Grrrrrr – Grammatik in der Grundschule

Der erste Durchgang meines Fachseminars Deutsch am ZfsL nötigt es mir ab, dass ich mich in die anstehenden Themen nochmal intensiv einlese und meine gesammelten Materialien sichte, kritisch hinterfrage und bewerte. Dieses Mal war „Grammatik“ dran. [„Dieses Mal“ schreib ich im Spätsommer, als ich den Beitrag begann. Nun ist schon wieder Frühjahr und so langsam ist er fertig zur Veröffentlichung. Manchmal bleibt hier echt was liegen…]
Und da ich nun gerade eh ein paar Dinge beisammen und gedanklich sortiert habe, schreibe ich sie hier für alle Interessierten einfach auch nieder. Es folgt also ein kleiner Abriss zu den wichtigsten grammatischen Inhalten der ersten vier Lernjahre inklusive einiger Links und ein bisschen Material zum Thema.

Klasse 1: Thema Artikel
Während man im Anfangsunterricht ja sehr auf den Schriftspracherwerb fixiert ist, lassen sich kleine Portionen Grammatik leicht einstreuen. Ein Aspekt ist das Zuordnen von Artikeln, das besonders Kindern mit anderen Muttersprachen schwer fallen kann, da diese teils andere oder keine Artikel enthalten.
Hier habe ich schonmal eine Übung beschrieben, mit der die Kleinen in die drei Markierungsfarben für Artikel eingeführt werden und deren Ergebnis dann so aussehen kann:
Bild1

Klasse 1: Thema Pluralbildung
Auch Einzahl und Mehrzahl kann man spielerisch immer wieder üben – je mehr Plurale die Kinder kennen, umso besser können sie später mit den Rechtschreibstrategien arbeiten (denn bei Verlängern/Weiterschwingen und beim Ableiten kommt es ja auch oft auf den Plural an). Hier ein Spielvorschlag:
Alle stellen sich hinter ihren Stuhl. Ich sage ein Nomen in der Einzahl und ein Kind sagt die passende Mehrzahl dazu. Dann überlegt sich selbiges Kind ein Einzahl-Nomen und nimmt das nächste Kind dran. Wer damit fertig ist, darf sich setzen. Das letzte Kind nimmt mich für die Mehrzahl dran, da ich die letzte bin, die noch steht.

Für die 2. Klasse kann man z. B. das Schwarzer Peter EZ MZ zu Einzahl und Mehrzahl (mit den Bildern von Frau Locke) einsetzen oder entsprechendes Steckleistenmaterial der ABC-Katze.

Klasse 2: Thema Nomen
In der 2. Klasse stehen die Wortarten ganz oben auf der Grammatik-To-do-Liste. Meist geht es mit den Nomen los. Mein Vorschlag, auch wenn er gar nicht neu ist: Nehmt Klebezettel oder Klebeband und beschriftet alles in euren Klasseraum, was man beschriften kann. Am besten kommen dann noch die Artikel dazu und schon habt ihr für die nächsten Wochen einen tollen Wortspeicher für Nomen.
Wortspeicher sind gerade für Nomen auch bei thematischen Einheiten sehr gut umzusetzen; hier ein Beispiel aus der Piraten-Einheit, die ich früher mal aufgeschrieben habe:
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Mit Nomen kann man, wegen ihrer leichten Verknüpfung mit Bildern, auch immer wieder schöne Spiele spielen wie dieses Bingo aus unserer Tiere-Einheit:
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Um Nomen verständlicher zu machen, geht es immer auch darum, Nomen zu kategorisieren. Zuerst oft in Menschen, Tiere, Dinge, Pflanzen etc., später auch in abstrakte und konkrete Nomen oder in verschiedene abstrakte Kategorien. Hierbei schulen die Kinder auch die überfachliche Kompetenz, Gemeinsamkeiten zu erkennen und Dinge zu ordnen.

Klasse 2: Thema Verben
Wie oben schon erwähnt, sind Nomen ja so schön leicht mit Bildern zu illustrieren, dass sie m. E. nach ziemlich viel Raum im Unterricht einnehmen. Bei Verben ist das anders, obwohl gerade hier auch oft ein sehr beschränkter Wortschatz bei Kindern zu beobachten ist. Sie machen dies und tun das und legen hier…
Unter anderem deswegen finde ich es wichtig, besonders auch auf Tätigkeitsworte mal den Fokus zu legen. Hier habe ich schonmal eine Einheit mit Verben rund um den Körper für die 1. Klasse ausgeführt – analog lassen sich auch Ideen für andere Wortfelder ausarbeiten.
Verben-Pantomime ist immer wieder ein Renner (also Verb ziehen, wortlos vorspielen, andere SuS raten lassen). Dafür kann ein gemeinsamer Wortschatz geschaffen werden. Wer keine passenden  Bilder für einen Verben-Wortspeicher findet, der kann die Handlungen ja mit den Kindern nachstellen und Fotos machen – die werden dann der Wortspeicher.

Auf grammatischer Ebene geht es bei den Verben in der 2. Klasse vor allem um das Konjugieren – mindestens die er-Form und die wir-Form bzw. Grundform lernen die Kinder zu bilden. Besonders ans Herz legen möchte ich euch dafür das tolle Tafelmaterial von Frau Locke. Hier wird das Wortstammprinzip wunderbar deutlich, das zu kennen es sich beim Thema Verben ja lohnt. Sehr schön erkennt man, dass rechtschriftliche Besonderheiten sich vom Wortstamm in die Verbformen durchziehen.

Klasse 2: Thema Adjektive
Die Adjektive sind meiner Beobachtung nach für die Kinder die am schwierigsten zu greifende Wortart. Oft vermischen sich ihre Vorstellungen von Verben und Adjektiven und die Hilfsfrage „wie etwas ist“ führt auch nicht immer zu Klarheit.
Ich steige gerne mit dem Bilderbuch „Ich wär so gern ein wildes Schaf“ in das Thema Adjektive ein, in dem die Tiere gern mal so ganz anders wären als sie es sind. Über das Kontrastieren der Eigenschaften brav-wild oder stachelig-kuschelig kommen wir schnell darauf, dass hier Adjektive im Spiel sind. Dann beschreiben wir uns gegenseitig mit möglichst vielen Adjektiven und (analog zum Buch) uns selbst mit einer Eigenschaft, die wir gern hätten. Hier ist Vorsicht geboten, damit es nicht heißt „Ich will Fußball spielen können“ sondern „Ich wäre gern sportlich“. Entsprechende Satzanfänge kann man ggf. vorgeben.

Für meine Förderkinder habe ich u.a. eine Übung angeboten, bei der Dinge (Bilder) mit vorgegebenen Adjektiven beschrieben werden sollten. Das Legematerial findest du hier zum Erweitern und Anpassen: Adj. zuordnen Fördermaterial.

Das mit meinen Klassen schönste an den Adjektiven war immer das Angeben. Mit Hilfe der Komparative kann man ja so richtig schön angeben. Oft haben wir dann zusammen (mündlich) angegeben nach dem Motto „Alex ist hübsch, Tina ist hübscher, aber ICH bin am hübschesten!“ oder „Hannes‘ Hund ist schnell, Tims Katze ist schneller, aber mein Leopard ist am schnellsten!“. In manchen Lerngruppen sollte man vor solch einer Übung aber wohl besser betonen, dass es hier nicht um die Wahrheit gehen muss…

Klasse 2: Thema Wortarten unterscheiden
Wenn dann alle drei Wortarten eingeführt sind, sollten Übungen folgen, die das Unterscheiden im Blick haben. Klassisch können Wörter in Tabellen geschrieben werden (ist sicher auch in eurem Arbeitsheft drin…), handelnd können sie sortiert werden (wie oben bei der Artikel-Übung) etc.
Für meine fitteren Kinder habe ich in der 2. Klasse dann im Wochenplan eine  Variante von Stadt-Land-Fluss angeboten. Sie konnten sich einen Buchstaben erdrehen (ich habe aus den urpsrünglichen Spielen aus dem Aldi die Drehscheiben mit dem ABC – sehr cool) oder abzählen und dann dazu ein Nomen, ein Verb und ein Adjektiv suchen. Anspruchsvoll… Hier die Vorlage: Stadt-Land-Fluss mit Nomen.
Wer das Ritual „Satz des Tages“ nutzt, kann hier wunderbar auch jedes Mal die vorkommenden Wortarten bestimmen lassen. So schleift sich diese Unterscheidung nach und nach hoffentlich ein.

Klasse 3/4: Thema Zeitformen des Verbs
Bei den Klassen 3 und 4 habe ich keine weitere Unterscheidung vorgenommen, da die Themen ja spiralcurricular immer wieder aufgenommen und erweitert werden. Beginnen wir bei den Zeiten mit Präteritum, so kommen später analog Perfekt und Futur hinzu. Die Satzglieder Subjekt und Prädikat werden im Laufe der Zeit durch weitere ergänzt.
Die oben schon erwähnte Frau Locke hat zu ihrem Tafelmaterial inzwischen auch Varianten für die Zeitformen veröffentlicht (Danke dafür!), das ihr auf ihrem Blog findet. Wichtig ist auch hier wieder, die Verwandtschaft der Wörter zu betonen und somit die richtige Schreibung zu erklären.
Dummerweise verändern sich ja aber bei den sog. starken Verben die Wortstämme häufig, so dass das Wortstammprinzip hier nicht mehr immer greift. Wählt also euer Wortmaterial mit Bedacht und schaut auch euer Übungsmaterial mal durch, ob die Begriffe und die Zeitformen allen bekannt sein können.

Übungsformen sind neben dem sehr formellen Füllen von Tabellen das „Übersetzen“ von Texten in eine andere Zeitformen (gern im Zusammenspiel mit historischen Themen). Außerdem gehört es hier ganz klar dazu, dass Texte in einer vorgegebenen Zeitform selbst verfasst werden. Erlebniserzählungen und Berichte bieten sich für das Präteritum an (evtl. im Hinblick auf eine Klassenabschlusszeitung in der 4), Zukunftswünsche und -pläne für das Futur. Das Perfekt gilt es eher im Hinblick auf Satzglieder zu thematisieren, das es 1. ja den Kontrast von gesprochener und geschriebener Sprache symbolisiert und 2. die Verbklammer bzw. das geteilte Prädikat hervorruft.

Klasse 3/4: Thema Satzglieder
Rund um die Satzglieder verweise ich auf frühere Einträge im Blog:
Ein schnelles Schreibspiel
Satzglieder würfeln und andere Schreibspiele
Satzglieder erkennen
Mit Blick auf das Ziel, die Arbeit mit digitalen Medien auf alle Fächer zu verteilen, kommt hier noch die Idee, Satzgliederarbeit mal in ein Textverarbeitungsprogramm zu verlagern. Anstelle des Umstellens von Satzgliedern auf Papierzetteln oder durch Aufschreiben, kann man ja auch mal so vorgehen:
In einem vorgegebenen Satz die Satzglieder markieren, Satz kopieren und einfügen, Satzglieder umstellen. Diese Dateivorlage könnt ihr gern nutzen: Satzglieder-Übung am PC und wenn ihr mögt mein Erklärvideo dazu: https://youtu.be/G-ixJHf_vIQ*.

Alle Klassen: Grammatik mit Gedichten und Wortspielen
Das Stichwort „generatives Schreiben“ umfasst den Ansatz, mit Hilfe von Gedichten und anderen Paralleltexten Sprachbetrachtung zu betreiben. Lest euch bei Interesse mal ein…
Hier findet ihr ein schönes Beispiel dafür: DEMEK – Deutsch lernen in mehrsprachigen Klassen von der Bezirksregierung Köln. Das Beispiel auf S. 15 mit dem Gedicht „Der Frosch ist krank“ finde ich sehr empfehlenswert.
Vorschläge, die ich im Seminar eingesetzt habe, bekommt ihr hier noch dazu: Grammatik mit Wortspielen und Grammatik mit Gedichten.

Klasse 3/4: Schlusswort
Grundsätzlich müssen grammatische Themen immer ein gewisses Maß an formellem Übern enthalten – aber bitte nicht nur dieses! Nutzt Themen und Inhalte, um mit der Sprache zu jonglieren.
Nehmt zum Beispiel für eine Umstellübung mehrere Sätze zum gleichen (zur Zeit aktuellen) Thema. Spielt (mündliche) Spiele. Nutzt Gedichte, die ihr umschreiben lasst und übt so implizit die richtigen Nomen- oder Verbformen. Redet darüber, warum sich Wörter verändern, welche Wörter mit anderen verwandt sind und wie man diese Verwandtschaft nutzen kann.
Wenn es sich anbietet, vergleicht mal zwischen den Sprachen. Pluralbildung im Deutschen (Hilfe!!!) mit dem meist einfachen Plural-s in eurem Englischunterricht. Oder Artikel im Türkischen, Russischen, …

Ich weiß selbst, dass das alles ziemlich viel ist. Aber oft, das seht ihr oben, sind es eher kleine Übungen, die man immer mal wieder in den Unterricht einstreuen kann und die Grammatik beinhalten, ohne dass groß Grammatik dransteht!

Beste Grüße
Katha

*Das Video habe ich mit oCam aufgezeichnet und als „nicht gelistet“ in meinem YouTube-Account hochgeladen – so kommt nur heran, wer den genauen Link hat. Man kann so ein Video auch in ein Word-Dokument einbinden und dann quasi direkt dort sehen und pausieren, während man arbeitet.

Ach du jeh – die Schule ist zu!

Es ist wirklich unglaublich und niemand von uns hätte es vor ein paar Wochen für möglich gehalten, aber die Schulen sind zu. Alle. Niemand darf, kann oder muss in den Unterricht.

Mein Möppel freut sich sehr, dass er zuhause bleiben darf und nur zwei bis drei Schulstunden täglich ableisten muss. Das Möppelchen nimmt es bislang sehr gelassen – für ihn ist das halt nunmal jetzt so, wie es eben für einen Fünfjährigen so ist… Und ich? Ich versuche, zuhause zu arbeiten und zwei Kinder zu hüten und dabei kein völliges Chaos in Zeit und Raum zu verursachen. Wie sicher gerade viele von euch auch.

Sicher habt ihr inzwischen alle eine Organisationsform gefunden, wie ihr eure Schüler mit Aufgaben versorgt oder dürft sie laut Vorgabe des Landes einfach gar nicht „belästigen“. Dennoch möchte ich heute mal die Zeit nutzen, in der hier alle etwas zu tun haben und meine Erlebnisse niederschreiben. Achtung, es wird lang…

1.) die Schule:
Zu meinem Glück leite ich ja keine Klasse und bin nur mit rund zehn Stunden an meiner Schule. So konnte ich mich bislang auf die technische Unterstützung meines Kollegiums konzentrieren. Viele von euch haben ja Wege gefunden, entweder Bücher, Arbeitshefte und Kopien an die Kinder zu übermitteln oder ihnen auf digitalem Wege Aufgaben zukommen zu lassen. Bei uns läuft es gerade zweigleisig: die wichtigen Informationen für die Eltern einer Klasse sollen per Mailverteiler (in bcc – also Blindkopie!) herausgegeben werden. Dazu mussten zuerst die Emailadressen der Eltern eingesammelt werden. Zum Glück waren alle gewählten Elternvertreter so hilfreich, die ihnen gemailte Bitte per WhatsApp an die anderen Eltern weiterzuleiten, so dass sich langsam die Verteiler der Kolleginnen und Kollegen füllen.
Da ich persönlich kein großer Fan von Verteilern bin, habe ich auf der ersten Corona-Dienstbesprechung Padlet vorgestellt – eine Pinwand im Netz, auf der ich schreiben kann, aber auch Dateien oder Links angepinnt werden können. Erfreulicherweise fand das so viel Zustimmung, dass wir spontan in den Computerraum zogen und gemeinsam Accounts anlegten* und Klassen- bzw. Jahrgangspadlets einrichteten. Diese sind inzwischen sehr aktiv und werden sehr unterschiedlich gefüllt.

Da mich „meine“ alte Klasse aber auch nach einem halben Jahr noch nicht so ganz loslässt, habe ich diese Woche begonnen, zu einigen Kindern Kontakt aufzunehmen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. (Ziel ist es, dass alle mal was von mir hören – aber man muss ja klein anfangen.)
Drei Kinder, um die ich mir immer ein bisschen Gedanken mache, haben eine Postkarte mit lieben Grüßen bekommen. Ich habe das Gefühl, dass gerade diese wissen müssen, dass jemand an sie denkt.
Drei andere Kinder, meine „kleinen Professoren“, haben über die Eltern eine Mail von mir bekommen mit der Frage, ob sie sich mit mir ins Abenteuer Programmieren stürzen wollen. Im Zuge meiner aktuell laufenden Zusatzqualifikation „Informatische Grundbildung“** habe ich Scratch kennengelernt, mit dem man recht flott keine Geschichten und Spiele programmieren kann. Die Jungs waren begeistert und so haben sie heute früh von mir ein Video zum Start in Scratch bekommen (einen eher simplen Screencast***…).
Zuletzt habe ich auch ein Padlet gefüllt, das allerdings keine Pflichtaufgaben enthält sondern sportliche und kreative Anregungen und z.B. einen Malwettbewerb, eine Foto-Challenge etc. Das ist dann auch für alle Jahrgänge offen und zugänglich.

2.) das Seminar:
Unsere LAA sind momentan auch entweder zuhause oder in der Notbetreuung der Schulen eingesetzt. An Unterrichtsbesuche ist gerade logischerweise nicht zu denken und die Ungewissheit ist vor allem für den auf die Prüfung hinstrebenden Jahrgang blöd. Bislang hoffen wir, alle ausstehenden UB in den nächsten Monaten auffangen zu können.

Ein Fachseminar Deutsch/Mathe hätte ich vor den Ferien noch gehabt. Dieses habe ich mit meiner Kollegin „digitalisiert“ und dazu Material und Aufgaben in unser Lernmanagementsystem Moodle hochgeladen. Hier ist es jetztwirklich von Vorteil, wenn es solch ein System bereits gibt, alle einen nutzbaren Zugang haben und einigermaßen sicher damit umgehen können. Nun dürfen die LAA an diesen Aufgaben in ihrem Tempo arbeiten. Präsenzzeit haben wir in diesem Fall nicht eingefordert, da es bei den vielen unterschiedlichen Präsenzregelungen in den einzelnen Schulen durchaus zu Problemen führen könnte.

3.) Zuhause:
Wie eingangs beschrieben, verbringe ich die meiste Zeit mit meinen Jungs daheim. Für mich selbst aber auch in ihrem Sinne bemühe ich mich um einen regelmäßigen Tagesablauf. Wir schlafen alle etwas länger und ich habe somit morgens shcon rund eine Stunde allein, in der ich produktiv sein kann. Sowas wie ein Video lässt sich ja nicht wirklich aufnehmen, wenn alle fünf Minuten jemand „Mama!“ ruft…
Nach dem Frühstück und etwas spielen soll es eine „Arbeitszeit“ von etwa zwei Zeitstunden geben. Der Möppel absolvierte die erst engagiert, inzwischen ob der inzwischen weggearbeiteten leichten Aufgaben zunehmend unmotiviert. Das Möppelchen bekommt Malaufgaben, Konzentrationsübungen und ein bisschen was für die Feinmotorik (tolle Quelle: abcund123.de) und geht größtenteils sehr ernsthaft daran. Bislang kann ich ihn so besser einbinden als wenn ich ihn spielen schicke, während wir hier arbeiten… Wobei man meine Tätigkeit in dieser Zeit kaum ernsthaft als Arbeiten bezeichnen kann zwischen „Mama, schau mal, wie bunt der Vogel ist!“ und „Ich weiß nicht, was ich hier machen soll! Das steht da nicht!“.
Zum Glück sendet der WDR ja nun täglich um 11:30 die Sendung mit der Maus, so dass wir einen Motivationspunkt zum Ende der Arbeitszeit haben! Danke dafür!!!
Meine hausfraulichen Tätigkeiten umfassen momentan täglich ein halbwegs anständiges Mittagessen – puuh. Sandwich, Nudeln und Greißbrei sind da bei mir schon fast das Limit… Bislang sind wir aber zum Glück immer satt geworden und vor allem gibt es danach Mittagsruhe. Auf deutsch: jede/r in sein Zimmer, dort ruhen oder leise spielen. Mein Zimmer ist natürlich? Klar, das Büro. Mails beantworten, Konzepte weiterschreiben, telefonieren, technischen Support leisten. Seltsam, wie wenig man in anderthalb bis zwei Stunden schafft, wenn man weiß, dass sie fast schon wieder rum sind.
Der Nachmittag ist dann nach Möglichkeit Draußenzeit. Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir einen großen Garten haben und quasi im Wald leben. Wie sehr fühle ich mit denen, die in kleinen Wohnungen hocken und kaum raus kommen momentan! Ich hoffe, dass ihr entweder nicht dazu zählt oder gute Orte gefunden habt, an denen ihr Luft und Sonnenschein auftanken könnt!

Von Herzen ein „Bleibt gesund!“
die Katha

* Bei Padlet kann man mit einem kostenlosen Zugang selbst bis zu drei Pinwände erstellen. Teilnehmer kann man in beliebig vielen sein.

** Bei fobizz.de gibt es viele tolle, teils kostenlose Onlinefortbildungen rund ums Digitale. Vielleicht hast du ja momentan mal Lust, sowas auszutesten?!

*** Ich nutze das Programm oCam zum Aufzeichnen von Screencasts. Es ist echt leicht zu bedienen und hier herunterzuladen. Schneiden im einfachen Sinne kann man alles mit dem oft schon installierten MovieMaker auf Windowsrechnern.

Rezension: „Mio war da“

Mio war da (1)Titel: „Mio war da“
Verlag: Klett Kinderbuch (hier klicken)
Autorin: Tanja Székessy
Illustrationen: Tanja Székessy
ISBN: 978-3-95470-220-6

Zum Inhalt:
Mio ist das Klassentier der Klasse 1d und seines Zeichens Pinguin. Die Klasse und ihre erwachsenen Begleiter mag er sehr gern und so freut der kleine Pinguin sich sehr, als ein großes Abenteuer für ihn beginnt:
Er darf alle Kinder der 1d zuhause besuchen und sogar dort übernachten!
Auf je einer Doppelseite sieht und liest/hört man nun von den ganz verschiedenen Familiensituationen der Schülerinnen und Schüler aus Mios Klasse. Aus allen Kulturkreisen und sozialen Schichten kommen diese und von voller Action bis zu Vergessenwerden erlebt Mio so Einiges:

Meine Meinung:
Schon das Konzept des Buches hatte mich gepackt, bevor ich es in der Hand hielt: ein „neutraler“ Beobachter, der verschiedene Familiensituationen vorstellt, müsste einen wunderbaren Gesprächsanlass rund um Familie bieten…
Mio hat diese Hoffnung absolut erfüllt und ich hätte mich am liebsten direkt mit ihm in die Schule begeben (leider habe ich keine Klasse). Die Zeichnungen und Beschreibungen sind eindringlich, aber niemals wertend und laden so zum Betrachten und Vertiefen ein. Fast automatisch kommen Fragen auf nach der Fürsorgepflicht von Eltern, nach den Rechten der Kinder oder ganz banal zur Zusammensetzung von Familien. Jedes Kind, mit dem man diese Familien betrachtet, dürfte sich in einer der Situationen wiederfinden und berührt werden. In guten Gesprächen erkennen Kinder so vielleicht, dass ihre Probleme nicht nur ihre sind, sondern auch andere sie teilen oder dass es nicht ganz in Ordnung ist, wie es bei ihnen zuhause läuft. Vielleicht merken sie auch, dass nicht jedes Kind es daheim so gut hat wie sie selbst, was das Verständnis für das Handeln und Empfinden Anderer stärkt (Stichwort „Empathie“). Ganz sicher aber erweitert jedes Kind mit Mio und der 1d seinen Horizont!
Mio war da (2)

Leseempfehlung:
Für alle mit Kindern im Vor- und Grundschulalter, für ErzieherInnen mit Vorschulkindern und Grundschullehrkräfte kann ich Mio nur wärmstens empfehlen. Aufgrund seiner Tiefe bietet sich das Buch m. E. eher als Vorlesebuch an, kann aber auch lesenden Kindern Freude bereiten. Im Austausch beim Vorlesen sehe ich aber das oben schon angedeutete größere Potential.
Anschlussthemen für die schulische Behandlung sind z. B.:
– SU-Thema „Ich und die anderen“
– Schreib- und Malanlass: „Meine Familie“
– Gesprächsanlass: „Was kann alles Familie sein?“
– Thema „Kinderrechte“ – wofür müssen Erwachsene sorgen?
– Thema „Freundschaft“ – wie man andere versteht und mit ihnen spielt etc.
– das eigene Klassentier mit zu den Kindern geben und dazu erzählen, malen, schreiben (so etwas ergibt mit der Zeit ein wunderbares Klassenerinnerungsbuch!)

Vielen Dank an den Verlag Klett-Kinderbuch für das Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

„sagen“ sagt man nicht!

Einer der Klassiker der Aufsatzerziehung im dritten Schuljahr ist die Arbeit am Wortfeld „sagen“. Auch meine letzte Klasse durfte sich damit beschäftigen und gerade bekam ich aus dem aktuellen Jahrgang 3 den Impuls, dass ich das Thema mit Material noch gar nicht hier aufgearbeitet hatte… Also los:

In Vorbereitung auf die ersten bewerteten Texte setzen wir uns zuerst mit den inhaltlichen Aspekten auseinander: Aufbau einer Geschichte sowie Wichtiges in Einleitung, Hauptteil und Schluss. Dazu entwickelten wir gemeinsam Leitfragen für unsere Geschichtenmaus:
Geschichtenmaus
(Vielleicht erinnert ihr euch, dass ich die schonmal erwähnt habe in einem Artikel zu weiterführenden Schreibaufgaben.)

Darauf folgte die sprachliche Gestaltung der Geschichten. Verschiedene Satzanfänge gehören dabei genauso dazu wie die Wörtliche Rede zum Ausdrücken von Gedanken und Gefühlen. Gern beginne ich mit ein bisschen „Improvisationstheater“. Ich gebe einen Satz vor und kreiere verschiedene Szenarien darum herum, in denen ein Kind den Satz dann sagt, schreit, weint, … So kommen wir auf verschiedene Verben, die das Wort sagen ersetzen. Später spielen wir das Spiel gern immer mal wieder. Dafür kann ich dann schon ein paar Zettel mit Verben parat haben, die die Kinder dann ziehen und einen Satz so wiedergeben. Diese Übung sorgt immer für viel Spaß im Klassenraum!
Damit die hier und in weiteren Übungen gefundenen Verben auch ihren Weg in den Wortschatz der Kinder finden (und damit dann hoffentlich auch in ihre Geschichten), sammeln wir die Wörter sortiert nach ihrer Bedeutung auf einem Plakat. Die dort verwendeten Überschriften finden sich auch im passenden Minibuch wieder, das die Kinder selsbt füllen und auch für ihre Geschichten nutzen können. Beides begleitet die Arbeit über mehrere Stunden hinweg.

Hier das Material zum Aushängen (auf A5 reichts…): Plakate Wortfeld sagen
und für die Kinderhand: Minibuch Wortfeld sagen

Beste Grüße
Katha

Reisesteine

Was mit dem Fund eines in Krefeld bemalten Steines auf Langeoog begann, hat erst meinen Möppel und mich (selbst ja bekennende Ostwestfalen) bewegt, selbst Steine zu bemalen und auszulegen und ist nun ein Unterrichtsprojekt für eine dritte Klasse geworden. Die eigentliche Planung wurde leider stark verzögert wegen meiner Tollpatschigkeit, die mit einem Bänderris und somit einer wochenlangen Krankschreibung bestraft worden war.

Alle Interessierten nehme ich mit in den geplanten Ablauf der Sequenzen inkl. ungefährer Zeitangaben:

1. Das Konzept der Wandersteine/Kreativsteine wird erklärt: man bemalt einen Stein, legt ihn an einem Ort aus, wo er auch gefunden werden kann. Der Finder meldet den Stein (bislang meist in facebook-Gruppen*) und legt ihn an anderer Stelle wieder aus. Hausaufgabe: einen passenden Stein mitbringen – Kriterien: etwas handtellergroß, rundlich / nicht kantig, einigermaßen glatt, sauber (ca. 1/2 bis 1 Stunde)

2. Die SuS bemalen im Kunstunterricht ihre Steine mit Acrylfarben und Wunschmotiven. Ob es ein Motto gibt, kann man selbst entscheiden. Die Vorderseiten der Steine werden fotografiert.** (ca. 2 Stunden)
Ich habe für dieses Projekt ein günstiges 12er-Set Acrylstifte vom Versandriesen gekauft, Klarlack gab es grad günstig beim Discounter und Acrylfarbe für die Grundierung in der Schule.

3. Es wird ein Padlet o.ä. angelegt, in dem die FinderInnen ihren Fund mit Foto dokumentieren können. Hier könnte entweder die Regalform gewählt werden, so dass jeder Stein eine eigene Spalte hat, in der seine Fundorte nachzulesen sind, oder die Version „Karte“, so dass FinderInnen via GoogleMaps den aktuellen Fundort jedes Steins markieren können***. Zweitere Version bietet sich an, wenn in Sachunterricht eine Verknüpfung mit Geografie geplant ist. Die SuS lernen die Handhabung des Padlets kennen und einigen sich auf Titel und Untertitel. Bei uns wurde es „Reisesteine“.
4. Es wird überlegt, wie der Link zur gewählten Seite auf den Stein kommt. Lange URL lassen sich aus Platzgründen nicht darauf schreiben, so dass die Arbeit mit einem Kurzlink vorgeschlagen wird. Der Name für den Kurzlink wird gemeinsam abgestimmt. (3. und 4. passt in eine Stunde)
Wir haben t1p als Linkverkürzer verwendet, da die Basis-URL dort sehr kurz ist und man das Wort dahinter selbst festlegen kann. Andere Systeme generieren vierstellige Zahlencodes, die sich aber eben nicht so gut merken lassen wie unser Schlagwort.

5. Die SuS tragen ihre Steine mit Foto in das Padlet ein. Jeder Stein bekommt eine eigene Spalte, einen Namen und eine kurze Beschreibung.
Bild 1: Erste Einträge ploppen auf – große Verwunderung, gefolt von Begeisterung:
2020-01-21 10.06.08
Bild 2: Nun sind alle Steine eingetragen:
Reisesteine Padlet
Jeder, der über den Kurzlink Schreibzugriff auf das Padlet hat, kann darin eine neue Spalte und/oder einen neuen Beitrag anlegen. Die Lehrkraft muss darauf achten, dass zwar Schreibrecht, aber kein Editierungsrecht erteilt wird, sonst könnten Beiträge der SuS von Besuchern gelöscht oder verändert werden.

6. Die fertig bemalten Steine werden auf der Rückseite mit dem Kurzlink beschriftet, dann mehrfach mit Klarlack überzogen und nach dem Trocknen in der Umgebung der Schule ausgelegt. Ein Unterrichtsgang oder eine Nachmittagsaktion bieten sich an (wieder Anknüpfungspunkt Geografie, Heimatort). (1 Stunde)
Auslageorte sollten gut sichtbar sein und kein Stein sollte wegen Hundealarm direkt am Boden liegen.

7. Nun heißt es: Abwarten und regelmäßig überprüfen, ob bzw. welcher Stein gefunden wurde und einen Eintrag bekommen hat. Mit Hilfe des Kurzlinks können die SuS auch von zuause aus nachsehen, ob ihr Stein gefunden wurde.

Abschließend noch ein paar Überlegungen zur Frage, ob dieses vielleicht ein „zeitgemäßes“ Unterrichtsprojekt ist. Es gibt mehrere Gründe, die dafür sprechen könnten: das Projekt trägt ein bisschen Lebenswelt (mancher SuS zumindest) in die Klasse – sicher aber trägt es bei den meisten SuS einen Unterrichtsinhalt in die Lebenwelt hinein: über den Kurzlink kann man daheim oder unterwegs schauen, was sich im Padlet getan hat. Das lässt sicherlich kaum jemanden kalt, wie es dem eigenen Stein ergeht.
Außerdem kommen „neue“ Medien zum Einsatz, wenn auch erstmal nur am Rande. Nicht jedes Kind kann anfangs beim Erstellen der Seite aktiv am PC arbeiten, aber jedeR kann mitdenken und mitplanen. Den eigenen Stein kann dann jedes Kind selbst in das Padlet einpflegen; entweder geschieht das mit schuleigenen mobilen Geräten oder mit Hilfe von Digitalkamera, Datenkabel und PC. Und daheim nachschauen kann auch jedes Kind.
Nicht zuletzt geht es hier um eine gemeinsame Erfahrung, die Kreativität und kollaborative Ansätze beinhaltet und Kommunikation zwischen den SuS und im Nachhall mit Menschen aus der Umgebung anregt.

Herzliche Grüße
Katha

* An dieser Stelle kann man je nach Lernausgangslage der Klasse auch überlegen, warum man sich eben nicht an die facebook-Gruppen anhängt, sondern eine unabhängige Plattform nutzen sollte, die auch ohne Anmeldung via Link zugänglich ist.

** Bei uns wurden die Fotos dann auf den PC übertragen und den Kindern im Schulaustauschverzeichnis zum späteren Hochladen zur Verfügung gestellt.
Einige Bilder mussten wir nachholen, was ich aufgrund von Zeitmangel dann so gelöst habe: Padlet am Handy aufrufen, Fotos mit dem Handy machen, Fotos direkt ins Padlet hochladen – die Kinder waren begeistert.

*** Beim Teilen muss die Option „kann schreiben“ aktiviert sein, damit BesucherInnen der Seite die bestehenden Einträge nicht ändern können, selbst aber ihren Fund eintragen können.

Sprechende Bilder (mit QR-Codes)

2020-01-21 13.05.42

2020-01-21 13.05.54Eine liebe Kollegin im zweiten Schuljahr hat ein klassisches Thema mit ihren Schützlingen angepackt: Das Gedicht „Ich male mir den Winter“ von Josef Guggenmoos. Ich traf sie, wie sie die Bilder in unserer Halle ausstellte und wir bewunderten sie gemeinsam. Als sie mir erzählte, dass die Kinder das Gedicht auch vorzulesen geübt hatten, schlug ich vor, eben dieses Vorlesen aufzunehmen und mittels QR-Code auf die Bilder zu kleben, so dass die Eltern mit ihrem Smartphone den Kindern zuhören können. Da die Kollegin begeistert von der Idee war und wir ja gerade frisch zwei iPads an die Schule bekommen haben, war fix ein Date gemacht, um die Aufnahmen zu machen.

Für die Aufnahmen nutzten wir eine App, die ich erst vor Kurzem entdeckt hatte: chirp.qr. Hiermit kann man…
– intuitiv Sprache aufnehmen (Vögelchen antippen startet und beendet die Aufnahme),
– das Aufgenommene zur Kontrolle anhören und
– dann direkt einen QR-Code erzeugen und speichern.
Kleiner Tipp für den mehrfachen Einsatz wie in unserem Fall: man gibt den Codes beim Speichern zwar Namen, aber die tauchen beim Exportieren der Bilder nicht auf. Also Reihenfolge der Sprecher notieren – handschriftlich oder in einer Notizen-App (in die man zur Sicherheit auch die Codes einfügen kann).

Was wir nun also gemacht haben? Mit den beiden vorhandenen Tablets haben wir uns in zwei ruhige Räume verzogen und nach und nach alle SuS das Gedicht vorlesen lassen. Jede Aufnahme wurde in einen QR-Code umgewandelt und gespeichert. In Ermangelung eines USB-Lightning-Speichersticks und eines WLAN-Druckers habe ich die Codes dann via AirDrop an mein iPhone übertragen und von dort an meine Schuladresse gemailt. Dann waren die Codes flott ausgedruckt. Zuletzt wurde jeder Code auf das dem Kind gehörende Bild geklebt und schon hat man Zeichnung und Sprache verbunden. Für interessierte, aber nicht so erfahrene Techniknutzer habe ich eine kurze Anleitung für die QR-Codes zu den Bildern gehängt (s. Foto).

Hier könnt ihr mal anonym in zwei Aufnahmen hineinhören. Dabei wird auch ganz gut die Bandbreite der Leseleistung deutlich. (Einige Kinder haben auch nur die erste Strophe eingelesen…).

Für uns ein sehr rundes kleines Projekt, für das sich sicher viele Kunst-Themen oder Lesestücke eignen. Gerade bei dem Gedicht, das die Kollegin ausgewählt hat, passt das Vorgehen einfach toll, denn der Text beschreibt ja exakt das Gemalte bzw. das Gemalte richtet sich nach dem Text des Gedichts.

Beste Grüße
Katha

Thementag „Medienkonzept“

Wie viele andere Schulen auch, befinden wir uns momentan mitten in dem Prozess, ein Medienkonzept zu verfassen. Gerade haben wir (Steuergruppe und Mediengruppe) dazu einen „Thementag“ als SchiLf bzw. Pädagogischen Tag durchgeführt. Hier kommen daraus ein paar Eindrücke.

LesespielZum Start haben wir mit allen KuK ein Reaktions-Lesespiel* durchgeführt. So ging es ein bisschen lockerer los als mit dem direkten Input und wir haben schonmal ein paar Argumente ausgetauscht. Die Idee, solch ein Lesespiel auch außerhalb von Unterricht durchzuführen, kommt vom letzten LAA-Jahrgang, die eines bei ihrer Verabschiedung aus dem ZfsL einsetzten. Hier gibt es die Vorlage zum Lesespiel Aufwärmen – je nach Personenzahl müsste man es verlängern oder kürzen…

MK1Der eigentliche Beginn war dann ein Inputvortrag von mir, in dem ich die Begründung für die Arbeit dargestellt habe und warum ich dieses Konzept anders als diverse andere Konzepte und Arbeitspläne, die wir in den letzten Jahren schreiben mussten, sinnvoll finde. Kritisches und die erwartbaren Widerstände sind darin direkt eingeflossen, um nicht zu euphorisch und dadurch realitätsfern zu wirken. U.a. hier:

Inhalt war neben demMedienkompetenzrahmen NRW als Pflichtteil auch das SAMR-Modell, um eine leichte theoretische Unterfütterung des größtenteils praktischen Tages zu gewährleisten.
SAMR_BadDiese Visualisierung des Modells von Ruben Puentedura gefällt mir deshalb so gut, weil die zurückhaltenden KuK sehen können, dass sie sich gar nicht sofort „ganz in die Tiefe“ der Digitalität begeben müssen, sondern auch erstmal ein wenig unter die Oberfläche schauen können. Wichtig allerdings ist, dass man sich bewegt und nicht am Rand stehen bleibt!

Nach dem Input hatten wir einen „Digitalen Klassenraum“ ausgebaut: es gab verschiedene Angebote zum Ansehen und vor allem Ausprobieren.
> BeeBots – kleine gelbe bienenfärmige Roboter, deren Laufweg man programmieren muss
> eine Übung, bei der Satzglieder im Textverarbeitungsprogramm markiert und verschoben werden
> die digitale Version unseres Deutschlehrwerks
> die App Anton
> unser digitales Aufnahmegerät
> eine Präsentationskamera (aka Visualizer) und eine tote Biene zum Heranzoomen
> eine Sortierübung zu den Wortarten erstellt mit Learningapps

Eifrig wurde hier niederschwellig getestet und besprochen. Im Anschluss gab es drei etwa 20minütige Probierangebote, die die KuK in 4er-Gruppen nacheinander besuchten:
> mit BookCreator am Tablet eine Zahlvorstellung herstellen
> mit den Calliope Minis am PC erste kleine Programmierungen versuchen
> (allein) den Link zu einem Padlet öffnen und darin eine Geschichte planen (s. alter Blogeintrag)
Daran schloss sich ein Austausch an über Erlebtes, Festgestelltes, Schwierigkeiten und Wünsche.

Am Nachmittag ging es dann in den (z. T. erweiterten) Fachkonferenzen darum, fachbezogen konkrete Ideen zu sammeln und diese dem MKR zuzuordnen. Es gibt ein tolles sehr großes Poster des MKR, auf dem wir dann jede Idee als Klebezettelchen dokumentieren konnten. Jedes Fach hatte eine eigene Klebezettelfarbe bekommen, um später die Übersicht zu erhalten. Der Arbeitsauftrag beinhaltete das Wünschen und Fantasieren. Wie vielen anderen Schulen auch stehen wir ja vor dem Spagat, den Einsatz von Medien in unseren Unterricht zu implementieren, die viele von uns nicht kennen/nutzen. Deshalb sollten alle Ideen notiert werden unabhängig von ihrer Realisierbarkeit und den technischen Mitteln.
Nun stehen wir vor dem nächsten Schritt: Die Zettelchen müssen ausgewertet und ggf. nachsortiert werden, damit dann daraus eine Art von Mediencurriculum für unser Medienkonzept werden kann.

Abgeschlossen wurde der Tag mit einer Zielscheibenumfrage mit oncoo, einem Tool des Studienseminars Osnabrück. Hier gab es fünf Fragen zur eigenen Haltung gegenüber Medien und wie sich diese evtl. am Päd. Tag verändert hat.

Es war ein sehr spannender Tag für mich als sehr medienaffine und -sichere Lehrerin, die sich in manche Bedenken erstmal selbst eindenken musste. Ich wünsche mir, dass wir einen Prozess anstoßen konnten nicht nur einen weiteren „toten“ Papiertiger namens Medienkonzept schaffen…

Tschüss!
Katha

* Für diejenigen, die damit (noch) nichts anfangen können, habe ich in diesem alten Blogeintrag mal die Funktion beschrieben.

Rezension: „Fips will keine Schildkröte mehr sein“

Fips (1)Titel: „Fips will keine Schildkröte mehr sein“
Verlag: KaleaBook (hier klicken)
Autorin: Simone Gruber
Illustrationen: Jacqueline Kauer
ISBN: 978-3-906234-09-0

 

Zum Inhalt:
Fips ist eine Schildkröte und findet es langsam ziemlich langweilig: immer nur in der Sonne liegen und dann auch noch den schweren Panzer mitschleppen…
Zum Glück trifft Fips aber den munteren Hasen, der einem Tausch nicht abgeneigt ist. So tauschen die beiden Fell gegen Panzer und erleben nun, wie es in der Haut des jeweils anderen so ist. Schnell merkt Fips, dass das Hasensein als „Fellkröte“ sehr gefährlich ist und tauscht noch einmal, später dann noch mit einem dritten Tier. Jedes Mal aber merkt die kleine Schildkröte, dass alle mit ihren Problemchen zu kämpfen haben – leichte Beute zu sein bzw. gejagt zu werden ist auf die Dauer echt anstrengend.

Letztendlich finden die vier Tiere der Geschichte aber eine Lösung, mit der sie alle zufrieden sind.

Im Buch findet man am Ende einen Anzieh-Fips, also eine stabile Pappseite mit einer Ausschneideschildkröte und diversen Outfits, die diese in alter Anziehpuppenmanier passen. Weitere Vorlagen gibt es online zum Download, so dass auch Geschwisterkinder oder alle Kinder einer Gruppe/Klasse eine eigene Puppe haben können.
Fips (2)

Meine Meinung:
Die Geschichte von Fips beginnt mit einem Thema, das vielen Kindern sehr nah ist: Aspekte des eigenen Lebens oder der eigenen Persönlichkeit stören mich und ich bin unzufrieden oder sogar traurig. Ich wünsche mir, jemand anderes zu sein, mehr zu dürfen/können, anders auszusehen etc.
Die meisten Menschen, auch und vor allem Kinder, können mit Fips mitfühlen und die kleine Schildkröte auf ihrem Weg begleiten. Fips kann etwas, dass wir nicht können: er schlüpft in eine andere Haut. Er merkt aber auch, dass das Gras drüben vielleicht doch nicht immer grüner ist. Hier wird viel Wertearbeit betrieben, ohne den mahnenden Zeigefinger zu heben. Das macht das Buch für mich sehr liebenswert und zu einem unverzichtbaren Bestandteil unseres Familienbücherregals. Ein Lebensmotto kann man, wenn man will, mitnehmen:
Fips (4)

Was mir und meinen Kindern (4, 8) neben der lustig erzählten Geschichte sehr gut gefallen hat, sind die Illustrationen von Fips und den anderen Tieren und die Hintergründe, die einige kleine Überraschungen zum Entdecken anbieten. Toll finde ich es auch, dass je nach Situation mit der Schriftgröße, -art und -farbe gearbeitet wird. Die Aussagen der Tiere sind in einer für sie passenden Farbe gedruckt, Lautmalereien werden so hervorgehoben.

Aus der fachlichen Ecke der Deutschdidaktikerin möchte ich noch hervorheben, dass „Fips will keine Schildkröte mehr sein“ sehr repetitiv aufgebaut ist. Jede Begegnung läuft nach dem gleichen sprachlichen Muster ab, so dass die Zuhörer schnell auch schon Teile mitsprechen können. Im Sinne des sprachsensiblen Unterrichts sind Bilderbücher mit solchen aus dem Fremdsprachenunterricht bekannten „repititive structures“ meine Favoriten.

Leseempfehlung:
Als Vorlesebuch ist Fips‘ Geschichte ab etwa drei Jahren geeignet; die Anziehpuppe unterstützt hier handelnd das Verständnis der Geschichte. Tiefergehende Gespräche über die eigene Persönlichkeit, Wünsche und Nöte kann man ausgehend von diesem Bilderbuch sicher bis ins Jugendalter noch führen – die Zielgruppe liegt aber m.E. bei Vor- und Grundschulkindern.

In der Grundschule kann ich mir Fips deshalb auch hervorragend vorstellen: In Ethik oder Religion, in Klassenstunden etc. wäre das Gespräch über die eigenen Fähigkeiten, was man gern mal wäre/könnte und warum man doch gern man selbst ist, gut mit der gelangweilten kleinen Shcildkröte anzustoßen.
Im Fach Deutsch fände ich es einen ganz tollen Schreibanlass, Fips noch ein anderes Tier treffen zu lassen, so dass sich ein neuer Name für die Schildkröte, Fellkröte, … ergibt und welche Nöte Fips dann wohl erleben könnte. Ein ganzes Klassen-Geschichten-Buch kann so entstehen, an dessen Ende dann wieder die Lösung des Problems aus dem Buch stehen würde.

Vielen Dank an den schweizerischen Kalea-Verlag für das druckfrische Rezensionsexemplar!

Beste Grüße,
Katha

Doppelrezension: Gewaltfreie Kommunikation (GFK)

Titel: „Zauberbuch Familienfrieden konkret“ und „Was brauchst du?“
Verlag: edition riedenburg (hier klicken)
Autorin: Hanna Grubhofer, Sigrun Eber
Illustrationen: Barbara Weingartshofer
ISBN: 978-3-99082-015-5 und 978-3-99082-022-3

Zum Inhalt:
1. „Was brauchst du?“

In diesem Büchlein werden verschiedene Streitfälle zwischen immer zwei Tieren erzählt und mit Bildern visualisiert. Jedes Mal kommt die Giraffe, das Symboltier für die gewaltfreie Kommunikation, helfend hinzu. Sie ermittelt die Bedürfnisse der Streitenden und hilft, Lösungen zu finden. Im hinteren Teil gibt es Ausfüllseiten, die sich mit den „Fällen“ noch einmal intensiver beschäftigen und quasi eine Schablone anbieten, wie man in Streitsituationen vorgehen kann.


2019-09-29 14.30.512. „Zauberbuch Familienfrieden konkret“
Autorin Hanna Grubhofer beschreibt sehr ausführlich Situationen aus ihrem Großfamilienleben und wie sie die GFK dort einsetzt bzw. was wichtig ist. Sie bietet Notizseiten an, auf denen der Leser seine eigenen Erfahrungen, Haltungen und Ideen festhalten kann.

Meine Meinung:
1. „Was brauchst du?“

Hier bekommt man entweder als Elternteil oder als Lehrkraft eine sehr konkrete Arbeitshilfe an die Hand, mit der man „streitbare Kinder“ vielleicht ein bisschen sensibilisieren kann. Sie werden in die Geschichten einbezogen und erhalten so Handlungsmuster, wie man sich auch in einem aufgebrachten Zustand in sein Gegenüber hineinversetzen kann. Das Formulieren von Bedürfnissen wird durch Satzmuster hier gut unterstützt und vor allem die wiederholten Abläufe in allen Geschichten können in den Kindern sicher einiges bewegen. Die Giraffensprache, die ich schon in meiner Ausbildung kennenernte, kommt so wieder zu mir zurück und erfreut mich aufs Neue.
2. „Zauberbuch Familienfrieden konkret“
Von diesem Buch hatte ich mir ein bisschen mehr erwartet oder vielleicht eher „ich hätte mir etwas Anderes darunter vorgestellt“. Beim Lesen nimmt die Autorin mich mit in ihr Leben, ihre Erfahrungen und Entscheidungen. Das „konkret“ im Titel ist also bezogen auf ihre Familie absolut treffend. Ich hätte bei „konkret“ eher Tipps oder Entscheidungshilfen erwartet, die sich jedoch von der vorgestellten Familiensituation mit sieben Kindern und einem sehr alternativen Lebensstil kaum auf meine Familie bzw. die meisten mir bekannten Familien übertragen lassen.
Es ist schon interessant, die Konsequenz in der Anwendung der GFK so mitzulesen, aber es wurden kaum Konflikte mit Kindern aufgezeigt (die es scheinbar durch die Art der Erziehung in der Familie kaum gab) – gerade dies war jedoch meine Leseerwartung…
Die Reflexionsseiten finde ich persönlich innerhalb eines solchen Buches wirklich gut – man kann sich so nochmal ganz persönlich mit dem Thema bzw. den Impulsen beschäftigen und liest dann auch ein bisschen anders.

Leseempfehlung:
1. „Was brauchst du?“
Für Eltern von Vor- und Grundschulkindern sowie für päd. Fachleute in diesem Altersbereich finde ich das Buch zur Giraffensprache wirklich sehr konkret einsetzbar. Die Geschichten sind so konstruiert, dass die Kinder sich inhaltlich sicher darin wiederfinden können und die Satzmuster bzw. Ausfüllvorlagen sind zielführend und hilfreich.
2. „Zauberbuch Familienfrieden konkret“
Ein Ausflug in eine etwas andere Familienwelt und das Eintauchen in eine Haltung, die der Gewaltfreien Kommunikation – wer den wagen will und sich interessiert, für den ist dieses Buch genau richtig. Wer aktuell Probleme daheim hat und Vorschläge sucht, wie diese mit Hilfe der GFK angegangen werden können, der ist hier nicht ganz so richtig und sollte mal im Sortiment des Verlags stöbern, was dort noch im Angebot ist.

Vielen Dank an den Verlag edition riedenburg für das druckfrische Rezensionsexemplar und das liebevolle Päckchen, das mir geschnürt wurde!
Familienfrieden (3)

Beste Grüße,
Katha

Bald ist wieder … Vorlesetag!

Ich zitiere an dieser Stelle einen bzw. gleich zwei alte Einträge und füge eigentlich nur noch etwas Material für die Organisation hinzu…

Hier habe ich schon öfter für die Teilnahme am bundesdeutschen Vorlesetag geworben, weil ich die Idee dahinter einfach toll finde und sie gern weiter trage. Wer Interesse hat, an der eigenen Schule solch eine Aktion zu organisieren, dem stelle ich hier meine Vorlagen zur Verfügung.

Die Anschreiben, die weit genug vorher an die in Frage kommenden Menschen herausgehen müssen (Lehrkräfte, OGS-Kräfte, Eltern…):
Erstes: Vorlesetag 1. Anschreiben – an alle möglichen Beteiligten
Zweites: Vorlesetag 2. Anschreiben – an die Vorleser

Die Listen zum Überblickbehalten:
Organisatorenliste: Vorlesetag Übersichtsliste für Teilnehmer Räume Bücher
Eintrageliste: Vorlesetag Liste zum Aushängen

Und zu guter Letzt die Ticketvorlage, wenn man den Kindern so etwas an die Hand geben möchte: Vorlesetag Ticket

Beste Grüße
Katha