Eine liebe Kollegin schulte heuer wieder eine erste Klasse ein. Sie hat seit mehreren Durchgängen das gleiche Klassentier (naja, mehrere Generationen der gleichen Art…) und zeichnet dies gern auch mal unter Schülerarbeiten etc. So kam bei mir die Idee auf, ihr einen Stempel zu schenken, um das etwas zu verienfachen und trotzdem persönlich zu halten.
So sieht der jetzt aus:
Und so bin ich dazu gekommen: Zuerst habe ich die Kollegin um eine ihrer Zeichnungen gebeten. Diese habe ich dann in Goodnotes eingefügt und mit dem Stift nachgezeichnet, da ich eine reine Strichzeichnung nutzen wollte. Jedes andere Grafikprogramm tut es auch, aber in GN bin ich eben am sichersten. Danach habe ich die Grafik gespeichert und in Canva weiter gearbeitet: eine Vorlage für einen „Stempel rund“ rausgesucht, die Texte angepasst und mittig die Strichzeichnung eingefügt. Mit dem gespeicherten Endprodukt bin ich zum Stempel-/Druckmenschen vor Ort gegangen, der mir daraus einen Perpetuum-Stempel angefertigt hat. 😎 [Geht sicherlich auch einfacher, wenn man ein schönes Grafikprogramm beherrscht, aber das tu ich eben nicht…]
Da ich zuletzt gehäuft in Kontakt mit dem Konstrukt der „Exekutiven Funktionen“ in Kontakt gekommen bin und mir zuletzt vor allem der Begriff „Bedürfnisaufschub“ bei Kindern begegnete, muss ich mir heute mal ein paar Gedanken dazu vom Herzen schreiben.
Vorab: Exekutive Funktionen sind ein Thema, das vor allem über den Sport zur Zeit Einzug in Schulen hält. Hier finde ich es ganz übersichtlich zusammengefasst. Die bei Kindern zu fördernden Funktionen sind Inhibition (Bedürfnisaufschub), Arbeitsgedächtnis und Kognitive Flexibilität – und hier merken auch Nicht-Sportlehrkräfte schnell, dass diese nicht nur in der Turnhalle benötigt werden.
Eine weitere Wahrnehmung: Ein Grund, warum viele Lehrkräfte darüber klagen, dass das Unterrichten immer schwieriger wird, ist die fehlende oder schwach ausgeprägte Fähigkeit einiger SuS, ihre eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen oder aufzuschieben sowie die Bedürfnisse anderer Menschen wahrzunehmen und ihre eigenen ggf. unterzuordnen. Auch Eltern fallen immer häufiger dadurch auf, dass sie nur die Bedürfnisse ihres Kindes im Blick haben und durchsetzen wollen, ohne Rücksicht auf Lehrkräfte, die Klasse oder schulische Belange zu nehmen (diese zu sehen?). Auch ich selbst habe schon oft gestöhnt über solche Vorgänge, eltern- wie kinderseits.
Wohin ich eigentlich möchte, weil es mich bewegt: Mir scheint es, als habe unsere Gesellschaft in großen Teilen verlernt, Bedürfnisse aufzuschieben. Das betrifft bei Weitem nicht nur die Kinder – aber bei denen fällt es in einem so hierarchischen und historischen Rahmen wie Schule eben schneller auf. Als ich ein Kind war, konnten wir immer genau eine Folge unserer Lieblingsserie schauen und mussten dann auf die nächste Woche warten. Wenn etwas bestellt wurde, wartete man eine vorher unbekannte Zahl an Tagen darauf. Läden schlossen meist um 18 Uhr, vielerorts gab es auch noch Mittagspausen. Wenn ich meine Lieblingsmusik hören wollte, musste ich die entsprechenden CDs kaufen oder sonntags mit dem Kassettenrecorder versuchen, meine Lieblingslieder aus der 1Live-Hitfahrzentrale mitzuschneiden. Wollten wir etwas recherchieren, gingen wir in die Bücherei. Wollten wir einen Film sehen, war die Videothek unser Ziel. Ich könnte diese Aufzählung beliebig lang fortsetzen. Heute bekomme ich fast alles sofort: Musik, Serien, Filme kann ich streamen, wann und wo ich will. Online erfahre ich zu jedem möglichen Thema eine Menge und zwar sofort. Bestellungen aus dem Netz kommen oft morgen an. Können wir noch Bedürfnisse aufschieben? Halten wir es aus, etwas nicht sofort oder baldmöglichst zu wissen, sehen, hören, erhalten?
Ich beobachte in meiner kleinen Familie, dass weder wir Erwachsenen noch die Kinder viele Bedürfnisse aufschieben müssen. Dennoch habe ich von Beginn an bei meinen Kindern Wert darauf gelegt, dass nicht jeder Wunsch erfüllt wird, dass sie auch mal unbequeme Dinge erledigen, dass sie das Abwägen von Bedürfnissen der Familienmitglieder lernen. Der Kindergarten hat zum Glück genauso gearbeitet und mit den wachsenden Kompetenzen der Kinder mehr von ihnen gefordert. So kann ich zumindest hoffen, dass meine Jungs in der Schule und im Leben drumherum nicht diese Kinder sind, die ihre Interessen rücksichtlos durchsetzen, weil sie einfach kein „nein“ oder „später“ gewöhnt sind.
Im Bekanntenkreis, in der Öffentlichkeit und in den Medien erlebe ich häufig Familien, die das Erfüllen aller Kinderwünsche als oberste Priorität und Erziehungsmaxime anzusehen scheinen. Möglichst viel Spielzeug zu haben, zählt mancherorts als „gute Erziehung“. Den Kindern alle Hürden wegzuräumen (Hilfe, Helikopter!) scheint bei anderen eine gute Elternschaft auszumachen. All dies und unser Vorleben von „ich kann alles sofort haben“ durch uns Erwachsene führen dazu, dass tatsächlich immer öfter Kinder in unseren Klassen sitzen, die einen Bedürfnisaufschub einfach nicht kennen. Was das für die Arbeit mit einer Klasse bedeutet, brauche ich hier niemandem zu erklären.
Ich bin kein Fan von einem weiteren Projekt oder Unterrichtsthema, das wir auf unsere eh schon vollen Lehrpläne obendrauf packen. Das Thema „Exekutive Funktionen“ besticht für mich in seiner Sichtbar- und Bewusstmachung: viele Übungen und Spiele (u.a. im Sportunterricht) fördern die EF. Wenn man diese bewusster einsetzt und mit Reflexionsphasen ergänzt, kann man ganz ohne Extraprogramme sicher viel für seine Klasse gewinnen.
So, gut für heute. Gesellschaftskritik ist immer schwierig. Katha
In den letzten Monaten sind mir mehrere ganz besondere Bilderbücher über den Weg gelaufen*: Bilderbücher ganz ohne Erzähl- oder Sprechtext, sondern nur voller Bilder. Diese Bücher lassen naturgemäß viel Freiraum für Fantasie und Sprache.
Drei Beispiele möchte ich euch vorstellen: „Die Torte ist weg“ von The Tjong-Khing, „Der Junge und der Elefant“ von Freya Blackwood und „Tief im Ozean“ von John Hare. Drei ganz verschiedene Geschichten, die aber doch ähnliche Zugänge für einen sprachfördernden Unterricht bieten können.
1) „Die Torte ist weg“ von The Tjong-Khing Ein Wimmelbuch: verschiedene Tierfamilien bzw. einzelne Tiere bewegen sich in einer Art Rennen durch das Buch und sind auf jeder Doppelseite wieder in verschiedene Interaktionen verwickelt. Ausgangspunkt ist der Diebstahl eine frisch gebackenen Torte bei Familie Hund. 👍🏻 Hier entstehen verschiedene Erzählungen und Geschichten, je nachdem, welchem Tier man folgt. Handlungsstränge verbinden sich manchmal, lösen sich aber auch wieder auf, bis am Ende alle gemeinsam feiern können. 👎🏼 Man muss aufpassen, dass sich die Erzählungen nicht zu sehr nach „und dann…“ anhören, was leicht passieren kann. Entweder heißt es also, Satzanfänge zu sammeln oder viel Zeit für das Entwickeln eines Erzählplans zu investieren, um dem vorzubeugen.
2) „Der Junge und der Elefant“ von Freya Blackwood Diese ganz besondere Freundschaftsgeschichte handelt von einem Jungen, der einen ganz besonderen Baum zum Freund hat und diesen vor dem Abholzen rettet. Die Handlung spielt eher im alltäglichen Lebensraum der Kinder: Wohnung, Straße, Schule, Wald – das hat Vorteile bzgl. des Wortschatzes. 👍🏻 Auch sprachärmere Kinder können hier viel auf den Bildern benennen und beschreiben. Anders als beim Tortenbuch lässt dieses mehr Spielraum für Interpretationen und Spekulationen und auch die Möglichkeit des Weitererzählens nach dem Ende des Buches.
3) „Tief im Ozean“ von John Hare Mein aktueller Liebling ist diese zauberhafte Geschichte aus den Tiefen des Meeres: eine Lehrkraft besucht mit einer Klasse Schulkinder die Tiefsee – allesamt in Tauchanzügen. Ein Kind hat eine Kamera dabei und verliert beim Fotografieren den Asnchluss an die Klasse (könnte ich sein…). Als dann die Klassemit dem Tauchboot wieder aufbricht, bleibt das Kind allein zurück und trifft noch verschiedene Tiefseebewohner inkl. Meereungeheuer. Mit diesem zusammen findet es eine versunkene Stadt, zerstört sie versehentlich und baut sie auch wieder auf. 👎🏼 Zum Erzählen dieser Geschichte ist deutlich mehr Wortschatzarbeit / Scaffolding nötig als bei den beiden anderen Büchern. Es bietet sich zusammen mit dem Sachunterricht fast schon eine thematische Unterrichtseinheit an. 👍🏻 Die Fantasie und Fabulierfähigkeit der Kinder werden hier absolut gefordert und gefördert. Es geht dabei los, dass die Hauptfigur durch den Taucheranzug überhaupt nicht definiert wird und so jedes Kind selbst festlegt, wer sein Held oder seine Heldin ist. Zudem gibt es verschiedene Stellen im Buch, an denen die Geschichte unterbrochen und von den Kindern eine Fortsetzung antizipiert werden kann. Durch die klare Einfachheit der Bilder können die Kinder hierzu auch gut selbst Zeichnungen anfertigen.
Zusammengefasst gibt es für textfreie Bilderbücher viele Ideen, aus denen man passend zum Buch und zur Lerngruppe wählen kann: – zu den vorhandenen Bildern erzählen (ggf. Fotos machen, damit jedes Kind die Bilder z.B. auf einem Tablet nutzen kann) – Aufzeichnen der Erzählungen mit der Sprachmemo-Funktion am Tablet o.a. – eigene Bilder malen und dazu erzählen (Fortsetzung, alternatives Ende, Antizipieren ab Abbruchstelle im Buch) – selbiges ist alles auch als Schreibanlass denkbar – Bilderrätsel (ein Kind beschreibt eine Stelle auf der Seite, eines errät diese)
Zur Vorbereitung hilft es den Kindern, sich Notizen in schriftlicher oder bildlicher Form zu machen. Der gute alte „Rote Faden“ kann hier gut genutzt werden, da er den Kindern eine gute Orientierung während des Erzählens bietet. Dazu können aufwändig Kärtchen an rote Wolle getackert/geklebt/gebunden werden oder man nutzt ein größeres Blatt mit Text-/Bildfeldern und lässt die Kinder den roten Faden einfach hineinzeichnen. Bei älteren Kindern können auch Erzählpläne zum Einsatz kommen, die dann etwas vorstrukturierter sind – mehr Orientierung, aber auch mehr Planung. Wie immer gilt der Gedanke des Spiralcurriculums: einfach anfangen, später anspruchsvoller wieder drangehen.
Zuletzt möchte ich noch einmal eine Lanze für das „Primat der Mündlichkeit“ brechen: Es ist wichtig, dass mündliches Erzählen nicht nur als Vorübung zum schriftlichen Erzählen eingesetzt wird! Wenn die Kinder immer „befürchten“ müssen, dass sie das Erzählte später noch aufschreiben müssen, hemmen wir sie unnötig. Lasst die Kinder erzählen, belasst es beim Mündlichen. Experimentiert mal mit Aufnahmen und erlebt, wie auch Kinder sich hören und verbessern möchten!
Abschlusstipp: auch und gerade beim mündlichen Erzählen kann man nach Beate Leßmann „Schreibgeheimnisse“ sammeln – dann muss man sie nur anders benennen 😉 Kinder können so zum Einen am Vorbild (Mitschüler*in / Lehrkraft) lernen und ihren Wortschatz erweitern und lernen zum Anderen, dass sie stolz auf ihre Ideen sein können und nicht in ein „der hat bei mir abgeschaut!“ verfallen müssen. Erste Ansätze von sharing is caring könnten erkennbar sein.
Nun viel Spaß mit euren liebsten Bilderbüchern mit oder ohne Text. Wenn ihr noch ein cooles textfreies kennt, das ich hier aufnehmen sollte, schreibt gern einen Kommentar!
Eure Katha
* Nun ja, ich sehe einfach zu oft tolle Bücher in UB und Prüfungen, die dann irgendwie irgendwann auch in meinem Regal stehen…
Titel: „Der Junge und der Elefant“ Verlag: Knesebeck (hier klicken) Autorin/Illustratorin: Freya Blackwood ISBN: 978-3-95728-710-6
Zum Inhalt: Ein Junge, ein Baum, ein Elefant: in diesem textlosen Bilderbuch lernen wir einen Jungen kennen, der seinen Alltag in einer eher hektisch anmutenden Stadt, der Schule bestreitet und dabei recht einsam wirkt. Im Wald jedoch, wohin er sich zurückzieht, gibt es einen besonderen Baum, der wie ein Elefant aussieht und mit dem ihn eine lange Freundschaft verbindet. Als jedoch das Waldgrundstück verkauft wird und die Bäume gefällt werden sollen, braucht es einen Plan, an dessen Ende so etwas wie eine Win-Win-Situation entsteht. 🌳
Meine Meinung: Freya Blackwoods Zeichnungen haben mich früher bereits in dem Buch „Zuhause kann überall sein“ beeindruckt. Außerdem habe ich mich sehr auf dieses texfreie Buch gefreut, da ich zuletzt mehrfach die Magie erleben durfte, wenn Kinder zu Büchern ohne vorgegebenen Text erzählen. „Der Junge und der Elefant“ haben mich in dieser Hinsicht nicht enttäuscht: die Bilder sind reich von Gefühlen des Jungen, die in seinem Körper, seinem Gesicht und seiner Umgebung wunderbar zu erkennen sind. Dennoch gibt es Interpretationsspielräume, die Leser*innen individuell füllen können. Nicht zuletzt gibt es für Kinder Situationen, in denen sie sich wiederfinden können und so einen individuellen Bezug zur Geschichte haben. Die Illustrationen sind teils seitenfüllend, teils klein, teils Bildfolgen wie im Comic. So wie Blackwood bei „Zuhause kann überall sein“ mit Rot- und Blautönen als Kontrast gearbeitet hat, so sind es hier Sonne und Schatten, die fröhliche und traurige/unsichere Gefühle repräsentieren.
Leseempfehlung: Eine klare „Lese“empfehlung für alle Buchliebhaber*innen kann ich heute aussprechen! Das Bilderbuch zieht einen regelrecht in seinen Bann und bietet auch bei mehrmaligem Anschauen immer wieder neue Details zu entdecken. Auch für Kita und/oder Grundschule kann ich euch „Der Junge und der Elefant“ eindeutig ans Herz legen – tolle Gesprächsanlässe und sicher auch künstlerisch eine Inspiration.
Vielen Dank an den Knesebeck-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Alle Nordrheinwestfalen haben am Mittwochmittag ziemlich hörbar aufgeatmet und die Sommerferien mit offenen Armen empfangen. Allen Nicht-NRWlern wünsche ich noch ein gutes Durchhaltevermögen!
Für mich ging ein ungewöhnliches Schuljahr zu Ende: aus einem Halbjahr „nur ZfsL und keine Schule“ wurden überraschend zwei Halbjahre, da ich im November für eine erkrankte Kollegin eine Kernseminarleitung übernahm.
Neue Aufgaben Ein ganz neues Aufgabengebiet also, in das ich mich einarbeiten musste – zum Glück habe ich tolle Kolleginnen um mich, die mich sehr an die Hand nehmen. Die Arbeit im Kernseminar ist eine ganz andere als die im Fachseminar: wir haben mehr Zeit für die Anliegen der LAA und die Themen sind oft aus ihren aktuellen Bedarfen geboren. Es geht mehr in die Tiefe und es entsteht wirklich ein vertrauensvolles Gruppengefüge mit diesen offenen und interessierten Menschen. In NRW ist das KS bewertungsfrei – ohne diese Bedingung wäre das sicher sonst auch schwer möglich. Außerdem haben schon viele meiner LAA Coachings bei mir wahrgenommen, was ziemlich anspruchsvoll, aber auch echt bereichernd ist.
Fortbildungen Damit ich coachen darf, habe ich von Juni 22 bis Mai 23 an der POB-C-Qualifizierung teilgenommen und dort wahnsinnig viel gelernt. (Vor allem, dass die besuchten Tagungshäuser extrem unterschiedliche Qualität haben!) Mit anderen KS-Leitungen aus allen Lehrämtern und ZfsL aus NRW ging es um verschiedene Coachingtools und ganz viel um Haltung und Werte – solltet ihr mal vor der Frage stehen, ob ihr diese Quali mitmachen wollt: sagt ja! Im September habe ich es durch die nicht vorhandene Bindung an Schultage auch zum ersten Mal zur Molol* in Hannover geschafft, einer Tagung/Fortbildung mit Ausstellung und Workshops. Das waren zwei spannende Tage, in denen ich Bekannte aus dem #twlz getroffen habe und an spannenden Angeboten teilnehmen durfte. Auch die Ausstellung fand ich klasse, weil es eben schwerpunktmäßig um Medien ging und ich nicht (wie z.B. bei Didacta und Co) interessante Stände suchen musste. Mein Vorhaben, u.a. bei fobizz schön viele Fortbildungen mitzunehmen, hat hingegen nicht so geklappt. Es war dann doch immer ne Menge los und die nötige Ruhe für ein mehrstündiges Angebot fehlte mir oft. Aber so wie es aussieht, kann ich den Account noch nutzen und nichts ist verloren. 🙂 Einige Fachbücher habe ich geschafft und mich u.a. vertieft in die Orthografie und die Leseförderung eingelesen – der Stapel bleibt aber weiterhin hoch… Schön war, dass ich selbst in verschiedenen Settings quer durch die Republik wieder Fortbildungen und Workshops anbieten konnte. Ich mach das ja einfach immer gern und freue mich, wenn die TN etwas herausfinden oder ausprobieren oder mitnehmen können.
Seminar / Alte Aufgaben Mein neues Fachseminar Deutsch/Mathematik startete zum 01.11.22 und stellte sich als sehr nette Truppe lernwilliger junger Menschen heraus. Mit einer neuen Kollegin gibt es wieder mehr Planungstreffen als zuletzt, was aber immer wieder gut zum Hinterfragen des Bewährten ist! So sind wir mit der Fülle der Inhalte von zwei komplementären Fächern innerhalb eines FS immer noch nicht zufrieden, haben aber den Eindruck, dass wir besser einschätzen können, welche Bereiche exemplarisch als Lernsituation wichtig sind.
Schule … war ja nicht in diesem Schuljahr. Außer der Woche im November, wo ich eingesprungen bin, damit zumindest in jeder Klasse noch eine Lehrkraft steht (und auf deren Mehrarbeits-Bezahlug ich noch immer warte). Mein Angebot, mich für Medienarbeit dazuzuholen, wurde leider nicht angenommen. So war ich nur sporadisch mal zu Besuch vor Ort. Die Freude, dass ich ab August wieder einen wöchentlichen Schultag habe, ist momentan groß. Es geht dabei aber wohl weniger um mich als Menschen, sondern mehr darum, dass sich wieder jemand regelmäßig um die Technik kümmert. 🙈
Tja, und nun stehen die Ferien an. Eine Woche habe ich jetzt Zeit zum Aufräumen des Büros und privat zum Kofferpacken. Dann schaue ich mal, dass ich zumindest meine angebrochenen Fachlektüren noch beendet kriege („Seminardidaktik“, „Nextcloud“ und „Digitalität in Schule und Unterricht“).
Allen, die bis hierher gelesen haben, wünsche ich wunderbare Ferien! Genießt sie und lasst sie euch nicht schlechtreden! Ihr habt ne Menge geleistet dieses Jahr!
Katha
* Im September 23 ist auch wieder Molol! Kommt mal vorbei! Einen Workshop zu kollaborativen Tools gibt es auch von mir.
Titel: Digital lesen. Was sonst? Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht (hier klicken) Autor: Andreas Gold ISBN: 978-3-525-70334-2
Zum Inhalt: Andreas Gold ist Seniorprofessor am Institut für Psychologie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und beschäftigt sich mit Leseforschung, Lernen und Gedächtnis sowie die Lehr-Lern-Forschung. Für „Digital lesen“ hat er verschiedene Studien analysiert, die weltweit in den letzten Jahren rund um das analoge und digitale Lesen veröffentlicht wurden. Er beschreibt darauf basierend positive wie negative Aspekte des Lesens auf Bildschirmen gegenüber dem Lesen auf Papier für die Altersstufen Kleinkinder, Kindergarten, Schulzeit und Erwachsene. Deutlich wird immer wieder, dass ein solcher Vergleich porblematisch ist und oft keine eindeutigen Ergebnisse aus Studien gezogen werden können, da die Möglichkeiten des digitalen Lesens so weit über Printmedien hinausgehen. Deswegen werden in vielen Studien Bildschirmtexte gelesen, die eigentlich nur ein digitalisiertes Abbild eines analogen Textes sind… Durch alle Kapitel hinweg kommen sowohl optimistische als auch kritische Stimmen zu Wort. Aus der deutschsprachigen Lesedidaktik sind u. a. Renate Valtin und Cornelia Rosebrock vertreten. Ich gehe wohl nicht zu weit, wenn ich als Fazit verrate, dass analoges und digitales Lesen nebeneinander bestehen sollten und die Schülerinnen und Schüler Strategien für beides erlernen müssen, wobei vor allem das Lesen von Hypertexten besonders angeleitet und geübt werden muss.
Meine Meinung: Als Seminarausbilderin ist es mein Job, immer auf dem aktuellen Stand der Forschung zu sein, was mir vor allem im Fach Deutsch sehr am Herzen liegt. Da dieses Buch zwei meiner Steckenpferde vereint (Lesen und Digitalität), habe ich mich sehr über dieses Rezensionsangebot gefreut. Beim Lesen fand ich viele meiner Erfahrungen, Beobachtungen und Meinungen bestätigt und gehe mit dem guten Gefühl aus dem Buch, maches richtig zu machen und zu lehren. Mir gefiel die vielseitige Betrachtung des Themas und ich hinterfrage sicher Manches jetzt noch einmal anders. Hilfreich für den Lesefluss war der konsequente Einsatz von Fußnoten statt Anmerkungen – und ja, ich lese Fachliteratur lieber als Buch, markiere und annotiere viel darin.
Leseempfehlung: Allen, die den üblichen antidigitalen Nörglern mal wieder ein paar Fakten entgegnen möchten, sei dieses Buch absolut empfohlen. Allen, die wie ich mit angehenden Deutschlehrkräften arbeiten, natürlich ebenso. 🙂
Vielen Dank an den Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!
Ferienzeit ist ja immer auch Zeit, ein wenig zur Ruhe zu kommen und Liegengebliebenes aufzuarbeiten – das kennt ihr sicherlich auch. Hier heißt das momentan viel Gemütlichkeit und Faulenzen, da beruflich wenig zu schaffen ist und auch die Kinder eher im Erholungsmodus sind.
Die Nachbereitung der letzten Seminare und des vergangenen POB-C-Moduls ist erledigt, das vorgenommene Fachbuch immerhin schon zur Hälfte gelesen (Rezension folgt bald), dafür auch schon zwei private Bücher geschafft. Unsere zwei frisch eingezogenen Katzen wurden kastriert und hadern nun noch ein paar Tage mit den doofen Bodys, die sie tragen müssen – sie brauchen grad viele Streicheleinheiten. Ein bisschen Familienbesuch und die beiden dörflichen Osterfeuer gab es auch schon, so dass auch der Rest der Ferienzeit hier eher ruhig verlaufen dürfte.
Ich freue mich schonmal auf kommende Woche, wenn ich mit der Lieblingskollegin im Seminar in die erste Aufnahme unseres Podcasts starte. Wir wollen mit den und für die LAA im Hause eine Reihe starten, die erstmal beworben werden will…
Dann geht es außerdem noch an die mediendidaktische Planung des kommenden Schuljahres, da dieses sich ja in großen Schritten dem Ende zuneigt. Einige grundlegende Entscheidungen stehen an und meine Rolle als „Digitalisierungsbeauftragte“ muss ich ja in der Schule auch erstmal finden, wenn ich im Sommer wieder wöchentlich dort bin.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich schöne restliche Ferien oder einen guten Start in den letzten Abschnitt des Schuljahres, wenn es morgen schon wieder los geht!
Titel: „Super easy. Mein Comicroman“ Verlag: dtv (hier klicken) Autor: Khaby Lame Illustrationen: Pietro B. Zemelo ISBN: 978-3-423-74087-6
Zum Inhalt: Khaby Lame ist vermutlich fast jedem schonmal in irgendeine Timeline gespült worden – der sympathische TikToker nimmt aufwändige Lifehacks aufs Korn und präsentiert mit einem Schmunzeln und ausgestreckten Handflächen seine Verbesserungsvorschläge. dtv stellt ihn so vor: „Khaby Lame ist der Sohn senegalesischer Einwanderer und lebt seit seinem ersten Lebensjahr in Norditalien. […] arbeitete [er] in einer Fabrik nahe seines Heimatortes. Als er nach Ausbruch der Pandemie seinen Job verlor, begann er, kurze Videos zu posten. […] Mittlerweile verfügt Khaby Lame mit mehr als 150 Millionen Fans über die größte Followerschaft auf TikTok.“ Der Comicroman Super easy erfindet zu dieser Karriere eine alternative Vorgeschichte und zeigt uns, wie Khaby bereits als kleiner Junge die Probleme der Menschen um ihn herum löste und wie seine Familie und sein Umfeld darauf reagierten. Über seine Schullaufbahn und seinen Berufswunsch „Superheld“ erfahren wir, wie der junge Mann zum „Vereinfacher“ hätte geworden sein können 😉. Zwei- bis vierseitige schwarzweiße Comics begleiten ihn beim Aufwachsen und der Weiterentwicklung seiner Helfermentalität.
Meine Meinung: Da mir und auch meinem Sohn der Name Khaby Lame durchaus ein Begriff war, wollten wir das Buch unbedingt lesen. Wir hatten allerdings nicht so genau hingeschaut und waren deshalb erstaunt, dass gar nicht seine echte Lebensgeschichte beschrieben wird. 🤦🏼♀️ Als wir diese kleine Enttäuschung verdaut hatten, konnten wir dann gemeinsam über die Comics schmunzeln. Mit elf Jahren fällt mein Großer voll in die Zielgruppe des Buches – als Lesemuffel sind die kleinen Textportionen für ihn umso besser, wenn er auch „viele schwierige Worte“ rückmeldete (die ich so nicht finden konnte…). Mir gefällt die Idee, digitalen Medienkonsum mit analogem zu verknüpfen und die Zeichnungen von Pietro B. Zemelo greifen den Stil und Charme der Videos in meinen Augen gut auf. Was ich ebenso schätze, ist die Selbstverständlichkeit, mit der Khabys Berufswunsch „Superheld“ vorgestellt wird, den er ja auf seine ganz eigene Weise dann auch umsetzt. So wird auf die aus Erwachsenenaugen oft anmaßend oder verrückt erscheinenden Berufswünsche von Kindern und Jugendlichen gut eingegangen – und Identifikationspunkte sind in Büchern für junge Menschen einfach elementar.
Leseempfehlung: Wer das Internetphänomen Khaby Lame kennt, der mag bestimmt auch dieses Buch! Meine Empfehlung geht heute also mal altersunabhängig an alle raus. Einen Tipp für die Schule gibt es allerdings nicht- das hier ist eher Privatvergnügen!
Vielen Dank an den dtv-Verlag für das Rezensionsexemplar!
„Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht“ (bei mir mit hpL abgekürzt) ist sicher ein Konstrukt, das vielen Mitlesenden bereits in Studium und Seminar über den Weg gelaufen ist. Als Fachleiterin ist dies eines meiner absoluten Lieblingsthemen – und steht gerade wieder an.
Der Begriff des hpL geht vor allem zurück auf Kaspar H. Spinner, der sich bereits in den 1970ern der Feststellung näherte, dass Kinder einen intensiveren Zugang zu Literatur erreichen, wenn sie sich handelnd und produktiv mit dieser auseinander setzen und nicht nur rezipieren. Wer sich noch einmal in die Theorie des hpL eindenken möchte, dem/der empfehle ich dieses Video einer Studierenden auf YouTube. In das Zeitalter des digitalen Arbeitens haben u.a. Thomas Irion, Verena Knoblauch und Nina Authenried dieses Konstrukt geführt, wie man in dieser kostenlosen Veröffentlichung des Grundschulverbands ab S. 229 nachlesen kann.
Der Grundgedanke des hpL ist es, dass die Kinder einen literarischen Text nicht einfach nur lesen und vielleicht noch Verständnisfragen dazu beantworten. Hiermit kann die Kompetenz des sinnentnehmenden Lesens überprüft und bestenfalls geschult werden; der Einsatz von Lesestrategien schließt an dieser Stelle an. Der Name hpL verrät bereits, dass der Unterricht nun aber mit dem Lesen eines Textes nicht endet, sondern erst beginnt. Vielfältige Aktivitäten lassen sich anschließen, die alle eines gemeinsam haben: sie ergeben am Ende ein Produkt – einen Text, ein Bild, eine Präsentation. Indem die Kinder Texte verfassen, die irgendwie von dem gelesenen Text ausgehen, an ihn anknüpfen oder auch mit den Figuren des Ursprungstextes verknüpft sind, erleben die SuS Literatur als etwas Lebendiges, etwas, das sich für jeden Rezipienten anders anfühlen kann. Eine Individualisierung entsteht, wenn die Kinder dazu Aufgaben/Textformen wählen dürfen und in der inhaltlichen Gestaltung im Rahmen der grundlegenden Vorgaben zu Texten frei sind. Wie der Junge auf diesem mit Midjourney generierten Bild, so erlebe ich Kinder, die sich aktiv mit einem literarischen Text auseinander setzen können: viele Ideen, viel Eigenständigkeit, mehr Freude an Literatur.
Mögliche Herangehensweisen des hpL sind diese:
Gern werden diese Zugänge nicht nur für einzelne Texte genutzt, sondern für die Arbeit mit Ganzschriften. Mit diesen „Lektüren“ haben Kinder in der Grundschule zum ersten Mal Kontakt. Es wäre doch schade, wenn dieser erste Kontakt mit der intensiven Arbeit an einem Buch nur aus dem Beantworten von Inhaltsfragen bestünde, was in vielen sog. Lesebegleitheften Alltag ist. Also kommen gern Leserollen, Lesetagebücher, Lesekisten und andere Formen zum Einsatz, die einen mehr oder minder individuellen Zugang der SuS zu ihrem Stückchen Literatur ermöglichen. Pflicht- und Wahlaufgaben sollen sicherstellen, dass das Buch inhaltlich gut erarbeitet wurde, und dennoch jedes Kind seine eigenen Schwerpunkte setzen kann.
Ein Nachteil, der meiner Erfahrung nach viele Lehrkräfte von solch einer Arbeitsweise abbringt, ist die Größe des Gesamtvorhabens. Aus diesem Grund arbeite ich mit meinen LAA eine Nummer kleiner – nämlich an ihren jeweiligen Lesebüchern. Viele Lesebücher bieten heute nicht nur didaktische Texte sondern auch Auszüge aus „echten Büchern“, also kinderliterarischen Werken. Auch die Qualität der abgedruckten Sachtexte oder Gedichte ist dem alten Gedanken der Fibel längst entwachsen und nicht selten findet sich eine solide Auswahl verschiedener Textformen rund um ein Oberthema. Es lohnt sich, die Zeit zu investieren und das eigene Lesebuch mal unter die Lupe zu nehmen, es weniger stiefmütterlich zu behandeln und aus der „muss ich ja mal nutzen“-Ecke herauszuholen!
So sieht es in meinem Beispielbuch* aus: Überall kleben Zettelchen und (was man nicht sehen kann) ich habe wirklich zu allen 15 Herangehensweisen von oben einen geeigneten Text gefunden. Ein wenig besser könnt ihr das in diesem Video (unten auch direkt anzusehen) nachvollziehen, das ich als Arbeitsauftrag für meine LAA nutze.
Was das für meinen Unterricht bedeutet? Ich kann viele kleine Angebote machen, im Sinne des hpL zu arbeiten und nicht nur „Text lesen – Lesetest schreiben“. Je nach Anlage meines Unterrichts können alle SuS die gleiche Aufgabe oder eine Auswahl von mir zur Verfügung gestellt bekommen. Ersteres bietet sich gerade dann an, wenn die SuS mit einer Herangehensweise noch nicht allzu vertraut sind. Zweiteres ist z.B. dann gut geeignet, wenn ich ein gemeinsames Oberthema (Jahreszeit, Natur, Technik…) in den Mittelpunkt stellen will und die Kinder sich dem Thema individuell nähern sollen. So können tolle Klassenprodukte entstehen wie gemeinsame Bücher, Ausstellungen oder Präsentation, Videos etc., die nichts mit der Sammlung der immer gleichen Texte zum für alle gleichen Schreibanlasszu tun haben.
Hach, jetzt ist es doch wieder länger geworden als geplant, aber ihr sollt endlich auch mal wieder etwas anderes zu lesen bekommen als Rezensionen! Ich würde mich über eure Kommentare freuen, wenn ihr Texttipps oder Buchempfehlungen für mich/uns habt oder wenn ihr noch eine tolle Herangehensweise kennt, die in meiner Auflistung fehlt.
Herzliche Bücherwurmgrüße Katha
* Dies ist das Jojo-Lesebuch 4 von Cornelsen. ich nutze es, da es momentan das Lesebuch ist, das ich am besten kenne, weil ich dazu ja die Handreichungen und viele KV verfasst habe. Ich nutze es auch, weil ich die Textauswahl und -bandbreite wirklich gut finde. Ich bekomme kein Geld für diese Nennung.
KI ist gerade in aller Munde. Auch an mir geht dieser Trend natürlich nicht vorbei und so habe ich neben ChatGPT auch mit der Bild-KI „Midjourney“ experimentiert.
Herausgekommen ist ein neues Logo für meinen Blog, das mein Lieblings- und Headermotiv, den Löwenzahn aufgreift.
Da es bei solchen auf meinen Prompt hin generierten Bildern mit dem Urheberrecht nicht so einfach ist wie mit einem selbst geschossenen Foto, habe ich mich etwas schlau gelesen und bin auf diese Angaben zur Lizenz bei Midjourney gestoßen. Das Bild steht nun unter der Lizenz CC By NC, das Bild ist nach dem Generieren von mir nicht verändert worden.
Viel Spaß allen beim Probieren, was so alles möglich ist!