Digitale Unterrichtsvorbereitung

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Photo by Kari Shea on Unsplash

Inspiriert von der wunderbaren Frau Locke, die wiederum durch eine Instagram-Challenge inspiriert wurde, möchte auch ich heute mal beschreiben, welche digitalen Hilfsmittel ich zur Vorbereitung meines Unterrichts bzw. meiner Fachseminararbeit nutze.

1. Ausstattung (Hardware)
Schon immer nutze ich privat ein Notebook mit aktuellem Microsoft Office. An zusätzlicher Hardware gibt es nur einen Drucker mit Scanfunktion; eine Webcam ist im Notebook enthalten. In den letzten Jahren habe ich mit unserem Familien-iPad auch schon ein bisschen herumprobiert und ergänze durch dieses vor allem kreative Aspekte.

Da ich ja in zwei verschiedenen Institutionen tätig bin, plane ich auch zweigleisig für zwei verschiedene Austattungen:
In der Schule gibt es bislang anderthalb Computerräume sowie eine inwzischen flächendeckende Beamerausstattung plus Notebooks in den Klassen. Für dort kann ich also alles einplanen, was entweder ich präsentiere oder die Kinder an einem Desktop-PC tun können (Online-Aufgaben, Textverarbeitung, Recherchelinks…). Eine Ausstattung der Lehrkräfte mit mobilen Dienstgeräten ist in Vorbereitung.
Im ZfsL (Studienseminar) stehen große Präsentationsdisplays, die ich kabellos oder mit Kabel vom Notebook aus zum Präsentieren nutzen kann. Außerdem haben wir dort bislang einen Koffer mit iPads. Auch hier warten wir auf Dienstgeräte für die Deutsch-Mathe-Fachleitungen.

2. Ausstattung (Software)
Meine unverzichtbaren Programme sind immer schon Word und PowerPoint*. Ersteres für alle Textarbeiten und die meisten Arbeitsblätter. Zweiteres natürlich für Präsentationen (ZfsL), aber vor allem auch für viele grafische Kleinigkeiten: ich kann darin Formen schnell nutzen, verschieben, ausrichten, kombinieren und so. Die Greenscreentechnik aus dem FakeNews-Beitrag letztens kann ich zum Beispiel dort auch schnell umsetzen: beide Bilder einfügen, anordnen, gemeinsam als neue Grafik speichern…
Jedem, der diese und andere Programme regelmäßig für ähnliche Arbeiten nutzt, dem empfehle ich dringend, sich mit den bestehenden Tastaturkürzeln vertraut zu machen – außer strg+c, strg+v und strg+x gibt es da noch eine ganze Menge weitere! Vor allem am Notebook beschleunigt man sein Arbeiten so enorm. Für alle wiederkehrenden Dinge kann man teils auch selbst solche Shortcuts anlegen – ich habe mir z. B. in der Symbolbibliothek in Word für die von mir häufig genutzten Pfeile oder Ankreuzkästchen Shortcuts eingerichtet, so dass ich z. B. über strg+k direkt in Kästchen im Text habe. Weitere Tipps: Windowstaste und Punkt drücken zeigt mir eine Emoji-Tastatur an und wenn man Großschreibtaste, Windowstaste und S drückt, kommt man direkt in das Ausschneidetool (früher Snipping Tool), mit dem man z.B. die in diesem Artikel genutzten Bildschirmausschnitte superschnell herstellt.
Nicht zuletzt sollte man sich alle regelmäßig genutzten Programme unten am Bildschirm in der Toolbar ablegen, um schnell darauf zugreifen zu können:
Toolbar

Außer Office habe ich nur Freeware auf meinem Notebook: Freemind zum Beispiel, eine Mindmapping-Software. Außerdem TinyPic, einen Bildverkleinerer oder oCam, ein Screencastprogramm zum Aufnehmen des Bildschirms für Erklärfilme. Diese verarbeite ich dann mit MovieMaker, einem Windows-Tool (analog gibt es auf dem Mac iMovie).
Ein pdf-Tool zum Kombinieren oder zerteilen von pdf-Dateien habe ich in pdf24 gefunden. Durch die zur Zeit häufigere Arbeit mit Videos ist noch Handbrake zum Verkleinern hinzugekommen.

An der Arbeit mit OneNote als Planungshilfe versuche ich mich momentan. Der Charme liegt ja darin, dass ich unterwegs auf dem Tablet auf alles zugreifen kann genauso wie zuhause am Notebook. Wer hier auch probieren mag, kann sich zum Beispiel bei https://onenote-fuer-lehrer.de/ schlau machen.

Nicht zuletzt nutze ich im Seminarkontext mit einigen Kolleginnen Microsoft Teams, das nun in Zeiten der Distanzausbildung auch an unsere LAA herausgeht, damit wir gut miteinander videochatten können.

3. Was ich so plane
Ihr kennt ja inzwischen viele meiner AB und meinen Stil dafür. Mit Word komme ich deshalb hervorragend zurecht und weiche für AB mit etwas mehr Formen bzw. für Spielkarten und so was auf Powerpoint aus.

Außerdem habe ich immer schon gern Hilfen genutzt, um Schüler*innen schneller zu bestimmten Internetseiten zu lotsen. Früher konnte ich in der Schule noch Tabs in unserem Browser setzen, mit denen man zumindest zu den häufiger gebrauchten Seiten kommt. Da das nicht mehr geht und sowieso nicht jede*r ein Schulnetzwerk hat und man ja nicht für jede einmal zu nutzende Seite einen Tab einrichtet, nutze ich gern Dokumente mit Links drin: einfach zuhause die URL der gewünschten Seite kopieren und in Word einfügen, dann Leertaste tippen und der Link wird zum Hyperlink. Nun kann man dazu noch etwas schreiben, wenn man will und das Dokument auf den Schul-PC packen (Netzwerk, Dateiverteilung, USB-Stick…). Durch Anklicken des Links in der Datei kommen die SuS nun genau dahin, wo sie hinsollen. So kann man wunderbar z.B. mehrere Seiten mit passenden Infos über ein Tier zuhause sammeln und die Kinder können genau diese Seiten durcharbeiten. Eigene Recherche mit Suchmaschinen kommt natürlich noch dazu, bevor jetzt jemand unkt..
Sollten wir wirklich Tablets bekommen, dann kann man dies sehr schön durch QR-Codes lösen.

In den letzten Jahren habe ich viele Fortbildungen wahrnehmen können und dabei diverse „Tools“, wie es so schön heißt, kennengelernt. Ein häufig genutzter Favorit ist Padlet (s. hier), ebenso die auch kollaborativ nutzbaren Etherpads wie zumpad.

In meiner Vorbildfunktion sowohl für die SuS als auch für die LAA habe ich gelernt, Wert auf Urheberrechte zu legen und mich auch mit der Recherche von Bildern in diesem Sinne mehr anzustrengen. Die Google-Bildersuche bietet dafür eine sehr einfache Unterstützung, die man auch GS-Kindern schnell beibringen kann:
Bildersuche
Die Einstellung „Zur Wiederverwendung gekennzeichnet“ liefert mir Bilder, die ich unter Angabe der Quelle z.B. hier oder auf einem AB verwenden kann.
Außerdem habe ich mir frei zur Verfügung gestellte Grafiken wie die von Frau Locke oder den Mompitzen heruntergeladen und nach Autor in Ordnern abgelegt, damit ich immer direkt die Quelle angeben kann.
Grafiken

Mmh, nun ist es doch ein bisschen lang geworden hier heute… das Fokussieren fiel mir etwas schwer, da so vieles bei mir am PC Hand ind Hand geht. Solltet ihr den Wunsch haben, dass ich irgendwas nochmal vertiefe, dann kommentiert oder mailt mir das gern.

Herzliche Grüße
Katha

*Natürlich kann man auch OpenSource-Software wie LibreOffice nutzen – mir persönlich sind da die Funktionen aber zu eingeschränkt bzw. zu umständlich zu erreichen. In der Schule muss ich damit arbeiten und ärgere mich oft darüber, dass ich meinen gewohnten Workflow bei Weitem nicht erreiche. Allein die Dropdown-Menüs in LibreOffice machen mich wahnsinnig.

Mona war weg – ein Schreibanlass

Momentan komme ich dazu, ein paar liegen gebliebene Blogprojekte aufzubereiten. Eines, das hier schon lange schlummert, ist dieses Beispiel aus meiner zweiten Klasse, das sich aber auch übertragen lässt auf höhere Klassenstufen:

Unser Klassentier Mona ist damals aus dem Herbsturlaub mit mir auf Norderney leider nicht zurück in die Monsterklasse gekommen. Für die Kinder gab es die Legende, dass sie Lust auf mehr Urlaub und Abenteuer hatte und deshalb erst später wieder zur Klasse käme*.
Usedom 2018 (226)Eigentlich ist das arme Ding aber wohl auf der Fähre zurück verloren gegangen und war nicht mehr aufzufinden… Zum Glück konnte ich dank des großzügigen Herstellers irgendwann Mona wieder präsentieren (da es ein Werbeprodukt war, hätte ich sie nur im Hunderterpack nachbestellen können!) und schwupps – geboren war ein toller Rede- und Schreibanlass!

Mona hat MIR nämlich leider nicht erzählt, wo sie so lange geblieben war und was sie erlebt hat. Da ich mir aber sicher war, dass sie den Kindern mehr verraten würde, durften alle Kinder Mona mal ein Weilchen nehmen und sie „aushorchen“. Dann wurde Monas Geschichte aufgemalt und dann auch aufgeschrieben.
Alle Vortexte sammelte ich ein und gab sie korrigiert zurück. Teils sollten die Kinder noch ein bisschen was ergänzen, damit die Geschichte stimmig wurde – dann schrieb jede/r seinen Text auf.

Alle Texte und Bilder sammelte ich dann zu einem Buch zusammen. Da ich die gute alte Plastik-Spiralbindung langsam nicht mehr sehen konnte, habe ich mir mal einige Präsentationsmappen im Aldi angeschafft (ihr kennt inzwischen ja meinen lippischen Geiz, der mich gern bei den reduzierten Sachen zuschlagen lässt). Die bestehen quasi nur aus Klarsichthüllen und in deren Cover kann man auch ein Blatt Papier einstecken. Bild und Text können so immer nebeneinander stehen, wenn man die Hüllen beidseitig bestückt.

Zwei Varianten sind mir noch durch den Kopf gegangen:
a) Kombination mit Greenscreen
Wenn man ein freigestelltes Foto des Klassentiers hat (s. dieser Blogbeitrag hier), können die Kinder es in verschiedenste Hintergründe einfügen und dann dazu erzählen oder schreiben.
b) Distanzlernen
Auch in der aktuellen Situation mit Unterricht aus der Ferne können Klassentiere sehr hilfreich sein – sind sie doch für viele, gerade jüngere Schüler*innen eine echte Identifikationsfigur. Wenn ihr also Klassentiere habt, sendet doch mal ein Foto herum (vielleicht auch ein bearbeitetes) und lasst die Kinder dazu schreiben. Vielleicht gibt es ja sogar noch Klassentierfotos von gemeinsamen Klassenaktionen. Ich habe unsere Mona da auch immer dabei und sie schlecht sich oft auf Bilder, die ich dann später nutzen kann.

Herzliche Grüße
Katha

* Später in Klasse 3 bekamen wir dann sogar noch Post von einem netten Monster, das Mona auf ihrer Tour an der Nordsee kennengelernt hatte – unser Einstieg in die Einheit „Briefe schreiben„.

Liste englischer Kinderbücher

Puuuh – lange ist’s her, dass ich euch zur Mithilfe aufgerufen hatte, um Bilderbücher für den Englischunterricht zu sammeln. Heute habe ich von der lieben Fenja ganz bei mir aus der Nähe eine Mail bekommen, die diese Liste noch einmal um eine ganze Menge Bücher ergänzt hat.

Hier ist sie nun in der aktuellen Fassung: Liste englischer Kinderbücher – ergänzt

Liste voller

Was mich besonders gefreut hat, sind die vielen Videolinks, die es nun auch direkt mitgeliefert gibt – danke, Fenja!

Weiterhin nehme ich natürlich gern Ergänzungen von euch auf, wenn ihr noch andere Bücher kennt oder zu den vorhandenen Ideen ergänzen mögt. Mailt sie mir einfach. 🙂

Keep healthy and stay at home!
Katha

Frohe Ostern

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Allen treuen Leserinnen und Lesern wünsche ich schöne Osterfeiertage und dass ihr sie dieses Jahr „trotz allem“ oder gerade deswegen auch genießen könnt!

Viele von uns warten ja gerade auf die dringend nötigen Ansagen der jeweiligen Bildungsbehörden, wie nach dem 19. April mit Schule und Unterricht verfahren werden soll – Planungssicherheit gibt es ja gerade keine und leider auch keine einheitlichen Regelungen deutschlandweit. Wer im #Twitterlehrerzimmer mitliest, kennt inzwischen 16 Regelungen rund um Beschulung, Ausbildung der Lehrkräfte und Abschlussprüfungen … schade!

Dennoch hoffe ich, dass ihr alle euch einen Moment der Ruhe über die nächsten Tage gönnen könnt und weiß, dass ihr alle danach wieder Vollgas geben werdet, um für eure Schülerinnen und Schüler das meiste rauszuholen, ihnen nahe zu bleiben und keinen zu verlieren. Viel Erfolg auch dabei!

Eure
Katha

Fake News selber machen

Vielleicht ist Mancher irritiert über den heutigen Titel (oder über den gestrigen gestolpert), aber ich versuche, mich zu erklären…

In der Schule neigen wir oft dazu, vor allem die Gefahren der Internetnutzung aufzuzeigen und heben dabei doch oft den mahnenden Zeigefinger.

Wenn es nun um das Thema Fake News geht, möchte ich euch heute deshalb einen anderen Weg ans Herz legen: Fake News selbst erfinden um zu merken, wie leicht man durchaus glaubwürdige Unwahrheiten verbreiten kann. Und das können auch Grundschulkinder gut selbst tun!
Was man dazu benötigt? Eine lustige Idee, ein passendes Foto und ggf. einen passenden Generator. Vorschläge und Beispiele findet ihr auch in dem wirklich empfehlenswerten Buch „Tablets in der Grundschule“ von Verena Knoblauch, in dem es u.a. ein Kapitel über Fake News gibt. Lasst euch jetzt aber vom Titel nicht abschrecken – es geht auch ohne Tablet!

Fake Primarblog

1. Die Schlagzeile
Nicht nur am 1. April kann man Menschen mit erfundenen Schlagzeilen „erfreuen“ – dieser bietet aber immer einen guten Anreiz, das Thema auzgreifen.
Die Kinder erfinden also in PA eine Schlagzeile, die frei erfunden oder zumindest maßlos übertrieben ist. Zur Vorbereitung kann man gut seriöse und nicht-seriöse Überschriften vergleichen und feststellen, was zweitere ausmacht.

2. Die Nachricht
Zur Überschrift wird ein kleiner Artikel geschrieben. Wie in einer Zeitung muss der nicht allzu lang sein, aber eben die wichtigen Informationen enthalten, die die Überschrift näher erläutern. Hier läuft also viel Textarbeit, parallel zu dem, wie man sonst oft das Thema Zeitung bzw. Bericht erarbeitet. Dieses Mal ist nur anders, dass die Inhalte frei erfunden und übertrieben sind.

3. Das Bild
Jede gute Schlagzeile wird durch ein Bild noch glaubwürdiger – das gilt natürlich auch für Fake News. Jetzt wird es kreativ: wir verwenden entweder frei zugängliche Bilder von Plattformen wie Pixabay oder nutzen eigene Bilder, die verändert werden.
Im ersten Fall sucht man nach Bildern, die man für seinen Artikel nutzen möchte. Hier gibt es eine sehr einfache Suchfunktion. Wichtig ist es hier im Sinne der Vorbildfunktion, nicht einfach die Google-Bildersuche zu nutzen, sondern über Urheberrechte zu sprechen. Die Google-Bildersuche kann man übrigens auch dazu nutzen, wenn man die Nutzungsrechte-Filter nutzt:
Bildersuche GoogleDas gewünschte Bild wird gespeichert und kann dann direkt weiter verwendet werden – oder für die nächste Variante genutzt:

Eine andere Variante, die sehr viel „beeindruckendere“ Ergebnisse erzielt, ist das Nutzen von GreenScreen-Bildern, so wie es ja z. B. auch bei den Fernsehnachrichten geschieht. Dazu wird eine Person oder Personen vor einem grünen Hintergrund fotografiert. Dieser Hintergrund kann dann in jedem Bildbearbeitungsprogramm (und sogar in Officeprogrammen) recht leicht weggezaubert werden. Die Person kann dann vor einen Hintergrund nach Wahl (Fotoquellen siehe oben) platziert werden. So stehen die Kinder plötzlich auf dem Mond oder ein Hund auf einem Bus usw.
Wer sich vor diesem Aufwand scheut oder keinen GreenScreen zur Verfügung hat, kann für vorhandene Fotos das sehr effektive Angebot von remove.bg nutzen, das das Freistellen einer Person online ziemlich gut hinbekommt. Ich habe hier mal ein Beispiel für euch: originale Aufnahme, freigestellte Aufnahme und in einen anderen Hintergrund eingefügte Aufnahme. Hier könnte der Titel „Riesenkäfer gesichtet“ passen…

Nun kann man entweder von Hand oder am PC im Textverarbeitungsprogramm ein Artikel verfasst und durch das gewünschte Bild ergänzt werden. Oder man macht es sich einfach und nutzt Online-Angebote dafür. Obiger Ausschnitt wurde mit „The Newspaper Clipping Generator“ gemacht, da mein Favorit Paul Newsman zur Zeit wegen der Coronakrise stillgelegt ist (es wurde wohl zu viel Schindluder getrieben…). Paul Newsman hat den Vorteil, dass ein Bild eingebunden werden kann, was nun heute bei mir nicht klappte.
Hier noch ein Beispiel, das mit dem Anbieter 24aktuelles gefaket wurde. Man achte auf den Hinweis ganz oben:
Fake4

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren – wie immer am besten zuerst allein daheim oder mit den eigenen Kindern und dann in der Schule!
Habt im Hinterkopf, dass Persönlichkeits- und Urheberrechte in solch einem Projekt besondere Beachtung finden müssen!

Eure
Katha

Zum Schluss noch ein Angebot: Meine gesammelten Online-Angebote rund um Fake News habe ich mit Wakelet schon mal geordnet. Diese Sammlung mache ich euch gern zugänglich.

 

Alternative Diktatformen

Rechtschreibstrategien sind derzeit in aller Munde und in vielen Lehrwerken angekommen. Das ist wirklich gut so, denn mit Hilfe von vier bis sechs grundlegenden Strategien können die grundschulrelevanten Wörter richtig geschrieben werden. Günter Renk und sein Team (die „Erfinder“ der FReSch-Methode) haben Anfang der 1990er Jahre den damals relevanten GS_Wortschatz untersucht und festgestellt, dass…
ca. 50% der Wörter Mitsprechwörter sind (also durch deutliches Sprechen lautgetreu abgehört werden können) und die anderen 50% sich ungefähr gleichmäßig auf die Strategien Verlängern, Ableiten und Merkwörter verteilen (also mit Hilfe einer Strategie erklärbar bzw. zu merken sind).

 

Wieso ich heute dennoch nicht über Stratgien schreibe sondern über Diktieren? Nun ja – Rechtschreibgespräche, gestützt durch Strategien, sind ein wichtiger Teil des Rechtschreibunterrichts. Aber: es kann nicht nur um das Asufüllen von AB gehen und das isolierte Üben von Wörtern. Unser Ziel ist es ja, dass die Kinder irgendwann ihre eigenen Schreibungen überprüfen und verbessern oder sogar beim Schreiben über das richtige Schreiben anchdenken. Um dort anzukommen, müssen die Kinder eben dies üben: an ausgewählten Wörtern beim Schreiben die richtige Schreibung kennen oder herausfinden. Ein Weg dorthin ist das Diktieren von Wörtern, Sätzen oder Texten.

Beim klassischen Diktat mit xy Wörtern habe ich oft beobachtet, dass die zuvor sorgfältig und vielfältig geübten Lernwörter richtig geschrieben wurden, aber die vielen anderen kleinen Wörter dazwischen nicht. Denn statt den und andersherum, file statt viele und so weiter und so fort. Im Ergebnis heißt das bei den meisten Fehlerschlüsseln, dass Kinder schwierige Wörter üben und richtig schreiben und dennoch eine nicht so tolle Note unter dem Diktat steht. Hier kommt es schnell zu einem echten Motivationsproblem.
An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich nicht fordern, dass diese Diktate zu verbieten sind, wenn ich auch ihren Nutzen durchaus in Frage stelle. Ich möchte lieber Alternativen vorstellen, mit denen sich gezielt bestimmte Strategien abprüfen lassen.

Variante 1: Wortstammdiktat
Ich hatte in meiner letzten dritten Klasse viel mit Wortstämmen gearbeitet (hier im Blog nachzulesen). Das ist die Voraussetzung dafür, diese Diktatform zu nutzen. Konkret: ich schreibe acht Wortstämme an die Tafel bzw. lasse mir diese von den Kindern buchstabieren. Wir besprechen die rechtschriftlichen Besonderheiten wie ie, Dehnungs-h, Konsonantendopplung etc. (gut eignen sich z.B. back, lauf, geh, lieb) oder stellen fest, dass es Mitsprechwörter sind. Mit offener Tafel diktiere ich den Kindern dann zu jedem Wortstamm 3-4 Wörter (z. B. die Backstube, der Bäcker, du backst, das Gebäck).
Man könnte nun meinen, dass die offen sichtbaren Wortstämme zu einer fehlerfreien Leistung führen würden – keine Sorge! Wie in anderen Formen auch konnten fitte Kinder ihre Rechtschreibkompetenz beweisen und schwächere Lerner hatten auch hier Probleme. Vorteilhaft für mich als Lehrkraft ist hier aber, dass ich sehr genau sehen kann, welche Prinzipien ein Kind noch nicht verstanden hat und hier mit Übungen ansetzen kann. Das kann ich nach einem Textdiktat oft nicht, weil viele verschiedene Wörter und Fehler vorhanden sind und manch schwacher Rechtschreiber durch Auswendiglernen gute Ergebnisse erzielen kann.
Diese Diktatform möchte ich gern öfter nutzen und mit zunehmender Übung die Tafel dann auch zuklappen.
Für das nächste Mal würde ich VOR einer Beschäftigung mit Wortstämmen solche Wörter diktieren und NACH der Einheit die gleichen Wörter noch einmal, um so Lernerfolge sichtbar zu machen und den Kinder zu verdeutlichen, dass die Kenntnis eines Wortstamms ihnen bei der richtigen Schreibung einer ganzen Wortfamilie helfen kann.

Variante 2: Lückendiktat
Stellen wir uns vor, in den letzten Stunden haben wir uns im Unterricht verstärkt mit Doppelkonsonanten (inkl. tz und ck natürlich) beschäftigt. Ich möchte überprüfen, ob die Kinder nun die Entscheidung treffen können, ob Wörter mit einfachem oder doppeltem Konsonanten geschrieben werden. Diktiere ich einzelne Wörter, stehen diese in keinem Kontext und bereiten so evtl. semantische Probleme. Diktiere ich Sätze oder einen Text, kommen neben meinen gewünschten Wörtern eben auch viele andere vor und die Kinder übergeneralisieren evtl.
Meine Lösung dafür ist das Lückendiktat. Die SchülerInnen bekommen einen Text, in dem z.B. viele Nomen oder auch Verben weggelassen wurden. Diktiert wurd nun der ganze Text, aber geschrieben werden nur die fehlenden Wörter. Zur besseren Vorstellung:
LückendiktatUnd hier gibt es die Wordvorlage, die ihr so nutzen oder verändern könnt: Lückendiktat Doppelkonsonanten. Hier sieht man auch, dass über den Text verteilt manche Wörter merhfach vorkommen (ich überprüfe also die Merkfähigkeit bzw. schließe Zufallstreffer aus) und dass die Wörter unterschiedlich anspruchsvoll sind.

Variante 3: Wiederholtes Wörterdiktat
Entweder mit dem Lückendiktat oder auch mit einem einfachen Wörterdiktat habe ich mir vor Jahren mal eine Übungsform aus dem Marburger Rechtschreibtraining (Leseprobe hier) abgeschaut: ein Lückentext oder auch eine Sammlung von Wörtern wird (immer gleich bleibend) mehrmals diktiert, z. B. über drei Wochen hinweg zwei Mal pro Woche. Bei dieser Vorgehensweise werden nicht die Fehler, sondern die richtigen Wörter gezählt und vor allem wir die (meist positive Entwicklung) dieser Zahl auf einem Zettel als Kurvendiagramm dokumentiert. Hier entsteht durch das „Einschleifen“ der Wörter ein wirklich positiver Effekt bei den Kindern.

Variante 3b: Wiederholtes Satzdiktat
Ausgehend vom Ritual „Satz des Tages“ kann man mit den größeren Kindern in der 3 und 4 einen Satz gemeinsam erarbeiten und ihn dann an den folgenden Tagen mit umgestellten Satzgliedern immer wieder ditkieren. So wird es quasi ein Satz der Woche, der das Großschreiben von Satzanfängen übt und je nach Wortauswahl die Beschäftigung mit den Rechtschreibstrategien fördert.
Als Dokumentationsform kann man hierzu ein Blatt nutzen, auf dem immer der bereits geschriebene Satz nach hinten geknickt wird, um ein Abschauen zu verhindern. Die Lehrkraft hat dann am Ende dennoch den Überblick, ob ein Fehler nur ein Ausrutscher war oder ob es einen fortlaufenden Fehler im Satz gibt und hier gezielt geübt werden kann.

Dokumentation der Leistungen
Das klassische Diktatheft (bei uns in A5) finde ich gar nicht so verkehrt, um die diktierten Rechtschreibüberprüfungen zu sammeln. Formen wie das Lückendiktat oder die Variante 3/3b könnten hier eingeklebt werden.
Wer das nicht mag, kann ja auch einfach eine Mappe nutzen oder einen Heftstreifen, in der/dem alle Blätter gesammelt werden. In meinen Klassen schaffen die Kinder zu Schuljahresbeginn ab der Klasse 2 immer einen linierten Schreibblock an, so dass sie jederzeit Schreibblätter zur Verfügung haben und ich nichts kopieren muss. Hier kann auch die saubere „Heftführung“ geübt werden, denn auf lose Blätter gehören natürlich immer ein Datum und der Name.
Unter Einbeziehung verschiedener Diktatformen plus anderer Wege der Rechtschreibüberprüfung bekommt man als Lehrkraft sicher ein aussagekräftigeres Bild als durch 4 ausführliche Textdiktate pro Schuljahr.

Beste Grüße
Katha

Grrrrrr – Grammatik in der Grundschule

Der erste Durchgang meines Fachseminars Deutsch am ZfsL nötigt es mir ab, dass ich mich in die anstehenden Themen nochmal intensiv einlese und meine gesammelten Materialien sichte, kritisch hinterfrage und bewerte. Dieses Mal war „Grammatik“ dran. [„Dieses Mal“ schreib ich im Spätsommer, als ich den Beitrag begann. Nun ist schon wieder Frühjahr und so langsam ist er fertig zur Veröffentlichung. Manchmal bleibt hier echt was liegen…]
Und da ich nun gerade eh ein paar Dinge beisammen und gedanklich sortiert habe, schreibe ich sie hier für alle Interessierten einfach auch nieder. Es folgt also ein kleiner Abriss zu den wichtigsten grammatischen Inhalten der ersten vier Lernjahre inklusive einiger Links und ein bisschen Material zum Thema.

Klasse 1: Thema Artikel
Während man im Anfangsunterricht ja sehr auf den Schriftspracherwerb fixiert ist, lassen sich kleine Portionen Grammatik leicht einstreuen. Ein Aspekt ist das Zuordnen von Artikeln, das besonders Kindern mit anderen Muttersprachen schwer fallen kann, da diese teils andere oder keine Artikel enthalten.
Hier habe ich schonmal eine Übung beschrieben, mit der die Kleinen in die drei Markierungsfarben für Artikel eingeführt werden und deren Ergebnis dann so aussehen kann:
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Klasse 1: Thema Pluralbildung
Auch Einzahl und Mehrzahl kann man spielerisch immer wieder üben – je mehr Plurale die Kinder kennen, umso besser können sie später mit den Rechtschreibstrategien arbeiten (denn bei Verlängern/Weiterschwingen und beim Ableiten kommt es ja auch oft auf den Plural an). Hier ein Spielvorschlag:
Alle stellen sich hinter ihren Stuhl. Ich sage ein Nomen in der Einzahl und ein Kind sagt die passende Mehrzahl dazu. Dann überlegt sich selbiges Kind ein Einzahl-Nomen und nimmt das nächste Kind dran. Wer damit fertig ist, darf sich setzen. Das letzte Kind nimmt mich für die Mehrzahl dran, da ich die letzte bin, die noch steht.

Für die 2. Klasse kann man z. B. das Schwarzer Peter EZ MZ zu Einzahl und Mehrzahl (mit den Bildern von Frau Locke) einsetzen oder entsprechendes Steckleistenmaterial der ABC-Katze.

Klasse 2: Thema Nomen
In der 2. Klasse stehen die Wortarten ganz oben auf der Grammatik-To-do-Liste. Meist geht es mit den Nomen los. Mein Vorschlag, auch wenn er gar nicht neu ist: Nehmt Klebezettel oder Klebeband und beschriftet alles in euren Klasseraum, was man beschriften kann. Am besten kommen dann noch die Artikel dazu und schon habt ihr für die nächsten Wochen einen tollen Wortspeicher für Nomen.
Wortspeicher sind gerade für Nomen auch bei thematischen Einheiten sehr gut umzusetzen; hier ein Beispiel aus der Piraten-Einheit, die ich früher mal aufgeschrieben habe:
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Mit Nomen kann man, wegen ihrer leichten Verknüpfung mit Bildern, auch immer wieder schöne Spiele spielen wie dieses Bingo aus unserer Tiere-Einheit:
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Um Nomen verständlicher zu machen, geht es immer auch darum, Nomen zu kategorisieren. Zuerst oft in Menschen, Tiere, Dinge, Pflanzen etc., später auch in abstrakte und konkrete Nomen oder in verschiedene abstrakte Kategorien. Hierbei schulen die Kinder auch die überfachliche Kompetenz, Gemeinsamkeiten zu erkennen und Dinge zu ordnen.

Klasse 2: Thema Verben
Wie oben schon erwähnt, sind Nomen ja so schön leicht mit Bildern zu illustrieren, dass sie m. E. nach ziemlich viel Raum im Unterricht einnehmen. Bei Verben ist das anders, obwohl gerade hier auch oft ein sehr beschränkter Wortschatz bei Kindern zu beobachten ist. Sie machen dies und tun das und legen hier…
Unter anderem deswegen finde ich es wichtig, besonders auch auf Tätigkeitsworte mal den Fokus zu legen. Hier habe ich schonmal eine Einheit mit Verben rund um den Körper für die 1. Klasse ausgeführt – analog lassen sich auch Ideen für andere Wortfelder ausarbeiten.
Verben-Pantomime ist immer wieder ein Renner (also Verb ziehen, wortlos vorspielen, andere SuS raten lassen). Dafür kann ein gemeinsamer Wortschatz geschaffen werden. Wer keine passenden  Bilder für einen Verben-Wortspeicher findet, der kann die Handlungen ja mit den Kindern nachstellen und Fotos machen – die werden dann der Wortspeicher.

Auf grammatischer Ebene geht es bei den Verben in der 2. Klasse vor allem um das Konjugieren – mindestens die er-Form und die wir-Form bzw. Grundform lernen die Kinder zu bilden. Besonders ans Herz legen möchte ich euch dafür das tolle Tafelmaterial von Frau Locke. Hier wird das Wortstammprinzip wunderbar deutlich, das zu kennen es sich beim Thema Verben ja lohnt. Sehr schön erkennt man, dass rechtschriftliche Besonderheiten sich vom Wortstamm in die Verbformen durchziehen.

Klasse 2: Thema Adjektive
Die Adjektive sind meiner Beobachtung nach für die Kinder die am schwierigsten zu greifende Wortart. Oft vermischen sich ihre Vorstellungen von Verben und Adjektiven und die Hilfsfrage „wie etwas ist“ führt auch nicht immer zu Klarheit.
Ich steige gerne mit dem Bilderbuch „Ich wär so gern ein wildes Schaf“ in das Thema Adjektive ein, in dem die Tiere gern mal so ganz anders wären als sie es sind. Über das Kontrastieren der Eigenschaften brav-wild oder stachelig-kuschelig kommen wir schnell darauf, dass hier Adjektive im Spiel sind. Dann beschreiben wir uns gegenseitig mit möglichst vielen Adjektiven und (analog zum Buch) uns selbst mit einer Eigenschaft, die wir gern hätten. Hier ist Vorsicht geboten, damit es nicht heißt „Ich will Fußball spielen können“ sondern „Ich wäre gern sportlich“. Entsprechende Satzanfänge kann man ggf. vorgeben.

Für meine Förderkinder habe ich u.a. eine Übung angeboten, bei der Dinge (Bilder) mit vorgegebenen Adjektiven beschrieben werden sollten. Das Legematerial findest du hier zum Erweitern und Anpassen: Adj. zuordnen Fördermaterial.

Das mit meinen Klassen schönste an den Adjektiven war immer das Angeben. Mit Hilfe der Komparative kann man ja so richtig schön angeben. Oft haben wir dann zusammen (mündlich) angegeben nach dem Motto „Alex ist hübsch, Tina ist hübscher, aber ICH bin am hübschesten!“ oder „Hannes‘ Hund ist schnell, Tims Katze ist schneller, aber mein Leopard ist am schnellsten!“. In manchen Lerngruppen sollte man vor solch einer Übung aber wohl besser betonen, dass es hier nicht um die Wahrheit gehen muss…

Klasse 2: Thema Wortarten unterscheiden
Wenn dann alle drei Wortarten eingeführt sind, sollten Übungen folgen, die das Unterscheiden im Blick haben. Klassisch können Wörter in Tabellen geschrieben werden (ist sicher auch in eurem Arbeitsheft drin…), handelnd können sie sortiert werden (wie oben bei der Artikel-Übung) etc.
Für meine fitteren Kinder habe ich in der 2. Klasse dann im Wochenplan eine  Variante von Stadt-Land-Fluss angeboten. Sie konnten sich einen Buchstaben erdrehen (ich habe aus den urpsrünglichen Spielen aus dem Aldi die Drehscheiben mit dem ABC – sehr cool) oder abzählen und dann dazu ein Nomen, ein Verb und ein Adjektiv suchen. Anspruchsvoll… Hier die Vorlage: Stadt-Land-Fluss mit Nomen.
Wer das Ritual „Satz des Tages“ nutzt, kann hier wunderbar auch jedes Mal die vorkommenden Wortarten bestimmen lassen. So schleift sich diese Unterscheidung nach und nach hoffentlich ein.

Klasse 3/4: Thema Zeitformen des Verbs
Bei den Klassen 3 und 4 habe ich keine weitere Unterscheidung vorgenommen, da die Themen ja spiralcurricular immer wieder aufgenommen und erweitert werden. Beginnen wir bei den Zeiten mit Präteritum, so kommen später analog Perfekt und Futur hinzu. Die Satzglieder Subjekt und Prädikat werden im Laufe der Zeit durch weitere ergänzt.
Die oben schon erwähnte Frau Locke hat zu ihrem Tafelmaterial inzwischen auch Varianten für die Zeitformen veröffentlicht (Danke dafür!), das ihr auf ihrem Blog findet. Wichtig ist auch hier wieder, die Verwandtschaft der Wörter zu betonen und somit die richtige Schreibung zu erklären.
Dummerweise verändern sich ja aber bei den sog. starken Verben die Wortstämme häufig, so dass das Wortstammprinzip hier nicht mehr immer greift. Wählt also euer Wortmaterial mit Bedacht und schaut auch euer Übungsmaterial mal durch, ob die Begriffe und die Zeitformen allen bekannt sein können.

Übungsformen sind neben dem sehr formellen Füllen von Tabellen das „Übersetzen“ von Texten in eine andere Zeitformen (gern im Zusammenspiel mit historischen Themen). Außerdem gehört es hier ganz klar dazu, dass Texte in einer vorgegebenen Zeitform selbst verfasst werden. Erlebniserzählungen und Berichte bieten sich für das Präteritum an (evtl. im Hinblick auf eine Klassenabschlusszeitung in der 4), Zukunftswünsche und -pläne für das Futur. Das Perfekt gilt es eher im Hinblick auf Satzglieder zu thematisieren, das es 1. ja den Kontrast von gesprochener und geschriebener Sprache symbolisiert und 2. die Verbklammer bzw. das geteilte Prädikat hervorruft.

Klasse 3/4: Thema Satzglieder
Rund um die Satzglieder verweise ich auf frühere Einträge im Blog:
Ein schnelles Schreibspiel
Satzglieder würfeln und andere Schreibspiele
Satzglieder erkennen
Mit Blick auf das Ziel, die Arbeit mit digitalen Medien auf alle Fächer zu verteilen, kommt hier noch die Idee, Satzgliederarbeit mal in ein Textverarbeitungsprogramm zu verlagern. Anstelle des Umstellens von Satzgliedern auf Papierzetteln oder durch Aufschreiben, kann man ja auch mal so vorgehen:
In einem vorgegebenen Satz die Satzglieder markieren, Satz kopieren und einfügen, Satzglieder umstellen. Diese Dateivorlage könnt ihr gern nutzen: Satzglieder-Übung am PC und wenn ihr mögt mein Erklärvideo dazu: https://youtu.be/G-ixJHf_vIQ*.

Alle Klassen: Grammatik mit Gedichten und Wortspielen
Das Stichwort „generatives Schreiben“ umfasst den Ansatz, mit Hilfe von Gedichten und anderen Paralleltexten Sprachbetrachtung zu betreiben. Lest euch bei Interesse mal ein…
Hier findet ihr ein schönes Beispiel dafür: DEMEK – Deutsch lernen in mehrsprachigen Klassen von der Bezirksregierung Köln. Das Beispiel auf S. 15 mit dem Gedicht „Der Frosch ist krank“ finde ich sehr empfehlenswert.
Vorschläge, die ich im Seminar eingesetzt habe, bekommt ihr hier noch dazu: Grammatik mit Wortspielen und Grammatik mit Gedichten.

Klasse 3/4: Schlusswort
Grundsätzlich müssen grammatische Themen immer ein gewisses Maß an formellem Übern enthalten – aber bitte nicht nur dieses! Nutzt Themen und Inhalte, um mit der Sprache zu jonglieren.
Nehmt zum Beispiel für eine Umstellübung mehrere Sätze zum gleichen (zur Zeit aktuellen) Thema. Spielt (mündliche) Spiele. Nutzt Gedichte, die ihr umschreiben lasst und übt so implizit die richtigen Nomen- oder Verbformen. Redet darüber, warum sich Wörter verändern, welche Wörter mit anderen verwandt sind und wie man diese Verwandtschaft nutzen kann.
Wenn es sich anbietet, vergleicht mal zwischen den Sprachen. Pluralbildung im Deutschen (Hilfe!!!) mit dem meist einfachen Plural-s in eurem Englischunterricht. Oder Artikel im Türkischen, Russischen, …

Ich weiß selbst, dass das alles ziemlich viel ist. Aber oft, das seht ihr oben, sind es eher kleine Übungen, die man immer mal wieder in den Unterricht einstreuen kann und die Grammatik beinhalten, ohne dass groß Grammatik dransteht!

Beste Grüße
Katha

*Das Video habe ich mit oCam aufgezeichnet und als „nicht gelistet“ in meinem YouTube-Account hochgeladen – so kommt nur heran, wer den genauen Link hat. Man kann so ein Video auch in ein Word-Dokument einbinden und dann quasi direkt dort sehen und pausieren, während man arbeitet.

Ach du jeh – die Schule ist zu!

Es ist wirklich unglaublich und niemand von uns hätte es vor ein paar Wochen für möglich gehalten, aber die Schulen sind zu. Alle. Niemand darf, kann oder muss in den Unterricht.

Mein Möppel freut sich sehr, dass er zuhause bleiben darf und nur zwei bis drei Schulstunden täglich ableisten muss. Das Möppelchen nimmt es bislang sehr gelassen – für ihn ist das halt nunmal jetzt so, wie es eben für einen Fünfjährigen so ist… Und ich? Ich versuche, zuhause zu arbeiten und zwei Kinder zu hüten und dabei kein völliges Chaos in Zeit und Raum zu verursachen. Wie sicher gerade viele von euch auch.

Sicher habt ihr inzwischen alle eine Organisationsform gefunden, wie ihr eure Schüler mit Aufgaben versorgt oder dürft sie laut Vorgabe des Landes einfach gar nicht „belästigen“. Dennoch möchte ich heute mal die Zeit nutzen, in der hier alle etwas zu tun haben und meine Erlebnisse niederschreiben. Achtung, es wird lang…

1.) die Schule:
Zu meinem Glück leite ich ja keine Klasse und bin nur mit rund zehn Stunden an meiner Schule. So konnte ich mich bislang auf die technische Unterstützung meines Kollegiums konzentrieren. Viele von euch haben ja Wege gefunden, entweder Bücher, Arbeitshefte und Kopien an die Kinder zu übermitteln oder ihnen auf digitalem Wege Aufgaben zukommen zu lassen. Bei uns läuft es gerade zweigleisig: die wichtigen Informationen für die Eltern einer Klasse sollen per Mailverteiler (in bcc – also Blindkopie!) herausgegeben werden. Dazu mussten zuerst die Emailadressen der Eltern eingesammelt werden. Zum Glück waren alle gewählten Elternvertreter so hilfreich, die ihnen gemailte Bitte per WhatsApp an die anderen Eltern weiterzuleiten, so dass sich langsam die Verteiler der Kolleginnen und Kollegen füllen.
Da ich persönlich kein großer Fan von Verteilern bin, habe ich auf der ersten Corona-Dienstbesprechung Padlet vorgestellt – eine Pinwand im Netz, auf der ich schreiben kann, aber auch Dateien oder Links angepinnt werden können. Erfreulicherweise fand das so viel Zustimmung, dass wir spontan in den Computerraum zogen und gemeinsam Accounts anlegten* und Klassen- bzw. Jahrgangspadlets einrichteten. Diese sind inzwischen sehr aktiv und werden sehr unterschiedlich gefüllt.

Da mich „meine“ alte Klasse aber auch nach einem halben Jahr noch nicht so ganz loslässt, habe ich diese Woche begonnen, zu einigen Kindern Kontakt aufzunehmen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. (Ziel ist es, dass alle mal was von mir hören – aber man muss ja klein anfangen.)
Drei Kinder, um die ich mir immer ein bisschen Gedanken mache, haben eine Postkarte mit lieben Grüßen bekommen. Ich habe das Gefühl, dass gerade diese wissen müssen, dass jemand an sie denkt.
Drei andere Kinder, meine „kleinen Professoren“, haben über die Eltern eine Mail von mir bekommen mit der Frage, ob sie sich mit mir ins Abenteuer Programmieren stürzen wollen. Im Zuge meiner aktuell laufenden Zusatzqualifikation „Informatische Grundbildung“** habe ich Scratch kennengelernt, mit dem man recht flott keine Geschichten und Spiele programmieren kann. Die Jungs waren begeistert und so haben sie heute früh von mir ein Video zum Start in Scratch bekommen (einen eher simplen Screencast***…).
Zuletzt habe ich auch ein Padlet gefüllt, das allerdings keine Pflichtaufgaben enthält sondern sportliche und kreative Anregungen und z.B. einen Malwettbewerb, eine Foto-Challenge etc. Das ist dann auch für alle Jahrgänge offen und zugänglich.

2.) das Seminar:
Unsere LAA sind momentan auch entweder zuhause oder in der Notbetreuung der Schulen eingesetzt. An Unterrichtsbesuche ist gerade logischerweise nicht zu denken und die Ungewissheit ist vor allem für den auf die Prüfung hinstrebenden Jahrgang blöd. Bislang hoffen wir, alle ausstehenden UB in den nächsten Monaten auffangen zu können.

Ein Fachseminar Deutsch/Mathe hätte ich vor den Ferien noch gehabt. Dieses habe ich mit meiner Kollegin „digitalisiert“ und dazu Material und Aufgaben in unser Lernmanagementsystem Moodle hochgeladen. Hier ist es jetztwirklich von Vorteil, wenn es solch ein System bereits gibt, alle einen nutzbaren Zugang haben und einigermaßen sicher damit umgehen können. Nun dürfen die LAA an diesen Aufgaben in ihrem Tempo arbeiten. Präsenzzeit haben wir in diesem Fall nicht eingefordert, da es bei den vielen unterschiedlichen Präsenzregelungen in den einzelnen Schulen durchaus zu Problemen führen könnte.

3.) Zuhause:
Wie eingangs beschrieben, verbringe ich die meiste Zeit mit meinen Jungs daheim. Für mich selbst aber auch in ihrem Sinne bemühe ich mich um einen regelmäßigen Tagesablauf. Wir schlafen alle etwas länger und ich habe somit morgens shcon rund eine Stunde allein, in der ich produktiv sein kann. Sowas wie ein Video lässt sich ja nicht wirklich aufnehmen, wenn alle fünf Minuten jemand „Mama!“ ruft…
Nach dem Frühstück und etwas spielen soll es eine „Arbeitszeit“ von etwa zwei Zeitstunden geben. Der Möppel absolvierte die erst engagiert, inzwischen ob der inzwischen weggearbeiteten leichten Aufgaben zunehmend unmotiviert. Das Möppelchen bekommt Malaufgaben, Konzentrationsübungen und ein bisschen was für die Feinmotorik (tolle Quelle: abcund123.de) und geht größtenteils sehr ernsthaft daran. Bislang kann ich ihn so besser einbinden als wenn ich ihn spielen schicke, während wir hier arbeiten… Wobei man meine Tätigkeit in dieser Zeit kaum ernsthaft als Arbeiten bezeichnen kann zwischen „Mama, schau mal, wie bunt der Vogel ist!“ und „Ich weiß nicht, was ich hier machen soll! Das steht da nicht!“.
Zum Glück sendet der WDR ja nun täglich um 11:30 die Sendung mit der Maus, so dass wir einen Motivationspunkt zum Ende der Arbeitszeit haben! Danke dafür!!!
Meine hausfraulichen Tätigkeiten umfassen momentan täglich ein halbwegs anständiges Mittagessen – puuh. Sandwich, Nudeln und Greißbrei sind da bei mir schon fast das Limit… Bislang sind wir aber zum Glück immer satt geworden und vor allem gibt es danach Mittagsruhe. Auf deutsch: jede/r in sein Zimmer, dort ruhen oder leise spielen. Mein Zimmer ist natürlich? Klar, das Büro. Mails beantworten, Konzepte weiterschreiben, telefonieren, technischen Support leisten. Seltsam, wie wenig man in anderthalb bis zwei Stunden schafft, wenn man weiß, dass sie fast schon wieder rum sind.
Der Nachmittag ist dann nach Möglichkeit Draußenzeit. Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir einen großen Garten haben und quasi im Wald leben. Wie sehr fühle ich mit denen, die in kleinen Wohnungen hocken und kaum raus kommen momentan! Ich hoffe, dass ihr entweder nicht dazu zählt oder gute Orte gefunden habt, an denen ihr Luft und Sonnenschein auftanken könnt!

Von Herzen ein „Bleibt gesund!“
die Katha

* Bei Padlet kann man mit einem kostenlosen Zugang selbst bis zu drei Pinwände erstellen. Teilnehmer kann man in beliebig vielen sein.

** Bei fobizz.de gibt es viele tolle, teils kostenlose Onlinefortbildungen rund ums Digitale. Vielleicht hast du ja momentan mal Lust, sowas auszutesten?!

*** Ich nutze das Programm oCam zum Aufzeichnen von Screencasts. Es ist echt leicht zu bedienen und hier herunterzuladen. Schneiden im einfachen Sinne kann man alles mit dem oft schon installierten MovieMaker auf Windowsrechnern.

Rezension: „Mio war da“

Mio war da (1)Titel: „Mio war da“
Verlag: Klett Kinderbuch (hier klicken)
Autorin: Tanja Székessy
Illustrationen: Tanja Székessy
ISBN: 978-3-95470-220-6

Zum Inhalt:
Mio ist das Klassentier der Klasse 1d und seines Zeichens Pinguin. Die Klasse und ihre erwachsenen Begleiter mag er sehr gern und so freut der kleine Pinguin sich sehr, als ein großes Abenteuer für ihn beginnt:
Er darf alle Kinder der 1d zuhause besuchen und sogar dort übernachten!
Auf je einer Doppelseite sieht und liest/hört man nun von den ganz verschiedenen Familiensituationen der Schülerinnen und Schüler aus Mios Klasse. Aus allen Kulturkreisen und sozialen Schichten kommen diese und von voller Action bis zu Vergessenwerden erlebt Mio so Einiges:

Meine Meinung:
Schon das Konzept des Buches hatte mich gepackt, bevor ich es in der Hand hielt: ein „neutraler“ Beobachter, der verschiedene Familiensituationen vorstellt, müsste einen wunderbaren Gesprächsanlass rund um Familie bieten…
Mio hat diese Hoffnung absolut erfüllt und ich hätte mich am liebsten direkt mit ihm in die Schule begeben (leider habe ich keine Klasse). Die Zeichnungen und Beschreibungen sind eindringlich, aber niemals wertend und laden so zum Betrachten und Vertiefen ein. Fast automatisch kommen Fragen auf nach der Fürsorgepflicht von Eltern, nach den Rechten der Kinder oder ganz banal zur Zusammensetzung von Familien. Jedes Kind, mit dem man diese Familien betrachtet, dürfte sich in einer der Situationen wiederfinden und berührt werden. In guten Gesprächen erkennen Kinder so vielleicht, dass ihre Probleme nicht nur ihre sind, sondern auch andere sie teilen oder dass es nicht ganz in Ordnung ist, wie es bei ihnen zuhause läuft. Vielleicht merken sie auch, dass nicht jedes Kind es daheim so gut hat wie sie selbst, was das Verständnis für das Handeln und Empfinden Anderer stärkt (Stichwort „Empathie“). Ganz sicher aber erweitert jedes Kind mit Mio und der 1d seinen Horizont!
Mio war da (2)

Leseempfehlung:
Für alle mit Kindern im Vor- und Grundschulalter, für ErzieherInnen mit Vorschulkindern und Grundschullehrkräfte kann ich Mio nur wärmstens empfehlen. Aufgrund seiner Tiefe bietet sich das Buch m. E. eher als Vorlesebuch an, kann aber auch lesenden Kindern Freude bereiten. Im Austausch beim Vorlesen sehe ich aber das oben schon angedeutete größere Potential.
Anschlussthemen für die schulische Behandlung sind z. B.:
– SU-Thema „Ich und die anderen“
– Schreib- und Malanlass: „Meine Familie“
– Gesprächsanlass: „Was kann alles Familie sein?“
– Thema „Kinderrechte“ – wofür müssen Erwachsene sorgen?
– Thema „Freundschaft“ – wie man andere versteht und mit ihnen spielt etc.
– das eigene Klassentier mit zu den Kindern geben und dazu erzählen, malen, schreiben (so etwas ergibt mit der Zeit ein wunderbares Klassenerinnerungsbuch!)

Vielen Dank an den Verlag Klett-Kinderbuch für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha