SeminarBlog: „Würdest du lieber…?“

Ich bin definitiv zu viel online. Aaaaber online stoße ich eben immer wieder auch auf tolle Ideen, die ich nutzen, klauen oder anpassen kann. So gerade diese Woche geschehen:

Das war mal wieder so eine Idee, die ich direkt auch für die Seminararbeit vor mir sah und so dauerte es nicht lange, bis ich mir ChatGPT vorknöpfte und im Ping-Pong-Prinzip Fragen entwickelte. Eine Auswahl der Impulse habe ich dann (weil ich es eben nicht so schlicht mag) mit Canva weiter verarbeitet, so dass ich demnächst eine weitere kleine Schachtel mit Impulskarten in meinem Schrank haben werde. Anders als der Kollege werde ich vielleicht nicht jeder Gruppe eine eigene Frage zuteilen sondern mal den gleichen Impuls für alle verwenden, mal vielleicht Impulse zur Auswahl anbieten – mal sehen!
Meine LAA starten langsam aber sicher in die Prüfungsvorbereitung und da nehme ich jede Aktivität, die sie ins Nachdenken und Argumentieren, also auch ins Reflektieren bringt!

Wenn du mit diesen Impulsen arbeiten magst, nimm sie dir gern so wie sie sind: pdf-Datei

Wenn du sie für die Schule anpassen magst, kannst du auch das tun: Canva-Vorlage

Katha

Erzählanlass „Wie kommt das dahin???“

Heute gibt es mal wieder eine Idee für einen Schreib- oder Erzählanlass: Ich habe mit KI (in diesem Fall ideogram.ai) Bilder generiert, die Tiere (bzw. Personen / Dinge) in seltsamen Situationen zeigen. Alle Bilder sollen die Irritation „Wie ist das dahin gekommen?“ oder „Was ist denn da passiert?“ auslösen und die Kinder so zum Erzählen der Vorgeschichte anregen. Ein bisschen erinnert das Vorgehen an die „Genau-so-Geschichten“ von Rudyard Kipling, in denen der Autor völlig frei fantasierte Begründungen erzählt, warum Dinge so sind wie sie sind. Auch in dem Buch „Was ist denn hier passiert?“ geht es zum Beispiel darum, die Vorgeschichte zu einer seltsamen Situation zu erfinden.
Davon inspiriert, dass also das Erfinden einer Geschichte zu einem Ende ja sogar eine Aktivität des handlungs- und produktionsorientierten Unterrichts (s. dieser Blogbeitrag) ist, habe ich also folgende Bilder generieren lassen:

Die Bilder, die ihr gern nutzen dürft (aber nicht verkaufen!), bieten sich zu verschiedenen Zwecken an, die unterschiedliche Kompetenzen fördern. Ein paar Ideen möchte ich euch vorstellen:

a) als Schreibanlass: Die Kinder bekommen Zeit, sich ein es der Bilder auszusuchen und machen sich dann Stichworte zu dem Bild. Dazu kann man z. B. das Bild in A5-Größe auf ein leeres A3-Blatt kleben und rundherum Stichworte und Ideen notieren. Mit diesen Stichworten lässt sich prima eine Partnerarbeit machen, in der die Kinder sich gegenseitig ihre Ideen vorstellen und sich weitere Begriffe und Gedanken aufschreiben können.
Dann kann es in den Schreib- und danach am besten in einen Überarbeitungsprozess gehen. Eine klassische Schreibkonferenz ist ebenso möglich wie eine stärkenorientierte Autorenrunde. Als Endprodukt kann so ein witziges Geschichtenbuch entstehen, dass dann in die Klassenbibliothek kommt.

b) als Erzählanlass: Mein Favorit! Wenn man Kindern die Gelegenheit gibt, ihre Ideen mündlich auszudrücken, sind sie oft freier, kreativer und ausführlicher als beim Schreiben, da die Konzentration auf den Schreibprozess wegfällt und manche Kinder beim Schreiben auch aus taktischen Gründen eher weniger Umfang anstreben. Deshalb würde ich die Bilder zur Auswahl stellen und erstmal so beginnen wie oben: Ideen und Wörter sammeln, sich austauschen, Sammlung ergänzen. Dann wäre es (überrascht treue Lesende wohl nicht) mein Weg, die Kinder ihre Erzählung aufnehmen zu lassen. Ohne Bild wäre das z.B. in der Sprachmemos-App am Tablet möglich, mit Bild in BookCreator, Keynote, iMovie oder auch TaskCards. Mit dieser Aufnahme könnten die Kinder dann in den Austausch gehen und sich Feedback und Tipps holen. Danach wird die Erzählung neu aufgenommen. Je nach Klasse bzw. Kind sollten es ruhig zwei bis drei solcher Schleifen sein, bevor die finale Erzählung aufgenommen und in der Klasse veröffentlicht wird. Spätestens hier bietet sich TaskCards an, um die Produkte aller Kinder für alle sicht- und hörbar zu machen.

c) als Leseübung: Ich biete alle/mehrere Bilder an und Satzstreifen dazu. Jeder Satzstreifen muss dann genau gelesen und zum passenden Bild gelegt werden. Auch hier kann ich gut differenzieren, in dem ich die Eindeutigkeit der Sätze variiere. Fängt ein Satz mit „Der Elefant…“ an, weiß das Kind sofort, zu welchem Bild er gehört. Stelle ich den Satz um oder baue ich auch unpassende Sätze ein wird es schwieriger. Ebenso, wenn ich nur über „ein Tier“ schreibe, z. B. „Ein Tier ist an einer seltsamen Stelle.“ Hier könnte man auch gut eine Übung zum Thema Schlüsselwörter anknüpfen – welche Wörter helfen uns denn, den Satz zuordnen zu können?
d) als Wortschatzübung: Dazu stelle ich neben den Bildern Wortkärtchen zur Verfügung, auf denen zum Bild passende aber auch unpassende Begriffe stehen. Die Kinder sollen nur die Begriffe zum Bild legen, die passen. Hier kann ich mich sehr gut an den Lernstand anpassen: Ich kann Singular- und Pluralwörter nehmen, bei denen man genau mitdenken muss, ich kann Adjektive nutzen oder was auch immer gerade wichtig für die Lernenden ist.

Die beiden letzten Zugänge können im Sinne eines integrativen Deutschunterrichts hervorragend zum tieferen Einsteigen ins Thema genutzt werden und bieten außerdem die Chance, den Wortschatz für das mündliche oder schriftliche Erzählen auszubauen. Bestenfalls geht hier also mal wieder ganz viel Spaß an Sprache mit einem Ausbau der sprachlichen Kompetenzen Hand in Hand.

Wenn du noch eine schöne Idee hast, kommentiere sie gerne hier drunter (oder neuerdings bei Instagram). Unheimlich freuen würde ich mich auch, wenn du sebst noch passende Bilder generieren und mir für diesen Eintrag zum Ergänzen zur Werfügung stellen würdest!
Katha

Rezension: „Selbstregulation für 3- bis 6-Jährige“

Titel: „Selbstregulation für 3- bis 6-Jährige. Das Workbook für Eltern, Erzieher und Betreuer“
Verlag: Yes Publishing (hier klicken)
Autorinnen: Abbre McClain, Jacqueline Salazar
ISBN: 978-3-96905-380-5

Zum Inhalt:
Die Autorinnen, beide Psychologinnen und geübt in der Arbeit mit Kindern und Familien, klären zuerst, warum Selbstregulation für Kinder (und Erwachsene) wichtig ist und welche Aspekte diese beinhaltet. Sie klären zudem u. a. die durchschnittlichen Entwicklungsstufen von Kindern bezogen auf Kompetenzentwicklung und z. B. typisches Spielen für verschiedene Altersklassen. Immer wieder geht es um die Wahrnehmung eigener Gefühle und darum, wie ich diese bewusst beeinflussen kann – also um Selbstregulation. Die Autorinnen machen klar, dass diese anfangs durch Erwachsene begleitet, ja angeleitet werden muss.

An diesen theoretischen Beginn knüpft dann das ausführlichste Kapitel an, in dem konkrete Aktivitäten mit spielerischem Charakter vorgestellt werden, die in der Familie, einer Einzelbetreuung oder im Kindergarten umgesetzt werden können. Jede Aktivität ist wie ein Rezept mit Materialien, Ablauf, Varianten und Ideen aufgebaut. Die verwendeten „Zutaten“ sind durchweg Alltagsmaterialien, die hier und da durch Zeichnungen o. ä. ergänzt werden können.

Meine Meinung:
Obwohl der Titel ja den Fokus klar auf Kindergartenkinder legt und somit nicht direkt die Grundschule anspricht, war ich sehr neugierig auf dieses Buch. Das Thema „Selbstregulation“ ist mir zuletzt mahrfach über den Weg gelaufen, z. B. auch in diesen Büchern hier und hier. Aber auch im Konstrukt der „Exekutiven Funktionen“ spielt Selbstregulation eine Rolle und geht mit Bedürfnisaufschub/Inhibition Hand in Hand. Deren Verfall wird aktuell jedoch häufig beklagt und auch wenn ich ungern in das „früher war alles besser“ einstimme, so gibt es hier definitiv problematische Entwicklungen zu beobachten in der Gesellschaft: wir verlernen, auf Dinge zu warten und möchten alles jetzt und sofort (Shopping, Streaming…). Kinder wachsen immer öfter in Familien auf, in denen ihnen entweder alles abgenommen wird (Stichwort Helikoptereltern) oder wo sie sich selbst überlassen sind (Stichwort U-Booteltern). So oder so lernen sie dadurch nur wenig, sich selbst zu regulieren, was ihr Grundschullehrkräfte sicher in eurem Klassenzimmer häufig als Störung wahrnehmt.
Lange Rede, kurzer Sinn: die Übungen im Buch sind prima und für die Eltern unter euch allemal geeignet. Sie bieten aber auch geeignete Zugangswege an, die wir in der Arbeit mit den Schulkindern gut gerbauchen können. Einzelne Aktivitäten wie die Gefühlsgeschichten (s.u.) kann man in der Schuleingangsphase auch direkt übernehmen.
Besonders gut gefallen hat mir auch der sehr praxisorientierte Theorieteil. Er erinnert mich sehr bedacht daran, „woher unsere Kinder kommen“, also was so alles in ihrem metaphorischen Rucksack stecken kann. Und er ist eine gute Erinnerung, worauf ich bei Diagnose und Beobachtung herausfordernder Kinder verstärkt achten kann.

 

Leseempfehlung:
Für diejenigen unter euch, die Kinder von 3 bis 6 haben: auf jeden Fall empfehlenswert!
Für diejenigen unter euch, die bald einschulen: Lest ruhig mal rein! Es erweitert euren Horizont auf jeden Fall und bestärkt euch vielleicht, wie mich, in mancher Perspektive oder Haltung.

Vielen Dank an YES-Publishing für das Rezensionsexemplar!

Katha