Rezension: „Konrad – Koala mit Karacho“

Titel: „Konrad – Koala mit Karacho“
Verlag: dtv junior (hier klicken)
Autorin: Smilla Blau
Illustrationen: Katja Gehrmann
ISBN: 978-3-423-76554-1

Zum Inhalt:
Der achtjährige Juri und seine kleine Schwester Luzie werden völlig zu Unrecht von ihrer Mutter verdächtigt, die Eukalyptus-Zahnpasta geleert und das Bad verwüstet zu haben. Dabei war das, wie sich schnell herausstellt, ein Koala, der über ein Fenster in die Wohnung gekommen war. Gern würden die beiden Konrad, wie sie ihn taufen, behalten, aber im Miethaus sind keine Tiere über Katzengröße erlaubt. Also versuchen sie, Konrad vor ihren Eltern geheim zu halten – und das wird gar nicht so einfach… vor allem, weil Konrad gern und laut quiek-quäkt!
Alle Hausbewohner:innen vom Kindes- bis ins Rentenalter spielen irgendwie ihre Rolle in dieser verzwickten, von Heimlichtuereien gespickten Geschichte.

Meine Meinung:
Meinem Sohn und mir hat Konrads Geschichte sehr gut gefallen. Sie fing sehr ruhig an, nahm dann aber amüsant Fahrt auf. Die naiv-kindliche Perspektive von Juri und Kindergartenkind Luzie ist für Kinder noch nachvollziehbarer als für mich vernunftgesteuerte Erwachsene, weshalb mein Sohn öfter gelacht hat als ich. Was ich mag ist die Selbstständigkeit der Kinder, die ganz allein Probleme lösen oder sich auch mal Helfer:innen in der Hausgemeinschaft suchen. Schön für die Zielgruppe ist es auch, dass die Kinder Erfolg haben und wirklich etwas bewegen. Die beiden bieten eine schöne Projektionsfläche für Zuhörer:innen und Leser:innen, die Mut zeigen und Ideenreichtum.
Die Kapitel haben eine gute Länge zum Vorlesen und teilen das Buch in passende Sinnabschnitte. Es gibt pro Kapitel mehrere, teils halbseitige, teils ergänzende Illustrationen, die in fröhlichen Farben gehalten sind und zum Schmunzeln anregen. Uns haben sie gut gefallen.

Leseempfehlung:
Für Kinder ab fünf Jahren wird das Buch vom Verlag her empfohlen. Für Kinder im Grundschulalter ist es meiner Meinung nach auch gut geeignet. Entweder als einfach nur unterhaltsame Lektüre, oder für ein Vorlesegespräch bzw. mit Zuhöraufträgen (Was fressen Koalas? Wem gehört die Katze? Wer wohnt unten im Haus? etc.) Auch lassen sich gute Erzähl- oder Schreibanlässe anbinden: die Kinder können Tipps sammeln, wie man einen Koala verstecken kann, oder die Einladungskarte gestalten und schreiben, die Juri benötigt. Spannend wäre auch so etwas wie eine Figurenkonstellation aufzustellen, da die Hausbewohner:innen gut beschrieben werden. So oder so, kann man mit dem Geheimnis um Konrad viel Freude im Unterricht haben.

Vielen Dank an dtv junior für das Rezensionsexemplar!

Katha

Digital mit Literatur arbeiten: Der Geräuschehändler

Wer hier öfter liest, kennt meine Begeisterung für einen handlungs- und produktionsorientierten Zugang zu altersgemäßer Literatur (wer neu ist, kann hier und hier ins Thema eintauchen). In den Vorbereitungen für meinen ersten Besuch auf der Leipziger Buchmesse habe ich mit einer lieben Kollegin Beispiele für einen Vortrag gesammelt, wie man sich Kinderliteratur auch auf digitalen Wegen nähern kann. Eines dieser Beispiele möchte ich heute vorstellen: Geräusche sammeln mit dem Geräuschehändler.

Bildquelle: Knesebeck (s. Link)

Auf das Bilderbuch „Der Geräuschesammler“ aus dem Verlag Knesebeck wurde ich im Jojo-Lesebuch für die 2. Klasse von Cornelsen aufmerksam, in dem ein Auszug verarbeitet ist. Schon beim Verfassen der Kopiervorlagen zu diesem Lehrwerk sprang beim Geräuschehändler meine Fantasie an. Inzwischen habe ich mir das Bilderbuch bestellt und wurde nicht enttäuscht! Die Geschichte des kleinen Ladens voller Dosen, Schachteln und Gläser, in denen der Geräuschehändler alle nur erdenklichen Geräusche gesammelt hat, ist sehr liebenswert geschrieben und gezeichnet (Kathrin Rohmann / Jule Wellerdiek sei Dank). Da es mehrere Kapitel gibt, in denen der Geräuschehändler seinen Kunden mit einer individuell zusammengestellten Geräuschemixtur hilft, bietet die Geschichte sich unheimlich gut zum Erzählen von „neuen Kapiteln“ an.

Meine Planung sieht nun, mit einem digitalen Einschlag, so aus:
Das Bilderbuch wird betrachtet und erste Assoziationen werden gesammelt, was es in diesem Laden wohl gibt. Die ersten beiden Kapitel werden in Form eines Vorlesegesprächs kennengelernt. Anders als sonst oft im Unterricht würde ich sehr viel Raum geben, selbst Geräusche zu machen – mit dem eigenen Körper, mit Gegenständen oder Instrumenten.*
Das dritte Kapitel, in dem ein Gespenst nach gruseligen Geräuschen sucht, könnte ein guter Anlass sein, die Kinder ins Handeln und Produzieren zu bekommen.** Dazu arbeite ich mit dem BookCreator, der Bild und Ton sehr einfach vereinen kann. Inspiriert vom Buch und mit Hilfe eines KI-Bildes von einem Schrank voller Gefäße habe ich mir diese Vorlage gezeichnet:

In diese Vorlage hinein können die Kinder nun scheiben (Textfeld oder Stift) und Geräusche aufnehmen, die sie für ein Gespenst hilfreich fänden. Hier habe ich schonmal gezeigt, wie man auch bei mehreren solcher Aufnahmen in einem Raum für mehr Tonqualität sorgen kann. Ein möglicher Zwischenstand kann dann so aussehen:

Wenn man am Ende die Audio-Symbole noch alle nacheinander in den Hintergrund schiebt, hat man in der Vorleseversion des BookCreator-Buches dann eine optische „glatte“ oberfläche, kann sich aber durch Tippen auf die Gefäße/Beschriftungen die Geräusche anhören. So geht das:

Wenn alle Kinder fertig sind, leite ich als Lehrkraft an, wie sie mir ihr Buch zusenden können (AirDrop bei Applegeräten), und füge aus allen Ergebnissen ein Klassenprodukt zusammen. Alternativ kann man einen Museumsgang machen, bei´dem alle Tablets in den Vorlesemodus gestellt werden, so dass die Kinder an jedem Gerät die Geräusche anhören können.

Audio-Tipp: Wer Geräusche zum Abspielen sucht (siehe *) oder auch, wer den Kindern professionelle Geräusche zur Verfügung stellen möchte, wird bei der BBC fündig, die vor einer Weile ihr Soundarchiv frei zugänglich gemacht hat – eine Wahre Fundgrube für alle, die Geräusche benötigen!

Soweit die Ideenschmiede für heute. Auf der Messe werde ich mir mal den zweiten Band „Der Geräuschhändler bekommt Post“ ansehen, der vor Kurzem erschienen ist. Viel Spaß euch erstmal beim Lesen und/oder Ausprobieren!

Katha

*Spannend ist während einer Einheit rund um den Geräuschehändler sicher auch ein Spiel/Ritual, Geräusche zu erhören, die die Lehrkraft abspielt.
**Die anderen Kapitel ermöglichen das ebenso, sind aber von den Geräuschen her anspruchsvoller. Natürlich kann man auch eigene Kunden und Wünsche erfinden lassen – das hängt auch von der Lerngruppe ab!

Rezension: „Der Dinosaurier von nebenan“

Titel: „Der Dinosaurier von nebenan“
Verlag: Knesebeck (hier klicken)
Autor: David Litchfield
Illustrationen: David Litchfield
ISBN: 978-3-95728-938-4

Zum Inhalt:
Liz ist sich sicher, dass ihr Nachbar, der allseits beliebte Tortenbäcker Herr Wilson, eigentlich ein Dinosaurier ist. Weder ihre Mutter, noch ihre Lehrerin oder eine echte Forscherin wollen ihr die allerdings glauben. Aber Liz bleibt dran und kommt hinter Herrn Wilsons Geheimnis. Leider tut dies auch die Forscherin und Herr Wilson ist in Gefahr! Zum Glück vollziehen dann aber doch einige Erwachsene einen Sinneswandel, über den ich mehr hier nicht verraten will.
David Litchfield ist Autor und Illustrator zugleich, so dass seine Bilder und Texte perfekt harmonieren. Die größtenteils ganzseitigen Illustrationen sind farbenfroh und realistisch, mehrlagig bzw. collage-artig (schwer    zu beschreiben für Nichtkünstlerinnen wie mich) und von Details geprägt.

 

Meine Meinung:
Zuerst einmal möchte ich heute schreiben, wie besonders ich David Litchfields Illustrationen finde. Sie funkeln irgendwie und laden zum verweilenden Betrachten ein. In der traurigeren Phase des Buches funkelt allerdings nichts, so dass die Bilder den Inhalt absolut stützen. Ein bisschen fies ist es aber schon, dass Herrn Wilsons Torten auf den Cover-Innenseiten sooo lecker aussehen!
Was mir an Liz‘ Geschichte gefällt ist die tolle Projektionsmöglichkeit für Kinder. Liz hat etwas beobachtet und ihre Schlüsse daraus gezogen und wird von allen Erwachsenen nicht ernst genommen. Sie sieht Wunder, die Erwachsenen sehen nichts (oder Profit bzw. Profilierungsmöglichkeiten). Umso schöner ist es doch, dass wir am Ende mit Liz zusammen glaubhaft werden und bei den Großen ein Umdenken stattfindet.

Leseempfehlung:
Ab vier Jahren ist das Buch definitiv gut zu begreifen, wie es der Verlag vorschlägt. Spannend ist es aber locker auch noch bis ins Grundschulalter hinein, meine ich. Ich kann es mir genauso gut als Vorlesegeschichte beim Schlafengehen vorstellen wie als Ausgangspunkt für ein paar Stunden fächerübergreifenden Unterrichts: weitererzählen ab der Tunnelszene (s. Foto) oder dem Entdecken von Herrn Wilsons wahrer Identität, Briefe schreiben von Liz an verschiedene Adressaten zu ihrer Vermutung, einen eigenen bekleideten Dino malen oder eine eigene Torte gestalten (Collage?), Forscheraufträge über Dinosaurier und Lesetexte dazu, … Vieles ist möglich mit Liz und Herrn Wilson.

Vielen Dank an den Knesebeck-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!
Katha

Gast-Rezension: „Kartenset Diklusion“

Titel: „Kartenset Diklusion. Unterrichtsideen für die digital-inklusive Schule“
Verlag: Beltz (hier klicken)
Autorin: Lea Schulz
Illustrationen: Nadine Roßa

Heute veröffentlich ich hier zum ersten Mal eine Rezension, die ich nicht selbst verfasst habe. Da ich aber diejenige kenne, die hinter dem Projekt steht (Lea Schulz) und weiß, dass ihre Expertise zum Thema Diklusion (digital inklusiv arbeiten) enorm ist, möchte ich dem Material gern einen Platz bieten. Viel Spaß mit der Rezension von Levke, die hier folgt:

Zum Inhalt:

Wie digitale Medien einen barrierefreien Zugang zu Bildung für alle Schüler:innen ermöglichen können, wird in dem von Lea Schulz entworfenen Material thematisiert. Sie beschreibt das Konzept, das digitale Medien und Inklusion verbindet, mit dem Begriff „Diklusion“. Das Material zum Thema Diklusion umfasst 44 Karten mit Tipps und Tools, eine digitale Version und ein Booklet mit weiteren Informationen.
In dem beigelegten Heft wird in das Thema eingeführt, die Bedeutung des Konzepts auf wissenschaftlicher Grundlage dargelegt sowie die Struktur der Materialkarten erläutert. So erhalten Lesende eine gute Grundlage, um die Tipps und Tools anzuwenden. Die Karten selbst sind in sechs Themen gegliedert und farblich voneinander abgegrenzt. Das Arbeiten mit den Karten wird durch das ansprechende und übersichtliche Layout erleichtert. Inhaltlich ist das Material sehr umfangreich, da auch das Thema Diklusion sehr komplex ist.

Meine (Levkes) Meinung:

Die umfassende Auseinandersetzung mit dem Thema Diklusion kann zeitintensiv sein. Das Kartenformat ist sehr praktisch, da die Themen kompakt zusammengefasst sind und die Karten auch einzeln (nach und nach) verwendet werden können.
Besonders interessant finde ich die Karten zu dem Thema Kooperation. Auf sieben Karten wird verdeutlicht, wie digitale Medien auch die Zusammenarbeit der Schüler:innen in heterogenen Lerngruppen fördern können. Kooperatives Lernen trägt nicht nur zum Abbau von Barrieren bei, sondern fördert auch die Sozialkompetenz und stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Als Beispiel wird hier unter anderem die Arbeit an gemeinsamen digitalen Mindmaps aufgeführt.

Leseempfehlung:
Die Karten können sehr vielfältig eingesetzt werden und sind für Lehrkräfte, Schulbegleitungen und auch Eltern eine wertvolle Ressource. Sie sind für jeden, ob schon erfahren oder Neuling im Kontext von Diklusion, ein toller Impuls, um sich mehr mit dem Thema zu beschäftigen und die vielen Vorteile einer diklusiven Lernumgebung kennenzulernen.
Ich glaube, dass die Materialkarten einen echten Mehrwert für die Lernumgebung im Klassenzimmer bieten und Lehrkräfte inspirieren können ihren Unterricht durch digitale Medien inklusiver zu gestalten. Davon werden alle Schüler:innen profitieren.

So, damit endet das Pilotprojekt „Gast-Rezension“ für heute. Freut euch bald auf mehr zur Diklusion, denn momentan läuft die Entwicklung von vielen, vielen OER-Bausteinen zur Diklusion für alle Fächer und Schulstufen. Einen davon habe ich auch beigesteuert. 🙂
Katha

Nachtrag: Eben habe ich gesehen, dass Lea Schulz mit dem Kartenset zu Gast in Thomas Mochs Podcast „Das digitale Duett“ war. Somit könnt ihr euch (ab etwa Minute 14) ganz viele kluge Gedanken zur Diklusion und dem Material aus erster Hand anhören. Viel Spaß damit!

https://www.podcast.de/episode/676004452/kartenset-diklusion-joerg-und-thomas-befragen-lea-schulz

Rezension: „Das Krawallkehlchen“

Titel: „Das Krawallkehlchen“
Verlag: Fischer Sauerländer (hier klicken)
Autorin: Madlen Ottenschläger
Illustrationen: Ramona Wultschner
ISBN: 978-3-7373-7346-3

Zum Inhalt:
Der kleine Vogeljunge Mika ist als Krawallkehlchen bekannt, weil er ziemlich laut wird, wenn er wütend ist. Also, zuerst wird er immer gelber, dann laut. Und laut wird es auch, wenn Mika traurig ist, oder ängstlich. Mikas große Gefühle (neben Wut, Traurigkeit und Angst kommen auch Stolz, Freude und Vorfreude vor) äußern sich zudem in seinem Bauch oder auch im Ganzen Körper. Krawall gibt es übrigens auch bei guten Gefühlen!
Zusammen mit Mika erleben wir eingebettet in die Geschichte vom Ausflug einen Tag lang verschiedenste Gefühle und lernen teilweise dazu auch Strategien kennen, die Mika und den anderen um ihn herum helfen, wenn die Emotion zu groß wird.

Die Illustrationen sind seitenfüllend und farbenfroh, ergänzen den Handlungsstrang direkt und bieten viele Kleinigkeiten zum Entdecken. Sie nehmen viele alltägliche Gegenstände und Umgebungen aus der Lebenswelt der Kinder auf, wie man an diesem Bild aus der Rotkehlchenhöhle ganz gut sehen kann.

Meine Meinung:
Ich mag gern mit dem kleinen Krawallkehlchen mitfühlen, auch wenn ich als vernünftige Erwachsene eher selten zum lauten Herausschreien meines Gemütszustandes neige. Mika bietet Kindern eine tolle Projektionsfläche für ihr Empfinden, weil die Anlässe oder Auslöser seiner Gefühle so direkt aus der Erlebniswelt der Kinder stammen: Ärger mit Eltern, Angst vor dem Hund, Hilfsbereitschaft, alles richtig machen wollen… Erfreulicherweise darf Mika in der Geschichte all dies fühlen, ohne dass ein Gefühl schlecht gemacht wird oder unterdrückt werden sollte. Er wird ernst genommen, was wir unseren Kindern unbedingt auch immer anbieten sollten (mehr dazu gibt’s hier). Schön finde ich es auch, dass Strategien wie Bewegung oder gegenseitge Unterstützung zum Einsatz kommen, was durchaus als Idee für Kinder geeignet ist.
Die Illustrationen gefallen mir sehr gut: klar, farbenfroh, ohne grell zu wirken, großformatig und gerade noch „nicht zu niedlich“. Die Szenen bieten viel zu sehen, z. B. verschiedene Insekten in lustigen Situationen, was das Vorlesen noch schöner macht, weil man über diese Kleinigkeiten schön gemeinsam lachen kann.

Leseempfehlung:
Ab vier Jahren wird das Krawallkehlchen vom Verlag empfohlen und eignet sich meiner Meinung nach sehr gut auch für die erste bis etwa dritte Klasse der Grundschule (vielleicht macht man dann beim Vorlesen aus dem Kitaausflug einen Schulausflug). Das Thema Gefühle wird hier sehr breit gefächert umgesetzt, weshalb das Buch auf jeden Fall auf meine Liste zu Bilderbüchern über Emotionen kommt!
Eltern sei das Krawallkehlchen auch wärmstens ans Herz gelegt, da es meines Erachtens gut dazu anregen kann, über den familiären Umgang mit „Krawall“ nachzudenken und bestenfalls reflektierte Lösungen zu finden. Im schulischen Einsatz stelle ich es mir gewinnbringend vor, die verschiedenen Gefühle zu benennen und mögliche Situationen zuzuordnen, wie es exemplarisch auf dem Gefühlsrad am Ende geschieht. Auch körperliche Marker und Strategien zum Coping lassen sich gut besprechen. So könnten kleine Krawallkehlchen in der Klasse Auswege finden und die anderen Kinder verstehen Kinder wie Mika vielleicht besser.

Vielen Dank an den Verlag Fischer Sauerländer für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Katha

Prüfungskultur & Leistungskonzepte in der GS

Heute war ich Teilnehmerin und Teilgeberin bei einem Barcamp – nicht zum ersten Mal, aber zum ersten Mal so aktiv beteiligt. Eingeladen hatte ein regionales Netzwerk, das sich schulformübergreifend mit Lern- und Prüfungskultur beschäftigt und dabei Duos aus verschiedenen Schulen seit über einem Jahr mit ihren Ideen und Projekten vernetzt.

Besonders bewegt hat mich heute eine Session, die ich mit einer Fragestellung ins Leben gerufen hatte und die zu 45 Minuten intensivstem Austausch führte: Leistungskonzepte (Deutsch) in der Grundschule.
Mein Bezug dazu ist aktuell maximale Irriitiertheit: in der Grundschule haben wir (anders als die Sekundarstufen) in NRW keine Vorgaben außer „in Klasse 3 und 4 gibt es schriftliche Arbeiten“ und dass nicht zwei an einem Tag geschrieben werden dürfen. Nirgendwo (!) steht, dass wir drei Aufsätze (😫), drei Lesetests und drei LZK Rechtschreiben/Grammatik pro Halbjahr schreiben müssen – außer in vielen Leistungskonzepten. Dadurch erlebe ich viel Stress und Druck in den Jahrgangsteams, weil man ja „noch den Lesetest schreiben“ oder „dringend die Vorbereitung für die Reizwortgeschichten hinkriegen“ muss. Viele „schöne Einheiten“ fallen deshalb hinten rüber, weil für diese keine Zeit mehr ist. Gerade LAA berichten davon, dass sie rund um einen UB mal „was Nettes“ durchführen dürfen, dann aber dringend die nächste Schreibeinheit dran ist. Integrativer Deutschunterricht? Pustekuchen! Stattdessen „Gleichschritt, Marsch!“ oder das, was ich Verheftelung nenne und sich oft als individualisierter Unterricht tarnt.

Wie kommt das? Auf die Vorgaben können wir es in diesem Fall nicht schieben – die habe ich ja oben schon erwähnt. Die problematischen Leistungskonzepte sind im wahrsten Sinne des Wortes hausgemacht, da ja jede Schule ihres festlegt. In unserem heutigen Austausch haben wir verschiedene mögliche Faktoren herausgearbeitet, woran es liegt, dass ganze Kollegien sich durch ihre Leistungskozepte ein sehr enges Korsett schnüren:

  • ein Gefühl der Sicherheit: je enger die Vorgaben, umso weniger kann man etwas vergessen
  • Transparenz für die Lehrkräfte: ich kann meine Jahresplanung an den LZK ausrichten / ich kann das prüfen, was ich später auf dem Zeugnis bewerten muss, vor allem bei Ankreuzzeugnissen
  • Transparenz für die Eltern: wir haben ihre Kinder im Blick!
  • Absicherung gegenüber Leitung und Eltern: viele schriftlich erhobene Noten erwecken den Anschein von Objektivität und Vergleichbarkeit
  • Vorbereitung für die 5. Klasse, indem z.B. dort typisch geforderte Textformen bereits erarbeitet werden
  • Diagnosefunktion: der Anspruch, immer zu wissen, was jedes einzelne Kind schon kann

Und, nicht zu vergessen, immer mal wieder auch:

  • Das haben wir immer schon so gemacht!
Symbolbild „von einer LZK zur nächsten“, generiert mit ideogram.ai (und ja, da fehlt ein Bein…)

In unserer Runde von sechs Personen haben wir aber auch konkrete Gegenentwürfe und Gedanken gesammelt, wie es auch anders ginge. Grundsätzlich waren wir uns einig, dass sich an der Form von Unterricht etwas ändern sollte (aber auch ändern kann), und dass Leistungskonzepte den Blick mehr auf die Stärken, Fähigkeiten und Kompetenzen der Kinder lenken sollten, also qualitativ. Aktuell sind sie häufig sehr quantitativ ausgelegt und dadurch tendenziell defizitorientiert (da man eher misst, was das Kind noch nicht kann).
Zudem bleibt die diagnostische Funktion oft auf der Strecke, da LZK am Ende von Unterrichtsreihen geschrieben werden und das Feedback erst kommt, wenn die nächste Reihe schon läuft. Stattdessen wäre es unserer Meinung nach gut, wenn durch standardisierte Tests oder vergleichbare Instrumente die Diagnose objektiv und vergleichbar zentral durchgeführt wird und dadurch mehr Raum im Unterricht für gezielte Förderung bleibt. Etablierte Tests wie die Hamburger Schreibprobe, das Salzburger Lesescreening oder der neu analog zur HSP angelegte Potsdamer Lesetest sind hier äußerst geeignet und bieten teilweise auch eine digitale Auswertung, die sehr klar Förderbereiche ausweist. Das bedeutet für den Unterricht, dass mehr individualisiert werden muss, was bestimmte Bereiche wie das Rechtschreiben angeht. Es bedeutet aber auch, dass ich in meinen Unterrichtsreihen weniger teaching to the test praktizieren muss und viel prozessorientierter an Bewertung herangehen kann (Stichwort formative assessment statt summative assessment).

Damit stehen wir schnell vor der nächsten Hürde: „Wie soll ich denn allein mit 28 Kindern individuellen Unterricht machen? Wie allen gerecht werden?“ Das sind absolut berechtigte Fragen, das will ich nicht abstreiten. Die Antwort kann aber nicht sein, dann doch lieber Unterricht im Gleichschritt zu machen und davon auszugehen, dass da schon jedes Kind auf seinem Niveau etwas draus mitnehmen kann. Die Antwort kann auch nicht sein, den Deutschunterricht noch mehr zu zerteilen und Lesezeiten, Rechtschreibstunden und Deutschstunden auseinander zu ziehen, so dass vom integrativen Grundgedanken nichts mehr übrig bleibt!
In unserer Sessionrunde sprachen wir über Unterrichtseinheiten, die an einem Oberthema entlang laufen, die Stunden zum Aufbauen von Texten, Feedbackelemente und Raum für Überarbeitung genauso bieten wie thematisch angebundene Leseanlässe und exemplarische Wortschatz-, Rechtschreib- und Grammatikarbeit – aber eben unter dem einen Oberthema. Wir sind damit nah an fächerübergreifendem Unterricht (Verknüpfungen mit Sachunterricht z. B. sind zauberhaft einfach möglich) oder projektorientiertem Lernen.
Wir sprachen außerdem über Wege, wie man auch im Korsett eines eng gefassten Leistungskonzepts „ausbrechen“ kann, zum Beispiel mit Formaten wie der Vier-Wochen-Schreibaufgabe. Ein weiteres, deutlich offeneres Format ist die Freie Schreibzeit, die sich konzeptuell nach Beate Leßmann richtet und so ähnlich auch hier zu finden ist. Zum Schwerpunkt Rechtschreibung stellte eine Teilnehmerin/Teilgeberin vor, wie sie mit der Rechtschreibleiter (ausgehend vom Material des Finken-Verlags) arbeitet: Die Kinder erarbeiten sich eine Stufe, z. B. die Doppelkonsonanten, und verfassen als Abschluss und Kompetenzbeweis einen Lernzettel bzw. ein Merkblatt. Besonders charmant daran fanden wir, dass neben dem inhaltlichen Lernen hier Lernstrategien en passant vermittelt werden, die die Kinder zeitlebens weiter bringen dürften.

Ach, ich könnte ins Schwafeln kommen, weil so viele Anschlussideen in meinem Kopf Samba tanzen. Unser Fazit aus der Session war der Wunsch, dass Grundschulen aus dem „so wie immer“ ausbrechen und ihre durchaus vorhandenen Freiheiten nutzen, um den Kindern mehr Lernen zu ermöglichen und auch sich selbst zu entlasten.

Wenn du bis hierhin gelesen hast: Danke! Vielleicht magst du deine Gedanken oder konkrete Ideen als Kommentar dalassen? Ich würde mich total freuen, weil dieses Thema eins meiner Herzenthemen darstellt.

Katha

Kinder! :-)

In den letzten Tagen sind mir besonders zauberhafte Kinder in Unterrichtsbesuchen begegnet: Kinder, die mir die Tür aufgehalten haben, Kinder, die Sachen sagen wie „Entschuldigung, das habe ich nicht verstanden.“ oder Kinder, die gegenseitig auf ihre Sachen aufpassen.

Warum mir das einen eigenen Eintrag hier im Blog Wert ist? Weil ich mich intensiv reflektiert habe. Mich beschäftigte es, dass mir diese Kinder so besonders positiv aufgefallen waren. Ich fragte mich, warum. Weil ich sonst nur Gemecker und Geschimpfe erlebe und Ärger und Respektlosigkeit oder sogar Diebstahl?
Nein! Das erlebe ich gar nicht so viel, selbst in den schwierigsten Klassen, die ich in Besuchen so erlebe. Ich glaube, ich bin ein bisschen in die „früher war alles besser“-Falle getappt – und das ist nicht gut und das tut mir nicht gut!

Symbolbild „Kinder beim Lernen“, mit ideogram.ai generiert.

Also habe ich mir nochmal durch den Kopf gehen lassen, wie ich Grundschulkinder aktuell vor allem erlebe. Und ja, es gibt die Verzogenen, die Egozentrischen und die, die keine Grenzen kennen(gelernt haben). Aber die meisten Kinder schauen mich als Besucherin neugierig bis interessiert an, manche erzählen oder zeigen mir auch etwas oder stellen mir Fragen. Viele Kinder stürzen sich hochmotiviert in die von den LAA vorbereiteten Lernszenarien und kommunizieren meist sachlich und freundlich miteinander. Viele berichten stolz von ihren Ergebnissen, zeigen ihr Geschriebenes, Gerechnetes, Gemaltes vor und freuen sich über ein Lob oder ein anerkennendes Nicken.

Kinder sind prinzipiell wunderbar. Kinder sind ideenreich. Kinder brauchen Bewegung. Kinder brauchen Erwachsene, die sie mögen.

Wir neigen vielleicht manchmal dazu, diese ganzen positiven Interaktionen zu übersehen, weil wir die negativen in den Fokus rücken. Lasst uns doch alle mal wieder mehr auf das schauen, was gut ist im Schulalltag, was gelingt und was wir gestalten können. Daraus schöpfen wir Kraft für die anstrengenden Seiten des Tages!

Gruß
Katha

Aufräumen / digitale Ordnung

Diese Woche durfte ich mein neues Dienstgerät abholen, da der Vorgänger nach rund fünf Jahren intensivster Nutzung langsam aufgab – zum Glück hat das Land inzwischen für solche Fälle Ersatzgeräte parat! In diesem Zuge habe ich mir, als ich meine ganzen Kabel, Adapter und Sticks einpacken wollte, spontan noch ein neues Täschen eben dafür gegönnt und somit unabsichtlich das große digitale Aufräumen in Gang gesetzt.

Die externe Festplatte war durch den Rechner-Umzug eh grad aktiv und irgendwie fand ich die 4 USB-Sticks in meiner Digitasche nicht allzu zeitgemäß – also ran ans Ausmisten!
Die Sticks sind jetzt geleert und nur noch zwei täglich mit dabei: ein normaler zum Scannen am Kopierer und ein gesicherter, auf dem ich Daten aufbewahre, die ich aufheben muss, die aber nicht auf die Festplatte gehören. Eine SD-Karte hab ich jetzt gar nicht mehr dabei; die besten (schnellsten und größten) sind jetzt bei der Kamera im Kamerarucksack und drei werde ich abgeben nach dem Neuformatieren. Erstaunlich, was sich so alles ansammelt im Laufe der Jahre…

Falls es dich interessiert, was ich jetzt noch bei der Arbeit immer dabei habe, hier ein Überblick:
– zwei USB-Sticks
– ein Presenter
– je ein Kabel hdmi-hdmi, hdmi-Lightning und hdmi-USB-C, um mit meinem privaten Tablet, dem dienstlichen Tablet und dem dientlichen Notebook meinen Bildschirm spiegeln kann.
– ein Switch, um zwischen zwei Geräten flott wechseln zu können.
– ein universales Ladekabel (das gern auch mal ausgeliehen wird)
– eigentlich noch einen Adapter, mit dem ich verschiedene Speichermedien auf USB, USB-C und Lightning übersetzen kann, der ist aber grad verliehen.
So sieht das dann aus:

Was die Struktur meiner digitalen Daten angeht, so bin ich eher altmodisch und setze auf Ordner und gute Namen statt auf Tags. Für mich funktioniert es so am besten und die Suchfunktion des Notebooks leistet im Zweifelsfall gute Dienste… Was ich dringend aber noch lernen bzw. ritualisieren muss, ist das Synchronisieren von Notebook und Speicherstick – das ist händisch schon echt nervig!

Was auch immer ihr dieses Wochenende macht – aufräumen oder ausruhen – habt es schön dabei!
Katha

Rezension: „Das kleine Faultier und die Hängematte“

Titel: „Das kleine Faultier und die Hängematte“
Verlag: Knesebeck (hier klicken)
Autorin: Armelle Modéré
Illustratorin: Amélie Videlo
ISBN: 978-3-95728-955-1

Zum Inhalt:
Faultier Rudi möchte eigentlich nichts anderes mehr tun, als sich gemütlich mit einem Zitronenwasser und einem Buch in seine Hängematte zu legen und den Abend zu genießen. Aber die Hängematte ist schon besetzt! So eine Frechheit! Rudi fordert die Froschdamen auf, seine Hängematte zu verlassen. Leider ist aber, als er mit seinem Getränk zurückkomt, die Ruhegelegenheit alles andere als frei – nein, es kommen immer mehr und mehr Tiere dazu, die es sich darin bequem machen.
Im Verlauf der Geschichte geht nicht nur die Hängematte kaputt, sondern wird Rudi auch noch vom Großen Schnapp gefangen – oh je! Ohne zuviel zu verraten, kann ich zumindest sagen, dass Rudi Hilfe bekommt.

Meine Meinung:
Eine niedliche Geschichte mit einem sympathischen Faultier! Mit Rudi können große und kleine Leser:innen mitfühlen, wenn er eigentlich nur seine Ruhe haben möchte, alle anderen aber eher in Partylaune sind. Schön finde ich die Message, dass man für seine Bedürfnisse einstehen darf und sollte und dafür manchmal deutlich kommunizieren muss. Wie oft entstehen im echten Leben blöde Situationen, weil Menschen nicht erkennen, was wir uns wünschen würden oder wir Bedürfnisse anderer falsch gedeutet haben. Ein wenig verwässert dieser Gedanke, weil Rudi am Ende seine Hängematte doch teilt – das lässt sich aber auf den Verlauf der Story zurückführen.

Die Illustrationen sind durchgehen ganzseitig oder fast ganzseitig und in eher gedeckten Farben gehalten. Das passt meiner Meinung nach unheimlich gut zu der Verortung der Geschichte im abendlichen Dschungel. Die Bilder spielen mit Helligkeit und Schatten, und Farbkleckse heben Details hervor. Die Tupftechnik der Hintergründe macht die Seiten fast schon zu Wimmel- oder Suchbildern – eine schöne Herausforderung fürs Auge.

Leseempfehlung:
Der Empfehlung „ab 4“ kann ich mich absolut anschließen und empfehle das Buch allen Eltern und Pädagog:innen mit Kindern im Kindergarten- und frühen Grundschulalter.
Für die Schule, wo man ja immer nach lustigen, schönen und anregenden Geschichten sucht, kann ich mir das kleine Faultier absolut vorstellen. Es bieten sich tolle Gesprächsanlässe zu meins/deins*, dem Teilen oder Zusammenhalt unter Freunden an. Eine Hängematten-Collage mit vielen Tieren und vielleicht etwas Stoff kann ich mir als Anschlussaktivität auch vorstellen.

Vielen Dank an den Verlag Knesebeck für das Rezensionsexemplar! Ein Verlag, der für zauberhafte Bilderbücher steht!

Katha

20 Jahre Schule 😱

Am 01.02.2005 begann mein Referendariat. Das ist tatsächlich inzwischen ganze zwanzig Jahre her. Irgendwie surreal…

Am 01.02.2005 wurde ich offiziell vereidigt, zusammen mit einem ganzen Haufen weiterer Referendar:innen – oder besser gesagt: LAA. Das hat der Seminarleiter direkt deutlich gemacht, dass dieser „Titel“ den angehenden Gymnasiallehrkräften vorbehalten sein. Diesen Teil der Klassengesellschaft haben wir inzwischen abgelegt (wenn auch viele andere leider noch nicht).
Ich erinnere mich dunkel an eine Kapelle, in der wir alle die Hand heben und den Diensteid mitsprachen. An das Gebäude, in dem ich die ersten Monate lernte, habe ich keine Erinnerung mehr. Bald zog das Seminar um, aber gut Erinnerungen habe ich an das „neue“ Gebäude eher nicht*. Inzwischen ist das Haus längst Geschichte und das heutige ZfsL ist in einem wunderbaren Altbau mitten in der Innenstadt gelegen.

Am 01.02.2005 lernte ich, auch wenn ich das damals noch nicht wusste, eine Freundin fürs Leben kennen. Hej, Sonni! 👋🏼 Wir hatten zwar keines unserer drei Seminare gemeinsam und trafen uns erst gegen Ende der Ausbildung in einer Lerngruppe, aber es ist ja niemlas zu spät, wertvolle Menschen kennenzulernen. Den einzigen anderen Menschen, der aus dieser Zeit in meinem Leben geblieben ist, traf ich hier auch zum ersten Mal: meine SU-Fachleiterin Rita – Hallöchen 👋🏼! Danke, dass es euch beide gibt!!! Etwa ein Jahr später lernte ich dann eine weitere Fachleiterin kennen, mit der ich zwar nicht in Kontakt blieb, die mich aber viele Jahre später als Ausbilderin ans Seminar holte.

Am 01.02.2005 hatte ich schon drei Wochen an meiner Ausbilungsschule hinter mir. Da ich im Januar nix zu tun hatte, fragte ich einfach mal, ob ich den Monat zum Hospitieren als freiwilliges Praktikum nutzen dürfte. Ich durfte und hatte so die Chance, von meiner Vorgängerin toll eingeführt zu werden und mein Kollegium und die überschaubaren vier Klassen bereits kennenzulernen. Das war auch gut, denn im Prinzip startete ich dann im Februar direkt mit einer Woche als Vertretung der Klassenlehrerin der ersten Klasse, die ich ja nun schon kannte (und die Schulleitung mich – sonst wäre das gar nicht sinnvoll gewesen).
Die Ausbildung an einer Dorfschule, wie sie im Buche steht (4 Lehrerinnen, knapp 80 Kinder) war wunderbar, anstrengend, ein Segen, anspruchsvoll, lustig, hilfreich … und insgesamt einfach nur richtig gut. Rückblickend betrachtet bin ich froh, während des Studiums bzw. in den Semesterferien viele freiwillige Praktika absolviert und viel Zeit an Schulen mit sehr anspruchsvoller Schülerschaft verbracht zu haben. Ansonsten wäre ich wohl etwas illusioniert aus dem Ref gekommen.

Am 01.02.2005 begann ich damit, wirklich Geld zu verdienen. Für jemanden, der aus Sozial- bzw. Jugendhilfe und BaföG kommt, war das Gehalt einer Referendarin ein finanzieller Segen. Ich konnte jetzt guten Gewissens mein Auto finanzieren und den Nebenjob etwas herunterfahren. Behalten habe ich den übrigens bis nach dem Ende des Refs.

Am 01.02.2025 blicke ich nun also auf zwanzig spannende Jahre als Lehrende im System Schule zurück. Zwei Jahre Ausbildung, ein Monat Arbeitslosigkeit, zweieinhalb Jahre in verschiedenen schön auf 28 Stunden gerechneten Vertretungsverträgen in einem Nachbarkreis und inzwischen 14,5 Jahre fest an „meiner“ Schule in meinem Wohnort.
Ich schaue aber auch auf jetzt schon fast sieben Jahre als Seminarausbilderin/Fachleiterin zurück: zuerst 18 Monate als FL in Deutsch, seitdem als FL im kombinierten Fachseminar Deutsch/Mathematik**, und seit gut zwei Jahren auch mit einem Kernseminar**.
Auch als Referentin und Autorin bin ich somit schon fast zwanzig Jahre aktiv, denn ich Irre habe damit tatsächlich bereits im Ref angefangen. Aber weiterhin ist das ein Gebiet, das ich sehr mag, wenngleich mein thematischer Schwerpunkt sich von SU zu Deutsch und vor allem zum Einsatz digitaler Medien verschoben hat.
Nicht zuletzt darf mein Rückblick diesen Blog nicht außer Acht lassen, der nun auch schon auf den elften Geburtstag zueilt. Aus einer spontanen Idee geboren, ist diese Plattform mein Gedächtnis, meine Reflexionsebene, ganz manchmal meine Kotztüte und vor allem immer wieder einfach ein gutes Gefühl.

Am 01.02.2025 freue ich mich einfach mal besonders darüber, dass ich mich für den schönsten Beruf der Welt entschieden habe, dass ich mir meinen Weg erkämpft und die Ausbildung durchgezogen habe. Es ist doch schön sagen zu können, dass man seinen Job gern macht. Ich hoffe, dass es euch (zumindest im Großen und Ganzen) auch so geht.

Auf die nächsten 20 Jahre!
Katha

* Das liegt mehr am Gebäude als an den Seminaren – nicht, dass mich jemand falsch versteht.

** Lest nach, wie Grundschul-LAA in NRW ausgebildet werden, wenn es euch interessiert. 🙂