Doppel-Rezension: Psychologische Kinderbücher „Sam kann nicht schlafen“ & „Yaras Sternenhimmel“

Titel: „Sam kann nicht schlafen“ & „Yaras Sternenhimmel“
Verlag: hogrefe (hier klicken und hier klicken) – Psychologische Kinderbücher
Autor:innen: Dr. Katharina Szota (Hrsg.) / Dr. Hanna Christiansen (Hrsg.)
Illustrationen: Laila Büchler / Anna-Lena Bolz
ISBN: 978-3-456-86423-5 & 978-3-456-86432-7

Vorab zur Reihe:
Die Bücherreihe „Psychologische Kinderbücher“ geht auf eine Zusammenarbeit des Fachbereichs Psychologie und des Instituts für bildende Kunst an der Philipps-Universität Marburg zurück. Studierende des Psychologie steuerten Texte für Kinderbilderbücher bei, Kunst-Studierende die Illustrationen. Allein schon vor diesem Hintergrund sind die entstandenen Werke empfehlenswert. Neben den beiden hier vorgestellten Bänden gibt es weitere Bücher zum Beispiel zu Vernachlässigung, Gewalt an Kindern oder emotionaler Gewalt, aber auch zu eher schulbezogenen Themen wie Rechenstörungen oder dem Schulanfang.
Die Bilderbücher beginnen immer mit einem Geschichtenteil und werden ergänzt durch Anregungen, Materialien und Links zum jeweiligen Thema.

Zum Inhalt:
Sam erlebt durch die Nachrichten mit, wie der Krieg nach Europa kommt und wie seine Familienmitglieder darauf reagieren. Er macht sich viele Gedanken dazu und große Sorgen. Was, wenn der Krieg bis zu uns kommt? Was passiert eigentlich den Kindern im Kriegsgebiet? Diese und weitere Fragen beschäftigen Sam so sehr, dass Bauchweh und Konzentrationsprobleme die Folge sind. Zum Glück kann er mit seinen Eltern reden und entwickelt sogar eine Idee, wie er sich engagieren kann.

Yara musste mit ihrer Kernfamilie aus Syrien fliehen und lebt schon eine Weile in Deutschland. Nun kommt sie neu in Leons Klasse und ist auch seine Nachbarin. Schnell merken die beiden, dass ihr Interesse an Sternbildern und dem Nachthimmel sie verbindet und sie freunden sich an. Aber nicht jedes Kind in der 4b tritt Yara so unvoreingenommen gegenüber… Vorurteile und Alltagsrassismus tauchen in dieser Geschichte an verschiedenen Stellen auf.

Meine Meinung:
Beide Geschichten und ihre Held:innen erinnern mich sofort an Kinder, die ich privat oder aus meinen Klassen kenne. Beide Themenkomplexe, also Ängste/Krieg und Migration/Rassismus, beschäftigen wohl jede pädagogisch tätige Person in den letzten Jahren. Selbst wir Erwachsene erleben eine von Krisen geprägte Zeit und fühlen uns manchmal rat- oder hilflos, besorgt und ängstlich. Kinder sind den überall präsenten Nachrichten von Krieg, Gewalt und Hetze fast schutzlos ausgeliefert und benötigen dringend die klärende Einordnung des Geschehens durch uns Erwachsene (Eltern und Pädagog:innen) sowie unsere Unterstützung. Für beides bieten die vorgestellten Bücher den schönen Ansatz des Bilderbuchs, von dem ausgehend eine vertiefte Beschäftigung erfolgen kann. Beide stellen Anschlussaktivitäten und Links vor, die im Gespräch mit Kindern helfen können. Nicht zuletzt gibt es konkrete Tipps für Erwachsene. Als Mutter scheint mir vieles davon eher selbstverständlich zu sein – als Lehrerin weiß ich aber auch, dass nicht in allen Familien emotional gut für Kinder gesorgt wird und kann die Anregungen professionell aufnehmen. Sowohl Sams Geschichte als auch die von Yara und Leon bieten gute Gelegenheiten, über Diversität, Individualität und Emotionen im Allgemeinen ins Gespräch zu kommen.

Leseempfehlung:
Allen Eltern und Lehrkräften/Pädagog:innen kann ich beide Bücher sehr ans Herz legen, weil sie selbst Profis noch einmal sensibilisieren. „Sam kann nicht schlafen“ öffnet Fachkräften in Schule, OGS, Hort oder Kita nochmal die Augen dafür, woran Verhaltesveränderungen bei Kindern auch liegen können. „Yaras Sternenhimmel“ ist eine weitere schöne Ergänzung für einen Büchertisch rund ums Thema Migration, das alle Schulen, alle Klassen und somit alle Kinder direkt betrifft.

Vielen Dank an den Verlag hogrefe für die beiden Rezensionsexemplare!

Katha

Rezension: „Hoch hinaus mit Leni“

Titel: „Hoch hinaus mit Leni“
Verlag: Hogrefe (hier klicken)
Autor:innen: Sara Aeschlimann, Adrian Wullschleger
Illustrationen: Sara Aeschlimann
ISBN: 978-3-456-86380-1

Zum Inhalt:
Dieses Buch ist kein reines Bilderbuch, sondern besteht aus drei Teilen: Der erste Teil (also das Bilderbuch) erzählt die Geschichte von Leni, einem Pinguin mit viel zu großen Flügeln. Leni kann deshalb nicht so gut laufen und schwimmen wie die anderen Pinguine, fühlt sich unbegrenzt und traurig. Dann aber trifft sie den Albatros, der ebenfalls sehr große Flügel hat und Leni dazu ermutigt, diese zum Fliegen zu nutzen. Also übt Leni fleißig und schafft das Besondere. 

Der zweite und dritte Teil des Buches sind für Eltern und Pädagog:innen gedacht und beinhalten Übungen für Kinder rund um das Thema Diversität sowie Hintergründe für begleitende Erwachsene. Der Kinderteil erklärt schrittweise am Beispiel von Lenis Pinguinkolonie, was Diversität ist und lädt dazu ein, sich selbst und die eigene Umgebung zu reflektieren. Der Erwachsenenteil sammelt Impulse, wie man bewusster und reflektierter mit Diversität umgehen und diverse Kindergruppen begleiten kann.

Meine Meinung:
Lenis Geschichte ist anrührend und durch die symbolische Ebene der Tierwelt für Kinder gut greifbar – nicht umsonst wird das Motiv des Tieres, das anders ist, immer wieder aufgegriffen (am prominentesten sicher in „Findet Nemo“). Mir persönlich ist der fliegende Pinguin bzw. sind die später dargestellten Pinguine mit Rollstuhl, Blindenstock oder großen Ohren dann doch etwas zu plakativ – ich bin ja aber auch kein Kind mehr. Die Haltung hinter der Geschichte ist auf jeden Fall positiv und die Message des Buches wichtig. 
Die Begleitmaterialien sind professionell aufbereitet und geben eine sinnvolle Schrittigkeit vor. Vom Konkreten zum Abstrakten, von mir zu den Menschen um mich herum, das sind für Kinder nachvollziehbare Denkwege. Um das Buch mehrmals nutzen zu können ist es aus meiner Pädagoginnensicht sehr schön, dass die Materialien für die Kinder separat zum Download angeboten werden (über einen Code im Buch).

Leseempfehlung:
Lenis Geschichte ist gut für Kinder im Kindergartenalter und in den ersten Schuljahren geeignet. Die Materialien in Teil 2 und 3 machen es Lehrkräften leicht, das komplexe Thema von Diversität und Inklusion anzugehen und verständliche Formulierungen zu verwenden.
Das Buch kann ein sehr guter Ausgangspunkt dafür sein, ein Klassenprojekt durchzuführen, in dem alle Kinder ihre Stärken und Schwächen reflektieren und darüber ins Gespräch kommen. Dadurch kann das Lernklima unheimlich gestärkt werden, weil nochmal klar wird, dass niemand besser oder schlechter ist als andere.

Vielen Dank an den Verlag Hogrefe für das Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Selma, du machst das falsch“

Titel: „Selma, du machst das falsch“
Verlag: NordSüd (hier klicken)
Autorin: Tini Malina
Illustrationen: Tini Malina
ISBN: 978-3-314-10736-8

Zum Inhalt:
Selma ist eine Spinne unter vielen, die auf der großen Wiese leben. Aber anders als die anderen Spinnen spinnt Selma ihre Netze nicht, um saftige Fliegen zu fangen. Selma möchte in ihren Netzen die Besonderheiten des Universums einfangen. Zu Selmas künstlerischen Netzen sagen die andern Spinnen immer nur „Du machst das falsch!“. Aber Selma lässt sich nicht beirren und geht ihren Weg weiter. Der führt sie sogar auf das hohe Haus, das man von der Wiese aus sehen kann. Hier will Selma ein ganz besonderes Netz spinnen. Ob das gelingt, verrate ich hier aber nicht.
Die Illustrationen sind seitenfüllend und von klaren Farben und Formen geprägt (s.u.). Diese sind auf der Wiese sehr leuchtend, am Haus und später eher in Grautönen gehalten. Die Bilder bieten trotz ihrer Schlichtheit Raum für Entdeckungen und zum Beschreiben dessen, was vor sich geht.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist eines von denen, die mich schon beim ersten Blick auf das Cover packen. Als Bonus habe ich beim Auspacken feststellen dürfen, dass die Weben auf dem Cover auch noch dreidimensional sind (sog. Relieflack) – ich kann mich ja auch über Kleinigkeiten freuen. Die niedliche kleine Spinne Selma mit ihrer „Künstlermütze“ (sagt mein Sohn) und ihr Netz-Kunstwerk sprechen mich unheimlich an und weckten auch direkt die Neugier beim Junior. Tini Malina hat in meinen Augen ein Gesamtkunstwerk geschaffen, das mit einem einfachen Handlungsstrang auskommt.
Inhaltlich gibt Selma uns die Lehre mit auf den Weg, dass wir an uns glauben sollen und uns nicht von den anderen reinreden lassen. Gegen den Strom zu schwimmen und dennoch auch mal einen wohlmeinenden Rat anzunehmen – auch das sind Erkenntnisse aus Selmas Geschichte. Meiner Meinung nach können gerade Kinder solch eine Message nicht oft genug hören (und vor allem dann nicht, wenn sie so sympathisch verpackt ist).
Ein wenig erinnert Selma mich an „Frederick“ von Leo Lionni: beide sehen mehr in der Welt und dem Leben als Nahrung zu finden. Beide lassen sich von Widerstand nicht aufhalten und beide verzaubern ihre Artgenossen schlussendlich. Außerdem hatten Junior und ich beim Lesen deutliche Flashbacks zu Eric Carles „Die kleine Spinne spinnt und schweigt“ – eben auch eine Spinne und auch diese dreidimensionalen Netze zum Fühlen 😊.

Leseempfehlung:
Für Kinder ab vier empfiehlt der Verlag das Buch – da gehe ich absolut mit. Vor allem durch die Klarheit der Illustrationen können so junge Kinder bereits gut damit umgehen. Weder Bilder noch Texte sind „zu niedlich“, so dass ich dieses Bilderbuch auch für ältere Kindergarten- und Schulkinder empfehle. 

Für die Grundschule gedacht kommen mir viele Ideen, die man von diesem zauberhaften Bilderbuch ausgehend umsetzen könnte: Zuerst Kunst, wo man mit Flüssigkleber und Wasserfarben Spinnennetze zeichnen kann, die einen ebenso dreidimensionalen Effekt haben wie die auf dem Cover.
In Deutsch können z. B. Paralleltexte geschrieben werden, wo Selma was für ein Netz spannt und wen sie dabei trifft (Hochhaus – alte Spinne – Mond und Sterne). Oder die Kinder spielen Dialoge zwischen Selma und einer anderen Spinne nach. Oder sie lesen und analysieren Sachtexte über Spinnen. Oder man richtet eine thematische Leseecke zu Spinnen ein, die mit Selma und der kleinen Spinne von Carle über weitere Bilderbücher oder Comics wie Spiderman bis zu Sachbüchern reicht. Oder … naja, ihr seid ja noch viel kreativer als ich!
Zuletzt: KI – Die Kinder können für Selma ein thematisches Netz erfinden und es einer bildgenerierenden KI so genau beschreiben, dass ein gewünschtes Bild entsteht.

Vielen Dank an den Nordsüd-Verlag für das zauberhafte Rezensionsexemplar mit dem tollen Poster dazu! Das wird einen Ehrenplatz in meinem Büro bekommen (nach der anstehenden Renovierung).

Katha

Rezension: „Fabelwesen“

Titel: „Fabelwesen. Fantastische Tiergestalten“
Verlag: NordSüd (hier klicken)
Autorin: Cornelia Funke
Illustrationen: Ruby Warnecke
ISBN: 978-3-314-10731-3

Zum Inhalt:
Cornelia Funke als Autorin beschreibt bekanntere und weniger bekannte Fabelwesen aus aller Welt, die von Ruby Warnecke illustriert wurden. Mit dabei sind natürlich Einhorn, Drache oder Phönix, aber auch uns Europäern unvertrautere Wesen wie das Qilin oder der Barong. Freund:innen der magischen Welt von Harry Potter oder den Fantastischen Tierwesen kennen sicher ein paar mehr der Porträtierten als Muggel das tun…
Jedem Wesen ist eine Doppelseite gewidmet, auf der es in klaren, farbenfrohen Darstellungen gezeigt wird und auf der es einen kurzen, direkt an die Lesenden gerichteten Infotext gibt. Die Illustrationen erinnern an die Scherenschnittechnik und jede Seite hat einen einzigartigen, farblich passenden Rahmen.

Meine Meinung:
Man erkennt in jeder Seite die Freude am Projekt, die die beiden Schöpferinnen auf den Schlusseiten auch beschreiben. Die Wesen werden sehr wertschätzend mit ihren zugeschriebenen Eigenschaften beschrieben und niemals in gut und böse kategorisert. Mir gefällt es auch, dass die verschiedenen Glaubenseinflüsse und religiösen Bezüge von Cornelia Funke absolut wertfrei und kindgerecht beschrieben werden.
Dass sich die Texte direkt an die Lesenden richten, erzeugt ein Gefühl von Verbundenheit und lässt mich gedanklich auf eine fantastische Weltreise gehen.
Die Illustrationen fand ich beim ersten Blättern ungewohnt, fast befremdlich. Je öfter ich das Buch aber jetzt in der Hand hatte, desto mehr mag ich diesen Stil und glaube, dass er durch seine Klarheit für viele Kinder sehr gut wahrnehmbar und verständlich ist.

Leseempfehlung:
Für Kinder und Interessierte ab fünf Jahren empfiehlt der Verlag das Buch. Da gehe ich absolut mit underweitere noch um Weltenbummler:innen jeden Alters (also z. B. Großeltern), die beim Lesen und Vorlesen sicher spannende Erlebnisse und Hintergrundgeschichten zu den Wesen erzählen könnten.
Da ich immer auch für die Schule mitdenke, kann ich mir dieses Buch spannend als Ausgangspunkt für eine Fabelwesen-Einheit im Fach Kunst vorstellen, bei der in Scherenschnitten und Collagen ganz eigene Fabelwesen entstehen könnten (z. B. mit Bezug zum Klassiker „Rhinozerus“).

Vielen Dank an den NordSüd-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Nachts in der Bibliothek“

„Nachts in der Bibliothek“
Verlag: Loewe (hier klicken)
Autor: Christopher Lincoln 
Illustrationen: Christopher Lincoln (mit Unterstützung von Bonaia Rosado)
Übersetzung: Nadine Mannchen
ISBN: 978-3-7320-2609-8

Zum Inhalt:
Die zehnjährigen Zwillinge Page und Turner (ja, Wortspiel) dürfen das Haus allein nur verlassen, um die Bibliothek zu besuchen. Dementsprechend gut kennen sie sich dort aus. Was sie allerdings bislang nicht wussten, ist, dass es in der Bibliothek eine Nachtwache gibt – und das hat einen guten Grund. 
„In Büchern wächst Magie. […] je älter das Buch und je mehr Bücher am selben Fleck, desto mehr Magie staut sich an. […] Schließlich führen diese Kräfte zu exklusiven Ausbrüchen.“ So beginnt die Geschichte und so geschieht es, dass Figuren aus Büchern entkommen. Page und Turner stecken plötzlich mitten in einem aufregenden Abenteuer, in dem sie Alice (aus dem Wunderland), Mr. Robinson (von der Schatzinsel), Jack (mit der Bohnenranke) und andere kennenlernen und Seite an Seite mit ihnen die Bibliothek zu retten versuchen. Nicht zuletzt ist es für die Kinder (auch wenn Page nicht Kind genannt werden möchte) auch eine Reise zu sich selbst und ihren Stärken.
Mit „Nachts in der Bibliothek“ hat der 71jährige Christopher Lincoln seine erste Graphic Novel geschaffen, weil er mit seinem geplanten dritten Roman einfach nicht weiter kam. In die comicartige Story sind zudem neben den klassischen Sprechblasen und Erzählfeldern immer wieder Cover der vorkommenden Bücher eingestreut und eineiige Zitate rund ums Lesen, die die Bibliothek zieren.

Meine Meinung:
Mein Sohn (der sonst nur Minecraft lies) hat das Buch direkt mit in den Urlaub genommen. Auf meine Frage, ob er es gelesen habe, sagte er: „Ja. mehrmals.“ Ich glaube, die Bedeutung dieses Lobes dürfte klar sein…
Mir als Erwchsene hat die Graphic Novel ebenso gut gefallen. Aspekt 1: die Farben. Das ganze Buch ist eher in gedeckteren, oft dunklen Farben gehalten, da es ja nachts in einer Bibliothek spielt. Je nach gerade vorherrschender Geschichte verändern sich jedoch die Farbtöne – das zieht mich als Lesende zusätzlich in den Bann. Aspekt 2: die Bücher. Fast alle Bücher, die eine Rolle spielen, habe ich selbst schon gelesen und finde somit exzellente Anknüpfungspunkte. Aber obwohl mein Junior die nicht alle kennt, konnte er dem Plot dennoch folgen. Aspekt 3: die Macht und Magie der Bücher. Bereits bei den ersten Seiten und dem oben zitierten Beginn hatte mich dieses Buch gepackt. Und nicht zuletzt macht es einfach Freude beim Lesen. Wir hoffen auf eine baldige Fortsetzung!

Leseempfehlung:
Für alle Bücherfans ab etwa der späten zweiten Klasse* kann ich „Nachts in der Bibliothek“ von Herzen empfehlen – der Verlag meint „ab zehn“. Erwachsene sind in meiner Empfehlung dieses Mal ausdrücklich mit gemeint! Und weil eine Graphic Novel mehr Bilder als Worte hat, ist die Geschichte auch für Kinder geeignet, die sich an dicke Bücher sonst eher nicht herantrauen. 
Zum Vorlesen in der Klasse würde ich das Buch nicht einsetzen, weil man Comics und Graphic Novels halt einfach schlecht vorlesen kann, es ist aber eine tolle Erweiterung für die Klassenbibliothek. Wer sich dank Presenterkamera doch ans Vorlesen wagen sollte, könnte tolle Anschlussaktivitäten planen: eigene Lieblingsbücher bzw. -figuren in die Story einbauen (erzählen/schreiben) oder zum Beispiel Helden und Antihelden im Kunstunterricht zeichnerisch antreten lassen. 

Vielen Dank an den Loewe-Verlag für das Rezensionsexemplar inklusive zauberhaftem Begleitbrief!

Katha

* Wegen des kleinen Texts könnte es Leseanfänger:innen schwer fallen.

Rezension: „Nightmore – Das gruseligste Internat der Welt“

Titel: „Nightmore – Das gruseligste Internat der Welt (Band 1) – Plötzlich Werwolf“
Verlag: Loewe (hier klicken)
Autorin: Vanessa Walder
Illustrationen: Philipp Ach
ISBN: 978-3-7320-2652-4

Zum Inhalt:
Finn besucht eine ganz besondere Schule, nämlich das Internat „Nightmore“ hoch in den schottischen Highlands. Finn besucht diese Schule seit Kurzem, weil er selbst besonders ist, nämlich ein (bisschen) Werwolf. Und Nightmore ist für Nocties, also Wesen der Nacht und der Dunkelheit. Finn ist allerdings nicht so ganz freiwillig dort und versucht deshalb zu fliehen. Dabei lernt er die Dämonin Sinista kennen, die ihm bei einem Rausschmiss helfen will. Weil aber eine Dämonin manches etwas anders sieht, wird es abenteuerlich…
Wir lernen eine spannende Gegend kennen, interessante nichtmenschliche Lehrkräfte und gruselige Wesen. Wir nehmen als Lesende an einem Blutball-Spiel teil und fiebern mit Finn, ob er sein Ziel erreicht.

Meine Meinung:
Bücher über magische oder anders besondere Schulen haben aktuell ja durchaus Konjunktur – da muss sich eine neue Reihe ja erstmal einen Platz rechtfertigen. Von der Story her bietet der erste Band von Nightmore für meinen Geschmack noch etwas Luft nach oben. Aber: die Reihe hat eben auch eine andere Zielgruppe als zum Beispiel die „School of Talents“-Bücher. Nightmore spricht auch weniger viel lesende Kinder an durch viele Bilder, eher große Schrift und einen geringeren Umfang. Die Illustrationen sind, passend zum gruseligen Thema, durchgehen in schwarz-weiß gehalten und oft ganzseitig im Texthintergrund. Die Kapitel sind auch für ungeübtere Lesende gut zu bewältigen und als zusätzliche Unterstützung gibt es Aussprachehilfen für englische Begriffe. Mein Sohn war begeistert vom Buch und freut sich bereits auf eine Fortsetzung!

Leseempfehlung:

Für Kinder ab sieben empfiehlt der Verlag das Buch. Ich glaube, dass die Zielgruppe gut in der dritten und vierten Klasse liegt, wenn es um Kinder mit weniger Lesekompetenz geht. In Schul- und Klassenbüchereien wird die beginnende Nightmore-Reihe sicher ihren Platz finden, da Werwölfe & Co. die Kinder alters- und geschlechtsunabhängig ansprechen.

Vielen Dank an den Loewe-Verlag für das Rezensionsexemplar und das so liebevoll gepackte Päckchen darumherum! Meine Kinder haben sich sehr über die Gimmicks gefreut!

Katha

Rezension: „Agathe zählt die Sterne“

Titel: „Agathe zählt die Sterne“
Verlag: dtv (hier klicken)
Autorin: Catherine Rayner (Übersetzung: Tatjana Kröll)
Illustrationen: Catherine Rayner
ISBN: 978-3-423-76512-1

Zum Inhalt:
Agathe ist eine Giraffe und Agathe zählt für ihr Leben gern Dinge. Dummerweise halten diese Dinge selten still oder werden einfach aufgefressen. Agathes Freunde, ein Zebra und ein Leopard, wollen ihr gern helfen, haben aber leider vom Zählen keine Ahnung. Zum Glück bricht dann aber die Nacht hinein und Agathe kann ganz in Ruhe die Sterne zählen – die laufen nicht einfach weg!

Meine Meinung:
„Agathe zählt die Sterne“ ist ein angenehm ruhiges, unaufgeregtes Bilderbuch rund ums Zählen. Die Figuren sind liebenswert und bieten kleineren Kindern gute Identifikationsfläche, da ihnen eben nicht alles sofort gelingt – und das erleben Kinder ja nun häufig. 
Auf sozialer Ebene erleben wir in der Geschichte, dass Freunde sich unterstützen und Dinge miteinander machen, obwohl sie sie vielleicht nicht so gut können – und man kann dennoch Spaß daran haben. Noch eine schöne Message, finde ich.
Und dann ist da ja noch das Zählen: der kindliche Drang, alles möglich zu zählen, wird durch Agathe ganz zauberhaft dargestellt. Hauptsächlich geht es um den Zahlenraum bis zehn, aber die Sterne sind natürlich noch viele, viele mehr. Ich denke, die Geschichte regt auf jeden Fall zum Zählen und somit mathematischen Entdecken der eigenen Umwelt an.

Leseempfehlung:
Für alle Eltern von Kindergartenkindern und Pädagog:innen, die mit ihnen arbeiten, kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen! Aber auch im Anfangsunterricht lässt es sich hervorragend einsetzen: Agathes List am Zählen kann man hervorragend in der ersten Klasse nutzen, um mit den Kindern ins Mathematisieren der eigenen Umwelt zu kommen: man kann alles möglich im Klassenraum, auf dem Schulgelände oder Zuhause zählen. Man kann Strategien entwickeln, wie das Zählen am besten gelingt. Es darf sich zum Beispiel nicht bewegen oder aufgegfressen werden 😉. Dazu bietet es sich an, zu Zählendes mit einem Tablet zu fotografieren und vielleicht sogar Bündelungen einzuzeichnen. Wer mag, kann auch eine digitale Klassenpinnwand (z. B. TaskCards) anlegen, die Fotos und Zählergebnisse darauf sammeln und so erste Schritte beim Produzieren/Präsentieren machen. Wie so oft, sind die Möglichkeiten hier vielfältig.

Vielen Dank an den dtv-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Selbstorganisiertes Lernen mit generativer KI“

Titel: „Selbstorganisiertes Lernen mit generativer KI“
Verlag: Schäffer Poeschel (hier klicken)
Autoren: Werner Sauter und Daniel Stoller-Schai
ISBN: 978-3-7910-6645-5

Zum Inhalt:
Werner Sauter ist Pädagoge, Wirtschaftswissenschaftler und päd. Psychologe. Daniel Stoller-Schai ist u.a. „Digital Collaboration Specialist“. Die Autoren wissen also, wovon sie sprechen, wenn sie sich mit dem selbstorganisierten Lernen im beruflichen (wirtschaftlichen) Kontext beschäftigen. Sie sprechen mit diesem Buch alle Erwachsenen an, die sich in ihrem beruflichen Umfeld als lebenslang Lernende verstehen und bieten ihnen neben konkreten Prompts auch einen grundsätzlichen Einblick in Funktionsweisen des Lernens und wie Selbstbestimmung dabei wichtig ist. Sie verknüpfen dies mit dem momentan omnipräsenten Thema KI und stellen KI-Tools als Sparringspartner beim Lernen vor.

Meine Meinung:
Mir gefällt die grundlegende Idee, die hinter dem Buch steckt: KI kann mir bei meinem Lernen ein kompetenter Sparringspartner sein. Oder man bezeichnet die Zusammenarbeit (wie hier Jöran Muuß-Meerholz) als Ping-Pong-Spiel. Immer geht es darum, dass ich als Lernende meinen Lernprozess verantworte und mir neben menschlichen Gesprächspartnern eben auch einen sehr strukturierten und gut informierten KI-Tutor suche.
Eingeklammert von konkreten Prompt-Anregungen zu Beginn und im 10-Schritte-Plan im Anhang führen die Autoren viele Aspekte von Lernen aus: Lerntheorie, Motivationstheorie, Lernorte, Lernwege, … Dafür bin ich mit meinen Vorkenntnissen nicht die richtige Zielgruppe, aber für weniger pädagogisch vorgebildete Menschen klärt sich dadurch sicherlich sehr gut, warum und wie selbstorganisiertes Lernen funktioniert.
An einigen Stellen wird es sehr konkret und beispielhaft, zum Beispiel als es um fünf fiktive Personas geht und wie diese lernen können. Oder in dem Kapitel über KI und Lehrkräfte. An manchen anderen Stellen bleiben die Tipps etwas vage – hier wären Verweise auf die Konkretisierungen im Buch sicher hilfreich.

Leseempfehlung:
Jede:r, der sich beruflich weiter entwickeln möchte, ist mit diesem Buch gut beraten. Wer bereits viel über das Lernen an sich weiß, kann mit den Ideen zum Einsatz von KI auf jeden Fall auch etwas mitnehmen.

Ergänzung: Daniel Stoller-Schai hat mich noch auf die Prompt-Bibliothek aufmerksam gemacht, die euch zur Verfügung steht und die ich hier gern ergänze. 

Vielen Dank an den Verlag Schäffer Poeschel für das Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „20 x Kunstwerke für 90 Minuten“

Titel: „20x Kunstwerke für 90 Minuten, Klasse 1/2
Verlag: Verlag an der Ruhr (hier klicken)
Autorinnen: Simone Schick, Laura Rodrigues Nöhles
ISBN: 978-3-83466279-8

Zum Inhalt:
Die Autorinnen beginnen das Buch mit Anleitungen zur Kunstbetrachtung und für eine Kunst-Konferenz. Darauf folgen die 20 Kapitel zu jeweils einem Kunstwerk und eine:r Küstler:in, die alle mit einem Ziel und Materialbedarf beginnen. Zudem enthalten sie einen Überblick über das Werk des jeweiligen Küstlers bzw. der Künstlerin und dann eine Anleitung für die unterrichtliche Umsetzung mit Einstimmung, Vorbereitung der Lehrkraft, der Gestaltungsphase sowie Präsentation und Reflexion. Zuletzt gibt es auch immer noch das Bild oder die Skulptur zu sehen, die als Ausgangspunkt dient.

Meine Meinung:
Ich bin zwar vieles, aber weder Künstlerin noch Kunstlehrerin – somit passe ich optimal in die Zielgruppe, wie mir die Autorin Laura versicherte. 🙂 Somit kann ich ganz subjektiv für mich und meine Erfahrungen mit fachfremdem Kunstunterrichten sagen, dass ich das vorliegende Werk sehr hilfreich finde und mir absolut vorstellen kann, es für meine Planung zu nutzen. Vieles, was man als „Ungelernte“ nicht so unbedingt auf dem Schirm hat, wird hier gut erklärt und in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht.
Zudem gefällt mir die Auswahl der Kunstwerke sehr. Neben Klassikern wie Monet, Klee oder van Gogh (die ich selbst schon im Unterricht behandelt habe) finden sich auch (mir) unbekanntere Künstler und erfreulicherweise auch einige Künstlerinnen. Auch nicht personenbezogene Kunst, z. B. regionale oder historische, findet ihren Platz unter den 20 Angeboten.

Leseempfehlung:
Ich kann diese Ideensammlung von Herzen allen Lehrkräften empfehlen, die eine erste oder zweite Klasse in Kunst (fachfremd) unterrichten dürfen, wollen oder müssen. Auch für die dritte Klasse lassen sich viele Ideen noch verwenden und vielleicht auch schon mit Schulanfängerkindern im Kindergarten. Für Erziehende in Hort, OGS oder sonstigem Ganztag sind hier ebenfalls tolle Inspirationen zu finden, die durch ihre ausführlichkeit wirklich bei der Planung entlasten.

Vielen Dank an die Autorin Laura bzw. den Verlag an der Ruhr für das Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Der Wald lebt!“

Titel: „Der Wald lebt! Band 1: Gemeinsam gegen das Böse“
Verlag: Loewe (hier klicken)
Autorin: Barbara van den Speulhof
Illustrationen: Anka Schwelgin
ISBN: 978-3-7432-1794-2

Zum Inhalt:

So geht es los im vermeintlich ruhigen Wald: Tannja und Tannmän  hören verdächtige Geräusche. Und tatsächlich schleichen zwei Dieb:innen durch den Wald und versuchen, ihre Beute zu verstecken. Dummerweise zünden die beiden dann auch noch ein Lagerfeuer an, das außer Kontrolle gerät und die Bäume bedroht!
In dem comicartigen Bilderbuch (oder wie man es auch nennen kann) tauchen noch die Esche Eschnapur, ihre Setzlinge, die Hexe Brokkoli und die beiden wasserspeienden Drachen Rattazong und Kingkong auf. Sie alle beschließen, dass niemand in ihrem Wald Diebesgut verstecken darf und nutzen dabei das Wurzelfon zur Kommunikation untereinander.

Meine Meinung:
Eine witzige, rasante und leicht zu lesende Geschichte, die meinen Zehnjährigen gut unterhalten hat. Ich selber musste direkt bei der Startseite (s.o.) auch echt lachen!
Der geringe Textumfang lockt auch Wenigleser:innen hinter dem Ofen hervor und die sympathischen Figuren tun ihr Übriges dazu. Die Illustrationen von Anka Schwelgin gefallen mir sehr, weil sie die Atmosphäre im (nächtlichen) Wald gut einfangen.
Inhaltlich mag ich ja immer Geschichten, die kreative Problemlösungen abbilden – und das gelingt Barbara van den Speulhof in diesem Buch gut. Die Bäume vernetzen sich und holen sich die Hexe zu Hilfe, weil sie als einzige aus dem Wald mit Menschen sprechen kann. Eine Nessi-Schule im See spielt übrigens dabei auch noch eine Rolle…

Leseempfehlung:
Die Empfehlung des Verlags „ab 7“ passt gut, da die Textmenge gering und die Schriftgröße hoch ist. Die sprechenden Wesen nehmen Leserinnen und Leser im gesamten Grundschulalter mit in eine witzige Fantasiewelt! Zum Vorlesen finde ich persönlich Bücher ohne Fließtext immer schwierig, deshalb heute mal keine Vorlese-, sondern nur eine Selbstleseempfehlung von mir. Ein Buch, das sich deshalb in jeder Schul- oder Klassenbibliothek gut macht!
Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die folgenden Bände ihre Fans finden werden, wenn die sympathischen Figuren dabei bleiben.

Vielen Dank an den Loewe-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Katha