SeminarBlog: Timeline zur berufsbezogenen Biografie

Der Start in den Vorbereitungsdienst (aka Referendariat) ist spannend, anstrengend und oft auch gefürchtet, da es ja leider mehr negative als positive Äußerungen im Netz zu lesen gibt.

Um direkt zu Beginn in meinem neuen Kernseminar den Auftrag der Stärkenorientierung erlebbar zu machen, habe ich mich für den methodischen Zugang der berufsbezogenen Biografie mit einer Timeline entschieden. Das Instrument kenne ich aus meiner Coachingausbildung und habe es etwas abgewandelt, um es mit allen gemeinsam durchzuführen.

Wir begannen zur Einstimmung mit einem Blick in die Zukunft: „Wie will ich als Grundschullehrkraft sein?“ Zuerst kurz darüber nachdenken, dann aus einer Auswahl von Bildern eines auswählen und mit Hilfe der dadurch zusätzlich zur Kognition angesprochenen emotionalen Intelligenz ein Ziel bzw. Motto formulieren.
Jede:r LAA/LiA hatte nun einen eigenen Tisch mit einer langen Papierbahn darauf und einem längeren Stück Wolle. Diese galt es zuerst so auszulegen, dass sie grob den eigenen Lebensweg darstellt. Die Position von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft legte jede:r für sich selbst fest, um dann im nächsten Schritt das Ziel anzulegen und Karten für bestimmte berufsbezogene Lebensphasen (Kita, GS, SekI, SekII/Abi, Uni/Ausbildung).

Nach dem Festlegen der äußeren Struktur der Timeline ging es ans Inhaltliche. grob gesagt führte ich anhand von Fragen langsam durch die drei Bereiche Meilensteine (was ich geschafft habe, positive Erlebnisse), Stolpersteine (Krisen, Hindernisse) und Kraftquellen (Ressourcen im weitesten Sinne). Alle hatten Moderationskarten und Klebezettel in verschiedenen Farben und Formen zur Verfügung und schrieben so lange, wie es für sie wichtig war. So entstanden ganz individuelle Darstellungen.

Symbolbild „Lebensweg“, generiert mit ideogram.ai

Mein neues Kernseminar ist eine bunte Mischung aus LAA (Lehramtsanwärter:innen) und LiA (Lehrkräften in Ausbildung, also sog. Seiteneinsteiger:innen) und diese Heterogenität wurde sehr deutlich. Die Ergebnisse bleiben privat und dienen neben der individuellen Stärkung auch als Grundlage der Selbstreflexion, die laut der NRW-Ausbildungsordnung in Perspektivgesprächen, Caochings und auch im Kolloquium ihren Platz hat.

Hiermit schließe ich diesen kleinen Einblick in die Seminarausbildung für heute.
Katha

P.S.: Da ein Vorgehen wie dieses niemanden überrumpeln sollte, habe ich natürlich zuvor angekündigt, dass Biografiearbeit mit Berufsbezug uns beschäftigen wird. Zuvor hatten wir kurz „hineingeschnuppert“, indem wir mit Figuren als Stellvertretern auf einer rudimentären Timeline den Zeitpunkt markierten, an dem unser Berufswunsch entstand.

Zeit des Umbruchs (Jahrgangswechsel)

An der Grundschule dauert ein Durchgang in der Regel vier Jahre. Bei uns am ZfsL sind endet die Ausbildung (meist) nach anderthalb Jahren. Gerade jetzt, wo der Abschied von „den Alten“ noch ganz frisch ist und das Kennenlernen der neuen LAA und LiA* noch im Gange, denke ich mal wieder verstärkt über meine Aufgaben und Ziele nach. Über ein sehr positives Feedback meiner nun „fertigen“ LAA durfte ich mich freuen und es einem sehr aufgeschlossenen, freundlichen und sozialen Jahrgang auch ebenso zurückspiegeln. Das waren schon tolle junge Leute, mit denen wir Ende April Abschied gefeiert haben, und die nun sehr unterschiedliche Wege einschlagen – vor allem regional gesehen.

Vier Jahrgänge durfte ich nun schon ausbilden: den ersten noch als reines FS Deutsch, seit dem zweiten im kombinierten FS Deutsch/Mathematik, seit dem vierten außerdem noch im Kernseminar. Das sind rund 70 neue Lehrerinnen und Lehrer, die ich ein Stück auf ihrem Weg begleiten durfte, denen ich Wichtiges mitgeben konnte, aber von denen ich auch eine Menge gelernt habe. Ich freue mich sehr, dass nach vielen Wochen der Schreibtischarbeit demnächst die Beratungen und Unterrichtsbesuche wieder losgehen, dass der Alltag wieder lebendiger und interaktiver wird. Ich freue mich darauf, neue Persönlichkeiten ind Klassenzimmern heranwachsen und sich entwickeln zu sehen! Ich bin gespannt auf einige neue Schulen, an denen ich noch keine LAA hatte (u.a. MEINE Grundschule 😎).

Was mich an meinem Team dabei immer wieder beeindruckt, ist dass wir alle zwar natürlich auf unseren bisherigen Planungen und Materialien aufbauen, dabei aber doch immer das Bestreben nach Verbesserung und Anpassung haben. Das gemeinsame Evaluieren, Grübeln, Planen, Um- und Neuplanen genieße ich sehr – vor allem, weil das etwas ist, das ich in der Schule lange vermisst habe. So starte ich jetzt sowohl ins FS als auch ins KS mit Sitzungen, die zwar schon an die von früher erinnern, aber doch andere Schwerpunkt haben und hoffentlich noch besser an die Bedarfe der LAA angepasst sind. Wissen tun wir das dann aber wie sooft erst in einigen Monaten…

Im Kernseminar ist mein aktueller Arbeitsschwerpunkt die berufsbezogene Biografie: Woher komme ich? Wohin will ich gehen? Was und wer hat mich geprägt? Inwiefern? Was für eine Lehrerin / Was für ein Lehrer will ich sein/werden? Da die Perspektive Reflexivität fest im nordrheinwestfälischen Kerncurriculum (Grundlage der Lehrer:innenausbildung) verankert ist, bestimmt sie die ersten Wochen und spielt auch in den ersten Beratungen die größte Rolle. Wie ist es bei dir, der/die du das hier gerade liest: Weißt du noch, wann du den Beschluss gefasst hast, Lehrkraft zu werden? Gab es Vorbilder oder Einflüsse? Über Kommentare würde ich mich freuen!

Das Fachseminar hat aufgrund der vielen Feiertage und der recht frühen Sommerferien nur zwei Sitzungen in diesem Quartal. Wir beginnen mit der Frage, was guten Deutschunterricht in der Grundschule ausmacht und wie man integrative Einheiten plant. Danach stehen guter Mathematikunterricht und das Planen einer aktiv-entdeckenden Unterrichtsstunde im Mittelpunkt. Beides in der Hoffnung, dass wir die Grundlagen so sicher verankern können, dass die LAA mit einem guten Gefühl nach den Sommerferien in den selbstständigen Unterricht starten können. Wenig Zeit für Vorbereitung, wie immer in einem Mai-Jahrgang.
Hast du vielleicht Lust, mitzudenken? Was macht für dich guten Deutsch- oder Mathematikunterricht aus? Hier geht es zu einem Tooltipp: Mindwendel von kits.blog, mit dem man toll Gedanken sammeln und durchs Liken auch gewichten/sortieren kann. Ich freu mich auf deine Idee!

Für heute reicht’s mit der Gedankenspinnerei und Reflexivität, denke ich.
Katha

* Bei uns im Haus laufen momentan mal wieder vier Ausbildungsgänge für die Grundschule gleichzeitig: der klassische Vorbereitungsdienst mit den Lehramtsanwärter:innen (LAA), der Seiteneinstieg ind Form von Pädagogischer Einführung (PE) für ein Fach und als OBAS für zwei Fächer und dem Ziel der vollständigen Qualifikation sowie der Anerkennungslehrgang für Lehrkräfte aus Drittstaaten (wir hatten auch schon EU-Anerkennung). Schon krass.

Grundwortschatz NRW – Rechtschreibung

Heute gibt es einen kleinen Werbeblock für das digitale Angebot rund um den Grundwortschatz NRW. Nicht immer werden Angebote „von oben“ als durchdacht und hilfreich wahrgenommen – dieses ist sogar beides!

Auf den Seiten der QUALiS NRW (Schulentwicklung) gibt es einen eigenen Bereich für den Grundwortschatz (GWS). Der „Grundwortschatz“ ist eine Menge von Wörtern, die „grundlegende und damit grundschulrelevante Rechtschreibphänomene abbilden“ (Zitat). Verschiedene Bundesländer haben diesen m.W. individuell festgelegt. Die NRW-Sammlung umfasst 533 Begriffe, die inhaltlich und rechtschriftlich bedeutsam für Grundschulkinder sind. Es gibt eine Handreichung mit Hintergründen und guten Anregungen zur Arbeit am Lehrplanbereich Rechtschreibung.

Wenn ich Wortmaterial suche, um gezielt bestimmte Rechtschreibphänomene zu üben, z. B. die Konsonantenverdopplung, dann hilft mir der Wortfilter: hier kann ich nach verschiedenen Phänomenen filtern und bekomme rechts im Fenster alle passenden Wörter angezeigt. Charmant finde ich, dass ich diese auch direkt als Liste oder „Karten“ (Tabelle) exportieren kann.

Neben diesem wirklich hilfreichen Feature bietet die GWS-Seite für Lehrkräfte aus NRW außerdem noch den Download von passenden Grafiken in Farbe, Graustufen und Outline an, die in Zusammenarbeit mit dem Team des WorksheetCrafters entstanden sind.

Wer den WSC sowieso nutzt, dürfte diese Illustrationen schon kennen und eh nutzen.

Ich freue mich, dass hier ein wirklich gelungenes Rundumpaket zur Verfügung steht, dass mir die mühselige Suche nach Wörtern mit bestimmten Schreibungen extrem erleichtert. (Zumal KI-Tools wie ChatGPT hier doch gerne mal Schwächen zeigen.) Vielleicht mögt ihr es ja mal ausprobieren.

Katha

Seminarblog: Fotokartei für Coaching und Reflexion

Mit meinen Kolleginnen aus dem Kernseminar bin ich bei den Planungen für den neuen LAA-Jahrgang darauf gestoßen, dass wir zwar teilweise Bildkartensets aus dem Coachingbereich besitzen oder leihen könnten, aber wir eigentlich gern alle die gleiche Sammlung hätten. Da diese Kartensets (meist A5, Pappe) tendenziell teuer sind, kam die Idee auf, selbst Fotos zu sammeln und zu überschaubaren Kosten als Fotos zu bestellen (das geht bei fast allen Discountern und Drogerieketten für meist unter 20ct).

Wer hier schon länger liest, hat bemerkt, dass ich gern fotografiere und meine Festplatte entsprechend voll ist. Also habe ich die Herausforderng angenommen, 20 bis 30 Bilder herauszusuchen. Allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, dass ich mich so schwer entscheiden kann und so viele geeignete Bilder finde…

Also habe ich meine Auswahl von über 100 Bildern gesammelt auf einer Pinwand abgelegt und die Kolleginnen um Auswahl durch Likes gebeten – nun können wir individuell unsere Kartei zusammenstellen. Falls ihr die Fotos auch brauchen könnt, dürft ihr sie gern nutzen. Ich gebe sie unter der Lizenz „cc by nc“ weiter – ihr könnt sie also kostenfrei nutzen, dabei irgendwo erwähnen, dass sie von mir sind, aber sie nicht verkaufen, auch nicht eingebunden in Material.

Viel Freude mit den Fotos!
Katha

Mein Motto für 2024: „Ankommen!“ (Blogparaden-Beitrag)

Mehrere spannende Menschen aus dem #bluelz (Vernetzung bei Bluesky) bzw. #twlz (Vernetzung bei X, ehem. Twitter) haben eine Blogparde für 2024 ins Leben gerufen, deren erstes Thema „Mein Motto für 2024“ ist. Hier könnt ihr den Startschuss und die weiteren Blogs verfolgen: https://herrmess.de/2024/01/07/edublogparade-2024-1-runde/

Mein erster Gedanke war, dass ich auf jeden Fall dabei sein möchte. Mein zweiter Gedanke war, was für ein Motto ich den wohl haben könnte, da ich eigentlich selten mit einem Motto arbeite. Irgendwie hatte ich dann aber direkt den Begriff „Ankommen!“ im Kopf, der jetzt also als Motto herhalten darf. Ich versuche mal, dem Begriff und seinen Bedeutungen im beruflichen Kontext nachzuspüren.

1. In der Schule
Hier passt Ankommen dieses Jahr so gar nicht wirklich hinein, da ich ab dem Halbjahresbeginn wieder einmal ohne schulische Stunden arbeiten werde. Räumlich komme ich dort also gar nicht an, aber bezogen auf die Schule sind mir verschiedene Dinge in den letzten Wochen klar geworden, die ich gern 2024 in die Hand nehmen möchte. Grundsätzlich geht es für mich weiterhin um meine Rolle als Lehrkraft, Medienbeauftragte und Kollegin: Wie will ich diese wahrnehmen, wo will ich diese stärken und mit wem möchte ich wirklich arbeiten? Durch meine aktuelle Funktion habe ich da ja den Luxus, dass ich viele Wahlmöglichkeiten habe und selbst an einigen Stellen steuern kann, wie ich mich in der Schule einbringe.

2. Im Seminar (ZfsL)
Hier gilt An(ge)kommen vor allem im Bezug aufs Kernseminar. Der Jahrgang, in dem ich vor gut einem Jahr kurzfristig ein Kernseminar übernommen habe, geht gerade in die Prüfungen und verlässt und dann Ende April. Ihr alle kennt das: beim zweiten Mal von irgendwas ist es schon leichter – und somit freue ich mich, mit viel mehr Erfahrung, Feedback von LAA und Kolleginnen und einigen neuen Ideen im Kopf, auf meinen zweiten Durchgang im Kernseminar.
Angekommen scheint auch unser Podcastprojekt langsam zu sein. Die ersten Folgen sind aufgenommen und wir hoffen noch auf interessierte und mutige LAA, die mit ihren Themen zu uns kommen mögen.
Überhaupt ist die Zusammenarbeit mit der Kollegin, die mit mir auch den Podcast aus der Taufe gehoben hat, ein weiterer Grund, im Jahre 2024 anzukommen – im vertiefenden, intensivierenden Sinne. Gemeinsam werden wir ein neues Arbeitsfeld für uns eröffnen, wenn wir beide eine Gruppe Studenten im Bildungswissenschaften-Kurs im Praxissemester übernehmen.
Nicht zuletzt heißt es für mein gesamtes Kollegium im ZfsL noch „Ankommen!“, da sich durch neue Verordnungen plötzlich viele angehende Lehrkräfte bei uns im Hause wiederfinden, die über einen der Seiteneinstiegswege in den Schuldienst kommen wollen. Gepaart mit einer neuen OVP, einem recht neuen Kerncurriulum und unseren laufenden konzeptuellen Prozessen ist gerade vieles im Umbruch – und ich natürlich mittendrin. Schön, dass ich so ein aktives, konstruktives Kollegium und auf zwei Ebenen tolle Leitungen habe (sagt man ja auch viel zu selten), bei denen ich mich absolut angekommen und wertgeschätzt fühle!

Ankommen – sowohl rückblickend und klarer sehend als auch vorwärts schauend und hoffnungsvoll. So möchte ich ins Jahr 2024 gehen und freue mich darüber, dass mit der wachsenden beruflichen Erfahrung und dem sich weitenden Horizont durch Vernetzung mit wunderbaren Menschen* wirklich etwas mehr Klarheit und Verständnis eintritt.

Euch wünsche ich, dass ihr an ähnlich positive Punkte kommt und nicht nur Belastung oder gar Ausweglosigkeit dominieren.

Katha

* was nichts mit „Älterwerden“ zu tun hat!!!

SeminarBlog: Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz (KI) ist momentan in aller Munde. Vom potentiellen Heilsbringer der Bildung zum Todesstoß derselben ist in den Medien eine große Vielfalt in der Berichterstattung zu finden. Vor allem für die weiterführenden Schulen stellt sich durch textgenerierende KI wie ChatGPT sicher die Frage, ob traditionelle Aufgabenformate zur Textproduktion noch zeitgemäß sind, wenn die KI zum Beispiel jetzt schon Abiturprüfungen bestehen würde. Für die Grundschule spielt KI eher eine kleine Rolle, sofern man dem medialen Hype Glauben schenkt.

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Seminarausbilderin habe ich bislang den Eindruck bekommen, dass KI für die LAA irgendwo zwischen „coolem Tool“ und „Schreckgespenst“ liegt. Vor allem herrscht meines Erachtens bei ihnen viel Unsicherheit, ob und wie KI im Unterricht und der Vorbereitung eingesetzt werden darf. Wir haben als ZfsL vor einigen Wochen bereits eine Handreichung mit Grundsätzen zur Nutzung von KI herausgegeben. Nun ging es mir darum, das Thema KI noch einmal ganz praktisch aufzugreifen und habe einen Kurs in unserem LogineoLMS (Moodle) erstellt, in dem die LAA am Kooperationstag einen ganzen Vormittag lang gearbeitet haben.

Eine grundsätzliche Idee hinter meinen Materialien ist der „Pingpong-Gedanke“ von Jöran Muuß-Merholz. Er beschreibt, dass die KI mich als Lehrkraft nicht ersetzen kann und soll, sondern dass sie mir ein guter Partner beim Entwickeln von Texten und Materialien sein kann, indem meine Prompts und ihre Reaktionen gemeinsam zu einem guten Ziel führen.

Zum Einsatz kamen bei uns die anmeldepflichten, aber kostenlosen Tools Ideogram für Bilder und ChatGPT für Texte. Für die LAA; die sich lieber (noch) nicht bei einem dieser Dienste anmelden mochten, habe ich einen Klassenraum bei den Tools von fobizz angelegt, was momentan im Rahmen des Adventskalenders kostenfrei möglich, sonst aber kostenpflichtig ist.
Die erste halbe Stunde war geprägt von einer technischen Einführung am Beispiel eines Bildes und eines Textes, damit die grundsätzliche Funktionsweise und Idee des Promptens klar wurden für diejenigen, die noch keine KI-Erfahrung hatten (das waren die meisten). Danach arbeiteten alle an den Angeboten meines Lernpfades, die typische Situationen vorgaben, in denen man als Grundschullehrkraft KI nutzen kann: 1) ein Bild generieren, 2) einen Text für die Schüler:innen generieren und 3) eine Stundenplanung entwerfen lassen.

Wer selbst LogineoLMS oder ein anderes Moodle-System nutzt, darf sich hier gern meine Kurssicherung herunterladen, anpassen und nutzen. [Achtung dabei: die Aufgaben in der Lernlandkarte müssen auf jeden Fall neu verlinkt werden, da die Links darin in mein System führen.]

Die Links, die die LAA bekommen haben, sollen euch nicht vorenthalten werden (Bildungsauftrag und so):
💡 Eine Anleitung zum Prompten (was ja irgendwie eine Wissenschaft für sich bzw. ein eigener neuer Beruf zu sein scheint) hat Jan Hartwig verfasst und im #twlz, nein im #bluelz (dem Lehrerer:innenzimmer bei Bluesky) geteilt.
💡 Simone Dietsche hat eine Sammlung von verschiedensten KI-Tools zur Verfügung gestellt.
💡 Erste Gehversuche mit einer KI in der Grundschule im Rahmen einer Einheit zu Personenbeschreibungen hat Maria Kruse beschrieben – danke, Maria!
💡 Verschiedene Ideen zum Einsatz von KI-Tools in der Grundschule (Beispiel: „Der malende Roboter“) bietet auch fobizz an, dessen anmeldefreie Tools ich ja oben schon verlinkt habe. Lasst euch einfach mal inspirieren und nutzt die fertigen Entwürfe!
💡 Stefan Malter hat Ideen gesammelt, wie KI Lehrkräften bei der Unterrichtsvorbereitung helfen kann.
💡 Wie es eigentlich mit den Rechten an KI-Bildern und -Texten steht, könnt ihr hier bei irights.info nachlesen.

Gruß,
Katha

SeminarBlog: Sprachsensibler Unterricht

Aktuell steht im Fachseminar das Thema „Sprachsensibler (Mathematik)Unterricht“ auf dem Plan. Ich versuche hier mal ein Fazit der Schwerpunkte zu teilen.

Theorien:
Meine Kolleginnen und ich stellen nach der Unterscheidung von Alltags-, Bildungs- und Fachsprache das WEGE-Konzept und die Idee des Scaffolding in den Mittelpunkt.

Josef Leisen widmet sich auf der Seite sprachsensiblerfachunterricht.de intensiv dem Thema und beschreibt hier, wie sich Alltagssprache und Bildungssprache unterscheiden und welche Abstufung die Fachsprache hierbei noch zeigt. Wo die Kinder sich in ihren alltäglichen Unterhaltungen auch ohne korrekten Wortschatz oder Grammatik verstehen, bedeutet die Teilnahme am Unterricht einen höheren sprachlichen Anspruch – es werden bestimmte Begriffe zum Verständnis benötigt wie z. B. markieren, Strategien etc. Außerdem orientiert sich Bildungssprache deutlich mehr an der Schriftsprache als an der Mündlichkeit. Fachsprache wiederum erfordert eine noch genauere Kenntnis von Fachbegriffen wie addieren oder Verb.

Das WEGE-Konzept wurde von Lilo Verboom begründet und wird hier bei Pikas gut beschrieben. WEGE steht für Wortspeicher – Einschleifübungen – Ganzheitliche Übungen – Eigenproduktionen und betont, dass ein verbindlicher gemeinsamer Wortschatz für ein Unterrichtsvorhaben festgelegt wird, der visualisiert und immer wieder geübt und genutzt wird. Wichtig ist uns hierbei, dass die LAA erleben und begreifen, warum ein Wortspeicher für viele Unterrichtsvorhaben wirklich wichtig ist und dass er keine „Modeerscheinung“ ist oder etwas, das „man eben für einen UB haben muss“!
Am Beispiel von Wahrscheinlichkeiten an einem Glücksrad haben wir gemeinsam festgestellt, dass sich die Suche nach Schlüsselvokabular lohnt und man dabei nicht nur Nomen haben sollte. Das Visualisieren von Verben und Adjektiven ist zwar etwas aufwändiger, erweitert aber den bildungs- und fachsprachlichen Wortschatz der Schüler:innen ungemein.

Vor allem aus dem Sprachunterricht ist vielen von euch sicher auch das Scaffolding bekannt. Hier geht es darum, dass man „die kommunikative Handlungsfähigkeit von Lernenden mithilfe von zeitlich begrenzten sprachlichen Hilfen erweitern soll.“ (Quelle: Mercator Institut) Solche Gerüste können Satzanfänge und andere chunks sein, also Satzfragmente, mit denen man eigenständig Sätze bilden kann. Diese Hilfen werden wie ein Gerüst aufgebaut (= angeboten) und nach und nach auch wieder abgebaut (= weggelassen, wenn die SuS sie nicht mehr benötigen).

Praxis:
Diese Theorien sind eine wichtige Grundlage für den Hinterkopf und finden in einem sehr praktischen Werkzeug ihren Niederschlag: ein sog. Sprachplanungsrahmen hilft mir als Lehrkraft, bei der Planung eines Unterrichtsvorhabens die Sprache besonders in den Blick zu nehmen. Er hilft, sich zu vergegenwärtigen, welche bildungs- und fachsprachlichen Begriffe eine zentrale Rolle spielen und somit besonders im Blick behalten werden müssen. Nach der Sammlung von Wortschatz (Wortebene) und Sprachstrukturen (Satzebene) kann man dann an den Abgleich mit den Lernvoraussetzungen der Schüler:innen gehen gehen und die methodische und didaktische Planung anpassen.
Wer mag, kann unseren Planungsrahmen gern verwenden, der sich an der Vorlage von Thomas Quehl und Ulrike Trapp orientiert:

Vielleicht nimmst du ja heute die Anregung mit, dem Thema Sprache im Unterricht wieder mal ein Augenmerk zu widmen – dann hätte ich ja schon etwas erreicht… 🙂

Katha

Gedichte, Grammatik und Gruppenarbeit mit Tablets (die Zweite)

Heute möchte ich, wie angekündigt, eine weitere Idee zum Generativen Schreiben mit euch teilen. Die Hintergründe könnt ihr, sofern noch nicht geschehen, hier nachlesen.
Besonders spannend für mich war es, dass mich vier meiner LAA als Hospitant*innen begleiteten. Falls Sie dies lesen: Toll, dass Sie dabei waren! Die Kinder waren am Folgetag ganz traurig, dass ich allein kam.

So vorbereitet, aber leer, war meine Pinwand zu Beginn. Weiter unten sieht man Ergebnisse der Kinder.

Anmerkung zur Zeit: Dieses kleine Vorhaben war für eine Stunde angedacht, hat aber zwei benötigt – also am besten gleich eine Doppelstunde ansetzen.

Einstieg
Zuerst wurde das Gedicht „Komm, wir kehren die Straße“ vorgestellt und inhaltlich geklärt. Begriffe wie kehren und Pfennig benötigten eine Übersetzung in modernes Deutsch. Dann stellte ich den Auftrag vor, dass wir heute selbst auf die Suche gehen wollen und quasi die Straße mit Hilfe von Fotos „kehren“ werden (was doch etwas abstrakt für die Drittklässler war). In Dreiergruppen sollten die Kinder auf dem Schulgelände auf Fotosafari gehen und mit der Tablet-Kamera Dinge ablichten, die auf dem Boden liegen. Außerdem sollen danach diese Dinge ins Gedicht eingebaut werden. Nach Klärung aller Fragen und Gruppenaufteilung ging es dann für zehn Minuten los nach draußen.

Arbeitsphase
Zurück im Klassenraum, bekamen die Kinder von mir einen Zettel mit einem QR-Code (s. 2. Foto) und gelangten so zu ihrer Spalte in der vorbereiteten TaskCards-Pinwand (s.o.). Die Pinwand hatte ich so vorbereitet, dass ich alle Gruppen nebeneinander sehen kann, die Kinder aber während der Arbeitszeit nur ihre eigene Spalte sehen. So ist die Übersichtlichkeit höher und jede Gruppe konnte wirklich ohne Ablenkung für sich arbeiten.

Nun galt es, die Fotos hochzuladen und das Gedicht als Gruppe zu vervollständigen. Diese beiden Teilaufgaben demonstrierte ich kurz von meinem Tablet aus via Beamer und unterstützte ggf. einzelne Gruppen, wenn etwas nicht klapptt. Zum Glück ist TaskCards aber so intuitiv nutzbar, dass es wenige Probleme gab. Die Reihenfolge beim Arbeiten war mir gleich – die Kinder haben größtenteils immer ein Foto hinzugefügt und dann die entsprechende Zeile im Gedicht geschrieben.

Abschluss
Für ein paar Minuten trafen wir uns am Ende nochmal im Plenum und schauten uns die vollständige Pinwand mit allen Gedichten und Fotos an*, auch wenn noch nicht alle ganz fertig waren. Ursprünglich hatte ich folgenden Plan: Wir überlegen, an welchen Stellen die Gedichte noch etwas verfeinert werden könnten, z. B. durch das Einfügen eines beschreibenden Adjektivs. Dazu sind wir nicht mehr so ganz gekommen und haben deshalb nur beispielhaft zwei Textzeilen besprochen und Vorschläge gesammelt („das grüne Blatt“ / „das zerknitterte Blatt“ / „das verwelkte Blatt„). Dies konnte ich dann aber am nächsten Tag nochmal aufgreifen und vor der Arbeitsphase kurz von den Kindern wiederholen lassen.
Erst am Ende dieser noch drangehängten zweiten Stunde konnten wir dann fast alle Gedichte fertig lesen. Zwei Gruppen stellten vor, bekamen ihren wohlverdienten Applaus und eine Würdigung ihrer gelungenen Umschreibungen. Das Highlight war „eine getarnte Spinne„, die so gut getarnt war, dass man sie auf dem Foto kaum sah 🙂

Fazit
Wenn ich Bedienkompetenzen an Medien schulen will, wähle ich dafür i. d. R. Inhalte aus, die zwar fachlich zu rechtfertigen sind (hier: Akkusativ), aber nicht so sehr im Mittelpunkt stehen. Dennoch haben wir begleitenden Lehrkräfte in allen Gruppen Gespräche über die Artikel geführt und die Kinder selbst erhören lassen, dass „Ich finde ein Ohrring“ so nicht stimmt. Auch über Großschreibung und Rechtschreibung überhaupt haben wir an vielen Stellen heute aktiv nachgedacht. Die Klassenlehrerin kann also guten Gewissens zwei Deutschstunden ins Klassenbuch schreiben und dennoch haben die Kinder bei den überfachlichen Kompetenzen wie Zusammenarbeit und im Bereich Medienkompetenz eine Menge gelernt. So soll es sein!

Gruß
Katha

* Ich habe mich entschieden, über mein Tablet & den Beamer die volle Ansicht mit den sechs Spalten zu zeigen, damit wir ein gemeinsames optisches Ziel haben. Ich hätte auch fix die Berechtigungen der Gruppen auf kompletten Lesezugriff stellen können – dann hätte jede Gruppe alles gesehen und nicht mehr schreiben können, aber eben auf verschiedenen Geräten.

Schuljahresrückblick & Ferienpläne

Alle Nordrheinwestfalen haben am Mittwochmittag ziemlich hörbar aufgeatmet und die Sommerferien mit offenen Armen empfangen. Allen Nicht-NRWlern wünsche ich noch ein gutes Durchhaltevermögen!

Für mich ging ein ungewöhnliches Schuljahr zu Ende: aus einem Halbjahr „nur ZfsL und keine Schule“ wurden überraschend zwei Halbjahre, da ich im November für eine erkrankte Kollegin eine Kernseminarleitung übernahm.

Neue Aufgaben
Ein ganz neues Aufgabengebiet also, in das ich mich einarbeiten musste – zum Glück habe ich tolle Kolleginnen um mich, die mich sehr an die Hand nehmen. Die Arbeit im Kernseminar ist eine ganz andere als die im Fachseminar: wir haben mehr Zeit für die Anliegen der LAA und die Themen sind oft aus ihren aktuellen Bedarfen geboren. Es geht mehr in die Tiefe und es entsteht wirklich ein vertrauensvolles Gruppengefüge mit diesen offenen und interessierten Menschen. In NRW ist das KS bewertungsfrei – ohne diese Bedingung wäre das sicher sonst auch schwer möglich. Außerdem haben schon viele meiner LAA Coachings bei mir wahrgenommen, was ziemlich anspruchsvoll, aber auch echt bereichernd ist.

Fortbildungen
Damit ich coachen darf, habe ich von Juni 22 bis Mai 23 an der POB-C-Qualifizierung teilgenommen und dort wahnsinnig viel gelernt. (Vor allem, dass die besuchten Tagungshäuser extrem unterschiedliche Qualität haben!) Mit anderen KS-Leitungen aus allen Lehrämtern und ZfsL aus NRW ging es um verschiedene Coachingtools und ganz viel um Haltung und Werte – solltet ihr mal vor der Frage stehen, ob ihr diese Quali mitmachen wollt: sagt ja!
Im September habe ich es durch die nicht vorhandene Bindung an Schultage auch zum ersten Mal zur Molol* in Hannover geschafft, einer Tagung/Fortbildung mit Ausstellung und Workshops. Das waren zwei spannende Tage, in denen ich Bekannte aus dem #twlz getroffen habe und an spannenden Angeboten teilnehmen durfte. Auch die Ausstellung fand ich klasse, weil es eben schwerpunktmäßig um Medien ging und ich nicht (wie z.B. bei Didacta und Co) interessante Stände suchen musste.
Mein Vorhaben, u.a. bei fobizz schön viele Fortbildungen mitzunehmen, hat hingegen nicht so geklappt. Es war dann doch immer ne Menge los und die nötige Ruhe für ein mehrstündiges Angebot fehlte mir oft. Aber so wie es aussieht, kann ich den Account noch nutzen und nichts ist verloren. 🙂
Einige Fachbücher habe ich geschafft und mich u.a. vertieft in die Orthografie und die Leseförderung eingelesen – der Stapel bleibt aber weiterhin hoch…
Schön war, dass ich selbst in verschiedenen Settings quer durch die Republik wieder Fortbildungen und Workshops anbieten konnte. Ich mach das ja einfach immer gern und freue mich, wenn die TN etwas herausfinden oder ausprobieren oder mitnehmen können.

Seminar / Alte Aufgaben
Mein neues Fachseminar Deutsch/Mathematik startete zum 01.11.22 und stellte sich als sehr nette Truppe lernwilliger junger Menschen heraus. Mit einer neuen Kollegin gibt es wieder mehr Planungstreffen als zuletzt, was aber immer wieder gut zum Hinterfragen des Bewährten ist! So sind wir mit der Fülle der Inhalte von zwei komplementären Fächern innerhalb eines FS immer noch nicht zufrieden, haben aber den Eindruck, dass wir besser einschätzen können, welche Bereiche exemplarisch als Lernsituation wichtig sind.

Schule
… war ja nicht in diesem Schuljahr. Außer der Woche im November, wo ich eingesprungen bin, damit zumindest in jeder Klasse noch eine Lehrkraft steht (und auf deren Mehrarbeits-Bezahlug ich noch immer warte). Mein Angebot, mich für Medienarbeit dazuzuholen, wurde leider nicht angenommen. So war ich nur sporadisch mal zu Besuch vor Ort. Die Freude, dass ich ab August wieder einen wöchentlichen Schultag habe, ist momentan groß. Es geht dabei aber wohl weniger um mich als Menschen, sondern mehr darum, dass sich wieder jemand regelmäßig um die Technik kümmert. 🙈

Tja, und nun stehen die Ferien an. Eine Woche habe ich jetzt Zeit zum Aufräumen des Büros und privat zum Kofferpacken. Dann schaue ich mal, dass ich zumindest meine angebrochenen Fachlektüren noch beendet kriege („Seminardidaktik“, „Nextcloud“ und „Digitalität in Schule und Unterricht“).

Allen, die bis hierher gelesen haben, wünsche ich wunderbare Ferien! Genießt sie und lasst sie euch nicht schlechtreden! Ihr habt ne Menge geleistet dieses Jahr!

Katha

* Im September 23 ist auch wieder Molol! Kommt mal vorbei! Einen Workshop zu kollaborativen Tools gibt es auch von mir.

Literaturunterricht mit dem Lesebuch !?

„Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht“ (bei mir mit hpL abgekürzt) ist sicher ein Konstrukt, das vielen Mitlesenden bereits in Studium und Seminar über den Weg gelaufen ist. Als Fachleiterin ist dies eines meiner absoluten Lieblingsthemen – und steht gerade wieder an.

Der Begriff des hpL geht vor allem zurück auf Kaspar H. Spinner, der sich bereits in den 1970ern der Feststellung näherte, dass Kinder einen intensiveren Zugang zu Literatur erreichen, wenn sie sich handelnd und produktiv mit dieser auseinander setzen und nicht nur rezipieren.
Wer sich noch einmal in die Theorie des hpL eindenken möchte, dem/der empfehle ich dieses Video einer Studierenden auf YouTube.
In das Zeitalter des digitalen Arbeitens haben u.a. Thomas Irion, Verena Knoblauch und Nina Authenried dieses Konstrukt geführt, wie man in dieser kostenlosen Veröffentlichung des Grundschulverbands ab S. 229 nachlesen kann.

Der Grundgedanke des hpL ist es, dass die Kinder einen literarischen Text nicht einfach nur lesen und vielleicht noch Verständnisfragen dazu beantworten. Hiermit kann die Kompetenz des sinnentnehmenden Lesens überprüft und bestenfalls geschult werden; der Einsatz von Lesestrategien schließt an dieser Stelle an.
Der Name hpL verrät bereits, dass der Unterricht nun aber mit dem Lesen eines Textes nicht endet, sondern erst beginnt. Vielfältige Aktivitäten lassen sich anschließen, die alle eines gemeinsam haben: sie ergeben am Ende ein Produkt – einen Text, ein Bild, eine Präsentation.
Indem die Kinder Texte verfassen, die irgendwie von dem gelesenen Text ausgehen, an ihn anknüpfen oder auch mit den Figuren des Ursprungstextes verknüpft sind, erleben die SuS Literatur als etwas Lebendiges, etwas, das sich für jeden Rezipienten anders anfühlen kann. Eine Individualisierung entsteht, wenn die Kinder dazu Aufgaben/Textformen wählen dürfen und in der inhaltlichen Gestaltung im Rahmen der grundlegenden Vorgaben zu Texten frei sind.
Wie der Junge auf diesem mit Midjourney generierten Bild, so erlebe ich Kinder, die sich aktiv mit einem literarischen Text auseinander setzen können: viele Ideen, viel Eigenständigkeit, mehr Freude an Literatur.

Mögliche Herangehensweisen des hpL sind diese:

Gern werden diese Zugänge nicht nur für einzelne Texte genutzt, sondern für die Arbeit mit Ganzschriften. Mit diesen „Lektüren“ haben Kinder in der Grundschule zum ersten Mal Kontakt. Es wäre doch schade, wenn dieser erste Kontakt mit der intensiven Arbeit an einem Buch nur aus dem Beantworten von Inhaltsfragen bestünde, was in vielen sog. Lesebegleitheften Alltag ist. Also kommen gern Leserollen, Lesetagebücher, Lesekisten und andere Formen zum Einsatz, die einen mehr oder minder individuellen Zugang der SuS zu ihrem Stückchen Literatur ermöglichen. Pflicht- und Wahlaufgaben sollen sicherstellen, dass das Buch inhaltlich gut erarbeitet wurde, und dennoch jedes Kind seine eigenen Schwerpunkte setzen kann.

Ein Nachteil, der meiner Erfahrung nach viele Lehrkräfte von solch einer Arbeitsweise abbringt, ist die Größe des Gesamtvorhabens. Aus diesem Grund arbeite ich mit meinen LAA eine Nummer kleiner – nämlich an ihren jeweiligen Lesebüchern. Viele Lesebücher bieten heute nicht nur didaktische Texte sondern auch Auszüge aus „echten Büchern“, also kinderliterarischen Werken. Auch die Qualität der abgedruckten Sachtexte oder Gedichte ist dem alten Gedanken der Fibel längst entwachsen und nicht selten findet sich eine solide Auswahl verschiedener Textformen rund um ein Oberthema. Es lohnt sich, die Zeit zu investieren und das eigene Lesebuch mal unter die Lupe zu nehmen, es weniger stiefmütterlich zu behandeln und aus der „muss ich ja mal nutzen“-Ecke herauszuholen!

So sieht es in meinem Beispielbuch* aus: Überall kleben Zettelchen und (was man nicht sehen kann) ich habe wirklich zu allen 15 Herangehensweisen von oben einen geeigneten Text gefunden. Ein wenig besser könnt ihr das in diesem Video (unten auch direkt anzusehen) nachvollziehen, das ich als Arbeitsauftrag für meine LAA nutze.

Was das für meinen Unterricht bedeutet? Ich kann viele kleine Angebote machen, im Sinne des hpL zu arbeiten und nicht nur „Text lesen – Lesetest schreiben“. Je nach Anlage meines Unterrichts können alle SuS die gleiche Aufgabe oder eine Auswahl von mir zur Verfügung gestellt bekommen. Ersteres bietet sich gerade dann an, wenn die SuS mit einer Herangehensweise noch nicht allzu vertraut sind. Zweiteres ist z.B. dann gut geeignet, wenn ich ein gemeinsames Oberthema (Jahreszeit, Natur, Technik…) in den Mittelpunkt stellen will und die Kinder sich dem Thema individuell nähern sollen. So können tolle Klassenprodukte entstehen wie gemeinsame Bücher, Ausstellungen oder Präsentation, Videos etc., die nichts mit der Sammlung der immer gleichen Texte zum für alle gleichen Schreibanlasszu tun haben.

Hach, jetzt ist es doch wieder länger geworden als geplant, aber ihr sollt endlich auch mal wieder etwas anderes zu lesen bekommen als Rezensionen! Ich würde mich über eure Kommentare freuen, wenn ihr Texttipps oder Buchempfehlungen für mich/uns habt oder wenn ihr noch eine tolle Herangehensweise kennt, die in meiner Auflistung fehlt.

Herzliche Bücherwurmgrüße
Katha

* Dies ist das Jojo-Lesebuch 4 von Cornelsen. ich nutze es, da es momentan das Lesebuch ist, das ich am besten kenne, weil ich dazu ja die Handreichungen und viele KV verfasst habe. Ich nutze es auch, weil ich die Textauswahl und -bandbreite wirklich gut finde. Ich bekomme kein Geld für diese Nennung.