Für dieses Jahr habe ich mir „Weitergehen“ als Motto gesetzt (falls es dich interessiert, kannst du hier nachlesen). Zum Ende der ersten Hälfte von 2025 geht es für mich defintiv weiter, nämlich weg von meiner Stammschule. Sechzehn Jahre lang war ich dort, nachdem ich zweieinhalb Jahre lang zuvor in Vertretungsstellen beschäftigt war. Die erste feste Stelle, dann auch noch so schön nah dran an Zuhause – das ist schon etwas Besonderes. Auch, weil ich dort von der Junglehrerin zur zweifachen Mutter und Fachleiterin gereift bin… Ich war Klassenlehrerin, Fachlehrerin, Medienbeauftragte, Steuergruppenmitglied, Mentorin … und zuletzt immer weniger dort, weil wir im Seminar aktuell so viele LAA und LiA und Praxissemesterstudierende haben wie nie.
Dennoch war es mir ein Bedürfnis, mal wieder neue Ufer zu erkunden und so habe ich den Antrag auf Versetzung gestellt, der erfreulicherweise auch genehmigt wurde. Bis auf „nicht zu weit weg“ hatte ich keine Einschränkungen angegeben, und so beginne ich nur wenige Kilometer weiter meinen Dienst an der Schule, an der ich schon meine ersten Praktika absolviert habe (in Klasse 9 und im IEP, also bei Studienbeginn). Vorerst bin ich zwar leider eine „Karteileiche“ an meiner neuen Schule, aber das wird sich ja auch wieder ändern. Schön ist es, dass ich die Schule, die Leitung und einige Kolleg:innen schon kenne, da ich dort bereits LAA ausbilden durfte. Auch zwei meiner ehemaligen LAA arbeten bereits dort. Ich starte also nicht komplett unbekannt.
Danke fürs Lesen dieses heute mal wieder privateren Beitrags. Vielleicht magst du ja mal kommentieren, was du rund ums Thema Versetzung für Erfahrungen gemacht hast.
Titel: „Selbstorganisiertes Lernen mit generativer KI“ Verlag: Schäffer Poeschel (hier klicken) Autoren: Werner Sauter und Daniel Stoller-Schai ISBN: 978-3-7910-6645-5
Zum Inhalt: Werner Sauter ist Pädagoge, Wirtschaftswissenschaftler und päd. Psychologe. Daniel Stoller-Schai ist u.a. „Digital Collaboration Specialist“. Die Autoren wissen also, wovon sie sprechen, wenn sie sich mit dem selbstorganisierten Lernen im beruflichen (wirtschaftlichen) Kontext beschäftigen. Sie sprechen mit diesem Buch alle Erwachsenen an, die sich in ihrem beruflichen Umfeld als lebenslang Lernende verstehen und bieten ihnen neben konkreten Prompts auch einen grundsätzlichen Einblick in Funktionsweisen des Lernens und wie Selbstbestimmung dabei wichtig ist. Sie verknüpfen dies mit dem momentan omnipräsenten Thema KI und stellen KI-Tools als Sparringspartner beim Lernen vor.
Meine Meinung: Mir gefällt die grundlegende Idee, die hinter dem Buch steckt: KI kann mir bei meinem Lernen ein kompetenter Sparringspartner sein. Oder man bezeichnet die Zusammenarbeit (wie hier Jöran Muuß-Meerholz) als Ping-Pong-Spiel. Immer geht es darum, dass ich als Lernende meinen Lernprozess verantworte und mir neben menschlichen Gesprächspartnern eben auch einen sehr strukturierten und gut informierten KI-Tutor suche. Eingeklammert von konkreten Prompt-Anregungen zu Beginn und im 10-Schritte-Plan im Anhang führen die Autoren viele Aspekte von Lernen aus: Lerntheorie, Motivationstheorie, Lernorte, Lernwege, … Dafür bin ich mit meinen Vorkenntnissen nicht die richtige Zielgruppe, aber für weniger pädagogisch vorgebildete Menschen klärt sich dadurch sicherlich sehr gut, warum und wie selbstorganisiertes Lernen funktioniert. An einigen Stellen wird es sehr konkret und beispielhaft, zum Beispiel als es um fünf fiktive Personas geht und wie diese lernen können. Oder in dem Kapitel über KI und Lehrkräfte. An manchen anderen Stellen bleiben die Tipps etwas vage – hier wären Verweise auf die Konkretisierungen im Buch sicher hilfreich.
Leseempfehlung: Jede:r, der sich beruflich weiter entwickeln möchte, ist mit diesem Buch gut beraten. Wer bereits viel über das Lernen an sich weiß, kann mit den Ideen zum Einsatz von KI auf jeden Fall auch etwas mitnehmen.
Ergänzung: Daniel Stoller-Schai hat mich noch auf die Prompt-Bibliothek aufmerksam gemacht, die euch zur Verfügung steht und die ich hier gern ergänze.
Vielen Dank an den Verlag Schäffer Poeschel für das Rezensionsexemplar!
Titel: „20x Kunstwerke für 90 Minuten, Klasse 1/2“ Verlag: Verlag an der Ruhr (hier klicken) Autorinnen: Simone Schick, Laura Rodrigues Nöhles ISBN: 978-3-83466279-8
Zum Inhalt: Die Autorinnen beginnen das Buch mit Anleitungen zur Kunstbetrachtung und für eine Kunst-Konferenz. Darauf folgen die 20 Kapitel zu jeweils einem Kunstwerk und eine:r Küstler:in, die alle mit einem Ziel und Materialbedarf beginnen. Zudem enthalten sie einen Überblick über das Werk des jeweiligen Küstlers bzw. der Künstlerin und dann eine Anleitung für die unterrichtliche Umsetzung mit Einstimmung, Vorbereitung der Lehrkraft, der Gestaltungsphase sowie Präsentation und Reflexion. Zuletzt gibt es auch immer noch das Bild oder die Skulptur zu sehen, die als Ausgangspunkt dient.
Meine Meinung: Ich bin zwar vieles, aber weder Künstlerin noch Kunstlehrerin – somit passe ich optimal in die Zielgruppe, wie mir die Autorin Laura versicherte. 🙂 Somit kann ich ganz subjektiv für mich und meine Erfahrungen mit fachfremdem Kunstunterrichten sagen, dass ich das vorliegende Werk sehr hilfreich finde und mir absolut vorstellen kann, es für meine Planung zu nutzen. Vieles, was man als „Ungelernte“ nicht so unbedingt auf dem Schirm hat, wird hier gut erklärt und in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht. Zudem gefällt mir die Auswahl der Kunstwerke sehr. Neben Klassikern wie Monet, Klee oder van Gogh (die ich selbst schon im Unterricht behandelt habe) finden sich auch (mir) unbekanntere Künstler und erfreulicherweise auch einige Künstlerinnen. Auch nicht personenbezogene Kunst, z. B. regionale oder historische, findet ihren Platz unter den 20 Angeboten.
Leseempfehlung: Ich kann diese Ideensammlung von Herzen allen Lehrkräften empfehlen, die eine erste oder zweite Klasse in Kunst (fachfremd) unterrichten dürfen, wollen oder müssen. Auch für die dritte Klasse lassen sich viele Ideen noch verwenden und vielleicht auch schon mit Schulanfängerkindern im Kindergarten. Für Erziehende in Hort, OGS oder sonstigem Ganztag sind hier ebenfalls tolle Inspirationen zu finden, die durch ihre ausführlichkeit wirklich bei der Planung entlasten.
Vielen Dank an die Autorin Laura bzw. den Verlag an der Ruhr für das Rezensionsexemplar!
Pünktlich zum NRW-Ferienbeginn habe ich wie versprochen die digitale Lostrommel gerührt und drei mal gelost. Witzigerweise verteilen sich die Gewinne auf Insta, Mail und Kommentar. Die beiden ersten sind kontaktiert, die Verfasserin oder den Verfasser des unten abgebildeten Kommentars möge sich bei mir bitte per Mail bis Mittwoch (16.07.25) melden!
* 📙 Bis zum Ende lesen lohnt sich heute besonders! 📙 *
Nachdem gerade zum fünften Mal ein fertiges Päckchen aus Handreichungen und Kopiervorlagen zum Jo-Jo-Lesebuch in den Händen halten darf, das ich maßgeblich verfasst habe, nehme ich euch heute mal mit in den Entstehungsprozess. Ich hoffe, auch solche Aspekte meines Arbeitslebens sind mal interessant… Vor über zehn Jahren war ich schon eine Weile für den Cornelsen-Verlag (vorher Duden) immer mal wieder als Referentin unterwegs, zuletzt angebunden an das Deutsch-Lehrwerk Jo-Jo. Dann sollte es eine Neuauflage geben und ich wurde gefragt, ob ich zum Lesebuch die Kopiervorlagen und Handreichungen schreiben könnte. Da ich das Lesebuch von Beginn an sehr mochte, sagte ich zu und warf mich völlig naiv und unerfahren in den Prozess der Autorinnenschaft.
Zuerst bekam ich nun also eine Entwurfsfassung des Buches zusammen mit einer Liste, zu welchen Texten es schon KV gibt, welche überarbeitet oder neu erstellt werden müssen. Vorgabe war u.a. pro Kapitel auch eine dreifach differenzierte KV und einen Lesetest zu verfassen. Inzwischen darf ich frei entscheiden, zu welchen Buchseiten ich mir eine KV oder einen Test vorstellen kann – aber entscheiden ist ja auch nicht immer leicht…
Also schrieb ich anfangs Listen, inzwischen klebe ich lieber einfach Klebezettelchen in verschiedenen Farben für KV, Test-KV und differenzierte KV in die Prüfausgabe hinein, um den Überblick zu behalten. All das geschieht in enger Absprache mit einer Redakteurin vom Verlag bzw. mit einer Agentur. Im Dialog werden Fristen und Deadlines abgesprochen sowie alle beiderseitigen Fragen geklärt.
Dann geht es ans Schreiben. Ich arbeite in der Regel blockweise ein Kapitel ab, das ja ein Oberthema hat. So überlappen die KV innerhalb eines Kapitels sich nicht. Meine Vorlage ist von Beginn an die gleiche Worddatei, in der alle Schriftgrößen und Symbole enthalten sind. Anders als bei eigenen Arbeitsblättern muss ich aber nur Texte und Beschreibungen bzw. Skizzen liefern, da das Layout komplett beim Verlag liegt. Zu bereits abgegebenen Kapiteln bekomme ich irgendwann pdf-Fahnen zum Kontrollieren und Nachbessern. Das läuft ein wenig parallel, denn die ersten pdf-Dateien sind längst fertig, bevor ich die letzten Kapitel geschrieben habe. So sieht es dann beispielsweise im Entwurf und im Ergebnis aus:
Inhaltlich achte ich darauf, sowohl AB zu Sach- als auch zu Erzähltexten zu verfassen sowie zu kurzen wie längeren Texten. Außerdem gilt es, vor allem bei den dreifach differenzierten KV, die drei Anforderungsbereiche zu beachten und nicht nur durch Umfang zu differenzieren.
Dieses Mal habe ich zum ersten Mal auch direkt zu jedem Kapitel die Tabelle der Handreichungen bearbeitet, die vorgegeben ist und bereits mit einigen Daten (Texte, Autor:innen, interne Verweise…) gefüllt ist. Von mir kommen dort z. B. Umsetzungsideen und Fördermöglichkeiten hinein. So hake ich dann über einen Zeitraum vom Herbst bis in den frühen Frühling hinein ein Kapitel nach dem anderen ab, bis alle 14 fertig sind.
Dann heißt es abwarten und freuen, wenn ganz überraschend Post ankommt. So geschehen letzte Woche (Mitte Juni), denn jetzt ist es für die Schulen an der Zeit, die Bücher und Materialien der neuen überarbeiteten Auflage von Jo-Jo fürs neue Schuljahr zu bestellen. Vielleicht arbeitest du ja sogar schon mit dem Jo-Jo-Lesebuch und hast „meine“ KV im Einsatz? Dann schreib gern mal einen Kommentar hier oder bei Instagram – ich würde mich über Eindrücke und Meinungen freuen!
Und nun zum Schluss das Beste: ich darf insgesamt 3x ein Lesebuch mit AH Lesestrategien an euch verlosen. Drei Wege gibt es mitzumachen: als Kommentar hier im Blog, per Mail an die Blogadresse oder als Instagram-Kommentar. Versand gibt es aber nur innerhalb Deutschlands! Bis zum NRW-Ferienbeginn am 11. Juli 2025 kannst du mitmachen, dann lasse ich das Los entscheiden!
Ich hoffe, dieser kleine Einblick war interessant! Katha
P.S.: Eine kleine Anekdote, die mich als Autorin vor Jahren erst ins Grübeln, dann zum Schmunzeln gebracht hat: Eine Nachhilfekraft/Lerntherapeutin mailte mich über den Blog an, weil eine KV ihrer Meinung nach keinen Sinn ergab bzw. einen Fehler habe. Ich schrieb zurück und hängt die m.E. korrekte KV als pdf an und verwies darauf, dass es ja auch editierbare KV gäbe, die die Lehrkräfte ändern können und dass das vermutlich hier der Fall gewesen war. Hab nie wieder etwas von der Dame gehört. 🤷🏼♀️
Titel: „Der Wald lebt! Band 1: Gemeinsam gegen das Böse“ Verlag: Loewe (hier klicken) Autorin: Barbara van den Speulhof Illustrationen: Anka Schwelgin ISBN: 978-3-7432-1794-2
Zum Inhalt:
So geht es los im vermeintlich ruhigen Wald: Tannja und Tannmän hören verdächtige Geräusche. Und tatsächlich schleichen zwei Dieb:innen durch den Wald und versuchen, ihre Beute zu verstecken. Dummerweise zünden die beiden dann auch noch ein Lagerfeuer an, das außer Kontrolle gerät und die Bäume bedroht! In dem comicartigen Bilderbuch (oder wie man es auch nennen kann) tauchen noch die Esche Eschnapur, ihre Setzlinge, die Hexe Brokkoli und die beiden wasserspeienden Drachen Rattazong und Kingkong auf. Sie alle beschließen, dass niemand in ihrem Wald Diebesgut verstecken darf und nutzen dabei das Wurzelfon zur Kommunikation untereinander.
Meine Meinung: Eine witzige, rasante und leicht zu lesende Geschichte, die meinen Zehnjährigen gut unterhalten hat. Ich selber musste direkt bei der Startseite (s.o.) auch echt lachen! Der geringe Textumfang lockt auch Wenigleser:innen hinter dem Ofen hervor und die sympathischen Figuren tun ihr Übriges dazu. Die Illustrationen von Anka Schwelgin gefallen mir sehr, weil sie die Atmosphäre im (nächtlichen) Wald gut einfangen. Inhaltlich mag ich ja immer Geschichten, die kreative Problemlösungen abbilden – und das gelingt Barbara van den Speulhof in diesem Buch gut. Die Bäume vernetzen sich und holen sich die Hexe zu Hilfe, weil sie als einzige aus dem Wald mit Menschen sprechen kann. Eine Nessi-Schule im See spielt übrigens dabei auch noch eine Rolle…
Leseempfehlung: Die Empfehlung des Verlags „ab 7“ passt gut, da die Textmenge gering und die Schriftgröße hoch ist. Die sprechenden Wesen nehmen Leserinnen und Leser im gesamten Grundschulalter mit in eine witzige Fantasiewelt! Zum Vorlesen finde ich persönlich Bücher ohne Fließtext immer schwierig, deshalb heute mal keine Vorlese-, sondern nur eine Selbstleseempfehlung von mir. Ein Buch, das sich deshalb in jeder Schul- oder Klassenbibliothek gut macht! Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die folgenden Bände ihre Fans finden werden, wenn die sympathischen Figuren dabei bleiben.
Vielen Dank an den Loewe-Verlag für das Rezensionsexemplar!
In letzter Zeit habe ich mehrere Rezensionen veröffentlicht, die sich von verschiedenen Richtungen kommend dem großen Komplex der menschlichen Emotionen, spezieller der Gefühlswelt von Kindern bzw. Lernenden nähern. Dadurch und durch u.a. die kontinuierliche Arbeit von Menschen wie Caroline von St. Ange (@learnlearningwithcaroline, deren Buch ich euch sehr ans Herz legen möchte) oder Saskia Niechzial (@liniertkariert) habe ich mich im letzten halben Jahr auch mehr mit dieser Facette des Lernens auseinander gesetzt und möchte, wie ich es im Sinne des „working out loud“ mal wieder laut denken und ein paar meine Gedanken und Schlussfolgerungen hier teilen.
Besonders intensiv wird die Verbindung von Lernen und Emotionen in diesem Film erklärt, den eine Kollegin mir für die Arbeit im Kernseminar empfohlen hat. (Achtung, bei Youtube ist er in drei Teile zerlegt!) Hier wird sehr deutlich, dass Lernen überhaupt nur stattfinden kann, wenn Kinder emotional in einem stabilen, sicheren Zustand sind. Onlinetauglich kurz gefasst steckt das auch in diesem Satz, der mir sehr in den Ohren klingelt: „Schüler, die zu Hause geliebt werden, kommen in die Schule, um zu lernen. Schüler, die es nicht sind, kommen in die Schule, um geliebt zu werden.“ (zugeordnet wird er Nicholas A. Ferroni)
Für unsere Arbeit in der Grundschule bedeutet das zweierlei: a) eine veränderte Denkweise (Haltung, Mindset) im Bezug auf Störungen, herausforderndes Verhalten oder wie man es nennen mag und b) einen absoluten Fokus auf Beziehung. a) Ein Kind, das Probleme macht, hat welche. Simpel, aber wahr. Es ist also an uns Lehrkräften, genau diese Probleme zu erkennen und bestenfalls daran anzusetzen. Wenn wir diese immer übergehen und vom Kind erwarten, dass es „funktionert“ in der Schule, können wir kaum eine Verbesserung erwarten. Entweder stört das Kind einfach weiter, weil sein Problem weiter besteht, oder es zieht sich zurück, weil es auch von der Lehrkraft nicht gesehen wird bzw. keine Unterstützung erhält. Und ja, ich weiß: wir haben viel zu schaffen, es ist nicht nur das eine Kind in der Klasse, die nächste Arbeit steht an… klar! Mir ist bewusst, dass man diesem Anspruch als Einzelkämpfer:in nur schwer gerecht werden kann und wir eigentlich qualifizierte Doppelbesetzungen benötigen. Mir geht es an dieser Stelle aber vor allem um unser Mindset als Lehrkraft. Veränderst du deinen Blick auf ein Kind, veränderst du auch deinen Umgang mit ihm oder ihr. Und das kann schon viel verändern. b) Lerne „deine“ Kinder kennen! Bestimmt hast du auch schon die Erfahrung gemacht, dass sich eine Klasse bei der Klassenlehrkraft besser benimmt als im Fachunterricht, wo jemand mit nur wenigen Wochenstunden unterrichtet. Das macht genau diesen Unterschied in der Tiefe der Beziehung zwischen Kindern und Lehrkraft deutlich. Es lohnt sich aber auch als Fachlehrkraft, mit den Kindern über das Fach hinaus ins Gespräch zu kommen, sie kennenzulernen, mal ein Spiel zu machen statt stur den Stoff durchzuziehen. Du musst dabei nicht alles so machen wie die Klassenlehrkraft sondern darfst und sollst sogar du bleiben – aber zeige Interesse an der Gruppe und mach dich über ihre Besonderheiten und Bedürfnisse schlau. Bestenfalls gibt es zum Beginn eines Schuljahres eine Klassenkonferenz (also ein Gespräch aller dort lehrenden Personen), die dir das ein oder andere Fettnäpfchen ersparen kann.
Beschäftigt dich das Thema auch? Hast du ähnliche oder ganz andere Erfahrungen gemacht? Schreib es gern hier als Kommentar oder bei Instagram.
Titel: „Der Kopfübär entdeckt, was in ihm steckt“ Verlag: Loewe (hier klicken) Autorin: Judith Weber Illustrationen: Fabian und Christian Jeremies ISBN: 978-3-7432-2163-5
Zum Inhalt: Kobi ist ein kleiner Bär, der mit seinen Eltern und zwei kleinen Zwillingsgeschwistern, die er immer „die Willinge“ nennt, im Wilden Weg wohnt. Wenn Kobi eine Idee hat, muss er sie SOFORT ausprobieren. Und Kobi hat viele Ideen. Und viele interessante Einfälle. Und ein geheimes Geheimversteck! Man munkelt, dass der Wilde Weg nur wegen Kobi seinen Namen trägt…
Kobis Eltern wollen eigentlich mit den Kindern einen Ausflug machen, als Mama einen Anruf bekommt, der Ausflug wegen ihrer Arbeit ausfällt und Papa mit dem Nachwuchs zuhause bleibt. Kobi findet das überhaupt nicht gut und landet frustriert in einer ganz besonderen Situation: Plötzlich hängt er kopfüber und sieht die Welt mit ganz anderen Augen. Was jetzt mit Kobis Ideen und ein bisschen Hilfe entsteht, ist irgendwie magisch: ein ganz besonderer Tag, der mit einer ganz besonderen Nacht gekrönt wird.
Meine Meinung: Mit dem Kopfübär hat Judith Weber bzw. haben die Jeremies-Brüder einen sehr liebenswerten Wirbelwind geschaffen, in den sich sicher viele (alle?) Kinder hineinversetzen können: immer auf die Eltern angewiesen zu sein, nervige Geschwister zu haben, eigene Ideen ausgebremst zu sehen – all das gehört ja zum kindlichen Alltag dazu. Kobi jedoch wird weder unerträglich noch frech, sondern sucht durch Bewegung einen Weg aus seiner Frustration und landet – ganz aus Versehen – kopfüber im Reich der Kreativität. Hier werden also Bewältigungsstrategien gegen Frust und Langeweile angeboten, die Spaß verheißen und Erfolg durch eigener Hände Arbeit. Dieser Weg sagt mir sehr zu und ist in meinen Augen weitaus pädagogischer als manch gut gemeinter Ratschlag zum Aushalten oder Nicht-so-schwer-nehmen! Sehr gern mag ich ja neben den bemühten, aber eben manchmal verhinderten Eltern („Mama muss arbeiten“ holt mich sehr ab) auch die Nachbarin Frau Immerso, die in meinen Augen die perfekte Personifizierung von „Erwachsenen im Allgemeinen“ aus Kindersicht ist. Die Illustrationen, deren Entstehung man zuletzt bei Instagram verfolgen konnte, sind farbenfroh, lebendig und strahlen unheimlich viel Lebensfreude aus. Sie enthalten viele Elemente aus dem direkten Erfahrungsumfeld der Kinder und bieten eine Menge zu entdecken.
Leseempfehlung: Ab 3 Jahren wird das Bilderbuch vom Verlag zum Vorlesen empfohlen. Ich erweitere den Zeitraum nach hinten bis locker zum Ende der Grundschulzeit und lege den Kopfübär allen Eltern ans Herz ebenso wie Pädagog:innen im Elementar- und Primarbereich. Perspektive Grundschule: Kobis Erlebnis, seine Selbsttätigkeit, seine Kreativität und seine Problemlösekompetenz lassen das Buch zu einem tollen Vorlesebuch werden, an dem viele Erzähl- und Schreibanlässe angebunden werden können: Deine beste Idee, die du nie umsetzen konntest. Deine Pläne für einen verrückten Ausflug zuhause. Dein Vorschlag für eine gemeinsame Aktion. Dein eigenes Bauprojekt. – die Kinder können ausgehend von der Geschichte schön kreativ werden. Witzig finde ich auch die Idee, als Gegenstück zu Frau Immersos Verbotsschildern mal Spaßschilder zu kreieren, die etwas erlauben und nicht verbieten. Wenn ihr weitere Ideen habt, kommentiert sie gern hier oder bei Instagram, dann ergänze ich diese hier!
Vielen Dank an den Loewe-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Titel: „Ich bin super, so wie ich bin. Das Mitmachbuch zur Stärkung des Selbstbewusstseins“ Verlag: Yes (hier klicken) Autorin: Poppy O’Neill ISBN: 978-3-96905-174-0
Zum Inhalt: Im Format eines Mitmachkurses bzw. Ausfüllbuches geht es in diesem Buch um verschiedene Facetten des Selbstbewusstseins. Schritt für Schritt führt die Autorin vom „sich selbst kennenlernen“ über Gefühle und ihre Auslöser zu Stärken und Schwächen sowie den Umgang damit, wenn man etwas unangenehm findet. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Thema Selbstwahrnehmung, die immer wieder als Grundlage genutzt wird. Jedes Kapitel besteht aus mehreren Denkanstößen und zugehörigen Aufgaben, die das Kind allein oder mit Begleitung ausfüllen kann. Das Monster Bop begleitet durch das Buch und dient oft als Beispielgeber. (Beispiele s.u. – irgendwie will WordPress heute keine Bilder an der richtigen Stelle einfügen…)
Meine Meinung: Wir alle kennen vermutlich mindestens ein Kind, dem wir ein schwach ausgeprägtes Selbstbewusstsein attestieren möchten – egal ob als Eltern, im Freundeskreis oder im beruflichen Kontext. Für genau diese Kinder kann das Buch von Poppy O‘Neill eine spannende Reise zu sich selbst und den eigenen Stärken sein, die bestenfalls von einer engen Bezugsperson begleitet wird. aus diesem Grund kann man das Buch auch nicht 1:1 im Unterricht einsetzen. ABER: wer es genau liest und seine Antennen auf Empfang stellt, kann eine ganze Menge an Anregungen und konkreten Übungen für die Arbeit mit einer ganzen Klasse mitnehmen. Die grundsätzliche Haltung, den eigenen Gefühlen offen zu begegnen und den Kindern immer wieder einen expliziten Umgang damit zu ermöglichen, hilft sicher allen Kindern.
Leseempfehlung: Vor allem richtet sich das Buch natürlich an Kinder mit einem wenig ausgeprägten Selbstbewusstsein und deren Eltern (realistisch betrachtet also ihr Erwachsenen…). Als Lehrerin finde ich es aber auch eine sehr erhellende Lektüre, die neue Blickwinkel aufzeigt oder Bekanntes nochmal aus den Tiefen der Erinnerung hochholt. Sicher schaut auch ihr als Lehrkraft oder Erzieher:in danach nochmal anders auf eure lieben, stillen, schüchternen, zurückhaltenden, unscheinbaren, immer den Kürzeren ziehenden oder oft am Rand stehenden Kinder und habt geeignetere Impulse für sie parat.
Vielen Dank an Yes publishing bzw. die Münchner Verlagsgruppe für das Rezensionsexemplar!
In den letzten Monaten hat ein Buch für Begeisterung bei vielen Deutschlehrer:innen gesorgt: Der Wortschatz von Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger aus dem Nord-Süd-Verlag. Auch mich hat das Buch gepackt, da es einerseits didaktisch das Thema Adjektive wunderbar aufbereitet, andererseits aber dies als „normales“ Bilderbuch schafft, ohne also zu didaktisiert zu wirken – das stört mich an manchem gehypten Bilderbuch für die Grundschule der letzten Jahre…
Nun wisst ihr, dass ich zur Zeit mehr Unterricht ansehen als selbst erteilen darf und erst jetzt bietet sich mir im Rahmen einer digitalen Doppelstunde die Gelegenheit, das Buch mit in den Unterricht zu nehmen. Da mich zudem in einer der Stunden wieder einige LAA besuchen, muss ich meine Planung eh etwas ausführlicher verfassen und teile sie gern auch hier. Mein Vorhaben für eine vierte Klasse zielt darauf, den Spaß an der Sprache wachzuhalten, Lust an der Literatur zu fördern und darüberhinaus einen ersten schulischen Kontakt mit einer bildgenerierenden KI herzustellen. Das ist ziemlich viel für zwei Stunden, die ich nur zur Verfügung habe – am Ende dieses Beitrags will ich aber auch noch weiterführende Ideen anreißen.
Der wichtigste Aspekt des Buches, auf den ich mich in meinem Vorhaben stütze, ist das Verwandeln von Gegenständen mit Hilfe von Adjektiven. Der Protagonist Oskar entdeckt dieses am Beispiel des Wortes quietschgelb, das er aus Versehen auf einen Igel wirft:
Mit den Schüler:innen einer vierten Klasse möchte ich genau dies ausprobieren und sie aus je einem Adjektiv und Nomen Bilder generieren lassen. Dazu setze ich die KI-Tools von fobizz ein, da ich dort einen Klassenraum einrichten und somit den Kindern datenschutzrechtlich problemlos einen Zugang zur Ki bieten kann. Für Interessierte: Man kann dabei dann sogar zwischen drei Bild-KI wählen, nämlich Flux.1, Dall-E 3 und Stable Diffusion XL.
Stunde 1: Kennenlernen des Buches Aus dem Bilderbuchkino, das der Verlag erfreulicherweise zusammen mit Material für Lehrkräfte anbietet, habe ich die Seite via Beamer gezeigt, auf der Oskar die Schatztruhe findet. Ich habe das Buch im Tafelkino vorgelesen bis etwa zur Hälfte, als die Schatztruhe leer ist (Schwerpunkt: verändern von Dingen durch Adjektive). Dann folgte ein kurzes Gespräch darüber, welche Wörter/Adjektive die Kinder gern in die Schatztruhe füllen würden. Diese notierte ich direkt auf der Seite im Bilderbuchkino, das ich in GoodNotes geöffnet hatte (s.u.). Danach las ich das Ende des Buches vor, in dem Oskar lernt, wie man Wörter „macht“ bzw. findet.
Zur Vorbereitung der zweiten Stunde gab es dann noch ein kurzes Gespräch über das Vorwissen der Kinder zu Künstlicher Intelligenz. Viele Kinder hatten bereits Kontakt, vor allem über WhatsApp oder ChatGPT. Manche kannten auch die Möglichkeit, mit KI Bilder zu generieren. Da ja nicht in dem oder jeder von uns ein Illustrator bzw. eine Illustratorin steckt, stellte ich genau dies als Ziel für die zweite Stunde vor.
Vorbereitung für die 2. Stunde: KI für die Kinder Mit meinem fobizz-Account kann ich auf die KI-Tools dort zurückgreifen und habe einen Klassenraum eingerichtet und dort das Projekt grob skizziert (s. linkes Bild). Klassenräume kann ich für ein ganzes Schuljahr oder für 24 Stunden einrichten. Fobizz generiert mir dann QR-Codes für jedes Kind (s. mittleres Bild) und dazu eine Liste, in der ich als Lehrkraft datenschutzrechtlich unbedenklich die Klarnamen der Kinder notieren kann. Für mein Vorhaben habe ich dann nur die Bild-KI freigegeben. Grundsätzlich könnte man in fobizz auch Text-KI etc. nutzen. Zuletzt habe ich noch die gesammelten Adjektive, ergänzt durch einige aus dem Buch, und ein paar geiegnete Nomen zum Ziehen vorbereitet.
Stunde 2: Bilder generieren Nach einem kurzen Anknüpfen an Oskars Geschichte bekommen die Kinder den AA und das Material vorgestellt: Zettelchen mit Adjektiven (die sie gestern ja selbst gesammelt hatten) und Nomen (aus dem Buch und von mir gesammelt) werden gezogen und daraus soll mit KI ein Bild generiert werden. Ich zeigte kurz noch einmal die Vorgehensweise mit einem Tablet und einem Kärtchen: scannen, Bild beschreiben, remixen, speichern. Und dann ging es in PA auch schon los. Alle Teams zogen zuerst ein Wortpaar – manche hatten aber wirklich schwierige Kombinationen und durften tauschen, etwas Neues aussuchen oder ein eigenes Adjektiv wählen. Alle Paare schafften es in gut 20 Minuten Arbeitsphase, mindestens ein geeignetes Bild zu generieren. Allerdings zeigte sich deutlich, wie leicht oder schwer es den Kindern jeweils fiel, ihren prompt zu formulieren, zu erweitern oder zu ändern. Und an einzelnen Stellen war auch die KI etwas bockig und bleib z. B. stur bei einem Haus aus Holz, obwohl sehr eindeutig Wände aus Wolken vorgegeben wurden… Am Ende konnten noch die meisten Teams ihr bestes Ergebnis via AirPlay teilen und die Klasse versuchte, das genutzt Adjektiv zu erkennen.
Weitere Ideen zum Vorhaben: Es bestätigte sich, dass dieser Zugang deutlich mehr als meine zwei Stunden hergegeben hätte. Im Gespräch mit meinen vier besuchenden LAA waren wir uns alle einig. Hier kommen deshalb noch ein paar Ideen, wie man das Vorhaben erweitern bzw. einbetten könnte: – vor die beschriebene zweite Stunde noch ein Stunde schieben, in der alle Kinder an den gleichen Begriffen arbeiten, um das Prompten besser zu üben. – die Adjektive differenziert anbieten (sowas wie smaragdgrün oder gruselig ist einfacher für ein Bild zu nutzen als sowas wie doppelstöckig oder bienenfleißig) – Unterrichtseinheiten zu Personenbeschreibung oder Gegenstandsbeschreibung um die Arbeit mit einer KI erweitern, da diese ja quasi eine Selbstkontrolle beinhaltet (War die Beschreibung gut, wird das Bild gut.) – eine vertiefende UE zu Adjektiven hierauf aufbauen (beschreibende Funktion von Adjektiven) – von den Unzulänglichkeiten der Bild-KI auf Unzuverlässigkeit von Text-KI schließen, Stichwort digital literacy – Achtung, Metaebene! 😇 (Ganz ernst: wenn ich ein Bild nicht einfach so nutzen kann, weil es noch Quatsch zeigt, dann kann ich einen KI-Text auch nicht einfach so verwenden ohne Hinterfagen oder Überarbeitung…)
Bestimmt habt ihr noch mehr tolle Ideen, oder? Schreibt sie doch gern als Kommentar hier drunter oder kommentiert den entsprechenden Post bei Instagram!