Erzählen zu episodischen Bilderbüchern

Für eine Unterrichtsreihe zum Erzählen brauchte ich zuletzt ein Rahmenthema. Einmal hatte ich solch eine Reihe bereits rund um die Weihnachtswichtel Jule und Jasper gestrickt – das passt aber im Frühjahr eher schlecht. Also habe ich mir eine Liste geschrieben mit möglichen andere Themen, die einen geeigneten Rahmen zum Erzählen von Geschichten bieten. Auch im Austausch mit einem KI-LLM kam ich jedoch zu keinem wirklich zufriedenstellenden Ergebnis, da allen Themen die Identifikationsfiguren oder eine gewisse Konkretheit fehlten.

Schlussendlich landete ich deshalb doch wieder bei der Idee, ein Bilderbuch als Rahmen zu nutzen. Dafür spricht, dass hier eine Figur oder Figuren eingeführt werden, die Ausgangspunkt für eigene Erzählungen der Kinder sein können. Außerdem gibt es viele Bilderbücher, die episodisch aufgebaut sind und dadurch einen sehr konkreten Rahmen bieten, in dem Erzählungen angelegt werden können.

Hinweis: Wenn ich hier vom Erzählen schreibe, denke ich schwerpunktmäßig an mündliches Erzählen, weil Mündlichkeit eine große Bedeutung hat und Erzählkompetenzen übedingt gefördert gehören. Im Sinne eines erweiterten Textbegriffs kann man die Ideen unten aber auch oft in schriftlichen Erzählungen nutzen.

Einige episodische Bilderbücher möchte ich euch kurz vorstellen:

„Flunkerfisch“ (Julia Donaldson, Axel Scheffler; Beltz Verlagsgruppe)
Der kleine Flunkerfisch Flori träumt gern, kommt deshalb immer wieder zu spät zur Schule und erfindet fantasievolle Geschichten zu seiner Verspätung. Flori bietet eine liebenswerte Identifikations- und Hauptfigur für eigene Erzählungen der Kinder. Diese können aufgrund der Vorlage sehr fantasievoll sein, müssen dabei aber die Plausibilitätsprüfung des Kontextes der Unterwasserwelt bestehen.
Wer mag, kann die Schulsituation als Erzählrahmen festlegen, so dass jede Geschichte wie im Buch damit beginnt, dass Flori zu spät kommt und flunkert und damit enden, dass Peter Petersfisch die Geschichte gefällt.

„Ich knack die Nuss“ (Paolo Friz, Atlantis Verlag)
Gorillino möchte eine Kokosnuss öffnen, was ziemlich schwierig ist. Viele Tiere wollen ihm helfen und geben Tipps, aber Gorillino will es selbst schaffen. Die Geschichte bietet sehr klar wiederkehrende Sprachstrukturen und bietet sich bereits bei jungen Kindern für ein Erzählvorhaben an. Die Geschichte wird jeweils eher kurz, da es „nur“ um die Begegnung mit einem neuen Tier und dessen Tipp sowie Gorillinos Reaktion geht. Ein perfektes Übungsszenario also, dessen Kohärenz sich leicht reflektieren lässt.

„Olchi-Opas krötigste Abenteuer“ (Erhard Dietl, Oetinger Verlag)
Die Olchis sind ein müllliebender Haufen lustiger Wesen, die ziemlich stark und sehr außergewöhnlich sind. Viele Kinder kennen sie aus Erhard Dietls Büchern oder der Verfilmung. Olchi-Opa und die zuhörenden Olchikinder bieten witzige Identifikationsfiguren, in die die Kinder sich leicht hineinversetzen können. In diesem Buch erzählt Olchi-Opa sehr fantastische Geschichten über verrückte Jobs, die er vor x-hundert Jahren inne hatte. Hier können sich erfahrenere Erzähler:innen fantasievoll austoben, weil Plausibilität quasi nicht gefordert wird. Reflektiert werden kann deshalb am Ende über gute Formulierungen und Ideen.

„Der Geräuschehändler (bekommt Post)“ (Kathrin Rohmann, Jule Wellerdiek; Verlag Knesebeck)
Die beiden Bücher vom Geräuschehändler bestehen aus voneinander eher unabhängigen Kapiteln, die den Laden des Geräuschehändlers als Verknüpfung haben. Die Erzählideen können deshalb sehr offen sein – die Kinder erfinden frei, wer den Laden besucht und Geräusche benötigt. Kriterien für die Erzählungen sind dabei z. B. das Einhalten eines roten Fadens, also inhaltliche Kohärenz, oder auch die sprachliche Ausgestaltung der Geschichte.

„Die Heimkehr der Farben“ (Drew Daywalt, Oliver Jeffers; NordSüd-Verlag)
Duncans Farbstifte haben sich einzeln aufgemacht, die Welt zu erkunden. Sie alle schreiben Duncan eine Postkarte von ihrer Reise. Als Rahmen zum Erzählen ergibt sich hiermit die spannende Perspektive der Farbstifte, die nach Hause zurückkehren wollen. Da sie an beliebigen Orten sein können, haben die Kinder eine große Auswahl an Handlungssträngen. Allerdings geht es hier defintiv um realistische, nachvollziehbare Geschichten, was einen hohen Anspruch an die Kinder darstellt und deshalb auch ein Schwerpunkt der Reflexion sein kann.

„Die zauberhafte Wortverlosung“ (Jutta Degenhardt, Lars Baus; Verlag mixtvision)
Helene und ihre Oma bieten gesammelte Wörter als Lose an, die ganz unterschiedliche Menschen ziehen. Sie träumen sich dann in eine kurze Szene zu dem Wort, die im Buch bildlich dargestellt und „anerzählt“ wird. Da die Impulswörter sehr verschieden sind und ggf. von der eigenen Klasse selbst gesammelt werden können, bietet sich ein sehr lockerer Rahmen zum Erzählen. Inhaltlich gibt es somit wenige Vorgaben, so dass hier ein sprachlicher Fokus vorstellbar ist.

„Rille – die Dschungelfreunde sind los“ (Fee Krämer, Verlag Thienemann-Esslinger)
Der Gorilla Rille soll eigentlich in einen anderen Zoo umgesiedelt werden, landet aber aus Versehen im Dschungel. Dort finder er schnell Freunde, mit denen er in jedem Kapitel des Vorlesebuches ein neues kleines Abenteuer erlebt. Die Tiere bieten den Kindern Identifikationsfiguren, die sie in ihre Geschichten aufnehmen können. Das kann ebenso sicherheit geben wie der thematische Rahmen des Dschungels. Erzählungen können sich in diesem Rahmen recht freu entfalten, müssen aber plausibel sein. Hierzu kann gut Feedback gegeben werden.

Eine Idee, die für alle Erzählungen gilt: Kriterien sind wichtig (vor allem bitte mit inhaltlichem Schwerpunkt, nicht nur rein formal!), ABER es ist für die Entwicklung der Erzählkompetenz auch hervorragend, Erzählgeheimnisse zu sammeln, also Formulierung und Idee, die eine Geschichte besonders gut, spannend, witzig, verständlich, … machen. Die Idee ist ein frecher Diebstahl der Schreibgeheimnisse von Beate Leßmann, funktioniert aber (s.o.: Erweiterter Textbegriff) genauso gut beim mündlichen Erzählen. Neben dem kriteriengeleiteten Feedback, das Kinder sich gegenseitig geben, sollen sie parallel auch auf Erzählgeheimnisse achten, die dann immer wieder gesammelt und aufgehängt werden. Bestenfalls inspirieren sie andere Kinder, diese oder ähnliche Formulierungen oder Kniffe in ihre Erzählungen einzubauen.

Wenn du weitere geeignete Bücher kennst, schreib gern hier oder bei Insta einen Kommentar. Dann kann ich den Beitrag hier noch ergänzen.

Katha

Rezension: „Ein Pokal für den Schakal“

 

Titel: „Ein Pokal für den Schakal“
Verlag: NordSüd (hier klicken)
Autorin: Jule Wellerdiek
Illustrationen: Jule Wellerdiek
ISBN: 978-3-314-10749-8

Zum Inhalt:
Es steht eine große Preisverleihung für die beste Frisur an und der Schakal geht fest davon aus, dass er – wer auch sonst? – diesen Preis gewinnen wird. Aber es kommt anders und die Gans wird für ihre Haarpracht ausgezeichnet. Der Schakal grämt sich sehr ob dieser Entscheidung und findet sie nicht fair. Kurzerhand ruft er eine eigene Preisverleihung ins Leben und lädt alle Tiere auf den Marktplatz ein. Dann endlich erhält er einen Pokal – für den besten Schakal!
Die anderen Tiere feiern den Schakal, ziehen aber in den nächsten Tagen nach, bis irgendwann alle einen Pokal oder eine Medaille gewonnen haben. Wieder muss sich der Schakal etwas ausdenken. Und das tut er auch. Was? Das verrate ich hier natürlich nicht!

Meine Meinung:
Eine erfrischende Geschichte mit tollen Illustrationen – Jule Wellerdiek* hat wieder gezeigt, was sie kann! Die Illustrationen entführen in eine heimelig wirkende Stadt, in der die verschiedensten Tiere ofensichtlich glücklich und fröhlich zusammen leben. Vor allem aber wird deutlich, dass jedes Tier etwas anderes gut kann oder eine besondere Eigenschaft besitzt – eine schöne Parallele zur Vielfalt in der menschlichen Gesellschaft. Was die Tiere aber von der Menschheit (zumindest der im Jahre 2026) unterscheidet ist ihr Zusammenhalt: sie feiern jeden Sieger, jede Beste und jeden Preis, den ein anderes Tier als sie selbst gewinnt. Nur der Schakal ist unzufrieden, gierig und ein bisschen gemein und verschlagen. Dabei ist er allerdings trotzdem irgendwie sympathisch, wozu die Bilder maßgeblich mit beitragen.

Leseempfehlung:
„Ein Pokal für den Schakal“ gehört wieder einmal zu den Bilderbüchern, die ich ohne Einschränkungen allen empfehlen möchte, sowohl privat als auch im beruflichen Kontext. Der Verlag empfiehlt die Geschichte ab 4 Jahren, wobei an den farbenfrohen Bildern auch schon jüngere Kinder Freude haben dürften. Kinder im Grundschulalter werden den Schakal auch mögen, da die Illustrationen nicht zu kindlich sind. Vor allem können die Kinder eurer und meiner „Zielgruppe“ viel mit dem Gefühl des Schakals anfangen, etwas Besonderes zu sein, vielleicht sogar in irgendetwas der oder die Beste. Dazu bietet das Buch geeignete 💬 Gesprächsanlässe (Wie geht es dem Schakal? Warum will er unbedingt einen Pokal gewinnen?…) oder auch Schreibanlässe (Wofür kann welches Tier einen Preis gewinnen? Was kann ich / können die Kinder in unserer Klasse besonders gut?…). Im Kunstunterricht könnten zudem Medaillen oder Pokale gezeichnet oder aus Pappmaschee gestaltet werden. Wie so oft sind die Zugänge zum Buch vielfältig!

Vielen Dank an den NordSüd-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

* Von ihr habe ich bereits „Holgers Haus“ im Regal stehen und die Bücher vom Geräuschehändler. Besonders freue ich mich als Ostwestfälin darüber, da sie „hier wech“ kommt.

Rezension: „Obacht!“

 

Titel: „Obacht!“
Verlag: NordSüd (hier klicken)
Autor:innen: Kerstin Hau
Illustrationen: Stella Dreis
ISBN: 978-3-314-10734-4

Zum Inhalt:
Auf der Straße vor der Stadt liegt ein großes Tier. Oh je! Die Bewohner:innen der Stadt haben verschiedene Vorstellungen davon, was jetzt zu tun ist: das Tier unter einer Decke verbergen, eine Brücke darüber oder eine Straße drumherum bauen, … Nur das kleine Mienchen möchte von Anfang an mit dem Tier reden. Als alle Versuche fehlschlagen, tut es das dann auch. Was dann passiert, … verrate ich jetzt noch nicht! 

Meine Meinung:
Ich bin ein bisschen verliebt in dieses Buch, muss ich gestehen. Die besondere Farbgestaltung (größtenteils schwarz-weiß-orange) sprach mich schon vom Cover in der Verlagsvorschau her direkt an. Sie hat etwas sehr Besonderes und Reduziertes, das den Blick auf die feinen Details lenkt.
Inhaltlich ist „Obacht!“ ein herrliches Spiegelbild für Aktionismus und Ohnmacht gegenüber neuen unerwarteten Situationen. Die Stadtbewohner:innen finden alle möglichen Wege, das Tier unsichtbar zu machen oder zu umgehen, obwohl es (repräsentiert durch das Mienchen) einen viel sinnvolleren Weg gibt.
Erfreulich finde ich die Tatsache, dass es pädagogisches Begleitmaterial zum Buch zum Download gibt. Auch ein Bilderbuchkino bietet der Verlag zum Download an, so dass ich die zauberhaften Bilder auch problemlos an einer digitalen Tafel o.ä. zeigen kann.

Leseempfehlung:
Heute darf ich euch mal wieder ein Bilderbuch für alle Regale von Familien, Kitas und Grundschulen empfehlen. Kinder aller Altersklassen finden eine geeignete Message in der Geschichte.
Da ihr ja gern Ideen für die Schule sucht: „Obacht“ ist ein toller Ausgangspunkt fürs Nachdenken darüber, wie man Probleme lösen kann. Es spiegelt in den Figuren sowohl Verbohrtheit als auch Neugier bzw. Mut wieder und bietet in der Figur des Mienchens eine tolle Identifikationsfigur.

Ideen für den Einsatz in der Schule kommen mir bei solch schönen Bilderbüchern schnell. Ich notiere hier mal ein paar in Stichworten, die alle drei Varianten zum Antizipieren des Geschichtenfortgangs darstellen:
🎨Kunst/✏️Deutsch: malen/schreiben, was wohl unter der Decke versteckt sein könnte
✏️Tipps für die Stadtbewohner:innen notieren (oder 💬erzählen), wie man den Zugang zur Stadt wieder frei bekommt
✏️in Sprechblasen schreiben (oder 💬 szenisch spielen), was das Mienchen dem Tier sagen könnte
Viele weitere gute Anregungen, u.a. zum Thema „fremd sein, sich kennenlernen“ findet ihr direkt im pädagogischen Begleitmaterial zum Buch, das der Verlag anbietet.

Eigentlich sollten unter den Schlagworten „openmindedness“ oder „think outside the box“ auch viele Erwachsene diese Geschichte lesen und verstehen!

Vielen Dank an den Nordsüd-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Katha

Büchertisch „Migration und Flucht“

2015 gab es die große Flüchtlingswelle aus Syrien, seit 2022 kommen viele Familien mit schulpflichtigen Kindern aus der Ukraine nach Deutschland, um hier sicher leben zu können. Die erste Situation habe ich als Lehrerin miterlebt und erinnere mich auch noch an mehrere Kinder und Familien aus dieser Zeit. Die zweite Welle von kein bis wenig deutschsprechenden Kindern erlebe ich fast ausschließlich als Seminarausbilderin mit, also quasi „second hand“. Den größten Unterschied sehe ich in den technischen Möglichkeiten der Übersetzungstools, manche davon mit KI im Herzen: viele meiner LAA nutzen sie, um eine Basiskommunikation mit den Kindern aufzubauen oder auch um Arbeitsaufträge und Material in der Muttersprache der Geflüchteten zu übersetzen. Das ging so 2015 für mich noch nicht so gut und ich erinnere mich an viele, teils lustige Gespräche mit Händen und Füßen, die ich sowohl mit einer jungen Syrerin in meiner Klasse als auch mit ihrer Familie führte. Was mir beim ganzen Thema Krieg, Flucht und Migration oft zu kurz kommt ist die Tatsache, dass diese Kinder nicht einfach nach Deutschland gezogen sind, sondern dass es gewichtige Gründe für die Flucht der Familien gab und nicht selten traumatische Erfahrungen gemacht wurden. Immer, wenn auf dem nahe gelegenen Truppenübungsplatz geschossen wird, geht mir dieser Gedanke durch den Kopf. Wir hier in Frieden Aufgewachsene, also auch die Majorität unserer Schüler:innen, kann sich gar nicht vorstellen, was so ein Kind alles erlebt haben kann.

Aus diesem Grund möchte ich euch heute einige Bücher vorstellen, die mir als Lehrkraft rund um das Themenfeld „Migration und Flucht“ als sehr geeignete Lektüre zur individuellen Weiterbildung einerseits und andererseits für den Einsatz im Unterricht erscheinen.

Teil 1: Bücher, um sich selbst einzulesen und zu sensibiliseren
Das Integrationsexperiment“ von Anant Agarwala war das erste Buch, das ich aus diesem Themenfeld gelesen habe. Es zeigt gut, wie schwierig es für Zugewanderte ist, die geforderte Integration auch zu erreichen. Die aktuellen Diskussionen um z. B. die Streichung von Mitteln für Sprachkurse passen dazu gut.
Zuletzt habe cich zwei Bücher von Aladin El-Mafaalani gelesen: „Das Integrationsparadox“ & „Kinder – Minderheiten ohne Schutz„. Besonders das zweite Buch fand ich schon harten Tobak für einen so positiv denkenden Menschen wie mich. Aber die Erklärungen zu superdiversen Kindheiten, also dem extrem unterschiedlichen Aufwachsen vermeintlich homogener Gruppen wie „Kinder mit Migrationshintegrrund“, regen sehr zum Nachdenken und genaueren Hinsehen im Alltag an.

Teil 2: Bilderbücher für den Einsatz im Unterricht
Meine Erfahrung zeigt mir, dass gerade „schwierige“ Themen mit Kindern immer gut ausgehend von einem fiktiven Stoff im Kinder- bzw. Bilderbuch angegangen werden können. Auch beim Thema Flucht stellt man natürlich nicht ein frisch zur Klasse gestoßenes Kind in den Mittelpunkt und erklärt, was es wohl durchgemacht hat. Typische Flucht- bzw. Migrationsgeschichten ermöglichen den Kindern das Einfühlen statt bloßen Bemitleidens, das verstehen von Hintergründen. Diese drei Bücher aus meinem Regal kann ich auch dafür ans Herz legen:
Zuhause kann überall sein“ hat mich sehr beeindruckt. Die tolle Sprache der Farben und die Symbolik zum Erlernen einer neuen Sprache sind unheimlich gut dargstellt. Jedes Kind dürfte sich in die Hauptfigur hineinversetzen, die im neuen Land zuerst nichts Vertrautes finden kann.
In der Schlange der Träume“ erzählt eindrücklich davon, wie anstrengend, beängstigend und gefährlich die Flucht aus einer Kriegsregion ist. Beide Bücher lassen sich also hervorragend kombinieren.
Zuletzt habe ich noch „Yaras Sternenhimmel“ gelesen, das einen späteren Zeitpunkt in den Blick nimmt: die Sprache gelernt haben, integriert sein und dennoch eine andere Heimat zu fühlen. Auch dieser Aspekt kann von den Kindern gut nachvollzogen werden.

Ich hoffe, ich konnte dir ein paar Anregungen mitgeben. Die wichtigste ist und bleibt aber für mich, immer den Menschen im „Flüchtlingskind“ zu sehen und das System mit seinen Ansprüchen auch mal zurechtzubiegen.

Katha

Rezension: „Selma, du machst das falsch“

Titel: „Selma, du machst das falsch“
Verlag: NordSüd (hier klicken)
Autorin: Tini Malina
Illustrationen: Tini Malina
ISBN: 978-3-314-10736-8

Zum Inhalt:
Selma ist eine Spinne unter vielen, die auf der großen Wiese leben. Aber anders als die anderen Spinnen spinnt Selma ihre Netze nicht, um saftige Fliegen zu fangen. Selma möchte in ihren Netzen die Besonderheiten des Universums einfangen. Zu Selmas künstlerischen Netzen sagen die andern Spinnen immer nur „Du machst das falsch!“. Aber Selma lässt sich nicht beirren und geht ihren Weg weiter. Der führt sie sogar auf das hohe Haus, das man von der Wiese aus sehen kann. Hier will Selma ein ganz besonderes Netz spinnen. Ob das gelingt, verrate ich hier aber nicht.
Die Illustrationen sind seitenfüllend und von klaren Farben und Formen geprägt (s.u.). Diese sind auf der Wiese sehr leuchtend, am Haus und später eher in Grautönen gehalten. Die Bilder bieten trotz ihrer Schlichtheit Raum für Entdeckungen und zum Beschreiben dessen, was vor sich geht.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist eines von denen, die mich schon beim ersten Blick auf das Cover packen. Als Bonus habe ich beim Auspacken feststellen dürfen, dass die Weben auf dem Cover auch noch dreidimensional sind (sog. Relieflack) – ich kann mich ja auch über Kleinigkeiten freuen. Die niedliche kleine Spinne Selma mit ihrer „Künstlermütze“ (sagt mein Sohn) und ihr Netz-Kunstwerk sprechen mich unheimlich an und weckten auch direkt die Neugier beim Junior. Tini Malina hat in meinen Augen ein Gesamtkunstwerk geschaffen, das mit einem einfachen Handlungsstrang auskommt.
Inhaltlich gibt Selma uns die Lehre mit auf den Weg, dass wir an uns glauben sollen und uns nicht von den anderen reinreden lassen. Gegen den Strom zu schwimmen und dennoch auch mal einen wohlmeinenden Rat anzunehmen – auch das sind Erkenntnisse aus Selmas Geschichte. Meiner Meinung nach können gerade Kinder solch eine Message nicht oft genug hören (und vor allem dann nicht, wenn sie so sympathisch verpackt ist).
Ein wenig erinnert Selma mich an „Frederick“ von Leo Lionni: beide sehen mehr in der Welt und dem Leben als Nahrung zu finden. Beide lassen sich von Widerstand nicht aufhalten und beide verzaubern ihre Artgenossen schlussendlich. Außerdem hatten Junior und ich beim Lesen deutliche Flashbacks zu Eric Carles „Die kleine Spinne spinnt und schweigt“ – eben auch eine Spinne und auch diese dreidimensionalen Netze zum Fühlen 😊.

Leseempfehlung:
Für Kinder ab vier empfiehlt der Verlag das Buch – da gehe ich absolut mit. Vor allem durch die Klarheit der Illustrationen können so junge Kinder bereits gut damit umgehen. Weder Bilder noch Texte sind „zu niedlich“, so dass ich dieses Bilderbuch auch für ältere Kindergarten- und Schulkinder empfehle. 

Für die Grundschule gedacht kommen mir viele Ideen, die man von diesem zauberhaften Bilderbuch ausgehend umsetzen könnte: Zuerst Kunst, wo man mit Flüssigkleber und Wasserfarben Spinnennetze zeichnen kann, die einen ebenso dreidimensionalen Effekt haben wie die auf dem Cover.
In Deutsch können z. B. Paralleltexte geschrieben werden, wo Selma was für ein Netz spannt und wen sie dabei trifft (Hochhaus – alte Spinne – Mond und Sterne). Oder die Kinder spielen Dialoge zwischen Selma und einer anderen Spinne nach. Oder sie lesen und analysieren Sachtexte über Spinnen. Oder man richtet eine thematische Leseecke zu Spinnen ein, die mit Selma und der kleinen Spinne von Carle über weitere Bilderbücher oder Comics wie Spiderman bis zu Sachbüchern reicht. Oder … naja, ihr seid ja noch viel kreativer als ich!
Zuletzt: KI – Die Kinder können für Selma ein thematisches Netz erfinden und es einer bildgenerierenden KI so genau beschreiben, dass ein gewünschtes Bild entsteht.

Vielen Dank an den Nordsüd-Verlag für das zauberhafte Rezensionsexemplar mit dem tollen Poster dazu! Das wird einen Ehrenplatz in meinem Büro bekommen (nach der anstehenden Renovierung).

Katha

Rezension: „Fabelwesen“

Titel: „Fabelwesen. Fantastische Tiergestalten“
Verlag: NordSüd (hier klicken)
Autorin: Cornelia Funke
Illustrationen: Ruby Warnecke
ISBN: 978-3-314-10731-3

Zum Inhalt:
Cornelia Funke als Autorin beschreibt bekanntere und weniger bekannte Fabelwesen aus aller Welt, die von Ruby Warnecke illustriert wurden. Mit dabei sind natürlich Einhorn, Drache oder Phönix, aber auch uns Europäern unvertrautere Wesen wie das Qilin oder der Barong. Freund:innen der magischen Welt von Harry Potter oder den Fantastischen Tierwesen kennen sicher ein paar mehr der Porträtierten als Muggel das tun…
Jedem Wesen ist eine Doppelseite gewidmet, auf der es in klaren, farbenfrohen Darstellungen gezeigt wird und auf der es einen kurzen, direkt an die Lesenden gerichteten Infotext gibt. Die Illustrationen erinnern an die Scherenschnittechnik und jede Seite hat einen einzigartigen, farblich passenden Rahmen.

Meine Meinung:
Man erkennt in jeder Seite die Freude am Projekt, die die beiden Schöpferinnen auf den Schlusseiten auch beschreiben. Die Wesen werden sehr wertschätzend mit ihren zugeschriebenen Eigenschaften beschrieben und niemals in gut und böse kategorisert. Mir gefällt es auch, dass die verschiedenen Glaubenseinflüsse und religiösen Bezüge von Cornelia Funke absolut wertfrei und kindgerecht beschrieben werden.
Dass sich die Texte direkt an die Lesenden richten, erzeugt ein Gefühl von Verbundenheit und lässt mich gedanklich auf eine fantastische Weltreise gehen.
Die Illustrationen fand ich beim ersten Blättern ungewohnt, fast befremdlich. Je öfter ich das Buch aber jetzt in der Hand hatte, desto mehr mag ich diesen Stil und glaube, dass er durch seine Klarheit für viele Kinder sehr gut wahrnehmbar und verständlich ist.

Leseempfehlung:
Für Kinder und Interessierte ab fünf Jahren empfiehlt der Verlag das Buch. Da gehe ich absolut mit underweitere noch um Weltenbummler:innen jeden Alters (also z. B. Großeltern), die beim Lesen und Vorlesen sicher spannende Erlebnisse und Hintergrundgeschichten zu den Wesen erzählen könnten.
Da ich immer auch für die Schule mitdenke, kann ich mir dieses Buch spannend als Ausgangspunkt für eine Fabelwesen-Einheit im Fach Kunst vorstellen, bei der in Scherenschnitten und Collagen ganz eigene Fabelwesen entstehen könnten (z. B. mit Bezug zum Klassiker „Rhinozerus“).

Vielen Dank an den NordSüd-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Der Kopfübär“

Titel: „Der Kopfübär entdeckt, was in ihm steckt“
Verlag: Loewe (hier klicken)
Autorin: Judith Weber 
Illustrationen: Fabian und Christian Jeremies
ISBN: 978-3-7432-2163-5

Zum Inhalt:
Kobi ist ein kleiner Bär, der mit seinen Eltern und zwei kleinen Zwillingsgeschwistern, die er immer „die Willinge“ nennt, im Wilden Weg wohnt. Wenn Kobi eine Idee hat, muss er sie SOFORT ausprobieren. Und Kobi hat viele Ideen. Und viele interessante Einfälle. Und ein geheimes Geheimversteck! Man munkelt, dass der Wilde Weg nur wegen Kobi seinen Namen trägt… 

Kobis Eltern wollen eigentlich mit den Kindern einen Ausflug machen, als Mama einen Anruf bekommt, der Ausflug wegen ihrer Arbeit ausfällt und Papa mit dem Nachwuchs zuhause bleibt. Kobi findet das überhaupt nicht gut und landet frustriert in einer ganz besonderen Situation: Plötzlich hängt er kopfüber und sieht die Welt mit ganz anderen Augen.
Was jetzt mit Kobis Ideen und ein bisschen Hilfe entsteht, ist irgendwie magisch: ein ganz besonderer Tag, der mit einer ganz besonderen Nacht gekrönt wird. 

Meine Meinung:
Mit dem Kopfübär hat Judith Weber bzw. haben die Jeremies-Brüder einen sehr liebenswerten Wirbelwind geschaffen, in den sich sicher viele (alle?) Kinder hineinversetzen können: immer auf die Eltern angewiesen zu sein, nervige Geschwister zu haben, eigene Ideen ausgebremst zu sehen – all das gehört ja zum kindlichen Alltag dazu. Kobi jedoch wird weder unerträglich noch frech, sondern sucht durch Bewegung einen Weg aus seiner Frustration und landet – ganz aus Versehen – kopfüber im Reich der Kreativität. Hier werden also Bewältigungsstrategien gegen Frust und Langeweile angeboten, die Spaß verheißen und Erfolg durch eigener Hände Arbeit. Dieser Weg sagt mir sehr zu und ist in meinen Augen weitaus pädagogischer als manch gut gemeinter Ratschlag zum Aushalten oder Nicht-so-schwer-nehmen! Sehr gern mag ich ja neben den bemühten, aber eben manchmal verhinderten Eltern („Mama muss arbeiten“ holt mich sehr ab) auch die Nachbarin Frau Immerso, die in meinen Augen die perfekte Personifizierung von „Erwachsenen im Allgemeinen“ aus Kindersicht ist.
Die Illustrationen, deren Entstehung man zuletzt bei Instagram verfolgen konnte, sind farbenfroh, lebendig und strahlen unheimlich viel Lebensfreude aus. Sie enthalten viele Elemente aus dem direkten Erfahrungsumfeld der Kinder und bieten eine Menge zu entdecken.

Leseempfehlung:
Ab 3 Jahren wird das Bilderbuch vom Verlag zum Vorlesen empfohlen. Ich erweitere den Zeitraum nach hinten bis locker zum Ende der Grundschulzeit und lege den Kopfübär allen Eltern ans Herz ebenso wie Pädagog:innen im Elementar- und Primarbereich. 
Perspektive Grundschule: Kobis Erlebnis, seine Selbsttätigkeit, seine Kreativität und seine Problemlösekompetenz lassen das Buch zu einem tollen Vorlesebuch werden, an dem viele Erzähl- und Schreibanlässe angebunden werden können: Deine beste Idee, die du nie umsetzen konntest. Deine Pläne für einen verrückten Ausflug zuhause. Dein Vorschlag für eine gemeinsame Aktion. Dein eigenes Bauprojekt. – die Kinder können ausgehend von der Geschichte schön kreativ werden. Witzig finde ich auch die Idee, als Gegenstück zu Frau Immersos Verbotsschildern mal Spaßschilder zu kreieren, die etwas erlauben und nicht verbieten. Wenn ihr weitere Ideen habt, kommentiert sie gern hier oder bei Instagram, dann ergänze ich diese hier!

Vielen Dank an den Loewe-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Katha

Digitale Doppelstunde: „Der Wortschatz“ und die KI

In den letzten Monaten hat ein Buch für Begeisterung bei vielen Deutschlehrer:innen gesorgt: Der Wortschatz von Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger aus dem Nord-Süd-Verlag. Auch mich hat das Buch gepackt, da es einerseits didaktisch das Thema Adjektive wunderbar aufbereitet, andererseits aber dies als „normales“ Bilderbuch schafft, ohne also zu didaktisiert zu wirken – das stört mich an manchem gehypten Bilderbuch für die Grundschule der letzten Jahre…

Nun wisst ihr, dass ich zur Zeit mehr Unterricht ansehen als selbst erteilen darf und erst jetzt bietet sich mir im Rahmen einer digitalen Doppelstunde die Gelegenheit, das Buch mit in den Unterricht zu nehmen. Da mich zudem in einer der Stunden wieder einige LAA besuchen, muss ich meine Planung eh etwas ausführlicher verfassen und teile sie gern auch hier.
Mein Vorhaben für eine vierte Klasse zielt darauf, den Spaß an der Sprache wachzuhalten, Lust an der Literatur zu fördern und darüberhinaus einen ersten schulischen Kontakt mit einer bildgenerierenden KI herzustellen. Das ist ziemlich viel für zwei Stunden, die ich nur zur Verfügung habe – am Ende dieses Beitrags will ich aber auch noch weiterführende Ideen anreißen.

Der wichtigste Aspekt des Buches, auf den ich mich in meinem Vorhaben stütze, ist das Verwandeln von Gegenständen mit Hilfe von Adjektiven. Der Protagonist Oskar entdeckt dieses am Beispiel des Wortes quietschgelb, das er aus Versehen auf einen Igel wirft:

Mit den Schüler:innen einer vierten Klasse möchte ich genau dies ausprobieren und sie aus je einem Adjektiv und Nomen Bilder generieren lassen. Dazu setze ich die KI-Tools von fobizz ein, da ich dort einen Klassenraum einrichten und somit den Kindern datenschutzrechtlich problemlos einen Zugang zur Ki bieten kann. Für Interessierte: Man kann dabei dann sogar zwischen drei Bild-KI wählen, nämlich Flux.1, Dall-E 3 und Stable Diffusion XL.

Stunde 1: Kennenlernen des Buches
Aus dem Bilderbuchkino, das der Verlag erfreulicherweise zusammen mit Material für Lehrkräfte anbietet, habe ich die Seite via Beamer gezeigt, auf der Oskar die Schatztruhe findet.
Ich habe das Buch im Tafelkino vorgelesen bis etwa zur Hälfte, als die Schatztruhe leer ist (Schwerpunkt: verändern von Dingen durch Adjektive). Dann folgte ein kurzes Gespräch darüber, welche Wörter/Adjektive die Kinder gern in die Schatztruhe füllen würden. Diese notierte ich direkt auf der Seite im Bilderbuchkino, das ich in GoodNotes geöffnet hatte (s.u.). Danach las ich das Ende des Buches vor, in dem Oskar lernt, wie man Wörter „macht“ bzw. findet.

Zur Vorbereitung der zweiten Stunde gab es dann noch ein kurzes Gespräch über das Vorwissen der Kinder zu Künstlicher Intelligenz. Viele Kinder hatten bereits Kontakt, vor allem über WhatsApp oder ChatGPT. Manche kannten auch die Möglichkeit, mit KI Bilder zu generieren. Da ja nicht in dem oder jeder von uns ein Illustrator bzw. eine Illustratorin steckt, stellte ich genau dies als Ziel für die zweite Stunde vor.

Vorbereitung für die 2. Stunde: KI für die Kinder
Mit meinem fobizz-Account kann ich auf die KI-Tools dort zurückgreifen und habe einen Klassenraum eingerichtet und dort das Projekt grob skizziert (s. linkes Bild). Klassenräume kann ich für ein ganzes Schuljahr oder für 24 Stunden einrichten. Fobizz generiert mir dann QR-Codes für jedes Kind (s. mittleres Bild) und dazu eine Liste, in der ich als Lehrkraft datenschutzrechtlich unbedenklich die Klarnamen der Kinder notieren kann. Für mein Vorhaben habe ich dann nur die Bild-KI freigegeben. Grundsätzlich könnte man in fobizz auch Text-KI etc. nutzen. Zuletzt habe ich noch die gesammelten Adjektive, ergänzt durch einige aus dem Buch, und ein paar geiegnete Nomen zum Ziehen vorbereitet.

Stunde 2: Bilder generieren
Nach einem kurzen Anknüpfen an Oskars Geschichte bekommen die Kinder den AA und das Material vorgestellt: Zettelchen mit Adjektiven (die sie gestern ja selbst gesammelt hatten) und Nomen (aus dem Buch und von mir gesammelt) werden gezogen und daraus soll mit KI ein Bild generiert werden. Ich zeigte kurz noch einmal die Vorgehensweise mit einem Tablet und einem Kärtchen: scannen, Bild beschreiben, remixen, speichern. Und dann ging es in PA auch schon los.
Alle Teams zogen zuerst ein Wortpaar – manche hatten aber wirklich schwierige Kombinationen und durften tauschen, etwas Neues aussuchen oder ein eigenes Adjektiv wählen. Alle Paare schafften es in gut 20 Minuten Arbeitsphase, mindestens ein geeignetes Bild zu generieren. Allerdings zeigte sich deutlich, wie leicht oder schwer es den Kindern jeweils fiel, ihren prompt zu formulieren, zu erweitern oder zu ändern. Und an einzelnen Stellen war auch die KI etwas bockig und bleib z. B. stur bei einem Haus aus Holz, obwohl sehr eindeutig Wände aus Wolken vorgegeben wurden…
Am Ende konnten noch die meisten Teams ihr bestes Ergebnis via AirPlay teilen und die Klasse versuchte, das genutzt Adjektiv zu erkennen.

Weitere Ideen zum Vorhaben:
Es bestätigte sich, dass dieser Zugang deutlich mehr als meine zwei Stunden hergegeben hätte. Im Gespräch mit meinen vier besuchenden LAA waren wir uns alle einig. Hier kommen deshalb noch ein paar Ideen, wie man das Vorhaben erweitern bzw. einbetten könnte:
– vor die beschriebene zweite Stunde noch ein Stunde schieben, in der alle Kinder an den gleichen Begriffen arbeiten, um das Prompten besser zu üben.
– die Adjektive differenziert anbieten (sowas wie smaragdgrün oder gruselig ist einfacher für ein Bild zu nutzen als sowas wie doppelstöckig oder bienenfleißig)
– Unterrichtseinheiten zu Personenbeschreibung oder Gegenstandsbeschreibung um die Arbeit mit einer KI erweitern, da diese ja quasi eine Selbstkontrolle beinhaltet (War die Beschreibung gut, wird das Bild gut.)
– eine vertiefende UE zu Adjektiven hierauf aufbauen (beschreibende Funktion von Adjektiven)
– von den Unzulänglichkeiten der Bild-KI auf Unzuverlässigkeit von Text-KI schließen, Stichwort digital literacy – Achtung, Metaebene! 😇 (Ganz ernst: wenn ich ein Bild nicht einfach so nutzen kann, weil es noch Quatsch zeigt, dann kann ich einen KI-Text auch nicht einfach so verwenden ohne Hinterfagen oder Überarbeitung…)

Bestimmt habt ihr noch mehr tolle Ideen, oder? Schreibt sie doch gern als Kommentar hier drunter oder kommentiert den entsprechenden Post bei Instagram!

Katha

Rezension: „Der Sumpfmumpf und die Hoffnung“

Titel: „Der Sumpfmumpf und die Hoffnung“
Verlag: Eigenverlag (hier klicken)
Autorin: Alexandra Wagner
Illustrationen: Thomas Handl
ISBN: 978-3-98942331-2

Zum Inhalt:
Das Mädchen Amelie ist krank und kann deshalb nicht mit ihren Freunden die Kirmes besuchen. Traurig, einsam und ängstlich schläft sie ein und findet sich in einem sumpfigen Gelände wieder. Dort allerdings ruft eine ihrer Püppchen namens Hoffnung um Hilfe – sie wird vom immer größer werdenden Sumpfmump gefangen gehalten! Bevor Amelie deswegen verzweifeln kann, rät ihr zweites Püppchen (Fantasie) ihr, dass sie mit seiner Hilfe den Sumpfmumpf besiegen und Hoffnung befreien kann.
Ob Amelie das gelingt, verrate ich hier natürlich nicht! Genausowenig kann ich natürlich spoilern, welche Rolle Amelies Freunde noch spielen werden. 😉
Es gibt auf der Homepage der Autorin auch kostenloses Unterrichtsmaterial zum Buch, das den Zugang zur eigenen Emotionalität und der metaphorischen Sprache des Buches erleichtern kann.

 

Meine Meinung:

Die Geschichte vom Sumpfmumpf ist eine Geschichte von der Angst. Der Angst davor, allein zurückzubleiben oder auch der Angst vor Gefahr. Diese wird direkt mit der Hoffnung verknüpft: wird eine kleiner, wächst die andere. Somit verleihen die Figuren sehr abstrakten Gefühlen Greifbarkeit und machen diese verständlicher. Ergänzt wird dies durch die sehr vielfältigen Gesichtsausdrücke von Amelie, die Thomas Handl im Verlauf der Geschichte visualisiert. So können Kinder ihre starken positiven, verändernden Emotionen wie Hoffnung und Fantasie besser kennenlernen. Ein wenig erinnert diese Herangehensweise an die „Alles steht Kopf“-Filme. Auf jeden Fall können Kinder daraus viele positive Handlungsoptionen mitnehmen.
Die Personen-Illustrationen sind zeichnerisch nicht so ganz mein Fall, aber mir gefallen die ganzseitigen Hintergründe und das Farbenspiel zwischen Licht und Düsternis stärkt die Geschichte sehr.

Leseempfehlung:
Eltern von Kindergarten- und Schulanfängerkindern sowie Erzieher:innen und Lehrkräfte können den Sumpfmumpf gut nutzen, um sprachlich das Thema Gefühle anzugehen und Selbstwahrnehmung bzw. -regulation zu üben. Dazu können die oben genannten ind abgebildeten Materialien der Autorin direkt verwendet werden.

Vielen Dank an Alexandra Wagner für das Rezensionsexemplar und die Unterrichtsmaterialien! Und viel Erfolg weiterhin für Ihre Arbeit!

Katha

Rezension: „Nur noch kurz ein kleiner Furz“

Titel: „Nur noch kurz ein kleiner Furz“
Verlag: Loewe (hier klicken)
Autor: Jonny Leighton
Illustrationen: Mike Byrne
ISBN: 978-3-7432-2145-1

Zum Inhalt:
Die kleine Springmaus muss pupsen, was ihr ziemlich unangenehm ist, Der große Elefant jedoch kann sie beruhigen: Pupse sind nicht peinlich, sondern völlig natürlich. Jedes Tier (jeder Mensch, jedes Fabelwesen) muss pupsen und „Pupse müssen raus“, erklärt er. Und damit die Springmaus das auch glaubt, beginnt eine Reise durch die Tierwelt und ihr Pupse, Fürze und Winde. Nur einer, der pupst natürlich NIE…

Meine Meinung:
Eine sehr witzige Geschichte, die in sympathischen Reimen ein oft schambehaftetes Thema locker angeht. Wer kennt es nicht: ein fieser Geruch weht durch den Raum, aber niemand will verantwortlich sein… vor allem in der Schule ein großer Spaß für viele Kinder, aber auch eine große Portion Scham für andere.
Die farbenfrohen, lebendigen Illustrationen zeigen sehr anschaulich die Flatulenzen und bieten immer auch noch etwas mehr zum Entdecken an. Alle furzenden Tiere haben Spaß, was bestimmt das Thema für sensible Kinder gut annehmbar macht. Mir und den Kindern gefiel das Gesamtpaket des Bilderbuches sehr!

Leseempfehlung:
Für alle Kinder, Eltern, Kindgebliebenen und Mitkindernarbeitenden empfehle ich dieses Bilderbuch wärmstens. Es macht Spaß, es reimt sich (liebe ich ja immer) und es schaut schön aus. Vor allem in der Altersklasse ab Kindergarten bis etwa acht Jahre kann ich mir die Erlebnisse der kleinen Springmaus auch schön als Gesprächs- oder Malanlass vorstellen. Evtl. kann das Buch eine nette Ergänzung für das klassische Sachunterrichtsthema Mein Körper / Verdauung in Klasse 3 oder 4 sein, wenn die Kinder nicht schon zu vorpubertär sind.

Vielen Dank an den Loewe-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha