Rezension: „Der Dinosaurier von nebenan“

Titel: „Der Dinosaurier von nebenan“
Verlag: Knesebeck (hier klicken)
Autor: David Litchfield
Illustrationen: David Litchfield
ISBN: 978-3-95728-938-4

Zum Inhalt:
Liz ist sich sicher, dass ihr Nachbar, der allseits beliebte Tortenbäcker Herr Wilson, eigentlich ein Dinosaurier ist. Weder ihre Mutter, noch ihre Lehrerin oder eine echte Forscherin wollen ihr die allerdings glauben. Aber Liz bleibt dran und kommt hinter Herrn Wilsons Geheimnis. Leider tut dies auch die Forscherin und Herr Wilson ist in Gefahr! Zum Glück vollziehen dann aber doch einige Erwachsene einen Sinneswandel, über den ich mehr hier nicht verraten will.
David Litchfield ist Autor und Illustrator zugleich, so dass seine Bilder und Texte perfekt harmonieren. Die größtenteils ganzseitigen Illustrationen sind farbenfroh und realistisch, mehrlagig bzw. collage-artig (schwer    zu beschreiben für Nichtkünstlerinnen wie mich) und von Details geprägt.

 

Meine Meinung:
Zuerst einmal möchte ich heute schreiben, wie besonders ich David Litchfields Illustrationen finde. Sie funkeln irgendwie und laden zum verweilenden Betrachten ein. In der traurigeren Phase des Buches funkelt allerdings nichts, so dass die Bilder den Inhalt absolut stützen. Ein bisschen fies ist es aber schon, dass Herrn Wilsons Torten auf den Cover-Innenseiten sooo lecker aussehen!
Was mir an Liz‘ Geschichte gefällt ist die tolle Projektionsmöglichkeit für Kinder. Liz hat etwas beobachtet und ihre Schlüsse daraus gezogen und wird von allen Erwachsenen nicht ernst genommen. Sie sieht Wunder, die Erwachsenen sehen nichts (oder Profit bzw. Profilierungsmöglichkeiten). Umso schöner ist es doch, dass wir am Ende mit Liz zusammen glaubhaft werden und bei den Großen ein Umdenken stattfindet.

Leseempfehlung:
Ab vier Jahren ist das Buch definitiv gut zu begreifen, wie es der Verlag vorschlägt. Spannend ist es aber locker auch noch bis ins Grundschulalter hinein, meine ich. Ich kann es mir genauso gut als Vorlesegeschichte beim Schlafengehen vorstellen wie als Ausgangspunkt für ein paar Stunden fächerübergreifenden Unterrichts: weitererzählen ab der Tunnelszene (s. Foto) oder dem Entdecken von Herrn Wilsons wahrer Identität, Briefe schreiben von Liz an verschiedene Adressaten zu ihrer Vermutung, einen eigenen bekleideten Dino malen oder eine eigene Torte gestalten (Collage?), Forscheraufträge über Dinosaurier und Lesetexte dazu, … Vieles ist möglich mit Liz und Herrn Wilson.

Vielen Dank an den Knesebeck-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!
Katha

Gast-Rezension: „Kartenset Diklusion“

Titel: „Kartenset Diklusion. Unterrichtsideen für die digital-inklusive Schule“
Verlag: Beltz (hier klicken)
Autorin: Lea Schulz
Illustrationen: Nadine Roßa

Heute veröffentlich ich hier zum ersten Mal eine Rezension, die ich nicht selbst verfasst habe. Da ich aber diejenige kenne, die hinter dem Projekt steht (Lea Schulz) und weiß, dass ihre Expertise zum Thema Diklusion (digital inklusiv arbeiten) enorm ist, möchte ich dem Material gern einen Platz bieten. Viel Spaß mit der Rezension von Levke, die hier folgt:

Zum Inhalt:

Wie digitale Medien einen barrierefreien Zugang zu Bildung für alle Schüler:innen ermöglichen können, wird in dem von Lea Schulz entworfenen Material thematisiert. Sie beschreibt das Konzept, das digitale Medien und Inklusion verbindet, mit dem Begriff „Diklusion“. Das Material zum Thema Diklusion umfasst 44 Karten mit Tipps und Tools, eine digitale Version und ein Booklet mit weiteren Informationen.
In dem beigelegten Heft wird in das Thema eingeführt, die Bedeutung des Konzepts auf wissenschaftlicher Grundlage dargelegt sowie die Struktur der Materialkarten erläutert. So erhalten Lesende eine gute Grundlage, um die Tipps und Tools anzuwenden. Die Karten selbst sind in sechs Themen gegliedert und farblich voneinander abgegrenzt. Das Arbeiten mit den Karten wird durch das ansprechende und übersichtliche Layout erleichtert. Inhaltlich ist das Material sehr umfangreich, da auch das Thema Diklusion sehr komplex ist.

Meine (Levkes) Meinung:

Die umfassende Auseinandersetzung mit dem Thema Diklusion kann zeitintensiv sein. Das Kartenformat ist sehr praktisch, da die Themen kompakt zusammengefasst sind und die Karten auch einzeln (nach und nach) verwendet werden können.
Besonders interessant finde ich die Karten zu dem Thema Kooperation. Auf sieben Karten wird verdeutlicht, wie digitale Medien auch die Zusammenarbeit der Schüler:innen in heterogenen Lerngruppen fördern können. Kooperatives Lernen trägt nicht nur zum Abbau von Barrieren bei, sondern fördert auch die Sozialkompetenz und stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Als Beispiel wird hier unter anderem die Arbeit an gemeinsamen digitalen Mindmaps aufgeführt.

Leseempfehlung:
Die Karten können sehr vielfältig eingesetzt werden und sind für Lehrkräfte, Schulbegleitungen und auch Eltern eine wertvolle Ressource. Sie sind für jeden, ob schon erfahren oder Neuling im Kontext von Diklusion, ein toller Impuls, um sich mehr mit dem Thema zu beschäftigen und die vielen Vorteile einer diklusiven Lernumgebung kennenzulernen.
Ich glaube, dass die Materialkarten einen echten Mehrwert für die Lernumgebung im Klassenzimmer bieten und Lehrkräfte inspirieren können ihren Unterricht durch digitale Medien inklusiver zu gestalten. Davon werden alle Schüler:innen profitieren.

So, damit endet das Pilotprojekt „Gast-Rezension“ für heute. Freut euch bald auf mehr zur Diklusion, denn momentan läuft die Entwicklung von vielen, vielen OER-Bausteinen zur Diklusion für alle Fächer und Schulstufen. Einen davon habe ich auch beigesteuert. 🙂
Katha

Nachtrag: Eben habe ich gesehen, dass Lea Schulz mit dem Kartenset zu Gast in Thomas Mochs Podcast „Das digitale Duett“ war. Somit könnt ihr euch (ab etwa Minute 14) ganz viele kluge Gedanken zur Diklusion und dem Material aus erster Hand anhören. Viel Spaß damit!

https://www.podcast.de/episode/676004452/kartenset-diklusion-joerg-und-thomas-befragen-lea-schulz

Rezension: „Das Krawallkehlchen“

Titel: „Das Krawallkehlchen“
Verlag: Fischer Sauerländer (hier klicken)
Autorin: Madlen Ottenschläger
Illustrationen: Ramona Wultschner
ISBN: 978-3-7373-7346-3

Zum Inhalt:
Der kleine Vogeljunge Mika ist als Krawallkehlchen bekannt, weil er ziemlich laut wird, wenn er wütend ist. Also, zuerst wird er immer gelber, dann laut. Und laut wird es auch, wenn Mika traurig ist, oder ängstlich. Mikas große Gefühle (neben Wut, Traurigkeit und Angst kommen auch Stolz, Freude und Vorfreude vor) äußern sich zudem in seinem Bauch oder auch im Ganzen Körper. Krawall gibt es übrigens auch bei guten Gefühlen!
Zusammen mit Mika erleben wir eingebettet in die Geschichte vom Ausflug einen Tag lang verschiedenste Gefühle und lernen teilweise dazu auch Strategien kennen, die Mika und den anderen um ihn herum helfen, wenn die Emotion zu groß wird.

Die Illustrationen sind seitenfüllend und farbenfroh, ergänzen den Handlungsstrang direkt und bieten viele Kleinigkeiten zum Entdecken. Sie nehmen viele alltägliche Gegenstände und Umgebungen aus der Lebenswelt der Kinder auf, wie man an diesem Bild aus der Rotkehlchenhöhle ganz gut sehen kann.

Meine Meinung:
Ich mag gern mit dem kleinen Krawallkehlchen mitfühlen, auch wenn ich als vernünftige Erwachsene eher selten zum lauten Herausschreien meines Gemütszustandes neige. Mika bietet Kindern eine tolle Projektionsfläche für ihr Empfinden, weil die Anlässe oder Auslöser seiner Gefühle so direkt aus der Erlebniswelt der Kinder stammen: Ärger mit Eltern, Angst vor dem Hund, Hilfsbereitschaft, alles richtig machen wollen… Erfreulicherweise darf Mika in der Geschichte all dies fühlen, ohne dass ein Gefühl schlecht gemacht wird oder unterdrückt werden sollte. Er wird ernst genommen, was wir unseren Kindern unbedingt auch immer anbieten sollten (mehr dazu gibt’s hier). Schön finde ich es auch, dass Strategien wie Bewegung oder gegenseitge Unterstützung zum Einsatz kommen, was durchaus als Idee für Kinder geeignet ist.
Die Illustrationen gefallen mir sehr gut: klar, farbenfroh, ohne grell zu wirken, großformatig und gerade noch „nicht zu niedlich“. Die Szenen bieten viel zu sehen, z. B. verschiedene Insekten in lustigen Situationen, was das Vorlesen noch schöner macht, weil man über diese Kleinigkeiten schön gemeinsam lachen kann.

Leseempfehlung:
Ab vier Jahren wird das Krawallkehlchen vom Verlag empfohlen und eignet sich meiner Meinung nach sehr gut auch für die erste bis etwa dritte Klasse der Grundschule (vielleicht macht man dann beim Vorlesen aus dem Kitaausflug einen Schulausflug). Das Thema Gefühle wird hier sehr breit gefächert umgesetzt, weshalb das Buch auf jeden Fall auf meine Liste zu Bilderbüchern über Emotionen kommt!
Eltern sei das Krawallkehlchen auch wärmstens ans Herz gelegt, da es meines Erachtens gut dazu anregen kann, über den familiären Umgang mit „Krawall“ nachzudenken und bestenfalls reflektierte Lösungen zu finden. Im schulischen Einsatz stelle ich es mir gewinnbringend vor, die verschiedenen Gefühle zu benennen und mögliche Situationen zuzuordnen, wie es exemplarisch auf dem Gefühlsrad am Ende geschieht. Auch körperliche Marker und Strategien zum Coping lassen sich gut besprechen. So könnten kleine Krawallkehlchen in der Klasse Auswege finden und die anderen Kinder verstehen Kinder wie Mika vielleicht besser.

Vielen Dank an den Verlag Fischer Sauerländer für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Das kleine Faultier und die Hängematte“

Titel: „Das kleine Faultier und die Hängematte“
Verlag: Knesebeck (hier klicken)
Autorin: Armelle Modéré
Illustratorin: Amélie Videlo
ISBN: 978-3-95728-955-1

Zum Inhalt:
Faultier Rudi möchte eigentlich nichts anderes mehr tun, als sich gemütlich mit einem Zitronenwasser und einem Buch in seine Hängematte zu legen und den Abend zu genießen. Aber die Hängematte ist schon besetzt! So eine Frechheit! Rudi fordert die Froschdamen auf, seine Hängematte zu verlassen. Leider ist aber, als er mit seinem Getränk zurückkomt, die Ruhegelegenheit alles andere als frei – nein, es kommen immer mehr und mehr Tiere dazu, die es sich darin bequem machen.
Im Verlauf der Geschichte geht nicht nur die Hängematte kaputt, sondern wird Rudi auch noch vom Großen Schnapp gefangen – oh je! Ohne zuviel zu verraten, kann ich zumindest sagen, dass Rudi Hilfe bekommt.

Meine Meinung:
Eine niedliche Geschichte mit einem sympathischen Faultier! Mit Rudi können große und kleine Leser:innen mitfühlen, wenn er eigentlich nur seine Ruhe haben möchte, alle anderen aber eher in Partylaune sind. Schön finde ich die Message, dass man für seine Bedürfnisse einstehen darf und sollte und dafür manchmal deutlich kommunizieren muss. Wie oft entstehen im echten Leben blöde Situationen, weil Menschen nicht erkennen, was wir uns wünschen würden oder wir Bedürfnisse anderer falsch gedeutet haben. Ein wenig verwässert dieser Gedanke, weil Rudi am Ende seine Hängematte doch teilt – das lässt sich aber auf den Verlauf der Story zurückführen.

Die Illustrationen sind durchgehen ganzseitig oder fast ganzseitig und in eher gedeckten Farben gehalten. Das passt meiner Meinung nach unheimlich gut zu der Verortung der Geschichte im abendlichen Dschungel. Die Bilder spielen mit Helligkeit und Schatten, und Farbkleckse heben Details hervor. Die Tupftechnik der Hintergründe macht die Seiten fast schon zu Wimmel- oder Suchbildern – eine schöne Herausforderung fürs Auge.

Leseempfehlung:
Der Empfehlung „ab 4“ kann ich mich absolut anschließen und empfehle das Buch allen Eltern und Pädagog:innen mit Kindern im Kindergarten- und frühen Grundschulalter.
Für die Schule, wo man ja immer nach lustigen, schönen und anregenden Geschichten sucht, kann ich mir das kleine Faultier absolut vorstellen. Es bieten sich tolle Gesprächsanlässe zu meins/deins*, dem Teilen oder Zusammenhalt unter Freunden an. Eine Hängematten-Collage mit vielen Tieren und vielleicht etwas Stoff kann ich mir als Anschlussaktivität auch vorstellen.

Vielen Dank an den Verlag Knesebeck für das Rezensionsexemplar! Ein Verlag, der für zauberhafte Bilderbücher steht!

Katha

Rezension: „Die Kunst des perfekten Scheiterns“

Titel: „Die Kunst des perfekten Scheiterns – 52 todsichere Wege zum Misserfolg“
Verlag: Yes (hier klicken)
Autor: Christian Rieck
ISBN: 978-3-96905-313-3

Zum Inhalt:
In 52 überschaubaren Kapitel stellt Christian Rieck Wege vor, um Ideen, Projekte und Vorhaben möglichst effektvoll scheitern zu lassen. Natürlich (laut Vorwort) geht es ihm eigentlich darum, durch die satirische Überspitzung zum Nachdenken über Erfolgsmöglichkeiten nachzudenken – schreibt er…
Es werden verschiedene Methoden der Kommunikation, Präsentation und Ideenentwicklung thematisiert, die möglichst misserfolgversprechend sind. Viele davon werden an konkreten Beispielen näher ausgeführt, die die Lesenden durchaus an aus den Medien bekannte Konzerne und Personen erinnern. Aber natürlich nur solche, die wirklich richtig krachend, laut und möglichst öffentlich gescheitert sind, denn mit dem Scheitern im Kleinen gibt sich Rieck als überzeugter „Failist“ gar nicht erst ab.

Meine Meinung:
Nachdem ich bereits die „Anleitung zur Selbstüberlistung“ von Christian Rieck lesen durfte, wusste ich vorab, dass der Schreibstil mir sehr entgegen kommt. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die ironische Zugangsweise mich so irritieren würde, muss ich aber gestehen. Insgesamt nehme ich, vor allem in Kombination mit dem o.g. Buch und anderen Ratgebern, die ich zuletzt gelesen habe, nochmal eine Stärkung mit, welchen Weg ich weiter verfolgen möchte und was ich lieber lasse.

Leseempfehlung:
Für alle, die gern beim Lesen etwas schmunzeln und Freunde des „Gegenteiltags“ kann ich diese 52 Wege zum perfekten Scheitern wärmstens empfehlen. Und allen Rieck-Fans sowieso!

Vielen Dank an den YES-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Bastian“

Titel: „Bastian oder Wie man aus einer Ente eine Rakete baut“ (2024)
Verlag: dtv (hier klicken
Autor: Nils Kretschmer
Illustrationen: Svenja Kretschmer
ISBN: 978-3-423-76524-4

Zum Inhalt:
Zwei Geschichten laufen in diesem Buch parallel nebeneinander her: einerseits die Geschichte des zehnjährigen Bastian, der mit seinem verwitweten Vater allein lebt und den Weltraum liebt. Andererseits die Geschichte über Buzz, den Weltraumschüler, der mit einer selbst gebauten Rakete ins All fliegt.
Klassisch schwarz-auf-weiß lesen wir von Bastian, der nicht spricht, seit seine Mutter starb, aber ständig in sein schwarzes Skizzenbuch zeichnet und schreibt. Er bekommt zum Geburtstag einen Traum erfüllt, als er ein Observatorium besuchen darf. Weiß-auf-schwarz lesen wir parallel immer wieder Abschnitte des Abenteuers, das Buzz im All erlebt und das leichte Überschneidungen zur „echten“ Geschichte erahnen lässt.
Illustrationen gibt es ausschließlich in dem von Bastian gestalteten Teil des Buches. Diese sind durch den schwarzen Hintergrund sehr leuchtend, sehr detailreich und teilweise etwas verrückt anmutend (wie auch Buzz‘ Story insgesamt).

Meine Meinung:
Ein wirklich ungewöhnliches Buch, dass Nils und Svenja Kretschmer da als Debüt herausgebracht haben! Ich hab ein wenig gebraucht, mich auf den Wechsel der Erzählstränge einzulassen, der ja dankenswerterweise typografisch so gut erkennbar ist. Recht schnell wird allerdings klar, wer da schreibt und dass die verrückte Geschichte ein Weg für den scheinbar unter selektivem Mutismus leidenden Bastian ist, sich auszudrücken. Gut gefällt mir, wie die Beziehung zwischen Bastian und seinem Vater sich langsam verändert, weil plötzlich eine andere Person „ins Spiel kommt“ und er sich auf das besondere Interesse seines Sohns am Weltall einlassen kann.
Nicht zuletzt gefallen mir die Illustrationen, die Svenja Kretschmer Bastian entwerfen lässt: sie sind fantasievoll, strahlend und einfach wirklich gut gezeichnet!
Mein Fazit: anspruchsvoll, aber sehr liebenswert!

Leseempfehlung:
Da die beiden Erzählstränge schon etwas komplexer sind und vor allem die Weltall-Geschichte auch verstanden werden muss, ist die Empfehlung „ab 9“ des Verlags nicht unrealistisch – man sollte aber schon Lesserfahrung mitbringen. Auch als Vorlesebuch für Kinder ab der 3. Klasse kann ich mir „Bastian“ gut vorstellen – auch hier aber eher für Kinder bzw. in Klassen, die auch zwischen den Zeilen verstehen können und literarisch vorgebildet sind. Begleitend zu einer Sachunterrichtsreihe über das Weltall kann ich mir das Buch, vielleicht auszugsweise, gut vorstellen. Ebenso interessant kann es als Inspiration für das Erfinden eigener verrückter Geschichten in einem größeren Schreibprojekt dienen, so dass sich die Kinder an Bastian ein Beispiel nehmen können.

Vielen Dank an den dtv-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

Rezension: „Grimm und Möhrchen und die Weihnachtswette“

Titel: „Grimm und Möhrchen und die Weihnachtswette – 24 Geschichten, Lieder und Ideen zum Advent“
Verlag: dtv (hier klicken)
Autorin: Stephanie Schneider
Illustrationen: Stefanie Scharnberg
ISBN: 978-3-423-76493-3

Zum Inhalt:
Buchhändler Grimm und sein Zesel Möhrchen durfte ich euch schon einmal vorstellen. Dieses Mal begleiten wir die beiden Freunde durch die Adventszeit. In der gewohnt verspielten, etwas eigentümlichen Art wollen sie sich an keinem der 24 Tage langweilen, was auch gelingt. Jedes Kapitel beginnt mit einem Bild des Weihnachtsbaums, an dem täglich ein neues Schmuckstück angehängt wird (siehe Fotos). So kann man einerseits zurückblicken auf bisherige Geschichten, andererseits immer zu Beginn überlegen, wofür das Neue wohl stehen könnte. Von Vorlesen über Backen, Kuscheln, Budenbauen und Geheimspaziergänge sind dann viele verschiedene Aktionen und Lieder in die Geschichten um das liebenswerte Paar verpackt, in denen auch alte Bekannte wie die „Freiwillige Feline“ nicht fehlen. Ergänzt wird das Buch multimedial durch QR-Codes, über die man sich die Lieder auch anhören kann.

Meine Meinung:
Da ich das Zeselchen und den gutmütigen Grimm bereits beim ersten Lesen sehr ins Herz geschlossen hatte, habe ich mich über dieses Rezensionsangebot besonders gefreut. Die ehemalige Grundschullehrerin Stephanie Schneider hat meiner Meinung nach wieder überzeugend geliefert: die Figuren sind noch genauso leibenswert schrullig und haben einen Hang zu Wortneuschöpfungen und -umdeutungen, wie ich es mag. Die 24 „Geschichten, Lieder und Ideen zum Advent“ sind dementsprechend wirklich mal etwas Anderes als in ähnlich angelegten Sammlungen, die es ja zu kaufen gibt. Einen Geheimspaziergang durchs Dorf zu unternehmen oder einen Bilderanfang weiterzumalen, Sterne zu zählen oder gestreifte Plätzchen zu backen – das alles kam hier auch bei den größeren Kindern ganz wunderbar an. Außerdem ist fast alles spontan anzugehen, ohne großartige Vorbereitung. Besonders erfreulich finde ich zudem, dass es immer wieder um Freundschaft, Nächstenliebe, das nichtmaterielle Geben, kleine Freuden und liebe Worte geht – also ganz viel um das Herz von Weihnachten!

Leseempfehlung:
Der Verlag empfiehlt das Buch ab fünf Jahren – ich ergänze mal ein „bis 99“.
In wohl jeder Familie dürfte dieser mittlerweile vierte Band der Reihe gut ankommen. Ebenso gut wie in Kitagruppen passt die Geschichte aber meiner Meinung auch in eine erste oder zweite Klasse als literarischer Adventskalender. Es gibt viel zu entdecken und auf die Ohren und vielerorts lassen sich schöne Spielideen ableiten. Besonders schön stelle ich es mir auch vor, die Tannenbaumseiten groß zu projizieren und mit den Kindern das neuste Ornament zu suchen und zu erraten, worum es geht (Sprachförderung, ick hör dir trapsen!).
Sorry, dass meine Empfehlung für 2024 schon zu spät kommt, aber der nächste Advent kommt bestimmt!

Vielen Dank an dtv für das Rezensionsexemplar!

Adventliche Grüße,
Katha

Rezension: „Konflikt der Generationen“

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Titel: „Konflikt der Generationen. Von den Boomern bis zur Generation Z
Verlag: YES (hier klicken)
Autor: Rüdiger Maas
ISBN: 978-3-96905-333-1

Zum Inhalt:
Nach der Klärung des uneinheitlich ausgelegten Generationenbegriffs stellt der Autor anhand von fiktionalen Charakteren die Besonderheiten der Generationen der letzten rund 100 Jahre vor: Beginnend bei Erna als Stellvertreterin der Kriegsgeneration über Christian und Markus aus der Generation X bis zu Ben und Mia aus der Generation Beta, deren Geburt noch bevorsteht. Dabei stellt er typische, gar stereotype Aussagen und Verhaltensweisen zusammen, beleuchtet aber auch, unter welchen Voraussetzungen diese Menschen jeweils aufwuchsen. Gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie z. B. die Frage nach der Gleichberechtigung. Ergänzt werden die Ausführungen hier und da mit Schaubildern aus Umfragen des Instituts für Generationenforschung des Autors.
Zuletzt wagt Rüdiger Maas einen utopischen (oder dystopischen?) Ausblick auf die nächste Generation und ihr Aufwachsen.

So definiert das Institut zur Generationenforschung die Generationen.

Meine Meinung:
Wer von sich behaupten kann, Stereotypen nicht zu verfallen und Menschen neutral gegenübertreten zu können, dem oder der kann ich nur gratulieren. An mir selbst beobachte ich immer wieder, wie ich in Schubladendenken verfalle und z.B. dem Narrativ der „alten weißen Männer“ innerlich nickend zustimme. 
In diesem Sinne fand ich „Konflikt der Generationen“ wirklich erhellend, weil ich Einblicke in meine Eltern- und Großelterngeneration bekam, die ich so bislang nicht hatte. Viele Ansichten Älterer finde ich schwer nachvollziehbar, was Maas zu meinem Glück als normal einstuft – aber durch seine prägnanten Beschreibungen der Beispielpersonen sind mir manche Positionen verständlicher geworden. Auch der Blick auf die nachfolgenden Generationen, die ich gerade einerseits zuhause habe als auch als Fachleiterin ausbilde, wurde nochmal sehr geschärft. So hoffe ich, in Zukunft etwas weniger vorurteilsbeladen an meine Umwelt heranzugehen. Und ich habe schon einige Argumente gesammelt für Gespräche mit Menschen in Familie, Verein oder beruflicher Umgebung, die „die Jugend von heute“ leicht verteufelt. 😏

Leseempfehlung:
Uneingeschränkt! Jede:r kann davon profitieren, den eigenen Geist ein wenig zu öffnen!
Für alle in Schule tätigen ganz speziell finde ich das Buch allerdings auch hilfreich, vor allem diejenigen, die keine eigenen Kinder im Schulalter haben: ihr bekommt wirklich neue Sichtweisen und müsst euch vielleicht manchmal nicht mehr so aufregen, sondern eher wissend schmunzeln. Es hilft sicher, den Umgang mit Schüler:innen, jüngeren oder älteren Kolleg:innen oder Menschen in Ausbildung professioneller zu gestalten.

Vielen Dank an den YES-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Katha

Rezension: „Disziplin. Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts“

IMG_4402Titel: „Disziplin. Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts“
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht (hier klicken)
Autorinnen: Ursula Günster-Schöning, Isabella Gölles
ISBN: 978-3-525-40049-4

Zum Inhalt:
In drei Bereichen gehen die Autorinnen zuerst auf die begriffliche Klärung des Disziplinbegriffs und seine historische Entwicklung ein, dann auf die Verbindungen zu Themenfeldern wie Resilienz, Gesundheit, Autorität etc. und zuletzt darauf, was Kinder (und Erwachsene) eigentlich benötigen, um diszipliniert zu agieren.
IMG_4401Disziplin wird zuerst einmal vom negativ konnotierten Begriff der „Zucht und Ordnung“ abgegrenzt und soll (siehe Foto) als positive Eigenschaft berachtet werden. Dafür finden die Autorinnen vielfältige Belege und Erklärungen, wie Disziplin mit Selbstregulierung, einem positiven Selbstbild und z. B. Leistungsbereitschaft zusammenhängt. Unheimlich viele pädagogische, psychologische und sozialwissenschaftliche Konzepte werden mit dem Thema Disziplin in Verbindung gebracht und dadurch ein sehr vielfältiges Bild des Leitthemas hergestellt. Neben wissenschaftlichen Belegen und Forschungsergebnissen werden subjektive Eindrücke herangezogen, die in der Gesellschaft vielfach sicher ein zustimmendes Nicken erhalten würden.

Ergänzt werden die Ausführungen durch viele Reflexionsfragen, die eine porfessionelle Arbeit mit dem Buch unterstützen.

Meine Meinung:
Das zuerst eher schmal wirkende Buch (rund 180 Seiten) hat es in sich. Schnell konnte ich nur noch mit einem Stift in der Hand weiterlesen und bald ging ich zum Notieren meiner Gedanken zu einem Miro-Board über, in dem jetzt mehr oder minder übersichtlich die vielen Vernetzungen gesammelt sind:

Wer sich meine Notizen genauer ansehen möchte, kann das hier direkt in Miro tun.

Da ich Anfragen zu meinen Notizen bekommen habe: Hier könnt ihr euch das Ganze in lesbar, zoombar, … ansehen: Miro-Board „Disziplin“

Leseempfehlung:
Wer mal wieder Lust hat, die eigenen Haltungen zu überprüfen, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Als Elternteil kann man viele Anregungen direkt herauslesen, vor allem im letzten Abschnitt. Für Lehrkräfte gibt auch einige direkt an einen selbst adressierte Tipps; hier darf man aber auch gern zwischen den Zeilen lesen und kann viel mitnehmen.

Vielen Dank an den Verlag V&R für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Damit mein Kind sich besser fühlt“

IMG_4403Titel: „Damit mein Kind sich besser fühlt“
Verlag: Vandehoeck & Ruprecht (hier klicken)
Autorin: Natalie Hissen
ISBN: 978-3-525-40047-0

Zum Inhalt:
IMG_4404Im theoretischeren Teil I (s. Foto) geht es grundsätzlich um Gefühle, Emotionen, Psychologie – ein gute Auffrischung für mich, deren Studium nun schon vor fast zwei Dekaden begann… Hier wird auch die Drei-Schritte-Methode vorgestellt: Innehalten – Validieren/Labeln – Mitgefühl. Diese wird in den folgenden Kapiteln des Teil II immer wieder auf die konkreten Gefühlszustände bezogen und angepasst. Die Kapitel beschäftigen sich mit dem Umgang mit Wut, Frustration, Eifersucht, Angst, Mutlosigkeit und Traurigkeit. Jede Emotion wird in verschiedenen Facetten erklärt und anhand von Beispielen verdeutlicht. Handlungsempfehlungen runden jedes Kapitel ab. Diese sind an Familien gerichtet, aber auch einfach in den pädagogischen Kontext zu übertragen.

Meine Meinung:
Dieses Rezensionsangebot wollte ich als Mutter sofort annehmen, war mir aber nicht sicher, ob es auch für euch Lesende dieses Blogs interessant sein könnte. Die ersten Kapitel haben mich schnell eines Besseren belehrt. Natalie Hissen gelingt es m.E. sehr gut, die für Kinder problematischen Gefühlslagen und Situationen ernstzunehmen, ohne ihnen (wie es heutzutage im Sinne einer falsch verstandenen bedürfnisorientierten Erziehung oft geschieht) alles andere unterzuordnen. Auch wenn der Titel die Kinder in den Mittelpunkt rückt, so geht es hier immer auch um das ganze soziale System, in dem die Kinder leben – vorrangig die Familie, natürlich aber auch die Schule.
An vielen Stellen habe ich meine Jungs in Beispielen oder Schilderungen wieder erkannt und mein eigenes Verhalten im Umgang mit ihnen durchaus kritisch reflektiert. Darüber hinaus aber bekomme ich umsetzbare Tipps, wie ich es besser machen kann bzw. aus welcher Perspektive ich die Situation noch betrachten könnte. Das ist wirklich handfest und hilfreich! Unheimlich wertvoll finde ich es als Mutter und Pädagogin, dass ich mich selbst nicht ausblenden muss, um das problematische Gefühl des Kindes in den Blick zu nehmen – die Autorin bezieht das Innehalten und die Selbstfürsorge (als Selbstmitgefühl) ganz zentral mit in ihre Drei-Schritte-Methode ein. Klasse!

Leseempfehlung:
Ganz klar richtet sich die erste Leseempfehlung an alle Eltern: ihr bekommt tolle Impulse für neue Sichtweisen, für Selbstmitgefühl und konkrete Anregungen dafür, wie ihr in bestimmten Situationen mit eurem Kind umgehen könnt.
Genauso finde ich aber viele Kapitel auch für (angehende) Lehrkräfte und Erziehr:innen wirklich wichtig: Gerade im oft stressigen Kita- oder Unterrichtsalltag, in dem ich oft schnell und auf Vieles reagieren muss, braucht man als Profi eine gute Routine. Vor allem die Drei-Schritte-Methode kann ich bewusst einüben, um sie im Bedarfsfall parat zu haben und einfach anwenden zu können.
Ich werde mein Buch sicher noch im Familien- und Freundeskreis verleihen, da jeder daraus wertvolle Blickwinkel mitnehmen kann!

Vielen Dank an den Verlag V&R für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha