswette“

Titel: „Grimm und Möhrchen und die Weihnachtswette – 24 Geschichten, Lieder und Ideen zum Advent“
Verlag: dtv (hier klicken)
Autorin: Stephanie Schneider
Illustrationen: Stefanie Scharnberg
ISBN: 978-3-423-76493-3

Zum Inhalt:
Buchhändler Grimm und sein Zesel Möhrchen durfte ich euch schon einmal vorstellen. Dieses Mal begleiten wir die beiden Freunde durch die Adventszeit. In der gewohnt verspielten, etwas eigentümlichen Art wollen sie sich an keinem der 24 Tage langweilen, was auch gelingt. Jedes Kapitel beginnt mit einem Bild des Weihnachtsbaums, an dem täglich ein neues Schmuckstück angehängt wird (siehe Fotos). So kann man einerseits zurückblicken auf bisherige Geschichten, andererseits immer zu Beginn überlegen, wofür das Neue wohl stehen könnte. Von Vorlesen über Backen, Kuscheln, Budenbauen und Geheimspaziergänge sind dann viele verschiedene Aktionen und Lieder in die Geschichten um das liebenswerte Paar verpackt, in denen auch alte Bekannte wie die „Freiwillige Feline“ nicht fehlen. Ergänzt wird das Buch multimedial durch QR-Codes, über die man sich die Lieder auch anhören kann.

Meine Meinung:
Da ich das Zeselchen und den gutmütigen Grimm bereits beim ersten Lesen sehr ins Herz geschlossen hatte, habe ich mich über dieses Rezensionsangebot besonders gefreut. Die ehemalige Grundschullehrerin Stephanie Schneider hat meiner Meinung nach wieder überzeugend geliefert: die Figuren sind noch genauso leibenswert schrullig und haben einen Hang zu Wortneuschöpfungen und -umdeutungen, wie ich es mag. Die 24 „Geschichten, Lieder und Ideen zum Advent“ sind dementsprechend wirklich mal etwas Anderes als in ähnlich angelegten Sammlungen, die es ja zu kaufen gibt. Einen Geheimspaziergang durchs Dorf zu unternehmen oder einen Bilderanfang weiterzumalen, Sterne zu zählen oder gestreifte Plätzchen zu backen – das alles kam hier auch bei den größeren Kindern ganz wunderbar an. Außerdem ist fast alles spontan anzugehen, ohne großartige Vorbereitung. Besonders erfreulich finde ich zudem, dass es immer wieder um Freundschaft, Nächstenliebe, das nichtmaterielle Geben, kleine Freuden und liebe Worte geht – also ganz viel um das Herz von Weihnachten!

Leseempfehlung:
Der Verlag empfiehlt das Buch ab fünf Jahren – ich ergänze mal ein „bis 99“.
In wohl jeder Familie dürfte dieser mittlerweile vierte Band der Reihe gut ankommen. Ebenso gut wie in Kitagruppen passt die Geschichte aber meiner Meinung auch in eine erste oder zweite Klasse als literarischer Adventskalender. Es gibt viel zu entdecken und auf die Ohren und vielerorts lassen sich schöne Spielideen ableiten. Besonders schön stelle ich es mir auch vor, die Tannenbaumseiten groß zu projizieren und mit den Kindern das neuste Ornament zu suchen und zu erraten, worum es geht (Sprachförderung, ick hör dir trapsen!).
Sorry, dass meine Empfehlung für 2024 schon zu spät kommt, aber der nächste Advent kommt bestimmt!

Vielen Dank an dtv für das Rezensionsexemplar!

Adventliche Grüße,
Katha

Rezension: „Konflikt der Generationen“

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Titel: „Konflikt der Generationen. Von den Boomern bis zur Generation Z
Verlag: YES (hier klicken)
Autor: Rüdiger Maas
ISBN: 978-3-96905-333-1

Zum Inhalt:
Nach der Klärung des uneinheitlich ausgelegten Generationenbegriffs stellt der Autor anhand von fiktionalen Charakteren die Besonderheiten der Generationen der letzten rund 100 Jahre vor: Beginnend bei Erna als Stellvertreterin der Kriegsgeneration über Christian und Markus aus der Generation X bis zu Ben und Mia aus der Generation Beta, deren Geburt noch bevorsteht. Dabei stellt er typische, gar stereotype Aussagen und Verhaltensweisen zusammen, beleuchtet aber auch, unter welchen Voraussetzungen diese Menschen jeweils aufwuchsen. Gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie z. B. die Frage nach der Gleichberechtigung. Ergänzt werden die Ausführungen hier und da mit Schaubildern aus Umfragen des Instituts für Generationenforschung des Autors.
Zuletzt wagt Rüdiger Maas einen utopischen (oder dystopischen?) Ausblick auf die nächste Generation und ihr Aufwachsen.

So definiert das Institut zur Generationenforschung die Generationen.

Meine Meinung:
Wer von sich behaupten kann, Stereotypen nicht zu verfallen und Menschen neutral gegenübertreten zu können, dem oder der kann ich nur gratulieren. An mir selbst beobachte ich immer wieder, wie ich in Schubladendenken verfalle und z.B. dem Narrativ der „alten weißen Männer“ innerlich nickend zustimme. 
In diesem Sinne fand ich „Konflikt der Generationen“ wirklich erhellend, weil ich Einblicke in meine Eltern- und Großelterngeneration bekam, die ich so bislang nicht hatte. Viele Ansichten Älterer finde ich schwer nachvollziehbar, was Maas zu meinem Glück als normal einstuft – aber durch seine prägnanten Beschreibungen der Beispielpersonen sind mir manche Positionen verständlicher geworden. Auch der Blick auf die nachfolgenden Generationen, die ich gerade einerseits zuhause habe als auch als Fachleiterin ausbilde, wurde nochmal sehr geschärft. So hoffe ich, in Zukunft etwas weniger vorurteilsbeladen an meine Umwelt heranzugehen. Und ich habe schon einige Argumente gesammelt für Gespräche mit Menschen in Familie, Verein oder beruflicher Umgebung, die „die Jugend von heute“ leicht verteufelt. 😏

Leseempfehlung:
Uneingeschränkt! Jede:r kann davon profitieren, den eigenen Geist ein wenig zu öffnen!
Für alle in Schule tätigen ganz speziell finde ich das Buch allerdings auch hilfreich, vor allem diejenigen, die keine eigenen Kinder im Schulalter haben: ihr bekommt wirklich neue Sichtweisen und müsst euch vielleicht manchmal nicht mehr so aufregen, sondern eher wissend schmunzeln. Es hilft sicher, den Umgang mit Schüler:innen, jüngeren oder älteren Kolleg:innen oder Menschen in Ausbildung professioneller zu gestalten.

Vielen Dank an den YES-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Katha

Rezension: „Disziplin. Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts“

IMG_4402Titel: „Disziplin. Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts“
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht (hier klicken)
Autorinnen: Ursula Günster-Schöning, Isabella Gölles
ISBN: 978-3-525-40049-4

Zum Inhalt:
In drei Bereichen gehen die Autorinnen zuerst auf die begriffliche Klärung des Disziplinbegriffs und seine historische Entwicklung ein, dann auf die Verbindungen zu Themenfeldern wie Resilienz, Gesundheit, Autorität etc. und zuletzt darauf, was Kinder (und Erwachsene) eigentlich benötigen, um diszipliniert zu agieren.
IMG_4401Disziplin wird zuerst einmal vom negativ konnotierten Begriff der „Zucht und Ordnung“ abgegrenzt und soll (siehe Foto) als positive Eigenschaft berachtet werden. Dafür finden die Autorinnen vielfältige Belege und Erklärungen, wie Disziplin mit Selbstregulierung, einem positiven Selbstbild und z. B. Leistungsbereitschaft zusammenhängt. Unheimlich viele pädagogische, psychologische und sozialwissenschaftliche Konzepte werden mit dem Thema Disziplin in Verbindung gebracht und dadurch ein sehr vielfältiges Bild des Leitthemas hergestellt. Neben wissenschaftlichen Belegen und Forschungsergebnissen werden subjektive Eindrücke herangezogen, die in der Gesellschaft vielfach sicher ein zustimmendes Nicken erhalten würden.

Ergänzt werden die Ausführungen durch viele Reflexionsfragen, die eine porfessionelle Arbeit mit dem Buch unterstützen.

Meine Meinung:
Das zuerst eher schmal wirkende Buch (rund 180 Seiten) hat es in sich. Schnell konnte ich nur noch mit einem Stift in der Hand weiterlesen und bald ging ich zum Notieren meiner Gedanken zu einem Miro-Board über, in dem jetzt mehr oder minder übersichtlich die vielen Vernetzungen gesammelt sind:

Wer sich meine Notizen genauer ansehen möchte, kann das hier direkt in Miro tun.

Da ich Anfragen zu meinen Notizen bekommen habe: Hier könnt ihr euch das Ganze in lesbar, zoombar, … ansehen: Miro-Board „Disziplin“

Leseempfehlung:
Wer mal wieder Lust hat, die eigenen Haltungen zu überprüfen, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Als Elternteil kann man viele Anregungen direkt herauslesen, vor allem im letzten Abschnitt. Für Lehrkräfte gibt auch einige direkt an einen selbst adressierte Tipps; hier darf man aber auch gern zwischen den Zeilen lesen und kann viel mitnehmen.

Vielen Dank an den Verlag V&R für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Damit mein Kind sich besser fühlt“

IMG_4403Titel: „Damit mein Kind sich besser fühlt“
Verlag: Vandehoeck & Ruprecht (hier klicken)
Autorin: Natalie Hissen
ISBN: 978-3-525-40047-0

Zum Inhalt:
IMG_4404Im theoretischeren Teil I (s. Foto) geht es grundsätzlich um Gefühle, Emotionen, Psychologie – ein gute Auffrischung für mich, deren Studium nun schon vor fast zwei Dekaden begann… Hier wird auch die Drei-Schritte-Methode vorgestellt: Innehalten – Validieren/Labeln – Mitgefühl. Diese wird in den folgenden Kapiteln des Teil II immer wieder auf die konkreten Gefühlszustände bezogen und angepasst. Die Kapitel beschäftigen sich mit dem Umgang mit Wut, Frustration, Eifersucht, Angst, Mutlosigkeit und Traurigkeit. Jede Emotion wird in verschiedenen Facetten erklärt und anhand von Beispielen verdeutlicht. Handlungsempfehlungen runden jedes Kapitel ab. Diese sind an Familien gerichtet, aber auch einfach in den pädagogischen Kontext zu übertragen.

Meine Meinung:
Dieses Rezensionsangebot wollte ich als Mutter sofort annehmen, war mir aber nicht sicher, ob es auch für euch Lesende dieses Blogs interessant sein könnte. Die ersten Kapitel haben mich schnell eines Besseren belehrt. Natalie Hissen gelingt es m.E. sehr gut, die für Kinder problematischen Gefühlslagen und Situationen ernstzunehmen, ohne ihnen (wie es heutzutage im Sinne einer falsch verstandenen bedürfnisorientierten Erziehung oft geschieht) alles andere unterzuordnen. Auch wenn der Titel die Kinder in den Mittelpunkt rückt, so geht es hier immer auch um das ganze soziale System, in dem die Kinder leben – vorrangig die Familie, natürlich aber auch die Schule.
An vielen Stellen habe ich meine Jungs in Beispielen oder Schilderungen wieder erkannt und mein eigenes Verhalten im Umgang mit ihnen durchaus kritisch reflektiert. Darüber hinaus aber bekomme ich umsetzbare Tipps, wie ich es besser machen kann bzw. aus welcher Perspektive ich die Situation noch betrachten könnte. Das ist wirklich handfest und hilfreich! Unheimlich wertvoll finde ich es als Mutter und Pädagogin, dass ich mich selbst nicht ausblenden muss, um das problematische Gefühl des Kindes in den Blick zu nehmen – die Autorin bezieht das Innehalten und die Selbstfürsorge (als Selbstmitgefühl) ganz zentral mit in ihre Drei-Schritte-Methode ein. Klasse!

Leseempfehlung:
Ganz klar richtet sich die erste Leseempfehlung an alle Eltern: ihr bekommt tolle Impulse für neue Sichtweisen, für Selbstmitgefühl und konkrete Anregungen dafür, wie ihr in bestimmten Situationen mit eurem Kind umgehen könnt.
Genauso finde ich aber viele Kapitel auch für (angehende) Lehrkräfte und Erziehr:innen wirklich wichtig: Gerade im oft stressigen Kita- oder Unterrichtsalltag, in dem ich oft schnell und auf Vieles reagieren muss, braucht man als Profi eine gute Routine. Vor allem die Drei-Schritte-Methode kann ich bewusst einüben, um sie im Bedarfsfall parat zu haben und einfach anwenden zu können.
Ich werde mein Buch sicher noch im Familien- und Freundeskreis verleihen, da jeder daraus wertvolle Blickwinkel mitnehmen kann!

Vielen Dank an den Verlag V&R für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Mukiza“

IMG_3607Titel: „Mukiza. Die wahre Geschichte eines Berggorillas“
Verlag: CalmeMara (hier klicken)
Autor: Hannes Jaenicke
Illustrationen: Julius Brümmer
ISBN: 978-3-948877-60-6

 

Zum Inhalt:
Mukizaist einer von nur noch etwa 1000 Berggorillas in Uganda. Wir begleiten ihn als Leser:innen von seiner Geburt bis ins Erwachsenenalter und sehen ihn laufen lernen, spielen, in Gefahr geraten und selbst eine Familie gründen. Dabei beruhen alle Darstellungen im Buch auf echten Geschehnissen aus dem Leben des echten Mukiza, der 1999 im Bwindi-Nationapark in Uganda auf die Welt kam. Die Forscherin Dr. Martha Robbins beobachtet ihn seitdem und gab seine Geschichte an Hannes Jaenicke weiter. Der ist seit Langem als Menschenrechts-, Tier- und Umweltschützer bekannt und hat auch schon eine TV-Dokumentation über Gorillas veröffentlicht.
Am Ende des Buches gibt es noch Informationen zum und Fotos vom echten Mukiza und neben dem Autor auch Hinweise zur Expertin, die das Gorilla-Wissen ins Projekt einbrachte.

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Meine Meinung:
Mukizas Geschichte ist spannend, ohne aufregend oder gefährlich zu werden – ein bisschen wie eine Tierdoku im Fernsehen. Der Lebenszyklus der Berggorillas inklusive der durchaus gewalttätigen Machtübernahme eines Silberrückens werden neutral, nicht wertend dargestellt. Parallelen zum menschlichen Aufwachsen lassen sich für Kinder durchaus herstellen, aber eben auch die Abgrenzung davon. Als an einer Stelle Menschen in Spiel kommen, die sich „immer wieder in der Nähe der Gorillagruppe“ aufhalten, befürchtete ich kurz traumatische Erlebnisse mit Wilderern, die aber erfreulicherweise ausblieben. So bleibt das Buch informativ und regt dazu an, sich weiter mit dem Leben und dem Schutz der Berggorillas auseinander zu setzen.
Die kurzen Texte finde ich einprägsam und wirklich auf den Punkt. Die ganzseitigen Illustrationen von Julius Brümmer gefallen mir durch ihre Klarheit und Sensibilität ausgesprochen gut. Sie wirken unheimlich realistisch und sind trotz der fast ausschließlich vorkommenden Schwarz- und Grüntöne niemals langweilig.

IMG_3609Beim Lesen der zusätzlichen Informationen habe ich mich noch darüber gefreut, dass der Verlag zum Einen „bei mir aus der Gegend“ kommt und zum Anderen dieses Buch wirklich nachhaltig angelegt ist – vom Material über den Druck bis zu einer Spendenaktion pro verkauftem Buch.

Leseempfehlung:
„Mukiza“ ist ein zauberhaftes Vorlesebuch für alle Kinder mindestens von Kindergarten bis Grundschule, durchaus aber auch darüber hinaus. Es bietet einen guten Ausgangsspunkt für ein bisschen Recherche über Berggorillas im Speziellen oder auch Artenschutz im Allgemeinen und die Gelegenheit, eine schöne Dokumentation aus der Mediathek zu suchen.
Im schulischen Kontext gibt es ebenfalls hervorragende Anknüpfungsgelegenheiten, vor allem im Sachunterricht. Die Themenkomplexe Tiere, Umweltschutz/BNE oder eine Projektwoche rund um Afrika können die Geschichte als Ausgangspunkt nutzen. Berggorillas bieten ein spannendes Thema, an dem sich Internetrecherche und digitale Präsentationen üben lassen. Aber auch im Deutschunterricht kann ich mir Mukiza gut vorstellen, wenn die Kinder mit Hilfe der zeitlich klar strukturierten Lebensgeschichte das Nacherzählen üben und davon ausgehend vielleicht sogar selbst eigene Geschichten entwickeln.

Vielen Dank an den CalmeMara-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Die abenteuerliche Expedition des Professor Papillon“

IMG_2509Titel: „Die abenteuerliche Expedition des Professor Papillon“
Verlag: Knesebeck (hier klicken)
Autorin: Vanessa Simon-Catelin
Illustrationen: François Soutif 
ISBN: 978-3-95728-865-3

Zum Inhalt:
Professor Papillon lebt mit seinem sprechenden Papagei und hat sein Leben der Suche nach dem mysteriösen Schmetterling „Levana myseriosa“ gewidmet. Da er aber zuhause nicht weiterkommt, geht er auf eine große Expedition, die ihn durch abenteuerliche Landschaften führt. Jede Landschaft wird auf einer Doppelseite als Wimmelbild dargestellt, auf dem sich eine Menge Pflanzen und Tiere entdecken lassen.
Leider erfolglos kehren der Professor und sein Vogel zurück, als etwas Mysteriöses geschieht: direkt im heimischen Garten… – verrate ich nicht!
Auf den letzten Seiten gibt es noch Informationen zum Schmetterling selbst sowie zu der Frage, was ein Naturforscher so tut.

Meine Meinung:
Zuerst fällt auf, dass das Buch riesig ist (etwa A3-Größe), was ihm schon einmal einen interessanten ersten Eindruck gibt. Dann lernen wir den Professor in seinem Forscher-Zuhause kennen – und ich beneide ihn um seine Bücherregale! Ein für mich wirklich zauberhafter Kniff ist, dass die Seiten mit der Expedition von einem stilisierten Hefteinband umgeben sind, so als ob wir ab hier ein Forschertagebuch läsen. Wir dürfen mit dem Professor mitfiebern und seine Enttäuschung erleben (so ein wichtiges Gefühl!), aber auch über die Lebewesen staunen, die es zu entdecken gilt.
Überhaupt sprechen die Bilder eine tolle Sprache: sie sind realistisch, klar, mit leuchtenden, aber nicht überfrachteten Farben. Viele Details sind zu entdecken, so dass man wirklich viel Zeit auf jeder Doppelseite verbringen kann. Mir gefällt es auch, dass der Professor ausgestorben geglaubte Spezies wie den Dodo trifft, ohne dass ihn das interessiert, weil er ja seinem Ziel (dem Levana) hinterhersucht.

Leseempfehlung:
Der Verlag empfiehlt das Buch ab 5 Jahren und ich erweitere dies gern ganz konkret um „Grundschulkinder“. Die Geschichte bietet viele Gesprächsanlässe, Raum zum Fabulieren, aber auch für ganz sachliche Beschreibungen. Es lässt sich im Sachunterricht schön begleitend zu einer geografischen Unterrichtseinheit zur Erde einsetzen oder im Deutschunterricht zum mündlichen oder schriftlichen Erzählen einer Fortsetzung / eines weiteren Lebensraums.
Auch fürs private Vorlesen und Anschauen kann ich die Geschichte von Professor Papillon sehr empfehlen – sie macht einfach Spaß und weckt den Forschergeist.

Vielen Dank an den Knesebeck-Verlag für das Rezensionsexemplar! Ich kann nur noch einmal betonen, dass ich hier inzwischen einen absoluten Lieblings-Verlag für Bilderbücher habe!

Beste Grüße,
Katha

https://www.knesebeck-verlag.de/die_abenteuerliche_expedition_des_professors_papillon/t-1/1297

Rezension: „Drei Wasserschweine brennen durch“

IMG_2507Titel: „Drei Wasserschweine brennen durch“
Verlag: dtv (hier klicken)
Autor: Matthäus Bär
Illustrationen: Anika Voigt
ISBN: 978-3-423-44435-4

Zum Inhalt:
Emmy, Raul und Tristan sind Wasserschweine und leben mit ihrer Herde auf einer Wiese in einem Zoogehege. Wasserschweine (Capybara) sind eher ruhige, gemächliche Tiere, die mit fressen und baden zufrieden sind. Nicht so unsere drei Freunde: sie entkommen mit einem Trick aus ihrem Gehege und beginnen, die Welt hinter dem Zaun, das Mehr, zu erkunden. Dabei lernen sie verschiedenste Tiere kennen, erfahren etwas über Geburtstage, gehen Tauschhandelsgeschäfte ein, nehmen (unfreiwillig) an einer Party teil und geraten sogar in ernsthafte Gefahr. Aber da diese Capybara keine gewöhnlichen sind, geht am Ende doch alles gut aus.

Meine Meinung:
Matthäus Bär ist ein tolles, lebhaftes Vorlesebuch gelungen, finden mein Neunjähriger und ich. Vom ersten Kapitel an hat uns die Geschichte in ihren Bann gezogen und jeden Abend vor dem Vorlesen haben wir uns genau darauf gefreut.
Tiere als Protagonisten bieten Kindern Identifikationsmöglichkeiten – und die finden sie hier u.a. in den drei charakterlich unterschiedlichen Wasserschweinen. Alle drei entwickeln sich im Laufe der Geschichte charakterlich weiter, ohne dass jemals irgendeine Eigenschaft als negativ oder unveränderbar dargestellt wird.
Was mir auch gut gefällt, ist die anspruchsvolle Ebene der Perspektive: aus ihrer bisher sehr begrenzten Sicht nennen und verstehen die Capybara Dinge oft anders und diese Art des Ausdrucks muss man als Kind erstmal verstehen. Das ist ziemlich amüsant, meint zumindest mein kleiner Sprachkünstler.
Die Illustrationen von Anika Voigt ergänzen den guten Eindruck der Geschichte: sie sind klar, schnörkellos und insgesamt ruhig. Die Farben leuchten und nehmen Betachter:innen noch intensiver mit in die jeweilige Stimmung hinein.

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Leseempfehlung:
Neben allen Eltern von Kindern bis etwa 10 Jahren kann ich dieses Buch zum Vorlesen auch wärmstens allen Grundschullehrkräften ans Herz legen. Es ist witzig, ohne albern zu werden und zeigt, dass vermeintlich Schwache sich durchsetzen können. Es ist abenteuerlich und überraschend und hat natürlich ein Happy End. Zudem bietet sich durch den in den Buchdeckelinnenseiten Zooplan ein toller Schreibanlass: Welche Abenteuer erleben unsere drei Cabybara wohl noch?

Da Wasserschweine online ziemlich gehyped werden, kann man auch gut über diese Tiere recherechieren (oder ihnen einfach mal fünf Minuten beim Baden am Starnd zusehen). Vielleicht steht ja auch ein Zoobesuch an, bei dem man die im Buch vorkommenden Tiere ansehen kann?

Vielen Dank an dtv für das Rezensionsexemplar! Wir werden das bestimmt bald nochmal lesen.

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Gut mit andern auskommen“

Titel: „Gut mit anderen auskommen. 50 unterhaltsame Übungen, um soziale Kompetenzen zu erlernen und Freunde zu finden“
Verlag: Yes (hier klicken)
Autorin: Natasha Daniels
Illustrationen: Sarah Rebar
ISBN: 978-3-96905-294-5

Zum Inhalt:
50 Übungen, um soziale Kompetenzen zu erlernen verspricht das Buch schon auf dem Titel. Dementsprechend gibt es wenig Fließtext und viele sehr konkrete Anleitungen zu Reflexion und Übung. Ausgehend von der Frage, was „soziale Superkräfte“ sind (nämlich sehen, hören und fühlen), geht es um das Beginnen, Führen und Beenden von Gesprächen. Freundschaften und einige Aspekte dessen, was man gemeinhin als Benehmen bezeichnet. In insgesamt sieben Kapiteln gibt es immer zuerst einen Überblick über die Bedeutung und Ziele des jeweiligen Aspekts von Sozialkompetenz, dann Übungen mit Reflexionsgelegenheit und zuletzt eine kurze Zusammenfassung, was erreicht wurde. Klare Handlungsaufträge spielen hier mit knappen Erklärungen so zusammen, dass das Kind ganz konkrete Ideen von geeignetem Verhalten bekommt oder Handlungsmuster einüben kann. So geht es am Ende zum Beispiel mit möglichen Phrasen für Gespräche ins Leben oder mit einer Vorstellung von aktivem Zuhören.

Es gibt wenige Illustrationen in dem grundsätzlich mit farbigen Seitenrändern gestalteten Buch. Diese sind aber angenehm klar und dienen ausschließlich der Vertiefung der Inhalte.

Meine Meinung:
Ich war etwas skeptisch, ob das Buch „den Ton der Kinder trifft“, da ähnliche Ratgeber oder Programme mir oft zu niedlich-süß oder aber zu anspruchsvoll sind. Natasha Daniels hat meines Erachtens in den vorliegenden 50 Übungen eine klare, aber dennoch kindgerechte Ansprache mit viel Wertschätzung und Unterstützung gefunden. Außer dem kurzen Vorwort richtet sich das ganze Buch ausschließlich an das Kind und bezieht Rückmeldung durch Erwachsene nur an wenigen Stellen explizit ein.

Die Übungen sind mir größtenteils nicht neu, da ich als Lehrerin einige Programme und Hefte zur Förderung sozialer Kompetenzen kenne. mir gefällt aber der Aufbau sehr, der vom Einfachen zum Komplexen, von innen nach außen leitet. Wer mit seinem Kind daran arbeitet, hat ein gutes Werkzeug in der Hand und auch für die Arbeit mit Kleingruppen oder ganzen Klassen lassen sich einige der Übungen gut adaptieren.

Fazit: Natasha Daniels ist es mit dem vorliegenden Buch gut gelungen, das abstrakte Konstrukt der sozialen Kompetenzen aufzuschlüsseln und erlernbar zu machen.

Leseempfehlung:
Dieses Mal geht meine Empfehlung eher an die Eltern unter euch hier mitlesenden Lehrkräften, da die Ideen zwar als Inspiration auch für die eigene Klasse gut adaptiert werden können, aber es für diesen Zweck vielleicht direkt kopierbare Vorlagen bzw. Arbeitshefte gibt. Allen aber, die mit einem oder wenigen Kindern einen unterstützten Zugang zur Entwicklung der sozialen Kompetenzen suchen, kann ich „Mit andern klarkommen“ wärmstens empfehlen.

Daniels schreibt im Vorwort an die Eltern selbst, dass das Buch zwar grundsätzlich zum alleinigen Bearbeiten durch ein Kind konzipiert ist, die Begleitung durch Eltern aber denkbar. Meiner Meinung nach ist so eine Begleitung ziemlich wichtig, da wohl kaum ein Kind (freiwillig) diese 50 Übungen durchführt und aufschreibt.

Vielen Dank an den yes-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Der Flunkerfunkelstein“

IMG_1192Titel: „Der Flunkerfunkelstein oder die Elster, die nicht stehlen wollte“
Verlag: Knesebeck (hier klicken)
Autorin: Kai Oppermann
Illustrationen: Kai Oppermann
ISBN: 978-3-95728-766-3

Zum Inhalt:
Sie tragen nicht ohne Grund den Beinamen „Diebische Elstern“ – Elstern gehören zu den Rabenvögeln und sind bekannt dafür, gern Glänzendes und Glitzerndes mit in ihr Nest zu nehmen. So ist es auch bei Familie Elster in diesem Buch: auf ihrem Baum türmen sich die funkelnden, glitzernden, glänzenden und wertvollen Beutestücke geradezu. Die gesamte Familie trägt stolz dazu bei – außer der kleinen Elster, die lieber mit Freund:innen im Wald unterwegs ist alsmit Goldmünzen zu spielen und die nicht stehlen möchte. Das Familienmotto „Eine Elster ohne Funkelstein kann keine wahre Elster sein!“ führt allerdings dazu, dass die kleine Elster sich ausgegrenzt fühlt.
Als dann eines Morgens die kleine Elster stolz einen beeindruckenden Funkelstein präsentiert, vermuten die anderen Tiere im Wald die wildesten Hintergründe: der Stein könne nur von einem Drachen gestohlen worden sein, von Geistern geraubt oder vom Nachthimmel gepflückt. Woher der Stein wirklich kommt, verrät die kleine Elster zuerst nicht. Ihre Familie feiert sie für den Diebstahl, bekommt dann aber die Wahrheit über den Stein zu hören (verrate ich hier nicht) – und ist dennoch unheimlich stolz auf ihr jüngstes Familienmitglied.

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Meine Meinung:
Das nagelneue Bilderbuch aus dem Hause Knesebeck ist zauberhaft illustriert und erzählt die Geschichte der kleinen Elster sehr warmherzig. Die seitenfüllenden Bilder sind farbenfroh und lebhaft gezeichnet und man merkt, dass Autorin und Illustratorin die gleiche Person sind – gerade dann passen Bild und Text so wundervoll zusammen.
Das Motiv von (vermeintlicher) Ausgrenzung durch Verschiedenartigkeit ist nicht gänzlich neu, wird hier aber dadurch sehr interessant neu interpretiert, dass die kleine Elster natürlich dazugehören will, sich aber gleichzeitig nicht des Diebstahls schuldig machen möchte. Ein Konflikt, den Kinder vielleicht selbst schon erlebt haben, wenn Freund:innen ihnen Mutproben o.ä. vorgeschlagen haben, die sie nicht gut finden. Was die Kinder sicher selbst kennen ist die Freude am Grusel, die die kleine Elster mit den anderen Tieren erlebt und ebenso das Bedürfnis nach Schutz, den der Uhu bietet. Egal, ob sie froh, traurig, nachdenklich oder wütend ist, meiner Meinung nach kann man sich hervorragend in die kleine Elster hineinversetzen und mit ihr fühlen.

Leseempfehlung:
Auf den ersten Blick ein Buch für eher jüngere Kinder bietet die Geschichte vom Flunkerfunkelstein interessante Gesprächsanlässe auch bis ins Grundschulalter hinein. Dass Diebstahl nicht stärker macht und sich selbst treu zu bleiben eine Kunst ist – das kann die kleine Elster vermitteln.
(Mit den Stereotypen der diebischen Elster und des weisen Uhus kann sie sicher auch gut an eine Unterrichtseinheit über Sagen angebunden werden, um Eigenschaften von Tieren herauszuarbeiten.)

Insgesamt ist das Buch also ein schönes Vorlesebuch ab dem Kindergartenalter, das im pädagogisch wertvollen Bücherregal gut aufgehoben ist.

Vielen Dank an den Knesebeck-Verlag für das Rezensionsexemplar! Was Bilderbücher angeht, inzwischen ganz klar mein Lieblingsverlag, weil das Programm wirklich klasse ist!

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Weitsprung mit Schwein“

IMG_0790Titel: „Weitsprung mit Schwein“
Verlag: dtv (hier klicken) https://www.dtv.de/buch/weitsprung-mit-schwein-76498
Autorin: Henrike Wilson
Illustrationen: Henrike Wilson
ISBN: 978-3-423-76498-8

Zum Inhalt:
An der Schule der Tiere findet heute die große Sportmeisterschaft statt.  Die Ente ist nicht schnell genug für den Sprint und wird ausgelacht. Bald jedoch merken die anderen Tiere in anderen Disziplinen, dass sie auch nicht überall stark genug sind und stecken Niederlagen ein: Das Schwein ist zu plump für Weitsprung, das Eichhörnchen kann keinen Medizinball stoßen, der Bär schwimmt arg langsam…
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Die Lehrerin Frau Pfeiffer ermahnt ihre Schützlinge immer wieder dazu, nicht zu lachen. Ob ihre Worte Wurzeln schlagen, lest ihr spätestens nach der letzten Disziplin bei der Medaillenvergabe.

Meine Meinung:
„Weitsprung mit Schwein“ nimmt ein für Kinder (und Erwachsene) allgegenwärtiges Thema auf: Heterogenität, also dass eben jede:r anders ist und dass jede:r andere Stärken und Schwächen hat. Die Situation des Schulsportwettkampfes dürfte vor allem Schulkinder ziemlich ansprechen, da sie besonders in der Schule die Erfarhung von Erfolg und Scheitern machen.

Gut gefällt es mir auch, dass es anfangs in der Geschichte die typischen Reaktionen gibt, die Kinder von sich und anderen kennen: wer etwas nicht kann, wird belächelt, vielleicht sogar ausgelacht. Erst durch eigenes Scheitern merken die Tiere in der Geschichte, dass gegenseitige Unterstützung und das Mitfreuen über Erolge allen viel mehr Freude bringen.

Die Zeichnungen sind farbenfroh und klar, sie bringen die Emotionen der Tiere unheimlich gut zur Geltung. gemeinsam mit den kurzen, pointierten Texten ergibt sich eine Story, der die Kinder gut folgen können und die wirklich sehr zur Identifikation und Perspektivübernahme anregt.

Leseempfehlung:
Eltern mit Kindern unter 8, Fachkräfte in der Kita und Lehrkräfte der Schuleingangsphase dürften mit diesem Buch einen weiteren tollen Vorlese-, Erzähl- und Gesprächsanlass haben, um mit den eigenen oder anvertrauten Kindern über Heterogenität zu sprechen. Durch den klaren schulischen Bezug könnte das Buch sicher auch ältere Klassen dabei unterstützen, über ihre eigenen Strärken und Schwächen sowie den (gemeinschaftlichen) Umgang damit nachzudenken.

Vielen Dank an den dtv-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha