Kinder brauchen Ermutigung und Zutrauen!

Aufmerksame Leserinnen und Leser wissen, dass ich momentan kaum selbst unterrichte, was wirklich schade ist. Aber ich darf fast täglich meine LAA besuchen und bin somit regelmäßig in allen vier Jahrgängen in den Fächern Deutsch und Mathematik unterwegs – zumindest als Gast. Die LAA haben dabei sehr unterschiedliche Voraussetzungen, was ihre Klassen angeht: von der 1-2-zügigen Dorfschule bis zur 4-zügigen Brennpunktschule ist alles dabei, von 17 bis 29 Kindern, von hohem sozioökonomischem Status bis hin zum anderen Extrem.
Auch die eigene Erfahrung und Haltung der angehenden Lehrkräfte selbst ist durchaus heterogen. Was aber nicht zu verachten ist: die Haltung der ausbildenden Lehrkräfte, des Kollegiums, der Schulleitung haben einen mindestens ebenso großen Einfluss auf die Art des Unterrichtens.

Dass Vieles „passt“, sehe ich als unbeteiligte Beobachterin daran, dass ein*e LAA den Kindern etwas zutraut und sie ehrlich ermutigt, ihr Bestes zu geben.

Ich meine dabei nicht ritualisiertes gutes Zureden oder das Lob jeder Kleinigkeit; genauso wenig hohle Phrasen wie „Ist nicht schlimm, wenn du nicht alles schaffst / nicht fertig wirst.“ Ich meine nicht drei-, vier-, fünffach differenzierte Arbeitsmaterialien mit verschiedenen Zahlenräumen oder Unterstützungsstufen. Nein – ich meine das selbstverständliche Öffnen der Klassenraumtür, damit Kinder in Nebenräumen oder auf Fluren arbeiten können. Ich meine anspruchsvolle Aufgabenstellungen, die die Kinder wirklich herausfordern und nicht nur beschäftigen, bestenfalls zu oberflächlichen Entdeckungen leiten. Ich meine eine methodische Gestaltung des Unterrichts mit Ritualen und Abläufen, die den Kindern Sicherheit geben und die sie mit gestalten können. Ich meine das Ermöglichen von echten fachlichen Gesprächen unter den Kindern und ein Sich-Einlassen auf die möglichen Ergebnisse.

Manches davon ist Werkzeug, das sich gut erlernen lässt. Aspekte des sog. Classroom Managements kann man sich gut aneignen; auch Schritte der Öffnung des Unterrichts (wie sie u.a. Falko Peschel definiert) kann man planen lernen. Wenn aber die Haltung dahinter nicht stimmt, dann bleibt jede Bemühung auf einer oberflächlichen Ebene. Wer seinen Unterricht an die (potentiellen) Wünsche von Ausbilder*innen oder einer Prüfungskommission ausrichtet, wird Kinder kaum ernsthaft „mitnehmen“ können.

Richtig interessante Stunden sind Stunden, in denen die Kinder wirklich aktiv sind, kommunizieren und am Ende einen echten Lernzuwachs verzeichnen können. Diese Stunden brauchen eine Lehrkraft (bzw. LAA) mit dem Mindset, die Kinder beim Wachsen zu unterstützen. Sie sind vor allem aber dort möglich, wo bisherige Lehrkräfte den Unterricht ebenso konstruktiv gestalteten und die Kinder gelernt haben, dass ihre Ideen wichtig sind und Fehler ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu neuen Erkenntnissen sind.

Ich schließe meinen kleinen Rant heute deshalb mit dem Plädoyer an alle ausbildenden und auch die (momentan) nicht ausbildenden Kolleginnen und Kollegen: traut euren Kindern etwas zu. Lasst sie scheitern und erfolgreich sein, lasst sie kommunizieren, bindet sie in Rituale mit ein! Seid authentisch, lasst die Kinder auch eure Fehler sehen und findet gemeinsam gute Wege, wie alle lernen können! Wenn ihr diesen Grundstein legt, dann erleben LAA was „guter Unterricht“ sein kann und können eine konstruktivistische, zutrauende Haltung von euch übernehmen.

Viel Erfolg und Spaß dabei!

Katha

Semina(r)blog: Start in den selbstständigen Unterricht

Es war viel los in den letzten Wochen, auch wenn ich weiterhin wenig hier schreibe. Zweiteres liegt daran, dass es mir oft schwer fällt oder wenig zielführend erscheint, aus der Seminararbeit zu berichten. Ersteres bezieht sich auf meinen kurzfristigen Start als Kernseminarleiterin* als Ersatz für eine erkrankte Kollegin.Somit heißt es also mal wieder: Auf in ein neues Fachgebiet! Lesen! Austauschen! Lernen!

Unsere neuen LAA* starten zum vor der Tür stehenden zweiten Schulhaljahr in den selbstständigen Unterricht, immer noch auch als bedarfsdeckender Unterricht bezeichnet. Sie stehen also eigenverantwortlich vor der Klasse und sind bei Planung, Durchführung und Evaluation ihres Unterrichts größtenteils auf sich gestellt. Nun hat eine mögliche Vorbereitung auf diese Phase der Ausbildung für mich zwei Komponenten: einerseits die organisatorische, andereseits die emotionale.

Emotionale Vorbereitung auf den selbstständigen Unterricht:

Schaffe ich das alles? Habe ich Hilfe? Woher weiß ich, was ich wann wie erledigen soll? – Solche Fragen kennen wir sicher alle noch aus unserer Anfangszeit. Als „alter Hase“ fragt man sich vielleicht, wie neun Stunden Unterricht pro Woche denn zu Unsicherheit oder Überforderung führen können, aber man darf nicht vergessen, dass die angehenden Lehrkräfte kaum Routine haben, teils bei Null anfangen! Jede*r LAA muss selbst mit Mentor*innen aushandeln, wie viel und welche Unterstützung gewünscht und möglich ist und jede*r Mentor*in muss ein Gefühl daüfr bekommen, wie viel Führung, Anregung oder Begleitung wichtig ist. Das ist ein ziemlicher Drahtseilakt!

Meinen LAA gebe ich immer wieder den Rat, sich nicht als Einzelkämpfer zu verstehen, sondern sich ein sog. Persönliches Lernnetzwerk aufzubauen (PLN). Jan Vedder (vedducation.de) hat das hier mal ganz anschaulich visualisiert:

Neben dem Kollegium an der Ausbildungsschule sind die anderen LAA im Seminar perfekt für eine Vernetzung, für Austausch und gemeinsame Planungen geeignet. Schade, dass viele sich immer noch nicht trauen, bereits die Planung von Unterricht kollaborativer zu gestalten – gerade jetzt, wo niemand um Notendurchschnitt und Anstellung konkurrieren muss…

Organisatorische Vorbereitung auf den selbstständigen Unterricht:

Um nicht gleich im ersten selbstständige unterrichtenden Halbjahr in Schwierigkeiten zu geraten, empfiehlt sich eine frühzeitige Langzeitplanung. Unsere LAA hatten den Auftrag, für das zweite Schulhalbjahr eine solche anzufertigen und dabei zuerst die Schulwochen zu betrachten, unterrichtsfreie Zeiten einzutragen und schlicht mal durchzuzählen, wie viele Wochen sie zu unterrichten haben. Ergänzend gehört hierzu auch das Abchecken von schulischen Terminen, die verpflichtend für die LAA sind und/oder zu Unterrichtsausfall führen können (Wandertage etc.). Auf dieser Grundlage erst kann man dann fachliche Planungen beginnen: welche Inhalte und Kompetenzen sollen wann und wie lange im Unterricht eine Rolle spielen? Welche Vorbereitungen muss ich ggf. dafür treffen? Welche Ressourcen (Material, Räume, Personen) benötige ich? Und so weiter und so fort.
Hier gibt es einen guten Podcast auf die Ohren, wo eine LAA erklärt, warum diese vielleicht aufwändig und nervig erscheindene Vorgehensweise ziemlich sinnvoll ist.
Hier ein paar NRW-bezogene Links zu Aufsicht, Schulgesetz oder Ausbildungsordnung Grundschule.

Zusätzlich zur Langzeitplanung galt es für unsere LAA, sich vertiefend mit Regelungen z.B. zur Aufsicht und Hausaufgaben auseinander zu setzen. Der anschließende Austausch zeigte bei uns, dass eine intensive Betrachtung dieser Themen für den Alltag in der Schule echt wichtig ist. Lehrkräfte müssen so viele schnelle Entscheidungen an einem Schulvormittag treffen, dass ein solides Wissen hier echt entlastend sein kann. Nichtsdestotrotz gilt bei allen Erlassen natürlich auch immer, dass man sie nicht zitieren können muss, aber den Ort zum Nachlesen kennt.

Aspekte des selbstständigen Unterrichts wie Dokumentation (Klassenbuch etc.) oder Eltern(mit)arbeit gehören ebenso zur Vorbereitung für neue LAA, so wie sie für jede neue Lehrkraft an einer Schule dazu gehören. Hier ist es elementar wichtig, im eigenen System Schule herauszufinden, wie der Hase läuft. Neben den festgeschriebenen oder im Schulprogramm formulierten Absprachen gibt es so viele teils inoffizielle Gepfogenheiten und „geheime Regeln“ an jeder Schule, dass man am besten schnell eine vertrauenswürdige Person mit Durchblick und etwas Erfahrung an der Schule findet, die man alle diese Kleinigkeiten fragen kann. 🙂

Wichtig ist natürlich auch, schon bei der Planung daran zu denken, dass spätestens vor den Sommerferien Noten und/oder Beurteilungstexte für die unterrichteten Schüler*innen zu schreiben sind. Da diese solide und aussagekräftig sein sollen, muss sich jede*r LAA natürlich Gedanken über zu Fach und Klassenstufe passende Bewertungsmöglichkeiten machen. Gibt es geeignete Beobachtungsbögen (an der Schule), wie viele schriftliche Überprüfungen sind vorgegeben, welche Kompetenzen finden sich im Zeugnis wieder und sollten deshalb auch im Unterricht eine Rolle spielen?

Fazit

Wenn man das alles mal hintereinander schreibt (oder zwei Seminarssitzungen lang bespricht), wird deutlich, wie anspruchsvoll der Start in den selbstständigen Unterricht für LAA ist. Manchen fällt er leicht, andere tun sich schwer. Wichtig ist es für alle, die Erfahrung eigener Verantwortung zu machen und gestärkt daraus hervorgehen zu können.

In diesem Sinne wünsche ich allen LAA, die mitten im oder vor dem selbstständigen Unterricht sind, alles Gute und ein tolles PLN, das euch unterstützt!

Katha

* In NRW werden die Lehramtsanwärter*innen (LAA) in zwei Fächern ausgebildet und bewertet und nehmen zusätzlich am unbewerteten Kernseminar teil, das den überfachlichen Aspekt des Lehrer*innenseins zum Schwerpunkt hat.

Rezension: „Wie man mit Menschen klarkommt…“

IMG_6423Titel: „Wie man mit Menschen klarkommt, die man nicht ausstehen kann“
Verlag: YES (hier klicken)
Autoren: Dr. Rick Brinkmann & Dr. Rick Kirschner
ISBN: 978-3-96905-199-3

Zum Inhalt:
Hier handelt es sich um einen ganz klassischen Ratgeber: „Du hast ein Problem? Wir sagen sir, wie du damit umgehen kannst.“
IMG_6424Die Autoren skizzieren ausgehend von vier (eher auf die Arbeit bezogenen) Grundbedürfnissen des Menschen Typen von Menschen, mit denen man aus verschiedenen Gründen beruflich oder privat schlecht zurecht kommt. Zuerst geht es darum, die potentiellen Motive hinter dem Verhalten zu erkennen und verstehen, später dann um mögliche Strategien im Umgang mit diesen Personen. Dabei beschreiben die beiden naturheilkundlichen Ärzte, Speaker und Ausbilder, wie sie sich bezeichnen, rezeptartig mögliche Schritte der Kommunikation.
Ein letztes kurzes Kapitel widmet sich dann noch der Umsetzung solcher Kommunikationsmittel per Telefon oder Mail, weil hier das Miteinander ja doch anders funktioniert.

Meine Meinung:
Man merkt direkt, dass dieses Buch aus Amerika stammt, finde ich. Die Grundhaltung und der Ton sind sehr darauf bezogen, dass 1. alle Menschen irgendwie miteinander klarkommen sollten und 2. dass ich mein Gegenüber beeinflussen, ja fast manipulieren kann. Diese meine Wahrnehmung hat mich beim Lesen etwas gestört und ich hatte immer Bilder davon vor Augen, wie ich mir „die Ricks“ bei einem Seminar in typischem amerikanischem Predigerstil vorstelle.
Das ist ein wenig schade, denn eigentlich stecken interessante Kommunikationstipps in den Kapiteln und ein gutes Rüstzeug, um an problematischen Beziehungen (privat/beruflich) zu arbeiten. Die Grundannahme, dass niemand absichtlich nervig, störend oder gar boshaft ist, teile ich absolut und somit finde ich es sehr sinnvoll zu hinterfragen, woher manche Menschen ihr Verhalten haben. Im Coaching nennt sich dies Reframing und beschäftigt mich durch meine Fortbildung momentan sehr. Auch die Schritte, die man in der Kommunikation mit „Neinsagern, Besserwissern oder Nörglern“ gehen kann, bieten viel: aktives Zuhören und Spiegeln, Grenzen ziehen, auf Positives achten – oft jedoch in eher reißerischen Formulierungen und weniger sachlich als ich es aus anderen Büchern gewohnt bin.

Leseempfehlung:
Wer keine Lust hat, sich über die immer gleichen Menschen immer weiter zu ärgern, der findet hier ein offenes Ohr und gute Tipps. Gerade Lehrkräfte, die nicht nur unter Kolleg*innen potentiell schwierige Menschen haben, sondern auch unter Schüler*innen und Eltern, können hier vielleicht ein paar gute Hinweise mitnehmen, die zu mehr Gelassenheit im Umgang mit diesen führen können.

Vielen Dank an Yes Publishing für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

Rezension: „Clara Schumann – Triumph in London“ mit Verlosung

IMG_6238Titel: „Clara Schumann – Triumph in London“
Verlag: Amor Verlag (hier klicken)
Autor: Bert Alexander Petzold (Hrsg.)
Illustrationen: Lola Svetlova
ISBN: 978-3-98587-302-9

Zum Inhalt:
Clara Schumann ist eine bekannte Pianistin mit einer ungewöhnlichen Lebensgeschichte (vor allem für ihre Zeit). Vom Alter von 5 Jahren an begleitet das Buch sie bis ans Lebensende und beleuchtet wichtige Stationen ihres privaten und beruflichen Lebens. Wir bekommen ihre frühe Förderung durch den Vater gezeigt, ihr Kennenlernen mit dem späteren Ehemann Robert Schumann, erfolgreiche Konzertreisen, aber auch Krieg und Freundschaft. Die Bilder von Lola Svetlova verdeutlichen Claras Entwicklung vom kleinen Mädchen über die traurige junge Frau bis hin zur emanzipierten Pianistin vor allem durch eine genaue Mimik der Perosnen; auch die Szenerien der Städte wie London, Dresden oder Moskau werden ausschnittweise, aber treffend dargestellt:

Das Besondere an der Buchreihe, aus der „Triumph in London“ stammt, ist das multimodale Zusammenspiel von Bilderbuch, Hörbuch und Musik. Die beiligende CD lässt alles Gelesene und Gesehene auch anhören: sie enthält eine inszenierte Lesung von Antje Hamer und ausgewählte Musikstücke.

Meine Meinung:
Ich bin selbst keine Musikerin und habe wenige Kontaktpunkte mir klassischer Musik – dennoch ist der Name von Clara Schumann mir ein Begriff gewesen. Was mir vorher nicht so klar war ist der sehr emanzipierte Lebensweg der Pianistin, die in einer Zeit, als Männer noch sehr selbstverständlich die Geschicke von Töchtern oder Ehefrauen bestimmten. Umso mehr freut es mich, dass genau dies sehr im Mittelpunkt der Geschichte steht. Begeisternd finde ich die Idee, das Buch auch hörbar zu machen und so den Leser noch intensiver mit in die Handlung einzubeziehen. Normalerweise liegt ja gerade hier die Schwäche von Büchern über Musiker*innen: man muss selbstständig die passende Musik heraussuchen.
Ich möchte noch erwähnen, dass ich die Gestaötung des Buches mit einem Leinenrücken als sehr wertig und irgendwie zum Thema passend empfinde.

Leseempfehlung:
Für Musiklehrkräfte der Grundschule kann ich „Triumph in London“ nur empfehlen! Die Texte sind gut verständlich und die Kapitel aufs Wesentliche beschränkt. Als Anschlussaktivität lassen sich toll die Jahreszahlen berechnen oder recherchieren, wann genau was stattfand, und was in der Welt damals sonst noch los war. Die CD nimmt die Kinder eben auch hörend mit in Clara Schumanns Zeit – wunderbar! Meine musikalisch bewanderte Kollegin hat beim Blick auf die weiteren angebotenen Titel (Nussknacker, Zauberflöte, Karneval der Tiere) erfreut festgestellt, dass hier in der Grundschule sehr häufig behandelte Werke umgesetzt wurden.
Aber auch als Eltern kann man mit diesem Bilderbuch und seinen „Kollegen“ in die spannende Welt der Musik eintauchen (vorausgesetzt man ist so altmodisch wie wir und hat einen CD-Player 😉). Der Verlag gibt die Reihe ab vier Jahren an, gerade dieses Buch würde ich aber eher etwas später als interessant ansehen.

Vielen Dank an den Amor Verlag für das Rezensionsexemplar!
Erfreulicherweise darf ich heute auch noch ein Exemplar verlosen. Wer Interesse hat, schreibe bitte einen Kommentar mit einer guten Begründung, warum er/sie dieses Buch gut gebrauchen kann. Am 23.12. wird ausgelost, wer sich über dieses schöne Buch freuen kann.

Beste Grüße,
Katha

Bilderbücher im Unterricht – Teil 5 der Bilderbuchwoche

Diese Woche soll hier im Blog Bilderbuchwoche sein. Nach vier fachbezogenen oder überfachlichen Anregungen in den letzten Tagen schließe ich diese Aktion heute ab.

Symbolbild von Tumisu auf Pixabay

Möglichkeit 5: Bilderbücher künstlerisch verarbeiten (Fach Deutsch, Fach Kunst)

Es ist schon angeklungen, dass ich ein Fan des sog. Handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts bin. In diesem Sinne gehört es auch zur Auseinandersetzung mit Geschichten, wenn Kinder zu ihnen malen. Je nach Alter und Fähigkeit kann dies sowohl ein Nachmalen bzw. Dazumalen sein als auch ein bildliches Weitererzählen.

Dazumalen: In Büchern wie „Wenn der wilde Wombat kommt“ oder „Der schaurige Schusch“ wird ein Wesen beschrieben, aber noch nicht gezeigt. Auch in anderen Büchern kann das Aussehen einer Figur zu Beginn geheim gehalten werden, wenn diese gut beschrieben wird. Die Fantasie der Kinder wird angeregt, wenn man mit ihnen über die beschriebenen Merkmale ins Gespräch kommt und sie dann ihre eigene Interpretation davon malen dürfen.

Weitermalen: Besonders die Kinder, die noch nicht der Schriftsprache mächtig sind, können ihre Ideen für eine mögliche Geschichtenfortsetzung in einem Bild festhalten. Wenn man es dann schafft, die dazu gehörenden Geschichten aufzufangen*, kann man ein tolles Klassenbilderbuch herstellen, das erfahrungsgemäß in den folgenden Jahren gern durchgeblättert wird. Wenn Fortsetzungen komplexer sind, kann in einem Minifaltbuch oder auf kleinen Zetteln an einem Roten Faden auch eine Geschichte in mehreren Bildern von den Kindern festgehalten werden. Positiver Nebeneffekt ist dabei, dass die Kinder meist gern und freiwillig zu ihren Bildern erzählen – ein Hoch auf die Sprachförderung! Nachmalen: Wie im Beispiel „Nibbels“ beschrieben, lassen sich besondere Bilder(geschichten) oder spezielle Maltechniken auch gut im Kunstunterricht aufgreifen und imitieren. Es gibt ja spannende Bilderbücher mit Collagetchnik, Aquarellbildern oder ähnlichen Besonderheiten. Diese zu analysieren und erfolgreich zu imitieren stärkt die Wahrnehmung von Kunst in Büchern bei den Kindern.

Bilderbuch-Beispiele:

Nibbels (hier vorgestellt)

Zuhause kann überall sein (hier vorgestellt)

Zuletzt gebe ich euch noch ein paar Lieblingslinks rund um Bilderbücher mit:

📖 Bilderbuchkinos bieten mehrere Verlage an – also eine pdf mit den Bilderbuchbildern ganz ohne Text, die man dann über ein Präsentationsmedium teilen kann: Oetinger Verlag, Thienemann-Esslinger und einige andere, die hier im Blog Jugendbibliothek21 schon versammelt wurden.

📖 Bücher lesen und vorgelesen bekommen bei Amira Lesen

📖 Büchertipps für verschiedene Altersstufen

📖 Wie schon an Tag 1 muss die Stiftung Lesen mit dem jährlichen Vorlesetag noch erwähnt werden – eine toller Anlass für tolle Bilderbücher!

📖 Die kleinsten und beliebtesten Bilderbücher überhaupt will ich nicht vergessen: Pixibücher von Carlsen! (Hier schonmal erwähnt.)

Herzliche Grüße
Katha

* Ich kann die Geschichte beim Erzählen des Kindes mitschreiben oder aber mit einer Sprachmemo-App aufzeichnen (lassen).

Bilderbücher im Unterricht – Teil 4 der Bilderbuchwoche

Diese Woche soll hier im Blog Bilderbuchwoche sein. Wie versprochen geht es heute weiter mit einem weiteren Weg, Bilderbücher in der Grundschule einzusetzen.

Symbolbild von Tumisu auf Pixabay

Möglichkeit 4: Wortschatzarbeit (Fach Deutsch, Fach Englisch, DAZ)

Manchmal findet man Schätzchen, die besonders geeignet sind, ein sprachliches Phänomen oder ein Wortfeld zu erarbeiten. Die Englischlehrkräfte unter euch nutzen sicher regelmäßig picture books, um ihre Einheiten aufzupeppen. Besonders geeignet zur sprachlichen Förderung sind Geschichten mit repititive structures (ich kenne keinen passenden deutschen Begriff dafür) – hier können die Kinder sich Sätze, Sprüche oder Ausdrücke durch die Wiederholung besonders gut aneignen. Ein sehr bekanntes Beispiel für ein Buch mit solchen Strukturen ist sicher „Die kleine Raupe Nimmersatt“ von Eric Carle, wo die Kinder wiederkehrende Phrasen schnell mitsprechen. Ein Lieblingsbuch meines Kleinen, in dem er die sich wiederholenden Sätze auch immer erwartet und mitspricht, ist übrigens „Olchi-Opas krötigste Abenteuer„. Häufig eignen sich solche Bilderbücher ebenfalls zur nachahmenden Textproduktion / dem Verfassen von Paralleltexten wie neuen „Kapiteln“.

Wenn dann z.B. in einer Geschichte ein Satzfragment mit verschiedenen grammatischen Formen gefüllt wird (z.B. Akkusativen, Singular und Plural, Zeitformen), dann arbeiten wir schnell auch nach dem sog. DEMEK-Prinzip (hier schonmal erwähnt), wo Grammatik durch Textproduktion implizit gelernt wird. Ein Beispiel: sprachlich macht es einen Unterschied, ob die Raupe einen Apfel oder eine Orange isst.

Ganz anders interessant für den Aufbau und Ausbau des Wortschatzes sind textlose Bilderbücher und Wimmelbilderbücher. Diese laden zum Entdecken und Fabulieren ein und haben einen hohen Aufforderungscharakter für verständliche und genaue Formulierungen. Immer sollte implizite oder explizite Wortschatz- bzw. Wortfeldarbeit mit den Kindern stattfinden, da sich zwar viele Begriffe aus dem Zusammenhang erklären, aber oft noch einer intensiveren Festigung bedürfen. Ich staune immer wieder, welche scheinbar selbstverständlichen Wörter viele Kinder nicht kennen… Wortspeicher mit Text und Bild können hier gemeinsam erstellt werden; mit Hilfe eines Tablets kann man diese auch schnell zum Sprechen bringen (BookCretaor-Seite, QR-Codes…).

Aber nicht vergessen: Bilderbücher sollen Spaß machen! Also lieber nicht zu stark „sezieren“!

Bilderbuch-Beispiele:

Ich wär so gern ein wildes Schaf (hier erwähnt)

Die Torte ist weg (hier zu finden)

(Mein aktueller Favorit) Tief im Ozean (hier zu finden)

Wer weitere schöne Bilderbücher zur Sprachförderung kennt, darf gern einen Kommentar dalassen!

Herzliche Grüße
Katha

Bilderbücher im Unterricht – Teil 3 der Bilderbuchwoche

Diese Woche soll hier im Blog Bilderbuchwoche sein. Wie versprochen geht es heute weiter mit einem weiteren Weg, Bilderbücher in der Grundschule einzusetzen.

Symbolbild von Tumisu auf Pixabay

Möglichkeit 3: Ausgangspunkt für Sachthemen (Fach SU, Fach Mathe)

Es gibt tolle Bücher, an die man sachkundliche oder mathematische Themen anschließen kann. Oftmals erleichtern sie Kindern den Zugang zu einem eher nüchternen Thema oder unterstützen das Verständnis durch gute Visualisierungen. Grundsätzlich geeignet sind hier Sachbilderbücher wie z.B. die „Wieso? Weshalb? Warum?“-Reihe, die einige Kinder auch von Zuhause kennen. Auch einige der eher für Kleinkinder gedachten Pappbilderbücher (teils mit Klappen darin) sind im Unterricht einsetzbar, da sie oft gute, klare Beschriftungen verwenden und so den Bereich der Fachwortschatzarbeit unterstützen. Gerade solche Sachbilderbücher können gut in selbstständigen Arbeitsphasen zur Recherche eingesetzt werden. Ein Beispiel: Viertklässler sollen die Teile einer Burg beschriften. Ich stelle verschiedene Sachbilderbücher zur Verfügung, in denen sie die passenden Begriffe finden können – am besten nutzen die Kinder dabei mehrere Bücher.

Es gibt aber auch „normale“ Bilderbücher, die sachliche Themen zum Inhalt haben und in eine Geschichte verpacken. Bekannte Beispiele sind Bücher wie „Linnea und die größte Bohne der Welt“ oder „Kasimir tischlert“. Sie können zum Einstieg in eine neue Einheit genutzt werden oder als Abschluss. Ersteres kann die Neugier der Kinder wecken und eine Anknüpfung an das Vorwissen erleichtern. Zweiteres bietet die Gelegenheit, Erlerntes in der Geschichte wiederzuerkennen und so zu vertiefen. Manchmal lohnt es auch, einen Vergleich der im Unterricht erarbeiteten Fakten mit der literarischen Darstellung anzustellen. In manchen Fällen kann ein Bilderbuch auch eine MINT-Unterrichtsreihe begleiten, wie es z.B. „Paulas Reisen“ beim Erarbeiten der ebenen Formen tun kann.

Bilderbuch-Beispiele:

Denk dir 100 Menschen (hier zu finden)

Agathe zählt die Sterne (hier vorgestellt)

Wer besser spinnt, gewinnt (hier vorgestellt)

Wer weitere schöne Bilderbücher zu Sachthemen kennt, darf gern einen Kommentar dalassen!

Herzliche Grüße
Katha

Bilderbücher im Unterricht – Teil 2 der Bilderbuchwoche

Diese Woche soll hier im Blog Bilderbuchwoche sein. Wie versprochen geht es heute weiter mit einem weiteren Weg, Bilderbücher in der Grundschule einzusetzen.

Symbolbild von Tumisu auf Pixabay

Möglichkeit 2: Erzähl- oder Schreibanlass (Fach Deutsch)

Über das alltägliche Gespräch zum vorgelesenen Bilderbuch hinaus gehen solche Unterrichtssituationen, in denen das Buch an bestimmten Stellen unterbrochen und mit den Inhalten vertiefend gearbeitet wird. Da werden Dialoge für die Protagonisten geschrieben, Briefe verfasst, Figuren beschrieben und Geschichten nach- oder weitererzählt. Hier sind wir dann didaktisch betrachtet beim sog. „Handlungs- und produktionsprientierten Literaturunterricht“, den maßgeblich Kaspar Spinner geprägt hat, der sich aber auch bei Claus Claussen und anderen Fachleuten abbildet. Grundsätzlich geht es darum, dass die Kinder sich intensiver mit dem Inhalt auseinander setzen, wenn sie ihn nicht nur rezipieren sondern aktiv verarbeiten.

Die Lehrkraft bereitet im Buch passende Stoppstellen vor, an denen das Vorlesen unterbrochen wird. Genau genommen gehört dazu auch das Betrachten und Besprechen des Covers vor dem Lesen (Leseerwartungen? Assoziationen?) dazu. Geeignete Stellen sind oft die Stellen, in denen sich ein Problem oder eine Wendung andeutet – hier können dann Kinder z.B. Lösungsvorschläge für die Figuren des Buchs formulieren, mögliche Dialoge entwickeln etc. Auch das klassische „Wie geht es jetzt wohl weiter? Was passiert der Figur / den Figuren?“ ist mit gemeint. Wichtig ist, dass grundsätzlich eine Offenheit für jeden plausiblen Vorschlag herrscht, was ich mir als Lehrkraft immer wieder sagen muss, den Kindern aber meist leicht fällt.

Spannend sind die immer häufiger zu findenden textlosen Bilderbücher, die das Schreiben/Erzählen mit ihren Bildern geradezu herausfordern. Hier kann nach- oder weitererzählt werden oder bei Büchern mit Wimmelbildcharakter können bestimmte Figuren gewählt und deren Geschichte erzählt werden.

Eine sehr gute Möglichkeit, an diese Erzähl- oder Schreibprozesse anzuschließen sind Schreibkonferenzen, Autorenrunden bzw. allgemein gesprochen Feedback. Die Arbeit mit Audioaufnahmen bietet beim Erzählen die große Chance, dass alle Erzählungen gewürdigt und angehört werden können und dass die Kinder üben können, bis ihre Erzählung ihnen gefällt.

Bilderbuch-Beispiele:

> Drachenpost (hier vorgestellt) – Briefe schreiben

> Die Torte ist weg (hier zu finden) – die Wege der Tiere erzählen

Wer weitere schöne Bilderbücher mit tollen Schreib- und Erzählanlässen kennt, darf gern einen Kommentar dalassen!

Herzliche Grüße
Katha

Bilderbücher im Unterricht – Teil 1 der Bilderbuchwoche

Häufig stelle ich hier im Blog Bilderbücher vor, die ich rezensieren darf. In Unterrichtsbesuchen sehe ich immer wieder tolle Bilderbücher. Auf dem Weg vom ZfsL zum Parkplatz komme ich am Kinderbuchfenster meiner Lieblingsbuchhandlung vorbei. All dies führt dazu, dass sich der Bereich mit Bilderbüchern in meinem Regal irgendwie immer weiter ausdehnt.

Zum Glück habe ich für den Kauf neuer Bücher zwei gute Ausreden: meine Jungs bekommen jedes neue Buch vorgelesen und danach gibt es ja immer schöne Möglichkeiten, die Geschichten im Unterricht einzusetzen.

Symbolbild von Tumisu auf Pixabay

Diese Woche soll hier im Blog Bilderbuchwoche sein. Heute geht es los mit …

Möglichkeit 1: einfach vorlesen (Einsatzbereich: Klassenlehrer*in)

Kinder hören gern Geschichten und die Bilder unterstützen sowohl das Verständnis des Inhalts als auch die Motivation, selbst zum Buch zu greifen. In Bilderbüchern finden die Kinder Figuren, mit denen sie sich identifizieren können, von denen sie Problemlösekompetenz lernen können, sich verstanden fühlen. Sie lernen vielfältige Bilderwelten kennen, da Illustrator*innen unterschiedliche Stile verwenden und sprachliche Vielfalt durch wechselnde Autor*innen.

Nur durch die Konfrontation mit verschiedenen Inhalten und Themen können die Kinder zu einer Urteils- und Auswahlfähigkeit gelangen, die wir ihnen wünschen, um passende Lektüre für sich auszuwählen. Nicht zu vergessen ist der Fakt, dass Kinder in Bilderbüchern auf Lebensbilder, Haltungen, Familienmodelle etc. treffen, die sie von zuhause her nicht kennen bzw. die ihnen zuhause bewusst vorenthalten werden.

Außerdem macht das Zuhören auch einfach mal Spaß, was nicht zu vernachlässigen ist vor lauter didaktischen Überlegungen! Wertvoll sind deshalb Rituale wie das Vorlesen zum Wochenabschluss oder in einer anderen festgelegten Stunde. Es lohnt sich, sich die Zeit zu nehmen: Kinder und Lehrkraft profitieren auf der Beziehungsebene davon und haben einen festen Moment, auf den sich alle jede Woche freuen können. Bestenfalls bringen vielleicht irgendwann dann auch die Kinder eigene (Bilder-)Bücher mit?

Eine Vorlesezeit lebt immer von der Vorleserin bzw. vom Vorleser. Manchen scheint es in die Wiege gelegt worden zu sein, dass man ihnen gern zuhört. Aber auch „Nichttalente“ können das Vorlesen trainieren. Zuhause immer wieder üben, sich Vorlesezeichen ins Buch schreiben und mit Stimme und Betonung arbeiten. Viele gute Tipps hat das KuMi Baden-Württemberg hier zusammengestellt.

Bilderbuch-Beispiele:

> Holgers Haus (hier vorgestellt)

> Mio war da (hier vorgestellt)

Wer weitere schöne Vorlese-Bilderbücher kennt, darf gern einen Kommentar dalassen!

Herzliche Grüße
Katha

P.S.: Wenn es um Bücher geht, darf natürlich ein Link zur Stiftung Lesen nicht fehlen! Hier fassen die Profis nochmal 10 Gründe fürs Vorlesen zusammen.

Rezension: „Bruno will hoch hinaus“

IMG_5692Titel: „Bruno will hoch hinaus“
Verlag: Achse (hier klicken)
Autor*innen: Sabine Ziegelwanger, Flo Staffelmayr
Illustrationen: Anna Horak
ISBN: 978-3-903408-01-2

Zum Inhalt:
Das Buch begleitet den kleinen Bruno (etwa Kindergartenalter) durch zwei aufregende Tage, denn Bruno möchte gern mit einer Rakete ins Weltall fliegen. Soweit der Rahmen. An den beiden Tagen beschäftigt Bruno sich aber viel mit seinen Geschlechtsorganen, die ihn faszinieren und die er sich beim Fußballspielen sogar fast verletzt. Penis und Hoden werden dabei neben der eigentlichen Geschichte in verschiedenen Zusammenhängen erklärt und dies mit Hilfe von Schnittzeichnungen verdeutlicht.

Meine Meinung:
Mit „Bruno will hoch hinaus“ ist dem Team ein sehr interessantes Aufklärungsbuch für Jungen gelungen. Die Eigenheiten und Funktionen der männlichen Geschlechtsorgane wird in kindgerechter Sprache erklärt, wobei die Fortpflanzungsfunktion nur angerissen wird.
Spannend finde ich jedoch vor allem das, was „nebenher“ passiert: die anderen Figuren im Buch (und auch Bruno selbst) brechen mit vielen Geschlechterklischees und Rollenbildern. Das fängt bei Männern mit Zopf an und endet bei der Metall schweißenden Freundin der Familie. Die Gespräche über Brunos Fragen zu Penis & Co. finden sehr selbstverständlich statt. Ebenso mag ich, dass die umgangssprachlichen Begriffe für die Geschlechtsorgane eine Rolle spielen und nicht verworfen oder übergangen werden:
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Im Buch spielen zudemMenschen mit anderer Hautfarbe und Behinderung eine Rolle, und Diversität wird zumindest erwähnt – was alles eigentlich selbstverständlich sein sollte, es aber ja längst nicht ist. 

Leseempfehlung:
Eltern von Jungs bekommen mit Brunos Geschichte ein liebevolles Aufklärungsbuch an die Hand, das ich nur empfehlen kann. Gerade Väter und Söhne haben hier einen spannenden Gesprächsanlass an der Hand!
[Mädelseltern können aufatmen, denn parallel gibt es „Lina, die Entdeckerin“.]
Für den Einsatz in der Grundschule, den ich ja bei Rezensionen immer mitdenke, ist mir das Buch aber zu verspielt. Die Viertklässler wollen sich doch meist eher sachlicher mit ihrem Geschlecht auseinandersetzen und sind hier eher keine passende Zielgruppe für das Buch.

Vielen Dank an den Achse-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha