Wichtelgeschichten erzählen für den Adventskalender

Heute gibt es hier, passend zum aktuellen Fachseminar, eine Anregung zur Förderung des mündlichen Sprachgebrauchs (Fachebene), kooperativer Lernformen (methodische Ebene) und der Medienkompetenz. Ich stelle euch meine Ideen für eine Unterrichtsreihe vor, so wie ich sie mit einer eigenen Klasse umsetzen würde.

Grundidee: Die beiden Wichtel Jule und Jasper haben dieses Jahr keine große Lust auf das übliche Weihnachtsgeschäft. Statt dem Weihnachtsmann zu helfen, büxen sie aus und wollen Abenteuer erleben. Das nutzen wir als Erzählanlass: In PA erzählen alle Kinder ein eigenes Wichtelabenteuer, die die Klasse dann wie ein Adventskalender durch die Vorweihnachtszeit begleiten.

Mit ideogram.com habe ich dieses Bild der beiden Wichtel generiert.

Was vorher bekannt sein muss
Ich plane hier für eine fiktive 3./4. Klasse und habe dabei die Voraussetzungen meiner letzten Klassen als Maßstab gewählt. Methodisch und fachlich setze ich deshalb so Manches voraus:
– der Aufbau von Geschichten ist bekannt, Ideen wie der rote Faden oder ein Spannungsbogen müssen nicht erst neu erarbeitet werden
– die Sozialform PA mit wechselnden Partner:innen ist geübt
– der Umgang mit Audioaufnahmen in der Sprachmemo-App ist bekannt – das Überarbeiten wird neu erlernt

1. Wortschatzarbeit
Egal, ob man einen Schreibanlass oder etwas Mündliches plant: bei einem gemeinsamen Oberthema wie hier ist es unheimlich wertvoll, gemeinsam einen Wortschatz aufzubauen, zu dem alle etwas beitragen und von dem die meisten Kinder profitieren können. (Hier habe ich das am Beispiel „Winter-Gedichte“ schonmal genauer gezeigt.)
Da wir Geschichten erzählen werden, in denen die beiden Wichtel Jule und Jasper Aufregendes erleben, dies aber alles in der Vorweihnachtszeit geschieht, lohnt es sich, Sammlungen von passenden Nomen, Verben und Adjektiven anzulegen. Auch Satzanfänge könnten gesammelt oder wiederholt werden. Gern arbeite ich zum Aktivieren des Vorwissens mit einem „wachsenden Cluster“ – und das geht so:
🖊 Jedes Kind schreibt mit Bleistift alle Wörter zum Thema auf, die ihm einfallen*.
🖊 Ohne Stift treffen sich zwei Kinder und tauschen sich über ihre Begriffe aus.
🖊 Zurück am Platz nimmt jedes Kind einen andersfarbigen Stift zur hand und schreibt vom Partner neu bekommene Wörter auf.
🔁 Dies kann beliebig oft wiederholt werden.

Entweder kann danach mit allen zusammen eine Wortsammlung auf Plakaten angelegt werden oder die Lehrkraft sammelt alle Cluster ein und verarbeitet die gesammelten Wörter zu Wortschatz-Aushängen. Schön ist es, wenn im Laufe der Reihe immer wieder auftauchende Wörter ergänzt werden.

2. Erzählung planen
Im Klassengespräch oder im Kreis werden von der Lehrkraft die Aufgabenstellung und das Ziel der Reihe vorgestellt. Erste Ideen für Orte, Figuren und Handlungen können, je nach Lerngruppe, auch hier gesammelt werden.
Zuerst füllt dann jedes Kind einzeln einen Erzählplan aus und notiert dabei mögliche Orte, Figuren und Handlungsstränge (linkes Bild). Die zuvor angelegte Wortsammlung kann hier bereits ihren unterstützenden Charakter entfalten. Im Sinne des kooperativen Lernens geht es danach in PA mit dem Austausch über die Ideen beider Partner:innen weiter, in dessen Rahmen Ideen abgewogen, augewählt und in einen „Team-Erzählplan“ (rechtes Bild) zusammengeführt werden.

3. Erzählung üben
Mit ihrem Plan üben die Kinder zu zweit, ihre Geschichte zu erzählen. Vorab sollte ihnen klar sein, dass die ersten Versuche eben nur Versuche sind und eine Geschichte erst mit Übung interessant wird. Auch Kriterien für das Erzählen einer guten Geschichte müssen vor oder nach der ersten Übungsphase gemeinsam erarbeitet oder mindestens transparent gemacht werden.
Sobald ein Team sich sicher ist, dass die eigene Geschichte „fertig“ ist, geht es in eine erste Feedbackrunde.

4. Feedback
Im Sinne des Lerntempoduetts finden sich an der Haltestelle zwei Partnerteams zusammen. Sie erzählen sich gegenseitig ihre Wichtelgeschichten. Mit Hilfe der Kriterien geben die Kinder sich Feedback dazu. Wer mag, kann mit einem Kriterienbogen arbeiten, auf dem die Kinder ihr Feedback festhalten können. Besonderen Wert möchte ich dabei auf das Erhören von „Erzählgeheimnissen“** legen, für die extra Kärtchen bereitgestellt werden.
Die beiden erzählenden Kinder sollen sich Anregungen in ihrem Erzählplan notieren, um sie einbauen zu können. Auf diesen Aspekt würde ich Wert legen, um die Idee des Überarbeitens greifbarer zu machen.
Wie man Übungs- und Reflexionsphasen abwechseln kann, habe ich in dieser ähnlichen Einheit hier schonmal aus dem Fach Englisch vorgestellt.

5. Erzählung aufnehmen
Das Feedback sollte neben Tipps für die Erzählenden auch unbedingt gute Formulierungen und Ausdrücke in den Fokus nehmen. Dazu würde ich die Idee der Erzählgeheimnisse** nutzen und die Kinder ihre Zettel aus den Feedbackrunden in die Klassenrunde mitbringen lassen. Wichtig ist es hierbei, die Formulierungen in einen Kontext zu setzen und Beispielsätze mit ihnen zu bilden. Sie lassen sich am Ende gut sammeln und mit den Wortspeichern aushängen, um sie allen zugänglich zu machen.
Nach einem Austausch der ganzen Klasse über die gefundenen Erzählgeheimnisse soll jede PA die eigene Erzählung überarbeiten. Anders als bei einem Text, in den man hineinkritzeln und den man ins Reine schreiben kann, ist das Verändern einer mündlichen Erzählung schwierig: man kann zwar an jeder Stelle der Aufnahme „darübersprechen“, dabei überspielt man aber meist auch den Rest der Geschichte. Auch das Schneiden dürfte in der Klasse kaum leistbar sein. Deshalb läuft die endgültige Überarbeitung vermutlich auf eine (wiederholte) Neuaufnahme hinaus.

6. Veröffentlichung
Wenn dann alle Erzählungen fertig sind, werden sie umbenannt. Ob sie dann an die Lehrkraft gesandt werden oder in ein LMS oder auf eine digitale Pinnwand hochgeladen werden, hängt von den eigenen Vorlieben ab. Mein Weg wäre ein TaskCards-Pinnwand, weil ich sie weihnachtlich gestalten könnte. Im Dezember kann sie dann jeden Tag gezeigt und eine Geschichte angehört werden.

Bonusidee „KI“:
Wer Lust und noch ne Kunstdoppelstunde Zeit hat, könnte mit den Kindern auch noch eine bildgenerierende KI nutzen (z. B. die von fobizz, weil ohne Anmeldung), um passend zur eigenen Geschichte ein Bild zu generieren. Das wiederum würde dann die Pinnwand noch interessanter machen.

Wie immer gilt: nehmt euch aus dieser Idee mit, was ihr brauchen könnt – variiert und mixt alles und schreibt mir gern, was ihr draus gemacht habt!
Katha

*Natürlich muss das Clustern bekannt sein oder erklärt werden.

** Angelehnt an die „Schreibgeheimnisse“, die Beate Lessmann hier vorstellt.

Rezension: „Disziplin. Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts“

IMG_4402Titel: „Disziplin. Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts“
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht (hier klicken)
Autorinnen: Ursula Günster-Schöning, Isabella Gölles
ISBN: 978-3-525-40049-4

Zum Inhalt:
In drei Bereichen gehen die Autorinnen zuerst auf die begriffliche Klärung des Disziplinbegriffs und seine historische Entwicklung ein, dann auf die Verbindungen zu Themenfeldern wie Resilienz, Gesundheit, Autorität etc. und zuletzt darauf, was Kinder (und Erwachsene) eigentlich benötigen, um diszipliniert zu agieren.
IMG_4401Disziplin wird zuerst einmal vom negativ konnotierten Begriff der „Zucht und Ordnung“ abgegrenzt und soll (siehe Foto) als positive Eigenschaft berachtet werden. Dafür finden die Autorinnen vielfältige Belege und Erklärungen, wie Disziplin mit Selbstregulierung, einem positiven Selbstbild und z. B. Leistungsbereitschaft zusammenhängt. Unheimlich viele pädagogische, psychologische und sozialwissenschaftliche Konzepte werden mit dem Thema Disziplin in Verbindung gebracht und dadurch ein sehr vielfältiges Bild des Leitthemas hergestellt. Neben wissenschaftlichen Belegen und Forschungsergebnissen werden subjektive Eindrücke herangezogen, die in der Gesellschaft vielfach sicher ein zustimmendes Nicken erhalten würden.

Ergänzt werden die Ausführungen durch viele Reflexionsfragen, die eine porfessionelle Arbeit mit dem Buch unterstützen.

Meine Meinung:
Das zuerst eher schmal wirkende Buch (rund 180 Seiten) hat es in sich. Schnell konnte ich nur noch mit einem Stift in der Hand weiterlesen und bald ging ich zum Notieren meiner Gedanken zu einem Miro-Board über, in dem jetzt mehr oder minder übersichtlich die vielen Vernetzungen gesammelt sind:

Wer sich meine Notizen genauer ansehen möchte, kann das hier direkt in Miro tun.

Da ich Anfragen zu meinen Notizen bekommen habe: Hier könnt ihr euch das Ganze in lesbar, zoombar, … ansehen: Miro-Board „Disziplin“

Leseempfehlung:
Wer mal wieder Lust hat, die eigenen Haltungen zu überprüfen, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Als Elternteil kann man viele Anregungen direkt herauslesen, vor allem im letzten Abschnitt. Für Lehrkräfte gibt auch einige direkt an einen selbst adressierte Tipps; hier darf man aber auch gern zwischen den Zeilen lesen und kann viel mitnehmen.

Vielen Dank an den Verlag V&R für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

Wider das Einzelkämpfertum

Wer hier schon länger mitliest, weiß von meinem Hang, lieber gemeinsam zu planen, zu denken und zu entwickeln als allein. Mein im #twlz gelerntes, aber schon vorher lange gelebtes Motto „Sharing is caring“ wird ja u.a. in der bloßen Existenz dieses Blogs deutlich.

Momentan arbeite ich maßgeblich in zwei Teams: mit meinen Kolleginnen im Fachseminar und denen im Kernseminar. Und gerade jetzt, wo die Ferien sich ihrem Ende zuneigen, finden wieder vermehrt Planungstreffen statt. Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich wirklich tolle Teampartnerinnen habe, mit denen ich mich auch menschlich gut verstehe.* Dadurch trauen sich alle in der Runde, ihre bewährten oder auch neuen Ideen einzubringen, genauso wie es selbstverständlich ist, diese Vorschläge auch mal nicht anzunehmen. Und es ist auch ok, einen Inhalt gut zu finden, aber methodisch anders umzusetzen oder ein eigenes bevorzugtes Layout drüberzuziehen. So stellen wir gemeinsam inhaltliche und/oder methodische Gerüste auf, füllen diese mit geteilter Literatur und Material und machen dann in der Regel nochmal individuell die Anpassung an die eigene Lerngruppe, also die abschließende Gestaltung der Seminare.**

Seit ich im Schuldienst bin, war diese Art zu arbeiten für mich immer selbstverständlich. Egal ob im Referendariat, wo ich mit anderen LAA Ideen besprach, oder als Lehrerin, wo die Jahrgangsteamstunde mein wöchentlicher Fixpunkt war. Auch jetzt als Seminarausbilderin kann ich mir gar nicht vorstellen, eine eigene Suppe zu kochen und niemanden davon probieren zu lassen. Umso unverständlicher ist es für mich persönlich, dass immer noch so viel hinter geschlossenen Türen unterrichtet und vor allem auch vorbereitet wird.

Ja, wir bekommen in der Regel weder Raum in der Schule für die gemeinsame Planung noch irgendeine Entlastung in Form von Deputatsstunden. Aber das kann doch nicht das Argument gegen eine Zusammenarbeit im Kollegium sein! Die Stunde(n), die ich mit einer Kollegin gemeinsam beim Planen einsetze, spare ich mir doch daheim, weil vieles bereits fertig oder zumindest angedacht ist. Mal bereite ich etwas mehr vor und gebe es weiter, anderntags profitiere ich dafür von dem, was andere für mich mit vorbereitet haben. Niemand braucht mir zu erklären, dass es effektiver ist, wenn drei Klassenleitungen in einem Jahrgang einen eigenen Elternbrief für den gemeinsamen Ausflug schreiben oder drei Mathelehrerinnen für ihre parallelen Klassen Aufgaben und Material zusammensuchen!

Diese Grafik soll dazu ermuntern, sich bereits im Vorbereitungsdienst zu vernetzen.

Auch viele LAA kommen mit der Haltung in den Vorbereitungsdienst / das Referendariat, dass „sie es allein schaffen müssen“, um ihre Eignung unter Beweis zu stellen. Wenn diese dann an ihrer Ausbildungsschule auch keine oder wenig Zusammenarbeit erleben, ist es schwer, sie eben dazu zu ermuntern. Wie oft habe ich es schon erlebt, dass ich in einer Woche zwei UB mit dem gleichen Thema gesehen habe und die LAA wussten das voneinander gar nicht! 🙄

Mein Kern- und Fachseminar haben deshalb von mir obige Grafik bekommen in der Hoffnung, dass sie sich untereinander vernetzen – nach fachlichen oder persönlichen Interessen. Ich habe sehr klar gemacht, dass gemeinsames Planen im Ref nicht sträflich ist und sie sich gern gemeinsam Reihen und Stunden überlegen dürfen. Natürlich muss in einem UB die eigene Leistung erkennbar sein (also muss z. B. die Stunde zur eigenen Klasse auch passen) – aber wie viel cooler ist es denn, die Reihe mit einer Kollegin geplant zu haben, als sie z. B. bei eduki zu kaufen und für sich anzupassen? Im Gespräch kommt doch viel mehr rum, weil man neben Ideen auch Bedenken und Erfahrungen teilen kann. Mir geht es häufig so, dass ich eine grobe Vorplanung für ein Seminar mache und während ich diese meinen Kolleginnen vorstelle merke, wo die Schwachstellen sind – was mir allein sicher nicht so auffallen würde.

Also, wenn du das hier grad liest und dich darüber ärgerst, dass du die letzte Einheit doch wieder ganz allein vorbereitet hast: such dir erstmal einen Menschen, mit dem du die nächste gemeinsam angehen könntest. Einen kleinen Schritt schaffst du bestimmt! Sei mutig und hab Spaß!

Katha

* Bevor du jetzt einwirfst, dass du keine „netten“ Kolleg:innen hast: ich weiß, man kann diesen Aspekt nicht voraussetzen! Er ist zwar angenehm, aber für eine effektive Zusammenarbeit auch gar nicht nötig (es gibt Studien, die feststellen, dass zu homogene Teams nicht so kreativ und entwickelnd arbeiten wie heterogene).

** Eine gemeinsame digitale Plattform wie unser LogineoLMS (Moodle) hilft dabei natürlich auch ungemein: Eine:r legt dort Material, Aufgaben, Links, … ab und alle können darauf zugreifen.

Sprech-Spiel „Bleib Schwammig“ – KI im Einsatz

Vor Kurzem stieß ich in diesem interessanten Blogbeitrag von Joscha Falck auf eine Idee von Michaela Kühl: ein Spiel, bei dem die Lernenden eines von vier ähnlichen Bildern so beschreiben müssen, dass man möglichst lange nicht errät, um welches Bild es geht.

Ein Beispiel:

Ich sehe ein Haus.
Es hat ein Dach.
Am Haus wächst ein Baum.
Mehrere beleuchtete Fenster sind zu sehen.
Es gibt eine Eingangstür.
Ein Weg führt zur Eingangstür.
Das Haus hat zwei Stockwerke.
Es gibt ein Türmchen auf dem Dach.
Vor dem Haus sind Büsche zu sehen.

Bis hierhin kann man noch nicht erkennen, um welches Haus es geht. 😎

Es spielen zwei Kinder oder Gruppen gegeneinander und versuchen, möglichst viele Sätze zu schaffen, bevor das Bild erraten wird. Auch als Klassenspiel können die Bilder eingesetzt werden. Deshalb teile ich mit euch sowohl eine ausdruckbare Variante als auch die Bilder im digitalen Format fürs Board, die ihr hier herunterladen könnt.

Die Bilder habe ich mit ideogram.ai generiert, wo es in fast allen Fällen gut geklappt hat, direkt ein 4-in-1-Bild zu erhalten. Wer den Prompt nachvollziehen will: Hier kannst du schauen. Klappt das nicht (wie bei mir bei den Spielfeldern), dann generiere 4 Bilder durch Anpassen des Prompts und füge sie danach zu einem zusammen*.

Freuen würde ich mich über a) Rückmeldung zu euren Einsätzen des Spiels und b) Ideen für weitere Bilderkreationen.

Katha

* Mein eher unprofessioneller, aber hierfür funktionaler Weg ist: Alle Bilder in PowerPoint einfügen, auf gleiche Größe bringen, zusammen anordnen, dann alle markieren, Rechtsklick drauf und „als Bild speichern“.

Guter Deutschunterricht – was heißt das eigentlich?

– Untertitel: Ein Plädoyer gegen die „Verheftelung“ –

Mit dem neuen Fachseminar lag der Fokus zu Beginn der Ausbildung ganz klar auf den absoluten Grundlagen guten Deutschunterrichts und wie man solchen plant. Vor allem durch die unheimlich breite Aufstellung des Fachs ist dies gar nicht so einfach – man denke allein an die vier doch sehr unterschiedlichen Lehrplanbereiche Lesen, Schreiben, Sprechen/Zuhören und den Sprachgebrauch…
Für uns Fachleiterinnen stand in der Vorbereitung das Konzept des integrativen Deutschunterrichts im Fokus, ergänzt durch die Prinzipien guten Deutschunterrichts, die Horst Bartnitzky definiert hat.

Da wir uns nicht als reine Wissensvermittlerinnen betrachten, sondern die LAA beim Konstruieren Ihres Wissens unterstützen wollen, begannen wir deshalb nicht mit einem Vortrag darüber, was wir wichtig finden und warum, sondern mit der Frage, was die LAA für guten Deutschunterricht halten. Erfreulicherweise nannten Sie viele Merkmale, die sich im anschließenden Gespräch genau unseren vorbereiteten Modellen zuordnen ließen: die Kinder durch geeignete Inhalte und Themen motivieren, ihren Wortschatz weiter entwickeln, sie herausfordern und individuell unterstützen, Üben in Kontexten etc.

Das Konzept des integrativen Deutschunterrichts besagt, dass verschiedene Aspekte wie Lesen oder Rechtschreibung nicht isoliert geübt werden sollen, sondern dass eine Unterrichtseinheit einen thematischen Rahmen bietet, innerhalb dessen passende Texte gelesen werden, das Schreiben eine Rolle spielt und dafür auch Rechtschreibung relevant wird. Konkretisieren möchte ich das ansatzweise an einem Beispiel:
Das Sachunterrichtsthema „Ritter und Burgen“ wird auch im Fach Deutsch als Rahmen aufgenommen.
Lesen: Es kann eine thematisch passende Ganzschrift gelesen werden (z. B. Igraine Ohnefurcht) oder auch verstärkt mit Sachtexten gearbeitet werden, aus denen Informationen entnommen werden.
Schreiben: Eine Drachen-Ritterinnen-Prinzen-Fantasiegeschichte verfassen oder Tagebucheinträge, Briefe von Kindern aus dem Mittelalter. Rechtschreibung/Grammatik: Komposita lassen sich üben, ebenso Konjunktionen in Nebensätzen oder imperative, eine Widerholung der Wortarten etc.
Sprechen und Zuhören: Szenisches Spiel zur Ganzschrift, Minnegesänge vortragen o.ä.
Sprache und Sprachgebrauch untersuchen: Sprichwörter mit mittelalterlichem Ursprung verstehen lernen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen alter und moderner Sprache erkennen.

Mein Beispiel macht hoffentlich deutlich, dass sich anhand eines Oberthemas alle Lehrplanbereiche integrativ üben lassen. Optimal ist es, einen Schwerpunkt zu haben, dem die anderen Bereiche dienen. Liegt der Schwerpunkt z. B. auf dem Schreiben, hat das Üben der korrekten Schreibung des thematischen Wortschatzes eine dienende Funktion, das Vorlesen der Texte und das Gespräch darüber in einer Schreibkonferenz ebenso.

Eine wunderbare Hand-in-Hand-Situation ergibt sich mit Horst Bartnitzkys fünf Prinzipien des Deutschunterrichts:

Diese Prinzipien sind nicht neu, sondern schon im Grundlagenwerk „Sprachunterricht heute“ zu finden, das erstmals 1987 erschien, zuletzt 2019 überarbeitet wurde und immer noch kaum etwas von seiner Aktualität eingebüßt hat. Wenn man sich mit diesen Prinzipien beschäftigt, merkt man schnell, dass die Tendenz zur „Verheftelung“ des Deutschunterrichts ein Irrweg ist. Die vermeintliche individuelle Förderung durch Lies-mal-Hefte, Rechtschreibhefte, Förderhefte, Forderhefte, Sternchenhefte, Heftehefte mag dazu führen, dass Kinder von für alle gleichen Übungen nicht überfordert werden, ABER: es gibt nur noch wenige Sprechanlässe, kaum gemeinsames Arbeiten, und in der Regel kein bedeutsames, Sinn stiftendes Oberthema in solch einem Unterricht. Fachlich gesprochen: Situations- und Sozialbezug fehlen häufig, eine Bedeutsamkeit der Inhalte ist nicht gegeben (außer ein Heft zu beenden, um das nächste zu bekommen) und Sprachbewusstheit wird sich ohne gemeinsames Kommunizieren über Sprache nicht einstellen.

Dabei ist es gar nicht so schwierig, im Sinne der fünf Prinzipien und integrativ Deutsch zu unterrichten. Material muss ich mir eh zusammensuchen, das zu meiner Lerngruppe passt. Das tue ich dann eben zu einem thematischen Schwerpunkt. Nehmen wir die neu eingeführte NRW-Lesezeit (3x wöchentlich 20 Minuten lesen – egal in welchem Fach): ich benötige Texte, die gelesen werden können. Diese Texte wähle ich dann eben u.a. danach aus, dass sie zum aktuellen thematischen Rahmen passen. Sonst kann man Leseflüssigkeit üben wie man will, ohne auch nur einen Funken Leselust zu wecken.

So, genug für heute. Wer sich noch in das Thema vertiefen möchte, dem seien neben „Sprachunterricht heute“ zwei aktuelle Artikel von Horst Bartnitzky ans Herz gelegt, die man hier (Inklusive Didaktik – haben wir längst!) und hier (Fächer oder Themen? Unterricht mehrperspektivisch und integrativ planen) findet.

Viel Spaß damit!
Katha

SeminarBlog: Timeline zur berufsbezogenen Biografie

Der Start in den Vorbereitungsdienst (aka Referendariat) ist spannend, anstrengend und oft auch gefürchtet, da es ja leider mehr negative als positive Äußerungen im Netz zu lesen gibt.

Um direkt zu Beginn in meinem neuen Kernseminar den Auftrag der Stärkenorientierung erlebbar zu machen, habe ich mich für den methodischen Zugang der berufsbezogenen Biografie mit einer Timeline entschieden. Das Instrument kenne ich aus meiner Coachingausbildung und habe es etwas abgewandelt, um es mit allen gemeinsam durchzuführen.

Wir begannen zur Einstimmung mit einem Blick in die Zukunft: „Wie will ich als Grundschullehrkraft sein?“ Zuerst kurz darüber nachdenken, dann aus einer Auswahl von Bildern eines auswählen und mit Hilfe der dadurch zusätzlich zur Kognition angesprochenen emotionalen Intelligenz ein Ziel bzw. Motto formulieren.
Jede:r LAA/LiA hatte nun einen eigenen Tisch mit einer langen Papierbahn darauf und einem längeren Stück Wolle. Diese galt es zuerst so auszulegen, dass sie grob den eigenen Lebensweg darstellt. Die Position von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft legte jede:r für sich selbst fest, um dann im nächsten Schritt das Ziel anzulegen und Karten für bestimmte berufsbezogene Lebensphasen (Kita, GS, SekI, SekII/Abi, Uni/Ausbildung).

Nach dem Festlegen der äußeren Struktur der Timeline ging es ans Inhaltliche. grob gesagt führte ich anhand von Fragen langsam durch die drei Bereiche Meilensteine (was ich geschafft habe, positive Erlebnisse), Stolpersteine (Krisen, Hindernisse) und Kraftquellen (Ressourcen im weitesten Sinne). Alle hatten Moderationskarten und Klebezettel in verschiedenen Farben und Formen zur Verfügung und schrieben so lange, wie es für sie wichtig war. So entstanden ganz individuelle Darstellungen.

Symbolbild „Lebensweg“, generiert mit ideogram.ai

Mein neues Kernseminar ist eine bunte Mischung aus LAA (Lehramtsanwärter:innen) und LiA (Lehrkräften in Ausbildung, also sog. Seiteneinsteiger:innen) und diese Heterogenität wurde sehr deutlich. Die Ergebnisse bleiben privat und dienen neben der individuellen Stärkung auch als Grundlage der Selbstreflexion, die laut der NRW-Ausbildungsordnung in Perspektivgesprächen, Caochings und auch im Kolloquium ihren Platz hat.

Hiermit schließe ich diesen kleinen Einblick in die Seminarausbildung für heute.
Katha

P.S.: Da ein Vorgehen wie dieses niemanden überrumpeln sollte, habe ich natürlich zuvor angekündigt, dass Biografiearbeit mit Berufsbezug uns beschäftigen wird. Zuvor hatten wir kurz „hineingeschnuppert“, indem wir mit Figuren als Stellvertretern auf einer rudimentären Timeline den Zeitpunkt markierten, an dem unser Berufswunsch entstand.

Zeit des Umbruchs (Jahrgangswechsel)

An der Grundschule dauert ein Durchgang in der Regel vier Jahre. Bei uns am ZfsL sind endet die Ausbildung (meist) nach anderthalb Jahren. Gerade jetzt, wo der Abschied von „den Alten“ noch ganz frisch ist und das Kennenlernen der neuen LAA und LiA* noch im Gange, denke ich mal wieder verstärkt über meine Aufgaben und Ziele nach. Über ein sehr positives Feedback meiner nun „fertigen“ LAA durfte ich mich freuen und es einem sehr aufgeschlossenen, freundlichen und sozialen Jahrgang auch ebenso zurückspiegeln. Das waren schon tolle junge Leute, mit denen wir Ende April Abschied gefeiert haben, und die nun sehr unterschiedliche Wege einschlagen – vor allem regional gesehen.

Vier Jahrgänge durfte ich nun schon ausbilden: den ersten noch als reines FS Deutsch, seit dem zweiten im kombinierten FS Deutsch/Mathematik, seit dem vierten außerdem noch im Kernseminar. Das sind rund 70 neue Lehrerinnen und Lehrer, die ich ein Stück auf ihrem Weg begleiten durfte, denen ich Wichtiges mitgeben konnte, aber von denen ich auch eine Menge gelernt habe. Ich freue mich sehr, dass nach vielen Wochen der Schreibtischarbeit demnächst die Beratungen und Unterrichtsbesuche wieder losgehen, dass der Alltag wieder lebendiger und interaktiver wird. Ich freue mich darauf, neue Persönlichkeiten ind Klassenzimmern heranwachsen und sich entwickeln zu sehen! Ich bin gespannt auf einige neue Schulen, an denen ich noch keine LAA hatte (u.a. MEINE Grundschule 😎).

Was mich an meinem Team dabei immer wieder beeindruckt, ist dass wir alle zwar natürlich auf unseren bisherigen Planungen und Materialien aufbauen, dabei aber doch immer das Bestreben nach Verbesserung und Anpassung haben. Das gemeinsame Evaluieren, Grübeln, Planen, Um- und Neuplanen genieße ich sehr – vor allem, weil das etwas ist, das ich in der Schule lange vermisst habe. So starte ich jetzt sowohl ins FS als auch ins KS mit Sitzungen, die zwar schon an die von früher erinnern, aber doch andere Schwerpunkt haben und hoffentlich noch besser an die Bedarfe der LAA angepasst sind. Wissen tun wir das dann aber wie sooft erst in einigen Monaten…

Im Kernseminar ist mein aktueller Arbeitsschwerpunkt die berufsbezogene Biografie: Woher komme ich? Wohin will ich gehen? Was und wer hat mich geprägt? Inwiefern? Was für eine Lehrerin / Was für ein Lehrer will ich sein/werden? Da die Perspektive Reflexivität fest im nordrheinwestfälischen Kerncurriculum (Grundlage der Lehrer:innenausbildung) verankert ist, bestimmt sie die ersten Wochen und spielt auch in den ersten Beratungen die größte Rolle. Wie ist es bei dir, der/die du das hier gerade liest: Weißt du noch, wann du den Beschluss gefasst hast, Lehrkraft zu werden? Gab es Vorbilder oder Einflüsse? Über Kommentare würde ich mich freuen!

Das Fachseminar hat aufgrund der vielen Feiertage und der recht frühen Sommerferien nur zwei Sitzungen in diesem Quartal. Wir beginnen mit der Frage, was guten Deutschunterricht in der Grundschule ausmacht und wie man integrative Einheiten plant. Danach stehen guter Mathematikunterricht und das Planen einer aktiv-entdeckenden Unterrichtsstunde im Mittelpunkt. Beides in der Hoffnung, dass wir die Grundlagen so sicher verankern können, dass die LAA mit einem guten Gefühl nach den Sommerferien in den selbstständigen Unterricht starten können. Wenig Zeit für Vorbereitung, wie immer in einem Mai-Jahrgang.
Hast du vielleicht Lust, mitzudenken? Was macht für dich guten Deutsch- oder Mathematikunterricht aus? Hier geht es zu einem Tooltipp: Mindwendel von kits.blog, mit dem man toll Gedanken sammeln und durchs Liken auch gewichten/sortieren kann. Ich freu mich auf deine Idee!

Für heute reicht’s mit der Gedankenspinnerei und Reflexivität, denke ich.
Katha

* Bei uns im Haus laufen momentan mal wieder vier Ausbildungsgänge für die Grundschule gleichzeitig: der klassische Vorbereitungsdienst mit den Lehramtsanwärter:innen (LAA), der Seiteneinstieg ind Form von Pädagogischer Einführung (PE) für ein Fach und als OBAS für zwei Fächer und dem Ziel der vollständigen Qualifikation sowie der Anerkennungslehrgang für Lehrkräfte aus Drittstaaten (wir hatten auch schon EU-Anerkennung). Schon krass.

Seminarblog: Fotokartei für Coaching und Reflexion

Mit meinen Kolleginnen aus dem Kernseminar bin ich bei den Planungen für den neuen LAA-Jahrgang darauf gestoßen, dass wir zwar teilweise Bildkartensets aus dem Coachingbereich besitzen oder leihen könnten, aber wir eigentlich gern alle die gleiche Sammlung hätten. Da diese Kartensets (meist A5, Pappe) tendenziell teuer sind, kam die Idee auf, selbst Fotos zu sammeln und zu überschaubaren Kosten als Fotos zu bestellen (das geht bei fast allen Discountern und Drogerieketten für meist unter 20ct).

Wer hier schon länger liest, hat bemerkt, dass ich gern fotografiere und meine Festplatte entsprechend voll ist. Also habe ich die Herausforderng angenommen, 20 bis 30 Bilder herauszusuchen. Allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, dass ich mich so schwer entscheiden kann und so viele geeignete Bilder finde…

Also habe ich meine Auswahl von über 100 Bildern gesammelt auf einer Pinwand abgelegt und die Kolleginnen um Auswahl durch Likes gebeten – nun können wir individuell unsere Kartei zusammenstellen. Falls ihr die Fotos auch brauchen könnt, dürft ihr sie gern nutzen. Ich gebe sie unter der Lizenz „cc by nc“ weiter – ihr könnt sie also kostenfrei nutzen, dabei irgendwo erwähnen, dass sie von mir sind, aber sie nicht verkaufen, auch nicht eingebunden in Material.

Viel Freude mit den Fotos!
Katha

SeminarBlog: Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz (KI) ist momentan in aller Munde. Vom potentiellen Heilsbringer der Bildung zum Todesstoß derselben ist in den Medien eine große Vielfalt in der Berichterstattung zu finden. Vor allem für die weiterführenden Schulen stellt sich durch textgenerierende KI wie ChatGPT sicher die Frage, ob traditionelle Aufgabenformate zur Textproduktion noch zeitgemäß sind, wenn die KI zum Beispiel jetzt schon Abiturprüfungen bestehen würde. Für die Grundschule spielt KI eher eine kleine Rolle, sofern man dem medialen Hype Glauben schenkt.

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Seminarausbilderin habe ich bislang den Eindruck bekommen, dass KI für die LAA irgendwo zwischen „coolem Tool“ und „Schreckgespenst“ liegt. Vor allem herrscht meines Erachtens bei ihnen viel Unsicherheit, ob und wie KI im Unterricht und der Vorbereitung eingesetzt werden darf. Wir haben als ZfsL vor einigen Wochen bereits eine Handreichung mit Grundsätzen zur Nutzung von KI herausgegeben. Nun ging es mir darum, das Thema KI noch einmal ganz praktisch aufzugreifen und habe einen Kurs in unserem LogineoLMS (Moodle) erstellt, in dem die LAA am Kooperationstag einen ganzen Vormittag lang gearbeitet haben.

Eine grundsätzliche Idee hinter meinen Materialien ist der „Pingpong-Gedanke“ von Jöran Muuß-Merholz. Er beschreibt, dass die KI mich als Lehrkraft nicht ersetzen kann und soll, sondern dass sie mir ein guter Partner beim Entwickeln von Texten und Materialien sein kann, indem meine Prompts und ihre Reaktionen gemeinsam zu einem guten Ziel führen.

Zum Einsatz kamen bei uns die anmeldepflichten, aber kostenlosen Tools Ideogram für Bilder und ChatGPT für Texte. Für die LAA; die sich lieber (noch) nicht bei einem dieser Dienste anmelden mochten, habe ich einen Klassenraum bei den Tools von fobizz angelegt, was momentan im Rahmen des Adventskalenders kostenfrei möglich, sonst aber kostenpflichtig ist.
Die erste halbe Stunde war geprägt von einer technischen Einführung am Beispiel eines Bildes und eines Textes, damit die grundsätzliche Funktionsweise und Idee des Promptens klar wurden für diejenigen, die noch keine KI-Erfahrung hatten (das waren die meisten). Danach arbeiteten alle an den Angeboten meines Lernpfades, die typische Situationen vorgaben, in denen man als Grundschullehrkraft KI nutzen kann: 1) ein Bild generieren, 2) einen Text für die Schüler:innen generieren und 3) eine Stundenplanung entwerfen lassen.

Wer selbst LogineoLMS oder ein anderes Moodle-System nutzt, darf sich hier gern meine Kurssicherung herunterladen, anpassen und nutzen. [Achtung dabei: die Aufgaben in der Lernlandkarte müssen auf jeden Fall neu verlinkt werden, da die Links darin in mein System führen.]

Die Links, die die LAA bekommen haben, sollen euch nicht vorenthalten werden (Bildungsauftrag und so):
💡 Eine Anleitung zum Prompten (was ja irgendwie eine Wissenschaft für sich bzw. ein eigener neuer Beruf zu sein scheint) hat Jan Hartwig verfasst und im #twlz, nein im #bluelz (dem Lehrerer:innenzimmer bei Bluesky) geteilt.
💡 Simone Dietsche hat eine Sammlung von verschiedensten KI-Tools zur Verfügung gestellt.
💡 Erste Gehversuche mit einer KI in der Grundschule im Rahmen einer Einheit zu Personenbeschreibungen hat Maria Kruse beschrieben – danke, Maria!
💡 Verschiedene Ideen zum Einsatz von KI-Tools in der Grundschule (Beispiel: „Der malende Roboter“) bietet auch fobizz an, dessen anmeldefreie Tools ich ja oben schon verlinkt habe. Lasst euch einfach mal inspirieren und nutzt die fertigen Entwürfe!
💡 Stefan Malter hat Ideen gesammelt, wie KI Lehrkräften bei der Unterrichtsvorbereitung helfen kann.
💡 Wie es eigentlich mit den Rechten an KI-Bildern und -Texten steht, könnt ihr hier bei irights.info nachlesen.

Gruß,
Katha

SeminarBlog: Sprachsensibler Unterricht

Aktuell steht im Fachseminar das Thema „Sprachsensibler (Mathematik)Unterricht“ auf dem Plan. Ich versuche hier mal ein Fazit der Schwerpunkte zu teilen.

Theorien:
Meine Kolleginnen und ich stellen nach der Unterscheidung von Alltags-, Bildungs- und Fachsprache das WEGE-Konzept und die Idee des Scaffolding in den Mittelpunkt.

Josef Leisen widmet sich auf der Seite sprachsensiblerfachunterricht.de intensiv dem Thema und beschreibt hier, wie sich Alltagssprache und Bildungssprache unterscheiden und welche Abstufung die Fachsprache hierbei noch zeigt. Wo die Kinder sich in ihren alltäglichen Unterhaltungen auch ohne korrekten Wortschatz oder Grammatik verstehen, bedeutet die Teilnahme am Unterricht einen höheren sprachlichen Anspruch – es werden bestimmte Begriffe zum Verständnis benötigt wie z. B. markieren, Strategien etc. Außerdem orientiert sich Bildungssprache deutlich mehr an der Schriftsprache als an der Mündlichkeit. Fachsprache wiederum erfordert eine noch genauere Kenntnis von Fachbegriffen wie addieren oder Verb.

Das WEGE-Konzept wurde von Lilo Verboom begründet und wird hier bei Pikas gut beschrieben. WEGE steht für Wortspeicher – Einschleifübungen – Ganzheitliche Übungen – Eigenproduktionen und betont, dass ein verbindlicher gemeinsamer Wortschatz für ein Unterrichtsvorhaben festgelegt wird, der visualisiert und immer wieder geübt und genutzt wird. Wichtig ist uns hierbei, dass die LAA erleben und begreifen, warum ein Wortspeicher für viele Unterrichtsvorhaben wirklich wichtig ist und dass er keine „Modeerscheinung“ ist oder etwas, das „man eben für einen UB haben muss“!
Am Beispiel von Wahrscheinlichkeiten an einem Glücksrad haben wir gemeinsam festgestellt, dass sich die Suche nach Schlüsselvokabular lohnt und man dabei nicht nur Nomen haben sollte. Das Visualisieren von Verben und Adjektiven ist zwar etwas aufwändiger, erweitert aber den bildungs- und fachsprachlichen Wortschatz der Schüler:innen ungemein.

Vor allem aus dem Sprachunterricht ist vielen von euch sicher auch das Scaffolding bekannt. Hier geht es darum, dass man „die kommunikative Handlungsfähigkeit von Lernenden mithilfe von zeitlich begrenzten sprachlichen Hilfen erweitern soll.“ (Quelle: Mercator Institut) Solche Gerüste können Satzanfänge und andere chunks sein, also Satzfragmente, mit denen man eigenständig Sätze bilden kann. Diese Hilfen werden wie ein Gerüst aufgebaut (= angeboten) und nach und nach auch wieder abgebaut (= weggelassen, wenn die SuS sie nicht mehr benötigen).

Praxis:
Diese Theorien sind eine wichtige Grundlage für den Hinterkopf und finden in einem sehr praktischen Werkzeug ihren Niederschlag: ein sog. Sprachplanungsrahmen hilft mir als Lehrkraft, bei der Planung eines Unterrichtsvorhabens die Sprache besonders in den Blick zu nehmen. Er hilft, sich zu vergegenwärtigen, welche bildungs- und fachsprachlichen Begriffe eine zentrale Rolle spielen und somit besonders im Blick behalten werden müssen. Nach der Sammlung von Wortschatz (Wortebene) und Sprachstrukturen (Satzebene) kann man dann an den Abgleich mit den Lernvoraussetzungen der Schüler:innen gehen gehen und die methodische und didaktische Planung anpassen.
Wer mag, kann unseren Planungsrahmen gern verwenden, der sich an der Vorlage von Thomas Quehl und Ulrike Trapp orientiert:

Vielleicht nimmst du ja heute die Anregung mit, dem Thema Sprache im Unterricht wieder mal ein Augenmerk zu widmen – dann hätte ich ja schon etwas erreicht… 🙂

Katha