„Du störst!“

Generiert mit ChatGPT

Wenn du diesen Satz noch nie zu einem Kind gesagt hast, brauchst du hier eigentlich nicht weiter zu lesen. Wenn dir dieser Satz aber doch schonmal rausgerutscht ist und dir das nicht gefällt, dann bleib gern hier. In letzter Zeit habe ich mich mit verschiedenen Themen beschäftigt bzw. bin über ganz unterschiedliche Veröffentlichungen gestolpert, die irgendwie immer wieder bei Haltung und Sprache ankommen. Heute möchte ich deshalb hier ein paar Fäden aufnehmen und verknüpfen, die letztendlich zu der Frage führen, wie ich als Lehrkraft meine Sprache reflektiert einsetzen kann. Überall habe ich Links eingebaut, die euch zu jedem Thema weiterführende Lesemöglichkeiten anbieten.

Faden 1: „Growth Mindset“
Der von der Psychologin Carol Dweck geprägte Begriff Growth Mindset beschreibt eine Haltung, die die eigene Entwicklung fokussiert und den Menschen als immer im Wachstum befindlich versteht. Im deutschsprachigen Raum und auf Schule bezogen hat Carolin von St. Ange (Instagram: @learnlearningwithcaroline) viel zur Förderung eines Growth Mindsets veröffentlicht. Die Aussage „Ich kann es NOCH nicht“ ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Sie zeigt außerdem, dass Sprache einen Unterschied macht, der manchmal ganz klein ist. Im Netz findet man in der Denkrichtung des Growth Mindset häufig sog. Affirmationen, also Mottosätze oder Mantren, die Lernende sich vorsagen oder auch gesagt bekommen sollen. Hier muss man jedoch meines Erachtens gut aufpassen, dass diese Affirmationen keine hohlen Phrasen bleiben, sondern sich auch in der sonstigen pädagogischen Arbeit wiederfinden.

Faden 2: „Neue Autorität“
Schon lange beschäftige ich mich immer wieder mit dem Konzept der Neuen Autorität nach Haim Omer, Psychologe und Autor*. Diese veränderte Sichtweise auf Autorität hat mich als Junglehrerin sehr bewegt und der Blick darauf, wie ich meine Autorität, die ich „qua Amt“ habe, ohne Machtausübung einsetze. Hier war da Buch „Stopp – die Regel gilt“ von Rudi Rhode und Mona Sabine Meis ein echter Gamechanger für mich. (Das empfehle ich auch meinen LAA immer wieder gern.)
Mitgenommen habe ich vor allem, SuS gegenüber meinen Standpunkt fest zu vertreten und dabei dennoch weder in die Rechtfertigungsfalle zu tappen noch mein Gegenüber klein zu machen. Ein gern genutztes Beispiel für diese Herangehensweise ist die Methode „Kaputte Schallplatte“: Statt verschiedene Gründe aufzuzählen, warum ein Kind etwas tun (oder lassen) soll, beharre ich freundlich aber bestimmt darauf, dass es das tut (oder lässt). Kein Raum für Diskussionen.
Mein Lieblingsansatz im Sinne der neuen Autorität ist es, einem störenden Kind zu signalisieren „Ich bin da, auch wenn du schwierig bist“ bzw. „du bist in Ordnung, aber dein Verhalten geht so nicht“.
Auch aus der NA leitet sich die Strategie des Vertagens ab. Sie besagt, dass Konflikte nicht in der Situation geklärt werden sondern zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die Zugänglichkeit erhöht ist. Raphael Kirsch erklärt das in dieser Podcastfolge sehr gut. Merksatz hierfür ist „Schmiede das Eisen, solange es kalt ist.“

Faden 3: „Meine Haltung, meine Werte“
Der Beginn des Vorbereitungsdienstes ist in unserem ZfsL im Kernseminar die Zeit, in der wir grundlegend am Themenkomplex Haltung, Werte, Autorität arbeiten. Zuletzt habe ich noch die Themen Mindset (s.o.) und Resilienz eingeflochten. Ein Bewusstsein darüber, welche Werte mir beruflich wichtig sind, führt zu reflektierterem Handeln und Sprechen. Werte wie Freundlichkeit, Offenheit oder Demokratie führen, wenn man sie bewusst lebt, automatisch zu einer darauf ausgerichteten Kommunikation mit Kindern und Kolleg:innen. Apropos Werte: Authentizität wird von vielen Lehrenden als wichtiger Wert genannt. Das führt uns zu…

Faden 4: „Ich-Botschaften“ (inkl. GfK)
Wir alle haben in der Schule oder im Studium verschiedene Kommunikationsmodelle von den Schulz von Thunschen Vier Ohren bis zu Watzlawicks „Man kann nicht nicht kommunizieren“ kennengelernt. Immer wieder landet man bei diesen Modellen bei Ich-Botschaften zum Vermeiden kommunikativer Störungen. Wer klare Wünsche und Bedürfnisse kommuniziert, wird eher anerkannt und erreicht sein Ziel häufiger.
Ein besonders geregeltes (humanistisches) Kommunikationsmodell ist in diesem Rahmen die sog. Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg, Schüler von Carl Rogers. GfK kann „sowohl bei der Alltags-Kommunikation als auch bei friedlichen Konfliktlösungen im persönlichen, beruflichen oder politischen Bereich hilfreich sein“ (Quelle: siehe Link). In der Grundschule taucht sie verbildlicht als Wolfs- und Giraffensprache immer wieder auf.

Faden 5: Reframing
Eine Technik, die ich schon lange kenne, aber deren Namen ich erst während meiner Coachingausbildung gelernt habe, ist das Reframing, wörtlich: einen neuen Rahmen herstellen, etwas neu rahmen. Hier geht es darum, nicht nur die erste Wahrnehmung einer Situation oder einer Person zu nutzen, sondern verschiedene Perspektiven darauf einzunehmen. Ich hinterfrage aktiv oder angeleitet, welche Hintergründe es wohl zu einem bestimmten Verhalten gibt und kann dadurch oft besser verstehen, warum eine Person so handelt wie sie es tut. Der Leitspruch „Bevor ein Kind Probleme macht, hat es welche“ begleitet mich bereits sehr lange, da ich irgendwie recht feine Antennen für mögliche Ursachen und Hintergründe habe. Viele Studierende und LAA, die ich einen „Lieblingsstörer“ reframen** lasse, berichten danach von einem deutlich verbesserten Verhältnis zu diesem Kind und eben einer veränderten Sicht auf Störungen. In meiner Sprache spiegelt sich Reframing vor allem dadurch wider, dass ich als Lehrkraft weniger feststelle und mehr hinterfrage, was los ist – auch, wenn ich mir eigentlich sicher bin, die Situation durchschaut zu haben.

Alle Fäden führen dazu, über Sprache von Lehrkräften nachzudenken. Mit meinen LAA habe ich deshalb nach den ersten Kernseminarzeiten Ankersätze gesammelt. Das sind Sätze, die ich sammeln und speichern kann, um sie im Alltag, vor allem aber in stressigen Situationen parat zu haben. Somit geht es eindeutig auch um eine Professionalisierung des eigenen Handelns. Inspiriert zu diesem Vorgehen hat mich u.a. ein Fund von Michael Elberth aka Doodleteacher und Saskia Niechzial aka liniertkariert, die gemeinsam SOS-Sätze veröffentlicht haben.
Uns allen im Kernseminar ist beim Sammeln aufgefallen, wie gut wir viele Sätze fanden, dass wir aber in einer kritischen oder stressigen Situation nicht darauf gekommen wären. Deshalb eben die Sammlung! Und hier sind unsere Sätze:

  • Ich habe dich gesehen. Ich komme gleich zu dir, um mit dir zu sprechen.
  • Wir klären das nach der Stunde / gleich / in der Pause / … in Ruhe.
  • Geh bitte schonmal an Ort X. Ich komme zu dir, sobald ich hier die Aufgabe erklärt habe.
  • Ich sehe, dass du gerade wütend / traurig / … bist. Lass uns später mit einem klaren Kopf darüber sprechen, was gerade los war.
  • Ich muss erstmal überlegen, wie wir das lösen können. Dann sprechen wir noch einmal darüber.
  • „Ich habe es gesehen – ich dulde es nicht – ich komme darauf zurück!“ (Haim Omer / Regina Haller: Raus aus der Ohnmacht. Das Konzept Neue Autorität für die schulische Praxis, S. 27)
  • Ich habe dich gehört. aber ich rede gerade mit XY. Danach bin ich für dich da.
  • Ich finde es gerade zu laut hier. Ich kann mich so nicht konzentrieren. Und manchen Kindern geht es bestimmt ähnlich.
  • Entschuldigt, dass ich da so geschimpft habe. Ich war überrascht und habe nicht gut reagiert.
  • überhaupt: sich entschuldigen, Fehler eingestehen
  • Es ist ok, dass du grad wütend / traurig / … bist. Was brauchst du gerade, damit es besser wird?
  • Wie kann ich dich bei xy unterstützen?
  • Du bist hier immer Willkommen.
  • Dein Verhalten stört (uns beim Lernen). Statt „Du störst“!
  • Ich habe das Gefühl, du bist gerade sehr aufgewühlt. Wenn du dich bereit fühlst, bin ich für dich da.
  • Tipp: Kommunikation durch das Klassentier, das Klassentier als Helfer, Tröster, Beruhiger einsetzen
  • Manchmal überrollen uns unsere Gefühle, aber ich bin da für dich.
  • Ich glaube daran, dass du das schaffst!
  • Versuch das mal, du schaffst das schon!
  • Lass uns zusammen den ersten Schritt machen, dann schaffst du den Rest auch.
  • Darauf kannst du richtig stolz sein.
  • Das lernen wir noch gemeinsam.
  • generell: Fortschritte sichtbar machen, immer wieder thematisieren

Diese Sätze sind Beispiele, zeigen aber hoffentlich gut die Haltung, die dahinter steckt: Weniger lospoltern, weniger bewerten („We listen, but we don’t judge!„), mehr zuhören und Hilfe anbieten.

Danke fürs Lesen bis hierhin! Ich würde mich sehr über deine Ergänzung freuen – hier oder bei Instagram oder per Mail.
Katha

* Inzwischen findest du im Blog auch eine Rezension zu seinem Buch „Raus aus der Ohnmacht: Das Konzept Neue Autorität für die schulische Praxis„, denn meine Vertiefung geht weiter.

** Auf dieser Seite findet ihr auch weitere tolle Visualisierungen von Kristin Wiens, die verschiedenste Stressoren nennen, welche Kinder beeinflussen können. Du findest sie bei den Example stressors.

Rezension: „Validieren“

 

Titel: „Validieren. Wie echtes Erkennen und Anerkennen Beziehungen transformiert und uns neu verbindet.“
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht (hier klicken)
Autorin: Katharina Henz
ISBN: 978-3-525-45927-0

Zum Inhalt:
Die Soziologin und Psychotherapeutin Katharina Henz beschreibt das Validieren als Haltung, nicht nur als reines Kommunikationsmodell. Denn es geht darum, Menschen im Dialog ihre eigene Wahrheit zuzugestehen – ganz unabhängig davon, ob ich diese teilen oder verstehen kann. Es geht beim Validieren darum, dem Gegenüber (oder auch sich selbst) zu „erlauben“ seine Wahrnehmung anzuerkennen. Nötig und wichtig ist dies laut der Autorin zum Aufbau von Beziehungen, für den das gegenseitige Wahrnehmen eine Grundlage darstellt. 

Lenz erklärt zuerst grundlegend, wie man validiert und warum oft (teils versehentlich) nicht validiert wird. Dann zeigt sie Möglichkeiten des Validierens in verschiedenen systemischen und konkreten Zusammenhängen auf: in der Familie, in Arbeits- oder Bildungskontext oder bei Menschen mit ADHS.

Meine Meinung:
Bereits auf den ersten Seiten habe ich viel genickt und konnte nahtlos an Vieles anknüpfen, das ich während meiner Coachingausbildung lernen durfte. Mir gefällt diese Haltung sehr gut, die Katharina Henz beschreibt und mit der ich meine Kommunikation verändern kann. Viele über das ganze Buch verteilte Beispielsätze schreibe ich mir heraus, um sie zu meinen zu machen und so den Menschen in meinem Umfeld noch klarer zu signalisieren, dass ich sie wahrnehme und akzeptiere. Sie ergänzen den Zugang der sog. zirkulären Fragen, der im Coaching so wichtig ist. Aktuell nähere ich mich dem Thema der (professionellen) Beziehung von verschiedenen Seiten und werde Auszüge aus diesem Buch in meine Seminararbeit einfließen lassen. Außerdem habe ich quasi einen Neujahrsvorsatz gefunden: mehr und bewusster validieren, beruflich wie privat.

Leseempfehlung:
Eine absolute Leseempfehlung geht raus an alle, die „mit Menschen arbeiten“! Die Tipps von Katharina Henz sind so konkret, dass man keine fachliche Vorbildung benötigt, um von ihnen zu profitieren. Allen, die in der Bildung arbeiten, kann die Haltung des Validierens meiner Einschätzung nach sehr helfen, dass konflikthafte Situationen mit Kindern, aber auch schwierige Elterngespräche weniger belastend werden.

Vielen Dank an den Verlag Vandenhoeck & Ruprecht für das Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Executive Presence – mehr als der erste Eindruck“

Titel: „Executive Presence – mehr als der erste Eindruck“
Verlag: haufe (hier klicken)
Autor:innen: Christian Maaß
ISBN: 978-3-648-19046-3

Zum Inhalt:
Christian Maaß schult Menschen in Managementpositionen zur sog. „Executive Presence“ sowie dem entsprechenden Mindset und Strategien (zwei weitere Bände). Im vorliegenden Buch stellt er die wichtigsten Aspekte der erstgenannten Führungsqualität vor: das Auftreten (der erste Eindruck), die Kommunikation, die eigene Wirkung und Feedback. Alles Aspekte werden anhand von Fallbeispielen berühmter Manager:innen vertieft und konkretisiert. Ergänzt werden die Kapitel jeweils durch Selbstchecks und ganz praktische Verhaltentipps.

Meine Meinung:
„Warum ein Buch für Manager?“, fragst du dich vielleicht gerade. Warum? Weil man an vielen Stellen den Begriff Manager durch das Wort Lehrkraft sowie den Begriff Kunden durch Lerndende ersetzen kann und damit plötzlich viele gute Hinweise für die eigene Professionalität bekommt. Zugegeben, zum Beispiel beim Kapitel „Wirksamkeit“, wo es um finanziellen Erfolg des Unternehmens geht, fällt der Bezug etwas schwerer – aber bei Auftreten, Kommunikation und dem dringenden Rat, sich verschiedene Arten von Feedback einzuholen, sind Lehrkräfte quasi 1:1 angesprochen.

Was ich aus dem Buch mitnehme ist die Bestätigung, dass gute Führung (gutes Lehrersein) nicht gottgegeben oder Veranlagung ist, sondern dass Taktik, Strategien und Selbstreflexion dahinter stecken. Eine Nachricht, die ich sowieso gern meinen LAA mitgebe. Hinweise nehme ich auch darauf mit, dass der eigene Umgang mit Stereotypen maßgeblich unsere Kommunikation beeinflusst und wie ich dem professionell entgegensteuern kann. Die dritte Botschaft, die ich direkt mit in meine Seminare nehmen werde, ist die Empfehlung, sich mental auf Situationen vorzubereiten. Maaß vergleicht dies mit dem Placebo-Effekt: Allein dadurch, dass ich im Kopf eine Situation durchgespielt und verschiedene Handlungsoptionen gesammelt habe, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ich diese im realen Leben erfolgreich meistere.

Leseempfehlung:
Wer offen ist für einen etwas anderen Blickwinkel auf die Professionalität von Lehrkräften (a.k.a. Führungspersonen), dem kann ich diesen Ausflug in die Wirtschaft empfehlen. Schön zu sehen, dass es doch eigentlich in vielen Berufen sehr ähnliche Grundlagen und Bedingungen gibt.

Vielen Dank an den Verlag haufe für das Rezensionsexemplar!

Katha

SeminarBlog: „Würdest du lieber…?“

Ich bin definitiv zu viel online. Aaaaber online stoße ich eben immer wieder auch auf tolle Ideen, die ich nutzen, klauen oder anpassen kann. So gerade diese Woche geschehen:

Das war mal wieder so eine Idee, die ich direkt auch für die Seminararbeit vor mir sah und so dauerte es nicht lange, bis ich mir ChatGPT vorknöpfte und im Ping-Pong-Prinzip Fragen entwickelte. Eine Auswahl der Impulse habe ich dann (weil ich es eben nicht so schlicht mag) mit Canva weiter verarbeitet, so dass ich demnächst eine weitere kleine Schachtel mit Impulskarten in meinem Schrank haben werde. Anders als der Kollege werde ich vielleicht nicht jeder Gruppe eine eigene Frage zuteilen sondern mal den gleichen Impuls für alle verwenden, mal vielleicht Impulse zur Auswahl anbieten – mal sehen!
Meine LAA starten langsam aber sicher in die Prüfungsvorbereitung und da nehme ich jede Aktivität, die sie ins Nachdenken und Argumentieren, also auch ins Reflektieren bringt!

Wenn du mit diesen Impulsen arbeiten magst, nimm sie dir gern so wie sie sind: pdf-Datei

Wenn du sie für die Schule anpassen magst, kannst du auch das tun: Canva-Vorlage

Katha

Rezension: „Wie man mit Menschen klarkommt…“

IMG_6423Titel: „Wie man mit Menschen klarkommt, die man nicht ausstehen kann“
Verlag: YES (hier klicken)
Autoren: Dr. Rick Brinkmann & Dr. Rick Kirschner
ISBN: 978-3-96905-199-3

Zum Inhalt:
Hier handelt es sich um einen ganz klassischen Ratgeber: „Du hast ein Problem? Wir sagen sir, wie du damit umgehen kannst.“
IMG_6424Die Autoren skizzieren ausgehend von vier (eher auf die Arbeit bezogenen) Grundbedürfnissen des Menschen Typen von Menschen, mit denen man aus verschiedenen Gründen beruflich oder privat schlecht zurecht kommt. Zuerst geht es darum, die potentiellen Motive hinter dem Verhalten zu erkennen und verstehen, später dann um mögliche Strategien im Umgang mit diesen Personen. Dabei beschreiben die beiden naturheilkundlichen Ärzte, Speaker und Ausbilder, wie sie sich bezeichnen, rezeptartig mögliche Schritte der Kommunikation.
Ein letztes kurzes Kapitel widmet sich dann noch der Umsetzung solcher Kommunikationsmittel per Telefon oder Mail, weil hier das Miteinander ja doch anders funktioniert.

Meine Meinung:
Man merkt direkt, dass dieses Buch aus Amerika stammt, finde ich. Die Grundhaltung und der Ton sind sehr darauf bezogen, dass 1. alle Menschen irgendwie miteinander klarkommen sollten und 2. dass ich mein Gegenüber beeinflussen, ja fast manipulieren kann. Diese meine Wahrnehmung hat mich beim Lesen etwas gestört und ich hatte immer Bilder davon vor Augen, wie ich mir „die Ricks“ bei einem Seminar in typischem amerikanischem Predigerstil vorstelle.
Das ist ein wenig schade, denn eigentlich stecken interessante Kommunikationstipps in den Kapiteln und ein gutes Rüstzeug, um an problematischen Beziehungen (privat/beruflich) zu arbeiten. Die Grundannahme, dass niemand absichtlich nervig, störend oder gar boshaft ist, teile ich absolut und somit finde ich es sehr sinnvoll zu hinterfragen, woher manche Menschen ihr Verhalten haben. Im Coaching nennt sich dies Reframing und beschäftigt mich durch meine Fortbildung momentan sehr. Auch die Schritte, die man in der Kommunikation mit „Neinsagern, Besserwissern oder Nörglern“ gehen kann, bieten viel: aktives Zuhören und Spiegeln, Grenzen ziehen, auf Positives achten – oft jedoch in eher reißerischen Formulierungen und weniger sachlich als ich es aus anderen Büchern gewohnt bin.

Leseempfehlung:
Wer keine Lust hat, sich über die immer gleichen Menschen immer weiter zu ärgern, der findet hier ein offenes Ohr und gute Tipps. Gerade Lehrkräfte, die nicht nur unter Kolleg*innen potentiell schwierige Menschen haben, sondern auch unter Schüler*innen und Eltern, können hier vielleicht ein paar gute Hinweise mitnehmen, die zu mehr Gelassenheit im Umgang mit diesen führen können.

Vielen Dank an Yes Publishing für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha